Warum das Argument „Frauen suchen sich doch ihre schlecht bezahlten Berufe selbst aus, also sollen sie auch nicht jammern“ keins ist

Dass Berufe, die überwiegend frauendominiert sind, oft sehr schlecht bezahlt sind, ist eine Tatsache und ein Problem, das oft auf den bequemen Satz „selbst schuld, wenn Frauen solche Berufe wählen“ runtergebrochen wird. Dass das kein Argument ist, wird klar, wenn man mal weiterdenkt. Es impliziert die Aussage „mach doch einfach was anderes und jammere nicht rum“. Aber erstens ist es kein Jammern, wenn man verlangt, dass Arbeit – und erst recht schwere Arbeit – sowohl monetär als auch das Ansehen betreffend angemessen honoriert wird. Zweitens ist „einfach was anderes machen und dann mehr verdienen“ ab einem gewissen Alter auch nicht mehr so einfach möglich. Und drittens, nähme man das ernst und alle in schlecht bezahlten Berufen tätigen Frauen würden einfach einen anderen Beruf wählen, wäre doch das Problem nicht beseitigt, sondern im Gegenteil, jede Menge neue Probleme kämen dann noch dazu. Und wer dann als erstes darunter zu leiden hätte, wären genau die Falschen.

Unsere Gesellschaft ist dringenst auf Menschen angewiesen, die bereit sind, Dienst direkt am Menschen zu tun. Das Stichwort demographischer Wandel muß ich ja sicher nicht näher erläutern. Einfach schulterzuckend die „selbst Schuld“-Keule zu schwingen, weil andere sich für andere Menschen einsetzen und kritisieren, dass man dafür schlecht bezahlt wird, ist also gewissermaßen gesellschaftsschädigend und sehr egoistisch. Jeder von uns könnte schon morgen selbst auf Hilfe angewiesen sein. Dann wird er es aber mit Sicherheit dankbar zu schätzen wissen, dass jemand für ihn da ist.

Es ist leicht, „warum machst du es dann?“ zu sagen, wenn man sagt, dass die Bezahlung im Gesundheits- und Pflegebereich, gemessen an dem, was gefordert und geleistet wird, geradezu lächerlich gering ist. Dass man dabei nicht reich werden kann, weiß man vorher. Aber man kann erwarten, dass man von seiner Arbeit leben kann. Selbständig und ohne weitere finanzielle Unterstützung ist das aber nur ganz gut möglich, wenn man Vollzeit arbeitet. Aber wer hält das 40 Jahre lang selbst gesundheitlich aus? Und mit „ganz gut“ meine ich kein Luxusleben mit 150m2-Penthouse, BMW, 5*-Lokalen, wöchentlichen Shoppingorgien, Markenwahn und 2x 2 Wochen Karibik im Jahr, sondern ein stinknormaler sparsamer Alltag mit Aldi & Co.

Laut einer Studie von 2009 verlassen 50% aller Pflegekräfte ihren Beruf bereits nach 3,5 Jahren. Ein großer Einflussfaktor ist allerdings auch das Berufseintrittsalter. Junge Berufseinsteiger, die gerade aus der Schule kommen, verlassen den Beruf wesentlich schneller als z.B. Umschüler, die erst mit Mitte 30 beginnen. (Ist hier nachzulesen)
Für mich sehr logisch und nachvollziehbar. Mit 35 hat man in der Regel schon mehr Lebenserfahrung, Reife und Reflexionsvermögen gesammelt als mit 20, um mit den anspruchsvollen Aufgaben und Schwierigkeiten, mit denen man konfrontiert wird, fertig zu werden.

Ein weiteres Argument, das man hört, wenn man über schlechtbezahlte Frauenberufe spricht, ist das der Beliebtheit und der Marktsättigung. Wenn viele Bewerber in den gleichen Beruf drängen, setzt das Prinzip Lohndumping ein. Meist verbunden mit dem lustigen Hinweis, dass Frauen sich eben lieber einen gemütlichen, schönen Beruf aussuchen. Ähm, ja… Das trifft ja nun auf das Pflege- und Gesundheitswesen nicht so wirklich zu oder? Dass sich die Bewerberinnen in den Vorstellungsgesprächen die Klinke in die Hand geben, wäre mir jetzt neu. Das kann es also auch nicht sein.

Ein interessanter Artikel zur Bezahlung von Frauenberufen:
Frauenberufe – Zum Schämen schlecht bezahlt

Einem Lkw-Fahrer wird das Heben schwerer Lasten mit barer Münze angerechnet, einer Altenpflegerin nicht. Schuld an dieser Ungerechtigkeit haben auch die männerdominierten Gewerkschaften. Wenn Frauen mehr Lohn wollen, brauchen sie eine starke Lobby – und die können nur sie selbst sein.

Schafft Zustände, worin jeder herangereifte Mann ein Weib nehmen, eine durch Arbeit gesicherte Familie gründen kann! Dieser Leitsatz stammt aus einer Denkschrift der Internationalen Arbeiterassoziation aus dem Jahr 1866. Der männliche Alleinverdiener war der Maßstab – in einer Zeit, in der sich die Gewerkschaften natürlich auch erst einmal selbst finden mussten.

Im März 2013, wenn über die schlechte Bezahlung in typischen Frauenberufen geklagt wird, hilft der Satz trotzdem zu verstehen, wo auch heute noch eines der Probleme liegt: in der Männerdominanz in den Gewerkschaften, siehe Mitgliederstruktur und Besetzung der Vorstandsposten. Stehen Tarifverhandlungen an, orientieren sich die Herrschaften eher einseitig am typisch männlichen Lebensmodell der Vollzeitarbeit als an variablen, familientauglichen Arbeitszeiten.

Dass nun am Equal Pay Day die zuständigen Politikerinnen ein Umdenken bei Tarifverhandlungen fordern, ist überfällig. Auch, dass die Frauenberufe endlich aufgewertet werden. Der Schwerpunkt des Aktionstages lag darum diesmal im Gesundheits- und Pflegebereich. Denn nirgendwo anders wird so deutlich, dass Arbeiten, die überwiegend von Frauen übernommen werden, zum Schämen schlecht bezahlt sind.

Die Tarifpartner nur zu ermahnen, bringt nichts

Doch wie soll diese Aufwertung funktionieren? Die Tarifpartner nur zu ermahnen, doch bitteschön über eine „geschlechtergerechte Lohnfindung“ nachzudenken, wie es Familienministerin Kristina Schröder tut, bringt nichts.

Es beginnt damit, dass Frauen ihren Widerwillen gegen testosterongeladene Hinterzimmer-Versammlungen überwinden und sich stärker in den Gewerkschaften engagieren müssen. Wenn sie mehr Lohn wollen, brauchen sie eine starke Lobby – und die können nur sie selbst sein. Als um die 35-Stunden-Woche gekämpft wurde, hatten die wenigen DGB-Frauen alle Mühe, sich durchzusetzen. Sie wollten eine Verteilung der kürzeren Arbeitszeit auf einen familienkompatiblen Sechs-Stunden-Tag, ihre zahlreichen Kollegen hingegen lieber zusätzlichen Urlaub oder Freischichten.

Die Masse zählt; außerdem beharrliche Lobbyarbeit, um bewusst zu machen, was etwa Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen Tag für Tag leisten. Wenn Frauen in Frauenberufen zu schwach organisiert sind, haben die Gewerkschaften wenig Kampfkraft. Und die müssen sie haben, um bei Tarifauseinandersetzungen wenigstens drohen zu können.

Sicherlich gibt es Frauenberufe, in denen Streiks wenig bewirken. Womit soll eine Friseurin oder Floristin drohen? Fällt ein Flug aus, kann man nicht reisen. Zum Haareschneiden geht man, meist jedenfalls, dann halt später.

Die Hartnäckigkeit von Gewerkschafterinnen ist gefragt
Der wochenlange Streik der Erzieherinnen vor einigen Jahren zeigt aber, dass Selbstbewusstsein und Zusammenhalt etwas bringen können. Deren Belastungen durch Lärm oder Sitzen auf niedrigen Kindergartenstühlen werden seitdem im Gehalt berücksichtigt.

Es gilt, die Tarifbindung insbesondere bei Frauenberufen zu stärken. Schwierig wird es werden, Rahmentarifverträge systematisch daraufhin zu durchforsten, wo Gleichheitsgrundsätze verletzt sind. Dazu zählt, dass das Heben schwerer Lasten einem Lkw-Fahrer mit barer Münze angerechnet wird, einer Altenpflegerin aber nicht. Die Tarifpartner haben diese Verträge oft jahrelang ausgehandelt, so schnell will da keiner etwas ändern. Wenn schon auf Arbeitgeberseite zu wenig führende Frauen da sind, ist hier die Hartnäckigkeit von Gewerkschafterinnen gefragt.

Die Zeit arbeitet für sie: In Pflegeheimen droht 2030 ein Kollaps, alte Menschen können nicht mehr versorgt werden. Pflegerinnen verdienen so wenig, dass sie in Großstädten kaum leben können. Das wird dann ein Problem der ganzen Gesellschaft, nicht nur ihres weiblichen Teils.

17 Kommentare zu “Warum das Argument „Frauen suchen sich doch ihre schlecht bezahlten Berufe selbst aus, also sollen sie auch nicht jammern“ keins ist

  1. Im Großteil stimme ich dir zu, allerdings mit einer Ausnahme. Wenn der Satz fällt, man hätte doch was anderes lernen können, man wüsste schließlich, dass Pflegekräfte oder Erzieher wenig verdienen, stimmt das auch.

    Also hier liegt tatsächlich ein strukturelles Problem vor, dem man sich wie in dem von dir zitieriten Artikel erwähnt, entgegenstellen sollte. Das strukturelle Problem bedeutet aber im Einzelfall keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, sondern Diskriminierung bestimmter Branchen aufgrund der Geschlechterverteilung in den Branchen.
    Auch eine männliche Pflegekraft wird nicht gerade viel verdienen. Daher habe ich persönlich auch immer ein Problem, wenn mir jemand sagt, sie verdient so wenig, weil sie eine Frau ist.
    Wenn man dann in der Pflegebranche ist, verdient man so wenig, weil die ganze Branche abgewertet wird.

    Ein weiterer Punkt, der neben dem Geschlechteraspekt hinzukommt ist der, dass die heutige Gesellschaft sehr materialistisch orientiert ist und daher Berufe, die kein „Produkt“ erzeugen, sondern eine Dienstleistung verkaufen häufig geringer bezahlt werden.

    • Wenn der Satz fällt, man hätte doch was anderes lernen können, man wüsste schließlich, dass Pflegekräfte oder Erzieher wenig verdienen, stimmt das auch.

      Das ist aber keine Lösung des Problems, wie ich ja schon erklärt habe. Wenn den Rat alle befolgen würden, wärs ganz düster. Wie gesagt, es ist einfach kein Argument.

      Im Gegenteil, dieses Land braucht qualifiziertes Personal, aber wo soll es herkommen, wenn die Konditionen so unattraktiv sind?

      Und von Diskriminierung eines Geschlechts hab ich übrigens gar nichts geschrieben.

      Die schlechte Bezahlung in weiblich dominierten Berufen hat allerdings auch unterschiedliche Gründe. Friseurinnen z.B. verdienen ja auch sehr schlecht. Aber das ist ein Beruf, der wirklich sehr beliebt ist, obwohl auch sehr anstrengend (Umgang mit Chemikalien, den ganzen Tag stehen, Arme auf Brusthöhe halten –> klingt nach nix besonderem, aber mach das mal 1 Stunde lang). Und nicht wirklich viele Menschen sind bereit, fürs Haareschneiden viel Geld auszugeben, weil es irgendwie auch nicht zu den existentiellen Grundbedürfnissen des Menschen gehört, eine perfekte Frisur zu haben. Wenn kein Friseur in der Nähe ist, stirbt niemand. Allerdings bedienen z.B. Manager, Vorstände und ähnliche Spitzenpositionen auch kein existentielles Grundbedürfnis. Wodurch ist also der hohe Verdienst dort gerechtfertigt? Vor grauer Vorzeit war der Friseur auch mal ein angesehener typischer Männerberuf, genau wie Lehrer übrigens. Sobald Frauen die Domäne erobert hatten, sanken sowohl Löhne als auch Ansehen.

      Das ist im Gesundheitswesen ein bisschen anders. Wurde ursprünglich mal hauptsächlich von Nonnen ausgeübt, die aus christlicher Nächstenliebe wohltätige Dienste verrichtet und zum vergelts-Gott-Tarif gearbeitet haben. Später wurden dann besonders Frauen gesucht, weil man aufgrund des herrschenden Frauenbildes, dass diese besonders zur Erziehung und Pflege geeignet sein, der Meinung war, dass diese Arbeit weder eine besonders qualifizierte Ausbildung, noch angemessene Bezahlung benötigt. Das hat sich erst in den letzten Jahrzehnten gewandelt, und genau da ist immer noch eine Menge Nachholbedarf.

    • *Das ist im Gesundheitswesen ein bisschen anders. Wurde ursprünglich mal hauptsächlich von Nonnen ausgeübt, die aus christlicher Nächstenliebe wohltätige Dienste verrichtet und zum vergelts-Gott-Tarif gearbeitet haben.*

      In der Charité wars z.B. so, fand ich auch interessant, dass die Patienten nach ihrer Gesundung die Pflege übernommen haben, um ihre Rechnung quasi abzuarbeiten, war ja ein Armenkrankenhaus. Irgendwann wurde da auch mal rausgefunden, dass eine Ausbildung von Vorteil wäre 🙂

      http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Krankenpflege

    • Naja, dass die Verantwortung für Wohl und Gesundheit anderer Menschen nicht eben klein ist und durchaus nicht weniger Kenntnisse und Fähigkeiten bedarf, hat man halt irgendwann verstanden. Jetzt muß man nur noch verstehen, dass das ein bisschen mehr verdient als Almosen und einen feuchten Händedruck. 😉

  2. Wie ich sehe, sind solche Artikel wie dieser hier bitter nötig, wenn ich sehe, dass Frauen in solchen Berufen nun auch noch unterstellt wird, sie würden das nur tun, weil sie ja ohnehin nicht selbst für ihren Unterhalt aufkommen müssen und deswegen die geringe Bezahlung gern in Kauf nehmen. Das ist nicht nur kein Argument, sondern eine bodenlose Frechheit. Bei soviel Ignoranz möchte man fast Pflegebedürftigkeit an den Hals wünschen, wenn es keine Pflegekräfte mehr gibt, weil sich mit dieser Bezahlung niemand mehr zufrieden gibt. Ist doch nicht zu fassen sowas…

    • „weil sie ja ohnehin nicht selbst für ihren Unterhalt aufkommen müssen und deswegen die geringe Bezahlung gern in Kauf nehmen.“

      nun sind frauenberufe ja nicht nur solche im gesundheitswesen, sondern auch diverse -helferinnen, verkäuferinnen, floristinnen, grundschulleherinnen. die pflegeberufe wählen junge frauen ganz sicher nicht nur aus rein altruistischen gründen, denn wäre das so, würden sie diese berufe nicht so schnell verlassen.
      frauen wählen diese berufe, weil sie meinen, man könne dort familie und beruf besser vereinbaren. das heißt, sie gehen davon aus, dass es später einen hauptverdiener gibt, der nicht sie selbst sind.

      „Viele junge Mädchen ergreifen diese Berufe mit der Begründung, sie könnten dann Arbeit und Familie besser vereinbaren. Dabei ist das in diesen Berufen gerade nicht der Fall. Die Technikberufe sind zum Beispiel sehr viel familien- und arbeitszeitfreundlicher als die Berufe in der Krankenpflege oder im Handel. Und Frauenberufe sind sehr häufig Sackgassenberufe: Es ist kein Aufstieg möglich. Wer einmal Arzthelferin geworden ist, bleibt es auch. Die gesellschaftliche Bewertung dieser Berufe hört man ihnen geradezu an: Frauenberufe sind die „Helferinnen“- und „Assistenz“-Berufe. (…)

      Junge Frauen haben wenig Wissen über die tatsächliche Berufsrealität und ihre Aufstiegschancen. Außerdem ist bei uns in der Bundesrepublik der gesellschaftliche Druck sehr hoch, dass die Frau einen Beruf haben sollte, der dem Geschlechtsrollenbild entspricht“

      http://www.sueddeutsche.de/karriere/berufswahl-maedchen-sollten-dahin-kommen-sich-jeden-beruf-zuzutrauen-1.551698

      … und dieses geschlechtsrollenbild ist das der hinzuverdienerin, die „irgendwas mit menschen“ macht und sich hauptamtlich um die familie kümmert. diesem bild trifft bei den frauen auf zustimmung und sie wählen die entpr. berufe.

    • Dieser Artikel stützt doch deine absurde Behauptung nicht. Familie und Beruf vereinbaren zu können ist bei dir gleichbedeutend damit, auf einen Ernährer zu hoffen? Was hast du denn für ein seltsames Berufsbild? Ahnung hast du jedenfalls nicht.
      Schon mal auf die Idee gekommen, dass man einen Pflegeberuf auch ausüben kann, weil es eine wichtige Tätigkeit ist? Nein, sowas siehst du nicht. Für dich sind das nur egoistische Schnallen, die einen niedlichen kleinen „irgendwas mit Menschen“-Job machen, Hauptsache, es gibt einen Mann, der die richtige Kohle ranschafft. Diese abwertende Arroganz kotzt mich an. Bete besser dafür, dass du niemals die Hilfe dieser Menschen beanspruchen mußt. Obwohl… dann würdest du vielleicht von deinem Roß runterkommen, die Realität sehen und zu schätzen wissen, worum es geht.

  3. Der verlinkte Artikel trifft auf der einen Seite den nagel auf den Kopf: Gewerkschaften können nur dort Erfolge erringen, wo der Organisationsgrad hoch ist, und das ist er in den „typischen Frauenberufen“ leider nicht; miese Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne sind die Folge. Dies einfach auf die bösen, von Männern dominierten Gewerkschaften zu schieben, springt aber viel zu kurz. Wenn die Kampfkraft der Arbeiter bspw im Bereich der Müllabfuhr hoch genug ist, um Zuschläge für schwere körperliche Arbeit zu erstreiten, bei Pflegeberufen aber nicht, liegt die Verantwortung bei denen, die den Gewerkschaften im Pflegebereich fern bleiben oder nicht zu Arbeitskämpfen bereit sind. Ich würde mir ja auch die übergeordnete Kraft wünschen, die in allen Bereichen für gerechten Löhne sorgt, aber:

    Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    Uns aus dem elend zu erlösen können wir nur selber tun.

    Das gilt gender-unabhängig…

  4. „Familie und Beruf vereinbaren zu können ist bei dir gleichbedeutend damit, auf einen Ernährer zu hoffen?“

    das ist nicht „bei mir“ gleichbedeutend damit, sondern in den der realität. derjenige, der weniger verdient, tritt beruflich kürzer. das ist meist die frau. wenn sie also einen schlecht bezahlten job wählt, dann kalkuliert sie ein, im job für die familie kürzer zu treten.

    „Schon mal auf die Idee gekommen, dass man einen Pflegeberuf auch ausüben kann, weil es eine wichtige Tätigkeit ist?“

    IT oder maschinenbau sind auch wichtige tätigkeiten. und wenn es den frauen dann so wichtig ist, warum steigen sie nach kurzer zeit aus diesem wichtigen beruf wieder aus?

    und was deine bezugnahmen auf meine person angeht, weißt du ja, dass du dir das sparen kannst.

    • IT oder maschinenbau sind auch wichtige tätigkeiten.

      IT ist im Vergleich zum Gesundheitswesen netter Luxusschnickschnack und kein Vergleich zu wirklich schwerer Arbeit. Kein Mensch ist existentiell darauf angewiesen.

      und wenn es den frauen dann so wichtig ist, warum steigen sie nach kurzer zeit aus diesem wichtigen beruf wieder aus?

      Aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie einfach merken, dass es eben doch nicht das richtige ist. Kann ich auch keinem verdenken.

      und was deine bezugnahmen auf meine person angeht, weißt du ja, dass du dir das sparen kannst

      Warum. Hast du Angst, dich mit der Realität auseinanderzusetzen? Du könntest theoretisch morgen einen Schlaganfall haben und vom Hals abwärts gelähmt sein. Dann scheißt du auf IT-Leute und bist froh, dass dir jemand den Arsch abputzt und dir schmerzstillende Mittel verabreicht.

    • „Warum. Hast du Angst, dich mit der Realität auseinanderzusetzen?“

      deine pampigkeiten sind zwar auch realität, aber keiner, mit dem ich mich auseinanderzusetzen gedenke.

    • Süß. Wenn man Tacheles redet und die Zuckerwatte mal gegen die Realität austauscht, ist es „Pampigkeit“. Na wenn dir das solche Angst macht, bleibe halt in deiner Traumwelt.

    • Beleidigung gelöscht.
      Wenn dir nichts anderes mehr einfällt, halte dich einfach zurück. Mod

  5. Solche Pflegeberufe sind mitunter auch mit schweren seelischen Entbehrungen verbunden- oder glaubt hier jemand, es ist für die pflegende Person unbedeutend, immer wieder Menschen krankheits oder altersbedingt sterben zu sehen? Oder mit schwerkranken Menschen zu arbeiten, die unter starken Schmerzen leiden? Oder wie wäre es mit einer Behindertenwerkstatt- hat hier jemand Ahnung, was man da alles aushalten muss? Mit körperlicher Stärke alleine kommt man da nicht durch- auch die Psyche leidet. Ich habe selber keinen solchen Beruf, aber großen Respekt für die, die diese Jobs wählen und mit Hingabe machen. Es wird leider nur nicht ausreichend gewürdigt. Natürlich steigen viele aus diesen berufen wieder aus- es zerrt nämlich an der Substanz und ist seelisch häufig viel anstrengender, als körperlich(obwohl es auch auf den Körper geht, wenn die Seele leidet oder man jeden Tag andere Personen vom Boden aufheben muss, die 30 kg schwerer sind, als man selbst) Diese Arbeitskräfte leiden häufig nach wenigen Jahren an Rückenproblemen, selbst junge, die noch nicht mal an die 30 heran sind.

  6. Der Berufsstand, der so sehr wie kaum ein anderer für unser Wohlbefinden verantwortlich ist, gehört zu den schlechtestbezahlten Berufen unseres Landes – das ist eine Schande.

    Jens Berger über deutschen Pflegenotstand und Fachkräftemangel

    Chinesische Pflegekräfte – das böse Spiel mit dem „Fachkräftemangel“

    Verantwortlich: Jens Berger
    Da hierzulande rund 30.000 Fachkräfte im Pflegebereich fehlen und potentielle Bewerber aus der EU einen weiten Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland machen, will die Bundesagentur für Arbeit nun im großen Stil Pflegekräfte aus China und den Philippinen anwerben. Doch was sich hinter dem vermeintlichen „Fachkräftemangel“ versteckt, ist eigentlich vielmehr die logische Folge der Privatisierung des Gesundheitssystems. Der drohende Pflegenotstand wurde mutwillig herbeigeführt und ist politisch durchaus gewollt.

    Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind aktuell 18.000 offene Stellen in der Kranken- und Altenpflege nicht besetzt. Der Arbeitgeberverband Pflege geht sogar von aktuell 30.000 fehlenden Fachkräften aus. Wenn man bedenkt, dass seit dem Beginn der großen Privatisierungswelle im Jahre 1995 alleine in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen abgebaut wurden und die anfallende Arbeit nicht weniger, sondern mehr wurde, kann der jetzige „Fachkräftemangel“ kaum verwundern. Vor allem die privaten Krankenhausbetreiber haben diesen Mangel mit aller Macht herbeigeführt. Um die gesteckten Renditeziele zu erreichen, mussten die Kosten heruntergefahren werden und im Gesundheitssektor sind die Personalkosten nun einmal der einzige Kostenblock, bei dem nennenswertes Sparpotential vorhanden ist.

    Verzeihung, ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester verschluckt

    20 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1.500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Zu den besser verdienenden Krankenpflegern zählen dabei meist ältere Arbeitskräfte, die noch alte Arbeitsverträge nach dem TVÖD haben, die im Rahmen der Privatisierung übernommen werden mussten. Auch wenn dies kein Klinikbetreiber je offen zugeben würde: Das größte Einsparpotential bei den Lohnkosten lässt sich dadurch erreichen, ältere Mitarbeiter freizusetzen und durch neue, jüngere Mitarbeiter zu ersetzen, die nach den wesentlich schlechter dotierten Haustarifen bezahlt werden. Und wer nicht freiwillig seinen Beruf an den Nagel hängt, wird durch Arbeitsverdichtung mürbe gemacht.

    Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25% mehr Fälle als vor 15 Jahren. Eine groß angelegte Befragung des Pflegepersonals durch das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung ergab, dass 60 Prozent der Befragten angaben, dass nicht in jeder Schicht ausreichend examiniertes Personal zur Verfügung stehen würde, um die Versorgung fachlich abzusichern. 40 Prozent der Beschäftigten gaben an, ein „arbeitsgefährdendes Überstundenkontingent“ angehäuft zu haben. Die jeden Monat geleisteten Überstunden entsprechen dabei einem Äquivalent von 15.000 Vollzeitstellen. Als letzter Ausweg bleibt den überforderten Pflegekräften oft nur eine Überlastungsanzeige. Das Herrschaftsprinzip divide et impera (teile und herrsche) funktioniert jedoch vor allem in den privatisierten Häusern, in denen der Betriebsrat oft systematisch behindert und das Personal unter Druck gesetzt wird. Das systemische Versagen wird auf die Angestellten abgewälzt, der Druck auf die Mitarbeiter bis zum Maß der Unerträglichkeit gesteigert. Nicht wenige Mitarbeiter zerbrechen an diesem Druck und kündigen ihren Job.

    Wir basteln uns einen Fachkräftemangel

    Für jüngere Menschen ist ein Job, bei dem eine hohe physische und psychische Belastung mit einem niedrigen Gehalt einhergeht, jedoch auch nicht sonderlich attraktiv. Vor allem im Süden der Republik fällt es den Krankenhausbetreibern immer schwerer, überhaupt noch geeignete Kräfte zu diesen Konditionen finden. Die eigentliche Bombe tickt jedoch bereits bundesweit. In keinem anderen Berufszweig ist der Altersdurchschnitt so hoch wie in der Krankenpflege. Da sich aber nur jeder zweite Beschäftigte vorstellen kann, diesen physisch wie psychisch anspruchsvollen Job bis zum Eintritt ins Rentenalter auszuüben, wird die Branche schon bald ein Nachwuchsproblem bekommen. Da die Zahl der Ausbildungsplätze bundesweit stark rückläufig ist, dürften die Konzerne schon bald Schwierigkeiten haben, die vorhandenen Stellen überhaupt noch besetzen zu können.

    Die Hoffnung, schlecht bezahlte Stellen in Häusern mit einem miserablen Arbeitsumfeld mit ausländischen Fachkräften ausgleichen zu können, ist der feuchte Traum einiger Controller in den Krankenhauskonzernen. Doch bei den momentanen Rahmenbedingungen wird sich dieser Traum nicht erfüllen und auch das ist nicht sonderlich überraschend. Schon am Beispiel der polnischen Pflegekräfte hat sich gezeigt, dass sie lieber einen besser bezahlten Job in der Schweiz, in Schweden oder in Großbritannien annehmen als ins „Niedriglohnparadies“ Deutschland zu emigrieren. In Polen herrscht derweil aufgrund der Abwanderung der Fachkräfte selbst ein akuter Mangel, der mit geringer qualifizierten Kräften aus der Ukraine ausgeglichen wird.

    Einen Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland

    Wie der Arbeitgeberverband Pflege eingesteht, ist Polen da kein Einzelfall. Auch aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn konnten deutsche Arbeitgeber nur „wenige Pflegefachkräfte“ anwerben. Und auch die erhoffte Zuwanderung von Pflegekräften aus Bulgarien, Rumänien und den jugoslawischen Nachfolgestaaten will nicht so recht in Gang kommen. Doch wen mag das ernsthaft wundern? So funktioniert nun einmal Marktwirtschaft. Solange deutsche Arbeitgeber keinen ordentlichen Löhne zahlen und für gute Arbeitsbedingungen sorgen, werden – mehr oder minder – freizügige europäische Arbeitnehmer auch weiterhin einen Bogen um Deutschland machen und unsere Politiker und Leitartikler einen „Fachkräftemangel“ beklagen.

    Und wenn selbst Bulgaren und Rumänen die Löhne in Deutschland zu gering sind, muss man seine „Billigarbeitskräfte“ halt in den echten Niedriglohnländern vor Ort requirieren. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit startet nun Pilotprojekte in China und auf den Philippinen, um „ausgebildete“ Pflegerinnen für deutsche Krankenhäuser und Pflegeheime zu finden. Das erinnert frappierend an das Phänomen der chinesischen „Gastärzte“, mit dem sich die NachDenkSeiten im Herbst letzten Jahres schon beschäftigt hatten.

    Ist es wirklich so schwer, die eigentlichen Gründe für den Personalnotstand im Pflegebereich zu erkennen? Begreifen die Verantwortlichen denn überhaupt auch nur die Grundlagen des Arbeitsmarktes? Würde man die Beschäftigten im Pflegebereich auch nur ein wenig besser bezahlen und vor allem besser behandeln, gäbe es auch keinen Fachkräftemangel. Der Berufsstand, der so sehr wie kaum ein anderer für unser Wohlbefinden verantwortlich ist, gehört zu den schlechtestbezahlten Berufen unseres Landes – das ist eine Schande. Doch anstatt sich zu empören und gegenzusteuern will unsere Gesellschaft nun die Perversion auf die Spitze treiben und Billigarbeitskräfte aus Fernost importieren. Noch vor wenigen Jahren hätte man dies noch zurecht für ein Schauermärchen gehalten. Wo sind wir gelandet? Wie konnte es so weit kommen? Warum tut niemand etwas dagegen? Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so weit vor die Hunde gekommen?

    Das markierte Eingangszitat nur noch mal als Hinweis darauf, wie daneben es ist, Menschen ihre Entscheidung für diesen Beruf vorzuwerfen.

  7. In deinem Post argumentierest du eigentlich nur das Pflegeberufe unterbezahlt und unterbewertet werden. Dazu wirst du kaum Widerspruch bekommen. Sehe ich genauso und gilt für Männer und Frauen in diesen Berufen gleichermaßen.
    Ich habe auch noch nie gehört, dass irgendjemand darauf mit einem Schulterzucken und der Bemerkung „selber schuld“ reagiert.

    Der Hinweis darauf, dass schlechte Bezahlung maßgeblich ein Resultat von Berufswahl und andern Lebensentscheidung ist, ist in aller Regel die Antwort auf die Behauptung dass „Frauen 20-30% weniger verdienen weil sie Frauen sind“. (Über Jahre hinweg noch mit dem völlig haltlosen Zusatz „für dieselbe Tätigkeit“.)

    Die Vermengung der Tatsache dass Pflegeberufe unterbezahlt sind mit der faktisch falschen Implikation, dass sie unterbezahlt sind weil sie überwiegend von Frauen ausgeübt werden ist Kontraproduktive, da dies am Problem völlig vorbei geht.
    Und es wird völlig Kontraproduktive wenn (in einem Kommentar) dann noch versucht wird „männerdominierten Gewerkschaften“ dafür die Schuld zu geben.
    Wenn an das Problem mit einer „Männer gegen Frauen“ Mentalität herangegen wird, ist das nur eine Garantie dafür, dass es keine Veränderung geben wird, da es sich eben nicht um ein „Männer gegen Frauen“ Problem handelt, sondern die Ursachen ganz wo anders liegen.

    • In deinem Post argumentierest du eigentlich nur das Pflegeberufe unterbezahlt und unterbewertet werden

      Nein, nicht nur, aber auch.
      Eine oft gelesene Argumentation ist der Vorwurf, warum Frau sich nicht was anderes sucht, was besser bezahlt wird, wenn sie schlechte Bezahlung thematisiert. Mein Argument ist nun, dass das keine Lösung ist, da dies eben sehr oft Berufe betrifft, auf die jede Gesellschaft dringend angewiesen ist. Wenn jeder von denen einfach was anderes macht, nur weil er mit der Bezahlung nicht zufrieden ist, würden sich sehr viele Menschen verdammt blöd umschauen.

      Aber du hast Recht, eigentlich ist das kein Frau-Mann-Ding. Es spielt keine Rolle ob es um Krankenschwestern oder Müllfahrer geht. Allerdings habe ich den Vorwurf „Sollen sie halt was anderes machen“ bisher nur an Frauen gerichtet vernommen.

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