Virtuelle Ferndiagnosen – Endlich weiß ich über mich Bescheid!

Hey Leute, wußtet ihr schon, dass es „die typische feministische Bloggerin“ gibt? 😀

 

Sie ist natürlich mit einer Menge an Attributen geschmückt, die negativ konnoiert sind und die Person als Ganzes abwerten. Sie arbeitet nicht, studiert noch, aber nichts, was irgendwann mal Geld bringt, hat natürlich auch keins, dafür aber Depressionen, hat keinen Partner oder traut sich nicht, über die Beziehung zu sprechen.

Wie der Artikelschreiber auf diese Schlußfolgerungen kommt, wird nicht näher erläutert. Es muß einfach so sein und Punkt.

Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich auf die vielen antifeministischen Plattformen verweisen, wo sich ein Bild über die dort Schreibenden zeichnet, das aus diversen Blickwinkeln auch nicht uninteressant ist. Angefangen bei den Uhrzeiten, wann dort geschrieben wird, nämlich quasi rund um die Uhr. Schlafens- oder Arbeitszeiten scheint es dort auffällig oft nicht zu geben. Was ja sogar antifeministischerseits selbst so bestätigt wird.

Über die Inhalte der Texte und dem psychischen Zustand der Schreiber muß man ja nicht weiter diskutieren.

Über vorhandene oder nicht vorhandene Partnerschaften wird auch nur teilweise berichtet. Entweder ist man glücklich liiert oder glücklicher Single. Was sonst. Ist man unglücklich, ist klar, wer die Schuld trägt.

Aber mal im Ernst. Wen geht es denn bitte was an, ob und wie jemand liiert ist? Hier wird angedeutet, dass ein solches Thema hinsichtlich der Vereinbarkeit von Feminismus und Partnerschaft im Alltag interessant wäre. Wie bitte? Was soll das denn für eine Logik sein? Wenn eine Feministin in einer Beziehung lebt, oder auch nicht, oder nur Affären und ihren Spaß hat, beweist das genau was? Entweder hat sie dann einen dummen Pudel gefunden, oder sie ist eben zu [beliebige Zuschreibung aus der Sicht eines Antifeministen einfügen], um einen Partner zu finden, oder sie ist eine Schlampe, die Männer ausnutzt. Eben die üblichen Schubladen. Warum soll man als feministische Bloggerin wildfremde Menschen, die nur darauf warten, dich in irgendeiner Weise persönlich angreifen zu können, an solch intimen privaten Bereichen teilhaben lassen? Nö.

Desweiteren, hab ich etwa die neuesten medizinischen Forschungen und Entwicklungen verpasst? Gibt es neuerdings die Möglichkeit, übers Internet kompetente Ferndiagnosen zu stellen? Oder wie kommt er darauf, dass – Zitat: „psychische Probleme wie Depressionen, Angststörungen etc. überraschend stark verbreitet sind“? Ja, genau so schreibt er. Es „scheint nicht so“, oder er „vermutet“ es nicht. Nein nein, es ist so. Basta.

Ja, sehr überzeugend, das alles. Und so zutreffend. 😀

3 Kommentare zu “Virtuelle Ferndiagnosen – Endlich weiß ich über mich Bescheid!

  1. Absolut logische Liste, nur leider unvollständig. Der Autor hat „hässlich“ und „fett“ vergessen. Denn Feministinnen (und natürlich auch Lesben) können ja unmöglich gut aussehen.

    • Das hat er nicht vergessen, sondern sich nicht getraut. Er wollte ja nicht oberflächlich rüberkommen, sondern sicher nur ganz sachlich analysieren. Oder so. 😀

  2. Bwahahaha … ich fass es nicht. Was ist denn das für ein Müll? Gibt’s da noch mehr so Zeug? Ich trau mich gar nicht gucken – hab Angst, am Lachkrampf zu versterben. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s