Lohnungerechtigkeit

Nein, werte Mitlesenden, ich werde hier nicht über 23% Lohndiskriminierung berichten, keine Panik. Ich möchte das Thema von einer anderen Sicht beleuchten. Und zwar aus der Sicht der geschlechtertypischen Berufe. Wie werden die verschiedenen Anforderungen, Leistungen und Gefahren bewertet und honoriert?

Ein Fakt ist, dass die hauptsächlich von Frauen gewählten Berufe generell wesentlich schlechter entlohnt werden. Ein Grund dafür soll angeblich sein (hab ich mal gelesen), dass Frauen sich eher auf bestimmte Berufssparten konzentrieren, was zu einer Überrepräsentation an Arbeitnehmern in diesen Berufen führt. Folge:  das Lohnniveau sinkt. Ist eigentlich eine einfache marktwirtschaftliche Logik. Aber richtig und gerecht ist sie dadurch natürlich nicht. Und wirklich stimmen tut das so auch nicht. Denn in kaufmännischen Berufen (eine der beliebtesten Berufsgruppen, übrigens auch bei Männern) sind wesentlich mehr Frauen beschäftigt als in Gesundheits- oder sozialen Berufen. Nach oben genannter Logik dürften die Büroangestellten dann entsprechend wesentlich weniger verdienen als die im Sozial- und Gesundheitswesen tätigen. Dem ist aber nicht so. Die Erklärung, dass ein Überangebot an Arbeitnehmern zum Lohndumping führt, und ein Arbeitskräftemangel demzufolge höhere Verdienste bedeuten müßte, ist zwar marktwirtschaftlich gesehen nachvolziehbar, scheint aber hier dennoch nicht der Realität zu entsprechen.

Worin ist der Lohnunterschied dann begründet?

Ist es etwa doch die feministische Erklärung, dass Frauenarbeit grundsätzlich als weniger wert betrachtet wird? Auffällig ist zumindest, dass Berufe, die früher rein männlich besetzt waren, heute aber hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, einen eklatanten Schwund des gesellschaftlichen Ansehens zu verzeichnen haben. Man denke da nur an Lehrer oder Friseure.

Die schlechte Bezahlung in Sozialberufen kommt wohl noch daher, dass diese Arbeiten noch vor nicht allzu langer Zeit vorrangig Nonnen ausgeübt haben, und das ehrenamtlich zum Vergelts Gott-Tarif. Es war die gesellschaftliche Erwartung, dass Frauen gefälligst altruistisch zu sein haben und für diese für sie vorgesehene Aufgabe natürlich nichts verlangen dürfen. [iro]So gesehen ist es schon ein gewaltiger feministischer Schritt nach vorn, dass Pflegerinnen überhaupt bezahlt werden. Aber nimmersatt und gierig, wie Frauen nun mal sind, wollen sie eben immer mehr…[/iro]

Aber die grundsätzliche Frage, die geschlechterunabhängig gestellt werden muß, steht dennoch im Raum.

Wie ist es zu erklären, dass all die anstrengenden Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen schlechter bezahlt werden als z.B. im Versicherungswesen, IT-Berufe oder andere beliebte gut dotierte Bürojobs? Sind sie wirklich weniger Wert? Mit welcher Berechtigung verdient jemand, der Kinder betreut oder Kranke versorgt weniger als einer, der auf dem PC rumtippt?

Liegt es daran, dass körperliche und soziale Arbeit weniger angesehen ist als geistige Arbeit, unabhängig von ihrer tatsächlichen gesellschaftlichen Wichtigkeit? Was für eine Gesellschaft ist das, in der Papier- und Tastaturkrieg mehr Wert ist als Arbeit am Menschen?

Übrigens, mir geht es hier nicht darum, zu betonen, wie sehr Frauen im Berufsleben diskriminiert werden, sondern um die Erörterung der Frage, warum bestimmte Berufe, die keineswegs weniger wichtig sind, dennoch im Ansehen und Bezahlung deutlich schlechter dastehen. Und eben weil sie nicht weniger wichtig sind, kann die Lösung auch nicht lauten: Selbst schuld, wer sich so einen Beruf aussucht. Es ist nicht damit getan, wenn alle ihre schlecht bezahlten Berufe hinschmeißen. Das Problem wird dadurch nicht gelöst. Außerdem soll es auch Menschen geben, die ihre Arbeit trotzdem gern machen. Das Recht, eine angemessene Anerkennung und Bezahlung zu erwarten, haben sie dennoch.

17 Kommentare zu “Lohnungerechtigkeit

  1. Ich würde es so sehen, dass die Überrepräsentation ein Faktor ist. Es kommen weitere hinzu:
    – Frauen kämpfen weniger um hohe Löhen: Sie sind weniger in Gewerkschaften eingebunden als Männer, streiken weniger, gehen weniger hart in Lohnverhandlungen. Das wirkt sich über die Jahre aus. Liegt vielleicht auch daran, dass sie es nicht als Haupternährer machen, sondern als Zuverdienst (siehe vorherige Diskussion).
    – Berufe im sozialen Bereich können Lohnerhöhungen schlechter weitergeben: Eine Krankenschwester besser zu bezahlen belastet die Gesundheitssysteme, einer Kindergartenangestellten mehr Lohn zu zahlen macht die Leistung unattraktiver, der Mehrwert im sozialen Bereich wird nicht so schnell eingesehen, die Kundengruppe, die soziale Dienste nachfragt, hat häufig nicht viel Geld
    – Frauen bevorzugen Jobs die sozial angesehen, trocken, nach Möglichkeit sicher (bezogen auf Gefährlichkeit des Jobs aber auch in Hinblick auf finanzielle Risiken im Gegensatz zu Selbständigkeit) sind. Normalerweise auch „nichtkörperlich“, da ist die Krankenschwester eher eine Ausnahme, die wahrscheinlich durch den starken sozialen Bezug ausgeglichen wird.

    Auch interessant finde ich die Selbstwahrnehmung: Du sagst, dass es die Erwartung war, dass Frauen altruistisch sind, aber wird jemand, dem der soziale Aspekt seiner Arbeit wichtig ist, vielleicht auch eher das Gefühl brauchen, dass er den Job aus diesen Gründen, und nicht wegen des Geldes macht? Du schreibst ja selbst „Außerdem soll es auch Menschen geben, die ihre Arbeit trotzdem gern machen. Das Recht, eine angemessene Anerkennung und Bezahlung zu erwarten, haben sie dennoch.“ Warum sollte man aber jemanden, der eine angemessene Bezahlung erwartet, nicht fordert, seinen Job aber trotzdem macht, besser bezahlen? (weil es „gerecht“ ist?)

    • Ich würde es so sehen, dass die Überrepräsentation ein Faktor ist.

      Für diese These habe ich bereits einen Gegenbeweis erbracht. Das kann es also nicht sein. Vielleicht trifft das auf andere Berufe zu. Aber gemessen an den typischsten Berufen, die ich angeführt habe, tut es das eben nicht.

      – Frauen kämpfen weniger um hohe Löhen: Sie sind weniger in Gewerkschaften eingebunden als Männer, streiken weniger, gehen weniger hart in Lohnverhandlungen.

      Frauen sind also zu gut für die Welt? Sie müssen lernen, ihre Forderungen konsequenter und selbstbewußter zu formulieren, aggressiver auftreten? Gute Idee.

      – Berufe im sozialen Bereich können Lohnerhöhungen schlechter weitergeben: Eine Krankenschwester besser zu bezahlen belastet die Gesundheitssysteme, einer Kindergartenangestellten mehr Lohn zu zahlen macht die Leistung unattraktiver, der Mehrwert im sozialen Bereich wird nicht so schnell eingesehen, die Kundengruppe, die soziale Dienste nachfragt, hat häufig nicht viel Geld

      Während höhere Bezüge anderer Berufsgruppen problemlos vom Steuerzahler aufgebracht werden können? Hier stimmen doch die Prioritäten vorne und hinten nicht.

      – Frauen bevorzugen Jobs die sozial angesehen, trocken, nach Möglichkeit sicher (bezogen auf Gefährlichkeit des Jobs aber auch in Hinblick auf finanzielle Risiken im Gegensatz zu Selbständigkeit) sind.

      Solche Berufe werden von Männern genauso bevorzugt. Allerdings gehen die dann eher in leitende Positionen. Was „Gefährlichkeit“ angeht, ist der risikofreudige Todesjobber eher eine Minderheit.

      Warum sollte man aber jemanden, der eine angemessene Bezahlung erwartet, nicht fordert, seinen Job aber trotzdem macht, besser bezahlen? (weil es „gerecht“ ist?)

      Genau. Weils gerecht ist. Nur weil man eine Arbeit nicht ausschließlich des Geldes wegen macht, heißt das nicht, dass man sich mit Unterbezahlung zufrieden geben muß. Natürlich wird das nicht passieren, wenn es niemand konsequent fordert und die Arbeit trotzdem gemacht wird. Was ist also die Lösung? Radikaler Streik? Alles von jetzt auf gleich liegenlassen? Vielleicht wäre das eine heilsame Lektion zumindest in der Hinsicht der Anerkennung der Berufe. Aber wer leidet dann als erstes darunter?

  2. Danke für diesen Artikel, spricht mir aus der Seele. Ich denke, wir brauchen ganz dringend eine neue Bewertung von „Arbeit“. Also: Was ist überhaupt Arbeit? Was bedeutet Arbeit? Brauchen wir „Arbeit“? Wenn ja, welche Art von „Arbeit“ brauchen wir wirklich? Macht arbeiten glücklich? Wenn nein, warum nicht und warum tun wir es dann überhaupt? Wenn ja, warum und für welche Art von „Arbeit“ gilt das?
    Hier gibt es sehr viel aufzuarbeiten, auch die Verbindung von Patriarchat und Kapitalismus ist aufzuknacken. Interessanterweise werden ja durch die aktuelle Regierungspolitik die wahren Fratzen des neoliberalen Kapitalismus plötzlich vielen Menschen bewusst, die vorher selbst an diese Lügen der Selbstregulation des Marktes geglaubt haben. Wie viele haben geglaubt, dass mensch „vom Tellerwäscher zum Millionär“ werden kann?

    Ich glaube, ich bin etwas vom Kernthema abgewichen. Trotzdem: Wer definiert, wieviel welche Arbeit uns Menschen wert ist oder wert sein sollte?

    • Das sind ein paar sehr philosophische Fragen, deren Beantwortung hier wohl den Rahmen sprengen würde.
      Wenn wir den Wert von Arbeit überdenken wollen, kommen wir nämlich nicht umhin, unsere Werte generell zu überdenken. Denn im Wert der Arbeit spiegelt sich auch nur das wieder, welche Werte in unserer Gesellschaft herrschen. Und da stehen materielle Werte nun mal ganz oben. Hier ein Umdenken zu erreichen, dürfte extrem schwierig sein. Bis eine Hausfrau mal genauso angesehen ist wie ein Manager, wird noch viel Zeit vergehen. Besonders auffällig ist das, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Hausfrau eigentlich nicht weniger tut als ein Manager. Auch sie managt, wenn auch im kleineren Rahmen. Sie organisiert, verwaltet, motiviert, schlichtet, putzt, kocht, wäscht, pflegt, tröstet und lehrt.
      Siehe zur Verdeutlichung dazu auch den Werbespot, der vor einigen Jahren lief:

      Erst wenn es unserer Gesellschaft gelingt, das anzuerkennen, wird ein Umdenken und eine Neubewertung von Arbeit eventuell eine Chance haben.

  3. Mit welcher Berechtigung verdient jemand, der Kinder betreut oder Kranke versorgt weniger als einer, der auf dem PC rumtippt?

    „Arbeit am Menschen“ wirft als einzigen Gewinn das Wohlergehen dieser Menschen ab, und ist nicht im kapitalistischen Sinne verwertbar. In der Folge ist das Kapital in den entsprechenden Branchen schwach, was wiederum zu geringeren Löhnen führt. Die Schuld hierfür ist also in den Merkmalen des kapitalistischen Systems zu suchen und nicht in der Diskriminierung der am Menschen arbeitenden Frau.

    • „Arbeit am Menschen“ wirft als einzigen Gewinn das Wohlergehen dieser Menschen ab, und ist nicht im kapitalistischen Sinne verwertbar.

      Einen kranken Arbeitnehmer gesund zu pflegen ist nicht kapitalistisch verwertbar? Für das Wohlergehen von Menschen zu sorgen, damit sie leistungsfähig sind, bleiben und werden? Eine qualifizierte Kinderbetreuung und Pflege alter Menschen ist nicht kapitalistisch verwertbar, wenn dafür Eltern bzw Kinder die Möglichkeit haben, erwerbstätig zu sein? Alles nicht verwertbar?

  4. Doch, aber nicht für das Krankenhaus und auch nicht durch bessere Bezahlung der Krankenschwestern. Wie viel schneller wird denn ein Patient gesund, wenn man der Krankenschwester x mehr Euro zahlt? Bei einem Arzt ist es etwas anderes, weil da über besseres Fachwissen oftmals ein guter Ruf und mehr Patienten erwirtschaftet werden können. Aber gerade die „Krankenschwester für alles“, also ohne besonderes Spezialwissen, ist leicht ersetzbar und macht ihre Arbeit nicht besser oder schlechter, wenn sie mehr Geld bekommt. Der Arbeitssteigerungseffekt einer Lohnerhöhung ist ja meist nur sehr kurzfristig.

    Und solange der Unmut in der Bevölkerung nicht zu groß wird kann man auch politisch wenig rausholen. Die Krankenkassenbeiträge erhöhen bewirkt mehr Unmut als die dann evt. verbesserte Pflege (die wie oben dargelegt, wahrscheinlich nicht eintritt). Schon alleine, weil von gesteigerten Krankenkassenbeiträge alle betroffen sind, von einer potentiell besseren Behandlung aber keineswegs alle einen tatsächlichen Mehrwert haben.

    • Bei einem Arzt ist es etwas anderes, weil da über besseres Fachwissen oftmals ein guter Ruf und mehr Patienten erwirtschaftet werden können. Aber gerade die „Krankenschwester für alles“, also ohne besonderes Spezialwissen, ist leicht ersetzbar und macht ihre Arbeit nicht besser oder schlechter, wenn sie mehr Geld bekommt.

      Boah was für ein beschissen versnobtes Gerede. Sorry aber das trieft nur so vor Arroganz.
      Für den „guten Ruf des Arztes“ ist es natürlich ok, wenn die Bezahlung großzügiger ausfällt. Die kleinen Schwestern sind die Fußabtreter und jederzeit austauschbar, da lohnt es sich nicht. Das ist so widerlich. Dir ist schon klar, dass auch der beste Arzt ohne die Mitarbeit von gut qualifiziertem Pflegepersonal ziemlich aufgeschmissen ist? Und dass auch so austauschbares kleines Fußvolk wie Krankenschwestern motivierter arbeiten, wenn sie besser verdienen? Und dass auch der Ruf eines Krankenhauses, und damit auch die Patientenauslastung nicht nur von der Qualität der Ärzte abhängt, sondern durchaus auch von anderen Faktoren?

      Genau das hier ist es, was ich meine. Geringschätzung von Berufen, wenig Anerkennung in der Gesellschaft. „Austauschbar, Mädchen für alles, ohne besonderes Fachwissen“. Soll doch mal sämtliches Pflegepersonal die Arbeit komplett sein lassen. Dann merken vielleicht auch Leute wie du, wie wichtig das ist, was sie tagtäglich leisten. Hoffen wir nur mal, dass du dann nicht dummerweise gerade selbst im Krankenhaus liegst und auf ihre Hilfe angewiesen bist.

    • Für die gute Ärztin natürlich auch.

      Natürlich braucht er Arzt das Pflegepersonal. Aber wie groß sind die Unterschiede zwischen Krankenschwestern und wie stark wirkt sich das auf die Pflege aus?

      Bei einer Lohnerhöhung stellt sich recht schnell ein Gewöhnungseffekt ein, insbesondere wenn alle das gleiche bekommen. Die Leute arbeiten nur dann mehr, wenn sie mehr bekommen als andere, also eine Leistungsbezogene Komponente dabei ist. So jedenfalls das Ergebnis der mir bekannten Studien. Worauf stützt du deine Vermutung?

      Wo habe ich gesagt, dass man die Arbeit des Pflegepersonals auch weglassen kann? Natürlich kann man das nicht. Aber ist es wichtig, welche Krankenschwester dein Bett macht oder dir das Frühstück bringt? Es gibt im Krankenschwesterbereich ja wohl eindeutig viele Tätigkeiten, die im niedrigqualifizierten Bereich angesiedelt sind oder?

      Oder nehmen wir einen anderen klassischen Frauenbereich: Die Sekretärin: Solange sie kein kaufmännisches oder sonstiges Spezialwissen braucht, sondern hauptsächlich telefonieren oder nach Diktat schreiben soll, ist sie relativ schnell austauschbar, was ja auch die niedrigen Gehälter zeigen. Aufstiegschancen sind meist nicht vorhanden. Trotzdem drängen sehr viele Frauen in die diesbezüglichen Ausbildungen, zB im Rechtsanwaltsbereich. Ein klassisch mies bezahlter Job, dennoch überlaufen.

    • Für die gute Ärztin natürlich auch.

      Das meine ich nicht. Ich rede hier nicht von Geschlechtern, sondern von Anerkennung von Berufen.
      Und es ist ja wohl kein Geheimnis, dass schlecht bezahlte Mitarbeiter ihren Job tendenziell unmotivierter, lustloser oder gleichgültiger ausüben als besser bezahlte, was sich letztlich auch auf die Kundenzufriedenheit auswirkt. Wäre ich in so einer Situation, möchte ich schon gern von jemandem versorgt werden, der seine Arbeit gerne macht und nicht nur gefrustet seine Stunden runterrasselt.
      Gerade im Gesundheits- und Pflegebereich ist die Bandbreite zwischen niedrig- und hochqualifizierten Tätigkeiten sehr groß. Das Klischee des Hintern abwischens, Bettpfannen leerens und Essen verteilens ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, was insgesamt anfällt. Die Verantwortung über Wohlbefinden, Leib und Leben gehört auch dazu. Das ist alles andere als niedrigqualifizierte Arbeit, die sehr wohl unter anderem gutes Fachwissen erfordert.

      Oder nehmen wir einen anderen klassischen Frauenbereich: Die Sekretärin: Solange sie kein kaufmännisches oder sonstiges Spezialwissen braucht, sondern hauptsächlich telefonieren oder nach Diktat schreiben soll, ist sie relativ schnell austauschbar, was ja auch die niedrigen Gehälter zeigen.

      Trotzdem wären viele Personalchefs, Anwälte etc. auch verloren, wenn sie ihre „Empfangsdamen“ nicht hätten, die alles überblicken, verwalten und Ordnung halten.

  5. „Für diese These habe ich bereits einen Gegenbeweis erbracht. Das kann es also nicht sein. Vielleicht trifft das auf andere Berufe zu. Aber gemessen an den typischsten Berufen, die ich angeführt habe, tut es das eben nicht.“

    Ich formuliere noch einmal etwas klarer: Ein Faktor bei einigen Frauenberufen, der nicht bei allen Frauenberufen zutreffen muss.

    „Frauen sind also zu gut für die Welt? Sie müssen lernen, ihre Forderungen konsequenter und selbstbewußter zu formulieren, aggressiver auftreten? Gute Idee.“

    Ja, genau – Frauen müssten ihr Verhalten ändern, wenn ihnen mehr Lohn wichtig ist. Sie müssten dabei dann natürlich auch risikobereiter werden, weil Arbeitskampf auch immer etwas Risiko ist. Ich verweise nur einmal kurz auf einen Zusammenhang von Testosteron und Risikobereitsschaft.

    „Während höhere Bezüge anderer Berufsgruppen problemlos vom Steuerzahler aufgebracht werden können? Hier stimmen doch die Prioritäten vorne und hinten nicht.“

    Das mag sein. Aber Prioritäten können eben auch nach Widerstand gestaffelt sein. Wenn man weiß, dass die eine Gruppe auf die Palisaden geht und die andere Gruppe sich ruhig verhält (siehe oben) dann steigt politisch eben die Wahrscheinlichkeit, dass die Gehälter einer Gruppe steigen und der anderen nicht. Hinzukommt, dass die meisten Krankenhäuser ja gar nicht vom Staat betrieben werden, sondern eigenständige GmbHs oder AGs sind oder im Besitz der Kirchen. Demnach könnte die Politik da die Löhne ohnehin nicht erhöhen.

    „- Frauen bevorzugen Jobs die sozial angesehen, trocken, nach Möglichkeit sicher (bezogen auf Gefährlichkeit des Jobs aber auch in Hinblick auf finanzielle Risiken im Gegensatz zu Selbständigkeit) sind.
    Solche Berufe werden von Männern genauso bevorzugt. Allerdings gehen die dann eher in leitende Positionen. Was „Gefährlichkeit“ angeht, ist der risikofreudige Todesjobber eher eine Minderheit.“

    Todesgefahr sicherlich nicht. Aber schau dir die Verletzungs- und Todesraten aufgrund beruflicher Vorfälle an. Da ist der geringste Teil weiblich. Der Job ist vielleicht nicht per se gefährlich in dem Sinne, dass man gegen Tiger kämpft, aber er hat eine wesentlich höhere Verletzungsgefahr. Es bleiben ja zudem die anderen Kriterien, die ich genannt habe. Hinzukommt, wie mir noch eingefallen ist, die Vereinbarkeit mit Kindern und insbesondere auch die Gefahr von Überstunden. Davon machen Männer auch deutlich mehr (ich meine 75% aller Überstunden werden von Männern gemacht).

    „Genau. Weils gerecht ist. Nur weil man eine Arbeit nicht ausschließlich des Geldes wegen macht, heißt das nicht, dass man sich mit Unterbezahlung zufrieden geben muß. Natürlich wird das nicht passieren, wenn es niemand konsequent fordert und die Arbeit trotzdem gemacht wird.“

    Eben. Damit hast du ja im Prinzip bestätigt, dass Lohnerhöhungen nicht erfolgen „weil es gerecht ist“ sondern weil sie durchgesetzt werden.

    „Was ist also die Lösung? Radikaler Streik? Alles von jetzt auf gleich liegenlassen? Vielleicht wäre das eine heilsame Lektion zumindest in der Hinsicht der Anerkennung der Berufe. Aber wer leidet dann als erstes darunter?“

    Das jemand darunter leidet mag Frauen abhalten zu streiken. Aber es verhindert dann eben Lohnerhöhungen. Man könnte anführen, warum Frauen sich Jobs aussuchen, bei dem sie moralisch von einem Streik abgehalten werden (bzw. warum es Männer schaffen, von diesen berufen fern zu bleiben).

    • Todesgefahr sicherlich nicht. Aber schau dir die Verletzungs- und Todesraten aufgrund beruflicher Vorfälle an. Da ist der geringste Teil weiblich.

      Was nicht unbedingt heißt, dass Frauen im Beruf kaum gesundheitlichen Gefährungen ausgesetzt sind, sondern vielleicht auch, dass diverse Beschwerden bei Frauen nicht als berufsbedingte Erkrankungen anerkannt sind. Aktuelles Beispiel, was gerade durch die Medienlandschaft geistert: Schwerhörigkeit bei Erzieherinnen. Zu den am häufigsten anerkannten Berufserkrankungen bei Frauen zählen Hautkrankheiten, Infektions- und Atemwegserkrankungen, sowie Muskel- und Skeletterkrankungen. Ich habe keine genaue Statistik parat, aber so ganz auf Wolken gebettet arbeiten Frauen auch nicht. Übrigens: Die meisten Unfälle passieren zu Hause.

      Man könnte anführen, warum Frauen sich Jobs aussuchen, bei dem sie moralisch von einem Streik abgehalten werden

      Ich glaube nicht, dass Frauen sich ihren Beruf danach aussuchen, ob Streiks moralisch vertretbar sind.

  6. Anlässlich zum Equal Pay Day hat Antje Schrupp einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, auf den ich hiermit verweisen möchte.

    Besonders herausgreifen möchte ich einen Punkt:

    7. Es wird immer sehr viel darüber geredet, dass Frauen die falschen Berufe wählen. Aber wer soll denn eigentlich die Arbeit der Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, Erzieherinnen machen? Wir sollten doch als Gesellschaft froh sein, wenn es genug Frauen gibt, die in diesen Berufen arbeiten wollen (und wenn Männer sich daran ein Beispiel nehmen möchten, nur zu!). Nötig wäre eine gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wertvoll und wichtig diese Berufe sind – und in der Konsequenz dann auch, wie sie besser bezahlt werden können.

    Dazu habe ich ja hier auch schon einiges geschrieben, gerade weil Frauen immer wieder vorgeworfen wird, sie würden sich nur solche Berufe aussuchen, die bequem, ungefährlich und gemütlich sind, auch wenn sie schlecht bezahlt werden, während Männer sich in gefährlichen Todesjobs kaputtschuften. Dass in sozialen Berufen, die nun weiß Gott alles andere als „bequem, ungefährlich und gemütlich“ sind, fast nur Frauen zu finden sind, wird dabei übersehen, vergessen oder einfach ignoriert. Die Frage, wer denn solche Arbeit machen soll, wenn sich alle diese Frauen künftig in anderen Berufsfeldern orientieren, ebenfalls.

    • Ein Riesenproblem im Gesundheits- und Sozialbereich ist das quasi ein Monopson besteht, d. h. das es ganz viele Gesungsheits und Sozialanbieter gibt, aber nur ganz wenige Nachfrager, quasi nur einer. Also sowas wie ein umgedrehtes Monopol.

      Die Nachfrager sind quasi die Krankenkassen (Gesundheit) und der Staat (Sozialbereich) und bei Preisverhandlungen unterbieten sich halt jede Menge Träger, wie die Krichen und ganz viele Privatanbieter, sodass sie immer den niedrigsten Preis erhalten und so sind Lohnerhöhungen kaum möglich.

      Die Anbieter müssten sich vernetzen und miteinander arbeiten, damit sie an Marktmacht gewinnen und anständige Preise erzielen können.

      So wie ich gelesen habe ist es die Branche mit den meisten weiblichen Führungskräften.
      „Im Gesundheitswesen sowie bei der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen (Frauenquote in Führungspositionen 37,9 Prozent)“ [1]

      Mich verwundert da immer das fehlende Miteinander, was immer den Medien so betont wird, was Frauen in Führungskräften so auszeichnen soll. Eine genauere Analyse würde mich auch intressieren.

      [1]
      http://www.buergel.de/presse/studien-analysen/626-fuehrungskraefte-in-deutschland-2012.html

  7. Pingback: Boy’s Day 2011 « Gedankensalat…

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