Künstlerinnen von Pussy Riot verurteilt

Sehr gerne!

“Pussy Riot macht oppositionelle Kunst oder politische Aktionen mit künstlerischen Mitteln. Jede Aktion ist eine Form zivilen Handelns unter Bedingungen, in denen Menschenrechte, bürgerliche und politische Freiheit vom Staat unterdrückt werden.“ (aus: Die Kritik der Feministinnen an Putin löste eine Hetzjagd gegen Künstlerinnen aus.)

Kurz vor den russischen Präsidentschaftswahlen hatten die feministischen Aktivist_innen von Pussy Riot in der Moskauer Erlöserkirche ein “Punk-Gebet” mit unmissverständlicher Botschaft abgehalten: “Jungfrau Maria, vertreibe Putin”. Die Orthodoxe Kirche, gleichgeschaltene Medien, rechtsextreme Gruppen und religiöse Fundamentalist_innen stilisierten die Aktion rasch zu einem Generalangriff auf die russische Nation.

“Der Teufel hat uns ausgelacht. Die Nation hat (…) keine Zukunft, wenn wir das an heiligen Stätten erlauben (…), wenn wir das als politischen Protest ansehen.” (Kyrill I., Patriarch von Moskau und ganz Russland)

“So etwas darf sich nicht wiederholen” (Präsident Putin)

Nach solch klaren Vorgaben wurden auf die Schnelle drei Pussy-Riot-Aktivist_innen festgenommen und monatelang gefangengehalten. Die Staatsanwaltschaft musste nicht weniger als drei Gutachten bestellen, ehe sie Handhabe für ein Strafverfahren gegen Pussy Riot (er)finden konnte: eine Kirchenregel aus dem 7. Jahrhundert, die Tanz in Kirchen verbietet, diente als Anlass für ein Anklage nach Artikel 213/2: “Besonders schwerwiegende Störung der öffentlichen Ordnung, organisiert als Gruppe, Aufhetzen gegen religiöse Lehren”.
Die wahren Ursachen für die harte Vorgehensweise gegen die Aktivist_innen sind andere: Die Kritik von Pussy Riot richtet sich an Kirche und Nationalismus, sie ist explizit feministisch, antisexistisch und tritt gegen Homophobie und Rassismus auf. Pussy Riot sind unbequem, ihre Auftritte provokant. Sie sind Gegner_innen des menschenverachtenden, nationalistischen Mainstreams in Russland – und damit natürlich auch derer Vertreter_innen wie Präsident Putin.
Also muss an ihnen ein Exempel statuiert werden: Sie sitzen in Haft, um allen aktuellen und potentiellen Kritiker_innen in Russland ein klare Nachricht zu senden: So ergeht es euch, wenn ihr den Präsidenten kritisiert, wenn ihr anders seid, wenn ihr sagt, was ihr denkt!
Free Pussy Riot! Now!
Weitere Informationen unter freepussyriot.org und raw.at

Quelle

Und noch ein paar Stimmen zur Verurteilung

10 Kommentare zu “Künstlerinnen von Pussy Riot verurteilt

  1. Hier ein guter Artikel des Philosophen Slavoj Žižek zum Thema:

    http://chtodelat.wordpress.com/2012/08/07/the-true-blasphemy-slavoj-zizek-on-pussy-riot/

    Da er nicht allzu lang ist, kopiere ich ihn mal hier rein:

    “The True Blasphemy”: Slavoj Žižek on Pussy Riot

    The True Blasphemy

    Pussy Riot members accused of blasphemy and hatred of religion? The answer is easy: the true blasphemy is the state accusation itself, formulating as a crime of religious hatred something which was clearly a political act of protest against the ruling clique. Recall Brecht’s old quip from his Beggars’ Opera: “What is the robbing of a bank compared to the founding of a new bank?” In 2008, Wall Street gave us the new version: what is the stealing of a couple of thousand of dollars, for which one goes to prison, compared to financial speculations that deprive tens of millions of their homes and savings, and are then rewarded by state help of sublime grandeur? Now, we got another version from Russia, from the power of the state: What is a modest Pussy Riot obscene provocation in a church compared to the accusation against Pussy Riot, this gigantic obscene provocation of the state apparatus which mocks any notion of decent law and order?

    Was the act of Pussy Riot cynical? There are two kinds of cynicism: the bitter cynicism of the oppressed which unmasks the hypocrisy of those in power, and the cynicism of the oppressors themselves who openly violate their own proclaimed principles. The cynicism of Pussy Riot is of the first kind, while the cynicism of those in power — why not call their authoritarian brutality a Prick Riot — is of the much more ominous second kind.

    Back in 1905, Leon Trotsky characterized tsarist Russia as “a vicious combination of the Asian knout and the European stock market.” Does this designation not hold more and more also for the Russia of today? Does it not announce the rise of the new phase of capitalism, capitalism with Asian values (which, of course, has nothing to do with Asia and everything to do with the anti-democratic tendencies in today’s global capitalism). If we understand cynicism as ruthless pragmatism of power which secretly laughs at its own principles, then Pussy Riot are anti-cynicism embodied. Their message is: IDEAS MATTER. They are conceptual artists in the noblest sense of the word: artists who embody an Idea. This is why they wear balaclavas: masks of de-individualization, of liberating anonymity. The message of their balaclavas is that it doesn’t matter which of them got arrested — they’re not individuals, they’re an Idea. And this is why they are such a threat: it is easy to imprison individuals, but try to imprison an Idea!

    The panic of those in power — displayed by their ridiculously excessive brutal reaction — is thus fully justified. The more brutally they act, the more important symbol Pussy Riot will become. Already now the result of the oppressive measures is that Pussy Riot are a household name literally all around the world.

    It is the sacred duty of all of us to prevent that the courageous individuals who compose Pussy Riot will not pay in their flesh the price for their becoming a global symbol.

    Slavoj Žižek

  2. Ich habe die Petition unterschrieben.

    Möchtest Du Dich nicht auch beteiligen, Tino?

    Hattest Du nicht einmal erwähnt, dass Du Homophobie ablehnst oder habe ich Dich da mißverstanden?

    Pussy Riot engagieren sich auch gegen Homophobie in Russland, die dort leider weit verbreitet ist und von Staat und russisch-orthodoxer Kirche gefördert wird:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/polizisten-in-st-petersburg-nehmen-schwule-demonstranten-fest-a-826173.html

    Also wäre da ja schonmal eine gemeinsame Grundlage zwischen Dir und den mutigen Aktivistinnen und Künstlerinnen dieser großartigen Punk-Band, oder?

    • Tino hat viel erwähnt, was er angeblich alles ablehnt oder befürwortet. Bei konkreterem Nachfragen bleiben allerdings erfahrungsgemäß nur Widersprüche oder gleich das Schweigen im Walde übrig. Ich würde also auch hier keine Antwort oder Diskussionswille erwarten. Er lässt sich lieber in Ergüssen aus, die im öffentlichen Kommentarbereich nichts zu suchen haben.

      Neues zum Thema:
      Stern.de:

      Weltweite Solidarität mit „Pussy Riot“

      Noch Stunden, nachdem drei junge Musikerinnen der russischen Punk Band Pussy Riot von einem Moskauer Gericht am Freitagabend zu zwei Jahren Haft verurteilt worden waren, protestierten Hunderte Unterstützer der Frauen vor dem Gerichtsgebäude.
      Die Polizei nahm Dutzende der Demonstranten fest – unter den Buhrufen der Augenzeugen. Einigen der Pussy-Riot-Unterstützer gelang es, ein staats- und kirchenkritisches Transparent anzubringen. Der Vater einer der verurteilten Musikerinnen äußerte sich fassungslos über das Urteil: „Ich bin sehr aufgewühlt und am Boden zerstört über so ein grausames Urteil. Ich hätte damit rechnen müssen, aber ich hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Es ist furchtbar“ Die Musikerinnen waren verurteilt worden, weil sie mit einem sogenannten Punkgebet in der Moskauer-Christ-Erlöser Kirche ihre Wut gegen den jetzigen russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck gebracht hatten. Nicht alle Moskauer sind mit dem Urteil für die drei Frauen unzufrieden: „Ich fand die Aktion schlecht, sie haben das Urteil verdient. Das Gericht musste sich so verhalten, ich denke das geht in Ordnung“ „Ich denke, dass die Aktion eine Beleidigung für alle Christen war. Das war eine politische Aktion, das hätten sie neben der Duma oder auf dem Roten Platz machen müssen. Aber so war es eine Beleidung für alle Christen.“ In vielen anderen Ländern führte der Pussy-Riot-Prozess zu einer Welle der Solidarität. So wie hier in Lodon versammelten sich Sympathisanten der Punk-Musikerinnen vor der russischen Botschaft, um gegen das Urteil zu protestieren. Es sei eine Schande und ein Schlag ins Gesicht der freien Demokratie und der Meinungsfreiheit, hieß es.

      Putin ignoriert weltweite Kritik:

      Kein Einsehen in Moskau

      Russland weist Kritik an Urteil mit Verweis auf westliche Gesetzgebung zurück – Aktivistinnen wollen kein Gnadengesuch einreichen, sondern in Berufung gehen
      Moskau – Russland hat die scharfe weltweite Kritik an dem Urteil gegen drei Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot indirekt zurückgewiesen und im Gegenzug auf Gesetze im Westen verwiesen. In Deutschland drohten für die Beleidigung religiöser Gefühle laut Gesetz bis zu drei Jahre Haft, sagte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch auf eine im Internet veröffentlichte Frage der Staatsagentur Ria Nowosti. Eine offizielle Moskauer Stellungnahme zu der internationalen Kritik gab es bisher nicht.

      Zum Teufel mit der Gnade

      Einer der Verteidiger der Verurteilten, Nikolai Polosow, ließ am Montag wissen, dass die Frauen kein Gnadengesuch bei Präsident Wladimir Putin einreichen wollten. „Mit dieser Gnade sollen sie zum Teufel fahren“, hätten die Frauen auf eine entsprechende Nachfrage ihrer Anwälte geantwortet, so Polosow. Er bekräftigte jedoch, gegen die Urteile in Berufung gehen zu wollen.

      Strafreduzierung möglich

      Dennoch besteht nach der internationalen Empörung über die Verurteilung der drei Mitglieder der Kreml-kritischen Punkband Aussicht auf eine Abmilderung der Strafe. Russische Medien und BeobachterInnen äußerten am Samstag die Erwartung, dass die Strafe von jeweils zwei Jahren Lagerhaft für die drei Frauen in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte. Nach der Berufung durch die VerteidigerInnen werde das zuständige Moskauer Gericht vermutlich die zwei Jahre Lagerhaft in ein Jahr verwandeln und „diese Idiotinnen freilassen, damit sie ihre Kinder und Angehörigen wiedersehen können“, schrieb die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ am Samstag.

      Auch Denis Dwornikow von der zivilen Kammer, in der BürgerInnen und Nichtregierungsorganisationen russische Behörden beraten, sagte eine Abmilderung der Strafen voraus. Vermutlich würden die Verurteilten schon einen Monat nach dem Berufungsprozess in die Freiheit entlassen, sagte Dwornikow der Nachrichtenagentur Interfax.

      Kein Kommentar von Putin

      Präsident Wladimir Putin hat sich bisher nicht zu der Gerichtsentscheidung geäußert. Putin habe nicht das Recht, dem Gericht seine Meinung aufzuzwingen, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow der Webseite PublicPost.ru.

      Im Ausland war die Verurteilung der drei Frauen scharf kritisiert worden. Das Gericht hatte die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa, die 24-jährige Maria Alechina und die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch am Freitag wegen „Rowdytums“ aus religiösem Hass schuldig erklärt und zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie hatten in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Februar ein „Punkgebet“ gegen Putin aufgeführt.

      RussInnen laut Umfrage mit Urteil nicht einverstanden

      Auch bei vielen RussInnen stieß das Urteil auf Unverständnis: 77 Prozent zeigten sich „nicht einverstanden“ mit der Strafe, wie aus einer Telefonumfrage für Moskauer Echo hervorging. Die mit Putin verbundene russisch-orthodoxe Kirche forderte nach dem Urteil „Milde“ für die drei Frauen.

      Festgenommene Protestierende wieder frei

      Der bei einer Protestkundgebung für Pussy Riot in Moskau am Freitag festgenommene frühere Schachweltmeister und Oppositionspolitiker Garri Kasparow kam am Samstag zusammen mit etwa 50 weiteren DemonstrantInnen frei. Bisher sei keine Anklage gegen ihn erhoben worden, sagte einer seiner Mitstreiter, Alexander Riklin. Kasparow müsse aber am Montag wieder auf der Polizeiwache zum Verhör erscheinen.

      Laut Interfax wird dem Oppositionellen vorgeworfen, einem Polizisten ins Ohr gebissen zu haben. Kasparow wies den Vorwurf zurück und erklärte, er sei in der Untersuchungshaft geschlagen worden.

      Nawalny fordert internationale Sanktionen

      Der Regierungskritiker Alexej Nawalny forderte im Magazin „Der Spiegel“ internationale Sanktionen „gegen das korrupte Umfeld“ Putins. Der Präsident könne nicht über Wahlen bekämpft werden, weil Putin diese kontrolliere. (APA, 19.8.2012)

    • Ich hatte wiedermal Recht. Alles was von Spamtino noch reingeflattert ist, ist nur das übliche Getrolle, Hetze, Rassismus und einfach dummes Gerede. Auch in anderen Strängen. Es lohnt einfach nicht.
      Hey, vielleicht sollte ich auch eine neue Unterkategorie einrichten, wo ich die dümmsten Hetz- und Hasskommentare zeige. Da könnten sich alle ein Bild von der ach so typischen antifeministischen Sachlichkeit machen.

  3. Ich fand auch den folgenden Zeit-Artikel ganz interessant. Er beleuchtet etwas die politischen Hintergründe in Russland, insbesondere die ideologischen Zielsetzungen und personellen Machtallianzen, die offenbar hinter dem Prozess gegen Pussy Riot stehen:

    http://www.zeit.de/2012/34/Putin-Orthodoxe-Kirche/komplettansicht

    Wladimir Putin und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. verfolgen laut dem Artikel gemeinsam das Ziel eines nationalistischen, autoritären, erzkonservativen Russlands. Dabei ist eine enge Verflechtung zwischen Staat und Kirche entstanden.

    Wie es bei zentralen Mitgliedern der herrschenden Klasse die Regel ist, wirtschaften Putin und Kyrill dabei auch recht massiv in die eigene Tasche.

    Zitat aus dem Artikel:

    „Es ist das Glück, manchmal auch das Unglück einer Freundschaft, dass sich die Freunde immer ähnlicher werden. Russische Blogger haben 27 Villen und Luxusapartments im Besitz des Präsidenten gezählt, von Südrussland bis St. Tropez. Auch der Patriarch besitzt nicht nur einen Maybach, sondern für einen Mönch recht viele Residenzen. Vor allem nennt er eine luxuriöse Penthousewohnung gegenüber dem Kreml sein Eigen. Sein Vermögen soll sich auf vier Milliarden Dollar belaufen. Das Geld verdiente er in den neunziger Jahren, als er im Namen der orthodoxen Kirche mit Zigaretten und Öl handelte. Die Zigaretten wurden als »humanitäre Hilfe« deklariert und waren deshalb vom Zoll befreit. Kyrill trägt deswegen auch den verächtlichen Spitznamen »Tabak-Patriarch« – Putins Partei Einiges Russland hat der Blogger Alexej Nawalny »Partei der Gauner und Diebe« getauft; der Name hat sich durchgesetzt.“

    Ihre Beliebtheit in der Bevölkerung sinkt allerdings.

    Zitat aus dem Artikel:

    „Während Putin und Kyrill ihre neue Ideologie für Russland errichten, scheinen sie nicht zu bemerken, dass es um sie herum immer einsamer wird. Putins Anhängerschaft schrumpft, Kyrills Priester klagen über weniger Besucher in den Gottesdiensten. In Russland bekennen sich zwar drei Viertel der Menschen zum russisch-orthodoxen Glauben, aber selbst staatliche Meinungsforschungsinstitute schätzen, dass nur noch zehn Prozent in die Kirche gehen. Auch Putin hat nur noch Zustimmungsraten von knapp 50 Prozent, in Moskau sind es laut dem unabhängigen Lewada-Institut gar nur 34 Prozent.“

  4. Ich fand mal auch wieder ein bisschen übertrieben, ehrlich gesagt, die Reaktion von den westlichen Media. Was wäre passiert, wenn einige Aktivisten sowas änliches hier in Deutschland veranstaltet hätten? Oder noch schlimmer, in Amerika? Wären sie leichter davon abgekommen? Kann ich mir nicht vorstellen. Aber Russland ist der Teufel… Müssen Pussy Riot ins Gefängnis? Nein. Aber laß uns erst schauen, was bei uns abgeht und danach die anderen Länder verurteilen.

    • Was wäre passiert, wenn einige Aktivisten sowas änliches hier in Deutschland veranstaltet hätten?

      Gab es doch. In Köln.


      Lautstarke „Free Pussy Riot“-Rufe, ein paar Flugblätter und die bunten Strickmützen, Symbol der russischen Opposition – das alles kann drei junge Polit-Aktivisten nun teuer zu stehen kommen. Denn sie haben sich für ihren Protest zur Unterstützung der verurteilten russischen Pussy-Riot-Musikerinnen offenbar zu stark am Vorbild der Punkerinnen orientiert – und einen Gottesdienst im Kölner Dom gestürmt.

      Die katholische Kirche hat deshalb nun Strafanzeige gegen die beiden 23 und 25 Jahre alten Männer und die 20-jährige Frau erstattet. „Die Ruhe im Kölner Dom wurde gestört – das können und wollen wir nicht hinnehmen“, begründet der Kölner Domdechant Robert Kleine das juristische Vorgehen gegen die Protestler. „Das Recht auf Demonstrationsfreiheit darf nicht über das Recht auf Religionsfreiheit und die religiösen Gefühle der Gottesdienstfeiernden gestellt werden.“

      Die drei könnten nun wegen Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung belangt werden. Letzteres kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden. In einem ähnlichen Fall war ein Berliner 2006 zu neun Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er zwei Jahre zuvor den zentralen Festgottesdienst zum Tag der deutschen Einheit durch laute Schreie gestört und mit Flugblättern um sich geworfen hatte.

      Aktion dauert nur Minuten

      Die drei Pussy-Riot-Unterstützer hatten am vergangenen Sonntag, zwei Tage nach dem Lagerhaft-Urteil gegen die Musikerinnen, nach der Predigt von Weihbischof Heiner Koch den Dom gestürmt, lautstark „Free Pussy Riot“ gerufen und Flugblätter verteilt. Einige trugen Strick-Sturmhauben, das Symbol der russischen Band, dazu ein Transparent mit der Aufschrift „Free Pussy Riot and all prisoners“. Die Aktion dauert kaum länger als eine Minute, dann wurden die drei von Domschweizern aus der Kirche geleitet beziehungsweise getragen. Koch kündigte danach an, die Anliegen der Demonstranten und der Menschen in Russland mit in das Gebet aufzunehmen.

      Die Aktion erinnert an die Aktion der russischen Musikerinnen. Die Mitglieder der Band Pussy Riot hatten im Februar ihr Punkgebet gegen Wladimir Putin während eines Gottesdienstes in einer russisch-orthodoxen Kirche in Moskau vorgetragen. Dafür wurden drei von ihnen vergangene Woche zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Gegen die übrigen wird noch ermittelt. Der Umgang der russischen Justiz mit den oppositionellen Künstlerinnen hat weltweit scharfe Proteste ausgelöst. Auch in Deutschland gab es zahlreiche Solidarisierungs-Kundgebungen und -Aktionen.

      Die Kölner Demonstranten allerdings hat möglicherweise erst der Domherr persönlich auf die Idee gebracht, das Gotteshaus zu stürmen. Domprobst Norbert Feldhoff hatte bereits Anfang August in einem Interview den Prozess in Moskau mit den Worten verteidigt, eine schrille Protestaktion wie die von Pussy Riot in Russland hätte auch im Kölner Dom Konsequenzen. Dann würden sofort die Domschweizer eingreifen, sagte Feldhoff damals der Nachrichtenagentur dpa. „Die Würde des Doms zwingt uns, dagegen vorzugehen.“ Das tut er nun.

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