Nur Nein sagen reicht nicht

Was zum Geier ist an einem Nein so undeutlich oder interpretierbar, fragt auch Nele. Muß man als Frau wirklich erst selbst gewalttätig werden und damit eventuell sogar in Kauf nehmen, dass der Mann, der sich an einem vergehen will, richtig wütend wird? Was hat ein 15jähriges Mädchen für eine Chance gegen einen erwachsenen Mann, der als „äußerst gewaltbereit“ gilt?

Eigentlich wollte ich das lediglich als Hinweis in der laufenden Diskussion posten. Aber ich denke mittlerweile, dass man manche Skandale nicht oft genug deutlich betonen und öffentlich brandmarken kann. So wie dieser erneute Fall eines freigesprochenen Vergewaltigers. Diesmal war der Grund nicht sein zugedröhnter Kopf, sondern diesmal war – Überraschung! – das Mädchen selbst schuld, weil es sich nicht heftig genug gewehrt, sondern nur Nein gesagt hat, und „er deswegen ja nicht wissen konnte, dass sie das nicht will“. Äh, hallo…?!
(Gibts eigentlich schon ein Vergewaltigungsmythen-Bingo?)

MARL. Dieses Urteil ist eine Überraschung, die Begründung ein Schock: Vor dem Landgericht Essen wurde am Montag ein Mann (31) aus Marl vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen – weil sein Opfer (15) sich nicht genügend gewehrt hat.

„Wenn man etwas nicht will, muss man das deutlicher machen. Er wusste ja nicht, dass sie das gar nicht wollte“, sagte die Richterin. Auch die Staatsanwältin hatte auf Freispruch plädiert, nachdem sie zuvor noch die Anklage mit ungeheuerlichen Details vorgelesen hatte.

Der 31-Jährige soll im Juli 2009 in seiner Wohnung in der Heinrich-Heine-Straße nach einem durchzechten Abend ein damals 15-jähriges Mädchen zum Sex gezwungen haben. Um dabei seine Ruhe zu haben, schickte er vorher seine Lebensgefährtin und eine Freundin aus der Wohnung. Die Frauen, die dem alkohol- und drogenabhängigen Mann offenbar hörig waren, verließen die Wohnung ohne Widerspruch. Was dann geschah, ist unbestritten: Es kam zum Sex zwischen dem kräftigen Mann und dem Mädchen. Die Schülerin soll gesagt haben „Nein, ich will das nicht“, doch er habe einfach weitergemacht.

Während der Angeklagte zu den Vorwürfen schwieg, sagte das Mädchen gestern, es habe alles über sich ergehen lassen. Immerhin gilt der Mann als äußerst gewaltbereit. Er sitzt derzeit eine Haftstrafe von über drei Jahren ab, weil er unter anderem eine Bekannte im Streit verprügelt hatte.

Doch dem Gericht reichten die Angaben des Mädchens nicht. „Es war nicht in einer schutzlosen Lage. Es hätte weglaufen oder Hilfe rufen können, aber es hat alles über sich ergehen lassen. Das reicht nicht, um jemanden zu bestrafen“, betonte die Richterin.

Der Anwalt des Mädchens, Dirk Brockpähler aus Castrop-Rauxel, sagte nach dem Urteil: „Man kann jeder Frau nur einen Rat geben: Im Zweifel musst du kratzen.“

Ich fasse mal zusammen. Für die Prügel an einer Bekannten sitzt er >3 Jahre, also was das Gewaltpotential angeht, eindeutig kein unbeschriebenes Blatt. Aber Vergewaltigung einer Minderjährigen bleibt ungestraft, weil sie sich nicht getraut hat, dem drogenabhängigen gewaltbereiten vorbestraften Schläger deutlicher paroli zu geben. Ja, das ist überzeugend…

Also sollen sich Frauen bis an die Zähne mit Schlagring, Pfefferspray und Stahlkappen in den Schuhen bewaffnen, wenn das die einzige Sprache ist, die Vergewaltiger und Justiz verstehen? Dass das alles vielleicht nichts nützt, wenn man in so einer Situation körperlich unterlegen, eingeschüchtert und/oder vor Angst wie gelähmt ist, lassen wir hier mal großzügig außen vor…

52 Kommentare zu “Nur Nein sagen reicht nicht

  1. „Das ist wie Sex mit Mike Tyson. Du kannst schreien und um dich schlagen, aber es wird passieren. Es wird passieren…“
    (Family Guy)

    Ein Empfinden für „Angst“ scheint bei vielen Menschen nicht vorhanden zu sein. Schön für sie! Aber wenn man wirklich so wenig Empathie hat, sich nicht vorstellen zu können, wie sich ein 15jähriges Mädchen fühlt, wenn ein massiger Mann, der doppelt so alt ist wie das Mädchen, es in seiner verlassenen Wohnung bedrängt…!
    Ich hatte das Thema mal mit einem Juristen. Der bestätigte mir meinen Verdacht: Psychologie ist ein verschwindend geringer Bestandteil des Jura-Studiums und eigentlich nur wichtig, falls man mal auf unzurechnungsfähig plädieren will. Es wird sich also darauf verlassen, dass jeder Richter schon von sich aus genau weiß, was eine bedrohliche Situation, was Nötigung, was Gewalt ist. Nur, wenn dieser Richter ein Gefühlsleben wie ein Backstein hat oder in seinem privilegierten Leben noch nie in eine Situation gekommen ist, die auch nur ein Hundertstel so scheiße ist wie eine Vergewaltigung?!

    Ich sags immer wieder: Verpflichtender Psychologieunterricht. Flächendeckend für alle deutschen Schulen. Anders kann man diesen Müll nicht ausmerzen. Und selbst damit wirds schwierig. Aber das wäre immerhin ein durchführbarer Anfang.

  2. Einfach nur furchtbar! Es muss doch eigentlich leicht nachzuvollziehen sein, dass ein 15-jähriges junges Mädchen sich nicht traut, sich energischer gegen einen stämmigen, aufdringlichen Mann zu wehren, der für sein gewalttätiges Verhalten schon eine Gefängnisstrafe bekommen hat.

    Und selbst, wenn es aus freien Stücken passiert ist, hätte dieser Typ allein schon wegen Verführung Minderjähriger verurteilt werden müssen, weil eine Person, der sein 21. Lebensjahr überschritten hat, keinen sexuellen Kontakt mit Jugendichen unter 16 Jahren haben darf.

    • Und selbst, wenn es aus freien Stücken passiert ist, hätte dieser Typ allein schon wegen Verführung Minderjähriger verurteilt werden müssen, weil eine Person, der sein 21. Lebensjahr überschritten hat, keinen sexuellen Kontakt mit Jugendichen unter 16 Jahren haben darf.

      Das ist nicht korrekt. § 182 StGB, Absatz 3 enthält vielmehr den Passus

      dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt,

      Wobei die sexuelle Selbstbestimmung wohl irgendwas mit der Entwicklung bzw. Reife des Opfers zu tun hat und in der Realität sicherlich der Willkür des Richters unterliegt, ob das zur Geltung kommt oder nicht.

    • Das ist nicht korrekt. § 182 StGB, Absatz 3 enthält vielmehr den Passus

      dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt,

      Zählt Angst, Resignation, Einschüchterung etc denn nicht auch zur fehlenden Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung?

      Übrigens steht dort auch:

      (4) Der Versuch ist strafbar.

    • Nein, nein, ich hatte mir schon gedacht, dass das Missverständnis aufkommt. Gemeint ist damit ausschließlich die dem Opfer grundsätzlich innewohnende Fähigkeit, sexuelle Selbstbestimmung auszuüben. Das ist nicht situationsbezogen. Warum es jemandem mit 20 erlaubt ist, das auszunutzen, aber mit 21 nicht mehr, ist mir allerdings ein Rätsel. Besonders absurd:
      Paar, 20 und 14, der jüngeren Person fehlt die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung. Geschlechtsverkehr ist in Ordnung.
      Ein Jahr später, die Fähigkeit hat sich inzwischen nicht entwickelt (kann ich einfach so bestimmen, ist ja ein Gedankenexperiment). Nun ist der Geschlechtsverkehr für die ältere Person strafbar.

      Das Problem ist aus meiner Sicht tatsächlich das Strafrecht. Aber nicht nur auf Vergewaltigungen bezogen, auch im Notwehrrecht wird ja die besondere Situation, die dem Notwehr übenden _aufgezwungen wird_ vom Täter, nicht beachtet.

      P.S.: Mein Kommentar war ohnehin eine Antwort auf Stephi, die ich auch zitiert habe, wo es um Geschlechtsverkehr aus freien Stücken ging.

  3. Da echauffieren sich die Männerrechtler, dass die Gerichte so feministisch geprägt sind, aber langsam kommt es mir eher umgekehrt vor: als würden die hochgebildeten Frauen sich an Blogs wie dem von Zhen orientieren.
    Das macht mich richtig wütend. Wie kann man als Frau, möglicherweise auch Mutter, ein 15-jähriges Mädchen so behandeln. Das ist wirklich widerwärtig. Wo noch dazu in diesem Fall ziemlich klar war, dass die arme Kleine es wohl noch schlimmer gemacht hätte, wenn sie sich mehr gewehrt hätte (hätte sie sich eventuell krankenhausreif oder gar totprügeln lassen sollen?).

  4. (Gibts eigentlich schon ein Vergewaltigungsmythen-Bingo?)

    Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Nach kurzem erfolglosen Suchen nach einem bereits bestehenden Vergewaltigungsmythen-Bingo hab ich mal einen Entwurf zusammengebastelt, wo ich eine Auswahl an häufig gehörten/gelesenen Aussagen zusammengetragen habe, die alle entweder eine Mit-/Schuld des Opfers, eine Verharmlosung bzw Leugnung der Tat oder eine Inschutznahme des Täters implizieren.

    Ergänzungs- oder Änderungsvorschläge? Meinungen allgemein?

    • Da fehlt noch eins:

      „Sie ist rachsüchtig und hat die Vergewaltigung doch nur erfunden.“

      Wenn es nämlich nach diversen Maskulisten geht, trifft das nämlich auf weit mehr als die Häfte der angezeigten Vergewaltigungen zu.

    • Ich hab mit Sicherheit nicht alle Mythen bedacht und einige ähneln sich inhaltlich. Kann alles noch überarbeitet werden.

  5. Leider ist der Artikel widersprüchlich. Einerseits steht dort, dass das Mädchen zum Sex gezwungen wurde. Andererseits steht dort, dass sie es über sich hat ergehen lassen.

    Bloßes „Nein“-Sagen reicht m.E. nach Gesetzeslage tatsächlich nicht aus. Nach § 177 StGB ist Gewalt, Drohung oder Ausnutzung einer schutzlosen Lage für die Strafbarkeit nötig. Mit schutzloser Lage ist sowas gemeint wie Bewusstlosigkeit (Schlaf, Vollrausch) oder dass das Opfer gefesselt ist, das gibt der Artikel beides nicht her. Auch dass der Täter das Opfer bedroht hat, steht dort nicht. Dass er auf sie bedrohlich wirkt, ist etwas ganz anderes. Und wenn sie tatsächlich nur dalag, war auch keine Gewalt im Spiel.

    Allerdings kann ich mir gerade Letzteres kaum vorstellen. Gewalt ist es m.E. nämlich schon dann, wenn sie versucht, ihn wegzuschieben und er dagegenhält.

    • Und da finde ich es dann schon von Belang, dass das Opfer minderjährig ist. Einer erwachsenen Frau kann man vielleicht unterstellen, dass sie sich klar äußern kann, aber bei einer Jugendlichen sollte man doch ein bisschen feinfühliger sein.

    • Einer erwachsenen Frau kann man vielleicht unterstellen, dass sie sich klar äußern kann, aber bei einer Jugendlichen sollte man doch ein bisschen feinfühliger sein.

      Die 15jährige hat sich klar geäußert! Was ist an der Aussage „Nein ich will nicht!“ unklar? Ein „klares Äußern“ hätte also auch einer erwachsenen Frau nichts genutzt. Auch einer erwachsenen Frau kann es schließlich passieren, dass sie in so einer Situation Angst hat und deswegen lieber alles über sich ergehen lässt, als womöglich noch weitere Gewaltakte als die Vergewaltigung selbst zu riskieren.
      Das scheint das Kernproblem unseres schrägen Sexualstrafrechts zu sein. Das einzige, was hier etwas ändern würde, wäre wohl tatsächlich eine Änderung des Vergewaltigungsparagraphen. Es kann nicht sein, dass sich Täter über den erklärten Willen bzw Unwillen des Opfers hinwegsetzen und damit straflos davonkommen, nur weil es keine direkte körperliche Gewalt bzw Gefährung von Leib und Leben und sichtbare Spuren gegeben hat. Nein heißt Nein! Das zu mißachten, stellt ebenfalls Gewalt dar. Das muß auch endlich die Justiz begreifen.

    • Mein Einwurf war jetzt nicht direkt auf diesen Fall bezogen (mir war aber irgendwie klar, dass das falsch verstanden wird). Mir ging es um godsboss Verweis darauf, dass der Satz des Mädchens nach der derzeitigen Gesetzeslage nicht ausreicht, weil es keine „schutzlose Lage“ war. Ich persönlich finde, dass dies mehr als ausreicht, eben gerade, weil das Mädchen noch so jung war! Bei einer erwachsenen Frau kann man sich als Täter vielleicht noch einreden, dass sie es ja DOCH will, aber bei einer Fünfzehnjährigen? Wieviele Fünfzehnjährige vögeln wild in der Gegend rum?

      Ich finde einfach, das Gericht hätte von dem Täter, einen erwachsenen Mann, einfach erwarten müssen, dass er hier mit besonderer Feinfühligkeit herangeht. Und da hätte ich als Richterin einfach auch kleinste Abwehrsignale gewertet, selbst wenn die nach momentaner Gesetzeslage „zu wenig“ sind.

      Das sind alles kleine befriedigenden Ideen. Ich überlege nur, wie ich ein Urteil begründet hätte. Eigentlich finde ich, dass das Gesetz einen Ermessensspielraum hergibt, der eine Verurteilung durchaus möglich gemacht hätte. Aber das ist wohl zu subtil, bzw. der Unwillen ist zu groß.

      „Das einzige, was hier etwas ändern würde, wäre wohl tatsächlich eine Änderung des Vergewaltigungsparagraphen. Es kann nicht sein, dass sich Täter über den erklärten Willen bzw Unwillen des Opfers hinwegsetzen und damit straflos davonkommen, nur weil es keine direkte körperliche Gewalt und sichtbare Spuren gegeben hat.“

      Da stimme ich dir zu.

    • Ich persönlich finde, dass dies mehr als ausreicht, eben gerade, weil das Mädchen noch so jung war!

      Das ist der Faktor, der mA erschwerend hinzukommt. „Verführung Minderjähriger“ wäre wohl das Mindeste gewesen, das das Gericht hier hätte belangen müssen. Wobei „Verführung“ hier schon sehr zynisch ist…

      Ich finde einfach, das Gericht hätte von dem Täter, einen erwachsenen Mann, einfach erwarten müssen, dass er hier mit besonderer Feinfühligkeit herangeht.

      Von einem alkohol- und drogenabhängigen Mann? Am Ende ist ihm das auch noch zugute gekommen, weil er die Situation in seinem vernebelten Hirn gar nicht richtig einschätzen konnte…

      Rape Culture per Exelance. Danke, deutsche Justiz, für die deutliche Demonstration.

    • Wir wissen doch alle, dass ein Mädchen, das Kontakt zu Drogenabhängigen pflegt quasi selbst schuld ist. Ich wette auch, dass es keine „anständig“ gekleidete Gymnasiastin aus gutem Hause ist, ansonsten wäre das Urteil anders ausgefallen.

    • Zum Kotzen das alles. Einfach zum Kotzen. Ich kenne Marl, ich kenne diese Kreise in denen sich das Mädel wahrscheinlich bewegt hat, es waren auch mal meine Kreise. Vielleicht kenn ich sogar den Täter von früher, mir würden da spontan ein, zwei Kandidaten einfallen. Ich kenn auch die „Ehrfurcht“ die man als 15jährige vor den „hohen Tieren“ in der Szene hat und die Hierarchien in Drogenkreisen. Die Richterin offenbar nicht, ansonsten hätte sie anders entschieden.

    • Ich glaube, man muß gar nicht so weit gehen, in Drogenkreise zu schauen. Es kann sehr wohl schon die stattliche Statur des Mannes völlig ausreichen, der sich nur leicht gegen das Mädchen drücken muß, um sie komplett einzuschüchtern. Und der Punkt, der ebenfalls in vielen Diskussionen schon erwähnt wurde, finde ich auch bemerkenswert. Wenn schon 2 erwachsene Frauen vor diesem Mann kuschen, wenn er nur sagt, dass sie gehen sollen, was soll man da von diesem Mädchen erwarten?

  6. Pingback: Vom nicht-einvernehmlichen Sex

  7. Ein 31 Jahre alter Mann ist vom Vorwurf der Vergewaltigung einer 15-Jährigen freigesprochen worden. Das Urteil scheint skandalös, ist aber juristisch stichfest. Trotzdem könnte es eine Wende geben.

    Als das Urteil am Landgericht Essen gesprochen war, verließ Roy Z. den Gerichtssaal als freier Mann. Für das, was sich in einer Juli-Nacht des Jahres 2009 in seiner Wohnung im nordrhein-westfälischen Marl abspielte, wird der 31 Jahre alte Mann nicht bestraft.

    Z. soll ein damals 15-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Obwohl die Richterin den Ausführungen der Jugendlichen glaubte, wonach es gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gekommen ist, sprach sie den Mann am vergangenen Montag frei. Für viele Menschen ist dieses Urteil ein Skandal, über Facebook machen sie ihrem Unmut Luft – und rufen vereinzelt sogar zur Selbstjustiz auf.

    Auch Staatsanwältin war für Freispruch

    Andererseits stand die Richterin nicht allein mit ihrer Meinung, dass der Tatvorwurf nicht haltbar ist: Sogar die Staatsanwältin plädierte am Ende der dreistündigen Verhandlung auf Freispruch.

    Zudem kündigte Rechtsanwalt Dirk Brockpähler, Vertreter der Nebenklage, an, das Urteil nicht anfechten zu wollen. Es könnte also ein typischer Fall sein, bei dem Bürger wenig Verständnis für den Rechtsstaat haben, während die Verfahrensbeteiligten der Meinung sind, dass korrekt geurteilt wurde.

    Nun gibt es aber offenbar doch eine Wendung. Wie die „Welt“ erfuhr, hat die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil eingelegt – trotz des Plädoyers auf Freispruch der Staatsanwältin.

    Revisionsantrag erst nach zwei Tagen

    „In einer solch bedeutungsvollen Sache muss das Urteil durch die Hinzunahme der schriftlichen Begründung überprüft werden. Das ist nicht außergewöhnlich“, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer der „Welt“.

    Dass dieser Schritt mit dem Druck der Öffentlichkeit zu tun hat, dementiert Kassenböhmer: „Wir haben sofort nach dem Urteil, noch am gleichen Tag, Revision eingelegt.“ Nach Recherchen der „Welt“ ist diese Aussage falsch. Demnach wurde der Revisionsantrag erst zwei Tage später unterschrieben.

    Dass es zu einer erneuten Verhandlung kommt, ist indes unwahrscheinlich. Denn so schwer das Urteil für viele Außenstehende zu verstehen ist, so richtig ist es aus juristischer Sicht.

    „Es gibt eine Gesetzeslücke. Der Gesetzgeber hat einen solchen Fall nicht geregelt. Angesichts dessen war der Sachverhalt nicht justitiabel“, sagte Rechtsanwalt Brockpähler.

    Alkohol und Drogen waren im Spiel

    Laut Anklageschrift befanden sich in besagter Nacht drei Frauen in der Wohnung von Roy Z.. Es wurde getrunken, Joints wurden geraucht. Zu später Stunde forderte Z. zwei Frauen auf, die Wohnung zu verlassen und in den Keller zu gehen. Danach legte sich der Mann zu der damals 15-Jährigen und begann, sie auszuziehen.

    Vor Gericht schilderte das Mädchen, dass sie den 31-Jährigen mit den Worten „Lass mich“ aufforderte, von ihr zu lassen. Der Mann beendete seine Handlungen jedoch nicht, schließlich ließ das Mädchen den Geschlechtsverkehr über sich ergehen. Ein halbes Jahr später erstattete die Jugendliche Anzeige bei der Polizei.

    Mann habe keine Gewalt ausgeübt

    Nach Paragraph 177 des Strafgesetzbuchs ist der Tatbestand der Vergewaltigung damit nicht erfüllt. Weder habe der Mann Gewalt ausgeübt, noch habe er mit Gefahr für Leib und Leben gedroht, sagte Wolfgang Schmitz, Pressesprecher des Landgerichts: „Das Mädchen befand sich auch nicht in einer schutzlosen Lage. Sie war in einem Mehrfamilienhaus. Sie hätte weglaufen und um Hilfe rufen können.“

    Anders wäre es gewesen, wenn sich der Vorfall beispielsweise in einem Wald oder in einem Auto zugetragen hätte, wo niemand zugegen gewesen wäre, den das Mädchen um Hilfe hätte rufen können.

    Vor Gericht gab die junge Frau an, sie habe sich aus Angst vor Schlimmerem still verhalten – auch weil sich der Mann in der Vergangenheit immer wieder aggressiv verhalten hatte.

    „Um diesen Aspekt zu berücksichtigen, müsste man den Angeklagten verdächtigen, dass er dem Mädchen, sofern es sich wehrt, etwas antut. Diesen Generalverdacht kann man nach bestehender Gesetzeslage nicht erheben“, erklärt Rechtsanwalt Brockpähler.

    „Aus moralischer Sicht war das eine Vergewaltigung.“

    Die Empörung der Bürger könne er dennoch verstehen, sagt er. „Aus moralischer Sicht war das eine Vergewaltigung.“ Für seine Mandantin, die mittlerweile 18 Jahre alt ist, sei das Urteil eine „menschliche Katastrophe“. Dennoch habe sie sich mit der Entscheidung abgefunden – nachdem Brockpähler Überzeugungsarbeit geleistet hatte. „Ich habe sie gefragt: ‚Wenn jemand diese Situation von der Deckenlampe aus beobachtet hätte – hätte er dann vermutet, dass dort eine Vergewaltigung stattfindet?'“. Das Mädchen habe mit „Nein“ geantwortet.

    Damit Roy Z. wegen Vergewaltigung hätte verurteilt werden können, so sagt es auch Gerichtssprecher Schmitz, hätte das Mädchen nur versuchen müssen, wegzugehen: „Hätte er sie daraufhin festgehalten und wäre es dann zum Geschlechtsverkehr gekommen, wäre der Mann verurteilt worden.“

    Weil er es nicht tat oder tun musste, kann Roy Z. von den Gerichten für seine Handlungen nicht belangt werden.

    Quelle

    …“Es gibt eine Gesetzeslücke. Der Gesetzgeber hat einen solchen Fall nicht geregelt. Angesichts dessen war der Sachverhalt nicht justitiabel“, sagte Rechtsanwalt Brockpähler….

    Deswegen muß eine Änderung der Gesetzeslage her.

    …Vor Gericht gab die junge Frau an, sie habe sich aus Angst vor Schlimmerem still verhalten – auch weil sich der Mann in der Vergangenheit immer wieder aggressiv verhalten hatte.

    „Um diesen Aspekt zu berücksichtigen, müsste man den Angeklagten verdächtigen, dass er dem Mädchen, sofern es sich wehrt, etwas antut. Diesen Generalverdacht kann man nach bestehender Gesetzeslage nicht erheben“, erklärt Rechtsanwalt Brockpähler….

    Ja, genau das ist das Problem. Dass ein Opfer „nur“ Angst vor bekannten Aggressionen hat, ist kein Grund, Täter zu bestrafen. Es muß immer erst sonstwas passieren…

  8. Hi onyx,

    hilf mir doch bitte mal auf die Sprünge.

    Wurde nicht noch zu der Zeit, als diese unsägliche Niederländerin bei uns im Forum war und Kinderpornos rechtfertigte, diese Gesetzesänderung, die Minderjährige schützt? Ich erinnere mich noch gut an das geschrei, uns würden amerikanische Verhältnisse drohen.

    Der Täter hätte nicht nur wegen Vergewaltigung verurteilt werden müssen, sondern auch wegen des Missbrauchs einer Minderjährigen.

    Für mich ist dieses Urteil hanbüchen.

    Was ist eigentlich mit Fällen, wo das Opfer so geschockt ist, bewegungslos vor Angst, dass es gar nichts tut? Darf ein Täter ein Opfer dann nach seinem Gusto missbrauchen?
    Das ist ein Skandal!

    • Ach, zu welcher Zeit das war, weiß ich nicht mehr. Aber an die Userin kann ich mich errinnern. Sie begründete das glaub ich damit, dass ja Kinder auch schon sexuelle Gefühle haben und ein Verbot von sexuellen Handlungen deren Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung beschränken würde. Naja, man sieht ja, welchen Stellenwert die sexuelle Selbstbestimmung von Minderjährigen im Vergleich zu der von Vergewaltigern hat. Sowas kommt eben dabei raus, wenn ein Nein nichts wert ist, nicht ernst genommen wird, einfach weitergemacht wird. Weil, sie könnte es ja irgendwie doch wollen, und wenn nicht, wird sie sich schon wehren und überhaupt kann man von einem Mann schließlich nicht erwarten, dass er ein „Nein ich will nicht“ auch versteht… zum kotzen. Und dann wird sich noch über den Begriff der Rape Cultur echauffiert.

  9. Wie könnte eine bessere Regelung aussehen, bei der Männer verurteilt würden, wenn sie das NEIN einer Frau ignoriert hätten.
    Und was könnte Männer vor Frauen schützen, die sie im Nachhinein aus irgendwelchen anderen Gründen, einer falschen Vergewaltigung bezichtigen?

  10. Einen guten Aspekt hat diese Geschichte, nämlich, dass die Öffentlichekti endlich wahrnimmt, wie die Rechtslage ist. Bisher hatten Opfer, welche von ihren Strafanzeigen berichtet hatten, nur ungläubig angeguckt und sogar von Opferschutzorganisationen/Frauenschutzorganisationen mundtot gemacht (verunsichere die anderen Opfer mit sowas nicht!)

    http://www.ausopfersicht.wordpress.com

  11. „Die Schülerin soll gesagt haben „Nein, ich will das nicht“, doch er habe einfach weitergemacht.“

    „Soll gesagt haben“. Wir leben in einem Rechtsstaat. Dort lautet der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Der Grundsatz heißt nicht: Im Zweifel für die Frau. Also korrektes Urteil.

    • Und warum ist das jetzt so eine Sensation? Hat irgendjemand was anderes erwartet? Wenn eine 15jährige, die durch einen doppelt so alten, drogenabhängigen, gewaltbereiten, einschlägig vorbestraften Mann eingeschüchtert ist, keinen Mut zur Gegenwehr hat und deswegen nur alles über sich ergehen lässt, ist das eben nach unserer großartigen Gesetzgebung keine Vergewaltigung. Ist doch keine Überraschung.

    • „Hat irgendjemand was anderes erwartet?“

      Du offenbar. Du hälst es offenbar für angemessen, einen „doppelt so alten, drogenabhängigen, gewaltbereiten, einschlägig vorbestraften Mann“ zu belangen, für etwas, was ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

    • Da steht vor allem, dass wir eine Gesetzgebung haben, in der es im Ernstfall nichts nützt, zu einem Geschlechtsakt nur „Nein“ zu sagen, wenn man diesen nicht will, der Geschlechtspartner aber schon.

    • Du findest es korrekt, dass es strafrechtlich nicht belangt werden kann, sich über den verbal erklärten Unwillen eines Menschen hinwegzusetzen?
      Ok, kann man so sehen. Muß man aber nicht.

    • Wenn dieser „verbal erklärte Unwillen“ nicht bewiesen werden kann, und ansonsten keinerlei Beweise für eine Straftat vorliegen – natürlich ist es dann korrekt.

    • Klar, weil so viele Betroffene so scharf auf einen Vergewaltigungsprozeß sind, in dem sie auf links gedreht werden, dass sie nach Lust und Laune Anklage erheben…

    • Wäre es eine Vergewaltigung sehe ich nicht, was dagegen spricht innerhalb einer Woche oder eines Jahres Anzeige zu erstatten.

    • Siehst du. Und weil die meisten genau dieses Verständnisproblem bei Betroffenen haben, fordert Terre des Femmes völlig zu Recht, dass eine fundierte psychologische Schulung in den Ausbildungsrahmen bzw ins Studium aller involvierten Berufsgruppen gehört.

    • Das Verständnisproblem, warum Betroffene mitunter sehr lange zögern, sich an die Polizei zu wenden und Anklage zu erheben.

    • Ja, warum denn?
      Wenn man mich vergewaltigen würde, kannst Du Gift darauf nehemn, dass ich Anzeige erstaten würde. Vorausgesetzt ich hielte die Vergewaltigung für sonderlich schlimm.

    • Weil die Gesetzgebung eben so ist, wie sie ist. Täterfreundlich. Wenn du davon ausgehen mußt, dass nur eine minimale Chance besteht, dass der Täter auch zur Rechenschaft gezogen wird, und du selbst dafür auf der Anklagebank sitzt, weil dir selbst die Schuld gegeben wird, überlegst du dir diesen Schritt 3x.

    • „Weil die Gesetzgebung eben so ist, wie sie ist. Täterfreundlich.“

      Die Gesetzgebung beruht auf Beweisen und dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten.

      „Wenn du davon ausgehen mußt, dass nur eine minimale Chance besteht, dass der Täter auch zur Rechenschaft gezogen wird,“

      Ja, warum ist das wohl so? Weil Vergewaltigung schwer zu beweisen ist.

    • Und warum wunderst du dich dann, warum Betroffene mit ihrer Anzeige so lange warten oder es ganz bleiben lassen?

    • „Man soll es halt tun“ hilft aber möglicherweise traumatisierten Betroffenen nicht, auch wenn das richtig ist. Die brauchen eine etwas sensiblere psychologische Betreuung, die sie aber vor Gericht nicht haben.

    • Adrian:

      Wenn dieser “verbal erklärte Unwillen” nicht bewiesen werden kann, und ansonsten keinerlei Beweise für eine Straftat vorliegen – natürlich ist es dann korrekt.

      In diesem Fall war der verbal erklärte Unwille unstrittig. Gut, bei einer Gesetzesänderung würde sich die Verteidigung natürlich darauf verlegen, die Erklärung zu bestreiten.
      Glaubwürdige Zeugenaussagen können übrigens als Beweise gelten. Gibt schließlich noch mehr Straftaten, bei denen mitunter außer Zeugenaussagen nichts Verwertbares vorliegt (Nötigung, Bedrohung und Erpressung fallen mir direkt ein).

    • Mich verwundert, dass das Alter des Mädchens in dem Fall so gar keine Rolle spielt. Bei einvernehmlichem Sex mit auffälligem Altersunterschied wird der Untergang des Abendlandes und die Verkommenheit der Jugend heraufbeschworen. Und jetzt? Schulterzucken: „sie könnte es ja auch gewollt haben. das Nein war ja nicht so deutlich…“

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