Rassistische und sexistische Selbstironie?

Es ergab sich auf einer Party, dass eine Freundin polnischer Herkunft aufgrund erhöhten Alkoholgenusses sich nicht mehr zutraute, mit dem Auto nach Hause zu fahren. Die Gastgeberin bot ihr an, dass sie bei ihr schlafen könne. Besagte polnische Freundin, allgemein bekannt für ihre lockeren Sprüche, fing an zu flachsen:


„Würde es dir denn was ausmachen, wenn ich zu dir ins Bett krabbele und wir kuscheln?“
Die Gastgeberin darauf in gespielter Empörung: „Du weißt doch dass ich einen Keuschheitsgürtel trage!“
Darauf wieder die Freundin: „Hey, ich bin Polin, ich kriege alles auf!“

Das Gejohle der geselligen Runde konnte man wohl noch ein paar Häuser weiter hören.

War das rassistisch?

Allgemein wird grenzwertiger Humor eher akzeptiert, wenn er selbstironisch inszeniert wird. Ob nun im privaten Rahmen wie bei dieser Geschichte, oder öffentlich medial wie es z.B. Kaya Yanar über Türken macht. Kein Mensch käme auf die Idee, Yanar Rassismus vorzuwerfen, wenn er mit seinen Kunstfiguren wie Harkan sämtliche Klischees bedient, die es gibt (gewaltbereit, sexistisch, prollig). Man macht sich unangreifbar für diesen Vorwurf, weil man sich selbst auf die Schippe nimmt.

Funktioniert das beim Sexismus auch? Ist man über den Vorwurf des Sexismus erhaben, wenn man mit Klischees über sein eigenes Geschlecht augenzwinkernd kokettiert bzw. sich über sich selbst lustig macht? Und gibt es da Unterschiede, wenn Männer oder Frauen dieses Verhalten an den Tag legen?

Wird einer Frau Sexismus vorgeworfen, wenn sie mit einem gespielt-dümmlichen „hihi, ich bin doch eine Frau, ich kann doch nicht einparken“ herumkichert?
Oder einem Mann, der gespielt-prollig „ich bin doch ein Mann, ich denke nur mit meinem Schwanz“ grunzt?

Ich denke, dass das ein ähnlicher Effekt ist. Sobald man auch über sich selbst lachen kann, macht man sich unangreifbarer und nimmt seinem Gegenüber den Wind aus den Segeln, indem man ihm seine eigenen Vorurteile vor die Nase hält.

Simple Gemüter, also Rassisten und Sexisten, die die Ironie nicht erkennen, sehen sich dann allerdings bestätigt, und werden auch den Spaß nicht verstehen, sondern sich nur wundern: „warum lachen die alle? Es stimmt doch“.

2 Kommentare zu “Rassistische und sexistische Selbstironie?

  1. Wer es auch nicht versteht sind denke ich einige Feministinnen, die anführen würden, dass man damit ja nur die Geschlechterrollen festigt und die Vorurtiele bestätigt und damit den Sexismus am laufen hält. Ob es von einer Frau oder von einem Mann komme sei dabei vollkommen egal.

    • Ja ja… und einige Antifeministen, die dann der Frau sofort egoistische Berechnung unterstellen würden. Ich höre schon gewisse Leute kreischen „tyyyypisch Frau, sagt einfach wimpernklimpernd, dass sie irgendwas nicht kann, damit sie einen Mann ausnutzen kann…!“
      Oder einige Biologisten, die darauf bestehen würden, dass es ja nun mal „von Natur aus“ so ist, dass Frauen nicht einparken und Männer überwiegend mit dem Schwanz denken.

      Es ging hier um ironischen Spaß, der auch als solcher erkennbar ist. Man muß echt nicht aus allem mit einem „ja aber Feministinnen ja auch…!“ einen zwanghaften Geschlechterkrampf basteln. Aber ich habe es geahnt, als ich die Überleitung zum Sexismus geschlossen habe….

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