Homophobes Russland: Schwule und Lesben müssen zu Hause knutschen. Nicht aus Solidarität, sondern per Gesetz

Da wird in der antifeministischen Blogosphäre ein Artikel zerfetzt, in dem ein paar kritische Gedanken geäußert werden, dass öffentliches Knutschen/Zärtlichkeiten nur dann legitim ist, wenn es die bestehende Norm nicht verletzt. Sprich, wenn es heterosexuelle Paare tun. Und in Folge dessen geschlussfolgert wird, dass Heterosexuelle sich ihres Privilegs bewußt sein, oder zumindest anerkennen sollen, dass ihre Sexualität weit weniger (also eher gar nicht) kritisch bzw abwertend beäugt wird.

Dass aber das genaue Gegenteil in Russland gesetzlich verankert ist, darüber wird kaum ein Wort verloren, seitdem das Gesetz seit einigen Monaten in Kraft getreten ist.

Bereits Anfang des Jahres wurde in St. Petersburg ein Gesetz verabschiedet, das „Propaganda von Homosexualität“, also schon das Sprechen über Selbige in der Öffentlichkeit, unter Strafe stellt.

Es mutet schon wie ein schlechter Scherz an, dass gesetzlich verankerte Diskriminierung keine Beachtung findet, aber ein harmloser Hinweis auf diese wie im pawlowschen Beißreflex verrissen wird.

Sicher ist die Forderung „Küssen könnt ihr Heteros auch zu Hause“ nicht mehr als eine reißerische Polemik. Sie legt nur einen Finger in die Wunde. Nicht reißerisch polemisch gemeint ist die russische Gesetzgebung. Die ist leider ernst gemeint und hat zudem weitreichendere Folgen als ein harmloser Blogartikel.

18 Kommentare zu “Homophobes Russland: Schwule und Lesben müssen zu Hause knutschen. Nicht aus Solidarität, sondern per Gesetz

  1. Hi,

    woraus genau kann man ersehen, dass der Vorschlag (es ist explizit keine Forderung nach sancznys Worte) reißerisch polemisch statt ernst gemeint war?

    Grüße

    • Ich interpretiere es als nicht ernstgemeint, sondern als provokante Antwort auf bestehende Diskriminierung.
      Und selbst wenn ich es fehlinterpretiere, ist ein Blogartikel wirklich schlimmer als ein diskriminierendes Gesetz, dass sich an dem einen so hochgezogen wird, während das andere keine Beachtung findet?

    • Hi,

      erstmal danke für die Antwort.

      Nun, ich habe den Vorschlag ernstgemeint aufgefasst (und tue es noch) und ich
      glaube, ich bin damit nicht alleine. Zumindest die Kritik in den Kommentaren
      die nicht zum fremdschämen war und sich an dem Vorschlag selbst orientierten,
      macht auch nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass der Vorschlag ernst
      gemeint aufgefasst wurde.

      Natürlich ist so ein Artikel in keiner Weise schlimmer als dieses unsägliche
      Gesetz (und ja, die Situation in Russland ist furchtbar; und das nicht erst
      seitdem das Gesetz erlassen wurde). Aber findest du es nicht willkürlich Kritik
      an dem Artikel dadurch generell zu entwerten, dass es anderswo noch schlimmer
      Zustände gibt? Zumal der Artikel ja (soweit ich weiß) keine Reaktion auf das
      Gesetz war, sondern eine Reaktion auf die hiesigen Zustände.

      Ich lese bewusst keine antifmenistischen Sachen (ich halte die meisten Autoren
      aus diesem Umfeld offengesagt für unzurechnungsfähig oder zumindest mit
      irgendwas beseelt was sich im ICD-10 finden lässt), insofern kann ich nicht
      berurteilen, auf welche Art genau der Artikel dort zerfetzt wird.
      Nichtsdestotrotz: Ich habe auch so meine Probleme mit diesem ganzen Ansatz. Und
      meine Probleme damit sind immanent mit dem Vorschlag verbunden, d.h. sie
      bleiben bestehen, ganz egal ob es noch schlimmer Gesetze gibt oder nicht. Und
      ich denke es ist legitim Bedenken zu äußern, ggfs. auch Artikel zu zerreißen,
      wenn man dafür meint Gründe zu haben.

      Und ganz offen gesagt: Trägt man nicht seinen Teil dazu bei, wenn man die — ich
      hoffe das kommt jetzt nicht angreifend rüber — harten Themen außen vor lässt
      und stattdessen Vorschläge thematisiert, von denen ganz klar ist, dass sie eh
      niemals realisiert werden? Der Artikel thematisiert ja eben nicht die Situation
      in Russland oder ähnliches. Er schneidet sicherlich die Situation Homosexueller
      an, fokussiert sich letztendlich aber auf die Situation Heterosexueller. Und es
      ist völlig abzusehen, was dann eben auch diskutiert wird und was nicht. Ich
      denke, dass der Artikel eben auch seinen Teil dazu beiträgt, dass dem Thema in
      Russland (oder vergleichbaren Themen) weniger Beachtung geschenkt werden.

      Na ja, ist zumindest meine Meinung.

      Alles Gute.

    • erstmal danke für die Antwort.

      Bitte bitte.

      Aber findest du es nicht willkürlich Kritik
      an dem Artikel dadurch generell zu entwerten, dass es anderswo noch schlimmer
      Zustände gibt? Zumal der Artikel ja (soweit ich weiß) keine Reaktion auf das
      Gesetz war, sondern eine Reaktion auf die hiesigen Zustände.

      Die hiesigen Zustände basieren auch auf Diskriminierung, wenn auch nicht so gravierend wie in anderen Staaten.
      Ich habe noch nie, ich betone, NOCH NIE erlebt, dass sich ein in der Öffentlichkeit küssendes Hetero-Paar mit teils wirklich deftigen Anfeindungen ihrer Heterosexualität auseinandersetzen mußte. Insofern finde ich die Aussage, dass, wenn es keine Gleichberechtigung beim öffentlichen Küssen gibt, Heteros dann aus Solidarität drauf verzichten sollen, zumindest harmlos, wenn auch nicht realistisch (deswegen auch meine Vermutung, dass es nicht ganz ernst gemeint war). Wer küssen will, soll küssen, das steht für mich völlig außer Frage. Aber die Kritiker hängen sich daran auf und schreien „Daaa, tyyypisch Feministinnen! Sexfeindlich und neidisch auf das Glück anderer, also muß es verboten werden!“ Und das ist Unsinn im Quadrat.

      Und ganz offen gesagt: Trägt man nicht seinen Teil dazu bei, wenn man die — ich
      hoffe das kommt jetzt nicht angreifend rüber — harten Themen außen vor lässt
      und stattdessen Vorschläge thematisiert, von denen ganz klar ist, dass sie eh
      niemals realisiert werden?

      Man trägt zumindest dazu bei, dass das Thema beachtet wird. Das Problem der Nicht-Realisierbarkeit finde ich dabei nebensächlich. Es wird auf provozierende Weise auf ein Problem hingewiesen, und ich sehe es durchaus als ein „hartes Thema“, auch wenn es mich als Nicht-Homosexuelle nicht direkt betrifft. Aber ich sehe dennoch die Existenz des Problems. Ich möchte nicht in einer Situation leben, in der meine Sexualität feindselig als schädlich fokussiert und ausgegrenzt wird. (Und ich hoffe, nicht extra betonen zu müssen, dass ich mich natürlich nur auf einvernehmliche Sexualität beziehe…)

      Der Artikel thematisiert ja eben nicht die Situation
      in Russland oder ähnliches.

      Nein, das Thema Russland habe ich ja hier angeführt, um diese Absurdität darzustellen. Während sich hier auf ein Thema gestürzt wird, das im Alltag an jeder Realität vorbeigehen wird (wer wird sich hier das Küssen verbieten lassen?), ist genau dieses Thema andernorts bittere Realität geworden, nur eben genau … andersrum (nein, das Wortspiel war nicht beabsichtigt).

      Er schneidet sicherlich die Situation Homosexueller
      an, fokussiert sich letztendlich aber auf die Situation Heterosexueller.

      Finde ich legitim, um die Lebensrealitäten beider vergleichend heranzuziehen.

      Und es
      ist völlig abzusehen, was dann eben auch diskutiert wird und was nicht. Ich
      denke, dass der Artikel eben auch seinen Teil dazu beiträgt, dass dem Thema in
      Russland (oder vergleichbaren Themen) weniger Beachtung geschenkt werden.

      Deswegen ja mein Artikel hier. 🙂

      Alles Gute.

      Danke, ebenfalls.

  2. Pingback: Links (3) « sanczny

  3. „Sicher ist die Forderung “Küssen könnt ihr Heteros auch zu Hause” nicht mehr als eine reißerische Polemik.“

    Meinst du? Sie sagen ja extra, dass es solidarisch wäre, sich so zu verhalten.

    Im übrigen ist es recht müssig Blogs vorzuwerfen, dass sie einen solchen Artikel kritisieren, aber nicht die Lage in Russland (die natürlich ebenfalls idiotisch ist), wenn ein Blog ein bestimmtes Thema hat bespricht er nun einmal Themen eher, die in diesen Bereich fallen.

    Sowie du ja auch hier fast der Kritik darüber, dass bestimmte Blogs Feministinnen kritisieren mehr Raum eingeräumt hast als der Lage in Russland. Statt dessen hättest du ja auch das Gesetz mal untersuchen können und Gründe und Kräfte dahinter darlegen.
    Du benutzt das Leid der dortigen Homosexuellen aber schlicht für eine Abwertung anderer ohne dich tatsächlich damit auseinanderzusetzen. Hauptsache der Feminismus wird nicht kritisiert. In der Tat eine sehr moralische Position.

    • Du bist sicher einer der Letzten, von denen ich mir unsinnige Unterstellungen vorwerfen, noch mir sagen lassen muß, wie ich meinen Blog zu führen habe. Besonders was „Moral“ betrifft. Das ausgerechnet von dir ist kaum ernstzunehmen. Kehr vor deiner eigenen Tür, da hast du genug zu tun.

    • @Onyx

      Wer andere für ihre Blogführung kritisiert, der muss eben damit rechnen, dass da auch was zurückkommt.
      Aber ich sehe, dass du einen tiefen Hass gegen meine Positionen zu haben scheinst. Vielleicht solltest du auch einmal darüber nachdenken, inwiefern dieser deine objektive Wahrnehmung beeinträchtigt. Schließlich habe ich mich auf meinem Blog wiederholt gegen die Diskriminierung von Schwulen und ebenso für die Ehe von Homosexuellen ausgesprochen.

      Eine darüberhinausgehende Pflicht alle Diskriminierungen gegen Homosexuelle gleich zum Gegenstand eines eigenen Artikels zu machen bzw der Vorhalt das nicht zu tun, ist da aus meiner Sicht verfehlt.

    • Da du dich ja für völlig erhaben über jede Kritik zu halten scheinst (und die kommt ja nicht nur von mir, mehrere User haben sich ähnlich geäußert, aber auf dem Ohr bist du definitiv taub), warum bildest du dir ein, dass es mich dann interessiert, was du von meinem Blog denkst? Die Meinung von jemandem, dessen einziges Interesse hohe Zugriffszahlen sind, ist für mich wirklich nicht von Belang.
      Was du siehst, oder zu sehen meinst, und damit anderen unterstellst, hat mit Realität wenig zu tun, egal ob es sich um den üblichen Vorwurf der Sexfeindlichkeit oder jetzt auf einmal Hass handelt. Insofern solltest du vielleicht auch überlegen, ob dir deine selektive Brille nicht eher deine Objektivität vernebelt.
      Wer mit solchen Schwarz-weiß-Schubladen durchs Leben geht, wie du das tust, sollte sich mit solchen Vorwürfen etwas zurückhalten.

    • „Da du dich ja für völlig erhaben über jede Kritik zu halten scheinst (und die kommt ja nicht nur von mir, mehrere User haben sich ähnlich geäußert, aber auf dem Ohr bist du definitiv taub), warum bildest du dir ein, dass es mich dann interessiert, was du von meinem Blog denkst?“

      Eine Meinung zu haben und Argumente in eine bestimmte Richtung für überzeugender zu halten bedeutet nicht, sich über Kritik erhaben zu halten. Ich lade häufig genug zu Kritik ein.

      Es ging nicht darum, dass ich denke, dass es dich interessiert.

      Sondern darum, dass dein Artikel inhaltlich falsch ist. Denn eine Auseinandersetzung mit der Diskriminierung von Homosexuellen erfolgt eben, was deine Kritik entwertet, dass das Thema nur aufgegriffen wird, wenn man Feminismus kritisieren kann.
      Ich denke auch, dass du verkennst, dass ich weit weniger zu einem Schwarz-Weiß Denken neige als du. Aber darüber zu diskutieren hat wohl wenig Sinn.

    • Ich lade häufig genug zu Kritik ein.

      Die du entweder ignorierst, ablenkst oder für nichtig erklärst. Ja, total glaubwürdig.

      Sondern darum, dass dein Artikel inhaltlich falsch ist.

      Dann bringe deine Kritik auch inhaltlich vor und lass deine Unterstellungen und Belehrungen bleiben.

      Denn eine Auseinandersetzung mit der Diskriminierung von Homosexuellen erfolgt eben, was deine Kritik entwertet, dass das Thema nur aufgegriffen wird, wenn man Feminismus kritisieren kann.

      Du hast offenbar die Intention des Artikels nicht verstanden. Du unterstellst einfach, ich wollte nur andere abwerten. Wen werte ich denn ab, wenn ich es für absurd halte, sich an harmlosen Äußerungen zu echauffieren, während die tatsächliche Diskriminierung wesentlich gravierender ist?
      Dein Hauptaugenmerk liegt doch nicht bei der Diskriminierung von Homosexuellen. Bei dir geht es nur darum, Feminismus zu bashen. Wenn du es nicht selbst tust, legst du den Grundstein dazu und lässt zu, dass es andere tun.

      Ich denke auch, dass du verkennst, dass ich weit weniger zu einem Schwarz-Weiß Denken neige als du. Aber darüber zu diskutieren hat wohl wenig Sinn.

      Stimmt. Weil es Unsinn ist. Weil ich deinem „schwarz“ widerspreche, kann ich nur „weiß“ meinen. Schon klar.

  4. Hm Onyx, wie offen gehst du denn mit Kritik um?
    Zum Beispiel der Kritik, dass du hier – da muss wohl jeder Christian voll und ganz zustimmen – einen Zeitungsartikel über schwere Repressalien in Russland umgehend instrumentalisierst, um vermeintlich antifeministische Kritik delegitimieren und Vorwürfe konstruieren zu können.

    Dein Artikel befasst sich absolut Null mit der russischen Gesellschaft oder trägt irgendwas substanzielles bei, sondern ist nur ein dankbarer Aufhänger, um angebliche Doppelmoral aufzeigen zu können (weil sich, oh Wunder, feminismuskritische Blogs nicht mit Queerverfolgung in Russland befassen, was du bis zu den 3 Zeilen heute genausowenig gestan hast).

    An Zynismus ist das kaum noch zu überbieten. Du schaffst es aber dennoch, indem du Kritik an diesem Verhalten autoritär abkanzelst („jemand wie du hat mir auf meinem Blog gar nichts zu sagen“)

    Ein Armutszeugnis.

    • Dein Artikel befasst sich absolut Null mit der russischen Gesellschaft oder trägt irgendwas substanzielles bei, …

      Deine Meinung sei dir ungenommen.

      sondern ist nur ein dankbarer Aufhänger, um angebliche Doppelmoral aufzeigen zu können

      Da hast du wohl was falsch verstanden.

      weil sich, oh Wunder, feminismuskritische Blogs nicht mit Queerverfolgung in Russland befassen, …

      …sondern sich lieber an Nichtigkeiten aufhängen, die denen wiederum als dankbarer Aufhänger für Feminismuskritik dienen, ganz richtig. Das anzumerken, ist weder zynisch, noch geht es um Doppelmoral. Was genau wirfst du mir also vor? War mein Verbrechen, dem allgemeinen „Doofer Artikel, diese sexfeindlichen lesbischen Feministinnen spinnen doch“-Sermon zu widersprechen, indem ich gezeigt habe, wo tatsächliche Diskriminierung stattfindet? In der Tat, ganz schlimm.

    • Ein Strohmann auf Pennäler-Niveau, du hast rein gar nichts verstanden.
      Dein mangelndes Reflektionsvermögen ist einfach nur erschreckend.

    • Schon lustig, wie schnell sich Argumente in Beleidigungen verwandeln, wenn die Antworten nicht wie gewünscht erfolgen.

      Es steht dir frei, diesen Blog zu verlassen, wenn es dir hier zu erschreckend zugeht.

  5. Tja scheiss Sache: Aber in Deutschland sitzen auch genaug im Knast wegen einer „falschen“ Meinung.

    Hier muss Deutschland erstmal selbst vor der Türe kehren bevor es Länder wie Russland oder China Vorhaltungen machen darf.

    • Hier muss Deutschland erstmal selbst vor der Türe kehren bevor es Länder wie Russland oder China Vorhaltungen machen darf.

      Dass es in Deutschland ein Gesetz gibt, das Homosexuellen öffentliche Liebesbezeugungen verbietet, wäre mir neu. China ist hier gar nicht thematisiert und ich wüßte auch von keinem solchen Gesetz dort. Wenn du da andere Infos hast, bitte ich um Quellenangabe. Oder was meinst du?

    • Deutschland ist ja viel liberaler als andere Länder, wenn es um sowas kommt. Fahrt ihr mal nach Südeuropa und danach können wir darüber reden.

      Mein Mitbewohner ist heute nach Russland gefahren, mit Zug. Der will während der Fahrt sitzen und stricken (das ist sein neues Hobby) und machte schon Witze, dass er wegen öffentlichen Homosexuelle-Aktivität verhaftet sein könnte.
      Ja, ist traurig, dass es so ein Gesetz gibt.

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