Über den gesellschaftlichen Schaden, den Geschlechterklischees anrichten

Der Spiegel über das Tier im Mann

Der Mann, das Tier

Männer: machthungrig, gewaltbereit, egoistisch. Frauen: einfühlsam, kommunikativ, friedfertig. Die heutigen Geschlechter-Klischees sind mehr als 200 Jahre alt. Die Forschung hat sie längst als Unsinn entlarvt – doch bis heute schaden sie Männern und Frauen.

Wer wissen will, wie wir über Männer denken, nehme ein beliebiges Wochenende. Vorvergangenes etwa. Die „Welt am Sonntag“ schrieb: Männer „sind ignorant, egoistisch, hören nie zu“ – kurz: „Idioten“ sind sie, aber „damit glücklich“. SPIEGEL-ONLINE-Kolumnistin Sybille Berg entlarvte Günter Grass nicht als Judenfeind oder Dummbatz, sondern als etwas viel Schlimmeres: als Mann. Der allein durch Anmaßung nach oben gekommen sei („Eine Strategie, die keiner Frau einfiele“) und nun vom „Rudel“ der Beta-Männchen gehetzt werde.

Selbst die Nachmittagslektüre eines vermeintlich unschuldigen Buches über den Garten brachte die krautige Erkenntnis, dass die typisch männlichen Beschäftigungen aus „schnellem Fahren, Prügeleien, wahllosem Geschlechtsverkehr“ bestünden – diese aber inzwischen „ins Gerede“ gekommen seien. Als Ersatz empfiehlt der Autor, Jakob Augstein, das Holzhacken.
Eine ganz normale Tagesration medialer Abscheu vor Männern. Sie gelten wahlweise als Schweine, Doofis oder Triebtäter – beiläufig in den Zeitungen serviert wie eine ewige Wahrheit. Die Abwertung des Männlichen sei „so sehr Teil unserer Kultur geworden, dass sie kaum noch wahrgenommen“ werde, sagt die Feministin Doris Lessing.

Fragt sich nur: Meinen die Männer, die dazu beitragen, sich selbst? Oder nur die anderen? Und es fragt sich: Wer glaubt diese abgestandenen Phrasen noch?

Der Unsinn der Geschlechterklischees

Vergleichbarer Unsinn kursiert womöglich auch über Frauen. Aber zum Glück traut sich niemand mehr, ihn zu drucken. Über Frauen liest man eher rosige Stereotype, dass sie kommunikativer, einfühlsamer und überhaupt besser geeignet für die Zukunft seien – wenn die Männer sie nur ließen. „Sechs globale Herausforderungen, eine Lösung: Frauen“ hieß es auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Männer machen Probleme, Frauen machen heile.

Wer sich über die Schlichtheit dieses Denkens wundert, erhält oft eine ebenso einfache Entgegnung: Aber so ist es doch! Von Natur aus! Männer und Frauen sind grundlegend verschieden, die einen vom Mars, die anderen von der Venus, weswegen sie auf der Erde einander so fremd sind. Und Männer haben sich halt den Part des Monsters verdient.

Die interplanetarische Geschlechtertheorie hat allerdings zwei Probleme, ein aktuelles und ein historisches:

Forscher finden keine Unterschiede in den Fähigkeiten der Geschlechter.
Über Männlichkeit wird schon seit 200 Jahren abfällig gedacht.
Dieses Denken ist keine neue Wahrheit, sondern selbst ein Klischee, so platt wie die Behauptung, Frauen seien nicht für ein Studium geeignet. Interessant ist allein, warum es so lange überleben konnte und noch heute salonfähig ist.

Sie werden verzweifelt gesucht, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Fahndung ernährt eine weltweite Forschungsindustrie. Gefunden hat sie bislang: fast nichts. Frauen sind kommunikativer? Nö. Männer und Frauen reden etwa gleich viel. Frauen sind weniger gewalttätig? Zumindest nicht in familiären Beziehungen, wo sie „zu einem fast gleichen Anteil wie die Männer“ Täter seien, wie der Politologe Peter Döge schreibt. Andere Forscher kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Frauen sind ethischer? Nein, sie antworten nur eher so, wie es sozial erwünscht ist.

Geschlechterunterschiede erstaunlich gering

So lassen sich alle menschlichen Regungen durchforsten, und stets erweisen sich die kognitiven oder emotionalen Differenzen zwischen den Geschlechtern als derart gering, dass dahinter keine unterschiedlichen Naturen zu vermuten sind.

Stattdessen sind die Forscher auf einen faszinierenden Effekt gestoßen: Sie können geschlechtliche Differenzen ziemlich einfach herstellen. Frauen schneiden in Tests als einfühlsamer ab? Nicht, wenn man den Männern sagt, sie seien ebenso empathisch – dann sind sie es auch. Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen? Nicht, wenn man den Frauen erzählt, sie seien dazu ebenso begabt; dann erzielen sie ähnliche Testergebnisse. Das Verfahren nennt sich Priming, die Impfung mit oder gegen Geschlechterklischees.

Diesen Trick beherrscht auch die Gesellschaft. Und betreibt einen monströsen Aufwand, aus den so ungemein ähnlichen Geschlechtern doch ein paar Unterschiede herauszupressen. Nichts betonen wir so wie Geschlecht – nicht Rasse, nicht Religion, nicht Einkommen, nicht Herkunft. Wir tränken buchstäblich die ganze Welt mit Geschlecht, bis in banalste Details: Kleidung (Hemd Knopfleiste rechts – Bluse links), Haarmode (Frauen färben – Männer tunen), Lektüre („GQ“ – „Brigitte“), Fahrräder (Stange – keine Stange), Spielzeug (rosa – blau), Erziehung (Kampfsport für Mädchen: toll – Ballett für Jungen: igitt), Fernsehen („Nitro“ – „Germany’s Next Topmodel“), Politik (Verteidigung – Familie und Soziales).

Das wirkt, im Kleinen wie im Großen. Auf zwei Gebieten haben wir besonders auffällig und viel diskutierten Erfolg: bei Gehalt und Gewalt.

Gehalt, sprich: ökonomische Chancen, enthalten wir Frauen in höherem Maße vor als Männern – besonders eklatant in den Vorstandsetagen und auf Professorenstühlen, aber auch beim Durchschnittseinkommen. Diese Lücke schließt sich zwar, aber nur sehr langsam.

In Sachen Gewalt sorgt unsere Gesellschaft mit Akribie dafür, dass vor allem Männer Gewaltopfer und -täter sind. Wir rekrutieren Männer, wenn es um Sterben, Beschädigung oder Straftaten gehen soll, von der Armee bis zu gefährlichen Berufen. Und wir ziehen vor allem Männer für Verbrechen zur Rechenschaft, in bemerkenswerter Ausschließlichkeit: Nur fünf Prozent aller Gefängnisinsassen sind weiblich – eine historisch Mini-Quote, frühere Zeiten sperrten durchaus paritätisch ein. Aber unser Rechtssystem sieht vor allem Männer als Täter. Bei häuslichem Streit etwa wird in praktisch 100 Prozent der Fälle der Mann verhaftet, ganz gleich, was vorgefallen ist.

Männerphobie ist keine Erfindung des Feminismus

Wenn aber die Naturen der Geschlechter solche Differenzen nicht hergeben, bliebt nur unser gesellschaftliches Priming. Ein wesentliches Element davon ist die Männerphobie.

Üblicherweise wird den Feministinnen angekreidet, sie hätten die Abwertung des Männlichen erfunden. Aber das ist falsch. Die Philosophie vom schlechten, unmoralischen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, zu Beginn der Moderne, um 1800. Vorher hielt man Männer wie Frauen für göttlichen Ursprungs, also im Prinzip für gelungen, aber zur Sünde neigend. Keines der Geschlechter war moralisch besser oder schlechter, aber Männer selbstverständlich zur Herrschaft berufen.

Innerhalb von zwei Generationen wurde diese Vorstellung umgekrempelt. Ein historisch einmaliger Diskurs hob um 1800 an, der Männer als das Zentralproblem der Gesellschaft beschrieb: als unmoralisch, egoistisch, emotionslos, triebgesteuert, gewalttätig, verantwortungslos. „Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier für die Gesellschaft“, schrieb 1779 der schottische Aufklärer William Alexander. Andere Denker unterstellten dem Mann eine „grausame und gleichgültige Natur“ und warnten, dass seine „Gefühllosigkeit die gesamte Gesellschaft“ vernichte. Nichts als ein „Stück kalter Vernunft“, nichts als „Härte und Gewalttätigkeit“ entdeckten Philosophen wie Humboldt, Fichte und Kant plötzlich im Manne – und empfahlen, dass „sich der Mann von seinem Geschlecht lossagen und sich dem Weiblichen nähern müsse, um wahrer Mensch zu werden“.

Die neu erfundene horrible Natur der Männer schloss nicht aus, diese doch noch zu guten Bürgern zu erziehen. Und sie sorgte dafür, dass die Benachteiligung der Frauen in Politik und Wirtschaft auf neue Weise legitimiert wurde: Nun mussten sie der Öffentlichkeit fernblieben, um daheim einen von der Moderne unvergifteten Raum zu schaffen.

Simple Erklärungen für die Komplexität der Moderne

Entscheidend ist, dass das neue Denken nichts mit dem Verhalten von Männern zu tun hatte. Aber viel mit der modernen Gesellschaft, die in jener Zeit sichtbar wurde: Arbeitsteilung, Individualisierung, Zerfall der Traditionen. Die neue Gesellschaft wurde gefeiert, aber ebenso gefürchtet, als bedrohlich, als unheimlich.

Auf vielschichtige Weise ist diese Bedrohlichkeit mit Männern verbunden worden. Das war keinesfalls zwangsläufig, aber so ist es gekommen. Seither entspricht dem Unbehagen an der Moderne das Unbehagen am Mann. Und umgekehrt. Wir halten Männlichkeit für eine wesentliche Ursache der modernen Probleme. Bis heute. „Die Wirtschaftskrise ist vor allem eine Krise der Männer“, schrieb das „SZ-Magazin“ ohne jeden Beleg, und die „Financial Times Deutschland“ träumte von den „Ausputzfrauen“, die die „Trümmer der Männer wegräumen“.

Wenn’s nur so schlicht wäre. Systemische Probleme des globalen Handels, der Euro-Zone und der überschuldeten Wohlfahrtsstaaten haben die Finanzkrise ausgelöst. Geschlecht hat damit nichts zu tun, auch das männliche nicht. Es dient nur noch aus blinder Gewohnheit zur Reduktion der Komplexität der modernen Gesellschaft. Aber mit der simplen Unterscheidung von Mann und Frau können wir uns unsere Welt längst nicht mehr erklären. Daher können wir auch das Männer-Bashing beenden. Nach 200 Jahren haben Männer ausgedient als Beelzebub der Moderne.
Um zu üben, ein Vorschlag: Wir verordnen uns ein Jahr Pause. In dieser Zeit darf Geschlecht nicht zur Erklärung der Komplexitäten unserer Welt herangezogen werden. Keine Sätze mehr, wie „Männer haben die Finanzkrise erzeugt“ oder „Frauen sind die Lösung für globale Herausforderungen“. Keine Aussagen mehr, die mit „Männer sind…, Frauen sind…“ beginnen. Ein Jahr, in dem wir uns diese Simplifizierung verkneifen.

Und danach schauen wir mal, ob wir sie vermissen.

Ein interessanter Artikel.
Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Trostpflaster des von den in der Gesellschaft etablierten „natürlichen“ Klischees gebeutelten Mannes, verdeutlicht auf den zweiten Blick die logische Folge: schwarz-weiße Geschlechterklischees ist nicht nur frauen-, sondern eben auch männerfeindlich. Wer jegliche negative Verhaltensweisen von Männern als deren Natur stehenlässt („Männer sind eben so“), tut genau das, was dieser Artikel kritisiert. Er stempelt sie als unzivilisierte Primaten ab.
Und daran sind, wie es hier ebenfalls betont wird, keineswegs die pöösen Feministinnen schuld. Sondern Biologisten, die den Fehler machen, sich die Komplexität der Gesellschaft und der Geschlechter mit „natürlichen“ Erklärungen einfach zu reden, und damit als gottgegeben und unveränderbar hinzunehmen. Unabhängig vom Geschlecht.

Wir können also als Fazit festhalten: Biologisten sind männerfeindlich.

29 Kommentare zu “Über den gesellschaftlichen Schaden, den Geschlechterklischees anrichten

    • Inwiefern „erst Recht“? Was ist „erst Recht“ schlecht daran, auf Unterschiede zwischen Menschen, und nicht zwischen Geschlechtern hinzuweisen?
      Auf biologistischen Unterschieden herumzureiten, DAS ist erst Recht schädlich, weil es Sexismus schürt. Dass frauenfeindlicher Sexismus salonfähig ist, daran sind wir ja gewöhnt. Aber findest du es nicht männerfeindlich, Männer als angeblich naturbedingt triebgesteuert und aggressiv zu betrachten, so wie es der Biologismus nun mal tut?

    • Einen Tick von natur aus agressiver sind sie aber dennoch. Das sage ich als Mann. Triebgesteuert sind Frauen genauso.

      Ganz können wir auch nicht die Natur in uns ausschalten, nur bändigen.

      “ Und daran sind, wie es hier ebenfalls betont wird, keineswegs die pöösen Feministinnen schuld“

      Stimmt. Aber sie benutzen diese Vorurteile um den Mann schlecht zu machen.

      Und das ist PÖÖÖSE. Andere nennen es schlicht asozial.

    • ” Und daran sind, wie es hier ebenfalls betont wird, keineswegs die pöösen Feministinnen schuld”

      Stimmt. Aber sie benutzen diese Vorurteile um den Mann schlecht zu machen.

      Also stimmst du der These zu, dass Geschlechterklischees mehr Schaden anrichten als eine individuelle Betrachtung des Einzelnen? Genau das ja die erforderliche Konsequenz, um dem entgegenzuwirken.

    • Sicher…Klischees werden niemandem gerecht. Besonders wenn sie benutzt werden eine Gruppe anders zu behandeln als die Andere.

      Einem Mann mit Zwangsdiensterfahrung muss du da nichts erzählen.

    • Du kannst doch nicht ernsthaft damit damit argumentieren, welches Ergebnis dir besser gefällt? Entweder es ist so oder es ist nicht so. Ob das dann gut ist, ist vollkommen nebensächlich

      Klar kannst du dir hier einen Feindbildbiologismus zusammensuchen, der absolut ist und bei dem Männer Tiere sind um ihn dann abzulehnen. Aber das entwertet realistischere Betrachtungen eben dennoch nicht.

    • Erstens argumentiere ich nicht, „was mir besser gefällt“. Wieso unterstellst du sowas?
      Zweitens baue ich keinen Feindbildbiologismus zusammen. Dieser Biologismus existiert nun mal. Im Artikel wird das ja sehr deutlich. Dir gefällt nur mein Blickwinkel nicht, den ich zur Diskussion stelle.

    • Ach Onyx..
      Ich glaube das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Wenn die Natur den Mann mit Testosteron überschüttet, welches ihn dann aggressiv und triebhaft macht.. Tjaaaaa, dann ist das nun mal so. Ist ja auch voll [irgendwas, was dem Selbstideal nahe kommt] eine verwegen-coole Sau zu sein, die sich nimmt was sie – pardon – er braucht. Und wir Frauen, wir wollen das doch auch, das hat Christian doch eindrucksvoll wieder und wieder mit PickUp und dazu passenden Studien von irgendwoher und von irgendwem belegt! Also zumindest wollen wir das „im Schnitt“.

      Lieber Christian, deinen berühmten „Schnitt“ gibt es nicht – also nicht in der realen Welt.
      Es gibt solche Menschen und solche Menschen. Manche wollen dieses und manche wollen jenes. Und manche von denen sind männlich und manche von denen sind weiblich – und manche von denen sind weder das eine noch das andere und würden bei all den witzigen „Studien“ glatt durch’s Raster fallen, weil es keine weitere Antwortmöglichkeit zwischen „rosa“ oder „blau“ gibt – und jetzt kommt das allerschlimmste: Sehr viele Männer und sehr viele Frauen, die sich selbst als eben solche bezeichnen, würden genauso durchfallen, weil sie vielleicht biologisch klar zu kategorisieren sind, ihre geistige Entwicklung aber nun mal nicht geschlechtsspezifisch verlief, sie entsprechend variierende Vorlieben und Neigungen haben, die fein nuanciert, niemals in keiner deiner Studien Beachtung finden. Denn diese Studien suchen nach dem was sie finden wollen.

      Jaja, ich weiß. Das kennst du alles schon, das sind alles „Machtmittel im Diskurs“ u.s.w. – damit gehst du jeder Diskussion fein aus dem Weg.
      Warum postest du keine soziologischen Studien? Wenn du doch „nicht alles am Feminismus falsch findest“ und es ja immer nur „um den Schnitt“ geht, dann könntest du doch auch mal den soziologischen Faktor miteinbringen, mal ein kleines Gegengewicht einbringen, ein wenig Reflektion zeigen, oder nicht? Auch in der Soziologie gibt es vieles was „mit dem Schnitt“ zu tun hat, für den du dich ja so brennend interessierst.

      Somit verbleibe ich ganz durchschnittlich beim durchschnittlichen Feminismus der durchschnittlichen Feministin – hoffentlich falle ich nicht durch.. ähem.

    • Warum postest du keine soziologischen Studien? Wenn du doch “nicht alles am Feminismus falsch findest” und es ja immer nur “um den Schnitt” geht, dann könntest du doch auch mal den soziologischen Faktor miteinbringen, mal ein kleines Gegengewicht einbringen, ein wenig Reflektion zeigen, oder nicht? Auch in der Soziologie gibt es vieles was “mit dem Schnitt” zu tun hat, für den du dich ja so brennend interessierst.

      Dazu hat Khaos.Kind in diesem Strang schon Diskussionen geführt, die letztlich im Nichts verlaufen sind.

    • @Lea

      Dein „es gibt keinen Schnitt-Argument“ verstehe ich nicht. Betrachtungen über den Schnitt sind ja sowohl in der Biologie als auch in der Soziologie überaus üblich. Ich habe dazu ja sogar mal eine Metastudie einer Gender Studies Wissenschaftlerin zitiert, die die Zahlen anführt.
      http: //allesevolution.wordpress.com/2011/12/14/unterschiede-zwischen-mannern-und-frauen-effektstarken/

      Die Unterschiede bestehen ja nur in der Begründung. Die einen gehen von sozial bedingten Unterschieden aus, die anderen sehen auch biologische Faktoren

      Vielleicht kannst du es mir mal am Beispiel „Körpergröße“ erklären. Da sind ja auch Männer im Schnitt größer als Frauen.

      Ich finde es auch lustig, dass du mir vorwirfst zu wenig Studien aus der Soziologie darzustellen.

      Denn zum einen gehe ich durchaus häufig auf andere Einsichten ein, etwa in diesen Artikeln:

      http: //allesevolution.wordpress.com/2012/04/12/delusions-of-gender-wenn-man-negatives-als-mannlich-darstellt-dann-fuhlen-sich-frauen-abgeschreckt/

      http: //allesevolution.wordpress.com/2012/02/26/machtmittel-im-diskurs-diskussionsbereitschaft/ (in den Kommentaren zur Studie von Hausmann)

      http: //allesevolution.wordpress.com/2012/04/17/anatol-stefanowitsch-sprache-und-ungleichheit/

      oder auf soziale Begründungen:
      http: //allesevolution.wordpress.com/tag/ich-lese-feministische-bucher/

      und zum anderen:
      Zeig mir mir mal einen feministischen Blog, der sich auf Studien stützt, also zumindest mal welche bringt.
      Wenn dort mehr Studien präsentiert würden, dann würde ich auch mehr auf die Argumente eingehen können.

      Ich habe ja wiederholt dazu aufgefordert, mir entsprechende Studien zu benennen und bin auf die Studien, die dort in meinen Artikeln genannt worden sind, auch eingegangen.

      http: //allesevolution.wordpress.com/2011/05/11/kritikrunde-i-nieder-mit-biologismus-und-pickup/
      http: //allesevolution.wordpress.com/2011/11/18/zur-anerkennung-biologischer-geschlechtertheorien-in-der-wissenschaft/

      http: //allesevolution.wordpress.com/2011/06/18/argumente-fur-eine-gesellschaftliche-begrundung-der-geschlechterunterschiede/

      Gerne aber auch die Aufforderung an dich: Welche konkreten Studien kommen aus deiner Sicht zu kurz, auf welche konkreten Auffassungen berufst du dich?
      Die ominöse Mitteilung, dass da schon irgendwo Studien sein, die die Gegenauffassung abdecken und von mir nur verschwiegen werden hat wenig Substanz.

    • @onyx
      Ah, merci… DAS hab ich ja noch gar nicht gesehen..
      Interessant, interessant.. 😉

      Achja und nochwas Christian:
      Ich vermisse bei dir eine klare Linie. Die hast du nämlich leider auch gar nicht.
      Du schwankst mal hier rum und mal da rum. Mal ist „der Schnitt“ der den Frauen dieses den Männern mal dieses „im Schnitt“ bescheinigt – dann springst du und sagst „ja, die Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede“ (so, oder so ähnlich).
      Ein tolles Spagat – und das als MANN..

      Was ich auch bisher beobachtet habe: Wenn ein biologi(st)isches Argument in den maskuli(ni)stischen Kram passt, d.h. die Lüge über die Patriachats-Lüge untermauert, das sexuelle Verhalten paarungsreifer (..?) Menschen nach dem altbekannten Credo („Mann erobert Frau, weil Mann halt nun mal.. und Frau halt nun mal..“) stützt, DANN, aber auch nur DANN ist es wahr.
      ABER: Wehe, es kommt eine_r an und nuschelt ein paar differenzfeministische Sätze daher… Dann schlägt’s aber dreizehn!
      Schließlich sind DANN die Männer wieder die Pööösen (so wird das Wort ‚böse‘ ja aktuell in dieser Debatte geschrieben) und die Frauen die Guten, weil sozial, bindend, bewahrend und behütend – als Pendant zum aktiven, aber auch entsprechend destruktiveren, aggressiveren Mann.

      Was eigentlich nur konsequent wäre – nämlich bei allem biologischen Fundament auch das Schlechte zu benennen – ist dann wieder feministischer bullshit.

      Versteh mich nicht falsch: Ich halte gar nichts von differenz-irgendwas.

    • @Lea

      „Ich vermisse bei dir eine klare Linie. Die hast du nämlich leider auch gar nicht.
      Du schwankst mal hier rum und mal da rum. Mal ist “der Schnitt” der den Frauen dieses den Männern mal dieses “im Schnitt” bescheinigt – dann springst du und sagst “ja, die Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede” (so, oder so ähnlich).“

      Ich denke das verstehst du falsch. Aber ich erkläre es dir gerne, wenn du mir ein konkretes Beispiel nennst. Natürlich haben wir als Menschen vieles gemeinsam. Gleichzeitig haben wir in Teilbereichen erhebliche Unterschiede.

      „Was ich auch bisher beobachtet habe: Wenn ein biologi(st)isches Argument in den maskuli(ni)stischen Kram passt, d.h. die Lüge über die Patriachats-Lüge untermauert, das sexuelle Verhalten paarungsreifer (..?) Menschen nach dem altbekannten Credo (“Mann erobert Frau, weil Mann halt nun mal.. und Frau halt nun mal..”) stützt, DANN, aber auch nur DANN ist es wahr.
      ABER: Wehe, es kommt eine_r an und nuschelt ein paar differenzfeministische Sätze daher…Dann schlägt’s aber dreizehn!“

      Auch hier erkläre ich es dir gerne an einem konkreten Beispiel. Differenzfeminismus kommt üblicherweise zu vollkommen anderen Ergebnissen als Evolutionsbiologie. Warum sollte ich da zustimmen, nur weil es generell um Differenzen geht? Das wäre aus meiner Sicht unlogisch. Ungefähr so als würdest du sagen, dass ich ja auch davon ausgehe, dass Leben auf der Erde entstanden ist und dann kritisiere, wenn jemand es religiös statt durch Evolution begründet.
      Im übrigen setzt die Formung des Mannes durch sexuelle Selektion eine Auswahl der Frau voraus. Es ist also kein schlichtes „Mann erobert Frau“

      „Schließlich sind DANN die Männer wieder die Pööösen (so wird das Wort ‘böse’ ja aktuell in dieser Debatte geschrieben) und die Frauen die Guten, weil sozial, bindend, bewahrend und behütend – als Pendant zum aktiven, aber auch entsprechend destruktiveren, aggressiveren Mann.“

      Das ist ja auch ein sehr grober Schnitt. Vertrittst du den so? Meiner Meinung nach haben auch Männer viele gute EIgenschaften, durchaus auch sozial bindend, bewahrend und behütend, auch wenn sie destruktive und aggressisive Elemente haben. Ich sehe Frauen nicht als die Bösen an, Männer aber auch nicht.

      „Was eigentlich nur konsequent wäre – nämlich bei allem biologischen Fundament auch das Schlechte zu benennen – ist dann wieder feministischer bullshit.“

      Ja. In dieser Form ist es feministischer Bullshit. Weil es schlicht in Gut und böse einteilt und viele Aspekte unter den Tisch fallen läßt. Es ist Frauenverklärung und Männerabwertung. Dem sollte man widersprechen.

      „Versteh mich nicht falsch: Ich halte gar nichts von differenz-irgendwas“

      Differenz-irgendwas? Du meinst also es gibt gar keine Differenz? Klingt recht ideologisch

    • @ Christian

      Ja. In dieser Form ist es feministischer Bullshit. Weil es schlicht in Gut und böse einteilt

      Ach so, wenn es nicht passt, ist es feministischer Bullshit, weil mit gut und böse begründet wird. Wenn es passt, ist es eben die Natur, die weder gut oder böse, noch moralisch ist. Auf diese Weise lassen sich schlechte Eigenschaften ja wunderbar ins Weltbild rücken und entschuldigen (ach ja, du nennst es ja lieber „erklären“, was aber nichts an diesem Widerspruch ändert)
      Wenn nicht genehme feministische Erklärungen ganz simpel mit „gut oder böse-Bullshit“ abgetan werden, weil Kritik geübt, jegliche Kritik an biologistischen Erklärungen aber von vornherein mit „das ist eben die Natur und die ist nicht moralisch“ (was übersetzt ja auch nur heißt, „es sind bequeme Privilegien, auf die ich ungern verzichte, und deswegen ist das praktischerweise eben die unveränderbare Natur) weggeschoben wird, dann ist das ein Widerspruch. Niemand teilt Männer und Frauen in gut oder böse ein (abgesehen von einigen unbelehrbaren betonköpfigen Extremisten). Es gibt nur Kritiken an Verhaltensweisen, und die sind nicht geschlechtsspezifisch, und schon gar nicht unveränderbar. Aber Biologisten rechtfertigen schlechte Eigenschaften mit der unveränderbaren Natur, um einer Reflexion aus dem Weg zu gehen. Da hat Lea ganz Recht.

    • Du hast nicht verstanden was ich meinte.

      Ich finde den Blick den du auf die Geschlechterfrage hast zu eng.

      Wie wäre es denn, wenn du mal etwas über selbsterfüllende Prophezeiungen postest? Dazu gibt es nämlich einige sehr interessante und eigentlich auch recht bekannte Experimente z.B. das Experiment von Snyder, Berscheid und Tanke von 1977 (ja, etwas veraltet leider) http://faculty.babson.edu/krollag/org_site/soc_psych/snyder_stereo.html und das ergänzende Experiment von Andersen und Bem http://www.wurzelzieher.de/Selbsterfuellende_Prophezeiung/Selbsterfuellende_Prophezeiung_und_Attraktivitaetsstereotyp/Studie_von_Andersen_und_Bem__401981_41.aspx

      Leider habe ich ausführlicheres bisher nicht im Netz gefunden, da sind jetzt die ersten Hits von google – denn ich habe leider nicht die Zeit jeden Tag irgendetwas im Netz zu suchen, das einseitig auszuwerten und dann zu posten. Sonst hätte ich nämlich einen eigenen Blog.

      Oder wie wäre es, wenn du dir das überaus vielfältige Sexleben mancher Tierarten mal genauer ansiehst. Das sind doch eigentlich alles altbekannte Sachen, siehe die Beobachtungen die man z.B. bei Delfinen angestellt hat.
      Es geht nämlich nicht nur um „Kosten und Nutzen“, noch nicht mal Tieren.

      Du aber ziehst aus diesem eventuell auch beim Menschen vorhandenen Nebenfaktor ein ganzes Gesellschaftsbild auf – und gibst das auch noch als wissenschaftlich fundiert aus.
      Und wenn du etwas soziologisches bringst, dann nur um es mehr schlecht als recht zu zerreißen, nicht um es wirklich zu diskutieren – das ist einfach.

      Jeder Evolutionsbiologe oder Evolutionspsychologe spricht bei all diesen Faktoren von Nebenfaktoren, denn der Intellekt ist dem Menschen genauso angeboren, wie deine „Unterschiede zwischen den Geschlechtern“ es angeblich sein sollen.

      Bei Gelegenheit – stell dich darauf ein, dass es dauern wird – werde ich, sofern diese Studien im Netz verfügbar sind, entsprechende soziologische Aspekte einbringen.
      Es gibt sie nämlich, nur leider wird zu wenig im Netz veröffentlicht.
      Das kann man wunderbar an deinen Posts über Gender Studies lesen – von wegen „pseudowissenschaftlich“ u.s.w.
      Ich glaube kaum, dass du oder einer deiner Kommentatoren mal tatsächlich auch nur ein Semester mal mit Gender verbracht haben…

    • Mal zum Schnitt:
      Wenn 6 Menschen in einer Klausur 6 verschiedene Noten haben (alle Noten von 1-6 vergeben 21:6=3,5) heisst das, dass der Schnitt eine 4+ ist.
      Wenn von 3 Menschen zwei jeweils 1 Kind haben und einer 6 Kinder heisst das, sie haben im Schnitt 2,67 Kinder.
      Wenn von 4 Menschen einer mit 20, einer mit 30, einer mit 80 und einer mit 90 stirbt ist das Durchschnittssterbealter 55.

      Wird das dem Einzelnen gerecht? Sagt das irgendwas darüber aus, wieviele Kinder ein Mensch haben wird/hat, wann er stirbt und wie gut seine schulischen Leistungen sein werden/sind?
      Nein. Also warum soll der Schnitt das nonplusultra sein, wenn es um einzuschätzendes menschliches Verhalten geht?

    • @ Maren

      Die Betrachtung über den Schnitt dient gerade nicht der Beurteilung von Individuen, wie Du es implizierst, denn jedes Individuum kann vom Schnitt der Gruppe, der es zuordenbar ist, abweichen.

      Sondern dem Erkennen/Deuten von Mustern, die sich nur bei Betrachtung der großen Zahl zeigen.

      Ich kann natürlich jede einzelne Faser eines Teppichs unters Mikroskop legen und betrachten.

      Tue ich nur das, entgeht mir aber das wesentliche an einem Teppich – das Muster.

    • @ roslin
      Um mal wieder den Bogen zum Thema und zum Eingangsartikel zu spannen, denkst du also demzufolge auch, dass die Klischees über Männer ein Muster darstellen? Dass all diese Verurteilungen also gar keine Männerfeindlichkeit, sondern schlicht ein realistischer Schnitt sind, von dem nur einzelne Individuen abweichen?

    • @ Onyx

      Ich denke, dass Herr Kucklick keine Ahnung vom Stand der biologischen/neurophysiologischen/kognitionspsychologischen Forschung hat, würde ihm daher die Lektüre dieses Buches empfehlen:

      http://www.amazon.de/Male-Female-Evolution-Human-Differences/dp/1433806827/ref=dp_ob_title_bk

      Damit er auch wegkommt von seinerm kulturalistischen „Kreationismus“ („Ja, es gibt Evolution, aber sie sorgt nicht für Geschlechtsunterschiede = linker Kreationismus im Gegensatz zum rechten Kreationismus: „Ja, es gibt Geschlechtsunterschiede, aber keine Evolution, Gott hat sie so geschaffen!“)

      Wenn und weil es 2 Geschlechter gibt, ist eine evolutionäre Optimierung auf verschiedene Zwecke möglich. Nur deshalb gibt es ja überhaupt 2 Geschlechter, sonst wären Zwitter effektiver.

      Und das hat Folgen.

      Männer unterscheiden sich deutlich von Frauen, sind z.B. im Schnitt aggressiver, weil einem härteren, intrasexuellen Wettbewerb um Weibchen (als das entstand waren wir noch Tiere) ausgesetzt als die Vorfahren der heutigen Frauen es um Männchen waren.

      Es ist das Privileg des heutigen Feminismus, diese Unterschiede negativ zu interpretieren, jedenfalls, was „Männereigenschaften“ anlangt.

      So sehen FeministInnen in der Regel nicht, dass Frauen nur deshalb friedfertiger sein konnten, WEIL Männer aggressiver sind. Sie können sich ihre Friedfertigkeit leisten, weil Männer als Gewaltlieferanten fungierten, auf Jagd/Ressourcenbeschaffung/Ressourcenverteidigung hin optimiert wurden und Frauen so auf Stillen/Kleinkinderversorgung optimiert werden konnten, Tätigkeiten, die andere Psychoeigenschaften erfordern als Jagd, Kampf, Konkurrenz, die mehr Geduld, Zärtlichkeit, Behutsamkeit erfordern, weniger Aggressivität/Kampfbereitschft.

      So sorgt z.B. die etwas nach rechts verschobene Normalverteilungskurve der Männer im Vergleich zu der der Frauen bezogen auf das Merkmal „Aggressivität“ dafür, dass wesentlich mehr Männer als Frauen am rechten Rand über die Grenze kippen, die produktive Aggressivität (produktiv als Treibmittel, umgesetzt in Kreativität, Verbissenheit, die befähigt, an einer schwierigen Aufgabe monomanisch zu arbeiten) als Frauen, sorgt für mehr männliche Schläger und Mörder, aber eben auch für mehr Genies, bedeutende Wissenschaftler, Künstler, Schachspieler etc., die sich monomanisch und auf der Langstrecke in eine Aufgabe verbeißen können.

      Das Positive ist die Kehrseite des Negativen: Männer zerstören darum mehr als Frauen, bauen aber auch mehr auf, im Schnitt. Das Eine ist nicht zu haben ohne das Andere.

      Die durchgehend negative Konnotation „männlicher“ Eigenschaften (die bei Männern im Schnitt häufiger und stärker ausgeprägt sind als bei Frauen), wenn sie Männer zeigen (die gleichen Eigenschaften werden, wenn sie Frauen zeigen, positiv bewertet) ist nicht rückfahrbar, wie Kucklick meint, auf eine misandrische Literaturströmung um 1800, die es wohl gab, die aber in den Katakomben der Bibliotheken verschimmelt und nur von den Kucklicks dieser Welt noch rezipiert wird, nicht aber von den Solanas, Dworkin, McKinnon, Schwarzer & Co.

      Diese heutige Misandrie ist ein eigenständiges Gewächs der 68’er-Frauenbewegung und ihrer Nachfolgerinnen.

      Zumal um 1800 genausoviel Männlichkeit verherrlichendes (Napoleonische Kriege!) verfasst wurde wie Männlichkeit Abwertendes (umgekehrt auch genausoviel Weiblichkeit Abwertendes wie Aufwertendes).

      Er müsste dann erklären, warum sich die Gegnwart ausgerechnet hauptsächlich auf die Misandrie um 1800 berufen sollte und auf die positiven Vorurteile in Bezug auf Frauen aus dieser Zeit, das Negative in Bezug auf Frauen, das Verherrlichende über Männer aber ausblenden würde.

      Das eine ist meiner Meinung nach so wenig gegenwartsmächtig wie das andere.

      Da sind ganz andere, rezentere Autoren wichtig, denen ich nicht die Bildung zutraue, die Autoren zu kennen, die Kucklick aufführt (Simone de Beauvoir ausgenommen, wenn es vergleichbare Strömungen im französischen Bereich gab, was ich nicht weiß und Butler ausgenommen, die aber nicht mal misandrisch ist, nur einem blödsinnigen Konzept von Geschlechterkonstruktion anhängt, das Weiblichkeit wie Männllichkeit gleichermaßen verkennt in seiner Verursachung.

      Kuklicks Kritik an der zeitgeistbestimmenden Misandrie halte ich für berechtigt, nur seine Herleitung für falsch ebenso wie seine Negation der Biologie, was aber eine Berufskrankheit von Geisteswissenschaftlern zu sein scheint.

      Man kann diese Misandrie nicht mit den falschen Argumenten bekämpfen, also durch die Behauptung, es gebe keine wesentlichen biologisch/instinktiv/hormonell verursachten Verhaltensunterschiede, psychischen Unterschiede, Kognitionsunterschiede etc. zwischen den Geschlechtern.

      Sondern nur durch die Anerkennung der Sinnhaftigkeit dieser Unterschiede, der positiven/negativen Seiten von Männlichkeit/Weiblichkeit, der Preise die für die jeweiligen Vorteile/Nachteile zu zahlen sind.

      Nur das Positive im einen, nur das Negative im anderen Geschlecht zu sehen – das führt in die Irre.

      Die Spezifika beider Geschlechter haben ihre positiven UND negativen Auswirkungen, begründen ihre jeweiligen Durchschnittsstärken, ihre jeweiligen Durchschnittsschwächen (immer nur im Schnitt zu verstehen, nicht dazu tauglich, Individuen „vorzuverurteilen“, weil es sehr wohl immer möglich ist, dass Individuen von den Gruppendurchschnitten der Gruppen, denen sie zuordenbar sind, abweichen. Einfach gesagt: Es gibt „männliche“ Frauen und „weibliche“ Männer, aber nicht als Mehrheiten der jeweileigen Geschlechtergruppen, sondern „nur“ als Besiedler der jeweiligen, zum männlichen/weiblichen Spektrum sich hinneigenden Seite der Merkmalsglockenkurven.

    • @ roslin

      Es ist das Privileg des heutigen Feminismus, diese Unterschiede negativ zu interpretieren, jedenfalls, was “Männereigenschaften” anlangt.

      Genauso wie es ein Privileg des Biologismus ist, negative Eigenschaften zu rechtfertigen. Antifeminismus interpretiert übrigens Biologismus übrigens genauso negativ, wenn es ins Bild passt, weibliche Eigenschaften zu diffamieren.

      Kuklicks Kritik an der zeitgeistbestimmenden Misandrie halte ich für berechtigt, nur seine Herleitung für falsch

      Genau diese Heuchelei hab ich erwartet. Ja, die ganzen bösen Klischees strotzen nur so vor Misandrie, aber die Ursachen dafür können ja gar nicht im Biologismus liegen, sondern natürlich beim bösen Feminismus, weil Biologismus ja eigentlich voll gut ist. Jedenfalls wenns um positive männliche Eigenschaften, oder die Relativierung negativer Eigenschaften geht.

      Man kann diese Misandrie nicht mit den falschen Argumenten bekämpfen, also durch die Behauptung, es gebe keine wesentlichen biologisch/instinktiv/hormonell verursachten Verhaltensunterschiede, psychischen Unterschiede, Kognitionsunterschiede etc. zwischen den Geschlechtern.

      Sondern nur durch die Anerkennung der Sinnhaftigkeit dieser Unterschiede,

      Aha. Männliche Aggression zu kritisieren ist also böser Männerhass. Und zu sagen, dass Männer nicht per se aggressiver sind, wäre demnach auch falsch. Nur wenn man männliche Aggression akzeptiert, wird Männerhass bekämpft.
      Interessant.

      Nur das Positive im einen, nur das Negative im anderen Geschlecht zu sehen – das führt in die Irre.

      Ja das sollten auch Antifeministen endlich mal einsehen.

    • WIe wäre es, Onyx, wenn du mal ein Buch aus dem Bereich liest und dann hier besprichst? Einmal könntest du die Argumente dann in lang und mit allen Nachweisen nachvollziehen und dann würde mich eine Besprechung aus Sicht einer Feministin auch mal interessieren. Man sollte ja immer auch mal was von der Gegenmeinung lesen, insofern fang ich Butler und Voss zB sehr interessant
      Das von Roslin genannte Buch ist wunderbar. Ich kann es gar nicht genug empfehlen.

    • @Onyx:

      Genauso wie es ein Privileg des Biologismus ist, negative Eigenschaften zu rechtfertigen.

      Diese Aussage halte ich für falsch. Ja, es gibt Leute, die genau diesem Fehlschluss unterliegen, das zu bestreiten, wäre töricht. Es wird aber eigentlich nur eine Erklärung geliefert, keine Rechtfertigung. Aus „Männer neigen biologisch bedingt stärker zu Agression“ folgt nicht „Männliche Aggression ist gut“. Es folgt auch nicht, dass alle Männer aggressiv sind. Natürlich werden diese Schlüsse dennoch von einigen gezogen (zu Unrecht) und genau das kann und sollte kritisiert werden. Es kann aber nicht funktionieren, den Ausgangspunkt, nämlich dass Männer stärker zu Agression neigen, einfach für falsch zu erklären, wenn dieser naturwissenschaftlich belegt wurde.

      Genau diese Heuchelei hab ich erwartet. Ja, die ganzen bösen Klischees strotzen nur so vor Misandrie, aber die Ursachen dafür können ja gar nicht im Biologismus liegen, sondern natürlich beim bösen Feminismus, weil Biologismus ja eigentlich voll gut ist. Jedenfalls wenns um positive männliche Eigenschaften, oder die Relativierung negativer Eigenschaften geht.

      Ein Klischee stellt eine unzulässige Verallgemeinerung dar. Insofern ist tatsächlich nicht der Biologismus die Ursache, auch wenn die Biologie häufig als Begründung herangezogen wird. Übrigens habe ich Roslin so verstanden, dass nicht die Klischees selbst ihre Ursache im Feminismus haben, sondern lediglich ihre Sortierung in die guten weiblichen und bösen männlichen Klischees. Halte ich allerdings auch nicht für richtig.

    • @ Godsboss

      Es wird aber eigentlich nur eine Erklärung geliefert, keine Rechtfertigung.

      Das läuft mitunter auf das gleiche heraus.

      Aus „Männer neigen biologisch bedingt stärker zu Agression“ folgt nicht „Männliche Aggression ist gut“.

      Nein, aber es folgt „Männer sind eben so. Akzeptier es, sonst bist du MännerhasserIn“.

      Ein Klischee stellt eine unzulässige Verallgemeinerung dar. Insofern ist tatsächlich nicht der Biologismus die Ursache, auch wenn die Biologie häufig als Begründung herangezogen wird. Übrigens habe ich Roslin so verstanden, dass nicht die Klischees selbst ihre Ursache im Feminismus haben, sondern lediglich ihre Sortierung in die guten weiblichen und bösen männlichen Klischees. Halte ich allerdings auch nicht für richtig.

      Auch das geht nicht auf den Feminismus zurück. Siehe Spiegeltext:

      „Üblicherweise wird den Feministinnen angekreidet, sie hätten die Abwertung des Männlichen erfunden. Aber das ist falsch. Die Philosophie vom schlechten, unmoralischen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, zu Beginn der Moderne, um 1800. Vorher hielt man Männer wie Frauen für göttlichen Ursprungs, also im Prinzip für gelungen, aber zur Sünde neigend. Keines der Geschlechter war moralisch besser oder schlechter, aber Männer selbstverständlich zur Herrschaft berufen.“

    • Das läuft mitunter auf das gleiche heraus.

      In diesem Fall aber nicht.

      Nein, aber es folgt “Männer sind eben so. Akzeptier es, sonst bist du MännerhasserIn”.

      Nein, das mit dem Männerhass folgt ganz und gar nicht. Auch die Akzeptanz bedeutet nur, dass man diese Eigenschaft hinnimmt. Es heißt nicht, dass man nicht diskutieren darf, wie damit gesellschaftlich umzugehen ist.

      Aber selbst wenn folgen würde, was du schreibst, wäre es kein Argument gegen eine biologische Erklärung. Naturwissenschaften haben nunmal Ergebnisse unabhängig davon, ob sie den Forschern passen.

      Auch das geht nicht auf den Feminismus zurück. (…)

      Dann sind wir uns in diesem Punkt einig.

  1. @ Onyx

    *…weil Biologismus ja eigentlich voll gut ist. Jedenfalls wenns um positive männliche Eigenschaften, oder die Relativierung negativer Eigenschaften geht.*

    Es geht nicht darum, ob „Biologismus“ voll gut oder voll schlecht ist, sondern darum, ob seine Aussagen wahr oder falsch sind.

    Die kann man testen.

    Wissenschaft hat die Realität zu beschreiben und die ist unabhängig davon, was Du oder ich für gut oder schlecht halten.

    Geschlechter sind auf der Basis breiter Gemeinsamkeiten different, evolutionär auf verschieden Zwecke hin optimiert, ob Du oder ich das gut finden oder nicht ist da völlig pillepalle.

    Das hat für Männer wie für Frauen schlechte wie positive Folgen, ob Du oder ich das gut finden oder nicht.

    Die Realität lässt sich nicht wegverhandeln und nur in dem Maße verändern, in dem sie dem Zugriff menschlicher Gestaltungsmacht unterliegt.

    Die grundsätzliche Geschlechterdifferenz zuzuschütten, unterliegt menschlicher Gestaltungsmacht nicht, ob Du oder ich das gut finden, ist irrelevant.

    • Es geht nicht darum, ob “Biologismus” voll gut oder voll schlecht ist, sondern darum, ob seine Aussagen wahr oder falsch sind.

      Sind sie denn wahr? Dann hat Kuhlick doch nicht Recht mit der Kritik an Männerhass. Wie kann man auf der einen Seite Männerhass kritisieren, wenn die einzelnen Punkte, die kritisiert werden, ihre Ursache in wahren Aussagen des Biologismus haben? Das ist dann kein Männerhass, sondern grausame, unmoralische Natur, die nicht gut oder schlecht, sondern einfach natürlich ist.

  2. @ Roslin

    Ich habe in Kucklicks Buch „Das unmoralische Geschlecht“ mal reingelesen.
    M.E. unterschätzt Du den Wert von Kucklicks Ansatz.

    Ja, von Geschlechterforschung hat er nicht viel Ahnung. Es gibt in der seriösen Geschlechterforschung zwar durchaus unterschiedliche Meinungen, was die Gewichtung biologischer Einflüsse auf durchschnittliche Geschlechtsunterschiede angeht, aber es gibt dort niemanden, der die Irrelevanz biologischer Einflüsse behaupten würde.

    Ist Deine Kritik an Kucklicks „Biologieblindheit“ also berechtigt, so erscheint mir dies für die Beurteilung des Wertes von Kucklicks Forschungen jedoch weitgehend nebensächlich zu sein.
    Dieser Wert liegt auf einer anderen Ebene. Ich zitiere mal aus dem Klappentext des Buches:

    „Hinter der Gender-Debatte steht die Überzeugung: In der Moderne inszeniert sich der Mann als rationales Alphatier, die Frau gilt als seine andere: als emotional und minderwertig. Diesen Mythos dekonstruiert Christoph Kucklick mit einem systemtheoretischen close reading kanonischer Texte zum Geschlechterverhältnis aus der Zeit um 1800. Er bringt eine ganz andere Redeordnung ans Licht: die negative Andrologie, in der der Mann als abschreckendes Produkt der Modernisierung erscheint: als gewalttätig, unmoralisch und triebgesteuert.“

    Im Klartext: Kucklick hat mit seinen Forschungen einer der wichtigsten Kernthesen des heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus, insbesondere des Radikalfeminismus und des Genderfeminismus die Grundlage entzogen: dass das kulturelle Wertesystem westlicher Gesellschaften traditionell ein „White-Male-System“ sei, das historisch auf der Konstruktion einer narzisstisch übersteigerten, idealisierten Form dominanter Männlichkeit beruhe, der gegenüber Weiblichkeit als das vermeintlich „andere“ allgemein abgewertet wurde.

    Diese Hypothese ist Kucklicks Forschungsbefunden zufolge FALSCH!
    Damit brechen die ideengeschichtlichen Fundamente des Gender Studies-Feminismus in sich zusammen. Falsch war ihre Prämisse, falsch sind daher auch ihre Schlussfolgerungen – nicht nur, was die Biologie angeht, auch was die Ideen- und Sozialgeschichte angeht. Die „hegemoniale Männlichkeit“ ist ein Mythos.

    Ich halte Kucklicks Werk für großartig und einen der wichtigsten Beiträge zu einer allgemeinen Theorie der Geschlechterdiskriminierung, die die Diskriminierung von Jungen und Männern ausdrücklich einbezieht.

    Kucklick ist somit der erste Theoretiker innerhalb des Feldes der Gender Studies selbst, der die Konstruktion negativer Bilder von Männlichkeit (wie sie dort gang und gäbe sind) als Problem begreift. Er tut genau das, was ich schon häufiger als notwendigen nächsten Schritt innerhalb dieses Feldes gefordert habe: Er wendet die diskursanalytischen und dekonstruktivistischen Methoden erstmals auf die Konstruktion negativer Männlichkeitsbilder an. Wer sein Buch gelesen hat, begreift unschwer, dass die negativen Bilder von Männlichkeit in der historischen Epoche, die er untersucht hat, denen die der Radikal- und Genderfeminismus in der Gegenwart konstruiert und in die öffentlichen Diskurse eingebracht hat, sehr ähnlich sind.

    Im Spiegel vergangener diskriminierender Männlichkeitskonstruktionen werden die heutigen umso leichter als solche erkennbar. Und kritisierbar. Und überwindbar.
    Wer eine Valerie Solanas für Satire hält, der könnte nach Lesen von Kucklicks Buch eines Besseren belehrt sein. Er muss nur das, was er aus Kucklicks Reflektionen über die Konstruktion negativer Männlichkeitsbilder in der Vergangenheit gelernt hat, auf die Gegenwart übertragen. Das ist ein kleiner Schritt.

    Für die Thematisierung männlicher Diskriminierungen in den akademischen Diskursen hat Kucklick mit seinem Werk eine wichtige Grundlage geschaffen.
    Ich kann nur jedem Männerrechtler und jeder Feministin empfehlen, diese gute und interessante Buch zu lesen.

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