„Deutsche Schlampe“ – Deutschenfeindlichkeit oder Frauenfeindlichkeit?

Ein erneuter Fall von ignorierter Frauenfeindlichkeit.
Welt.online berichtet, dass Familienministerin Kristina Schröder fordert, Deutschenfeindlichkeit stärker zu debattieren. Sie selbst sei schon als „deutsche Schlampe“ beschimpft worden. So weit, so schlecht.

Allerdings frage ich mich, warum soll hier über Deutschenfeindlichkeit diskutiert werden? „Deutsch“ allein ist keine Beschimpfung. „Schlampe“ schon. Aber darüber wird wiedermal kein Wort verloren. Als Schlampe beschimpft zu werden, ist keinen Aufreger wert. Aber „deutsche Schlampe“, das geht gar nicht. Würde sie es überhaupt thematisiereren, wenn sie „nur“ als Schlampe, nicht als deutsche Schlampe beschimpft würde? Oder würde sie eine Debatte über Blödenfeindlichkeit fordern, wenn sie als blöde Schlampe beschimpft worden wäre? Ist diese Frauenfeindlichkeit wirklich schon so weit, dass sexistische Beschimpfungen nicht als solche wahrgenommen werden, wie ich in einem anderen Beitrag thematiert habe?

17 Kommentare zu “„Deutsche Schlampe“ – Deutschenfeindlichkeit oder Frauenfeindlichkeit?

  1. Bist du da nicht etwas feinfühlig?
    Wenn ein Politiker als „deutscher Wixer“ bezeichnet werden würde, dann würde ich auch keinen Artikel über Männerfeindlichkeit zum ersten und zweitens über die Abwertung männlicher Sexualität schreiben.
    Schlampe ist heute ebenso wie männliche Äquivalente ein so allgemeines Schimpfwort, dass sich eine Aufregung darüber einfach nicht mehr lohnt. Ich sehe auch keine besondere Abwertung der Frauen an sich in einer solchen Bezeichnung und bezweifele, dass derjenige sich vertiefte Gedanken über die Sexualgewohnheiten von Frau Schröder gemacht hat.

    • Nein, Schlampe ist eben kein allgemeines Schimpfwort, sondern ein sexistisches. Dass die Gesellschaft es anders sieht und dieses Schimpfwort inflationär gebraucht wird, beweist doch nur, dass ich mit meiner Theorie der Ignoranz Recht habe. Wenn eine Frau tief beleidigt werden soll, wird sie ihrem Sexualverhalten angegriffen. Hure, Nutte, Schlampe, Flittchen. Hat alles mehr oder weniger die gleiche Bedeutung.
      Und die Bezeichnung „deutscher Wixer“ hab ich noch nie gehört, wohl aber „deutscher Hurensohn“. Warum ist das eine Beschimpfung? Weil es als „entehrend“ gilt, der Sohn einer „unanständigen Frau“ zu sein. Egal, ob die Mutter des Mannes wirklich „unanständig“ ist oder nicht. Sie wird gleich mitbeleidigt. Das Sexualverhalten des Mannes wird davon aber nicht berührt.

  2. @Christian: Was bitte hat die Bezeichnung „Schlampe“ mit „Sexualgewohnheiten“ zu tun?

    Das Wort „Schlampe“ basiert auf der Wortfamilie „schlampen“ (Verb), „Schlamperei“, „Schlampigkeit“ (Substantiv) und „schlampig“ (Adjektiv). Damit wird eine flüchtig, unordentlich geleistete Arbeit, auch eine nachlässig gepflegte Person oder ein unordentliches Umfeld bezeichnet. Bereits im Deutschen Wörterbuch von 1899 steht, dass die schlampe (..) eigentlich der schlotternde, unordentlich herabhängende weiberrock (ist), und daraus folgernd, dass dann übertragen auf die personen: nachlässig gekleidet, unordentlich, schmutzig einhergehen, auch faul, nachlässig, müszig, mit schleppendem gange einher gehen, lüderlich sich herum treiben: den ganzen tag im hause, auf der strasze herumschlampen. [1]

    Ursprünglich hatte dieses Wort keinerlei sexuelle Konnotationen, in der männlichen Form Schlamper ist das auch heute häufig nicht der Fall, wie der gebräuchliche umgangssprachliche Ausdruck Schlampermäppchen für eine Federmappe ohne Halterungen für den Inhalt bestätigt.

    Aber davon abgesehen, war das auch mein erster Gedanke: „deutsch“ ist kein Schimpfwort, „Schlampe“ allerdings schon. Über Schlampe allein hätte sich Frau Schröder nicht echauffiert? Hmm … interessantes Selbstbild der Ministerin. Und eine seltsame Welt, die aus einer derartigen Beleidung Deutschenfeindlichkeit konstruiert.

    • Derjenige, der das Schimpfwort verwendet, will durchaus das Sexualverhalten der Frau betonen. Nämlich die Frau als jemanden mit viel Sexualerfahrung angreifen. Auch wenn die ursprüngliche Wortbedeutung eine andere ist.

    • @Piratenweib
      Wenn jemand zu mir sagt ich sei ein „Wixer“ dann denke ich auch nicht darüber nach, was er genau damit sagen will, ob ich vielleicht meine Vorhänge besser zuziehen sollte oder ob es denjenigen überhaupt zu interessieren hat, dass Fräulein Hand und ich uns gut verstehen. Ich nehme einfach an, dass er mich beleidigen will, sofern er es nicht in einen Kontext setzt oder ein solcher Kontext über mich bekannt ist. Würde er/sie zB sagen „Christian ist ein Wixer, weil er keine Frau abbekommt und niemals abbekommen wird“ dann würde ich über den Kontext aufnehmen, dass es nicht nur um eine willkürliche Beleidigung geht, sondern gerade um meine Onaniergewohnheiten.
      Da sich Frau Schröder nicht schlampig verhält oder sie für sexuelle Eskapaden bekannt ist, sondern sie züchtig verheiratet ist, besteht für sie kein Anlass in „Schlampe“ mehr als eine Beleidigung zu sehen. Wenn sie sich darüber echauffieren würde, dann würde sie damit allenfalls deutlich machen, dass sie nicht verstanden hat, dass es nicht mehr als eine beliebige Beleidigung ist oder aber sogar die Vermutung zulassen, dass es sie über den beleidigenden Charakter des Wortes hinaus trifft, was merkwürdig wäre.

      „Deutsch“ ist keine Beleidigung, durch das Zusammenziehen mit einem Schimpfwort kann es aber einen negativen Klang erhalten. Genauso wie es in der Zusammensetzung „typisch deutsch“ als Beleidigung aufgefasst werden kann (aber auch als Lob, wenn es sich auf eine positive den Deutschen zugeschriebene Eigenschaft bezieht, zB deutsche Pünktlichkeit).

      Aber mich würde eure Reaktion interessieren, wenn ihr Familienministerin sein würdet und euch jemand als Schlampe bezeichnen würdet. Welche Presseerklärung oder Interviewreaktion würdet ihr denn da für (politisch) angebracht halten, damit es eine korrekte Reaktion wäre?

    • Aber mich würde eure Reaktion interessieren, wenn ihr Familienministerin sein würdet und euch jemand als Schlampe bezeichnen würdet. Welche Presseerklärung oder Interviewreaktion würdet ihr denn da für (politisch) angebracht halten, damit es eine korrekte Reaktion wäre?

      Es spielt keine Rolle, wer darauf hinweist, dass Frauenfeindlichkeit zwar usual, aber deshalb noch lange nicht ok ist. Je mehr es tun, desto besser.

  3. Was ist dann mit „Wixer“? Ist das Anzeichen einer Ignoranz gegenüber männlichen Sexismus?

    Bei einer Frau wertet Schlampe ab, weil sie leicht zu haben ist, bei Wixer, weil er es sich selbst machen muss, also nicht begehrt bei Frauen ist.
    Ich habe „deutsche Schlampe“ auch noch nicht gehört, aber es ist eben die Bezeichnung für eine Frau, ohne das man sie dabei für ihr Frausein besonders herabwürdigen will.

    Meiner Meinung nach wird das Wort „schlampe“ genauso wertneutral gebraucht wie „Scheiße“ oder „verfickter Mist“. Beide sind inzwischen über ihre frühere Bedeutung hinaus einfach Schimpfwörter geworden, die man eben einfach so sagt.

    Wenn du einfach nur darstellen willst, dass sich Schimpfwörter an Geschlechterrollen orientieren, dann stimme ich dir ja durchaus zu. Männer werden sich wohl eher „Wixer“, „Schlappschwanz“ und „Versager“ (Versorgerrolle) nennen lassen müssen, auch Abwertung über die Eltern werden entsprechend gefärbt sein „Hundesohn“ spielt ja zB auf einen niedrigen Status an. „schwul“ als Schimpfwort hingegen ebenfalls auf mangelnden Erfolg bei Frauen.
    Aber meinst du wirklich, dass es in seiner ursprünglichen Bedeutung benutzt wurde oder einfach als auf eine Frau anwendbares Schimpfwort?
    Wenn zweiteres der Fall wäre, dann würden wir ja eher eine Debatte über die Herleitung führen und ob man solche Schimpfworte heute ändern kann („politisch korrektes beleidigen“)

    • Ich möchte hier keine Diskussion darüber führen, ob Wixer ein schlimmeres Schimpfwort ist als Schlampe, das geht am Thema vorbei.
      Es geht hier darum, dass ein Schimpfwort erst dann als Schimpfwort erkannt wird, wenn eine nähere Bezeichnung (in dem Fall hier eine ethnische) dazu betont wird. Dass das Schimpfwort als solches selbst nicht wahrgenommen wird. Ob es nun als sexistisch gilt oder nicht (in meinen Augen nach wie vor ja), ist und bleibt es ein Schimpfwort, und zwar ein Frauenfeindliches, auch ohne weitere „Garnierungen“.
      Die männlichen Beleidigungen, die du anführst, stehen auch für sich selbst und werden nicht erst dann zu Beschimpfungen, wenn du ein „deutsch“, „türkisch“ oder sonstwas davorsetzt.

      Aber meinst du wirklich, dass es in seiner ursprünglichen Bedeutung benutzt wurde oder einfach als auf eine Frau anwendbares Schimpfwort?

      Es ist mir ehrlich gesagt völlig egal, wie es gemeint war. Es geht um die Wahrnehmung des Wortes und dass es für sich selbst nicht als Schimpfwort angesehen wird.

  4. „Es geht um die Wahrnehmung des Wortes und dass es für sich selbst nicht als Schimpfwort angesehen wird.“

    Natürlich wird es als Schimpfwort angesehen, es ist nur nicht ungewöhnlich, dass jemand beleidigt wird. Ich denke Frau Schröder findet es nicht weiter ungewöhnlich, wenn irgendjemand sie oder einen anderen Politik mit einem klassischen Schimpfwort beleidigt. Was genau soll sie auch zu Schlampe sagen? Eine inhaltliche Erwiderung über ihre Sexualvorstellungen oder eine umfassendere, dass sie es nicht gut findet, dass Frauen an sich auf diese Art bezeichnet werden, wäre da kaum angebracht.
    Das neue ist eben die Kombination mit dem Zusatz „deutsch“, was ebenso zutreffen würde auch „deutscher Schlappschwanz“ „deutscher Hundesohn“ oder „deutscher Wixer“.

    Meiner Meinung nach hat sie den beleidigenden Charakter von „Schlampe“ durchaus erkannt, er spielt aber keine Rolle, weil er alltäglich ist.

    Zumal man hier noch nicht einmal etwas über den Kontext der Beleidigung sagen kann.

    • Ich denke Frau Schröder findet es nicht weiter ungewöhnlich, wenn irgendjemand sie oder einen anderen Politik mit einem klassischen Schimpfwort beleidigt.

      Wenn sie als Frau beleidigt wird, ist es also nicht weiter ungewöhnlich. Aber als Deutsche wird ein Riesen Thema draus gemacht.

      oder eine umfassendere, dass sie es nicht gut findet, dass Frauen an sich auf diese Art bezeichnet werden, wäre da kaum angebracht.

      Warum nicht? Wenn man als Deutsche/r beleidigt wird, betrifft das weltweit eine kleine Minderheit. Frauen stellen immerhin die Hälfte der weltweiten Menschheit dar. Warum ist es „normaler“, die Hälfte der Menschheit zu beleidigen?

      Meiner Meinung nach hat sie den beleidigenden Charakter von „Schlampe“ durchaus erkannt, er spielt aber keine Rolle, weil er alltäglich ist.

      Eben. Weil es alltäglich ist, wird es nicht thematisiert. Das ist genau das was ich immer meine. Man hat sich so sehr dran gewöhnt, dass man es als nichts erwähnenswertes mehr wahrnimmt. Wenn nichts, was irgendwann mal alltäglich war, thematisiert worden wäre, hätten wir heute noch Verhältnisse, unter denen kaum einer von uns leben mag. Sklavenhaltung, Kinderarbeit, Züchtigung, Vergewaltigung in der Ehe. All das war auch mal alltäglich, und das wäre es heute noch, wenn es niemand thematisiert und dagegen gekämpft hätte. Warum soll es bei anderen Alltäglichkeiten wie Frauen- und Männerfeindlichkeit anders sein?

  5. „Wenn sie als Frau beleidigt wird, ist es also nicht weiter ungewöhnlich. Aber als Deutsche wird ein Riesen Thema draus gemacht.“

    Der Unterschied zwischen unseren Auffassungen ist denke ich der Folgende:
    Du gehst davon aus, dass die Beleidigung Schlampe gerade eine Beleidigung als Frau sein soll und begründest das mit der Herkunft und Bedeutung der Beleidigung. Ich gehe davon aus, dass ihre Eigenschaft als Frau hier nicht zur Debatte stand und die Bezeichnung „Schlampe“ insoweit zwar ein geschlechtsspezifisches Schimpfwort darstellen kann, damit aber nicht Frauen an sich abgewertet werden sollen, sondern einfach nur ein Schimpfwort gewählt wird, was zu ihr passt, um sie zu beleidigen. Das Wort hatte also einen geschlechtsspezifischen Bezug, aber in diesem lag nicht die Beleidigung.

    „Warum nicht? Wenn man als Deutsche/r beleidigt wird, betrifft das weltweit eine kleine Minderheit. Frauen stellen immerhin die Hälfte der weltweiten Menschheit dar. Warum ist es „normaler“, die Hälfte der Menschheit zu beleidigen?“

    Warum beleidigt man die Hälfte der Menschheit, wenn man eine Frau als Schlampe bezeichnet?
    Die Beleidigung mag geschlechtsbezogen sein, aber das bedeutet nicht, dass sie auf alle Frauen bezogen ist oder damit Frauen allgemein herabgewürdigt werden. Es ist ja gerade kein Bezug zur Sexualität vorhanden.
    Übertrag deine Argumentation mal auf den „Schlappschwanz“. ist das gegenüber einer Person verwendet eine Beleidigung dieser Person oder aller Männer?

    • Ich gehe davon aus, dass ihre Eigenschaft als Frau hier nicht zur Debatte stand

      Warum dann dieses explizit geschlechtsspezifische Schimpfwort und nicht einfach „scheiß Deutsche“? Dann könnte ich die Diskussion um die Deutschfeindlichkeit nachvollziehen. Wenn ein geschlechtsspezifisches Schimpfwort verwendet wird, dann liegt die Beleidigung auch darin. Mag sein, dass sich der Beleidiger darum keine Gedanken gemacht hat, aber ich finde es abstrus, in dieser Geschichte über Deutschfeindlichkeit zu debattieren und die geschlechtsspezifische Problematik, die eindeutig vorhanden ist, auszublenden.

      Warum beleidigt man die Hälfte der Menschheit, wenn man eine Frau als Schlampe bezeichnet?

      Warum beleidigt man alle Deutschen, wenn man eine Frau als deutsche Schlampe bezeichnet? Warum muß da eine große Debatte her? Ich denke, dass weltweit weit mehr Frauen geschlechtsspezifisch beleidigt werden, als es bei Deutschen ethnisch geschieht.

    • „Schlampe“ bezeichnet ein bestimmtes Verhalten, nämlich Sex mit vielen Männern. Man kann eine Frau sein aber keine Schlampe. Deswegen ist die Beleidigung „Schlampe“ keine Beleidigung für Frauen an sich.
      „Deutsche“ bezeichnet kein Verhalten, sondern einen Zustand. Benutzt jemand jemand die Nationalität einer anderen Person als Beleidigung, dann macht er damit deutlich, dass dieser Zustand in seinen Augen eine Beleidigung ist, was mit einer Abwertung des „deutsch seins“ als Zustand verbunden ist.

      Was genau ist denn an Schlampe das beleidigende in dieser konkreten Situation? Wird damit mitgeteilt, dass alle Frauen, deren sexuelle Aktivität sich im Rahmen von der von Frau Schröder bewegt moralisch verwerflich handeln, so dass ein bestimmtes Verhalten dieser Personen verurteilt wird? Ich meine nicht. Es gibt eben keinen Bezug oder kannst du einen bilden?
      Das ist bei dem Deutschsein anders. Hier wird sie gerade aufgrund ihres Zustandes abgewertet. Und dieser Zustand betrifft eben andere. Demnach ist er für eine Diskussion wesentlich besser geeignet.

  6. Meiner Ansicht nach gibt es kein männliches Pendant zur „Schlampe“, was für mich ebenfalls eine tiefe Beleidigung darstellt. Für die muslimische Machokultur der Parallelgesellschaften in deutschen Großstädten ist der Begriff „Schlampe“ durchaus abwertend zu verstehen. Wer das nicht glauben mag, mag eine Stunde mit seiner Freundin durch Berlin-Neukölln laufen. Da erklären Dir dann Sechsjährige schon, dass der große Bruder kommt, um sie zu f…..n. Wer dann noch nicht schnallt, um was es tatsächlich geht, dem ist nicht zu helfen.
    Ich bin Berlinerin.

    • Ich sehe da keinen Unterschied. Womit wolltest du die Jüdin denn beleidigen? Mit „jüdisch“ oder mit „Schlampe“?

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