Jugendliche aus der französischen Provinz – oder die neue alte Frauenfeindlichkeit

„der neue Mann – brutaler Macho?“

Der Bericht auf arte macht mich nachdenklich. Es geht um Jugendliche in französischen Vororten und ihre Vorstellungen zu Geschlechterfragen. Kaum ein Klischee des klassischen Macho-Denkens, über das „wir“, die wir uns als emanzipiert bezeichnen, längst hinweg sind, wird ausgelassen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich beim Zuschauen aus dem Kopfschütteln kaum mehr rauskomme. Wobei mich der Begriff des „Macho“ in diesem Zusammenhang gewaltig stört. Frauenhasser würde es besser treffen.

Mädchen, die sich sexy kleiden, sind Schlampen, sie sind selbst schuld, wenn sie belästigt werden. Sogar die Mädchen selbst sehen das teilweise so. Sie haben die frauenhassenden ungeschriebenen Gesetze längst verinnerlicht. Sie finden es ok, wenn ein Mann eine Frau schlägt, natürlich nur, „wenn sie es verdient hat“. Die Jungs vögeln in der Gegend herum, wissen aber genau, dass sie eine Jungfrau heiraten werden, eine die sich verschleiert. Das sind die guten Mädchen. Die wissen, was sich gehört für Mädchen. Sie toben sich an „Schlampen“ aus, aber das Mädchen soll „rein und sauber“ sein. Ein junger Mann, der sich selbst als atheistisch bezeichnet, verlangt von seiner zukünftigen Frau, dass sie wie eine Muslima lebt. Er hat selbst keine Ahnung, was der Schleier bedeutet, weiß aber, dass die Frau ihn tragen muß. Mädchen, die sich vor Übergriffen schützen wollen, vermeiden alles, was ihre Weiblichkeit betont. Kleiden sich wie Jungen, verhalten sich wie Jungen. Sie werden zwar als „Freunde“ akzeptiert“, aber nicht als Mädchen wahrgenommen.

Welcher Frauenhass steckt dahinter, wenn man „das Weibliche“ für alles Übel der Welt verantwortlich macht? Hat sich das Geschlechterbild, das sich seit Jahrhunderten in den Gedanken manifestiert hat, noch immer nicht geändert? Wissen diese Jugendlichen wirklich wovon sie reden, oder sind sie lediglich Opfer einer partriachalisch geprägten Erziehung ihrer Väter, die ihre Moralvorstellungen erfolgreich weitergegeben haben?

Man könnte nun sagen, naja, französische Vororte. Die leben in ihrer eigenen Welt, was wissen sie also von der Welt da draußen? Dabei darf man aber nicht vergessen, dass es diese Art Denken überall gibt, auf jedem Kontinent, in jedem Land, in jeder größeren Stadt. Überall eben. Französische Vororte stehen hier nur beispielhaft für eine ganze Gesellschaft, die noch immer nicht verstanden hat, dass Menschenrechte auch für Frauen gelten.

3 Kommentare zu “Jugendliche aus der französischen Provinz – oder die neue alte Frauenfeindlichkeit

  1. Hab heute in ´nem älteren Stern über den Brautraub in Kirgistan gelesen (http://www.stern.de/stiftung/brautraub-kirgistan-verschleppt-1592964.html). Das hat mich auch total umgehauen. Wie es in der Welt zugeht. Und in Frankreich? Eigentlich ein modernes Land.
    Ja, die Jugendlichen sind sicher Opfer, aber weibliche sind doppelt Opfer. Und das ist schlimm. Dass die Mädchen sich auch diesen Vorurteilen und Machismen anpassen und sie genauso weitertragen. Sie lehnen sich nicht auf, akzeptieren die Dinge, wie sie ihnen vorgesetzt werden. Das macht mich wahnsinnig wütend. Und dass diese Inhumanitäten als „normal“ vermittelt werden – die Menschen sich nicht davon distanzieren. Dass es immer noch irgendwelche Deppen gibt, die das für gottgegeben halten und diese antiquierten menschenverachtenden Thesen weitertragen.

    • Ich finde problematisch, Grenzen zu vermitteln zwischen Thesen, über die man streiten mag, die aber akzeptabel sind, und Thesen, die wirklich nur noch diskriminierend sind. Wenn einer sehr traditionelle Vorstellungen hat, mag man das teilen oder nicht, aber grundsätzlich ist daran erstmal nichts falsches zu finden. Wenn in diese Vorstellung allerdings Forderungen einfließen, die die Freiheit des anderen erheblich beschneiden, sieht das anders aus. Und diese Grenze, was noch unter persönlichen Vorlieben und Meinungsfreiheit zu verbuchen ist, und was eben nicht, vermittel mal einem dieser pubertierenden Jugendlichen. Selbst unter unsereins gibt es darüber immer wieder Differenzen. Wie sollen damit junge Menschen zurecht kommen, die sich mit diesem Thema noch nie befasst, und sich schon fest in ihre Rolle in der Gesellschaft gefügt haben?

  2. Im Hiphop und bei Bushido findet sich ja die gleiche Denkweise, wenn man sich die Texte anschaut.
    Ein Teil der Mädchen hat ja auch Vorteile davon. Sie sind eben die „guten“ und werden dafür gelobt. Sie werden darin von Freundinnen, Müttern, Tanten etc bestärkt, sollen den Männern den Sex vorenthalten, bis diese bewiesen haben, dass sie es ernst meinen. Mädchen, die sich hieran nicht halten, werden dementsprechend durch die „guten“ Mädchen ausgegrenzt. Männer, die etwas von den „guten“ Mädchen wollen, müssen diese Denkweise übernehmen und deutlich machen, dass sie eigentlich ein „gutes“ Mädchen wollen, bereit sind den Preis hierfür zu zahlen (warten auf Sex, umwerben des Mädchens mit den damit verbundenen Kosten) und das die anderen Frauen dumm und billig sind, dass man sie deswegen ruhig ausnutzen kann, bis man die richtige gefunden hat.
    Ich wollte damit nur deutlich machen: Man kann die Betrachtung auch auf Frauensicht umstellen und sie zu den aktiven machen.

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