Grundgütiger! Gerade 1 Jahr alt und schon „vermännlicht“?

Ich bin zu Besuch bei meinem Bruder und seiner Familie. Meine kleine Nichte, gerade 1 Jahr alt und zuckersüß, beginnt, aktiv und neugierig ihre Umwelt wahrzunehmen und zu erkunden. Keine 2 Minuten liegt sie ruhig, ihre Arme und Beine sind ständig in Bewegung, alles muß angefasst, auseinandergenommen, angesabbert und erforscht werden. Auf dem Boden liegen verschiedenste Spielzeuge verstreut herum. Meine Mutter hockt vor der Kleinen auf dem Boden und lässt eine Stoffpuppe herumtänzeln, aus deren Bauch eine leise klimpernde Melodie ertönt. Das interessiert die Kleine aber augenscheinlich nicht besonders. Meine Mutter versucht es mit einem Ball, der bei Bewegung ebenfalls Klimper- und Piepstöne von sich gibt. Ruft aber auch keine Begeisterung hervor.
Was macht die Kleine? Greift lachend, glucksend, quiekend und mit großen Händen und noch größeren Augen zu den kleinen bunten Plastikautos, die so richtig brummenden Lärm machen, wenn man sie hin und her rollt.

Ich bin besorgt. Was soll nur aus der Kleinen werden? Wie kommt so ein unschuldiges liebes Mädchen auf die Idee, sich so trotzig gegen die liebevollen geschlechtergerechten Spielzeugvorschläge der Oma zu widersetzen und mit Autos spielen zu wollen? Die hat doch sicher eine Hormonstörung. Am Ende wird sie noch lesbische Frauenbeauftragte. Naja, wenigstens trug sie ein rosa Hemdchen, das sie sich nicht schreiend vom Körper reißen wollte. Das macht doch Hoffnung.

25 Kommentare zu “Grundgütiger! Gerade 1 Jahr alt und schon „vermännlicht“?

  1. Keine Sorge, es besteht noch Hoffnung.

    Mein Neffe hat es sich schnell abgewöhnt, sich für Winx-Feen zu interessieren und er hat mir sein Glitzerarmband vermacht, das er heimgeschmuggelt hat, weil „das ist ja für Mädchen“ nachdem ihm von seiner femizentristischen Familie, seinen femizentrischen Freunden und seinen femizentrischen Schulkameraden auf sehr sensible Weise mitgeteilt wurde („willst du schwul werden, das machen nur Mädchen?“), dass das nicht geht. Er fügt sich mittlerweile ganz passabel in seine Rolle ein.

    • P.S.: Will damit sagen: Einjährige merken noch nicht so sehr, wenn sie anecken, weil sie mit dem Begriff „Schwuchtel“ eben nichts anzufangen wissen. Ich fand es erschreckend zu beobachten, dass sich ein kleiner Mensch zusammenreißen muss, seine Wünsche nicht äußern kann, um nicht als „schwul“ dazustehen. Er wurde regelrecht umgekrempelt.

      Muss nur noch müde lächeln, wenn mir jemand erzählen will, dass Jungen und Mädchen nunmal unterschiedlich sind, was man ja schon daran sehe, dass sich trotz gleicher Erziehung (Im Ernst? Glauben die den Scheiß eigentlich wirklich?) nichts ändere.

    • Gibt aber auch andere Beispiele, wie hier zu sehen ist.

      Wir werden sehen, wie die Kleine sich entwickelt. Ich fand es nur witzig, wieder mal so live und direkt zu sehen, wie sehr theoretische Schubladen an der praktischen Lebensrealität vorbeigehen. Und ich halte meinen Bruder und dessen Partnerin für intelligent genug, einen Dreck auf Klischees zu geben und ihr Leben individuell zu gestalten. Sich über verstaubte Konventionen lustig machen und sich darüber hinwegsetzen konnte er schon immer gut. Welchen Einflüssen die Kleine später noch ausgesetzt sein wird, wenn sie mit Gleichaltrigen zusammen ist, die eine andere Erziehung bekommen, weiß natürlich jetzt noch keiner.

    • Eltern, die sowohl Söhne als auch Töchter haben, lächeln müde wenn man ihnen erzählen will, dass Mädchen und Jungen gleich sind.

    • @Tino:

      Eltern, die sowohl Söhne als auch Töchter haben, lächeln müde wenn man ihnen erzählen will, dass Mädchen und Jungen gleich sind.

      Nachdem oder bevor sie ihren Söhnen das schwuchtelige Spielzeug weggenommen haben?

  2. Ja, man sollte Kinder nicht in Rollen drängen. Wenn sie gern mit einem Auto spielt warum nicht. Zum einen ist auf einer Normalverteilung viel Platz für das Einzelwesen und zum anderen sagt ein einzelnes spielen wenig aus.
    Das nächst Mal aber sicherheitshalber gleich die Digit Ratio kontrollieren!

    • zum anderen sagt ein einzelnes spielen wenig aus.

      Hättest du sicher auch bemerkt, wenn sie zur Puppe gegriffen hätte…

      Das nächst Mal aber sicherheitshalber gleich die Digit Ratio kontrollieren!

      Man sollte ihr lieber schon mal prophylaktisch ein paar Östrogenpräparate unter den Brei mischen. Sicher ist sicher.

    • @onyx

      „Hättest du sicher auch bemerkt, wenn sie zur Puppe gegriffen hätte…“

      Ja sicher, wenn du daraus etwas hättest herleiten wollen. Es ist nur wahrscheinlicher

      „Man sollte ihr lieber schon mal prophylaktisch ein paar Östrogenpräparate unter den Brei mischen. Sicher ist sicher.“

      Würde ja nach der Theorie, nach der die pränatalen Hormone permanente Änderungen bewirken nichts bringen. Man muss sie dann schlicht so nehmen wie sie ist. Und warum auch nicht?

    • „Das nächst Mal aber sicherheitshalber gleich die Digit Ratio kontrollieren!“

      Mein Ringfinger ist 1 cm länger als mein Zeigefinger, ich habe also einen recht hohen fetalen Testosteronspiegel. Bin ich nun weniger weiblich als die meisten anderen Frauen, oder was kann man daraus schließen?

    • oder was kann man daraus schließen?

      Alles. Einfach alles kann man daraus schließen. Die Fingerlänge ist DAS hochwissenschaftliche Messinstrument, um einen Menschen von vorne bis hinten zu durchleuchten. Brustgröße, Körperbehaarung, sexuelle Ausrichtung, Berufswahl, Interessen und Talente, IQ und Nationalität. Ein Blick auf die Hände und du weißt, wen du vor dir hast. 100%ig. Weil alle Frauen gleich sind. Und alle Männer auch. Jawollja.

    • Meine Freundinnen haben sich erst am letzten Wochenende kurz über Digit Ratio unerhalten und haben wohl irgendwo gehört, dass Frauen, deren Ringfinger länger ist als der Zeigefinger, viel häufiger in Männerberufen zu finden sind. Das trifft auf mich allerdings nicht zu, ich wollte beruflich immer was im Sozial- bzw. Gesundheitswesen machen. Aber vielleicht ist mein großes Interesse an Fußball und Videospiele auf mein fetalen Testosteronspiegel zurückzuführen xD

    • @stephi:

      Die durchschnittliche Frau hat einen kleineren Zeigefinger als Ringfinger (eine digit-ratio < 1), genau wie der durchschnittliche Mann. Und man sieht auch, wie schwach dieses Merkmal dimorphisiert ist. Ich glaube, man sollte sich wirklich auf andere Merkmale stützen, wenn man die Berufswahl und die Interessen einer Person schätzen will. 😉

    • @onyx

      Die Digit Ratio betrifft den pränatalen Testosteronspiegel

      „Brustgröße, Körperbehaarung“

      Wird beides eher durch den postnatalen Hormonspiegel bestimmt, Brustgröße eher durch Östrogene und Körperbehaarung durch postnatales Testosteron.
      Das kann natürlich in einer Verbindung mit dem pränatalen Testosteronspiegel stehen (wer bereits im Mutterleib viel Testosteron produziert wird dies vielleicht auch später machen) muss aber nicht

      „sexuelle Ausrichtung“

      Ja.

      „Berufswahl, Interessen und Talente“

      Durchaus

      „IQ“

      soweit ich weiß nicht

      „Nationalität“

      Nein.

      .“100%ig“

      Nein, hatte ich bereits oben in einem Kommentar erläutert. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit

      “ Weil alle Frauen gleich sind. Und alle Männer auch. Jawollja.“

      Eben gerade nicht. Sie bewegen sich auf einer Skala, was man ja auch bereits an der Digit Ratio sieht.

    • @stephi

      „Bin ich nun weniger weiblich als die meisten anderen Frauen, oder was kann man daraus schließen?“

      Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ja. Aber es muss nicht so sein, weil bestimmte Verhaltenszentren zu verschiedenen Zeiten fest verdrahtet werden. Ich habe das hier mal dargestellt
      http: //allesevolution.wordpress.com/2012/03/02/wie-geschlechtsunterschiede-im-gehirn-durch-pranatale-hormone-entstehen/

      Es macht dich natürlich nicht zu einer „geringeren Frau“. Sondern nur zu einer, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Verhalten hat, welches eher am Rande der weiblichen Normalverteilung liegt

    • Das nächst Mal aber sicherheitshalber gleich die Digit Ratio kontrollieren!

      Wie man hier sieht, eine her-vor-ragen-de Idee.

      Oder um einen schlauen Kommentator deines Blogs zu zitieren: „Diese Forschung kann sich ja nicht einmal darauf einigen, welcher Finger bei Schwulen denn nun der längere ist.“

      *g*

    • „Wie man hier sieht, eine her-vor-ragen-de Idee.“

      wenn sie eine Digit Ratio von unter 0,92 hat ist es zumindest schon einmal unwahrscheinlich, dass sie CAIS hat. Bei sehr niedrigen Digit Ratios steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass das dann hohe pränatale Testosteron auch anderweitige Änderungen, evtl auch im Spielverhalten, hervorgerufen hat.

      „Diese Forschung kann sich ja nicht einmal darauf einigen, welcher Finger bei Schwulen denn nun der längere ist.“

      Wenn es einen einzigen Grund für Homosexualität geben würde, der direkt mit dem pränatalen Testosteronspiegel zusammen hängt, dann wäre das problematisch. Es gibt jedoch sehr viele verschiedene Ursachen, die teilweise nur indirekt mit dem pränatalen Testosteronspiegel zusammen hängen. Es kann zB etwas mit der Umwandlung von Testosteron an der Blut-Hirn-Schranke nicht stimmen oder mit anderweitigen Vorgängen, was dann die Digit Ratio in diesen Fällen nicht betrifft.. Hatte ich auch mal einen Artikel zu

    • @Christian

      wenn sie eine Digit Ratio von unter 0,92 hat ist es zumindest schon einmal unwahrscheinlich, dass sie CAIS hat.

      Es ist, wie man dem Plot entnehmen kann sehr unwahrscheinlich überhaupt eine DR von 0,92 zu haben. Auch für die beiden „unaffected“-Gruppen, keineswegs nur für die CAIS-Gruppe.

      Die Mehrheit der CAIS-Betroffenen hat außerdem eine „männliche“ digit ratio, also eine <1

      Außerdem: Schau dir mal die Stichprobengrößen an. Die Streuung ist bei n=16 natürlich kleiner, als bei n=66…

      Ich meinte außerdem vor allem den großen Überlapp zwischen (unbeeinflussten) Männlein und Weiblein. Es wäre vor diesem Hintergrund eher nicht anzuraten, die DR als Indikator herzunehmen.

      Es kann zB etwas mit der Umwandlung von Testosteron an der Blut-Hirn-Schranke nicht stimmen oder mit anderweitigen Vorgängen…

      *gg*

      Ja irgendwelche „anderweitigen Vorgänge“ spielen sicher eine Rolle. Nur erklärt das nicht, warum zu einer Fragestellung widersprüchliche Ergebnisse existieren. Die Ergebnisse sind nicht reproduzierbar. Reproduziertbarkeit ist in der Wissenschaft aber wichtiges Kriterium. Und dass es die „Forscher“ dieser Fingerlängen-Community nicht stutzig macht, dass das so ist und so gut wie niemand auf die inkonsistente Datenlage hinweist, sagt eigentlich schon viel über diesen „Forschungszweig“ aus.

  3. OffTopic: Wie ich gerade zu meinem Bedauern feststellen musste, ist das Nachfolgeforum des Pseudo-EMMA-Forum nicht mehr online. Weißt Du, wo der Haufen hin ist? Wäre zu schade, wenn die sich aufgelöst hätten.

    • Ich weiß nicht, welches „Pseudo-Forum“ du meinst, aber das normale Emma-Forum ist nach wie vor da. Kannst dich also beruhigen.

    • Antisexistin, Cleo, Lilith, xyz, Cassandra, Tim2, die sagen dir nichts? Wenn Du irgendwelche Links zu denen hättest… wär schön!

      Das Pseudo-EMMA-Forum entstand in Beziehung zum alten Emma-Forum (ohne Vormoderation). Bist Du überhaupt Onyx? (die Echte)

    • Ach das meinst du. Das existiert in dieser Form schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass alle damals aktiven User von dort auch weg sind. Ich bin nicht die Einzige, die noch da ist. Es gibt einen Nachfolge-Blog.

      Natürlich bin ich die „Echte“. Gibts noch eine?

  4. Wenn die Kleine ihre Neigungen beibehält, sind in Zukunft Elekro-, Chemie-, und Metallbaukästen die richtige Wahl.

    Vielleicht kannst Du die Eltern auch überreden, sie in blau zu kleiden. Die ganze Welt reagiert dann anders auf sie, weil sie meint, sie wäre männlich. Das bedeutet zum einen, dass sie härter behandelt wird, zum anderen, dass man sie auf männliche Weise an männliche Gebiete heranführt.

    Ich persönlich bin dafür, Kleinkinder grundsätzlich grün zu kleiden. Und das werde ich auch machen.

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