Vergewaltigung in Gefängnissen – ein Zusammenspiel von Macht und Hierarchien vs. Triebabbau

Es ist eine Studie erschienen, die zeigt, dass Vergewaltigungen in Gefängnissen zurückgegangen sind, nachdem die Insassen unüberwachte Besuche haben durften, also die Möglichkeit zum Geschlechtsverkehr hatten. Evolutions-Christian sieht daraus seine Theorie bestätigt, dass Vergewaltigungen keinen Machtmißbrauch darstellen, sondern sexuell initiiert sind, weil durch den Triebabbau die Lust auf Sex befriedigt ist und demnach weniger Vergewaltigungen stattfinden.

Da stellt sich mir doch die Frage, warum es in Gefängnissen überhaupt zu Vergewaltigungen kommt. Weil die Täter ihre Opfer sexuell so anziehend finden? Weil der sexuelle Frust so groß ist, dass den Tätern alles egal ist („Loch ist Loch“)? In Einzelfällen mag es zutreffen, dass der Akt von aktiver Seite aus als anregend und befriedigend empfunden wird. Dass es zu einer schlichten gewaltsamen Machtdemonstration zwischen den gefängnisinternen Hierarchien kommt, scheint mir aber wesentlich näher zu liegen. Der Film „American History X“ z.B., das ist ein Beispiel, was mir hier spontan einfällt, zeigt dies in der Vergewaltigungs-Szene im Gefängnis sehr deutlich. Von sexuellem Trieb ist da keine Spur zu sehen. Alles, was man sieht, ist körperliche Gewalt und Demütigung.

Wenn es nach den Besuchen weniger Vergewaltigungen gegeben hat, könnte das auch daran liegen, dass die wirkliche sexuelle Befriedigung nach dem Sex mit dem geliebten Partner und die damit verbundene Zufriedenheit und Ausgeglichenheit lediglich den aggressiven Frust und damit das Bedürfnis, als Ausgleich gewaltsam Macht auszuüben, verringert hat.
Daraus abzuleiten, dass die Vergewaltigungen aus sexueller Lust heraus entstehen, halte ich für sehr zweifelhaft.

Gegen die These spricht übrigens auch, dass Vergewaltigungen nicht nur sexuelle anziehende Frauen betreffen, sondern völlig unabhängig davon existieren, also auch völlig unscheinbare Frauen Opfer sexueller Übergriffe werden.

2 Kommentare zu “Vergewaltigung in Gefängnissen – ein Zusammenspiel von Macht und Hierarchien vs. Triebabbau

  1. wie sagte Khaos.Kind so schön: Wenn du über mich redest, dann setz auch den Link.
    http: //allesevolution.wordpress.com/2012/03/23/vergewaltigung-hat-nichts-mit-sex-zu-tun-sondern-es-geht-um-macht-ii/

    „Wenn es nach den Besuchen weniger Vergewaltigungen gegeben hat, könnte das auch daran liegen, dass die wirkliche sexuelle Befriedigung nach dem Sex mit dem geliebten Partner und die damit verbundene Zufriedenheit und Ausgeglichenheit lediglich den aggressiven Frust und damit das Bedürfnis, als Ausgleich gewaltsam Macht auszuüben, verringert hat.“

    Also sie sind ausgeglichener nach dem Sex und wollen daher weniger Macht ausüben? Nach Rape Culture wollen sie aber Macht der Macht wegen ausüben, um Kontrolle zu erlangen und Angst einzujagen.

    Das ist also deiner Meinung nach dann nicht das Prinzip, dass zur Vergewaltung führt? Also keine Rape Culture sondern individuelle Aggression?

    • Also sie sind ausgeglichener nach dem Sex und wollen daher weniger Macht ausüben?

      Ich habe gesagt, dass das sein könne. Wissen kann ich das nicht. Wer sagt denn, dass die nicht auch einfach ihre Frauen vergewaltigt haben? Kann genauso gut sein. Oder eine kleine SM-Session. Oder ein reiner Kuschelkurs, oder ein Foto-Abend mit Bildern seiner Kinder, der ihn besänftigt hat. Wer weiß das schon? Wenn die Besuche nicht überwacht waren, kann alles mögliche passiert sein, was den Drang nach Aggressivität gemildert hat.
      Warum finden denn deiner Meinung nach Vergewaltigungen in Gefängnissen statt? Nur der sexuellen Frustration wegen und der Gier, sich an irgendwem auszulassen?

      Nach Rape Culture wollen sie aber Macht der Macht wegen ausüben, um Kontrolle zu erlangen und Angst einzujagen.

      Ich weiß nicht, warum du jetzt die Rape Culture hier ins Spiel bringst. Im Gefängnis herrschen andere Gesetze als „draußen“. Allerdings halte ich das Prinzip in einer Extremsituation wie im Gefängnis sogar für noch wahrscheinlicher, weil da die innergeschlechtlichen Machtkämpfe, die nichts mit Sexualität zu tun haben, viel ausgeprägter sind.

      Das ist also deiner Meinung nach dann nicht das Prinzip, dass zur Vergewaltung führt? Also keine Rape Culture sondern individuelle Aggression?

      Das eine schließt doch das andere nicht aus. Das Aggressionspotential ist im Allgemeinen im Gefängnis wesentlich höher. Warum sollte dann der aggressive Machtanspruch vor einem Männerhintern Halt machen? Gerade wo (heterosexuelle) Männer in dieser Hinsicht oft besonders empfindlich sind, was ihr Macht- und Statusgefühl angeht.

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