Til Schweiger redet Klartext bei Markus Lanz

Was als fröhliche Talkrunde begann, endete in einer emotionalen Debatte beim Thema Kindesmißbrauch/Sexualstraftaten. Til Schweiger, der zunächst gut gelaunt über seinen Film „Kokowääh“ plauderte, redete sich regelrecht in Rage, als er sich über das deutsche Justizsystem und Strafmaße bei Sexualdelikten ausließ.

Zitat Schweiger:

„Ich höre immer nur: ‘Ja, der Täter, dem geben wir jetzt mal lieber Bewährung’ oder: ‘Sicherheitsverwahrung ist menschenunwürdig’. Ich höre nie, was aus den Opfern wird! Das ist dieses deutsche Gutmenschentum, das mich so ankotzt… Du kannst heute jemanden vergewaltigen, – das gibt es, sorry, aber das ist so, das weiß ich, ich habe mich mit dem Thema beschäftigt – du kannst jemanden vergewaltigen, kriegst Bewährung und kannst es wieder tun. Das ist so beschissen in diesem Land!
…“

Er forderte weiter eine Meldepflicht für Sexualstraftäter und bezeichnet dies nicht als Pranger, sondern Information. Eine Praxis, die in Amerika üblich sei.
Sein Schlußsatz:

“Ich bin der Meinung, dass jemand, der eine Sexualstraftat begeht, sein Recht in dieser Gesellschaft verwirkt hat”

Recht hat er.

Ein Auszug seines Wutausbruchs:

21 Kommentare zu “Til Schweiger redet Klartext bei Markus Lanz

  1. Wo sollen die sich den melden? In einem Register, das dann öffentlich eingesehen werden kann wie in Amerika?

    „sein Recht in dieser Gesellschaft verwirkt hat”

    Er ist also rechtelos, der Mörder aber nicht? Warum eigentlich diese Bevorzugung von Vergewaltigung als Straftat? Es ist ein schlimmes Verbrechen, natürlich, aber andere stehen sicherlich auf der gleichen Stufe.

    Und warum seine Rechte verwirkt? Hört er auf ein Mensch zu sein und man kann mit ihm machen, was man will?
    Da halte ich es doch lieber mit dem Grundsatz, dass die Menschenrechte für alle gelten, auch für (extreme) Straftäter.

    • Das ist genau das, wovon Schweiger gesprochen hat. Würde und Rechte für Täter. Und nach dem Opfer fragt keiner.

    • Wenn er es nur auf die Meldepflicht bezogen hat, dann könnte ich es mir noch vorstellen.
      Wenn er meinte, dass sie alle Rechte und ihre Menschenwürde verloren haben, dann würde ich ihm nicht zustimmen. Die Menschenwürde ist nämlich, wie das Grundgesetz so schön sagt, unverletzlich. Sie kann einem nicht genommen werden.
      (Nur am Rande: Interessant auch, dass er davon spricht, dass „jemand der Kinder und Frauen vergewaltigt“ seine Rechte verloren hat. Wer fehlt da noch?)

      Natürlich hat auch das Opfer seine Menschenwürde und seine Rechte. Und die Therapie wird dort zunächst von der Krankenkasse gezahlt und sie kann den Täter auf weitere Schäden verklagen. Was genau soll denn da bitte noch passieren für das Opfer? Und warum soll mehr passieren als bei den Opfern anderer Verbrechen?

    • Die Menschenwürde ist nämlich, wie das Grundgesetz so schön sagt, unverletzlich. Sie kann einem nicht genommen werden.

      Die Würde eines Gewaltopfers ist aber durch den Täter erheblich verletzt worden. Bei dem ganzen Prozedere vor Gericht wird mit der Würde eines Vergewaltigungsopfers auch nicht sehr zimperlich umgegangen. Das ganze Geschwalle von der ach so unverletzbaren Menschenwürde ist nur graue Theorie. Jeden Tag wird Menschenwürde verletzt. Immer und überall dort, wo Menschen Opfer von Straftaten werden. Oder was ist auf der Gorch Fock passiert? Oder überall beim Militär? Wird dort etwa die Menschenwürde immer geachtet?
      Für mich ist übrigens schon unverständlich, warum Täter Anonymität genießen dürfen, indem in Berichterstattungen ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden. Warum werden Täter in dieser Weise geschützt? Ich würde schon gern wissen, ob sich dahinter vielleicht zufällig dummerweise mein Nachbar verbirgt.

  2. Finde ich ausgesprochen populistisch, was gibt Hrn. Schweiger das Recht und vor allem die Fähigkeit, zu entscheiden, wer Rechte haben darf und wer nicht.
    Natürlich klingt es erstmal gerecht, nur wenn jemand zu unrecht angeklagt wird, ist auch sein Recht auf Leben quasi verwirkt. Und dann komm da mal aus diesem weitreichenden System wieder raus. Ich hab da mal einen Artikel gelesen, wo in Amerika ein 18-jähriger (Latino) wegen Mißbrauchs seiner 15-jährige Freundin (weiß) von deren Mutter angezeigt wurde. Es konnte von keinem Mißbrauch die Rede sein, die Mutter war einfach Rassistin.
    Die beiden sind inzwischen verheiratet, trotzdem darf der Mann offiziell nichtmal seine Kinder von der Schule abholen, da er registrierter Kinderschänder ist.
    Wenn Justizia tatsächlich blind wäre, könnte es funktionieren, nur ist sie es leider nicht.

    Mir würde da eher so etwas wie lebenslange Bewährung in Verbindung mit wöchentlichen Gesprächsterminen in der Forensik vorschweben.

  3. Sehr geehrter Blogger und geehrte Blog-Leser,

    folgenden Artikel habe ich auch unter einen anderen Blog gesetzt, ich bitte meine Schreibfaulheit zu entschuldigen aber ich denke, man sollte sich zu diesem Thema mit allen Meinungen auseinandersetzen, um sich selbst ein Bild machen zu können.

    Mir ist klar, dass es sich hierbei um ein höchst emotionales Thema handelt, zu dem Sie hier Stellung beziehen und dass Ihre Meinung (Gott sei Dank) eine subjektive Beurteilung bleibt.
    Doch die Äußerungen, die Til Schweiger in der Talkshow von sich gibt, sind vor dem Hintergrund unserer Gesellschaft und Verfassung einfach nicht tragbar.
    Der Vergleich mit Amerika hinkt an allen Ecken und Enden und die Heranziehung dieses Staates als Positivbeispiel für eine gute Überwachung und Verfolgung von Kriminaltätern grenzt schon fast an blanken Hohn.
    Jeder Mensch hat seine Würde, jeder. Ich kann doch nicht willkürlich den Menschen ihre Rechte absprechen. Das ist Artikel 1 unserer Verfassung, der unter anderem durch die Ewigkeitsklausel geschützt wird.
    Dafür steht Deutschland, für die Menschenwürde. Und jeden Straftäter öffentlich an den Pranger zu stellen, unabhängig davon, ob er sich gebessert hat oder nicht, darf nicht die Lösung sein. Jeder Mensch hat eine Chance verdient, sich von seiner Vergangenheit zu lösen. Und durch eine öffentliche Ausgrenzung wird ihm diese genommen.
    Keine Frage, es ist schrecklich, wenn Sexualstraftaten – besonders an Kindern – verübt werden und jeder ist auch seiner angemessenen Strafe zuzuführen. Auch über eine eventuelle Erweiterung des Strafmaßes ließe sich meines Erachtens reden.
    Aber diesen Standpunkt, den Til Schweiger vertritt mit der Aussage, dass die Menschen, die eine andere Ansicht vertreten, dumm und naiv seien, lässt mich darauf schließen, dass das ein oder andere Attribut durchaus auch auf Herrn Schweiger zutrifft.
    Vielleicht wäre er vor 2000 Jahren glücklicher geworden, als Selbstjustiz noch Gang und Gäbe war. In der heutigen Zeit jedoch, besonders in Deutschland, wo jeder hochsensibel auf eventuelle Beschränkungen des Persönlichkeitsrechts reagiert (siehe etwa Datenschutz), kann es doch nicht angehen, dass wir die Grundprinzipie unserer Gesellschaft plötzlich außer Kraft setzen. Irgendwann machen wir das dann auch mit Mördern und zu guter Letzt wird die Statute dann komplett nichtig. Nein, das kann keine Lösung sein.
    Ich verstehe zwar den emotionalen Ausrutscher von Herrn Schweiger, finde aber dass eine solch ungerechtfertigte Aussage weder toleriert oder gar heroisiert gehört.

    Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen. Aber bitte sachlich.

    Einen schönen Abend noch.

    • Hallo Nemo,

      „Jeder Mensch hat seine Würde, jeder. Ich kann doch nicht willkürlich den Menschen ihre Rechte absprechen. Das ist Artikel 1 unserer Verfassung, der unter anderem durch die Ewigkeitsklausel geschützt wird.“

      Man braucht nicht nach Amerika schauen. Schon in Deutschland nimmt man sich tatsächlich das Recht raus, Menschen, die töten und rauben (Vergewaltiger kommen ja meistens auf Bewährung frei, selbst wenn sie gestehen…) , in Gefängnisse zu stecken.

      Wie bewertest du diesen völlig zu verurteilenden Eingriff in das Menschenrecht Freiheit? Haben Mörder und Räuber nicht auch einfach ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben in Freiheit? Denn das zu schützende Rechtsgut wird durch ein solches Strafmaß ja nachweislich mit Füßen getreten.

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    • Guten Morgen, |ket>

      Klar, wenn man das so radikal runterbricht wie du, braucht man aber auch gar keinen Justizapparat oder Polizei mehr. Denn dann darf mich sowieso niemand einsperren. Aber das ist dann glaub ich doch ein wenig zu einfach gedacht.
      Dass die Grundrechte Freiheit / Menschenwürde nicht auf der gleichen Ebene stehen, ist schon aus der Reihenfolge, in der sie stehen ebenso wie aus der Ewigkeitsklausel ersichtlich.
      Die Menschenwürde genießt eine ganz exponierte Stellung am Beginn unseres Grundgesetzes, und zwar der wirklich ganz vorne. Dies ist kein Zufall, sondern wurde bewusst so gewählt.
      Ein Eingriff in die Freiheit ist im normalfall recht insensiv und man kann ihn nur mit guten Gründen rechtfertigen, etwa wenn das Grundrecht der Freiheit einer Person mit dem Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen/ der Allgemeinheit kollidiert. Natürlich müssen das entsprechend gute Gründe sein, wenn jemand einen anderen Menschen umgebracht hat, kann dies als ein solcher Grund herhalten.
      Meine Freiheit hört da auf, wo ich die eines anderen beschränke. Du würdest doch auch nicht einfach in anderer Leute Haus unbefugt hineinspatzieren.
      Mit der Menschenwürde hingegen ist eine Beschränkung mitnichten möglich. Nach deutscher (und europäischer) Ansicht ist jeder Eingriff in die Menschenwürde rechtswidrig. Es gibt nichts, aber auch rein gar nichts, was einen Eingriff darin rechtfertigen könnte. Meines Erachtens ist dies eine kluge Entscheidung, es verschafft eine unüberwindbare Grenze.
      Dies dient auch zum Schutze des Bürgers. Während findige Juristen es schaffen, einzelne Grundrechte mit aberwitzigen Argumentationen zu umschiffen (und teilweise auch Recht bekommen), dient die Menschenwürde als undurchdringbares Schild gegen den Staat, ebenso wie gegen die Mitmenschen.
      Dein Einwand ist berechtigt, zugegebenermaßen, da das möglicherweise inkonsequent erscheint. Aber im Großen und Ganzen halte ich die deutsche Verfassung für eine der menschlichsten auf unserer Welt.

      Vielen Dank fürs Lesen und ich würde mich freuen, wenn was zurückkommt.

      Liebe Grüße,
      Nemo

  4. Ehm, warum wurde denn mein Kommentar nicht freigeschaltet? Bloß weil ich gesagt hab, dass ich seine Meinung populistisch finde?

  5. Herr S.? Sein Wortstil scheint schon recht pubertär und populistisch. Er hat auch schon mal Leute in einer Diskussionssendung als „Mongo“ beschimpft als es um Rechtsextremismus ging. Dass er nicht die Todesstrafe fordert für Vergewaltigung, wundert mich da nur, gibt es in den USA ja auch.
    Leute wollen bestimmen, wer sein Recht an der Gesellschaft verwirkt hat? Das können sich höchstens die Opfer erlauben, das zu beurteilen. Opfer brauchen keine herumpöbelnden rettenden Herren. Bislang versteh ich nicht warum der S. so wütend ist? Grauenhaft, wenn Angehörige oder vermeintliche Retter und Helfer grenzverletzend und stellvertretend Gefühle von Missbrauchs- und Gewaltopfern ausleben. Scheußlich, wenn sich Unbeteiligte moralisch aufregen, mehr Gefühle entwickeln als die Opfer.

    Eine einsehbare Liste der Täter_innen nutzt nix bei sexuellen Straftaten. Da finden sich nur Leute, die dann Jagden veranstalten.
    Und was habe ich davon, wenn ich weiß wo solche Täter_innen wohnen? Soll ich ihnen einen Brief schreiben, mein Kind hysterisch einsperren, dort nicht hinziehen oder gar eine Bürgerwehr mit Knüppel losschicken?

    Wenn wir keine Zigeuner-, Juden- und Homo-Listen wollen, keine Frauenhausadressen veröffentlichen wollen, können wir auch keine Vergewaltiger_innen-Liste fordern.

    Was die vorgeschlagene Zwangsvorführung in die Forensik nebst Therapie anbelangt, ist das nur ein Zeichen von Unwissenheit. Die Psychiatrie hat weder was mit Opferschutz noch mit Heilung zu tun. Die Psychiatrie ist selbst ein System, in dem Missbrauch geschützt wird, darüber wird nur kaum berichtet, wenn Ärzt_innen zu Secxualtäter_innen werden, davon mal abgesehen, dass die „Verrückten“ (Patient_innen) es sich ja in ihrem Wahn einbilden.

    Wenn Opfer selbst ihre Täter_innen bloßstellen oder töten wollen, finde ich das nachvollziehbar. Wie Opfer mit Täter_innen umgehen wollen, müssen sie entscheiden, nicht andere.

    • Opfer brauchen keine herumpöbelnden rettenden Herren.

      Sie brauchen noch viel weniger eine Kuscheljustiz, die den Täter samtiger anfasst als das Opfer.

      Und was habe ich davon, wenn ich weiß wo solche Täter_innen wohnen? Soll ich ihnen einen Brief schreiben, mein Kind hysterisch einsperren, dort nicht hinziehen oder gar eine Bürgerwehr mit Knüppel losschicken?

      Findest du es nicht nachvollziehbar, wenn man nicht in der Nähe eines Kriminellen wohnen will? Und warum ist das hysterisch? Es gibt genug Beispiele, wo ein vorbestrafter Kinderschänder oder Vergewaltiger wieder zugeschlagen hat.

      Wenn wir keine Zigeuner-, Juden- und Homo-Listen wollen, keine Frauenhausadressen veröffentlichen wollen, können wir auch keine Vergewaltiger_innen-Liste fordern.

      Warum nicht? Zigeuner, Juden, Homosexuelle oder Frauenhausmitarbeiter sind nicht kriminell. Jedenfalls nicht per se. Vergewaltiger schon.

    • Ich habe mich schon öfters dazu geäußert, was ich von Täter_innen halte.
      Wie Opfer in den Medien und in der Justiz angefasst werden, weiß ich persönlich, dazu brauche ich keinerlei Erläuterungen.

      Ich fragte, was ich davon habe, dass es eine Liste mit Täter_innen gibt!
      Daraufhin antwortest du allgemein, dass man nicht in der Nähe eines Kriminellen wohnen will.
      Ich will auch nicht in der Nähe einer Kriminellen, einer Vergewaltigerin, eines Nazis, eines Autodiebes, eines Stalkers oder eines Einbrechers wohnen.
      Wenn ich meinen Wohnort danach auswählen muss, wenn dort jemannd wohnt, der Sexualtäter ist und ich nicht deswegen dort hinziehe, dann habe ich verloren.

      Solche Listen sind ein Feigenblatt, denn das Vorhandensein einer Liste suggeriert Sicherheit. Und auf den Listen sind nur rechtskräftig Verurteilte. Warum sollen eigentlich nur Vergewaltiger auf die Liste? Warum nicht auch wegen sexueller Nötigung und Missbrauchs? Oder ist das Verbrechen nur ab einer bestimmten Schwere listenfähig? Kommt Busengrapschen auf die Liste? Bleiben 12-Jährige, die vergewaltigen, von der Liste verschont? Kommt Sex mit Tieren auch auf die Liste? Ist sexuelle Nötigung nach drei Mass auf einem Dorfvolksfest nur missverstander Umgang zwischen Jugendlichen? Ist eine vergewaltigende Frauenärztin die Liste wert?
      Entweder eine Liste für alle sexuellen Übergriffe oder keine.
      Am besten gleich als SexCrimeApp, damit per Mobiltel und GPS schnell herausgefunden werden kann, wo es angeblich gefährlich ist. Das wird allerdings zu NoGo-Areas führen, damit hätten Täter_innen gewonnen, weil deren wirkliche langandauernde Macht die Angstmache und psychische Zerstörung von (potentiellen und wirklichen) Opfern ist.

      Und warum ist das hysterisch?
      Unter hysterisch verstehe ich panikartiges, kopfloses Handeln. Ganz einfach, sobald irgendwo bekannt wird, dass dort ein Täter(!) wohnt, fahren überbesorgte Eltern ihr Kinder immer per Auto sonstwohin, weil es gefährlich ist, und erzählen fast volljährigen Jugendlichen, dass sie wegen der Täter ab Dunkelheit zuhause bleiben sollen, gestörte Männer gründen eine Bürgerwehr und machen Jagd auf Leute, die irgendwie verdächtig aussehen, aufgehetzte Bürger werfen Fensterscheiben ein oder drohen mit Brandanschlägen, in Diskussionen reden Leute von Zwangskastration oder Todesstrafe. Alles schon im Laufe von über 25 Jahren praktisch ausgeführt oder von Leuten ausgesprochen mitbekommen.
      Was mit moralisch unterdrückter aufgestauter Wut anständiger Bürger geschieht, wenn eine Gruppe zum Mob wird, ist doch bekannt.
      Ich verstehe die Angst der Menschen, aber Angst war noch nie ein Zustand in dem Menschen beurteilen konnten, was richtig und falsch ist, was gefährlich ist und was nicht.

      Ich halte diese ganze Täterfixierung für einen frommen Wunsch der Leute, dass es einen bestimmten Typus Täter gibt. Sehr praktisch, jagt man den Kinderschänder, braucht niemand sich die anderen Täter_innen anzusehen. Dann hat man ja alles getan, um zu schützen.

      In die Öffentlichkeit kommen Schrecknisse über sexuell Perverse (im Sinne der Psychiatrie und deren sexualdevianten Gutachtern) und Kindsmörder, die anderen Sexualtäter_innen werden ignoriert.
      Wer die ganze Diskussion um den Runden Tisch der Missbrauchsbeauftragten kennt, weiß dass nur spezielle Täter_innen und Opfergruppen relevant sind.

      Fiktiv: Wie würde ich reagieren, wenn es um Listen ginge und um irgendwelche Täter?
      Kopf sagt: Listen sind Unsinn, schaffen keine Sicherheit; nichtverurteilte Täter_innen (oder solche, die sich noch nicht trauten) gibt es überall. Täter_innen werden lasch bestraft und zu respektvoll, eher als Opfer der Anzeigenden und Geschädigten behandelt.
      Gefühl sagt: Wenn ich eine_n erwische, dann wird meine Notwehr oder -hilfe effektiv (und final) sein, dessen Problem, die/der angreift.
      Wut sagt: Eine Schußwaffe stoppt solche Täter am besten, nicht Polizei und Justiz. Den pack‘ ich mir.
      Angst sagt: Schön im Haus bleiben, da tut dir niemand was.
      Mitgefühl sagt: Du bist nicht schuld, auch wenn du schwach und wehrlos warst.
      Erfahrung sagt: Es ist eine Frage des Zufalls, nicht jemand zu treffen, die/der eine sexuelle Tat ausübt. Mit viel Intuition lässt sich vieles vermeiden, die wenigsten hören aber auf das Bauchgefühl und Kindern wird es ja abtrainiert, auf seltsame Gefühle zu achten.

      Keine Ahnung, ob und wann die Wut siegen würde.

      Ein Heißes Thema. Nur diskutieren oft genug nicht die Opfer, Überlebenden von solchen Taten darüber, sondern deren Angehörige, die mittraumatisiert sind oder aus Schuldgefühl wegen Nichthilfe einen Aktionismus entwickeln. Oder es schwadronieren selbst ernannte Experten wie Herr S.
      Solange sexuelle Straftaten angstmachend, medial ausgeschlachtet werden, Angehörige mit geheucheltem Verständnis, abstrusem zwanghaftem Nachfühlenwollen (was nur diejenigen können, die es erlebt haben) oder genervter Abwehr den Opfern gegenüber agieren oder sich Prominente fachlich unrichtig, aggressiv machohaft mit Beschützerallüren und ichbezogen darüber äußern, hilft das keinem Opfer.

      Eine Gesellschaft, die sexuelle Straftaten als wenig wichtig ansieht, im Strafmaß milde betrachtet, inkompetente Therapeut_innen und Ärzt_innen auf Überlebende loslässt, aus angeblichen Sparzwängen Renten nicht bezahlt, Unterstützung zu Projekten bezüglich Gewaltprävention streicht, Beratungsstellen nicht fördert, sexuelle Übergriffe bagatellisiert, Sexismus duldet, macht sich mitschuldig am Leid der Überlebenden und handelt Täter_innenzentriert.

      Es ist nicht schick, mit Opfern zu tun zu haben. Und sie sind schnell mundtot zu machen, an die Seite zu schieben. Notfalls, indem die Helfer mehr rumkrakeelen und manisch agieren, damit von Opfern abgelenkt wird, die Helfer einen besseren Status bekommen. Opfer-zu-sein ist unterste Gosse, nicht umsonst ist bei Migrant_innen das „Du scheiß Opfer“ beliebt. Notfalls, indem öffentlich und hinterrücks behauptet wird, dass Opfer lügen und sich die Taten ausdrücken.

      Heißes Thema, erzeugt eben heißblütige und kühle Ideen und Handlungen.

    • „Was die vorgeschlagene Zwangsvorführung in die Forensik nebst Therapie anbelangt, ist das nur ein Zeichen von Unwissenheit. Die Psychiatrie hat weder was mit Opferschutz noch mit Heilung zu tun. Die Psychiatrie ist selbst ein System, in dem Missbrauch geschützt wird, darüber wird nur kaum berichtet, wenn Ärzt_innen zu Secxualtäter_innen werden, davon mal abgesehen, dass die „Verrückten“ (Patient_innen) es sich ja in ihrem Wahn einbilden.“

      Ist das so? Gibt es da Quellen?

    • Auch mir bekannte Beispiele:
      Einer Körperbehinderten sexuelle Übergriffe nicht glauben, aber sagen, dass sie das gern hätte oder dass sie das nur sagt, um Aufmerksamkeit zu bekommen, weil sie behindert ist.
      Und wenn nach mehrmaligem Bestreiten der Vorwürfe der Ärzte durch die Frau immer noch an der ärztlichen Aussage festhaltend, dass die Frau nicht glaubwürdig ist, weil sie ein Problem mit sich hat. Dass ein Teil dieser Herren und Damen Ärzte auch noch irgendwelche fachärztliche Schwerpunkte in Sexualmedizin hatten, machte es noch gruseliger.

      Einer von vier Männern vergewaltigten Lesbe gutachterlich (Psychiater) vorwerfen, dass sie gar nicht lesbisch sei, weil sie eine Hormonstörung habe, und sie deswegen Sexualkontakte gesucht habe.

      Das nenne ich: Sexuelle Gewalt und Missbrauch durch die Psychiatrie schützen.

    • (Sexuelle Übergriffe in der Psychiatrie)

      Ist das so? Gibt es da Quellen? Und was ist dein Vorschlag, wie man damit umgehen sollte?

    • Was für Quellen? Willst du was wissenschaftliches?
      http://www.zartbitter.de/content/e158/e66/e6418/MissbrauchinInstitutionen.pdf
      http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=44735
      http://www.asanger.de/downloads/zppmcme11.pdf
      http://www.dvba.de/downloads/texte_ba/dvba_2007_missbrauch_durch_hilfeleistende.pdf

      Es gibt Kliniken, in denen Frauen und Männer auf gemischten Stationen sind.
      Ich kenne persönlich Frauen, die von Ärzten sexuell genötigt wurden oder von Patienten vergewaltigt.
      Ein so streng hierarchiches System mit alleiniger Definitionsmacht durch behandelnde Ärzte leugnet sowas, das wäre ja schließlich sowas wie ein Kunstfehler in anderen Kliniken.

      Wie damit umgehen? Sichtbar machen. Drüber reden.

  6. Ich bin nicht der Meinung, dass Til Schweiger recht hat. Er macht es sich vielmehr zu einfach. Es erfordert eine Menge Fantasie, mit diesen Extremtätern so umzugehen, dass sie einerseits hinreichend bestraft werden, andererseits die Menschenrechte gewahrt bleiben.

  7. Also ich find eigentlich gut, dass einer von denen da Oben, die gehört werden wenn sie was sagen (im gegensatz zu unsereins) endlich mal ausspricht, was doch die meisten hier unten denken!

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