„Dein Leben ist eh im Arsch, also kannst du auch gleich anschaffen, um dein Trauma zu ‚verwerten‘ „

Ein Kommentar zur Prostitution, der die Frage in den Raum wirft, ob bestehende Traumata durch Prostitution noch verschlimmert werden, oder ob man das Trauma nicht besser „verwerten“ kann.

@morloff

“In Hamburg wurde bei 98 % der untersuchten Prostituierten mindestens ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit festgestellt. Bei 83 % fand sich bereits ein Trauma in der Kindheit (familiäre Gewalt 70 %, körperliche Misshandlung 65 %, sexueller Missbrauch 48 %). ”

nehmen wir mal an, dass das stimmt:

Dann wäre noch die Frage, ob die Prostitution daran etwas verschlimmert. Vielleicht sind sie aufgrund des traumatischen Ereignisses abgestumpft oder haben ein anderes Verhältnis zur Sexualität. Aber das haben sie dann so oder so, ob sie sich prostituieren oder nicht.
Wenn ein Ereignis einen Menschen verändert, und sei es ein schreckliches Ereignis, warum soll er diese Veränderung dann nicht verwerten?

Wir würden uns nicht wundern, wenn jemand, der sein Gehör verloren hat an einem Ort arbeitet, an dem es anderen Leuten zu laut ist.

Die Frage wäre also: Verschlechtern sich die damaligen Traumata durch den Beruf oder schließen sie eine bewusste Entscheidung aus?

Wie man eine solche Frage stellen kann, ist mir unverständlich. Welches Bild von Lebensqualität steckt dahinter? Das Leben, die Psyche, das Sexualleben, ist eh alles kaputt und im Eimer, also kann man sich auch gleich prostituieren, schlimmer kanns nimmer werden und man kann aus seinem verkorksten Leben auch noch Kapital schlagen? Wie kaputt ist das denn bitte? Trauma verarbeiten und versuchen, in ein möglichst normales Leben zurückzukehren? Ach wozu denn, wenn man eh schon nix mehr versauen kann, kann man auch gleich in der seelischen Gosse bleiben und mit jedem verkauften Sex sein Trauma noch ein Stück mehr füttern und manifestieren.

Natürlich ist es eine Möglichkeit, ein Trauma zu verarbeiten, sein Sexualleben so weit von sich selbst abzuspalten, bis es einen nicht mehr berührt. So, als wäre man gar nicht selbst betroffen. Und natürlich sind das dann Voraussetzungen, Sexdienstleistungen anzubieten, ohne emotional dabei belastet zu werden.

Aber welche Auswirkungen hat das auf das restliche Leben? Welches normale gesunde Leben ist dann noch möglich? Partnerschaft? Familie? Der Wechsel in einen anderen Beruf (auch Prostituierte werden nicht jünger)? Das allgemeine Verhältnis zum eigenen Körper und eigenen Bedürfnissen? Das alles ist dann völlig aus der Bahn und in keinem gesunden Maß mehr erlebbar.

Beim Thema Partnerschaft und Familie zeigt sich auch wieder der doppelzüngige Blick auf dieses Thema. Auf der einen Seite sind Prostituierte gern gesehene Dienstleisterinnen, deren Angebote gern in Anspruch genommen werden. Ist ja schließlich alles ganz normal. Aber die Partnerin, die Tochter oder sonstige nahestehende Frauen aus dem näherem Bekannten- und Familienkreis sollten das natürlich nicht machen. Warum nicht? Wenn es doch so normal ist? Welcher Mann oder welcher Vater wird denn seiner Frau oder Tochter von einem so lukrativen Beruf abraten wollen, noch dazu, wo es doch so leicht verdientes Geld ist?
Die Antwort liegt auf der Hand. Im Grunde wissen alle, dass es eben KEIN normaler Job wie jeder andere ist. Dass diese Arbeit bei sehr vielen auf Dauer mit großen psychischen Problemen einhergeht. Durch die Arbeit selbst, durch das gesellschaftliche Stigma und durch die Angst vor potentiellen Gewaltrisiken. Das möchte man einem geliebten Menschen natürlich nicht zumuten. Und nicht zuletzt wird auch der Eifersuchts- und Ekelfaktor eine Rolle spielen. Ich denke, die wenigsten Männer könnten damit umgehen, wenn die Herzdame spätnachts heimkommt und er weiß, dass soundsoviele fremde Männer sich an ihr befriedigt haben.

Aber solange es fremde Frauen sind, die einem nichts bedeuten, ist es ja ok…

10 Kommentare zu “„Dein Leben ist eh im Arsch, also kannst du auch gleich anschaffen, um dein Trauma zu ‚verwerten‘ „

  1. Deine Meinung läuft auf eine Bevormundung hinaus: „Akzeptier gefälligst, das du ein Trauma hast und deine Meinung zu Sex daher falsch ist. Du bist ein Opfer und hast zu leiden, wir schützen dich vor dir selbst weil wir besser wissen als du, was du tust.“ mit der Haltung sollte man ihnen generell one night stands verbieten, oder gar Sex an sich, bis sie nachweisen können ihr Trauma überwunden zu haben.

    • Deine Interpretation ist wie so häufig völlig falsch.

      Wo sage ich denn, dass die Meinung einer Prostituierten zu Sex falsch ist? Welche Meinung ist das überhaupt? Wo sage ich dass ein Opfer leiden soll? Wo sage ich, dass ich besser weiß als andere, was gut für sie ist?

      Ich kritisiere lediglich deine Haltung dazu, die ja scheinbar so aussieht, als würdest du Prostitution als lukrative Therapie eines Mißbrauchs-Traumas betrachten. Also dreh es nicht so rum, als wollte ich Prostituierten irgendwas vorschreiben.

      Meine Meinung ist, dass man ein Trauma nicht dadurch verarbeiten kann, wenn man es festigt. Und wenn das Trauma darin besteht, dass man Sex nur dann ertragen kann, wenn man seine Emotionalität komplett abkapselt (wie es eben bei Mißbrauchstraumata häufig der Fall ist), oder ein „verändertes Verhältnis zur Sexualität hat“, wie du es ausdrückst, ist es nur zynisch, dann zu sagen, dass Prostitution auch nichts mehr verschlimmern könne, weil man ja da auch nichts anderes tut.
      Wer das tun möchte, bitteschön. Aber du kannst kaum davon ausgehen, dass das im Regelfall und auf Dauer gesund ist.

      Deine ständigen unterschwelligen Unterstellungen, ich wolle am liebsten Sex in jeglicher Form verbieten, langweilen mittlerweile nur noch.

  2. Natürlich schreibst du Prostituierten etwas vor. Nach deiner Meinung ist es kein Beruf, den man freiwillig ausüben kann.

    Du sprichst ihnen aufgrund ihrer Vergangenheit die freie Entscheidung ab. Ich behaupte nicht, dass ihr Leben im Arsch ist. ich sage nur, dass sie aufgrund einer bestimmten Erfahrung anders zu bestimmten Sachverhalten stehen könnten. Die Abwertung „im Arsch“ kommt von dir.

    Ich sage nicht, dass es eine Therapie ist. Ich sage, dass sie eine andere Einstellung haben, was eben nicht bedeutet, dass ihr Leben „im Arsch ist“.

    Ich kann nachvollziehen, dass du aus deiner Sicht kein schlechtes Verhältnis zu Sex hast. Das ist auch einfach, wenn man einfach alles, was einem an Sex nicht gefällt, aus der Definition von Sex streicht bis nur noch der Sex übrig bleibt, der einem gefällt und gegen den man dann eben nichts mehr hat.

    • Natürlich schreibst du Prostituierten etwas vor. Nach deiner Meinung ist es kein Beruf, den man freiwillig ausüben kann.

      Wo hab ich sowas jemals gesagt? Quellen bitte.

      Ich behaupte nicht, dass ihr Leben im Arsch ist. ich sage nur, dass sie aufgrund einer bestimmten Erfahrung anders zu bestimmten Sachverhalten stehen könnten. Die Abwertung “im Arsch” kommt von dir.

      Dann red mal nicht in schwammigen Allgemeinplätzen drumrum, sondern sage konkret, welche „veränderte Sicht“ du meinst, die du mißbrauchserfahrenen Menschen zuschreibst und inwiefern diese Sicht deiner Meinung nach die Arbeit einer Prostituierten beeinflusst.

      Das ist auch einfach, wenn man einfach alles, was einem an Sex nicht gefällt, aus der Definition von Sex streicht bis nur noch der Sex übrig bleibt, der einem gefällt und gegen den man dann eben nichts mehr hat.

      Schon wieder so eine haltlose Unterstellung.
      Es ist auch sehr einfach, alles, was der eigenen Meinung widerspricht, als untypisches Randgruppenphänomen darzustellen. Und es ist auch sehr einfach, jeden, der nicht jede Art von Sex gut findet, als sexfeindlich zu bezeichnen.

  3. @onyx

    [Freiwilligkeit der Prostituion]

    Warum sonst läßt du keine Links auf Blogs von Personen zu, die das freiwillig machen? Und in dem Artikel zu der Krankenkasse kam es auch deutlich durch. Nach deiner Auffassung scheint allein der Umstand, dass man dort Geld verdienen will die Freiwilligkeit auszuschließen.
    Aber wenn dem nicht so ist:
    Wann ist denn aus deiner Sicht Prostituion freiwillig?

    [veränderte Sicht]

    Ich glaube, dass unser Gehirn stets bemüht ist, eine möglichst stimmige Eigendarstellung zu erzeugen.

    Das zeigt sich zB bei (von Geburt an) Asexuellen, die Sexualität nicht vermissen können, weil sie eben bereits den Wunsch nicht nachvollziehen können. Sie sind nicht unvollständig in ihrem Selbstbild, sie können dem Sex nur keinen Wert beimessen.
    Eine Person, die zB mit Mißbrauch aufgewachsen ist, kann ebenfalls ein Denken über Sex verinnerlichen, dass weniger mit Zuneigung oder Bindung in Verbindung steht als vielmehr mit Belohnung etc. Das kindliche Gehirn wächst ja noch und auch diesbezügliche Erfahrungen werden abgespeichert. Ich meine es gibt da auch Studien zu, nachdenen im Falle des Mißbrauchs bestimmte Rezeptoren anders reagieren, Serotonin oder Dopamin, ich müßte das noch mal raussuchen. Das kann dann eben dazu führen, dass einen Teil dieser Opfer der Austausch Sex gegen andere Leistungen weniger fremd erscheint als jemanden, der seine Sexualität weniger fremdbestimmt entwickeln konnte und sie eher als etwas intimes, auf sich selbst bezogenes erlebt hat. Ähnlich wie der Asexuelle sich nicht umprogrammieren läßt kann auch dies bleibend sein und ein anderes Verhältnis zu sexualität begründen.

    Ich kann mir auch den Fall einer Vergewaltigung vorstellen, bei dem die Betroffene danach Probleme hat Bindungen aufzubauen, weil sie vielleicht gerade die Vergewaltigung in einer Beziehung als besonderen Vertrauensbruch empfunden hat. Sie sucht dann ihr Glück vielleicht eher in vielen One-Night-Stands und Affairen, bei denen sie diese Bindung gerade nicht aufbauen muss. Vielleicht holt sie sich auch dort Bestätigung über das Flirten mit den Männern und den anschließenden Sex und benötigt davon dann immer mehr. Nachdem sie so eine Weile gelebt hat und relativ wahllos war, was ihre Männer angeht, merkt sie, dass sie in dem Bereich eine ziemlich Toleranz entwickelt hat. Welcher Mann mit ihr schläft ist ihr nicht mehr wirklich wichtig. Warum also nicht gelt damit verdienen?

    Oder eine dritte Möglichkeit: Sie ist leicht masochistisch und mag es benutzt zu werden. Sie steht auf dominante Männer und flirtet gerade mit eher gefährlichen, mag sehr rauhen Sex, sie läßt sich mit Motorradgangs und Gangstern ein, harten Jungs, die Mischung aus Masochismus und domianten zwilichtigen Typen führt auch zu einer Vergewaltigung, weil einer die Dominianz übertreibt (nicht als Entschuldigung gemeint, aber es ist eben eine Risikoerhöhung). Über den vielen harten Sex und das benutzt werden wollen rutscht sie in die Prostitution, die sie eben aufgrund ihrer Art nicht so abschreckt, wie andere Frauen. Hier hängt die Vergewaltigung mit ihren Vorlieben zusammen, sie ist aber nicht Anlass für die Prostituion, sondern beide haben gemeinsame Grundlagen.

    • [Freiwilligkeit der Prostituion]

      Warum sonst läßt du keine Links auf Blogs von Personen zu, die das freiwillig machen?

      Daran hängst du dich jetzt auf und schließt daraus, dass es für mich keine freiwillige Prostitution geben kann? Ich habe schon erklärt, warum ich so entschieden habe.

      Und in dem Artikel zu der Krankenkasse kam es auch deutlich durch.

      Welcher Artikel?

      Nach deiner Auffassung scheint allein der Umstand, dass man dort Geld verdienen will die Freiwilligkeit auszuschließen.

      MUSS heißt hier das Zauberwort, das Freiwilligkeit ausschließt. Wenn man Geld verdienen MUSS, und zwar in einem Maß, das nicht mit normaler Erwerbsarbeit abzudecken ist. Finanzielle Zwänge schließen hier Freiwilligkeit aus.

      Wann ist denn aus deiner Sicht Prostituion freiwillig?

      Sobald kein Muss mehr dahintersteht.

      Ich glaube, dass unser Gehirn stets bemüht ist, eine möglichst stimmige Eigendarstellung zu erzeugen.

      Das stimmt, und das geht soweit, dass negative Aspekte, und damit auch ein Stück Realität ausgeklammert werden. Das sieht man an den typischen „früher war alles besser“-Geschichten alter Menschen, die mit der heutigen Realität nur schwer zurecht kommen. Das mag in gewissen Bereichen sinnvoll sein, aber wenn das nur dazu dient, das Benutztwerden des eigenen Körpers erträglicher zu machen, und eigene körperliche und mentale Bedürfnisse zurückzustellen, ist es das nicht. Mit dem eigenen Ich in seiner Gesamtheit sollte man optimalerweise Zeit seines Lebens gut zurechtkommen. Was soll sinnvoll daran sein, ein Bild von sich selbst zu erzeugen, das den eigenen Körper als seelenlose Ware preisgibt?

      Das zeigt sich zB bei (von Geburt an) Asexuellen, die Sexualität nicht vermissen können, weil sie eben bereits den Wunsch nicht nachvollziehen können. Sie sind nicht unvollständig in ihrem Selbstbild, sie können dem Sex nur keinen Wert beimessen.

      Dürfte extrem selten vorkommen.

      Zum Rest deiner Beispiele. Die halte ich für pathologisch bedingte Fälle, die eins gemeinsam haben. Aufgrund der Mißbrauchserfahrung haben sie kein gesundes Verhältnis mehr zu ihren eigenen Bedürfnissen. Eine „erhöhte Toleranz“ heißt nicht automatisch Freiwilligkeit, sondern kann auch eine selbstzerstörerische „mir ist alles egal“-Haltung bedeuten. Das ist keine Freiwilligkeit, sondern reine Kompensation, um sich vor seinen eigenen Gefühlen zu schützen.

      Das dritte Beispiel ist allerdings besonders unglücklich gewählt und auch nicht sehr realistisch, da gerade im BDSM-Bereich nicht der Wunsch nach Mißhandlung, sondern absolutes Vertrauen unbedingte Grundlage ist und eine erhöhte Toleranz nach einem schweren Vertrauensbruch hier sogar gefährlich sein kann.

      Wirkliche Freiwilligkeit würde bedeuten, dass entweder die Lust am schnell verdienten Geld und am Luxus, ohne dass irgendein Zwang dahintersteht, überwiegt oder eben der Spaß und die Lust am Sex sehr groß ist und die Kundschaft selbst gewählt werden kann. Mit Mißbrauchserfahrungen halte ich das für kaum möglich.

  4. Bei allen Prostituierten liegt eine mehr oder weniger schwere psychische störung vor und zwar bevor sie damit anfangen sich zu prostituieren. Das ist ja auch der grund das sie es überhaupt tuhen und eine Ausnahme von 1000 mag es dabei immer geben. Wer sich einbildet das wäre doch nur ein ,,Beruf“ wo es schön viel Geld gibt der ist ein Propagandist oder Scharlatan wie ihn solche Systeme wie das BRD eines ist hervor bringen. Die von der Natur programierte Sache zwischen Mann und Frau ist nichts zum kaufen oder verkaufen und alle die sich einbilden sie stünden über der Natur aus der der Mensch stammt sind Vollpsychophaten!

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