Nach ERGO und Hamburg-Mannheimer nun auch die Wüstenrot & Württembergische

Vorbildlich abgerackert hatten sie sich. Als Belohnung gönnte der Finanzkonzern W&W seinen verdienten Mitarbeitern eine Sause an die sonnige Copacabana. Dumm nur: Dort lief es nicht mehr vorbildlich.

Ausgerechnet die besten Mitarbeiter haben dem soliden Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) einen schlüpfrigen Skandal eingebrockt. Bei einer 200.000 Euro teuren Belohnungsreise nach Brasilien soll ein Teil der 51-köpfigen Gruppe im Puff gelandet sein. Für das Image des Unternehmens – bekannt für so konservative Produkte wie Bausparen und Lebensversicherungen – ist das kurz vor den Festtagen alles andere als eine frohe Kunde. Zudem weckt die Lustsause Erinnerungen an den Ergo-Skandal aus diesem Jahr.

W&W bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht aus dem Handelsblatt, wonach die Wüstenrot Bausparkasse AG Ende April 2010 eine Tour nach Rio de Janeiro springen ließ – als Förderung und Honorierung besonders hervorragender Leistungen, wie sie es selber nennt. Ohne Frage sei dabei offensichtlich gegen den Verhaltenskodex verstoßen worden – W&W beteuert aber, dass es sich um individuelle Verfehlungen handele und das Unternehmen nichts gefördert habe.

Laut dem Blatt endete die Nacht zum 30. April in dem Etablissement Barbarella, bei dem schon mit einem flüchtigen Blick auf das Logo am Eingang klar ist, was innen abgeht. „Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren“, berichtet ein Teilnehmer der Zeitung. Die Wüstenrot-Revision wisse heute, dass zwischen 14 und 20 Mitarbeiter ins Barbarella einkehrten.

Teilnehmen berichteten dem Blatt, dass die Polizei einen Direktor nachts am Strand mit einer Prostituierten erwischt habe. Andere seien auf den Hotelfluren zur Sache gekommen. Glaubt man den Schilderungen, hatte die Tour – zumindest für einige Reisende – nur einen Sinn.

Der Konzern will nichts beschönigen – wehrt sich aber gegen den Verdacht, eine aktive Rolle gespielt zu haben. „Wir unterstützen, organisieren oder finanzieren keine Aktivitäten, die gegen unseren Verhaltenskodex verstoßen“, erklärte Bausparkassenvorstand Bernd Hertweck. „Eindeutige Ausschweifungen im Rahmen einer Dienstreise verstoßen selbstverständlich gegen unsere Verhaltensrichtlinien.“

Falls angemessen und rechtlich möglich, werde Wüstenrot personelle Konsequenzen ziehen. Zudem habe man das Belohnungssystem auf den Prüfstand gestellt und auf Kostendisziplin und Angemessenheit überprüft. In der Branche sind Belohnungsreisen – sogenannte Incentives – weit verbreitet.

Sex-Orgien kratzen am Image der Branche

Der Skandal von der Copacabana weckt Erinnerungen an die Tour von 100 Mitarbeitern des Versicherers Ergo nach Budapest, die dort 2007 auf Firmenkosten eine traditionsreiche Therme in ein frivoles Freiluftbordell verwandelten. Die Sex-Orgie kam Mitte dieses Jahres heraus – und schon damals litt das Image der Branche gewaltig.

Der Verband der Privaten Bausparkassen sieht im W&W-Fall keine Parallelen. „Das zitierte Ereignis gehörte nicht zum Reiseprogramm des Unternehmens“, sagte ein Sprecher am Montag. „Einen Imageschaden für die Branche befürchten wir nicht. Denn die Menschen sind klug genug zu unterscheiden: Was können Unternehmen wirklich steuern und was nicht?“ Wichtig sei dem Verband, dass es in den Firmen klare Verhaltensregeln gebe, die auch durchgesetzt würden. „Das ist hier der Fall“, meinte der Sprecher. Es sei aber lebensfremd anzunehmen, dass Verhaltensregeln allein eine tadellose Moral garantierten.

W&W beteuert, dass anders als bei Ergo der krönende Abschluss des Abends im Bordell weder offiziell noch inoffiziell ein Teil des Programms gewesen sei. Eine Überprüfung der Reisekasse habe ergeben, dass bei dem Ausflug kein Geld des Konzerns geflossen sei, betonte ein Sprecher am Montag. „Uns ist die Botschaft wichtig, dass wir diese Ausschweifungen in keinster Weise irgendwie organisiert oder unterstützt haben“, sagte er. Doch allein das Reiseziel und der Stopp an der Vergnügungsmeile haben ja schon ein Geschmäckle. Das hat W&W offensichtlich auch bemerkt. Erste Konsequenz: Die Belohnungsreisen sollen sich künftig nur noch auf Deutschland beschränken.

W&W zählt etwa 3000 selbstständige Handelsvertreter, die im Namen des Unternehmens Bausparverträge verkaufen. Insgesamt hat W&W 6000 Außendienst-Partner. Beim Bausparen ist nur Schwäbisch Hall größer.

Quelle

Ja, die konservativen Lebensversicherungsverkäufer wissen eben zu leben… [/iro]
Und zu Hause warten Frau und Kinder.

*kotz*

35 Kommentare zu “Nach ERGO und Hamburg-Mannheimer nun auch die Wüstenrot & Württembergische

    • Eigentlich keine schlechte Idee, auch wenn dein versuchter Zynismus die Sachlage lächerlich darstellen will.

      Abgesehen von der generellen Abartigkeit, einen fremden Körper gegen Bares zur egoistischen Triebbefriedigung zu objektifizieren, und das dann „einvernehmlichen Sex“ zu nennen, und nebenbei noch damit seinen Partner zu betrügen, hat es schon einen doppelmoralischen Faktor, auf beruflicher Ebene konservative, „spießige“ Werte zu symbolisieren und hinter geschlossenen Vorhängen auf solche Werte zu pfeifen.

      Dass du damit kein Problem hast, hast du ja schon bei der Diskussion um die widerliche ERGO-Sex“party“ gezeigt. Für dich war das alles ja ein nettes familiäres Gruppenerlebnis lauter Alphatiere.

    • Also du bist eher bein sexnegativen Feminismus anzusiedeln?

      Es ist mir völlig egal, in welche Schublade du mich stecken willst, nur damit zu wieder was zum katalogisieren hast. Wenn du das für dein Weltbild und dein Wohlbefinden brauchst, bitte sehr. Ich denke nicht so schwarz-weiß wie du.

      Wer sagt den, dass sie alle verheiratet waren oder ihre Frauen dagegen waren?

      Klar, die werden das alle ganz toll gefunden haben.

      Und was kann in diesem Fall die Versicherung dafür?

      Sie hat die Reise organisiert.

  1. „Abgesehen von der generellen Abartigkeit, einen fremden Körper gegen Bares zur egoistischen Triebbefriedigung zu objektifizieren, und das dann „einvernehmlichen Sex“ zu nennen…“

    Warum ist der Sex nicht „einvernehmlich“? Die Frauen, die in den Bordellen arbeiten, ziehen zwar sehr wenig bis gar keinen Lustgewinn aus diesem Geschäft (und zu einem Geschäft gehören immer zwei), aber das beabsichtigen sie auch gar nicht, da diese Frauen eh nur aufs Geld aus sind.

    Seine eigene Frau bzw. Freundin mit einer Prostituierten zu betrügen ist natürlich scheiße, da hast du recht.

    • Einvernehmlich heißt, dass beide Lust drauf haben, und nicht, dass es einer aus Geldnot macht. Bei Prostitution wird kein Sex verkauft, sondern eine Illusion, und für diese Illusion ein Körper zwecks Benutzung zur Verfügung gestellt. Mehr nicht. Mit einvernehmlichem Sex hat das nichts zu tun.

    • „Einvernehmlich heißt, dass beide Lust drauf haben, und nicht, dass es einer aus Geldnot macht.“

      So kann man das selbstverständlich auch sagen. Aber es bleibt trotzdem dabei, dass es sehr viele Prostituierte freiwillig tun, auch wenn die Geldnot sie vielleicht dazu zwingt. Es gibt auch Frauen, die diesen Job gerne machen, weil sie so besser verdienen als in ihren vorherigen Beruf. Das muss jeder für sich selbst entscheiden (ich selbst würde das nicht machen).

    • Aber es bleibt trotzdem dabei, dass es sehr viele Prostituierte freiwillig tun, auch wenn die Geldnot sie vielleicht dazu zwingt.

      Widerspruch in sich. Sobald Zwang im Spiel ist, welcher Art auch immer, gibt es keine Freiwilligkeit.
      Und auch wenn vielleicht der höhere Verdienst als Luxus gesehen wird, den sich die eine oder andere gönnen will, ist es nun mal so, dass es sich nur um Illusionen handelt, die verkauft werden.

    • „Sobald Zwang im Spiel ist, welcher Art auch immer, gibt es keine Freiwilligkeit.“

      Trotzdem hat die Frau zumindest hierzulande die freie Wahl, was sie aus der Situation macht. Wie es allerdings in Copacabana bzw. Argentinien aussieht kann ich nicht beurteilen.

      „Und auch wenn vielleicht der höhere Verdienst als Luxus gesehen wird, den sich die eine oder andere gönnen will, ist es nun mal so, dass es sich nur um Illusionen handelt, die verkauft werden.“

      Wenn die Männer sich täuschen lassen wollen, dann sollen sie es doch tun. Ihr Pech.

  2. @Stephi:

    Trotzdem hat die Frau zumindest hierzulande die freie Wahl, was sie aus der Situation macht. Wie es allerdings in Copacabana bzw. Argentinien aussieht kann ich nicht beurteilen.

    Naja, solange sie nicht aus Bulgarien, Ungarn oder anderen ehemaligen Ostblockländern hierher verschleppt bzw. unter falschen Versprechungen hergelockt wurde, sicher.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/roma-frauen_auf_dem_strassenstrich_1.3550610.html
    http://www.nw-news.de/lokale_news/herford/herford/5153675_Zwangsprostitution_in_Ostwestfalen-Lippe.html
    Etc. pp. 😦

    • @sysygy

      Die Frage ist ja, wie hoch der Anteil der Unfreiwilligen ist. Und was man als unfreiwillig definiert.

      Ich denke durchaus, dass die allermeisten Prostituierten das freiweilig machen. Weil es eben – wenn man die moralische Flexibilität hat – sehr schnell verdientes Geld ist. In welchem Bereich macht man sonst in so kurzer Zeit als ungelernte Kraft so viel Geld? und das legal und der Möglichkeit es steuerfrei zu halten (dann illegal).

      Im zweiten Link geht es mit Frauen, die durch den Glauben an Vodoo in der Prostitution gehalten werden. Das scheint mir eher kein Standardfall zu sein.

      Die Zahl der Fälle, in denen eine Zwangsprostitution festgestellt wurde, ist ja auch relativ gering. Und auch die üblichen Schreckensszenarien von Tausenden Zwangsprostituierten zu Großveranstaltungen erfüllen sich recht selten.

    • Was du „durchaus denkst“, muß nicht mit den Tatsachen übereinstimnmen. Belege hast du dafür nicht, zumal Zwang nicht nur körperlich stattfinden muß. Erpressung, Geldnot oder Vortäuschung falscher Versprechen und Manipulation sind ebenso Zwänge, die Freiwilligkeit ausschließen. Und auch „moralische Flexibilität“ kann aus Zwang entstehen.

      Nein, die Welt der Prostitution ist nicht mit Sicherheit so plüschig, rosarot und geil, wie sie in feuchten Männerträumen vorkommt.

    • @onyx

      Und warum muss ich die Belege dafür liefern, dass es freiwillig geschieht? Der offizielle Rahmen ist „Geld gegen Sex“. Du behauptest einen weiteren Hintergrund. Der wäre damit von dir zu belegen.

      Natürlich ist die Welt nicht flauschig und es geht auch nicht darum, ob die Frauen das geil finden. Es ist eben ein Job.
      Das es Frauen gibt, die damit zurechtkommen zeigen auch zB Prostituiertenblogs wie
      [editiert]

      Der sexpositive Feminismus sieht Sexarbeit ja auch als eine Möglichkeit an, die auf einer freien Entscheidung beruhen kann.
      Ich befinde mich insoweit also in guter Gesellschaft.

    • Und warum muss ich die Belege dafür liefern, dass es freiwillig geschieht? Der offizielle Rahmen ist „Geld gegen Sex“.

      Das heißt ja nicht, dass er realistisch ist. Offiziell heißt es auch, dass Menschenhandel verboten ist. Trotzdem existiert er.

      Du behauptest einen weiteren Hintergrund. Der wäre damit von dir zu belegen.

      Es gibt unzählige Berichterstattungen zum Thema.

      Natürlich ist die Welt nicht flauschig und es geht auch nicht darum, ob die Frauen das geil finden. Es ist eben ein Job.

      Und damit hat es eben nichts mit einvernehmlichem Sex zu tun. Schön, dass du es jetzt auch einsiehst.

      Der sexpositive Feminismus sieht Sexarbeit ja auch als eine Möglichkeit an, die auf einer freien Entscheidung beruhen kann.

      Du sagst es. KANN. Damit schränkst du ja die offizielle, angeblich grundsätzliche Freiwilligkeit schon selbst ziemlich ein.
      Der sexpositive Feminismus verschließt die Augen nicht vor Zwangsprostitution, und behauptet, dass die „allermeisten es gaaanz sicher freiwillig tun“.

      Dass es Frauen gibt, die damit „zurechtkommen“ (eine hübsche Formulierung für Freiwilligkeit), hat niemand bestritten. Es gibt auch Menschen, die mit Arbeitslosigkeit, einem sehr unangenehmen Job, dem Verlust eines geliebten Menschen oder einer Vergewaltigung zurechtkommen. Sie leben irgendwie damit. Freiwillig ist was anderes, nämlich diesen Job gern zu machen. Und dürften weit weniger sein.

      Ich befinde mich insoweit also in guter Gesellschaft.

      Wie „gut“ diese Gesellschaft ist, lassen wir mal im Raum stehen…

      Ach ja, die Links habe ich natürlich gelöscht. Ich lasse hier keine Werbung für Prostituierte stehen, wo noch dazu ihrerseits wieder auf andere Prostitutionsseiten verlinkt wird.

    • Bitte merk dir doch mal, wie man mich schreibt. Ich nenne dich ja auch nicht Chrsistian.

      Ich denke durchaus, dass die allermeisten Prostituierten das freiweilig machen. Weil es eben – wenn man die moralische Flexibilität hat – sehr schnell verdientes Geld ist. In welchem Bereich macht man sonst in so kurzer Zeit als ungelernte Kraft so viel Geld? und das legal und der Möglichkeit es steuerfrei zu halten (dann illegal).

      Das wage ich nicht zu beurteilen. Ich weiß es nicht. Ich bin nicht bei der Polizei oder einer sonstigen Behörde, die sich damit befasst. Ich kann mich nur im Internet durchklicken und Dokus im Fernsehen angucken. Ich tendiere aber dazu zu denken, dass vielleicht nicht die *aller*meisten, aber zumindest eine Mehrheit der Prostituierten in UNSEREN BREITEN den Job „freiwillig“ machen. Wie es in anderen Rechtssystemen ist, weiß ich ebenso wenig.
      Ich habe aber auch keine Aussage über die Häufigkeit der freiwilligen Prostitution getroffen, ich habe lediglich festgestellt, dass es sich eben nicht jede Frau in Mitteleuropa aussuchen kann, ob sie Prostituierte wird oder nicht. Das ist alles.

  3. Oder solange sie es nicht vorziehen, sich zu prostituieren anstatt als Putze oder Kassiererin zu arbeiten. Das können natürlich nur die, die über die entsprechenden physischen Qualitäten verfügen, und die Natur ist bekanntlich ungerecht. Oder besser gesagt: sie ist keine Feministin.

    Das ist eben das typische Gerede von Feministinnen, die noch nie ein Prostutierte aus der Nähe gesehen haben, aber ganz genau über deren Situation und Motive bescheid wissen. Natürlich gibt es Zwangsprostitution, aber nicht alle Prostituierten werden gezwungen.

    • Das ist eben das typische Gerede von Antifeministen, die in ihrem bornierten Weltbild glauben, dass Prostituierte, die sich so willig und geil räkeln, dies aus Naturgeilheit tun und totaaal glücklich damit sind, fremden Männern die heile Welt vorzuspielen, und jede Frau, die Prostitition ablehnt, nur eine häßliche und neidische Feministin sein kann.

    • Du vergisst, dass es auch sex-positive Feministinnen wie Charlotte Roche gibt, die anders darüber als so manche andere Feministin.

  4. Meines Erachtens wäre es nicht verkehrt bei Männern, anstatt vom Sex vom Abspritzen zu reden. Zumal zumindest in Bordellen sowieso nix anderes passiert. Und im Privaten ist das Gleiche auch keine Ausnahme. Tausende von Jahren alte Gewohnheiten/Rechte lösen sich nicht durch ein paar Generationen in Luft auf. Was nicht nur die Maskulisten beweisen.

    Wikipedia: Ehelicher Beischlaf:
    Im Jahre 1966 sah der Bundesgerichtshof den engagierten ehelichen Beischlaf als Voraussetzung zum Erhalt der Ehe an (BGH, Urteil vom 2. November 1966, Az. IV ZR 239/65):[1]

    „Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen (…) versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.

    Meine Güte, wie abartig hört sich denn „Beiwohnung“ an?

    Und noch eins:
    Eine aus der Geschlechtsgemeinschaft resultierende Verpflichtung zum Beischlaf bleibt umstritten, da ein Urteil auf „Herstellung des ehelichen Lebens“ nach § 888 Abs. 3 ZPO nicht vollstreckbar wäre.

    Das Amtsgericht Brühl beschnitt jedoch in einem Fall aus dem Jahre 2000 wegen Verweigerung des ehelichen Beischlafs gemäß § 1579 Nr. 7 BGB den Unterhalt.

    Die männliche Hegemonie lässt schön grüßen.

  5. Hallo Onyx,
    Christian hat mich darauf hingewiesen dass du seinen Link zu meinem Blog gelöscht hast, weil es sich um Werbung handele. Anscheinend hast du meinen Blog ja angeschaut, deshalb erstaunt es mich schon sehr dass du ihn als „Werbung für Prostituierte“ bezeichnest. Er befasst sich mit den gesellschaftlichen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen für Prostituierte und mit der alltäglichen Diskriminierung von Sexarbeiterinnen, gerade auch aus einer feministischen Perpektive, also nicht gerade was potenzielle Kunden auf der Suche nach Entspannung lesen wollen…Zt. verlinke ich auch auf die geschäftlichen Seiten von anderen Sexarbeiterinnen, dies aber deshalb weil sie ihre durchaus lesenswerten Blogs direkt auf ihrer Homepage haben und somit noch offensichtlicher „echte“ Prostituierte sind und nicht irgendwelche Fakes. Ausserdem möchte ich meine Perspektive als Sexarbeiterin einbringen, sowie auch die von anderen Sexarbeiterinnen, denn je mehr von uns SELBST über das Thema sprechen anstatt vorurteilsbeladenen und Quotengeilen Journalisten die gesamte Berichterstattung zu überlassen, umso schwieriger wird es für die Öffentlichkeit Vorurteile zu reproduzieren und umso eher wird man sich ein realitstisches, differenziertes Bild machen können.

    Viele Prostitutionsgegner verwenden einen absolut inflationären Begriff von „Zwang“. Würde man diesen auf alle anderen Sachverhalte ausgedehnen, könnte so gut wie kein menschliches Handeln mehr dem Anspruch der Freiwilligkeit genügen.

    „Einvernehmlich heißt, dass beide Lust drauf haben, und nicht, dass es einer aus Geldnot macht. Bei Prostitution wird kein Sex verkauft, sondern eine Illusion, und für diese Illusion ein Körper zwecks Benutzung zur Verfügung gestellt.„

    Einvernehmlich bedeutet Konsens, die Gründe für diesen Konsens spielen keine Rolle und gehen auch niemanden etwas an. Viele Prostituierte sehen den Sex mit ihren Kunden tatsächlich nur als ein Job, und nicht als Sex- ja und? Das bedeutet lediglich dass sie Geschlechtsverkehr eine breitere Bedeutung geben als du es ihnen zugestehen willst. Ich sehe Sex als Kommunikation- es kann sowohl eine tiefgründige, Lebensverändernde Diskussion sein, bedeutungsloser Smalltalk, oder eben Unterhaltung von Kunden. Ausserdem stimmt es nicht, dass bei Prostitution stets nur eine Illusion verkauft wird. Ich kenne viele Prostituierte, für die der Sex mit Kunden zwar ein Job ist, aber eben nicht NUR, sondern auch ein Teil ihrer eigenen Sexualität. Bei mir ist das meistens der Fall. Trotzdem muss ich anderen Prostituierten, welche es nur als Service sehen nicht unterstellen, sie seien in ihrer Willensbildung beeinträchtigt. Die Sexarbeiterinnen, für die Prostituion reine Selbstverwirklichung und Ausleben ihrer Sexualität ist dürften eher selten sein (auch wenn es sie wirklich gibt!), aber genau dasselbe trifft auf schätzungsweise 95% aller anderen Berufstätigen zu.

    Dir gefällt es nicht, dass etwas das du nur aufgrund von Lust machen willst für andere auch von anderen Gründen abhängig sein kann-ok. Aber mit Zwang hat das noch lange nichts zu tun.

    Zwangsprostitution gibt es, aber diese findet meistens in einem kulturellen Umfeld statt in der das Leben von Frauen sowieso durch Männer kontrolliert wird und sie einen tiefen gesellschaftlichen Status haben (Roma-Frauen am Strassenstrich). Das ist natürlich nicht weniger schlimm, aber der Grund liegt nicht in der Prostituion an sich, sondern in einer patriarchalen Kultur, wo die Frauen gefälligst zu machen haben was die männlichen Familienmitglieder sagen und das erwirtschaftete Geld dem Familienoberhaupt zukommt- egal in welchem Bereich sie tätig sind. Erpressung durch nicht-familienmitglieder kommt auch vor- dabei ist ein gängiges Drohmittel, die Abschiebung von illegal Anwesenden zurück in das Herkunftsland zu veranlassen. Zwangsprostitution im engeren Sinne, d.h. Verschleppung durch Menschenhändler-Banden, sind meines wissens hingegen seeeehr selten.

    • Christian hat mich darauf hingewiesen dass du seinen Link zu meinem Blog gelöscht hast, weil es sich um Werbung handele.

      Christian hat bei dir gepetzt? Sind wir hier im Kindergarten? … lol …

      Na gut wie dem auch sei, auch gut, mal eine Meinung aus erster Hand zu bekommen.

      Einvernehmlich bedeutet Konsens, die Gründe für diesen Konsens spielen keine Rolle und gehen auch niemanden etwas an. Viele Prostituierte sehen den Sex mit ihren Kunden tatsächlich nur als ein Job, und nicht als Sex- ja und?

      Siehst du, damit ist der „offizielle Rahmen“, wie es so schön bezeichnet wurde „Geld gegen Sex“ ja hinfällig und meine These bestätigt. Es geht nicht um Sex.

      Das bedeutet lediglich dass sie Geschlechtsverkehr eine breitere Bedeutung geben als du es ihnen zugestehen willst.

      Ich will überhaupt nichts „zugestehen“. Ich weiß gar nicht, warum immer die Argumentation „dir gefällt es ja nur nicht“ kommt. Im Grunde kann es mir völlig egal sein. Es ist mir aber nicht egal, wenn so getan wird, als sei es das natürlichste und normalste der Welt, fremde Männer gegen Bares zu befriedigen und das würde alles ganz easy und freiwillig ablaufen. Richtig amüsant wird es dann noch, wenn – meist aus antifeministischer Ecke – das „Argument“ kommt, „stellt euch nicht so an, das bisschen Beine breit machen ist doch keine Arbeit, außerdem sind ja eh irgendwie alle Frauen Nutten“ oder „ihr seid ja nur neidisch und häßlich, deswegen lehnt ihr Prostitution ab“

      Was sagst du denn dazu?

      Die Sexarbeiterinnen, für die Prostituion reine Selbstverwirklichung und Ausleben ihrer Sexualität ist dürften eher selten sein (auch wenn es sie wirklich gibt!), aber genau dasselbe trifft auf schätzungsweise 95% aller anderen Berufstätigen zu.

      Diese Vergleiche bin ich leid. Prostitution ist kein Job wie jeder andere, auch wenn es behauptet wird.

      Dir gefällt es nicht, dass etwas das du nur aufgrund von Lust machen willst für andere auch von anderen Gründen abhängig sein kann-ok. Aber mit Zwang hat das noch lange nichts zu tun.

      Was mir gefällt oder nicht, steht doch überhaupt nicht zur Debatte. Wenn du Spaß an deiner Arbeit hast, dann freu dich darüber und sei glücklich dass du zu denen gehörst, die das sagen können, ohne sich selbst zu belügen. Inwieweit das vielleicht doch auf dich zutrifft, kann ich natürlich nicht wissen. Ich widerspreche lediglich der Behauptung, dass es sich bei Prostitution in den „allermeisten Fällen um eine freiwillige Arbeit handelt“, da ich unter Freiwilligkeit eben mehr verstehe, als nur „damit fertig zu werden“. Mit etwas fertig zu werden, bedeutet nämlich, dass es da etwas gibt, das verarbeitet werden muß. Was sollte das sein, wenn alles so freiwillig und ein easy-going-Job ist?

    • @onyx:

      Diese Vergleiche bin ich leid. Prostitution ist kein Job wie jeder andere, auch wenn es behauptet wird.

      Jap. Sieht man schon daran, dass Prostituierte eine Hochrisikogruppe für Traumata (ausgelöst durch Gewalt und sexuellen Missbrauch in der Kindheit), Drogenabhängigkeit und psychische Störungen aller Art sind.

      Ja ich weiß, auf die deutsche Wiki verlinken ist doof, weil da nur politisch Korrekte Gutmenschen schreiben (*gähn*), aber die Quellen sind ja angegeben und lassen sich nachprüfen:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Prostitution#Prostitution_und_psychische_St.C3.B6rung

      Prostituierte und Stricher sind nach einer kanadischen Studie eine Hochrisikogruppe für psychische Störungen. Häufig findet man bei ihnen erhebliche Störungen. Viele Prostituierte leiden an psychischen Traumata, die in ihrer Vergangenheit und durch ihre Tätigkeit bedingt sind. In der Studie kam sexueller Missbrauch von Kindern bei 26–73 % vor. An körperlicher Kindesmisshandlung litt etwa die Hälfte der untersuchten Prostituierten. Auch sonstige potentiell Trauma auslösende Situationen sind häufiger bei Prostituierten zu finden als bei anderen Menschen.[11]

      In Hamburg wurde bei 98 % der untersuchten Prostituierten mindestens ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit festgestellt. Bei 83 % fand sich bereits ein Trauma in der Kindheit (familiäre Gewalt 70 %, körperliche Misshandlung 65 %, sexueller Missbrauch 48 %). Während der Prostitution erfahrene Traumata fanden sich ebenfalls bei 83 % (körperlicher Angriff 61 %, Vergewaltigung 61 %, Bedrohung mit einer Waffe 52 %). 53 % erreichten einen Krankheitswert im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung. Missbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen fanden sich bei 74 %. Internationale Vergleichsstudien ergaben ähnliche Befunde.[12]

      In der Tat stellt sich angesichts dieser geballten „Normalität“ die Frage nach Freiwilligkeit…

  6. „Christian hat bei dir gepetzt? Sind wir hier im Kindergarten? … lol …

    Na gut wie dem auch sei, auch gut, mal eine Meinung aus erster Hand zu bekommen“

    Christian dachte wohl auch, dass das mal gut wäre. Wenn du das petzen nennst, was solls.

    „Siehst du, damit ist der „offizielle Rahmen“, wie es so schön bezeichnet wurde „Geld gegen Sex“ ja hinfällig und meine These bestätigt. Es geht nicht um Sex.“

    Wie gesagt, einige Prostituierte bringen ihre eigene, innere Sexualität bewusst nicht mit ein, andere schon. Das bestätigt nur, dass man nicht pauschale Urteile treffen kann ob es den Prostituierten selbst nur um Geld geht. Und für den Kunden geht es in erster Linie um Sex.

    „stellt euch nicht so an, das bisschen Beine breit machen ist doch keine Arbeit, außerdem sind ja eh irgendwie alle Frauen Nutten“ oder „ihr seid ja nur neidisch und häßlich, deswegen lehnt ihr Prostitution ab“

    Was soll man dazu schon sagen, ausser dass die offensichtlich nicht sehr viel überlegt haben und Arschlöcher sind? Zum zweiten Punkt kann ich sagen dass es in Einzelfällen tatsächlich stimmt, dass Frauen genau deswegen gegen Prostitution sind weil sie nicht wollen dass ihr Partner die Möglichkeit hat fremdzugehen wenn er es wollen würde. Daraus abzuleiten dass jeder Prostitutionskritik von Frauenseite dieses Motiv zugrunde liegt ist eine dumme, sexistische Pauschalisierung.

    Nein, Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere, denn es findet eine Handlung zwischen Dienstleister und Kunde statt die sehr intim ist, aber nichtsdestotrotz ist es ein Beruf. Und auch wenn du auch wenn du behauptest es sei gaanz verschieden von allen anderen Berufen, so gibt es auch andere wo eine ungewöhnlich hohe Intimität herrscht. Beim Psychologen schüttet der Patient sein Herz aus, erzählt Sachen die sogar nichtmal die besten Freunde wissen- und der Psychologe bringt dabei seine eigenen Emotionen und Probleme nicht ein, obwohl es eigentlich eine extrem intime Situation ist. Ich finde das ein sehr treffender Vergleich für den Fall, wo die Prostituierte es wirklich nur als Job sieht und ihre eigenen sexuellen Wünsche gar nicht einbringen will.

    Niemand hat behauptet dass es ein easy-going-Job sei. Ich denke tatsächlich dass es bei Prostitution etwas gibt, womit man fertig werden muss- nämlich entweder ein Doppelleben oder ständige Diskriminierung in Kauf nehmen. Ich habe dieses Problem nicht, da ich Freunde habe, die mich akzeptieren so wie ich bin, aber einige gehen daran zugrunde dass sie niemanden in ihrem Umfeld haben, dem sie sich 100% anvertrauen können, oder niemand der ihnen unvoreingenommen bei ihren Alltagsfreuden- und sorgen zuhört. Und natürlich sind auch Prostituierte nicht davon gefeit, ihren Selbstwert von einer möglichst unbenutzten Vagina abhängig zu machen. Wenn man ständig hört man sei erniedrigt, unterdrück etc. ist es kein Wunder wenn einige Betroffene diese Vorurteile internalisieren. Es auch Kunden welche diese Einstellung haben und somit respektlos sind.. Aber all diese Schwierigkeiten ändern nichts an der Freiwilligkeit. Du argumentierst wieder mit einem völlig überhöhten Freiwilligkeitsbegriff, wenn du davon ausgehst dass es für Freiwilligkeit nichts geben darf, „womit man zurechtkommen muss“. Wie gesagt, dann gibt es unzählige Berufe die nicht freiwillig ausgeübt werden können. Ich kam zb. nicht damit zurecht in einem Restaurant zu arbeiten wo eine sehr feindliche und stressige Atmosphäre herrschte. Es gibt niemand, der nicht irgendwann mal etwas verarbeiten musste.

    • Christian dachte wohl auch, dass das mal gut wäre.

      Was er denkt, ist mir mit Verlaub, recht egal.

      Wie gesagt, einige Prostituierte bringen ihre eigene, innere Sexualität bewusst nicht mit ein, andere schon.

      Wie geht das, die eigene Sexualität bei dem einen mit einzubringen, wenn es darum gar nicht geht und den Kunden das nicht interessiert und eine Stunde später schon der nächste wartet?
      Ich glaube eher, dass da ganz klar getrennt werden muß und genau das halte ich auf Dauer für sehr ungesund und psychisch belastend.

      Das bestätigt nur, dass man nicht pauschale Urteile treffen kann ob es den Prostituierten selbst nur um Geld geht.

      Ich bin auch nicht diejenige, die das behauptet hat. Solche Argumente tönen eher aus einer anderen Ecke.

      Was soll man dazu schon sagen, ausser dass die offensichtlich nicht sehr viel überlegt haben und Arschlöcher sind?

      Ja genau, was soll man dazu schon sagen? Arschloch nennen und fertig…

      Zum zweiten Punkt kann ich sagen dass es in Einzelfällen tatsächlich stimmt, dass Frauen genau deswegen gegen Prostitution sind weil sie nicht wollen dass ihr Partner die Möglichkeit hat fremdzugehen wenn er es wollen würde.

      Ja, Einzelfälle gibt es immer in jedem Bereich. Aber es sind eben Einzelfälle. Fremdgehen könnte er auch ohne Prostituierte. Das kann also kein ausschlaggebendes Kriterium sein, warum Frauen das ablehnen.

      Nein, Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere, denn es findet eine Handlung zwischen Dienstleister und Kunde statt die sehr intim ist, aber nichtsdestotrotz ist es ein Beruf. Und auch wenn du auch wenn du behauptest es sei gaanz verschieden von allen anderen Berufen, so gibt es auch andere wo eine ungewöhnlich hohe Intimität herrscht. Beim Psychologen schüttet der Patient sein Herz aus, erzählt Sachen die sogar nichtmal die besten Freunde wissen- und der Psychologe bringt dabei seine eigenen Emotionen und Probleme nicht ein, obwohl es eigentlich eine extrem intime Situation ist. Ich finde das ein sehr treffender Vergleich für den Fall, wo die Prostituierte es wirklich nur als Job sieht und ihre eigenen sexuellen Wünsche gar nicht einbringen will.

      So treffend finde ich den Vergleich nicht. Eine Prostituierte bringt viel mehr ein, als nur ein offenes Ohr für intime Probleme oder sachliche Ratschläge.

      Niemand hat behauptet dass es ein easy-going-Job sei. Ich denke tatsächlich dass es bei Prostitution etwas gibt, womit man fertig werden muss- nämlich entweder ein Doppelleben oder ständige Diskriminierung in Kauf nehmen. Ich habe dieses Problem nicht, da ich Freunde habe, die mich akzeptieren so wie ich bin, aber einige gehen daran zugrunde dass sie niemanden in ihrem Umfeld haben, dem sie sich 100% anvertrauen können, oder niemand der ihnen unvoreingenommen bei ihren Alltagsfreuden- und sorgen zuhört. Und natürlich sind auch Prostituierte nicht davon gefeit, ihren Selbstwert von einer möglichst unbenutzten Vagina abhängig zu machen. Wenn man ständig hört man sei erniedrigt, unterdrück etc. ist es kein Wunder wenn einige Betroffene diese Vorurteile internalisieren. Es auch Kunden welche diese Einstellung haben und somit respektlos sind.

      Ja, das was du da beschreibst, meine ich in etwa. In welchem anderen Beruf ist man dem derart ausgesetzt? Selbst der Psychologe, der zweifellos eine schwere Arbeit macht, genießt 1. höheres Ansehen, ist 2. der Gefahr des Zwanges und der Gewaltausübung weit weniger ausgesetzt (ja auch wenn du das nicht hören magst, es ist nun mal so), muß 3. bei seiner Arbeit nicht die Gratwanderung, Körper und Seele zu trennen, ausüben und wird 4. in seiner Qualifikation nicht auf seinen Körper reduziert. Korrigiere mich ruhig, wenn ich mich irre, aber sag mir auf welchen anderen Beruf das so zutrifft.

      Wie gesagt, dann gibt es unzählige Berufe die nicht freiwillig ausgeübt werden können. Ich kam zb. nicht damit zurecht in einem Restaurant zu arbeiten wo eine sehr feindliche und stressige Atmosphäre herrschte.

      Ich vermute, genau deswegen arbeitest du dort nicht mehr?

  7. @Sina:

    Einvernehmlich bedeutet Konsens, die Gründe für diesen Konsens spielen keine Rolle und gehen auch niemanden etwas an.

    Ähm…wie bitte? Ich nehme mal an, dass die Einvernehmlichkeit dann auch unter Entzugserscheinungen festgestellt werden kann? Naja…

  8. @ ketcar: Diese befassen sich praktisch alle nur mit Strassenprostituierten, welche ca. 10% aller Prostituierten ausmachen. Da sie am sichtbarsten sind und auch am öftesten mit sozialen Einrichtungen und der Polizei in Kontakt kommen, ist es kein Wunder dass man über sie am meisten Informationen hat. Da die Bedingungen bei der Strassenprostitution sich aber sehr von anderen Sektoren sehr unterscheidet, sind die Ergebnisse kaum verallgemeinerbar.

    Gemäss dieser Studie leiden 40% aller Europäer unter psychischen Störungen- insofern erstaunt es nicht, wenn auch bei Prostituierten hohe Rate zu finden ist. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,784400,00.html¨ [Link funzt nicht, Anm. Mod] ausserdem gibt es auch andere Berufsgruppen die ein hohes, naheliegenderweise auch höheres Risiko aufweisen, so wie Polizisten, Rettungshelfer etc. Zum Thema Missbrauch habe ich mal das hier geschrieben:
    http:// sinamore6.blogspot.com/2011/09/prostitution-und-missbrauch.html und auch dieser Artikel ist lesenswert:
    http:// titsandsass.com/?p=6741#more-6741

    „Ähm…wie bitte? Ich nehme mal an, dass die Einvernehmlichkeit dann auch unter Entzugserscheinungen festgestellt werden kann? Naja…“

    Konsens kann nur bei Urteilsfähigkeit und fehlen von echtem Zwang zustande kommen. Ich bezweifle, dass eine Person mit Entzugserscheinungen Urteilsfähig ist.

    @ Onyx

    „Wie geht das, die eigene Sexualität bei dem einen mit einzubringen, wenn es darum gar nicht geht und den Kunden das nicht interessiert und eine Stunde später schon der nächste wartet?
    Ich glaube eher, dass da ganz klar getrennt werden muß und genau das halte ich auf Dauer für sehr ungesund und psychisch belastend.“

    Viele Männer wollen gerade bei Prostituierten ihre „Männlichkeit“ beweisen, indem sie es schaffen sie zum Orgasmus zu bringen. Wieder andere wollen schlicht dass sie mehr davon hat als ihr Honorar. Für Prostituierte die auch Spass am Sex wollen ist das natürlich ideal- andere sind aber einfach davon generft ständig gefragt zu werden worauf sie stehen, da sie ihre Vorlieben gar nicht einbringen wollen.

    „So treffend finde ich den Vergleich nicht. Eine Prostituierte bringt viel mehr ein, als nur ein offenes Ohr für intime Probleme oder sachliche Ratschläge.“

    Das ist subjektiv. Viele Sexarbeiterinnen wollen genau deshalb nicht als Escort arbeiten, weil sie keine Lust haben die Probleme ihrer Kunden anzuhören und manchmal sogar in die Rolle einer Psychologin zu schlüpfen.

    „Ja, das was du da beschreibst, meine ich in etwa. In welchem anderen Beruf ist man dem derart ausgesetzt?“

    Das ist eben ein Zirkelschluss. Prostituierte sind Stigmatisiert, deshalb sind sie nicht „normal“- und so kann man die Stigmatisierung reproduzieren. Ich denke das einzige, was Prostitution von anderen Berufen trennt ist die Stigmatisierung. EIn emotionales Risiko, potenzielle Gewalt und das reduziertwerden auf den Körper gibt es auch in anderen Berufen, dort zum Teil sogar wesentlich mehr.

    „Ich vermute, genau deswegen arbeitest du dort nicht mehr?“

    Ja, da habe ich nach einem Monat aufgehört.

    „Ja genau, was soll man dazu schon sagen? Arschloch nennen und fertig…“

    Ich dachte es sei, gerade für Personen mit feministischem Gedankengut, ziemlich offensichtlich weshalb die besagten Aussagen belanglose Polemik sind, deshalb habe ich meine Antwort nicht weiter ausgeführt. Aber wenn du willst, kann ich natürlich:

    1. sind nicht alle Frauen Nutten, denn es gibt genug die Sex nur ausschliesslich aus eigener Lust heraus haben. Und auch wenn tatsächlich alle Frauen Nutten im engeren Sinne wären, so gibt dies NIEMANDEM einen Anspruch darauf, Sex mit ihnen zu haben.

    2. Gibt es viele Einwendungen, die man gegen Prostitution haben kann, ohne dass man neidisch auf männliche Aufmerksamkeit sein muss. Das zeigt sich gerade daran dass es Frauen gibt die zwar Prostitution an sich kritisieren, aber trotzdem gegen Massnahmen sind die Prostituierten schaden.

    • Ich denke das einzige, was Prostitution von anderen Berufen trennt ist die Stigmatisierung. EIn emotionales Risiko, potenzielle Gewalt und das reduziertwerden auf den Körper gibt es auch in anderen Berufen, dort zum Teil sogar wesentlich mehr.

      Und ich wollte konkret wissen, in welchen.

      Ich dachte es sei, gerade für Personen mit feministischem Gedankengut, ziemlich offensichtlich weshalb die besagten Aussagen belanglose Polemik sind,

      Natürlich ist es das. Es darf und soll trotzdem ausgesprochen werden. Auch und besonders von Personen ohne feministischen Hintergrund.

    • @Sina

      @ ketcar: Diese befassen sich praktisch alle nur mit Strassenprostituierten, welche ca. 10% aller Prostituierten ausmachen. Da sie am sichtbarsten sind und auch am öftesten mit sozialen Einrichtungen und der Polizei in Kontakt kommen, ist es kein Wunder dass man über sie am meisten Informationen hat.

      Bei der kanadischen Studie finde ich nichts darüber, wo steht das denn, dass nur Straßenprostituierte befragt wurden?

      Wieso die Frauen in den Bordellen, die regelmäßig von Razzien betroffen sind (http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/bundesweite-razzia-in-bordellen-article1271602.html), für eine solche Studie nicht in Frage kommen sollten, wäre vielleicht auch noch interessant. Und diese Frauen dürften die Mehrheit stellen.

      Und was bleibt denn da noch? Die Bordelle sind von Menschenhändlern unterwandert, die Frauen vom Straßenstrich rekrutieren sich aus Junkies und Frauen mit PTBS, aber hey, wenn wir lange genug suchen, finden wir schon ein paar Edelhuren, die uns erklären, dass das _eigentliche_ Problem die gesellschaftliche Stigmatisierung der Huren ist.

  9. Polizisten haben ein extrem hohes Risiko für PTBS und Gewalt, andere Hochrisikogruppen sind Rettungs- und Pflegefachkräfte. Burnout scheint in der gesamten Arbeitsbevölkerung nicht gerade selten vorzukommen. Beim Reduziertwerden auf den Körper ist die Model- und Sportlerwelt viel schlimmer. Als Model hat man ohne Esstörung praktisch keine Chance, Sportler verschleissen ihren Körper und ziehen sich oft schwere Verletzungen zu. Das einzige was bei ihnen zählt ist der Körper, als Prostituierte ist man immerhin noch Unterhalterin und Kunden zeigen oft ein grosses Interesse an der eigenen Person (was wieder einige mögen, andere nerft).

    • @Sina
      Wenn ich mich mal kurz einmischen darf: Machst du grad hier Werbung für den Beruf der Prostituierten?
      Was du erzählt ist ja schön und gut, evtl. gibt es ja auch Frauen die daran Spaß haben, aber ich denke doch, dass die meisten Frauen, die eine Alternative haben, einen anderen Beruf wählen.
      Ok, wenn man nur die Alternative Kellnerin oder Prostituierte hat, wird das evtl. schwierig alleine geldmäßig. Aber eine Bekannte von mir hat zum Beispiel ihr Fachabi nachgemacht, und führt jetzt ein normales Leben.
      Weil, machen wir uns nix vor, das ist in dem Beruf nicht möglich. Beziehung? Schwierig. Kinder? Wenn die anderen Eltern das mitbekommen, ist das Kind Außenseiter. Und was hat Mama eigentlich für einen Beruf?
      Die Rahmenbedingungen sind einfach scheiße, zudem, was die Sexarbeit von anderen Berufen unterscheiden mag ist, dass bei den meisten Berufen, die derart auslaugend sind (Sozialarbeit,Psychiatrie, Polizei, etc) noch ein anderer Antrieb dahintersteht als der reine Broterwerb. Oder willst du mir erzählen, dass es dir ein tiefes inneres Bedürfnis ist, Männer sexuell zu befriedigen?
      Also in meinen Augen klingt das wie ein echter Scheißjob. Warum machst du den denn, wenn ich fragen darf?

    • @Maren: Weshalb sollte ich bitte Werbung dafür machen, ich will doch nicht mehr Konkurrenz. Ich möchte für einen Ausgleich sorgen, da viele Leute so viel Mühe haben die Motivation von Sexarbeiterinnen zu verstehen und deshalb haarsträubende Spekulationen anstellen.

      „ich denke doch, dass die meisten Frauen, die eine Alternative haben, einen anderen Beruf wählen.“

      Das stimmt, jedenfalls nach meiner Erfahrung/der von Kolleginnen und allem was ich insgesamt zum Thema recherchiert habe, schlicht nicht (ich rede hier aber von Kulturen wie der unseren, in der Frauen mehr Optionen haben als Hausmädchen oder Prostituierte zu sein). Die Prostituierten die ich bisher kennengelernt habe hatten meistens eine Erstausbildung, ihnen gefiel aber dieser Beruf nicht bzw. sie wollten sich etwas dazuverdienen.

      „Weil, machen wir uns nix vor, das ist in dem Beruf nicht möglich. Beziehung? Schwierig. Kinder? Wenn die anderen Eltern das mitbekommen, ist das Kind Außenseiter. Und was hat Mama eigentlich für einen Beruf?“

      Wie gesagt, die Stigmatisierung macht den grössten Teil aller Probleme aus.

      „Die Rahmenbedingungen sind einfach scheiße, zudem, was die Sexarbeit von anderen Berufen unterscheiden mag ist, dass bei den meisten Berufen, die derart auslaugend sind (Sozialarbeit,Psychiatrie, Polizei, etc) noch ein anderer Antrieb dahintersteht als der reine Broterwerb.“

      Was dahinter steht ist, dass man mit geringer Ausbildung in kurzer Zeit relativ viel verdienen kann. Für einige ist es eine Berufung, auch wenn es dir schwer fällt dies nachzuvollziehen. Ich mache es 1. weil ich auf diese Art viel Zeit habe meinen Interessen nachzugehen 2. die Arbeitszeiten flexibel sind, ich kann dann einen Termin abmachen wenn ich gerade Zeit habe 3. weil ich es sowohl sexuell als auch von der besonderen zwischenmenschlichen Dynamik her sehr interessant finde.

    • Ich möchte für einen Ausgleich sorgen, da viele Leute so viel Mühe haben die Motivation von Sexarbeiterinnen zu verstehen und deshalb haarsträubende Spekulationen anstellen.

      In der Tat, haarsträubend ist vieles daran. Aber leider haben Spekulationen auch mitunter einen wahren Kern.

      Die Prostituierten die ich bisher kennengelernt habe hatten meistens eine Erstausbildung, ihnen gefiel aber dieser Beruf nicht bzw. sie wollten sich etwas dazuverdienen.

      Was dahinter steht ist, dass man mit geringer Ausbildung in kurzer Zeit relativ viel verdienen kann.

      Mir riecht das zu sehr nach Beschönigung. Unbedarfte Menschen werden mit solchen Aussagen leicht manipuliert. Den Preis, der dafür zu zahlen ist, darf man aber nicht verschweigen. Jeder Berufsanfänger, der in sehr anstrengenden und belastenden Berufen seine Berufung sieht, wird auch darüber aufgeklärt, was alles auf ihn zukommt. Da wird auch nicht nur gesagt: Du, das ist total super, dass du das machen willst, ist ein super Job, der dir Erfüllung, Anerkennung und Respekt bringt. Nein, es wird darauf hingewiesen, dass man sich diversen Gefahren und Risiken aussetzt, und dass der Verdienst nicht immer dem entspricht, was die Anstrengung eigentlich wert sein müßte.

      Für einige ist es eine Berufung, auch wenn es dir schwer fällt dies nachzuvollziehen.

      Ja, es mag nymphomanisch veranlagte Menschen geben, für die es nichts schöneres gibt, als so viele Männer wie möglich zu beglücken, und dafür auch noch Geld zu bekommen.

      Ich mache es 1. weil ich auf diese Art viel Zeit habe meinen Interessen nachzugehen 2. die Arbeitszeiten flexibel sind, ich kann dann einen Termin abmachen wenn ich gerade Zeit habe

      Das ist schön für dich, aber damit ist auch der Vergleich mit den von dir benannten Vergleichsberufen hinfällig. Die wenigsten Polizisten, Psychiater oder Sozialarbeiter dürften solche Motive bei der Berufswahl gehabt haben.

      3. weil ich es sowohl sexuell als auch von der besonderen zwischenmenschlichen Dynamik her sehr interessant finde.

      Entschuldige meine Neugier, aber was genau meinst du mit „interessant“?

  10. @Onyx:

    „In der Tat, haarsträubend ist vieles daran. Aber leider haben Spekulationen auch mitunter einen wahren Kern.“

    Denkst du dabei an spezifische Spekulationen? Wenn du an Kindesmissbrauch denkst verweise ich auf den Link zu meinem Blogartikel, den ich gepostet habe. Ich halte es schon für möglich dass viele Prostituierte missbraucht worden sind, die Frage ist nur ob es wirklich so viel mehr sind als in der Gesamtbevölkerung und wenn ja, inwieweit ein direkter Zusammenhang besteht. Zumindest bezüglich Strassenprostitution bin ich auf einige Studien gestossen die nahelegen, dass der Zusammenhang nicht psychologisch sondern strukturell ist.

    „Mir riecht das zu sehr nach Beschönigung“

    Nochmals: Ich habe nicht behauptet dass es ein Easy-going Job wäre, im Gegenteil habe ich Sexarbeit mit anderen psychisch höchst anspruchsvollen Berufen verglichen, wobei aber zusätzlich noch das Stigma hinzukomme. Es gibt genug Medien, welche vor negativen Konsequenzen warnen, ich glaube nicht dass jemand diese übersehen kann.

    „Ja, es mag nymphomanisch veranlagte Menschen geben, für die es nichts schöneres gibt, als so viele Männer wie möglich zu beglücken, und dafür auch noch Geld zu bekommen.“

    Es muss überhaupt nichts mit Nymphomanie zu tun haben. Nymphomanie ist eine psychische Störung, nicht das gleiche wie eine besonders hohe Libido. Und auch mit einem erhöhten Sextrieb muss es nichts zu tun haben.

    „Das ist schön für dich, aber damit ist auch der Vergleich mit den von dir benannten Vergleichsberufen hinfällig. Die wenigsten Polizisten, Psychiater oder Sozialarbeiter dürften solche Motive bei der Berufswahl gehabt haben.“

    Was spielt denn das für eine Rolle? Sexarbeit ist in gewissen Bereichen, nämlich der direkt Arbeitsbedingten psychischen Belastung, mit diesen Berufen vergleichbar, das habe ich gemeint. Übrigens denke ich schon dass abgesehen von der Flexibilität ähnliche Motive wie bei den genannten Berufen eine Rolle spielen kann. Prostituierte brauchen, zumindest um langfristig erfolgreich zu sein, ähnliche Kompetenzen wie Sozialarbeiter etc.

    „Entschuldige meine Neugier, aber was genau meinst du mit „interessant“?“

    Inspirierend, Horizonterweiternd. Man lernt Menschen kennen die man sonst nie getroffen hätte, führt nicht selten intime Gespräche obwohl man im Leben der anderen Person überhaupt nicht involviert ist.

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