Belästigung eine Frage der Schönheit?

Angeregt durch eine Diskussion auf Piratenweibs Blog möchte ich hier ein paar Gedanken loswerden.

Wenn es wirklich so wäre, wie dort behauptet wird, dürfte es keine durchschnittlichen oder unattraktiven Belästigungsopfer geben. Denn nach dortiger maskulistischer Meinung werden nur attraktive sexy Frauen angemacht, mit mehr oder weniger zweifelhaften Komplimenten beglückt, bzw belästigt. Was schon aus dem Blickwinkel Blödsinn ist, dass das 3 völlig verschiedene Dinge sind. Nicht jede Anmache ist ein Kompliment, nicht jedes Kompliment soll eine Anmache sein. Aber Belästigung ist erst recht weder noch. Nicht so in des Maskulisten Gedankenwelt. Bei ihm verschwimmen die Begrifflichkeiten ineinander und er meint steif und fest, dass häßliche Frauen nicht belästigt werden, weil sie eben häßlich sind und sie keiner erst anschaut. Andererseits sind aber attraktive sexy Frauen wiederum an ihrer Belästigung selbst schuld, weil sie eben sexy sind und damit belästigendes Verhalten provozieren. Ja, so simpel kann die Welt sein.

Dass Belästigung nichts mit der Attraktivität des Belästigten zu tun hat, sondern lediglich ein Machtinstrument darstellt, um zu zeigen, wer hier das Sagen hat, scheint irgendwie zu kompliziert zu sein.

Eine weitere Unlogik. Wenn nur Schönheiten belästigt werden, wie kommt es dann zu den vielen sexualisierten Mailbelästigungen von Feministinnen, die ja nach Maskulistenlogik per se allesamt potthäßlich sind? Oder ist das was anderes, weil man sich in dem Fall praktischerweise nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht?

8 Kommentare zu “Belästigung eine Frage der Schönheit?

  1. Wenn nur Schönheiten belästigt werden, wie kommt es dann zu den vielen sexualisierten Mailbelästigungen von Feministinnen, die ja nach Maskulistenlogik per se allesamt potthäßlich sind?

    Die wünschen sich doch nur, dass alle Feministinnen potthässlich wären. Damit ihr Weltbild nicht ins Wanken gerät.
    Ansonsten: Ja, die Diskussion ist oberätzend. Ich weiß gar nicht, warum sie gerade da wieder so viel rumschreiben müssen. Und dann sich beschweren, Frauen bloggten nicht über Politik oder so. Dabei schreibe ich viel über Politik – da kommentieren i.d.R. nur sehr sehr wenige. Alles eine Frage der Wahrnehmung? Passt nicht in mein Weltbild – sehe ich nicht.

  2. Als oberätzend würde ich die Diskussion nicht bezeichnen. Sie ist beispielhaft und entlarvend.
    Frau ist sexy? Dann will sie es, egal ob sie will oder nicht. Frau ist durchschnittlich? Dann ist sie nur neidisch auf ihre sexy Freundinnen und erfindet Märchen um sich zu profilieren. Alle Klischee-Keulen kommen zum Einsatz. Man könnte glatt ein Maskulisten-Bingo draus machen.

  3. Ein weiterer Artikel, der meine These stützt:

    „…
    4) Provokation der Frauen durch aufreizende Kleidung oder non-verbales Verhalten

    Klischee: Frauen mit sexy Kleidung sind scharf auf Männer

    Befragungen: Relativ viele Frauen waren davon überzeugt, daß sexy Kleidung mögliche Täter provoziert und daß das Fehlen einer solchen die Angriffsgefahr reduziert. Die Tatsache, daß Frauen, die im Minirock unterwegs sind, evtl. Teilschuld tragen, wurde so betrachtet.

    Polizeiliche Erfahrungen: Dieses Klischee kann keinesfalls aufrecht erhalten werden. Frauen und Mädchen wurden und werden in allen Lebensbereichen und -situationen vergewaltigt; relativ unabhängig von ihrer jeweiligen Kleidung oder ihres Verhalten diesbezüglich. Potentielle Täter suchen gezielt Opfer aus, bei denen sie sicher sein können, auf keinerlei Gegenwehr zu treffen (aufgrund ihres Aussehens, Auftretens und Verhaltens). Der Täter will Macht bzw. Dominanz ausüben und wählt entsprechende Personen aus. Dies geschieht unabhängig von der Kleidung, wohl aber spielt die Ausstrahlung eines gesunden Selbstbewußtseins eine oder eben das Nichtvorhandensein desselben eine maßgebliche Rolle.

    An dieser Stelle möchte ich die Aussage eines Polizeibeamten miteinbeziehen, der Bilder von Opfern anschauen konnte: Als Gemeinsamkeit wiesen alle Opfer eine unscheinbare Erscheinung auf. Es handelte sich um „einfache graue Mäuschen“. Frauen also, die ganz normal angezogen waren, d.h. Jeans, T-Shirt, Pullover etc. trugen, die aber einen unsicheren, gehemmten Eindruck vermittelten. Keinesfalls handelte es sich um Frauen, welche besonders zurechtgemacht wirkten oder denen Männer auf der Straße hinterherschauen würden.
    …“

    http://www.kung-fu-buch.de/kungfu/gewalt/5-Gewalt-gegen-Frauen.htm

  4. Hi onyx,

    „Polizeiliche Erfahrungen: Dieses Klischee kann keinesfalls aufrecht erhalten werden. Frauen und Mädchen wurden und werden in allen Lebensbereichen und -situationen vergewaltigt; relativ unabhängig von ihrer jeweiligen Kleidung oder ihres Verhalten diesbezüglich. Potentielle Täter suchen gezielt Opfer aus, bei denen sie sicher sein können, auf keinerlei Gegenwehr zu treffen (aufgrund ihres Aussehens, Auftretens und Verhaltens).“

    Ja, es gilt mittlerweile als gesichert, dass Vergewaltigungen nicht durch die sexuelle Attraktion des Opfers provoziert werden. Dass Vergewaltigung eben nicht mit männlicher Sexualität gleichzusetzen ist. Nichts anderes behaupten macnche Männer-Kämpfer aber oO (zur Erinnerung – das sind die, die sich über die Stigmatisierung als potenzielle Vergewaltiger durch (Differenz-)Feministinnen ereifern…), wenn sie aus einem zu kurzen Rock eine „Mitverantwortung“ basteln.

    Viele Grüße,

    |ket>

  5. Schade nur, dass sie natürlich diesen Widerspruch selbst nicht erkennen.
    Das – naja, „witzige“ ist, dass die maskulistische Argumentation (nicht nur) in dem Punkt VOLLER Widersprüche steckt und die es sich gern so drehen, wie sie es grad brauchen. Entweder sind Feministinnen sexfeindlich und prüde, „die es mal wieder brauchen“, oder sie sind promiske Schlampen und Drecksfotzen. Je nach Belieben.

  6. Hi onyx,

    Aktuell läuft ja bei einigen ganz engagierten…äh… Revolutionsführern maskulettischer Gesinnung die Diskussion, ob man das Sexualstrafrecht nicht in Gänze abschaffen sollte.

    Demnach reichte es den Straftatbestand der Vergewaltigung einfach durch „Nötigung und Körperverletzung“ zu ersetzen (Ob man sich dem Vorwurf der Körperverltzung stellen müsste, wenn man das Opfer mit Vergewaltigungsdrogen gefügig gemacht hat, weiß ich jetzt auch nicht…isglaubichauchnichsowichtig…).

    Unsere maskulistischen Wahrheitsaufklärer hätten dann auch sicher kein Problem damit, dass der sexuelle Missbrauch an Kindern als solcher nicht mehr benannt werden könnte. Das wären dann nämlich „genötigte“ Kinder, denen „Körperverletzung“ angetan wurde.

    Man soll sie nur reden lassen. Und sie bei Gelegenheit zitieren.

    Grüße,

    |ket>

  7. Solche Gelegenheiten gibt es ja mehr als genug. Sie sind ja auch noch stolz auf ihr trotzig herausposauntes „Non-pc“-Gekeife. Man sollte sie beim Wort nehmen, und sie mit ihren eigenen „Argumenten“ konfrontieren, wenn sie sich wiedermal über einen Artikel auslassen und Krokodilstränen vergießen(*), wenn ein Junge oder ein Mann vergewaltigt wird oder Sexualstraftäterinnen in ihren Augen zu wenig „gewürdigt“ werden?

    (*)bitte keine empörten Aufschreie oder Unterstellungen, ich würde männliche Opfer verhöhnen oä. Wie sonst soll man es nennen, wenn es angeblich gar keine Vergewaltigung gibt, aber die große Betroffenheit ausbricht, wenn es sich um männliche Opfer handelt? Soll das glaubwürdig sein?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s