Schunkeln, bützen, trinken, k.o.

Karneval oder Fasching ist für viele Menschen untrennbar mit Spaß, flirten, trinken, tanzen und feiern verbunden. Ein paar Tage die Sau rauslassen und hemmungslos des gesellschaftlich akzeptierten Massenwahnsinns fröhnen. Leider gibt es auch eine Kehrseite der Fröhlichkeit.

Experten warnen vor der Gefahr von K.o.-Tropfen an Karneval

Die Vergewaltigung einer 25-jährigen Kölnerin im Dezember rief große Erschütterung hervor. Vor allem, weil die Frau im Anschluss auf der Suche nach Hilfe und Behandlung von zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden war. Die Tat selbst ging dabei fast unter: Die 25-Jährige war im Vorfeld der Tat durch so genannte K.o.-Tropfen betäubt worden.

Waren es im gesamten vergangenen Jahr drei Opfer, die wegen einer solchen Attacke bei ihr vorstellig geworden seien, „hatten wir in diesem Jahr bereits zwei Fälle mit K.o.-Tropfen“, berichtet Andrea Frewer, die zudem von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. Frewer ist Beraterin und Therapeutin bei der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, die gemeinsam mit Frauenberatungsstelle und Frauenbüro auf den Missbrauch dieser chemischen Substanz hinweisen. Auch wegen der anstehenden Karnevalszeit warnen Frewer und ihre Mitstreiterinnen aktuell eindringlich vor der weitgehend farb- und geruchslosen Flüssigkeit.

Bereits seit vielen Jahren setzen Täter K.o.-Tropfen ein, um ihre Opfer zu betäuben. Die Masche ist oft gleich: Unbemerkt wird die Substanz in ein Getränk gemischt, in der Folge die Opfer – zumeist Mädchen und Frauen – sexuell missbraucht und/oder ausgeraubt. Kommen die Betroffenen nach Stunden zu sich, wissen sie von nichts. „An K.o.-Tropfen denken aber die wenigsten. Erinnerungslücken werden oft dem Alkohol zugeschrieben – selbst wenn derjenige nicht viel getrunken hat“, berichtet Frewer.

Sie rät, jedem Verdacht nachzugehen, sich Polizei (im Kölner Präsidium äußerte sich zu Fällen mit K.o.-Tropfen in Leverkusen gestern niemand) oder Ärzten anzuvertrauen – möglichst umgehend. Denn die Substanz sei nur sechs bis acht Stunden nach der Einnahme im Körper nachweisbar. Möglichst sollte eine Tat schon im Ansatz unterbunden werden.

Dabei sei es kaum möglich zu erkennen, dass die als Lösungsmittel frei verkäuflichen K.o.-Tropfen in ein Getränk gemischt werden. „Wir wirken darauf hin, dass diese Substanzen mit Farb- und Geschmacksstoffen angereichert werden“, sagt Frewer. Bislang sei aber politisch nichts passiert. Daher sei nach wie vor Aufmerksamkeit der beste Schutz. Also: Getränke nicht unbeobachtet lassen und nur von bekannten Personen oder Bedienungen annehmen.

Zudem gibt Frewer zu bedenken: „K.o.-Tropfen sind erst in hoher Dosierung lähmend. In mittlerer Dosis wirken sie euphorisierend und sexuell stimulierend. Daher sollte man es ernst nehmen, wenn sich jemand plötzlich merkwürdig benimmt.“ Sollte es dennoch zu Übergriffen kommen, rät sie Opfern neben einer Anzeige zu psychologischer Hilfe: „Es ist für Frauen oftmals traumatisch, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas mit ihnen passiert ist, über das sie keine Kontrolle hatten. Solche Dinge brauchen eine Bearbeitung.“

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