„Nein“

Er schmust sich an sie ran. Streichelt und küsst sie. Was er will, ist eindeutig. Er wird fordernder, sein Griff fester. Sein Atem schneller. Sie rührt sich keinen Millimeter, macht keine Anstalten, zurückzuschmusen. Im Gegenteil. Sie versucht, ihr Gesicht abzuwenden, verkrampft sich.

-Hör auf, ich will nicht.
-Ach komm…
-Nein, bitte nicht.
-Nur ein bisschen…
-Nein.
-Ich weiß doch, was du willst.
-Aber jetzt will ich nicht.
-Komm schon Baby, ich hab solche Lust…
-NEIN VERDAMMT, LASS MICH ENDLICH IN RUHE!

Wie wird diese Szene, die wir alle so oder so ähnlich schon mal gehört haben dürften, wohl weitergehen? Wird er sich vielleicht enttäuscht aber letztlich verständnisvoll zurückziehen? Wird er verärgert ein „blöde Schlampe“ in sich reinmurmeln und das Weite suchen? Oder wird er sich vergessen und aggressiv werden?
Gibt es an ihren Äußerungen irgendwas mißzuverstehen? Kann man da irgendwo ein „die will es ja doch, man muß sie nur ein bisschen „bearbeiten““ reininterpretieren? Es gibt Menschen, für die ist ein Nein niemals das letzte Wort. Es ist immer „Auslegungssache“. Es kann „Vielleicht“ heißen, oder auch „gib dir ruhig mehr Mühe“, aber selten „Nein“. Was sind das für Menschen, die für ein bisschen Sex das Risiko eingehen, die Grenze der Menschenwürde so zu überschreiten? Die das Risiko eingehen, sich einer Straftat schuldig zu machen?
Dabei wäre es für alle Beteiligten das Beste, die Frau beim Wort zu nehmen. Egal, ob sie vielleicht doch will oder wirklich nicht. Aus mehreren Gründen. Einmal natürlich aus rechtlicher Sicht. Zum anderen kann ich die Frauen nicht verstehen, die mit dem Nein wirklich spielen und sich nur rumkriegen lassen wollen. Klar, es mag eine gewisse Romanze darin liegen, ein zurückhaltendes, sich zierendes, verschämtes Mädchen zu spielen, das erst nicht will, und sich dann nach und nach doch verführen lässt. Dagegen ist auch nichts zu sagen, solange es Spielregeln gibt, die auch eingehalten werden. Das Problem dabei: Diesen Spielchen haben wir es zu verdanken, dass manche Männer so schräg ticken. Sie machen Erfahrungen mit solchen Frauen und glauben, dass sie die ultimative goldene Erkenntnis über Frauen allgemein gewonnen haben. Ergebnis: Der Glaube, dass Nein selten Nein heißt, verbreitet sich, und ein Nein wird letztlich wenig ernstgenommen. Welche Folgen das hat, kann sich jeder ausmalen.
Gehen wir gedanklich dagegen mal eine andere Situation durch. Nehmen wir an, ein Mann gerät an eine solche Spielerfrau. Sie kommen sich näher, turteln, flirten und schmusen. Und plötzlich ist es da, das Nein. Insgeheim erwartet sie nun, dass er weitermacht, weil das zu ihrem Spielchen gehört. Aber was tut er? Er lässt von ihr ab. Und auf die Frage, was los ist, antwortet er nur: Du hast Nein gesagt. Und ich nehme dein Nein ernst. Also ist hier Schluß.
Mal Hand aufs Herz, Mädels. Wie würdet ihr darauf reagieren? Wäre dieser Mann in euren Augen ein Waschlappen, ein Pudel, ein Weichei? Oder einer, der großen Respekt verdient? Ich habe mir so eine Situation vorgestellt (was zugegebenermaßen nicht ganz einfach war, da ich von solchen Spielerein eigetnlich nichts halte) und mich dabei ertappt, dass dieser Mann in meiner Achtung sofort steigen würde. Und ein weiterer Vorteil ergäbe sich daraus. Es würde ein Lerneffekt einsetzen, dass Frauen lernen müssen, ihre Bedürfnisse klar zu äußern. Und Frauen, die weiter Spielchen spielen wollen, müssen sich auch daran gewöhnen, dass jedes Spiel Regeln hat. Und welcher Mann würde davon nicht gern profitieren?
Oder anders gefragt, was spricht dagegen, ein Nein ernstzunehmen, außer dass man für den Moment auf Sex verzichtet, der gegebenenfalls nicht mal einvernehmlich wäre?

23 Kommentare zu “„Nein“

  1. Sehr schöne Analyse eines alltäglichen, fast banalen Vorgangs.
    Ein „Nein“ ernstzunehmen ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, auf Augenhöhe miteinander umzugehen. Eine Alternative dazu gibt es nicht.
    Ich respektiere die Aussage, den Wunsch des/der anderen. Und erwarte ein Gleiches. Ich achte jede_n, die/der das ebenso handhabt.
    „Pudel“ und „Weicheier“ gibt es für mich grundsätzlich nicht (jedenfalls nicht in menschlicher Gestalt).

  2. „Auf Augenhöhe“ an sich ist ja für manche schon ein Fremdwort.
    Ein Nein NICHT ernstzunehmen ist ein sehr effektiver Weg, Vertrauen zu zerstören. Auf beiden Seiten. Männer glauben dann, mit Hartnäckigkeit an ihr Ziel zu kommen, selbst wenn das bedeuten sollte, den Willen der Frau brechen zu müssen. Und Frauen glauben, ihr Wort sei nichts wert.

    Mal eine Frage dazu nebenbei:
    Wenn ein Nein von Frauen so wenig Wert hat und Interpretationsspielraum lässt, wie sieht es mit einem „Ja“ aus? Heißt „Ja“ immer „Ja“? Oder wird daran auch ruminterpretiert?

    Nachtrag, weil ich den Gedanken grade lustig finde:
    Gilt ein Nein von Frauen nur beim Sex als nicht endgültig oder auch in anderen Bereichen?

    -Nein Schatz, ich möchte keine neuen Schuhe haben.
    -Ach komm schon, nur 1 Paar…

    -Nein Schatz, ich möchte heute nicht mit meinen Freundinnen ausgehen.
    -Warum denn nicht? Na los, wenigstens eine Stunde…

    -Nein Schatz, du brauchst am Sonntag zum Kaffee bei meiner Mutter nicht mitzukommen.
    -Och bitte, ich hab solche Lust…

  3. „Oder anders gefragt, was spricht dagegen, ein Nein ernstzunehmen, außer dass man für den Moment auf Sex verzichtet, der gegebenenfalls nicht mal einvernehmlich wäre?“

    Die Erfahrung, dass Nein häufig nicht nein heißt und man den Unterschied meist erkennen kann. Dein Beispiel oben fängt gleich mit „Hör auf, ich will nicht an“. Das ist eine recht klare Kommunikation.
    Was ist aber mit einem „ich weiß nicht, sollen wir wirklich?“ oder einem „Nein, es geht mir zu schnell“? Das erste ist eine Frage, die man ja auch mit ja beantworten kann und das zweite erfordert eine Auslegung von „Zu schnell“ (das kann bedeuten „wir brauchen noch 5 Dates, oder ich will ersteinmal etwas rumknutschen und sehen wie es sich entwickelt“.
    Was ist mit der weggeschobenen Hand? Ein zwingendes Nein?
    Heißt „Nein“, dass man gar nichts mehr will? Muss man den Kontakt ganz abbrechen, jede Berührung vermeiden, darf etwas weiter rummachen aber keinen Sex haben?
    Und wie lange hält ein Nein? Was ist, wenn man erst Vertrauen aufbaut und dann bei dieser geänderten Situation schaut, ob sie immer noch Nein meint?
    Was ist mit einem einfachen Nein, aber ihr Körper bleibt zugewandt, zuckt nicht vor den Berührungen zurück?
    Und in einer längeren Beziehung Was ist, wenn man erst Vertrauen aufbaut und dann bei dieser geänderten Situation schaut, ob sie immer noch Nein meint?
    Was ist, wenn sie keine Rechte Lust hat, aber generell gerne mit ihm schläft und das Nein eher ein „ich bin nicht so ganz der Stimmung, muss es wirklich sein?“ ist? In solch einer Situation mit jemanden zu schlafen, weil er (oder sie) es eben gerade braucht, ist ja auch nichts schlimmes.

    Nebenbei: Frauen selbst beherzigen „Nein heißt Nein“ auch nicht unbedingt, wenn der Mann keine Lust hat, es kommt nur seltener vor.

    • „Die Erfahrung, dass Nein häufig nicht nein heißt…“

      Du hast einen wesentlichen Punkt nicht verstanden. Du denkst immer, du tust Frauen einen Gefallen, wenn du ihr Nein ignorierst, weil du davon ausgehst dass sie insgeheim doch wollen.
      Auf die Idee, dass du dich irren könntest, kommst du gar nicht erst.
      Mich überzeugt das alles nicht. Selbst wenn eine Frau ein Nein nicht so meint, wie sie es sagt, ist es immer noch besser, sie beim Wort zu nehmen, damit sie in Zukunft lernt, ihre Bedürnisse ehrlicher zu kommunizieren. Dass du dafür mal für den Moment auf Sex verzichten mußt, ist dann halt dein „Opfer“, das dir zu groß zu sein scheint. Du interpretierst lieber herum, damit du zum Stich kommst. Spricht nicht gerade für dich.

      „Was ist mit der weggeschobenen Hand? Ein zwingendes Nein?“

      Natürlich. Eine Hand wegzuschieben, was heißt das wohl? Dass man sie dort nicht haben will. Was denn sonst. Oder heißt das für dich auch bloß, dass man nur oft genug hinlangen muß, irgendwann wird sie schon wollen? Das kann nicht dein Ernst sein.

      „Was ist, wenn sie keine Rechte Lust hat, aber generell gerne mit ihm schläft und das Nein eher ein „ich bin nicht so ganz der Stimmung, muss es wirklich sein?“ ist? In solch einer Situation mit jemanden zu schlafen, weil er (oder sie) es eben gerade braucht, ist ja auch nichts schlimmes. “

      Für einen Mann, dem die Bedürfnisse seiner Frau egal sind, natürlich nicht, das glaube ich gerne. Ein liebevoller Mann, dem die Lust seiner Partnerin genauso wichtig ist, wie seine eigene, wird keinen Spaß am Sex haben, den sie nur halbherzig oder willenlos über sich ergehen lässt, nur weil „er es eben gerade braucht“. Für Egoisten ist es natürlich nicht schlimm, wenn sie völlig lustlos die Beine breit macht.

  4. Warum soll ich mir die Mühe machen Frauen zu besseren Menschen zu erziehen? Kommunikation ist immer eine Auslegungsfrage oder kennst du andere Bereiche, in denen nur auf den reinen Wortsinn abgestellt wird?

    Eine Hand wegschieben kann genauso bedeuten: Noch nicht! Und das kann man berücksichtigen, indem man die Hand wegnimmt. Aber es muss nicht bedeuten, dass man mit allem aufhört oder es nicht später noch einmal versucht, wenn man meint, dass beide jetzt bereit sind für einen schritt weiter, zB weil man eben weiter rumgemacht hat.
    Warum muss die Auslegung immer dahin gehen, dass Frauen keinen Sex wollen und davor Angst haben? Ist nicht gerade eine sexfreundliche Einstellung.

    Genausogut könnte ich sagen: Eine liebevolle Frau wird sich von ihrem Mann eben auch mal überreden lasse. Was genau verliert sie denn dabei? Sex ist ja schließlich eine unbegrenzte Ressource. Klar, wenn sie gar keine Lust hat bringt es nichts. Aber wenn sie so halb Lust hat, dann kann der Rest der Lust eben dabei entstehen.

  5. „Warum soll ich mir die Mühe machen Frauen zu besseren Menschen zu erziehen?“

    Wieso Mühe? Ein Nein ernstzunehmen und mal auf Sex verzichten ist keine Mühe. Was du als Mühe bezeichnest, ist wohl eher die Angst, einen Stich zu verpassen. Oder ist es eher die Angst, an eine sexuell aktive Frau zu geraten? Gibt das erst den Kick, eine Frau zu überreden?

    „Eine Hand wegschieben kann genauso bedeuten: Noch nicht!“

    Ja, KANN. Und du gehst lieber das Risiko ein, gegen ihren Willen noch mehr rumzufummeln, nur wegen einer KANN-Option?

    „Warum muss die Auslegung immer dahin gehen, dass Frauen keinen Sex wollen und davor Angst haben?

    Wieso Angst? Wer redet denn von Angst? Sie hat Nein gesagt, das ist alles. Die Gründe dafür kennst du doch unter Umständen gar nicht.

    „Ist nicht gerade eine sexfreundliche Einstellung.“

    Ah, die Keule mußte ja auch noch kommen. Inwiefern ist die Einstellung, ein Nein als Nein zu werten, sexfeindlich? Es ist eher zutiefst frauenfeindlich, zu sagen, dass das Nein einer Frau nichts wert ist.

    „Eine liebevolle Frau wird sich von ihrem Mann eben auch mal überreden lasse. Was genau verliert sie denn dabei?“

    Kann ich dir sagen. Sie verliert das Gefühl, eine Person zu sein, die auch ein Recht darauf hat, Respekt zu bekommen und ernstgenommen zu werden. Wenn sie immer nur merkt, dass ihr Wort nichts wert ist, verliert sie auf Dauer auch ihre Würde und jedes Selbstbewußtsein, und letztlich auch jede Lust auf Sex.

    Nachtrag: Warum beklagst du dich eigentlich über eine angeblich sexfeindliche Einstellung? Eine sexpositive Einstellung passt dir ja auch nicht, wie du in deinem Blog betont hast, weil du es für biologisch unmöglich hälst, dass Frauen in gleichem Maß wie Männer einfach Sex haben und genießen können.
    Ich zitiere dich mal:

    Mir scheint, dass die Objektivierungstheorie des „sexfeindlichen Feminismus“ sowohl männerfeindlich ist, weil sie etwas dämonisiert, was ganz normal ist (hier etwas verallgemeinernd mit männlicher Sexualität überschrieben) und Frauenfeindlich, weil es ihnen verbietet, sexy zu sein.
    Dagegen ist der sexpositive Feminismus wiederum zu weitgehend, weil er meint, dass Frauen und Männer gleich sind und Frauen einfach wie Männer Sex haben sollen. Einige können das. Aber ich glaube nicht, dass es im Schnitt bei Frauen so gut klappt wie bei Männern. Die Biologie ist zu verschieden.

    Damit widersprichst du dir selbst komplett. Ein Nein von Frauen hälst du für frei interpretierbar, bastelst nach deinem Gutdünken ein Ja draus, weil Frauen es ja doch immer irgendwie wollen, aber gleichzeitig meinst du, dass Frauen nicht die gleiche Lust auf Sex haben können wie Männer. Wie denn nun? Frauen sollen immer schön brav einfach mitmachen, aber bitte keine Schlampen sein, denen das auch noch Spaß macht? Das ist Heuchelei und Opportunismus vom Allerfeinsten. Mich widert das an.

  6. Warum soll ich überhaupt Frauen erziehen? Sie haben sich bisher nicht beschwert, wir hatten beide guten Sex (oder auch nicht, wenn sie nicht wollte) und insoweit mögen einem die Spielregeln nicht gefallen, aber sie werden von beiden Seiten praktiziert.

    „Was du als Mühe bezeichnest, ist wohl eher die Angst, einen Stich zu verpassen.“

    Nein, es ist weniger Angst, als vielmehr das Wissen, dass ich ihn nicht verpassen muss. Und das die Frauen das genau so sehen. Ich sage es nochmal: Ich habe von Frauen gelernt, dass Nein nicht Nein heißen muss.

    „Oder ist es eher die Angst, an eine sexuell aktive Frau zu geraten? Gibt das erst den Kick, eine Frau zu überreden?“

    Nein, ich habe ganz und gar nichts dagegen, wenn sie sexuell aktiv ist. Warum sollte ich? Es macht das Leben angenehmer.

    „Ja, KANN. Und du gehst lieber das Risiko ein, gegen ihren Willen noch mehr rumzufummeln, nur wegen einer KANN-Option?“

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du dein obiges Beispiel vor Augen hast, wo sie sich verkrampft und ihre ganze Körpersprache sagt, dass man sie in Ruhe lassen soll. Das muss aber gar nicht der Fall sein. Wenn sie ihren Willen so deutlich geäußert hat, dann soll man sie natürlich in Ruhe lassen. Aber das man zwei-drei Versuche braucht bis man den BH-aufgemacht hat muss nichts ungewöhnliches sein. Solange sie ansonsten unverkrampft ist und man ihr genug Möglichkeiten gibt vorher deutlich zu machen, dass es ihr zuweit geht, zB in dem man sehr langsam von einer unverfänglichen Stelle hochstreichelt, ist die befürchtete Beeinträchtigung durch einen weiteren Versuch nun wahrhaftig nicht so schlimm, oder was genau soll ihr dadurch schreckliches passieren?

    „Sie verliert das Gefühl, eine Person zu sein, die auch ein Recht darauf hat, Respekt zu bekommen und ernstgenommen zu werden.“

    Sehe ich nicht so. Ich habe eher eine andere Erfahrung gemacht. Wenn man Frauen deutlich macht, dass man einen Versuch, den sie nicht wollen abbricht, dann haben sie kein Problem damit, dass man es versucht. Dadurch, dass die Zurückweisung unproblematisch ist und nicht endgültig ist haben Frauen eher das Gefühl, dass sie den Zeitrahmen vorgeben und sich jedes Mal neu entscheiden können. Im Gegensatz zu „Ein Versuch, sag was du willst, aber sag es jetzt, sonst lass ich es“. Es wird eher als Spiel wahrgenommen, als Herauszögern. Selbst wenn man dann an dem Abend keinen Sex hatte hat sie für den nächsten Abend dann eher das Gefühl, dass sie ja nun wirklich deutlich gemacht hat, dass sie ein anständiges Mädchen ist und kann dann entspannten Sex haben. Wirst du mir nicht glauben, ist aber meine Erfahrung.

    [sexpositive Einstellung]
    Ich habe nichts gegen Frauen, die viel Sex wollen. Ich glaube nur nicht, dass Frauen im Schnitt die selbe Einstellung zu Sex haben, wie Männer. Da ist ein Unterschied vorhanden.
    Dennoch können Frauen natürlich Lust auf Sex haben und sie müssen wegen dieser unterschiedlichen Einstellung auch keine Angst vor Sex haben.

    Ich sehe ein Nein auch nicht als Frei interpretierbar an. Mitunter heißt es einfach Nein. Aber zwischen freier interpretation und einem Auslegungsverbot ist auch noch etwas Raum oder nicht? Nur weil man – wie bei jeder sonstigen Kommunikation auch – die weiteren Ebenen neben der Sachebene, nämlich Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell mitberücksichtigt und überlegt, was das Nein alles umfasst, interpretiert man nicht frei.

    Wo sage ich denn bitte, dass Frauen es doch „irgendwie immer wollen“ oder „keine Schlampen sein sollen“.

    Selbst wenn ich es aber vertreten würde, was ich nicht tue, dann würde das nichts daran ändern, dass es doch wohl eine recht rückständige Auslegung ist, wenn man meint, dass Frauen wie rohe Eier behandelt werden müssen und einen zweiten Versuch einfach nicht ertragen, sondern vielmehr eine absolute Regel aufgestellt werden muss, nach der bei dem kleinsten Zeichen von Unwohlsein sofort der Versuch des Mannes abgebrochen werden muss.
    Woran genau machst du das fest?

    • Warum soll ich überhaupt Frauen erziehen?

      Du sollst sie überhaupt nicht erziehen, sondern respektieren.

      Nein, es ist weniger Angst, als vielmehr das Wissen, dass ich ihn nicht verpassen muss. Und das die Frauen das genau so sehen.

      „Die Frauen“ sehen das definitv nicht so. Vielleicht hattest du bisher einfach Glück. Bis du mal an eine gerätst, die dir das Gegenteil beweist. Dann wird das Geschrei groß sein.

      Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du dein obiges Beispiel vor Augen hast, wo sie sich verkrampft und ihre ganze Körpersprache sagt, dass man sie in Ruhe lassen soll.

      Ja und? Du hast auch nur deine Version vor Augen und weigerst dich einzusehen, dass auch du dich mal irren kannst. Du machst deine subjektiven Erfahrungen zum allgemeinen Standard, und machst aus deinen Bekanntschaften „die Frauen“, statt zu akzeptieren, dass es in der Welt da draußen noch mehr Dinge als deine Erfahrungen und deine Bekanntschaften gibt.

      Selbst wenn man dann an dem Abend keinen Sex hatte hat sie für den nächsten Abend dann eher das Gefühl, dass sie ja nun wirklich deutlich gemacht hat, dass sie ein anständiges Mädchen ist und kann dann entspannten Sex haben. Wirst du mir nicht glauben, ist aber meine Erfahrung.

      Doch das glaube ich. Ist nämlich ganz logisch, dass man entspannten Sex haben kann, nachdem man die Erfahrung gemacht hat, dass der eigene Wille respektiert wird. Ob das was mit anständig oder unanständig zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Fakt ist aber, dass eine Frau auf jeden Fall Sex eher genießen kann, wenn sie weiß, dass sie nicht erst NEIN schreien oder sich körperlich wehren muß, bis der Mann es kapiert.

      Dennoch können Frauen natürlich Lust auf Sex haben und sie müssen wegen dieser unterschiedlichen Einstellung auch keine Angst vor Sex haben.

      Frauen haben normalerweise auch keine Angst vor Sex, wenn sie nicht gerade traumatische Erfahrungen gemacht haben (zum Beispiel mit einem Mann, der ein Nein nicht kapiert und sich einfach egoistisch nimmt was er will). Nur weil sie nicht 24h Lust auf Sex haben, ist das nichts, wofür man sich entschuldigen oder rechtfertigen muß.

      Wo sage ich denn bitte, dass Frauen es doch „irgendwie immer wollen“ oder „keine Schlampen sein sollen“.

      Selbst wenn ich es aber vertreten würde, was ich nicht tue, dann würde das nichts daran ändern, dass es doch wohl eine recht rückständige Auslegung ist, wenn man meint, dass Frauen wie rohe Eier behandelt werden müssen und einen zweiten Versuch einfach nicht ertragen, sondern vielmehr eine absolute Regel aufgestellt werden muss, nach der bei dem kleinsten Zeichen von Unwohlsein sofort der Versuch des Mannes abgebrochen werden muss.
      Woran genau machst du das fest?

      Wieso sind Frauen rohe Eier, wenn man ihr Wort respektiert? Und selbst wenn, wäre das schlimmer als abgestumpfte, gefühllose und resignierte Frauen, die alles willenlos über sich ergehen lassen, weil sie „gelernt“ haben, dass Widerspruch eh nichts bringt?

  7. „Bis du mal an eine gerätst, die dir das Gegenteil beweist. Dann wird das Geschrei groß sein.“

    Dann wird das Geschrei auch nicht groß sein. Sie sagt beim ersten Mal nein. Ich lass sie in Ruhe. Wenn dann nachdem etwas zeit vergangen ist ihre Körpersprache und sonstige Reaktion nach meiner Auffassung dafür spricht, dass ein weiterer Versuch nichts schadet, dann würde ich es entsprechend vorsichtig versuchen und ihr die Möglichkeit geben vor einer ernsthaften Grenzverletzung Nein zu sagen. Um so unsicherer man sich ist um so weiter würde man ausholen um ihr die Möglichkeit zu geben abzubrechen. Und um so früher sie abbricht um so klarer ist ihre Botschaft. Dadurch muss sie eben nicht „schreien oder sich körperlich wehren“.

    Nur weil man bei einem Nein nicht sofort alles abbricht bedeutet es eben nicht, dass man sie nicht respektiert.

    Die „Nein heißt Nein“ Variante ist eher dazu geeignet, ihr die Pistole auf die Brust zu setzen – wird ja auch teilweise empfohlen unter dem Stichwort “ LMR + Freeze out“.

    Aber vielleicht sollten wir mal über Kommunikation im Bett an sich reden, damit wir die Varianten stimmiger bekommen:

    Auf welche Weise signalisieren denn deiner Meinung nach Frauen das folgende:
    „es geht mir zu schnell, ich will vielleicht mit dir schlafen, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher“
    „ich kenne dich nicht, wirst du mir Gelegenheit geben, in meinem Tempo vorzugehen?“
    „okay, wir haben uns gerade kennengelernt, ich habe Lust, aber ich bin keine Schlampe, die sofort mit jedem schläft, nur dass du das weißt“

    Was darf eine Frau sagen, die es mag, wenn der Mann etwas um sie kämpft, die es anziehend findet, wenn sich das Spiel von Zurückhaltung und Eroberung, dass man beim Flirten häufig hat, auch im Bett fortsetzt, die seine Erregung sehen will und dass er nicht locker lässt, weil er sie haben will, die es mag, wenn er testet, wie weit er gehen darf und die es auch mag, dass er zwar ihre Grenzen austestet, aber auf ein Stopp reagiert und gleichzeitig nicht aufgibt?
    Oder ist so etwas nicht zulässig und kommt auch nicht vor?

    • Sie sagt beim ersten Mal nein. Ich lass sie in Ruhe. Wenn dann nachdem etwas zeit vergangen ist ihre Körpersprache und sonstige Reaktion nach meiner Auffassung dafür spricht, dass ein weiterer Versuch nichts schadet, dann würde ich es entsprechend vorsichtig versuchen

      Und wie lange soll das so hin und hergehen? Wie viele Versuche willst du starten? Lässt du es nach dem 2. erfolglosen Versuch bleiben oder machst du solange weiter (wenns sein muß, auch 20x?), bis du ans Ziel kommst? Ist ja schon ein bisschen entwürdigend oder?

      Die „Nein heißt Nein“ Variante ist eher dazu geeignet, ihr die Pistole auf die Brust zu setzen – wird ja auch teilweise empfohlen unter dem Stichwort “ LMR + Freeze out“.

      Dein Pick Up-Vokabular interessiert mich hier gerade überhaupt nicht.

      Was darf eine Frau sagen, die es mag, wenn der Mann etwas um sie kämpft,

      Ich halte von solchen Spielchen nichts, daher kann ich darauf keine Antwort geben. Ich bin für klare Kommunikation und Ehrlichkeit.
      Nichts gegen ein bisschen Katz und Maus Spiel rund ums Flirten. Das gehört dazu, wenns im Alltag ein bisschen knistern soll. Aber wenn es um Sex geht und einer sagt dass er nicht will, hört das Spielen für mich auf. Die Grenzen zwischen Spiel und bitterem Ernst sind hier einfach zu fließend, als dass ich da noch Spaß verstehen würde.

  8. [Wie lange hin und her?]

    Solange sie positiv reagiert ist es kein Problem das eine Weile zu spielen. Es hängt insofern von ihrer Reaktion ab. Und natürlich, wenn es sich zu lange hinzieht, von der eigenen Stimmung.

    [Freeze out]

    Den Effekt hatte ich ja vorher erklärt. Wie man es bezeichnet ist dabei relativ egal. Die Wirkung kann aber die einer Erpressung sein und nicht die von Respekt.

    [Beispiele]

    Dann nimm halt die anderen Beispiele. Die haben ja mit Spielen wenig zu tun.
    Oder bist du der Auffassung, dass Frauen so etwas immer verbal und vollständig ausgesprochen kommunizieren müssen?

    Kannst du dir denn vorstellen, dass einige Frauen dieses Spiel ganz gern haben? Schließlich verwenden Frauen ja häufig indirekte Kommunikation („Wir können auch mal eine Pause machen“ bei einer Autobahnfahrt statt „ich muss dringend mal auf Toilette, fahr bei der nächsten Möglichkeit raus“)

    • [Wie lange hin und her?]

      Solange sie positiv reagiert ist es kein Problem das eine Weile zu spielen.

      Was heißt denn, solange sie positiv reagiert. Sie reagiert doch negativ, sonst müßtest du keine weiteren Versuche starten.

      Dann nimm halt die anderen Beispiele. Die haben ja mit Spielen wenig zu tun.

      Die anderen Beispiele laufen doch auf das gleiche hinaus. Spielerein mit reizen und zurückziehen und testen und anlocken usw. Kann alles reizvoll sein, aber nur, wenn die Spielregeln klar sind und alles einvernehmlich geschieht.

      Kannst du dir denn vorstellen, dass einige Frauen dieses Spiel ganz gern haben?

      Ja kann ich. Und ich hoffe, dass du dir vorstellen kannst, dass andere Frauen darauf keine Lust haben.

  9. [Versuche]

    Sie reagiert positiv auf die Phase dazwischen, auf die Zeit zwischen den Versuchen und auf den Beginn eines Versuches.

    [andere Beispiele]
    In den anderen Beispielen spielt sie nicht, sondern ist unsicher.

    [Spiele]

    Klar kann ich. Aber der Unterschied ist auch an den Reaktionen gut zu merken. Kommt ein früher Abbruch lässt man es dann eben sein. Tut beiden nicht weh.

    • Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was mich an deiner Argumention stört: Mir klingt das alles viel zu technisch, zu kalkuliert, zu kalt. Kommst du überhaupt dazu, menschliches Miteinander zu genießen, da es dir ja offenbar nur um deine persönliche Zielerreichung (Sex) geht. Wie läuft das ab? Frau nach Schema F rumgekriegt, Kreuz gemacht, Plan erfüllt, ab zur Nächsten?
      Nee, nenn mich gefühlsduselig oder typisch Frau, ist mir egal. Aber sowas turnt mich gewaltig ab.

    • In den anderen Beispielen spielt sie nicht, sondern ist unsicher.

      Also, ich würde dieses Verhalten:

      Was darf eine Frau sagen, die es mag, wenn der Mann etwas um sie kämpft, die es anziehend findet, wenn sich das Spiel von Zurückhaltung und Eroberung, dass man beim Flirten häufig hat, auch im Bett fortsetzt, die seine Erregung sehen will und dass er nicht locker lässt, weil er sie haben will, die es mag, wenn er testet, wie weit er gehen darf und die es auch mag, dass er zwar ihre Grenzen austestet, aber auf ein Stopp reagiert und gleichzeitig nicht aufgibt?

      nur sehr bedingt als Unsicherheit interpretieren, eher als bewußtes Provozieren. Eben Katz und Maus Spiel. Wenn eine Frau wirklich unsicher ist, dann hat sie andere Gedanken im Kopf als „Spiel um Zurückhaltung und Eroberung“. Eine Frau, die seine Erregung sehen will, ist sehr wahrscheinlich auch eher selbst schon erregt als unsicher.

    • Deswegen sagte ich ja, dass es um die anderen Beispiele geht, in denen es darum geht, dass sie sich noch nicht sicher ist. Der Einfachheit halber kopiere ich sie dir aber auch noch mal gerne:

      Auf welche Weise signalisieren denn deiner Meinung nach Frauen das folgende:
      „es geht mir zu schnell, ich will vielleicht mit dir schlafen, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher“
      „ich kenne dich nicht, wirst du mir Gelegenheit geben, in meinem Tempo vorzugehen?“
      „okay, wir haben uns gerade kennengelernt, ich habe Lust, aber ich bin keine Schlampe, die sofort mit jedem schläft, nur dass du das weißt“

    • Ach so, dann war das ein Mißverständnis.
      Wenn eine Frau unsicher ist, dann merkt man das doch an ihrer Körpersprache. Du sagst doch immer, dass du das unterscheiden könntest. Eine unsichere Frau ist verkrampft, wendet sich ab und zögert. Ich weiß nicht, wie Frauen das mitteilen, wenn sie „jetzt noch nicht, aber vielleicht in 10 Minuten wollen“. Mir kommt das zu absurd vor. Ich kann mich auch an keine persönliche Situation errinnern, daher kann ich auch nichts aus meiner Erfahrung sagen. Ich weiß nur, dass ich immer, wenn ich unsicher war, auch deutlichen Unwillen gezeigt habe, weil mir alles andere zu gefährlich war. Und heute hab ich sowieso kein Problem mehr damit, klar zu sagen, was ich will oder nicht will.

  10. Ist zwar schon ein paar Tage her, aber ich schreibe hier trotzdem mal noch meine männliche Sichtweise, damit die von Christian hier nicht als einzige solche steht.

    Für mich bedeutet ein „Nein“, sei es verbal oder durch Körpersprache in jedem Fall einen Sofortabbruch. Wenn die Frau das nur als Spiel gemeint hat, ist es um den Sex mit der auch nicht weiter schade, weil ich mit Frauen, die meinen, sie könnten da mit mir spielen, keinen Sex haben will.

    Ich habe es schlicht nicht nötig, Frauen rumkriegen zu müssen. Jedenfalls ist das mein Anspruch an mich. Mir ist der Gedanke, dass mir der Sex mit einer Frau mehr wert ist, als ihr der Sex mit mir, einfach zuwider. Ich bin es mir wert, dass ich mir keine PUA-Techniken antrainieren muss, um Sex zu haben. Entweder eine Frau (mit der ich Sex will) begehrt mich ohne den PUA-Kram, dann schön, oder wenn nicht, dann halt nicht.

    Dann habe ich halt weniger Sex, oder weniger Frauen, die ich auf meiner „schon gevögelt“-Liste. Na wenn schon. Ist ja nicht so, dass ich in der Zeit, die ich nicht damit verbringe, Frauen rumzukriegen, nichts mache. Es gibt viele spannendere Dinge im Leben als Frauen.

    Um es bösartiger zu formulieren: Mir PUA-Techniken anzueignen und die dann anzuwenden, das sind mir die Frauen einfach nicht wert.

    Zum Thema „Ja heißt Ja“: Da hatte ich durchaus mal den Fall, dass ich mich über das „Ja“ einer Frau dann letztenendes hinweggesetzt habe, weil ich gemerkt habe bzw. das Gefühl hatte, dass sie doch nicht wirklich Lust hat. Und wenn ich nicht das Gefühl habe, dass eine Frau mich begehrt, dann ist’s mit meiner Begierde auch schnell vorbei.

    Dass es eine Selbstverständlichkeit ist, eine Frau und ihr Nein zu respektieren, kommt noch dazu. Mir ist aber der Aspekt, dass ich es mir wert bin, dass ich mich nicht über das Nein einer Frau hinwegsetzen muss, um an genügend Sex zu kommen, eigentlich noch wichtiger.

    • Mir PUA-Techniken anzueignen und die dann anzuwenden, das sind mir die Frauen einfach nicht wert.

      Diese Rumkriegetechniken haben nichts damit zu tun, dass einem die Frau selbst etwas wert sei. Da geht es nur ums… ja, Rumkriegen, Sex, sonst nichts. Da geht es nicht darum, wie man eine längerfristige Beziehung zu einer Frau aufbaut, sondern wie man am besten zum Ziel kommt, und je mehr desto besser. Das hat doch nichts mit Wertschätzung zu tun.

      Mir ist aber der Aspekt, dass ich es mir wert bin, dass ich mich nicht über das Nein einer Frau hinwegsetzen muss, um an genügend Sex zu kommen, eigentlich noch wichtiger.

      Interessanter Punkt. Denkst du, diese PU-Leute haben ein Ego-Problem, das sie kompensieren?

    • Die Pickup-Grundsätze funktionieren natürlich auch in Beziehungen.

      Sicher. Auch in einer Beziehung hat frau schließlich nicht immer Lust auf Sex und sagt mal Nein, was für die Erfolgsstrichliste des PUers so schlecht verkraftbar zu sein scheint, dass ein Ja draus gemacht werden muß.

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