Anne Will berichtet nach der Sexismus-Debatte über eigene Erfahrungen

Während eines Volontariats beim „Sender Freies Berlin“ (SFB) sei die damals 25-Jährige von dem nicht namentlich erwähnten Mann angefasst worden. Damals habe sie zunächst nicht die Möglichkeit gesehen, ihren Peiniger in die Schranken zu weisen. Eine Frauenbeauftrage sei allerdings eines Tages auf sie zugekommen und habe ihr gesagt, dass es einige Frauen im Unternehmen gebe, die den Kollegen anzeigen wollen – allerdings anonym.

„Ich mache mit, allerdings nicht anonym“, habe sie damals geantwortet. Die Frauenbeauftragte habe ihr davon abgeraten: „Bist du verrückt? Du bist doch in der Ausbildung.“ Ihr Kollege sei zwar für sein Fehlverhalten nicht gefeuert worden, habe aber eine leitende Funktion bei SFB nicht erhalten, obwohl er sich für diese beworben hatte. „Gut so“, sagt Will heute.

Na Wahnsinn. Der Belästiger wird damit bestraft, dass er seine Beförderung nicht bekommt. Huiuiui, das sind ja mal ganz empfindliche Sanktionen. Dass ihn das unheimlich beeindruckt haben muß, zeigte er später, als er sich wieder bei Anne Will bewarb.
Abgesehen davon, was ist das für eine Frauenbeauftragte, die der belästigten Person mit der Betonung auf das Ausbildungsverhältnis den Mut nehmen will, offensiv gegen die belästigende Person vorzugehen? Zumal es offenbar noch mehrere Frauen gegeben hat, die gleiche oder ähnliche Erfahrungen mit ihm gemacht haben? Naja, das Ganze ist wohl etwa 20 Jahre her. Galten damals noch keine gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Auszubildenden? Auch wenn sie schon volljährig waren?

Entschuldigt habe sich der Mann bei ihr bis heute nicht. Allerdings sei einige Jahre später eine Bewerbung auf Wills Schreibtisch gelandet. Der damalige SFB-Kollege wollte mit ihr zusammenarbeiten – ausgerechnet in Wills Firma.

Naja, versuchen kann man es ja. Wird schon keiner merken. Wahrscheinlich hat sie das eh vergessen, war ja auch nur Spaß, und in Wirklichkeit wollte sie das doch.
So ungefähr oder? Hab ich was vergessen?

Die 46-Jährige TV-Moderatorin blickt kritisch auf die aktuelle Sexismus-Debatte. Zwar sei es wichtig, dass das Problem „als solches wahrgenommen“ werde. Dass sich die Dinge seither zum Besseren gewandelt hätten, lasse sich aber kaum konstatieren: „Das muss ich auch mit Blick auf mein eigenes Medium zugeben: Wir reiten Debatten manchmal tot. Zwar hält bei Twitter nach wie vor der „Aufschrei“ an, aber es ist schwer nachzuprüfen, ob er was verändert hat.

Quelle

Deswegen halte ich es für wichtig, einfach am Thema dranzubleiben, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen, Mißstände wieder und wieder offenzulegen, nicht still zu sein. Veränderungen erreicht man nicht, wenn mal einmal dünn dazwischenpiepst und wieder abtaucht. Veränderungen erreicht man durch Hartnäckigkeit.

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