„Angstfrei mit Phantasien umgehen“ – Alice Schwarzer verteidigt SM-Roman

Eigentlich wollte ich mich aus dem ganzen Hype um den aufsehenerregenden Pornoroman „Shades of Grey“ raushalten, weil er mir in den letzten Tagen stündlich mehr auf die Nerven ging. Etliche persönliche Rezensionen (überdurchschnittlich oft ein vernichtender Verriss, lobende Worte fand ich weniger) haben meine anfängliche Neugier schnell eher in Langeweile verwandelt. Ok, dachte ich erst, es kann auch nicht schaden, der Welt zu zeigen, dass Aufmerksamkeit und hohe Verkaufszahlen nicht automatisch Lob und gute Kritik bedeuten, und schon gar nicht automatisch das, was teilweise sehr medienwirksam daraus interpretiert wurde. Nämlich, dass der Tornado um das Buch und die Millionen Leserinnen nur bedeuten können, dass sich angeblich soooo viele Frauen eben doch heimlich genau danach sehnen, worum es vordergründig geht. Unterwerfung.

Eine viel interessantere Interpretation bot da Deutschlands Vorzeigefeministin und deren Gegnern liebstes Hassobjekt Alice Schwarzer, die den Roman nicht wie erwartet verteufelt und als pornographischen frauenfeindlichen Schund aburteilt, sondern im Gegenteil sogar verteidigt.
Zitat Schwarzer:

„Eine Frau schreibt über männlichen Sadismus – denn der ist das eigentliche Thema! – und über ihre weiblichen Fantasien. Das ist eher emanzipiert.“

Die Heldin unterwerfe sich dem Mann letztendlich eben nicht. „Und genau das macht wohl die Faszination für die Millionen Leserinnen aus: das Spiel mit dem Feuer, das sie selber löschen können“, erklärte die Feministin den Erfolg des Romans.

Egal wie gut oder schlecht das Buch nun geschrieben sein mag (Ich habe nur den Ausschnitt einer deutschen Leseprobe gelesen, und in der Tat, viel sprachlich-literarisches Talent findet man da nicht.), welche stereotypen Klischees nun bedient werden, die sicher wieder bis zum Sanktnimmerleinstag als „Beleg“ für irgendwelche angeblichen natürlichen Instinkte herhalten werden müssen, eins möchte ich noch mal betonen. Verkaufszahlen einer vielverkauften SM-Story sind nichtssagend über die geheimen Begierden seiner Leser. Bei einer vielverkauften Kriminalgeschichte mit Mord und Totschlag würde man solchen Unsinn auch nicht reindeuten. Aber hier passt es natürlich schön, um das Weltbild der ewig heimlich unterwürfigen Frau, die alles für ihren tollen Alpha-Lover tun würde, zu bestätigen.

20 Kommentare zu “„Angstfrei mit Phantasien umgehen“ – Alice Schwarzer verteidigt SM-Roman

  1. Twilight-Fanfic!
    Ich wette alle die es gekauft haben, hatten eine gute Zeit damit. Während sie es sich giggelnd auf Mädelsabenden vorgelesen haben, und sich vor Lachen den Bauch hielten.

    • Und zu fortgeschrittener piccologeschwängerter Stunde mit roten Ohren heimlich von „erotischen Vergewaltigungen“ schwärmten…

      Maren, ich bewundere deine Geduld, ehrlich.

    • [ironie] Das heißt wohl eher ”zärtliche Vergewaltigung” (ährotick, wird von Alice als emanzipiert gelobt) im Gegensatz zu ”brutaler Verhewaltigung” (pöhhhse, kommt in Bild rein).
      Frage den Christian mit seinem fick-up-Ideen.

  2. Über die unterdurchschnittliche sprachlich-literarische Qualität von „Shades of Grey“ habe ich auch schon gehört. Ein Erotikbuch, der viel Wirbel um nichts verursacht und völlig überbewertet wird. Genau wie die „Twilight“-Saga.

    • Diesen Wirbel finde ich nicht so problematisch, auch wenn er mich nervt. Sei der Autorin ihr Erfolg doch gegönnt. Ob er nun verdient ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Mich nervt diese undurchdachte und oberflächliche „damit ist es wiedermal bewiesen, Frauen wollen es doch so“-Attitüde. Das ist flacher als Bild-Niveau.
      Das Buch hat einfach ein pikantes Thema aufgegriffen, das immer die Gemüter anspricht. Ob positiv oder negativ. Hätte das alles mit umgekehrten Geschlechterrollen stattgefunden, wäre aber keiner auf die Idee gekommen, daraus zu schließen, dass „Männer das eben so wollen“, sondern im Gegenteil wäre der antifeministische Teufel losgewesen, was die Autorin doch für eine miese männerhassende Frustemanze sein müsse. Es wäre bis ins Detail darauf herumgeritten worden, welche kranke Psychopathin diese Grey doch sei, ausgelöst durch kindliche Mißbrauchserfahrung – von wegen Alpha-Weib (was im tatsächlichen Fall hier – soweit ich gelesen habe, erfährt man irgendwann im Laufe des Buches von Greys schlimmer Kindheit – aber ignoriert wird).

    • Ich bin ja auch der Meinung, dass wir uns ab sofort die Dokumentarreihen „Mitten im Leben“ und „Astro TV“ oder ähnliche Formate auf Privatsendern ansehen, um zu lernen, wie denn Männer tatsächlich sind. Ich habe gesehen, dass es da bereits einige erfolgreiche Stränge in einem bestimmtfarbigen Forum gibt, natürlich auf Frauen bezogen. Offenbar sind diese Sendungen geradezu ein Füllhorn an nützlichen Informationen.

    • Ist das Unterschichten-TV nicht generell? Nur da sieht man schließlich das „wahre Leben“. Pfeif auf dein eigenes Leben, RTL & Co wissen es besser! 🙂

  3. Mich nervt diese undurchdachte und oberflächliche “damit ist es wiedermal bewiesen, Frauen wollen es doch so”-Attitüde. Das ist flacher als Bild-Niveau.

    Die Welt springt auf den gleichen Unsinn an.

    „In jedem zweiten Onlineprofil von Frauen liest man etwas davon, dass ein Mann gesucht wird, „der weiß, was er will“. Der Typ Weltenbauer eben. Oder der „eine starke Schulter zum Anlehnen“ bietet.“

    Und? Was sagt das jetzt genau aus? Nichts. Was steht in den anderen 50% der Profile? Was wollen die?
    Interessant auch, dass offenbar bei Männern kein Unterschied gemacht wird, ob die dominante Alpha-Rolle beruflich oder privat ausgelebt wird. Immer wieder wird sich darauf fokussiert, dass Frauen Männer mit höherem Bildungsabschluß oder sonstiger hoher beruflicher Verantwortung suchen (woran ich auch gar nichts verwerfliches sehe, was ist schlimm daran, einen intelligenten und fleißigen Partner zu wollen?). Warum wird das automatisch auf den privaten Rahmen ausgeweitet und behauptet, dass dann im Bett die gleiche Hierarchie gewollt ist? Bei Frauen wird da fein säuberlich unterschieden. Toughe Alpha-Frau im Job? Da kann sie sich ja nur danach sehnen, beim Sex mal die Kontrolle abzugeben und sich auszuliefern, als Ausgleich zum anstrengenden gleichberechtigten Alltag. Warum soll die gleiche Logik nicht auch auf Männer zutreffen?

    Mir ist das alles zu unlogisch, zu oberflächlich, zu kleinkariert, zu engstirnig.

    • *“der weiß, was er will”.*

      Ja klar, ein Erwachsener, der sich klar ist, was er vom Leben erwartet und was er für Beziehungen führen möchte. Genau wie ich auch. Jesus. Das hat doch nichts mit Dominanz zu tun!

      *“eine starke Schulter zum Anlehnen”*
      Sprich, jemand der mir zuhört, wenn ich einen harten Tag hatte und versteht, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat, wenn ich mal Trost brauche. Jemand, der dasselbe natürlich auch zurück bekommt. Auch hier, kein Verlangen nach Dominanz.

      Man kann sich auch wat zurechtspinnen.

    • Das hat doch nichts mit Dominanz zu tun!

      Dochdoch! Wissen was man will, ist total dominant. Und Rücksicht darauf zu nehmen, was der andere will, ist total unterwürfig. Hast du das immer noch nicht verstanden?

    • *facepalm*

      Mal fragen, wieviele Männer eine Frau suchen, die _nicht_ weiß was sie will, 0 Erfolg hat (und entsprechend unziefrieden mit sich und ihrem Leben sein wird) und bei der man keinen Trost suchen kann.

    • Ooch, so’n paar Experten gibts sicher, denen der eigene Wille einer Frau nur lästig im Weg rumliegt, und die lieber ein unbeschriebenes Blatt wollen, das nach Belieben und zum eigenen Vorteil manipuliert werden kann. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine Minderheit ist.

    • Aber vergiss nicht, in erster Linie muss sie wunderschön und frisch der Pubertät entwachsen sein.
      Dann lässt sich evtl. auch über einen eigenen Willen und beruflichen Erfolg reden.
      Und ich bitte dich, ein echter Kerl braucht doch keinen Trost! Brauch Chuck Norris etwa Trost?

    • Aber vergiss nicht, in erster Linie muss sie wunderschön und frisch der Pubertät entwachsen sein.

      Aber sie muß schon sämtliche Sex-Tricks anbieten und beherrschen. Das wird von der Frau ab 14 von heute erwartet. Und wenns nicht klappt mit dem Deep Throat bis zum Würgen? Bleiben lassen? I wo. Üben, üben, üben!“

  4. Also ich mag den Begriff „Dominanz“ eigentlich auch überhaupt nicht und verwende ihn daher auch nicht. Der Begriff ist m.E. potentiell mißverständlich und zu leicht zur Legitimierung für reaktionäres Mackerverhalten instrumentalisierbar.

    Dass Frauen im Regelfall allerdings selbstbewussten und ich-starken Männern den Vorzug geben, ist auch meine persönliche Erfahrung. Das steht zu einer gleichberechtigten Beziehung auf Augenhöhe ja auch keinesfalls im Widerspruch. Im Idealfall sind beide Beziehungspartner selbstbewusst und ich-stark und selbst wenn nicht, muss daraus keine hierarchische Beziehung resultieren.

    Es gibt aber meiner Erfahrung nach auch einen kleinen Prozentsatz von Frauen, die sich leider tatsächlich von Arschlöchern angezogen fühlen, genauso wie es im radikalen Flügel des Feminismus tatsächlich Radikalfeministinnen gibt, die auf die Zerstörung männlichen Selbstbewusstseins abzielen. Für gleichberechtigte Beziehungen ist dies beides denkbar ungeeignet.

    • Ich kann dir da nicht widersprechen. Ist alles richtig, was du sagst.
      Selbstbewußtsein hat nichts mit Dominanz zu tun und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand einen Partner möchte, der kein Selbstbewußtsein und keinen Willen hat (irgendwelche pathologischen Fetische mal außen vorgelassen).
      Und die Frauen, die tatsächlich eine sexuelle Hierarchie möchten, in der er sich einfach nimmt, was er will und sie alles mit sich machen lässt, bilden nicht den angeblichen „Schnitt“, der solche Aussagen wie „Frauen stehen auf Dominanz“ rechtfertigen würde. Daran ändern auch solche Pornoromane nichts. Da kann noch so oft behauptet werden, dass jetzt so viele Frauen ihre „natürliche“ devote/masochistische Seite entdecken, weil sie das Buch gelesen haben…

  5. hier finde ich wilhelm reich ganz interessant der über sadismus und masochismus geschrieben hat. anders als freud empfand er dieses aggressive verhalten nicht natürlich!
    sondern als eine konsequenz der unterdrückten sexualität in der kindlichen phase!
    die ja besonders bei mädchen gefördert wird. da frauen eher passiv aggressiv sind (magersucht, selbstverletzungen und anderes selbstzerstörisches verhalten) treten bei frauen eher der masochismus auf. männer neigen eher dazu ihre aggressivität zu exportieren. sprich sadismus! dazu kommt noch das es ein zeichen der männlichkeit ist das weibliche zu zerstören. männer sind ebenfalls abhängig von der weiblichen sexualität welches fundamental die patriachalische männlichkeit in frage stellt. somit bedroht die weibl sexualität die männlichkeit welches ebenfalls die zerstörungswut fördert.

    weiblichkeit will sich hingeben können! und sich nicht hergeben müssen!
    die weiblichkeit will sich den männlichen ausführungen hingeben jedoch in IHREM rythmus!!!

    es gibt also zwei “dominanzen“
    nicht im sinne eines feindlichen machtspielchen sondern im sinne der hingabe + eigene selbstbestimmung!

    die meisten frauen kennen das gefühl wenn sie eine erektion haben, haben sie das begehren genommen und ausgefühlt zu werden. und ja auch ausgeführt zu werden.
    aber nicht in einem feindlichen sinn. sondern mit respekt und hingabe!
    denn wie viele frauen leiden sexuell weil der mann sich eben nicht dem weiblichen rythmus hingibt und alles an sich reißt und deswegen die frau zu früh penetriert wird!
    wie viele frauen fühlen sich nach einer zu frühen penetration wertlos und schlecht?
    man kann hier also nicht von einem gewollten masochismus sprechen weil dann diese frauen sich ja gut fühlen müssten! tun sie aber nicht sie fühlen sich schlecht und trauen sich aber nicht ihrem partner dem wunsch zu äußern er möge doch etwas gefühlvoller sein. oder wie viele frauen beschweren sich innerlich dass nur herumgestochert wurde?
    wären die meisten frauen masochistisch müssten es doch den frauen gefallen.
    tut es aber nicht sie trauen sich bloß nicht ihren partner dieses zu sagen weil sich dann die meisten männer wie ein minenfeld benehmen wenn es um das falsche männliche verhalten beim sex geht!

    ich glaube auch dass sich die sexuelle weiblichkeit äußert in dem sie genommen und ausgeführt werden möchte aber im ihrem rythmus!!!

    diese form der indirekten dominanz der weibl sexualität wird oft nicht gesehen oder sanktioniert weil sie den begriff der männlichkeit widerspricht!

    die männliche sexualität äußert sich in dem sie ausführen möchte aber!!! eig auch dass es den mann erregt und er sich eig auch wünscht dass die frau ihn genauso sexuell begehrt wie er sie!
    das erreicht er aber nur! in dem er sich dem weiblichen rythmus hingibt und diesen ausführt denn eine frau der alles zu schnell geht kann sich nicht fallen lassen und wird den mann konsequenter weise auch nicht so begehren wie es eig sein sollte und wie er sich das eig wünscht….
    die männliche hingabe des weibl rythmus wäre aber gegen das patriachalische männlichkeitsprinzip in der die männliche sexualität der weiblichen überlegen ist. nur diese überlegenheit ist nun mal gegen die natur (sexuelle abhängigkeit)
    die männlcihe sexualität und die weibliche besitzen jeweils ihre gleichwertige dominanz die sich eig vereinen und kein krieg führen sollten.
    Man darf aber auch nicht den fehler machen die sexuelle weiblichkeit oder die sexuelle männlichkeit zu sehr zu vergendern! denn das soziale verhalten kann auch andes sein und menschen sind nun mal sehr komplex und individuell.

    GEWALT SELBER IST ABER NICHT “NATÜRLICH“ sondern die folge der gesellschaft!

    der beweis sind friedliche zivilisationen die das gegenteil beweisen. es gibt völker bei denen es keine gewalt gibt also kann man auch nicht sprechen es ist die natürliche natur des menschen!

    • Was mal gesagt werden muss: Ich verstehe einfach nicht, warum sich einige Schreiber so schwer damit tun, für die Nomen in ihrem Text die Großschreibtaste zu benutzen, obwohl das eigentlich für eine korrekte Rechtschreibung erforderlich ist. Diese SMS- Kleinschreiberei anzusehen ist ja furchtbar, da kriegt man ja fast Augenkrebs -.-

    • sry ich schreibe einfach eher in englisch und deswegen bin ichs nicht gewöhnt.
      im englischem gibt es nämlich keine große nomen.

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