Jetzt wird zurückkommentiert… feministischer Kommentarsturm statt Shitstorm

Khaos.Kind hat eine sehr gute Idee ins Leben gerufen:

Wieder einmal das alte Muster.
Ein Mensch schreibt über Feminismus. Oder Frauen*. Oder Männer*. Oder über irgendwas, das mit Geschlecht oder Geschlechterverhältnissen zu tun hat.
Schon fallen sie ein.
Die(se) nicht immer unbekannten Persönlichkeiten. Mit dem nicht selten bekannten, beinahe als typisch zu bezeichnenden „Anmerkungen“, „Beiträgen“, „Fragen“, „Argumenten“. Die genau deshalb in Anführungszeichen stehen, weil es allzu oft eher Stellungnahmen als Anmerkungen, mehr Forderungen als Beiträge, mehr rhetorische als offene Fragen, mehr populärwissenschaftliches Geblubber als wirklich Argumente sind.
Es ist kein sachliches Anfangen und sich evtl. hinein steigern. Es ist kein Missverständnis. Es ist nicht ausdiskutierbar. Und vor allem ist es eins nicht: Zufall.

Die meisten dieser „Kommentator*innen“ wollen sich weder austauschen, noch informieren oder gar etwas diskutieren. Sie haben bereits eine feste Meinung, die sie lediglich verbreiten wollen. Diese Meinung, die mit google-Algorithmus gedacht, umso wahrer scheint, wie sie an Häufigkeit der Nennung zunimmt. Es sind Menschen, die sich hin und wieder absprechen, welchen Blog, welchen Online-Artikel, welche Person sie als nächstes überfallen. Wie viele es genau sind, weiß keine*r. Zu ähnlich und mit Copy&Paste vervielfältigt wirken die Sätze. Aber es ist ja auch egal, ob es nur eine Hand voll Leute ist.

Was mich stört und was mir bei diesem Beispiel mal wieder extrem aufgestoßen ist: sie nehmen Raum ein. Viel Raum. Wortwörtlich. Selbst wenn sie wissen, dass sie nicht freigeschaltet werden, so versuchen sie es doch immer wieder. Wenn sie doch mal einen Blog finden, auf dem sie frei geschaltet werden, so ist der gleich mal voller mehr oder minder aggressiver Worte, die ein Klima erzeugen, das konstruktive Meinungen daran hindert, hervor gebracht zu werden, manchmal gar erst zu entstehen. Wenn ich da an mich denke, was ich alles durch gute Diskussionskulturen gelernt habe… ich vermag mir nicht auszudenken, was durch derartig feindlich-ignorant gesonnene Menschen an Potential verhindert wird.

Ein Weg damit umzugehen, ist eine strikte Kommentarmoderation. Das schafft zumindest nach außen hin eine möglichst offene Atmosphäre.
Für die trotzdem auftauchenden Grenzverletzungen gibt es tolle Projekte wie z.B. hatr.org

Mir schwebt allerdings etwas anderes vor. Mir reicht es nämlich!
Erobern wir uns den virtuellen Raum zurück!
Bekämpfen wir diese negativen Kommentar-Shitstorms mit den eigenen Mitteln! Scheißen wir zurück!

Dies ist ein Wunsch, ein Versuch, ein Aufruf an alle feministischen, profeministischen und tollen Wesen da draußen:
Zeigt Solidarität!
Liked jeden Post/Beitrag/Text, der euch gefällt! Teilt ihn mit euren Netzwerken!
Aber vor allem:
Kommentiert!
Sagt, dass es euch gefällt. Sagt, was genau und warum. Fragt ehrlich nach. Bestätigt andere Kommentator*innen, wenn sie in Worte fassen, wofür euch Zeit und Nerven und Vokabular fehlen. Kommentiert an denen vorbei, die eine Entgleisung der Diskussion anstreben und schafft positive, offene Stränge, die zum Mitmachen einladen!

Ob Aktionen gemeinsam geplant oder spontane „Einzelreaktion“: zeigt mit euren Worten anderen, die vielleicht (noch) nicht in euch bekannten Netzwerken sind, dass ihr hinter ihnen steht.
Zeigt anderen, dass sie wichtige Themen ansprechen.
Zeigt ihnen, dass es viel mehr Raum für Gleichberechtigung und Feminismus, für Solidarität gibt als sie vielleicht wussten. (falls sie es wussten – so eine Bestätigung ist sicher auch nicht schlecht)

Keinen Kommentar breit den Reaktionären & Ignoranten!
Keinen Kommentar breit den Antifeminist*innen!
Keinen Kommentar breit denen, die glauben, Gleichberechtigung gäbe es bereits in ausreichendem Maße!

Es ist hier alles gesagt, so dass ich das nicht weiter ausführen möchte. Nur soviel:

Auf eigenen Blogs aufräumen und den Shitstormern keine Chance geben, Spamer und Trolle auszusortieren, ist das klare Recht jedes Blogbetreibers und bedarf keiner Rechtfertigung.

Mir ist das Problem dabei auch durchaus bewußt, dass man als Mensch, der auch ein offline-Leben führt, nicht immer willens und in der Lage ist, permanent eigene Artikel zu schreiben oder nach Artikeln zu suchen und dort zu kommentieren. Aber auch ein Retweet oder eine simple Verlinkung kosten nicht viel Zeit und bringen viel.

3 Kommentare zu “Jetzt wird zurückkommentiert… feministischer Kommentarsturm statt Shitstorm

  1. Äh.. Kann sein, dass ich da überinterpretiere, aber ist das ein Hitler-Wortspiel im Titel? :/

    Ansonsten ein schöner Aufruf! Das einzige, wo ich nicht komplett zustimmen kann, ist der Teil „Kommentiert an denen vorbei, die eine Entgleisung der Diskussion anstreben“. Das hört sich stark nach Don’t feed the trolls an, woran es ja in letzter Zeit gute Kritiken gab. Ich seh das so: Entweder die werden schnell gelöscht (oder am besten gar nicht erst freigeschaltet), oder ich scheiß die an. Oder, und das ist auch keine seltene Reaktion, ich halt mich gleich ganz aus der Kommentarspalte raus, wenn ich das Gefühl hab, dass grad ich nich auf sowas klarkomme. Das gilt leider auch für diesen Blog hier. In diesem Sinne WORD für deinen zweitletzten Absatz! 🙂

    • Zur ersten Frage, das überinterpretierst du.

      Ansonsten, es ist immer eine individuelle Überzeugungsfrage, wie man mit Getrolle umgeht. Die einen sind fest davon überzeugt, dass man öffentlich zeigen soll, was andere so von sich geben, schalten die Kommentare frei und argumentieren dagegen. Andere sind sich sicher, dass das vergeudete Energie ist und sperren sie konsequent aus, um ihnen keinen Raum zu geben. All diese Vorgehensweisen haben ihre Berechtigung.
      Was meinst du damit, was für diesen Blog hier gilt? Ich versuche, Trolle möglichst aus den Diskussionen rauszudrängen. Aber nicht jede andere Meinung ist gleich Getrolle. Was genau hält dich also vom kommentieren ab?

  2. @samia
    Mit Trollen zu diskutieren, sie also „anzuscheißen“, ist doch gräßlich… Zu Anfangs denkt man sich noch: „Ja, das kann was werden, den/die überzeug‘ ich noch“; aber nach zehn Minuten erträgt man sowas doch nicht mehr… Insbesondere weil Trolle doch genau das wollen: Reaktion; egal wie clever, egal wie lang. Entweder man trollt zurück oder man löscht/ignoriert es. Für umfangreiche Konter ist eigentlich die Zeit zu schade.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s