Pick Up – eine unendliche Geschichte

Jetzt ist es passiert, das nahezu Unfassbare. Ich habe zum ersten mal einen Beitrag über PU gesehen, der mich nicht spontan und komplett angewidert hat. Und das meine ich nicht ironisch, sondern so ernst, dass mir das einen eigenen Blogpost wert ist.
Es ist ein Interview mit Maximilian Pütz beim SWR Nachtcafe. Ich nehme an, die Insider kennen sowohl ihn als auch das den Videoausschnitt.

Ich war nicht fasziniert, und schon gar nicht restlos überzeugt, aber ich habe mir das Interview ruhig angeschaut, fand einige Aspekte nicht völlig daneben, und den interviewten PUA nicht arrogant und abstoßend, sondern durchaus sympathisch in seinem offenen Auftreten. (Und nebenbei erwähnt, auch nicht unattraktiv, er lacht sehr nett, finde ich ;-), aber das nur am Rand)

Mein erster positiver Eindruck mag daran gelegen haben, dass er nicht krampfig den Alpha raushängen ließ und auch nicht verzweifelt dominant und überlegen daherkommen wollte, und schon gar nicht herabsetzend über „die Frauen“ polemisiert, so wie ich es bei vielen anderen seiner Spezies immer wieder feststelle.


Ich versuche mal, chronologisch seine Äußerungen für mich auszuwerten.
Die sympathische Ehrlichkeit habe ich zum Beispiel in seinem Eingeständnis gesehen, aus reiner Frustration, beim anderen Geschlecht nicht anzukommen, zu PU gekommen zu sein. Ein Punkt, den PUAs häufig abstreiten, weil es sie in ihrer Eitelkeit angreift.
Eine Punkt, die weniger sympathisch ist, aber eben immerhin genauso ehrlich, der auch Klischees bestätigt, dass er zugibt, dass Frauen häufig als reine Beute betrachtet werden. Leider geht er darauf nicht näher ein, schließlich ist das ein verbreiteter Vorwurf, wenn nicht DER Vorwurf, dass es nur ums Abschleppen der Beute geht. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als davon auszugehen, dass da was dran ist.
Ein Punkt, der nun wieder geradezu idiotisch ist: Er wirft vor, dass der Feminismus die Triebhaftigkeit der Männer als böse verteufelt hat. Er verdeutlicht dies am Beispiel, dass ein Mann, der offen zu einer Frau sagt, „dass er sie attraktiv findet und gern mit ihr schlafen würde“ (sic), besser ankommt, als einer, der sich verstellt und verbiegt, indem er ihre Wohnung renoviert oder ähnliches, wenn er das nicht wirklich aus Nettigkeit und ohne Hintergedanken tut (soll ja auch vorkommen, entgegen seiner Behauptung), sondern nur um bei ihr landen zu können. Ist natürlich richtig, solange die Offenheit nicht plump, sexistisch oder sonstwie abstoßend rüberkommt. Ist doch klar, dass ein Satz wie der zitierte besser ankommt, als ein „Hey Baby, geiler Arsch, Bock zu ficken?“ Also ich kann ja nur für mich sprechen, aber wenn DAS ein Vorwurf ist, dass DAS verteufelt wird, dann lasse ich mir das gerne vorwerfen. Dazu stehe ich absolut, denn ich lasse mich ungern so unterirdisch anmachen. Der Ton macht die Musik. Man muß sich nicht verbiegen und lügen, um das zu sagen, was man meint. Es sei denn, man ist eben ein Sexist. Feministinnen verteufeln keine ehrlichen Männer, die immerhin wissen, welcher Ton sich gehört. Es sei denn, er war hier doch nicht so ehrlich und hat die höfliche Variante nur fürs Fernsehen verwendet um nicht als Arschloch dazustehen. Weiß man nicht.
Ein weiterer Punkt, auf den ich ja immer wieder gereizt reagiere, ist die berühmte Dominanz. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man behauptet, Frauen wollen dominiert und geführt werden, oder Frauen mögen selbstbewußte Männer, die wissen, was sie wollen. Auf diesen Unterschied geht er kurz mit einem Beispiel ein und erläutert, dass Frauen durchaus in der Lage sind, ihre Wünsche mitzuteilen und zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen. Ein Mann, der zu mir sagt, lass uns doch mal zum Italiener gehen, zieh dir was nettes an, würde ich aber nicht als dominant empfinden, sondern einfach als einen, der mir einen Vorschlag macht, worauf er Lust hat, und den ich noch lange nicht annehmen muß, wenn er mir nicht gefällt. Und wenn ich ihn annehme, habe ich damit keineswegs demonstriert, dass er mich mit seiner Dominanz überzeugt hat. Vielleicht nur, dass ich einfach auch zufällig Lust auf einen netten Abend mit italienischem Essen habe.
Ok, weiter. Ein Punkt, den ich so noch gar nicht so wahrgenommen habe, war das Stichwort Emotion statt Information. Da bin ich zwiegespalten, wie ich das werten soll. Er sagt vorher, dass ein Mann authentisch sein muß, sich nicht verstellen soll. Aber hier heißt es sinngemäß, er labert lieber emotionale Scheiße mit den Frauen, um ihr Interesse zu wecken, weil sie eben lieber über Emotionen reden. Er sagt, es gehe nur darum, die Gefühlslage der Frau herauszufinden, ob sie sich gut in seiner Nähe fühlt. Klingt erstmal gut. Klingt nach Einfühlungsvermögen, Sensibilität und ehrlichem Interesse an der Frau. Dinge, die ich schon als wichtig betrachte beim Kennenlernen. Aber vorher behauptet er, Frauen würden es angeblich hassen, wenn zu sehr auf ihre Befindlichkeiten geachtet würde. Ich finde, hier widerspricht er sich.
Die nächste sehr typische Behauptung, Frauen wollen Männer, die auch von anderen Frauen begehrt werden. Naja, also ich bleibe bei meiner Haltung, dass ich nicht Eine unter vielen sein will und ich will auch nicht mit ständiger Eifersucht kämpfen müssen, weil viele andere Frauen ihn anhimmeln und ich mir nie sicher sein kann, ob er das ausnutzt. Und schon gar nicht möchte ich Rivalinnenkämpfe austragen müssen, wer denn wohl die Ehre hat, die Siegerin zu sein. Ein Mann, der sich mit mehreren Frauen umgibt, damit er attraktiver auf eine bestimmte wirkt, würde auf mich nicht positiv wirken. Jedenfalls nicht so, dass ich dann den Ehrgeiz entwickle, den haben zu wollen. Weil das auf mich wieder unehrlich wirkt. Wenn er an mir Interesse hat, soll er ehrlich sein und das zeigen oder sagen, und keine Spielchen mit anderen Frauen spielen.
Und zu guter Letzt noch ein Punkt, den ich überhaupt nicht teilen kann, zumindest nicht in dieser Einseitigkeit. Er meint, dass sich die meisten Männer zu viel von ihren Frauen gefallen lassen, weil sie keine andere Wahl haben, sondern in einer Abhängigkeit leben. Leider geht er hier nicht konkret weiter darauf ein, was das für Ungeheuerlichkeiten sind, die sich die Frauen da leisten. Aber hier argumentiert er schon sehr einseitig. Aber gut, er hat ja auch ein bestimmtes Kundenklientel, nämlich das der beziehungsgeschädigten Männer, bzw derer, die eben wenig Erfolg bei Frauen haben. In einer „neutraleren Paarberatung“, sag ich mal, würden ihm wahrscheinlich ganz andere Geschichten um die Ohren fliegen.
Insgesamt ein interessantes Interview. Es hat mich wie gesagt, keineswegs von PU überzeugt, dafür sind mir einfach zuviele Ungereimtheiten und übliche Pauschalitäten drin, aber immerhin das erste mal, dass ich zumindest einige Punkte nachvollziehen kann und nicht nur von Arroganz und Überheblichkeit angeekelt bin. Immerhin.

5 Kommentare zu “Pick Up – eine unendliche Geschichte

  1. Interessant.

    Mir sind nur zwei Sachen aufgefallen:
    Einmal dieses „Wir haben keine starken männlichen Vorbilder mehr, die uns zeigen Wie kann man denn mit dem anderen Geschlecht erfolgreich werden“ – Sowas gabs mal? Wann?
    Und dann die Meinung, dass PU auf wissenschaftlicher „Auswertung“ beruht. Naja, wage ich zu bezweifeln.

    Mich ärgert, dass immer gemeint wird, solche Äußerungen riefen feministischen Widerstand hervor. Als würden Feminist/innen nicht wollen, dass Menschen miteinander glücklich sind. Da stellts mir halt immer alles auf ob dieser Fehlinformation.

    • Dass Feminismus die Schuld für alles mögliche, und natürlich auch für zwischenmenschliches Nicht-Funktionieren gegeben wird, ist ja sehr en vogue. Feministinnen hassen Männer, Feministinnen wollen Familien zerstören, Feministinnen sind sexfeindlich, neidisch und frustriert und gönnen deswegen anderen ihr Glück nicht, usw usf, bla bla. Warum sollten PUAs davor halt machen? Schließlich verringert es ja deren Erfolgsquote, wenn Frauen nicht so funktionieren, wie sie es wollen. Der Sündenbock Feminismus kommt da grade recht.

  2. Mir ist zuerst mal die rassistische Zeichnung von Macho-Männlichkeiten aufgefallen, von denen er den Gentlemanhaften PUA abgegrenzt hat. Höflichkeit in diesem bildungsbürgerlich/hegemonialmännlichen Verständnis trenne ich für mich sehr deutlich von einer Höflichkeit, die Anderen einen gleichberechtigten Raum für ihre Situationsdeutungen einräumt, oder das zumindest anstrebt. Das ist für mich Grundvoraussetzung eines gewaltfreien Dialoges und genau das lehnen PUAs soweit ichs verstehe prinzipiell ab.
    Abgesehen davon entwertet dieser Diskurs Freundschaft, die er zwischen oberflächlicher Männerfreundschaft und einem prinzipiell untergeordnteten Verhältnis zu weiblichen Buddies verortet. Männern wird eingeredet, sie würden nur Freundschaften zu Frauen schließen, weil sie eigentlich Sex von ihnen wollen. Authentisch männlich ist scheinbar nur der natürliche Trib, der sich klar artikulieren und strategisch verwenden lässt, und nicht der diffuse Emotionsquatsch, der nur die Handlungsfähigkeit einschränkt.
    Erschreckend, wie die ganze Runde diesen sexistischen Diskurs mitträgt… Ich find den Typen übrigens körperlich ganz attraktiv, aber die Art wie er redet und sich bewegt würde mir auch ohne den Gesprächsinhalt Angst machen glaubich…

    • Im PU gilt die Freundschaft zu einer Frau als absolute Loser-Karte. Der Spruch „lass uns Freunde sein“, der durchaus nicht immer so klischeehaft negativ besetzt ist, wie es immer dargestellt wird, heißt für einen PUA: du hast verloren. Das einzig ultimative Ziel ist der sexuelle Kontakt. Ich betrachte es als ein trauriges Los, wenn sich Freundschaften nur auf ein Geschlecht beschränken dürfen, weil du beim anderen alle Register ziehen mußt, um deine Alphaqualitäten zu beweisen. Stell ich mir sehr anstrengend und unentspannt vor.

  3. Wenn ich das so lese, ist PU eher FUD (Fuck her Up and Dominance).

    PU setzt voraus, dass Frauen immer wollen, jede Frau, natürlich mit einem Mann! Und dass Frauen in Konkurrenz um Männer kämpfen.
    Was für ein heterofixierter sexistischer Mist. Und gnadenlos biologistisch triebhaft. Und so dermaßen GV-fixiert.

    So sich reduzierende Männer leben Männlichkeiten, die eher an Leistungssport in Kombination mit Gentlemantum und einer Prise „Ich verstehe dich!“ erinnert. Der Mann als Jäger, die Frau als Beute.
    Was für ein Handlungsgefängnis.
    Aber es besteht ja Nachfrage, so leben zu wollen und Partnerin desselben zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s