Was steckt hinter dem Mythos der Medusa?

Der Mythos der Medusa ist vordergründig einfach. Die schreckliche Dämonin, die garstige mörderische Erscheinung, die Versinnbildlichung des weiblichen Bösen, die nur durch Perseus besiegt werden konnte.

Die Parallelen zum Antifeminismus sind dabei natürlich nicht zu übersehen. Die schreckliche, mordende, weibliche Kreatur taugt natürlich zur Feindbildpflege perfekt als Symbol des Feminismus. Allerdings sehr oberflächlich und ohne tiefergehend die Umstände und Ursachen zu beachten.

Was war eigentlich Medusas Verbrechen? Sie ist ja nicht als die geboren worden, wie man sie der Mythologie nach kennt. Medusa war zunächst eine sehr schöne Frau, die aber von Athene, Tochter des Zeus, bei einer Liebschaft mit Poseidon – aus der auch das fliegende Pferd Pegasos hervorging – in einem ihrer geweihten Tempel erwischt wurde. (Manche Studien sprechen sogar davon, dass es sich nicht um eine Liebschaft, sondern um eine Vergewaltigung gehandelt haben soll, bei der Medusa ihre Jungfräulichkeit verlor. Aber das soll nicht Inhalt meiner Überlegungen sein.)
Darüber war Athene so erbost, dass die Medusa mit ihrem bekannten Schicksal strafte. Sie konnte nun keine Männer mehr verführen, sondern nur noch töten. Wollte sie das? Nein. Es war eine Strafe, die ihr aus blinder Eifersucht auferlegt wurde.

Die Frage, die im Raum steht: Ist Medusa nur ihre Schönheit zum Verhängnis geworden? Ihre Sexualität? Die Tempelentweihung? Athenes Eifersucht? Und warum wurde Poseidon nicht auch bestraft? Der war ja sogar verheiratet, also hätte seine Frau, die Nymphe Amphritite, eher Grund zur Rache gehabt.

Was steckt also eigentlich hinter dem Mythos der männermordenden Medusa?

Es ist keineswegs das ewig Böse im Weib, kein Symbol für entartete, grauenhafte Weiblichkeit. Es ist vielmehr die Darstellung der gewaltvollen Unterdrückung der weiblichen Sexualität. Welchen anderen Hintergrund sollte es da geben? Welchen anderen Verbrechens hat sie sich schuldig gemacht, außer dass sie schön war und begehrt wurde? Eine schöne Frau, die Männer betört, ist demnach eine Gefahr und muß beseitigt werden. Wenn schon nicht die Frau selbst, dann zumindest ihre Schönheit. Damit alles, was von ihr übrig bleibt, grauenhaftes Aussehen und todbringende Macht ist. Damit sie ausgestoßen und gemieden wird.

Doch letztlich war ihre dämonische Macht auch für Perseus nötig, um seine Gegner zu besiegen. Nur das abgeschlagene Haupt war mächtig genug, den Meeresdrachen Keto zu versteinern, dem Perseus‘ geliebte Andromeda als Opfer versprochen war. Ohne Medusas schreckliche Macht wäre auch Perseus ihm gegenüber machtlos gewesen.

Wir können also abschließend festhalten, dass der Mythos der Medusa nicht etwa die böse männermordende Frau ist, sondern seine Ursache in durch Eifersucht und Angst begründeter partriachaler Unterdrückung der Weiblichkeit hat.

15 Kommentare zu “Was steckt hinter dem Mythos der Medusa?

  1. Letztes Jahr habe ich eine LV besucht mit dem Thema „das Geschlecht des Bösen“, die vor allem den kultur- und religionswissenschaftlichen Background von Satan und Co. in Filmen beleuchtet hat. Dabei war besonders spannend, dass alle weiblichen Dämonen oder Figuren der Literatur-, Mythen- und Filmgeschichte vor allem immer eines gemeinsam haben: eigenbestimmte Sexualität, die von einem „männlichen“ Part unabhängig ist und die generell nicht in das Normbild „Heimchen am Herd passt“. Als Folge werden diese Dämoninen oder Figuren immer bestraft, müssen am Rand der Gesellschaft ihr Dasein fristen, werden hässlich dargestellt, usw. „Hauptverbrechen“ beziehen sich meist auf Tabubrüche – zB Ermordung von Säuglingen (vs. Mutterrolle), Sex mit verheirateten Männern (vs. „Heilige“).
    Nicht unspannend sind in diesem Zusammenhang auch die Meerjungfrauen. Von Andreas Kraß gibt es dazu ein spannendes und umfassendes Werk.
    lg aus Österreich

    • Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Frauen, von denen die Gefahr ausgeht, mit ihrer Verführungsmacht Männer in ihrer rationalen Welt zu stören, wurden immer gebrandmarkt, geächtet und bestraft. Ihre Macht der Verführung mußte ihnen genommen werden. So ist es in der Legende der Medusa, so war es im Mittelalter bei den angeblichen Hexen und so ist es heute noch in Gottesstaaten, in denen Frauen sich verhüllen müssen und freizügige oder „ehrlose“ (nicht mehr jungfräuliche) Frauen bestraft und getötet werden.

  2. “ Es ist keineswegs das ewig Böse im Weib, kein Symbol für entartete, grauenhafte Weiblichkeit.“

    Stimmt

    „Es ist vielmehr die Darstellung der gewaltvollen Unterdrückung der weiblichen Sexualität“

    Wie man das herauslesen kann ist mir schleierhaft.

    Eher ist es doch die Darstellung einer eifersüchtigen Frau! die der Anderen Schaden zu fügt.

    Wenn jemand die weibliche Sexualität unterdrückt hat dann die Frauen selbst, ihre eigene oder die von Anderen.

    • Wenn jemand die weibliche Sexualität unterdrückt hat dann die Frauen selbst, ihre eigene oder die von Anderen.

      Das schließt du woraus? Weil Athene eine Göttin war?
      Weiteres Beispiel aus der Perseusgeschichte: Akrisios hat ebenfalls aus Eifersucht gehandelt und Danae bestraft und verbannt, weil Zeus sie begehrt, und mit ihr Perseus gezeugt hat.

      Das Medusa-Beispiel hab ich aufgeführt, um auf den bisher sehr oberflächlich betrachteten Mythos der bösen weiblichen Kreatur mal etwas genauer hinzuweisen. Nicht, damit wieder jemand auf Nebenschauplätze ablenkt und sagt: Aber es war doch eine Täterin! Also sind es immer Täterinnen, die andere Frauen unterdrücken!

      Deine Aussage ist nicht haltbar. Weder in diesem Kontext, noch bezogen auf die Themen Hexenverbrennung oder Verschleierung.

    • Nicht ich habe auf einen Nebenschauplatz abgelenkt, sondern du hast Dinge da rein interpretiert die sehr…naja frei gedacht sind um es mal so zu sagen.

      Ich hatte ja nur die Tatsache erwähnt, dass eine Frau sie verflucht hat. Aus Eifersucht! Alles Andere ist Ansichtssache.

      “ Deine Aussage ist nicht haltbar. Weder in diesem Kontext, noch bezogen auf die Themen Hexenverbrennung oder Verschleierung“

      Und bei Genitalbeschneidung? Sind ich Wahrheit verkleidete Männer oder wie?

      Die Hälfte der Menschheit besteht aus Frauen. Mindestens. Wenn diese sich also unterdrücken lassen /ließen dann sind sie selbst mit- dran schuld.

      Ghandi: „Kein Volk lässt sich auf Dauer unterdrücken, ohne das es an der Unterdrückung aktiv mitwirkt“

    • Nicht ich habe auf einen Nebenschauplatz abgelenkt, sondern du hast Dinge da rein interpretiert die sehr…naja frei gedacht sind um es mal so zu sagen.

      Ich habe mal einen anderen, etwas tieferen Blickwinkel eingeworfen, der dir nur nicht gefallen hat, und du deswegen auf ein klassisches oberflächliches Argumentationsmuster abgelenkt hast, um nicht umdenken zu müssen. Das ist alles.

      Ich hatte ja nur die Tatsache erwähnt, dass eine Frau sie verflucht hat. Aus Eifersucht! Alles Andere ist Ansichtssache.

      Genau wie deine Schlußfolgerung, dass – ich zitiere dich – „wenn jemand die weibliche Sexualität unterdrückt hat, das dann die Frauen selbst sind.“

      Und bei Genitalbeschneidung? Sind ich Wahrheit verkleidete Männer oder wie?

      Et Voila, und schon wieder Ablenkung auf einen Nebenschauplatz.

      Wenn diese sich also unterdrücken lassen /ließen dann sind sie selbst mit- dran schuld.

      Also war Medusa auch selbst schuld, weil sie wegen ihrer Schönheit begehrt wurde?

    • Natürlich: Denn es sind ja Frauen die andere Frauen beschneiden. Zum Beispiel

      Und das zeigt ja: Frauen unterdrücken die Sexualität von anderen Frauen.

      Oder glaubt ihr auch nur ein Mann steht auf genitalverstümmelte Frauen die zugenäht wurden?

      So was krankes kann nur Weibern einfallen.

    • Und ein weiterer Beitrag, der nichts mit dem Thema zu tun hat.

      Sollte dir nichts konstruktives mehr einfallen, bist du raus hier. Für solchen Spam ist mir mein Blog zu schade.

    • Ehrlichgesagt glaube ich das du hier falsch liegst. Wenn etwas die eifersüchtige böse frau darstellt, dann sind es eher die Harpyen, oder die Furien. Die Gorgonen haben nicht viel mit Männerhass zu tun. Eurale und Stheno sind, soweit ich sagen kann nur die Töchter von irgendwem, zu denen gibt es keine genauere Geschichte. Medusa wurde für die entweihung eines Tempels (durch Sex) verwandelt. Dies scheint mir eher eine Geschichte von der Rachsucht der Götter als von der Person Medusa, oder ihrer Sexualität zu sein (es ist übrigens für die Beurteilung dieser story unerheblich ob sie vergewaltigt wurde, oder freiwillig Sex hatte, Unfall mit Todesfolge und Mord sind im altgriechischen Rechtsverständnis das Gleiche). Warum sollte außerdem die weibliche Göttin Athene an der Unterdrückung der Frau beteiligen? Wenn überhaupt scheint sich ihr Handeln eher auf einen allgemeinen Ekel vor dem was sich in ihrem Tempel zuträgt zu begründen, nicht umsonst wird sie auch als Parthénos „die Jungfrau“ bezeichnet.
      Übrigens finde ich es viel interessanter wie sich die Gestalt der Medusa gewandelt hat. Ihre unaussprechliche Hässlichekeit wurde inzwischen durch sexiness abgelöst. Ich frage mich wie und wann diese Verwandlung entstanden ist.

  3. Interessant. Der Betreiber des Perseusblog ist offenbar auf die Geschichte der Medusa hingewiesen, und mit der Frage konfrontiert worden, wie diese Zusammenhänge mit dem angeblichen antifeminsitischen Grundgedanken der Gleichberechtigung zu vereinbaren ist. Aber wie erwartet gab es nur eine ausweichende Antwort. „Die Mythologie des Perseues selber“ ist also nur interessant. Kein Wunder, da wo ans Eingemachte geht und unangenehm wird, wird gern ignoriert. Sollte man allerdings nicht tun, wenn man sich offensichtlich mit der Philosophie des Perseus identifiziert, als Blogbildchen Perseus mit dem abgeschlagenen Medusenhaupt bemüht, den ganzen Blog danach benennt, sich angeblich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt, ihm ganze Artikel widmet. Aber diese Inkonsequenz hätte ich voraussagen können.
    Aber eigentlich hat er Recht. Die Kritik sollte sich eher an den Autor des Buches richten, der sich diesen idiotischen Titel ausgedacht, und damit Medusa erst zum perfekten Feindbild erhoben hat. Was natürlich von Antifeministen liebend gern unkritisch aufgesogen wurde, die diesem Feindbild jetzt treudoof wie die Lemminge nachlaufen, und nicht wissen oder nicht wissen wollen, was es mit Medusa tatsächlich auf sich hatte.

  4. Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe gerade das Theaterstück „Medusa“ (2007) von der Chilenin Ximena Carrera gelesen und war deshalb auf der Suche von möglichen Gedanken zur weiteren Deutung.
    In diesem Stück geht es um drei Frauen, die, grob gesagt, durch Verrat dazu beitragen, dass Männer während der Pinochet-Diktatur getötet werden. Aus verschiedenen Gründen sind diese Frauen erpressbar, weshalb sie so handeln, wie sie es tun. Obwohl die Anspielungen auf die Sexualität vorhanden sind und viele Passagen zu einem gender-Ansatz einladen, vollzieht sich in diesem Stück meines Erachtens eine Umdeutung des Mythos, die aber nur möglich ist, weil das Konzept Schicksal der Frage nach möglichen Alternativen zu diesem Schicksal (Gibt es sie? Wie können sie aussehen?) gegenübergestellt wird. Die Beantwortung dieser Frage liegt bei den Rezipienten. Ich möchte hiermit das Stück weiterempfehlen.

  5. Eine wütende Feministin, die wunderschöne antike Sagen missbraucht, um ihren wahnsinnigen Standpunkt zu übermittlen. Sowas kann nur Liberalen einfallen.

    • Welch beeindruckend überzeugende Argumentation eines anonymen Trolls. Ich bin geflasht.

      #gähn

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