Die Traumfrau eines jeden PU-Jüngers…

…mit Betonung auf „Traum“. Denn mit Realismus hat es recht wenig zu tun, was da wiedermal an Weisheiten auf dem Venusblog verbreitet wird.

Die Quintessenz des Artikels ist so vorhersehbar wie unwürdig. „Gib mir das Gefühl, jederzeit austauschbar zu sein und ich werde dich immer lieben.“

Besonders hinterhältig sind die Relativierungen, wo deutlich wird, dass dieses propagierte Verhalten einfach nur widerlich ist, und mit denen man sich hier wohl trotzdem vorsorglich unangreifbar machen will. Nur wenn das dann gleich mit dem berühmten folgenden ABER quasi wieder bedeutungslos wird, sieht man schnell, worum es geht. Woher kennt man diese Art der Argumentation? „Ich hab ja nichts gegen [beliebige Personengruppe], ABER…“, und es folgt ein Schwall an Begründungen, was man eigentlich doch gegen besagte Personen hat. So auch hier.

…Ich will hier bestimmt niemandem nahelegen, doch seiner Freundin einfach mal eine runterzuhauen, wenn sie nicht spurt – aber …

…und natürlich wollte ich es bewusst zu keinem Zeitpunkt, dass er mich anschreit, mir eine klare Grenze setzt oder mir gar eine runterhaut. Aber …

„Aber eben irgendwie doch“

… – ja, ich hätte geweint, hätte ihn beschimpft, hätte es ihm tagelang vorgehalten, dass er mich und meinen Kummer nicht ernst nimmt, dass er in einer Situation mit mir schlafen will, in der ich doch eigentlich nur Liebe und Zuneigung brauche usw, usf – aber …

„Aber ich weiß ja eh nicht, was ich will. Also muß man mir zeigen, was ich zu wollen habe.“

…Frauen wollen normalerweise einen verständnisvollen, liebevollen Mann an ihrer Seite, einen, der sie achtet und respektiert – sie wollen nicht wie Dreck behandelt werden, sondern sie wollen gut behandelt werden!
Aber …

„Aber eigentlich will ich ein Arschloch.“

Warum wird nicht das gesagt, was gemeint ist? Weil im Grunde klar ist, wie menschenverachtend, dumm und realitätsfern das alles ist. Da muß eben relativiert werden. Das macht das ganze PU-Geschwalle so verlogen.

Ich glaub ja immer noch, dass diese angebliche Autorin ein Autor ist, der sich da seine Traumfrau zusammenphantasiert. Sollte es nicht so sein, handelt es sich augenscheinlich um eine hochgradig devote Person, die kaum in der breiten Mehrheit anzusiedeln ist und die versucht, ihre Phantasien salonfähig zu machen.

Und selbst wenn wir mal diese Relativierungen ernst nehmen und davon ausgehen, dass nur erklärt wird, dass es für eine Beziehung förderlich ist, sich nicht jedes Verhalten bieten zu lassen und konsequent zu sein. Warum wird wieder so getan, als wäre es ein besonders pfiffiges – und natürlich ausschließlich männliches – Geheimrezept, seine Grenzen zu zeigen? Im Sinne einer funktionierenden Partnerschaft (wird ja eingangs behauptet, dass es auch darum geht) sollte doch die Selbstverständlichkeit ersichtlich sein, dass sich niemand alles gefallen lassen muß. Aber das scheint in PU-Kreisen für Frauen nicht zu gelten. Dann bist du wahrscheinlich eine LSDHLES-Frau oder sowas ähnliches, wovon man unbedingt die Finger lassen sollte. Frauenfeindlich? Ach wo, wie kommt man nur auf sowas…?

8 Kommentare zu “Die Traumfrau eines jeden PU-Jüngers…

  1. “Gib mir das Gefühl, jederzeit austauschbar zu sein und ich werde dich immer lieben.”
    Meine Quintessenz: Gib mir das Gefühl, austauschbar zu sein und ich bin weg. 😉 Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein steht jeder Frau gut. Nicht von ungefähr forderte Hedwig Dohm: „Mehr Stolz, ihr Frauen!“

    • Ein gewisses Maß an Unsicherheit an der Beziehung ist allerdings gesund. So wie ein Piekser Eifersucht manchmal wie das Salz in der Suppe ist. Das Bewußtsein, dass eine funktionierende Beziehung kein Selbstläufer ist, darf man nicht vergessen. Aber das gilt natürlich für Beide, und nicht, wie hier dargestellt nur für sie. Eine Beziehung, in der sich einer zu sicher ist und sich alles rausnehmen kann, und der andere permanent Angst vorm Verlassen werden haben muß, wenn er nicht pariert, ist keine.

      Ach ja, welcome back! 🙂

  2. Das problem ist dass Frauen keinen selbstwertgefühl besitzen.
    Viele Frauen glauben sie seien wertlos und sie hätten ein respektvolles miteinander nicht verdient.
    Wer Andorra von Max Frisch gelesen hat der weiß auch warum.

    schau dir das an: http://www (.) youtube (.) com/watch?v=9ePEDkEUwRI&feature=relmfu

    • Mangelndes Selbstbewußtsein ist sicher eine der Hauptursachen, und gleichzeitig auch Folge, wenn sich Frauen gegenüber ihrem Partner weniger wert fühlen (bzw es glauben, wenn es ihnen vermittelt wird) und sich deshalb Dinge gefallen lassen, die eigentlich indiskutabel sind. Aus diesem Teufelskreis, der ja oft schon von klein auf beginnt, rauszukommen, ist ein schwieriger, oft jahrelanger Lernprozess. Aber einer, der sich lohnt.

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