„Die Stripperin da ist echt geil. – Aber meine Frau ist nicht so eine billige Nutte!“

Eine kleine Filmszene:

Ein junges Paar, total verliebt und überglücklich, stehen kurz vor der Hochzeit. Sie schwärmt pausenlos von ihrem tollen Hochzeitskleid, er lässt sich von seinen Freunden feiern und geht mit ihnen auf Junggesellenabschiedstour durch die Kneipen. So landen sie schließlich in feuchtfröhlicher Laune in einem Striplokal. Begeistert und angeheitert feuern sie die Tänzerinnen an.
Was er nicht weiß, seine Freundin tanzt selbst nebenbei in einem solchen Lokal, um die Schulden ihrer spielsüchtigen Mutter zu finanzieren. Und wie es der Teufel nun mal will, landen sie in genau jenem Lokal, wo sie auch arbeitet. Eben noch johlt er der Tänzerin zu, die sich mit dem Rücken zum Publikum an der Stange räkelt und sich langsam ihrer spärlichen Kleidung entledigt. Doch als sie sich umdreht und er sie erkennt, weicht alle Farbe aus seinem Gesicht, er ist schlagartig nüchtern und fängt an sie zu beschimpfen: „Was machst du denn hier?! Wie siehst du überhaupt aus?! Bist du eine billige Nutte?!“ Sie, völlig entsetzt, bricht in Tränen aus, versucht, sich zu erklären, kommt aber nicht zu Wort. Wutentbrannt verlässt er fluchtartig das Lokal.

Hier stehen jetzt für mich 2 interessante Fragen im Raum:
Warum wirft er ihr vor, was sie in dem Lokal macht? Er ist schließlich auch da. Sie könnte ihm das also gleichermaßen vorhalten.
Warum redet er auf einmal so abfällig von ihr als „billige Nutte“? Noch 2 Minuten vorher fand er die billige Nutte toll und hat sie sehr enthusiastisch angefeuert.

Eine typische Szene, die zeigt, dass Frauen nur genau dann als Dienstleisterinnen im Erotikgewerbe akzeptiert sind, solange es nicht die eigene Partnerin (oder eine sonst nahestehende Frau) tut. Fremde Frauen dürfen sich gern zur Schau stellen, aber bitte nicht die eigene. Die hat anständig zu sein. Warum ist das so ein Problem, wenn diese Jobs doch so normal sind, dass sie sogar schon von der Arbeitsagentur angeboten werden?

Könnte es nicht sein, dass es doch keine so normalen Jobs sind? Spätenstens dann, wenn die Vorstellung dass die eigene Frau/Freundin/Tochter das ausüben würde, Unbehagen wie Eifersucht und Ekel hervorruft, dürfte die Annahme der Normalität obsolet sein.
Wir reden doch hier nur von Normalität, weil die Vorstellung, dass fremde, attraktive Frauen ihre Körper zur Verfügung stellen, und die Möglichkeit, von dieser Verfügbarkeit Gebrauch zu machen, im wahrsten Wortsinn zum greifen nah ist und damit einen großen Reiz hat. Und um diesem Reiz den Beigeschmack des Schmutzigen, Unanständigen, Verbotenen oder gar des Perversen zu nehmen, behaupten wir einfach, es sei normal.
WÄRE es normal, wäre dieser Beigeschmack nicht sofort wieder im Vordergrund präsent, sobald es um die eigene Frau oder die Tochter geht.

Doppelmoral ick hör dir trappsen.

8 Kommentare zu “„Die Stripperin da ist echt geil. – Aber meine Frau ist nicht so eine billige Nutte!“

  1. Ich weiß ja nicht, wie der Film sonst verlaufen ist oder wie Männer das sehen – die meisten, die ich kenne sehen so etwas tatsächlich als relativ normal an (wobei Strippen oder in irgendeiner Weise erotisch Tanzen noch mal was völlig anderes ist als Prostitution).

    So wie du die Szene beschrieben hast, kann ich mir auch vorstellen, dass die Reaktion dadurch hervorgerufen wurde, dass sie ihm ihre Tätigkeit verheimlicht hat. Da wäre ich bei meinem Partner/ meiner Partnerin auch extrem aufgebracht. Wenn aber jemand von anfang an mit offenen Karten spielt, sollte das doch kein Problem sein!

    Ich versteh nicht so ganz, worauf du mit deinem Post hinaus willst. Möchtest du zeigen, dass ein Beruf in einem solchen Lokal nicht normal ist, sich das aber ändern sollte?`Oder möchtest du zeigen, dass es nicht normal ist und deshalb Frauen, die diesen Beruf ausüben sich nicht wundern sollen, wenn sie als Nutte o.ä. bezeichnet werden?

    Vor allem, was ist überhaupt „normal“. Mti dieser Begrifflichkeit habe ich eigentlich generell so meine Probleme…

    Liebe Grüße,
    Miria

    • Ich weiß ja nicht, wie der Film sonst verlaufen ist

      Das hab ich ehrlich gesagt nicht mitbekommen, weil es nebenbei lief. Mir ist nur diese Szene aufgefallen.

      (wobei Strippen oder in irgendeiner Weise erotisch Tanzen noch mal was völlig anderes ist als Prostitution)

      Stimmt, aber unter dem Gesamtbegriff „Erotikbranche“ kann man es schon zusammenfassen, oder?

      So wie du die Szene beschrieben hast, kann ich mir auch vorstellen, dass die Reaktion dadurch hervorgerufen wurde, dass sie ihm ihre Tätigkeit verheimlicht hat.

      Kann gut sein, hab ich aber wie gesagt nicht mehr mitbekommen, wie das dann weiterging.

      Da wäre ich bei meinem Partner/ meiner Partnerin auch extrem aufgebracht. Wenn aber jemand von anfang an mit offenen Karten spielt, sollte das doch kein Problem sein!

      Da hab ich eben meine Zweifel, ob das immer so problemlos wäre. Außerdem: Wäre die Empörung über die Verheimlichung genauso groß, wenn es ein Nebenjob bei einer Putzstelle, als Kellner, in einem Call-Center oder meinetwegen als Model wäre? Ich denke nicht.

      Ich versteh nicht so ganz, worauf du mit deinem Post hinaus willst. Möchtest du zeigen, dass ein Beruf in einem solchen Lokal nicht normal ist, sich das aber ändern sollte?`Oder möchtest du zeigen, dass es nicht normal ist und deshalb Frauen, die diesen Beruf ausüben sich nicht wundern sollen, wenn sie als Nutte o.ä. bezeichnet werden?

      Weder noch. Ich fand es einfach bemerkenswert, wie schnell sich die Begeisterung in Empörung verwandelt. Die Beschimpfungen hießen ja nicht „was verheimlichst du mir?“ oder „warum lügst du mich an?“, sondern es ging eindeutig nur um die Art der Arbeit, die er kurz zuvor noch sehr sexy und spaßig fand.
      Ich finde es total daneben, wenn Strip-Tänzerinnen als Nutten bezeichnet werden. Es ist genauso abwertend, wie es klingt. Und da ich mir denke, dass sehr viele Männer etwas dagegen hätten, wenn ihre Frauen oder Töchter in so einem Lokal arbeiten, kann man eben nicht sagen, dass es ein normaler Job ist. Für Singles oder kinderlose und besonders offene und tolerante Paare vielleicht schon, aber ich denke, dass es Partnerschaft, Familienleben oder auch einen späteren Berufswechsel (die Frauen werden ja auch nicht jünger) im Vergleich zu anderen Jobs schon empfindlich negativ beeinflußt.

  2. „Weder noch. Ich fand es einfach bemerkenswert, wie schnell sich die Begeisterung in Empörung verwandelt.“

    Das ist in der Tat interessant. Bin mir aber wie gesagt immernoch nicht sicher, wodurch diese zustande kam. Natürlich hast du Recht, dass die Art der Beschimpfung auf die Art der Arbeit zielt. Aber ich kenne das von mir, dass man in manchen Situationen einfach nur aus Wut und dadurch dass man selbst verletzt ist auch etwas Verletztendes sagen möchte und da manchmal zu Dingen greift, die mit der eigentlichen Wut in keinem Zusammenhang stehen.

    „Da hab ich eben meine Zweifel, ob das immer so problemlos wäre. Außerdem: Wäre die Empörung über die Verheimlichung genauso groß, wenn es ein Nebenjob bei einer Putzstelle, als Kellner, in einem Call-Center oder meinetwegen als Model wäre? Ich denke nicht.“

    Ich kann hier nur von mir persönlich reden und da wäre die Empörung in der Tat ebenso groß. Es geht mir darum, dass ich in einer Beziehung nicht hintergangen werden möchte und besonderen Wert auf Ehrlichkeit lege, die mit einer solchen Aktion eben nicht gegeben ist.

    „Und da ich mir denke, dass sehr viele Männer etwas dagegen hätten, wenn ihre Frauen oder Töchter in so einem Lokal arbeiten, kann man eben nicht sagen, dass es ein normaler Job ist.“

    Das empfinde ich persönlich als ein ziemlich scheinheiliges Argument. Ich denke auch, dass viele Eltern (auch heute leider noch) etwas dagegen hätten, wenn ihre Kinder homosexuell wären, aber würde dennoch nicht sagen, dass Homosexualität unnormal ist!

    • Das ist in der Tat interessant. Bin mir aber wie gesagt immernoch nicht sicher, wodurch diese zustande kam. Natürlich hast du Recht, dass die Art der Beschimpfung auf die Art der Arbeit zielt. Aber ich kenne das von mir, dass man in manchen Situationen einfach nur aus Wut und dadurch dass man selbst verletzt ist auch etwas Verletztendes sagen möchte und da manchmal zu Dingen greift, die mit der eigentlichen Wut in keinem Zusammenhang stehen.

      Das ist sicher so, ich verstehe auch, dass man sauer ist, wenn man auf diese Weise hintergangen wird. Wäre ich sicher auch. Trotzdem rechtfertigt es nicht derartige Beleidigungen. Damit beleidigt man ja nicht nur die betreffende Person, sondern gleich alle anderen auch, die dort oder allgemein in dem Beruf tätig sind, und mit der Beziehung zwischen den Beiden nichts zu tun haben. Die müssen sich auf einmal anhören, dass man halbnackt aussieht wie eine billige Nutte. Von jemandem, der ihnen vielleicht eben noch sabbernd einen Schein in den Tanga geschoben hat.

      Ich kann hier nur von mir persönlich reden und da wäre die Empörung in der Tat ebenso groß. Es geht mir darum, dass ich in einer Beziehung nicht hintergangen werden möchte und besonderen Wert auf Ehrlichkeit lege, die mit einer solchen Aktion eben nicht gegeben ist.

      Aber wenn es dann rauskommt, fliegen sicher nicht solche Beleidigungen durch die Luft, sondern eher Vorwürfe, die sich direkt auf die Unehrlichkeit beziehen.

      Das empfinde ich persönlich als ein ziemlich scheinheiliges Argument. Ich denke auch, dass viele Eltern (auch heute leider noch) etwas dagegen hätten, wenn ihre Kinder homosexuell wären, aber würde dennoch nicht sagen, dass Homosexualität unnormal ist!

      Finde ich keinen passenden Vergleich. Wenn Homosexualität als „unnormal“ bezeichnet wird, ist eher krank oder pervers gemeint. Wenn ich bei solchen Berufen von nicht normal rede, meine ich keine Perversion, sondern „kein Beruf wie jeder andere“.

  3. „Das ist sicher so, ich verstehe auch, dass man sauer ist, wenn man auf diese Weise hintergangen wird. Wäre ich sicher auch. Trotzdem rechtfertigt es nicht derartige Beleidigungen.“

    Es ging mir hier nicht um irgendeine Rechtfertigung, ich glaube die kann es nicht geben. Sondern vielmehr um eine Art des Verstehens bzw. Nachvollziehens.

    „Aber wenn es dann rauskommt, fliegen sicher nicht solche Beleidigungen durch die Luft, sondern eher Vorwürfe, die sich direkt auf die Unehrlichkeit beziehen.“

    Und da wäre ich mir eben nicht so sicher. Weil ich von mir selbst ein Erlebnis in Erinnerung habe, bei dem mir eine rassistische Beleidigung rausgerutscht ist, die nichts mit der Situation selbst zu tun hatte und auch generell nicht meine Meinung ist. Ziel war vor Wut einfach nur die andere Person zu treffen, zu verletzten. Deshalb wüsste ich nicht, was mir in einer solchen geschilderten Situation rausrutschen würde. Ich kann mir das schwer vorstellen.

    „Finde ich keinen passenden Vergleich. Wenn Homosexualität als “unnormal” bezeichnet wird, ist eher krank oder pervers gemeint. Wenn ich bei solchen Berufen von nicht normal rede, meine ich keine Perversion, sondern “kein Beruf wie jeder andere”.“

    Ich verstehe nicht genau, was damit gemeint ist. Was bedeutet für dich „kein Beruf wie jeder andere“? Und wieso da das Argument, dass viele Männer etwas dagegen hätten, wenn Familienmitglieder das machen würden? Welche Rolle spielt das denn?

    • Ich verstehe nicht genau, was damit gemeint ist. Was bedeutet für dich “kein Beruf wie jeder andere”?

      Hatte ich weiter oben schon erklärt. Diese Berufe beeinflussen das private Leben der Personen mehr als andere Berufe. Viele Partner kommen damit nicht zurecht. Kinder sollen möglichst nicht damit konfrontiert werden. Und bei Bewerbungsgesprächen reagieren Personaler mit Sicherheit auch nicht nur begeistert auf die Aussage „ich bin eigentlich Striptänzerin“.

      Und wieso da das Argument, dass viele Männer etwas dagegen hätten, wenn Familienmitglieder das machen würden? Welche Rolle spielt das denn?

      Ich finde durchaus, dass das eine Rolle spielt. Da kommen Eifersuchtsfaktoren dazu, wenn die eigene Frau halbnackt vor fremden Männern herumtanzt, die sie anstarren, womöglich auch anfassen. Damit dürften sehr viele nicht zurechtkommen. Und mir kann keiner erzählen, dass es ihm egal wäre, wenn seine Tochter Geld damit verdient, sich auszuziehen. So eine Karriere wünscht doch niemand dem eigenen Kind. Bei dem einen oder anderen mag da die Toleranzschwelle groß genug sein, aber ich denke, die meisten hätten da eher Magenschmerzen.

  4. „Eine typische Szene, die zeigt, dass Frauen nur genau dann als Dienstleisterinnen im Erotikgewerbe akzeptiert sind, solange es nicht die eigene Partnerin (oder eine sonst nahestehende Frau) tut. Fremde Frauen dürfen sich gern zur Schau stellen, aber bitte nicht die eigene. Die hat anständig zu sein. Warum ist das so ein Problem, wenn diese Jobs doch so normal sind, dass sie sogar schon von der Arbeitsagentur angeboten werden?“
    Die Frage bei dieser Szene ist, mit wem soll sich der Zuschauer identifizieren?
    Im heutigen gesellschaftlichen Klima, aufgrund deiner Antwort – sofortige Identifikation mit der Frau („Die Arme[n]!“) – und anderen Indikatoren (Sie tut es, um die Spielschulden ihrer Mutter zu begleichen!) würde ich darauf wetten, dass der Zuschauer mit der Frau mitfühlen soll.
    Womit dieser Film erst einmal ‚pro‘ solcher Berufe wäre und er wäre außerdem gegen ein Stigma.

    Die Frage, ob diese Interpretation der Filmszene typisch für die Gesellschaft ist, ist noch einmal eine ganz andere. Eine, die ich aufgrund mangelnder Informationen nicht abschließend beantworten kann. Ich weiß, es gibt Männer, die damit kein Problem haben – viele Pornodarstellerinnen sind verheiratet – und dann gibt es noch welche, die eines haben – ich hätte ein Problem, wäre meine Freundin Prostituierte. Andererseits kann ich mir durchaus vorstellen, dass viele Frauen damit ein Problem hätten, wäre ihr Freund ein Stricher.

    • Die Frage bei dieser Szene ist, mit wem soll sich der Zuschauer identifizieren?
      Im heutigen gesellschaftlichen Klima, aufgrund deiner Antwort – sofortige Identifikation mit der Frau (“Die Arme[n]!”) – und anderen Indikatoren (Sie tut es, um die Spielschulden ihrer Mutter zu begleichen!) würde ich darauf wetten, dass der Zuschauer mit der Frau mitfühlen soll.

      Naja, auf das Drehbuch hab ich ja nun keinen Einfluß. Die Szene war nun mal so dargestellt, wie ich sie beschrieben habe. Ich halte aber das Phänomen, dass die Tätigkeit bei fremden Frauen als attraktiv gesehen wird, bei Frauen, mit denen einen ein engeres emotionales Verhältnis verbindet aber nicht, für durchaus realistisch. Das halte ich auch für einen wesentlichen Faktor, den diese Branche von anderen unterscheidet.

      Andererseits kann ich mir durchaus vorstellen, dass viele Frauen damit ein Problem hätten, wäre ihr Freund ein Stricher.

      Jup. Ich würde das auch nicht wollen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s