Rassismus und Sexismus bei der bayrischen Polizei

Die Polizei in Bayern macht ja in leztzter Zeit sehr von sich Reden.
Nachdem erst im Münchner Kulturzentrum eine Kampagne gestartet wurde, die im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen in Clubs auf die Gefährlichkeit von KO-Tropfen hinwies, reagierte man im „Kommissariat zur Bekämpfung von Sexualdelikten“ mit erschreckender Ignoranz, indem klassische Vergewaltigungsmythen bedient wurden.

Man sei überrascht, sagt Rainer Samietz vom Kommissariat zur Be­kämpfung von Sexualdelikten. Er kennt die Problematik mit den K.-o.-Tropfen; eine Häufung der Fälle kann er aber nicht bestätigen. Samietz sagt, dass auch Frauen “wahnsinnig viel trinken und dann nichts mehr wissen”. Würde weniger getrunken, hätte man weniger Fälle von sexuellen Übergriffen.

Nicht nur, dass hier wieder die übliche Opferstigmatisierung stattfindet (wenn du Alkohol trinkst, bist du selbst schuld), und mit keinem Wort darauf eingegangen, geschweige denn kritisiert wird, dass auch übergriffige Männer Alkohol konsumieren. Herr Samietz übersieht wohl leider auch, dass K.O. Tropfen keineswegs nur in alkoholische Getränke gemischt werden können.

So weit, so schlecht.

Diesmal macht die Polizei mit einem Kalender auf sich aufmerksam, auf dem zweifelhafte Karrikaturen zu sehen sind.

Die Bayerische Polizeigewerkschaft erntet scharfe Kritik für Karikaturen in einem Kalender. Politiker sprechen von einem „gewissen Alltagsrassismus“ bei der Polizei.

Um einen Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft ist in Bayern ein heftiger Streit entbrannt. Der Grund: Einige Karikaturen darin sollen geschmacklos und latent rassistisch sein. Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hat seine Dienststellen angewiesen, den Kalender nicht mehr aufzuhängen, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit Berichte der „Nürnberger Nachrichten“ und des Bayerischen Rundfunks. Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft, der 3000 dieser Kalender herausgebracht hat, wehrt sich gegen die Vorwürfe.

„Was heiß‘ hie‘ Ve’dunklungsgefah’….?!“

Konkret geht es zum Beispiel um eine Karikatur mit einem festgenommenen Farbigen mit überzeichneten dicken roten Lippen, der sich gegen den Griff eines Polizeibeamten wehrt und in gebrochenem Deutsch schreit: „Was heiß‘ hie‘ Ve’dunklungsgefah’….?!“ Auf einem anderen Bild prügeln sich junge Männer, die ausnahmslos Migranten zu sein scheinen. Einer von ihnen sagt: „Boah… krass… 3ern BMW…!“ Das Januar-Bild zeigt die Heiligen Drei Könige und der schwarze König muss Kamel-Exkremente aufsammeln. In der August-Karikatur geht es um einen Selbstmörder und einen Polizisten, der ihm sagt: „Jetzt spring‘ endlich, du Idiot, ich hab noch anderes zu tun heut!“

„Es geht um Karikaturen, die missverstanden werden könnten“, sagte der Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. „Sie dürfen bei uns nicht mehr aufgehängt werden, um ein unmissverständliches Zeichen zu setzen.“ Sie spiegelten einen Geist wider, „der mit dem Selbstverständnis der Münchner Polizei nicht zu vereinbaren ist“, zitiert der Bayerische Rundfunk den Polizeipräsidenten Schmidbauer – auch wenn die Freiheit der Kunst ein wichtiges Grundrecht sei.

Polizeigewerkschaft pocht auf Freiheit der Kunst

Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft hat die Kritik daran unterdessen entschieden zurückgewiesen. Seit sechs Jahren erscheine der Kalender und noch nie habe es Beschwerden gegeben. Er sei nicht rassistisch und auch nicht diskriminierend. „Da steckt nichts dahinter“, sagte der Chef des Landesverbandes, Hermann Benker. Es handle sich lediglich um „Polizistenjargon“. Er pochte auf die Kunstfreiheit.

Es gehe eher darum, den Frust der Polizisten bei der Arbeit zu verdeutlichen, sagte er. „Das ist eine Art Galgenhumor, mit dem unsere Kollegen seit Jahren mit den Engpässen in der deutschen Polizei umgehen. Das hat nichts mit einer Herabwürdigung eines Personenkreises zu tun.“ Einige Karikaturen sollten unter anderem zeigen, „zu was unser Behördendeutsch imstande ist“.

Die Kalender seien vor allem in Bayern verteilt worden, aber auch an „befreundete Landesverbände“ weitergegeben. Seit sechs Jahren werde der Kalender herausgebracht, beschwert habe sich bislang niemand.

Inzwischen habe er aus mehreren Landesteilen von der Anordnung gehört, die Kalender abzuhängen, sagte Benker. Eine Anordnung vonseiten des Ministeriums gibt es nicht, wie ein Sprecher sagte. Die Polizeipräsidien seien „sensibilisiert“, es gebe aber keine Anweisungen, wie sie zu handeln hätten.

Diese Haltung kritisierte Benker wiederum. „Unser Ministerium – und damit meine ich nicht den Minister, sondern die Polizeiabteilung – versagt auf ganzer Linie.“ Es könne nicht sein, dass die Präsidien mit der Entscheidung alleingelassen würden.

Politik spricht von „Alltagsrassismus“ bei der Polizei

„Alltagsrassismus“ dürfe nicht geduldet werden, betonten die Landtags-Grünen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy forderte die Polizeigewerkschaft in den Online-Ausgaben von „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ auf, den Kalender zurückzuziehen und sich zu entschuldigen. Die SPD-Landtagsfraktion forderte ein „Machtwort“ der Staatsregierung und verlangte, den „menschenverachtenden Polizeikalender“ umgehend aus den Amtsstuben zu entfernen.

Sollte das tatsächlich „Polizistenjargon“sein, müssten Polizeiführung und Gewerkschaften hinterfragen, wie stark „ein gewisser Alltagsrassismus“ in der Polizei verbreitet sei, betonte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Susanna Tausendfreund.

Quelle

Wer sich ein eigenes Bild von ein paar Beispielen dieser Karrikaturen machen möchte, schaue bei der Berliner Morgenpost rein.

3 Kommentare zu “Rassismus und Sexismus bei der bayrischen Polizei

  1. Ist das Absicht, dass zwischen den plumpen rassistischen und sexistischen Witzen auch mal gute Karikaturen sind (Bild 6 und 17 bei der Morgenpost, wobei ich bei 6 vermute, dass sie anders gemeint ist)?

  2. Die Berliner Morgenpost hat ihren Artikel zum Kalender inzwischen gelöscht.

    Die Polizei zeigt zur Kritik wenig Einsehen, geht sogar provokant zur Flucht nach vorn über, indem sie Kritikern ein schlechtes Gewissen zu vermitteln versucht mittels der Phrase „Nur wer schlechtes denkt, glaubt etwas Böses zu sehen“, was natürlich ein toller rhetorischer Trick ist. Mit diesem Totschlagargument kann man jegliche Kritik an sich abprallen lassen. Auch wenn sie berechtigt ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s