Du bist kaum online und gehst sparsam mit der Verbreitung deiner Daten um? Verdächtig…

Der Attentäter war nicht bei Facebook aktiv. Forscher glauben, dass Online-Abstinenz auf Störungen hindeuten kann. In US-Personalabteilungen wird man sogar misstrauisch, wenn Jobbewerber in Sozialen Netzwerken nichts von sich preisgeben wollen.

Wer macht so etwas? Wer schießt in einem Kino ohne Rücksicht auf irgendetwas um sich? Die Ermittler wissen es nicht, für sie bleibt die Person James Holmes vorerst ein Rätsel. Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht am Montag schwieg er und ließ seine Pflichtverteidiger sprechen. Er wirkte teilnahmslos und benommen. Nicht einmal das Internet hilft den Ermittlern, obwohl da doch mittlerweile beinahe jeder seine Spuren hinterlässt. Nach bisherigen Erkenntnissen war Holmes aber weder bei Facebook noch bei Twitter aktiv. Zwei Konten bei Youtube soll er gelöscht haben, ein paar Einträge unter Pseudonym in Foren gibt es wohl von ihm ebenso wie einen Account bei einer Kontaktbörse.

Mehr nicht.

Für die Öffentlichkeit war der junge Mann so weitgehend unsichtbar, unverdächtig. Er deutete sein Vorhaben nicht wie andere Amokläufer vor ihm online an und sprach nicht über seine irren Gedankengänge. Ein 24 Jahre alter US-Amerikaner, ein ehemaliger Student und Waffennarr offenbar, der nicht vernetzt ist, keine Bilder tauscht und seine Befindlichkeiten nicht mit der Community teilt. Das ist nicht nur ziemlich selten, sondern kommt einigen auch ziemlich verdächtig vor.

Glaubt man Richard E. Bélanger und seinen Kollegen, könnte dieses Verhalten sogar auf eine ernsthafte Krankheit hinweisen. In einer Studie aus dem vergangenen Jahr haben die Psychologen herausgefunden, dass junge Menschen, die sich mit ihren Online-Aktivitäten sehr zurückhalten oder das Netz gar nicht nutzen, ähnlich häufig zu Depressionen und anderen psychischen Leiden neigen wie jene, die das Netz exzessiv nutzen. Bei Jugendlichen, die regelmäßig, maximal zwei Stunden täglich, online gehen, sei dies nicht der Fall.

Quelle

So weit sind wir also schon. Wer nicht Tag und Nacht im Netz verbringt und jedes Detail und jede Minute seines Tages der Welt via Facebook & Co mitteilt, gerät leicht unter Verdacht, unter seelischen Störungen zu leiden.

6 Kommentare zu “Du bist kaum online und gehst sparsam mit der Verbreitung deiner Daten um? Verdächtig…

  1. Erinnert ein wenig an http://blog.fefe.de/?ts=b36c8e86 wo es darum ging, dass man sich als Mann anscheinend schon verdaechtig macht, wenn man keine (einfach aufzufindenden) Pornos auf dem Rechner hat. 😀
    Dass er nicht auf Facebook & co unterwegs war, heisst ja auch nicht, dass er nicht in anderen Internetforen u.ae. aktiv war. Soll ja auch Foren geben wo die Leute nicht ihre echten Namen angeben.:D
    Der von Mi verlinkte Artikel zeigt auch wieder recht schoen, dass man direkt skeptisch werden kann, wenn’s wo heisst, in einer Studie waere ein Kausalzusammenhang gezeigt worden.

  2. hmm also wenn man das natürlich so sagt dann ist das ziemlich kritisch jede person als gestört zu bezeichnen nur weil sie/er nicht bei facebook und co ist.
    auf der anderen seite sind facebook und co ein gruppen zwang!
    man kann davon ausgehen dass eine person die nicht bei facebook ist eher sozial allein lebt.
    auch kann man von problemen ausgehen wenn eine person erst aktiv war und auf einmal alles abbricht!
    aber natürlich gillt das nicht als eine goldene regel!
    denn eine person kann sich ja auch bewusst gegen facebook entscheiden aufgrund von prinzipien!
    man sollte vllt runterkommen von einem absolutistischen denkmuster.
    entweder… oder… sondern vllt eher sowohl…als auch…
    wenn jmd an depressives leiden leidet dann kann seine internet abstinez oder exzessives nutzen ein indiz sein, muss es natürlich aber nicht!

    • „man kann davon ausgehen dass eine person die nicht bei facebook ist eher sozial allein lebt.
      auch kann man von problemen ausgehen wenn eine person erst aktiv war und auf einmal alles abbricht!“

      hm, Du bemühst Dich zwar um Differenzierung dessen was Du sagst, aber dennoch kann ich mit der zitierten Aussage wegen der Formulierung „man kann davon ausgehen“ nicht übereinstimmen.

      Zur Relativierung muss ich allerdings zugeben, dass ich da schon etwas empfindlich bin. Von reißerischen Behauptungen irgendwelcher Artikel (also nicht von Dir) fühle ich mich zum Teil angegriffen und in eine Abwehrposition gedrängt, weil dort Kausalitäten unterstellt werden und die „Ursachen“ schon auf mich zutreffen.
      Beispiel: Vor guten 10 Jahren gab es einen Attentäter (welcher weiß ich gerade nicht mehr), bei dem rausgefunden wurde, dass er Slipknot hörte und Counter Strike spielte. Neben der Unterstellung, man wäre ja ein potentieller Attentäter, wenn man das ebenfalls tut gab es völlig haltlose Behauptungen, was dieses Computerspiel angeht (man würde auf Schulmädchen schießen und dergleichen).
      Ich habe damals Slipknot gehört und Counter Strike gespielt, ebenso wie viele Menschen in meinem Umfeld. Und keiner davon wäre auch nur im Traum auf die Idee gekommen, wild um sich schießend in die nächste Schule zu rennen…

      Und genauso ist es im aktuellen Kontext wieder: Nach einiger exzessiver Facebook-Nutzung habe ich mich bewusst dafür entschieden, mich bei Facebook abzumelden. Weil es in meinen Augen eine Verschwendung meiner Lebenszeit ist, dauernd nachgucken zu „müssen“, was es neues gibt und was wer von meinen Freunden gerade so tut usw.
      Und ich fühle mich immer noch nicht nach Amoklauf 😉 Ich habe auch außer dem üblichen Alltagsgedöns keine Probleme und fühle mich alles andere als sozial alleine. Ich setze nur einfach meine Prioritäten anders.

      Im Gegenteil finde ich es schon fast bedenklich, dass von mir „erwartet“ wird, dass ich doch auf dieser Plattform zu sein habe. Sei es von unüberlegter Berichterstattung oder von Leuten meines Umfelds, die mich teilweise zur Facebook-Rückkehr überreden wollen. Weil man dann ja viel besser abklären könnte, wann man sich wieder trifft (E-Mail? Telefon?). Oder wegen solcher toller Aussagen wie „ach, Du bist ja nicht mehr bei Facebook, das hast Du ja gar nicht mitgekriegt“ (kann man sowas nicht persönlich erzählen?).

      Auch wenn ich als Informatikerin total auf Technik, Tools, Internet & Co stehe, sollte meiner Ansicht nach die persönliche soziale Interaktion in der realen Welt nicht durch social platforms eingeschränkt oder abgelöst werden.

    • hm, Du bemühst Dich zwar um Differenzierung dessen was Du sagst, aber dennoch kann ich mit der zitierten Aussage wegen der Formulierung “man kann davon ausgehen” nicht übereinstimmen.

      Ich finde das auch schwierig. Ich würde sogar das Gegenteil behaupten und sagen, dass sich Menschen aufgrund ihres exzessiven online-Verhaltens eher in eine virtuelle Scheinwelt sozial zurückziehen. Mal an einem Beispiel verdeutlicht: Wer lebt wohl zurückgezogener? Der Facebook-Verweigerer, der seine Kontakte im realen Leben pflegt oder der Facebook-Junkie, der in seinem Account 300 „Freunde“ hat, aber dafür nicht mal seinen Nachbarn kennt?
      Wobei das Problem ja nicht speziell auf Facebook begrenzt ist, sondern auf jegliches Online-Verhalten. Blogger, Chatter oder sonstige „User“ jeglicher Communitys und social Networks zählen auch dazu. Wieviele Menschen gibt es wohl, die wirklich nirgends online auftreten? Ich kenne ein paar, und mit denen Kontakt zu halten, wenn man weder Adresse noch Tel.Nummer hat, ist in der Tat schwierig. Aber denen irgendwelche Störungen zu diagnostizieren, würde doch zu weit gehen.

  3. Als jemand der richtig viel schlechte Erfarungen gemacht hat damit, dass meine Realdaten öffentlich wurden, würde ich mich NIE mit meinem wirklichen Namen bei Facebook an´melden. Ganz gleich was Leute meinen, ich mich verdächtig mache.
    Meine Privatsphäre ist mir nich nie so wichtig geworden, wie seitdem ich durch Fakes durch den Dreck gezogen wurde.

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