Eine „Männerfrauenversteherin“, die nichts versteht

Silke Liß betreibt den Blog „Gleichstellung der Geschlechter“ und bezeichnet sich selbst als „Männerfrauenversteherin“.
Dieser Blog fällt erstmal dadurch auf, dass die meisten der Artikel aus nichts weiterem als einem Vollzitat und einem Link ohne eigenen Kommentar oder einer Meinung/Stellungnahme bestehen und daher für mich erstmal wenig lesenswert ist.

Zur aktuellen Sexismus-Debatte gab es nun ausnahmsweise mal einen eigenen Artikel. Zumindest gehe ich davon aus, da diesmal ein Hinweislink auf eine Originalseite fehlt.

Aber dieser Artikel ist, nun, sagen wir… ach was, sagen wir einfach, man könnte jedem einzelnen Satz widersprechen.

Gestern habe ich mir die Sendung LOG IN auf ZDF Info angeschaut. Und weiß jetzt auch wieder, warum ich mir das so selten wie nur möglich antue. Es ging um Sexismus. Auslöser war eine junge Frau, die einen Aufschrei initiierte auf Twitter. Grund: Ein älterer Politiker hatte einen Alt-Herrenwitz gemacht, ohne Nachzudenken was es für Folgen haben kann. Nun, er wird es jetzt wissen. Als ich das gelesen hatte, dachte ich nur: Okay, die wird schon ihren Grund dafür haben. Prompt wurde sie in diese Sendung eingeladen. War ja klar.

Ja, unerhört. Die jungen Frauen, die alles ins Rollen gebracht haben, werden eingeladen. Sowas aber auch! Wäre es interessanter gewesen, die Debatte ohne sie zu führen?

Auf der einen Seite waren zwei Vertreterinnen, die noch sehr jung waren. Frauen, die Feministinnen sind. Ganz eindeutig sogar. Ihre Aussagen waren dementsprechend. Aber irgendwie war ich auch nicht wirklich überrascht. Und eine blonder als die andere.

Ja schlimm oder? 2 blonde junge Frauen, die Feministinnen sind, die sich zum Thema Sexismus äußern. Wo ist jetzt das Argument bzw was ist die eigentliche Aussage? Blond = blöd? Aha.
Und was hat die Betonung des Alters der Beiden hier zu suchen? Pütz ist auch gerade mal Baujahr 78, also auch ein recht junger Hüpfer.

Auf der anderen Seite gab es ein gemischtes Doppel. Und endlich auch etwas kultiviertere Leute.

Worauf Frau Liß die Behauptung stützt, Ebeling und Pütz seien „kultivierter“ als Anne Wizorek und Laura Dornheim, wird leider nicht näher begründet.

Hier trafen sich Welten.

In der Tat. Auf der einen Seite versuchten 2 Teilnehmerinnen, ein Thema der Öffentlichkeit näherzubringen, das ganz offensichtlich sehr sehr viele Menschen in Deutschland betrifft und deswegen erheblicher Rede- und Klärungsbedarf besteht. Anders kann man sich die extrem hohe Resonanz nicht erklären. Auf der anderen Seite Pütz und Ebeling, die Männer nur als verunsicherte Opfer sehen, also die Debatte einfach umdrehen wollten. Die haben einfach nur am Thema vorbeigeredet und nicht zugehört. Nicht, dass es keine Männer gibt, die auch Opfer sexueller Gewalt werden. Da ist auch jeder einer zuviel. Aber die Tatsache, dass der allergrößte Teil der Betroffenen nun mal Frauen sind, kann man nicht einfach so wegwischen und davon ablenken.

Eine junge Frau, die sich für einen kurzen Moment in das Rampenlicht der Medien geschmissen hat, um sich zu profilieren. Die kaum etwas Echtes zu sagen hatte-die andere Lady nicht minder. Sehr viel ernsthafter die andere Seite.

Ja klar. Da wollen 2 junge Frauen ernsthaft über Sexismus reden, und haben auch eine Menge zu sagen, wie man ja auf Twitter und in sehr vielen anderen Medien gesehen hat. Aber ein selbsternannter Frauenkenner versucht sie lächerlich zu machen. Sehr ernsthaft.
Abgesehen davon, wie kommt Frau Liß zu der Behauptung, Anne Wizorek habe sich ins Rampenlicht geschmissen und wolle sich nur profilieren? Auch hier keine argumentative Stütze.

Und gut, dass auch ein Mann sich diesem Thema stellte. Ansonsten würde ich die Sendung nicht angeguckt haben.

Aha.

Wenn ein Mann erkennt, dass seine Geschlechtsgenossen Unterstützung brauchen, dann finde ich das gut. Noch besser, wenn er ihnen dann auch die entsprechende Hilfe anbietet. Was hier der Fall ist. Nur kam das bei den beiden Frauen nicht so an.

Es kam so an, wie er es dargestellt hat.

Eine ehemalige Gleichstellungsbeauftragte, die eher selten zu Worte kam, weil die Gegenseite einfach nicht die Klappe halten konnte, hatte gute Ansätze gebracht.

Ähm, welche? Außer „aber Männer sind auch Opfer“ kam da nichts. Und warum sollte die Gegenseite die Klappe halten?

Die beiden harmonierten gut miteinander.

Im derailen ja, das stimmt.

Worum geht es hier eigentlich wirklich? Auf der einen Seite sind Frauen, die sich sehr aufreizend kleiden und sich so der Welt präsentieren. Und die meisten tun es, weil sie auffallen wollen. Und vielleicht auch etwas provozieren damit. Wenn eine Frau einen Minirock trägt und die Bluse bis zum Bauchnabel geöffnet ist, was soll da der Mann bitte schön denken?

Victim-blaming per Exelance. Aber woher weiß die Dame, wie sich Anne und Laura in ihrem Alltag kleiden?

Hab ich hier etwas verpasst?

Ja. Eine ganze Menge sogar.

Diese jungen Frauen regten sich über etwas auf, über das mal geredet werden könnte- aber Wertschätzend bitte!

So wertschätzend wie Frau Liß sich hier über sie äußert?

Der Mann weiß doch im Prinzip gar nicht, wie die Frau tickt.

Und das berechtigt zu unaufgefordertem Angrabschen und Anpöbeln?

Gut ich möchte das Thema natürlich nicht bagatellisieren.

Nein, natüüüüürlich nicht.

Aber hier wird gerade ein älterer Mann für etwas fertig gemacht, was andere Männer auch tun und auch Frauen.

Weil es andere tun, ist es ok und darf nicht kritisiert werden?

Und jeder sollte eigentlich für sich selber das ausmachen.

Was heißt das jetzt genau? Jeder mit sich selbst ausmachen? Nein, warum? Oder jeder für sich entscheiden, ob seine Grenze überschritten wurde? Ja genau das haben die zigtausend Twitterschreiberinnen ja getan.

Ich dachte die ganze Zeit, dass ich mich in einem Kindergarten befände

Ja, ich auch. 2 junge Frauen, die über Sexismus reden wollen, müssen einem Möchtegernalpha, der sich für einen Frauenkenner hält, die Realität von Frauen erklären. Und eine Gleichstellungsbeauftrage, deren einziges Argument ist, dass es Männern auch schlecht geht.

So betrachte ich das. Wie seht ihr das?

Ähm, anders?

Fazit des Artikels: Keine Argumente. Eher derart infantiles Bashing, dass ich nicht mal sicher bin, ob das überhaupt ernst gemeint sein kann.

9 Kommentare zu “Eine „Männerfrauenversteherin“, die nichts versteht

  1. Autsch, das tut ziemlich weh. Danke für den Artikel. Ich hab zwar Log In nicht gesehen, aber mir hat Anne Wizorek bei Günter Jauch sehr gefallen. Und ich denke auch in dieser Sendung war sie wieder toll.
    Und im ersten Absatz scheint es, als wüsste die Bloggerin nicht mal, dann es nicht Anne Wizorek war, die von Brüderle belästigt wurde. Das klingt da oben so. Das ist sowas von traurig. Jeder soll mit sich selbst ausmachen, ob dies oder das Belästigung ist? Ok, dann aber auch die Grenzen der anderen nicht überschreiten. Und wenn Person A mit sich ausmacht, andere zu belästigen sei in Ordnung haben wir auch nicht gekonnt, oder?

    „Aber hier wird gerade ein älterer Mann für etwas fertig gemacht, was andere Männer auch tun und auch Frauen.“
    Passiert doch auch in jedem Strafprozess, oder? Nur weil mehrere Leute was tun, wird es ja nicht richtig. Sonst wäre jedes Verbrechen, das kein Einzelfall bleibt automatisch legal, wenn mans mal überspitzt. So ein Quatsch, ersthaft.

  2. Von dir hier kommentiert:

    „Aber hier wird gerade ein älterer Mann für etwas fertig gemacht, was andere Männer auch tun und auch Frauen.“
    „Weil es andere tun, ist es ok und darf nicht kritisiert werden?“

    Von dir in einem anderen Artikel geschrieben:

    „Ja, das ist tief in die Klischeeschublade gegriffen, aber warum soll ich nicht mal das gleiche dürfen wie Männer, die über Frauen lästern und Blogs über “Männlichkeit” schreiben?“

    • Und? Wenn du nichts inhaltliches zu sagen hast, sondern wieder nur irgendeinen Unsinn unterstellen willst, lass es.

    • Was du bei deiner Argumentation vergisst, ist dass es immer noch einen Unterschied gibt, zwischen Rechten und Verbrechen.

      Sich ein Recht herauszusehmen, dass andere haben, ist legitim. (Falls das Recht schon pauschal andere verletzt, ist es in dem Fall ein Verbrechen)

      Sich ein Verbrechen herauszunehmen, weil andere das auch tun, ist unsinnig, weil diese Personen von vornherein gegen die Rechte anderer (z.b. durch Belästigung) verstoßen.

      In manchen Bereichen sind die Grenzen da schwammig, z.B. wenn man die Klischees als Beleidigung auffast. Trotzdem muss man die Fälle indivuduell beurteilen.

      Und es gibt noch einen Unterschied, ob man Gleiches mit Gleichem vergeltet, wie im von dir verlinken Betrag oder ob man Verbrechen damit legitimiert, dass andere das ja auch täten.

      Setzt man das gleich, hätte onyx einen Beitrag über doofe Frauen und ihre eingene Männlichkeit“ geschrieben, und keinen über doofe Männer und ihre eigene Wut… so ungefähr.

      Wieso kommt von dir eigentlich häufiger was, dass den Autor in die Enge treiben soll, als tatsächlich Kommentare zum Thema des Artikels? Das Wunder der Sprache! Sie ist nicht eineindeutig, deshalb gibts auch für menschliche Kommunikation keine funktionierenden Formeln. Und wie Paul Watzlawick schon sagte. „Man kann nicht nicht kommunizieren.“
      Grrrrrr.

  3. Hmm, ist schon interessant zu sehen wie es eine politisch-motivierte Kampagne geschafft hat die Geschlechter gegeneinander aufzuhetzen.

  4. Ach ist es wieder berauschend, wenn man sieht, wie heuchlerisch die Sexismus-Debatte von manchen beleuchtet wird.

    Christian findet es eine „Frechheit“, wie Laura Dornheim auf die völlig themenverfehlte Sorgerechts-Frage auf Twitter mit „mimimi“ antwortet. Ja, eine verdammte Frechheit, wenn man lieber zum eigentlichen Thema diskutieren, und sich nicht auf Derailing einlassen will…
    Dass aber Pütz der Frage, wie es ihm damit geht, aus Opfern Täter zu machen, nicht beantworten will und mit „Schwachsinn“ abtut, findet er natürlich nicht schlimm. Ja, die Frage ist polemisch, hat aber einen durchaus berechtigten Kern. Genau das tut Pütz nämlich, wenn er Männern erzählen will, dass man das Nein einer Frau ruhig ignorieren kann. Er fordert Männer dazu auf, übergriffig zu werden. Natürlich sieht Christian darin kein Problem, er sieht es ja schließlich genauso.

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