„Wer keine Wahl hat, handelt nicht frei“ – Birgit Kelle und die Prostitution

Na was sagt man dazu? Frau Kelle hat ja doch mal realistische Ansichten. Außer ihrem polemischen Gepolter um geöffnete Blusen und ihrer verschleierten Sicht auf Sexismus, wodurch sie erst richtig Aufmerksamkeit bekam, gibt es durchaus Lichtpunkte, die weit mehr Aufmerksamkeit verdienen. Bevor die Sexismus-Debatte Anfang des Jahres medienstark ins Rollen, und sie selbst in die Diskussion kam, hat sie sich zum Thema Prostitution geäußert.

Jenseits von Pretty Woman

Charlotte Lindholm wird sie zur Strecke bringen nächsten Sonntag. Zuhälter und Männer aus feinster Gesellschaft, die junge Mädchen zu Zwangsprostituierten gemacht haben, um sie anschließend auf den Müll zu werfen. Es wird leider nur ein „Tatort“-Etappensieg in einem Milieu, das auch mitten in Deutschland real existiert.

Ist Prostitution inzwischen ein ganz normaler Beruf?

Und auch wenn immer wieder behauptet wird, dass die Mehrheit der deutschen Männer regelmäßig zu Prostituierten geht – eine Behauptung, für die der Beweis noch aussteht – so kennen die meisten von uns das Thema Prostitution doch eher aus den „Wanderhure“- und„Pretty Woman“ -Geschichten des Fernsehens, denn aus dem realen Alltag. Entsprechend überraschend traf auch mich diese Woche die Frage eines Kollegen: „Was halten Sie von Prostitution?“

Meine tatsächlichen Berührungspunkte beschränken sich auf Begegnungen in diversen Großstädten Europas. Mein erster Besuch in Berlin nach dem Fall der Mauer. Die Bushaltestelle morgens um vier. Gegenüber zwei Damen in Skianzügen und hochhackigen Stiefeln. Ich erinnere mich bis heute, darüber nachgedacht zu haben, welchen Club die beiden wohl besucht haben in dem Aufzug, bevor mir klar wurde, dass sie wohl nicht wie ich auf den Bus warten. Ich erinnere mich an Amsterdam mit 23 Jahren. Wie ich mit meiner Freundin durch das einschlägige Viertel schlenderte und wir die Damen in den Schaufenstern betrachteten, die kaum älter aussahen als meine älteste Tochter heute, die ich damals im Bauch trug. Ware, die zur Schau gestellt wird, beleuchtet in Rot und Pink. Fehlte nur noch das Preisschild.

Ernüchternd diese Normalität. Wie freiwillig machen diese Frauen das tatsächlich? Die Frage treibt mich um. Wie man als Frau, als Mensch, gewerbsmäßig seine Sexualität vom eigenen Geist trennt. Sex als Job, als Geschäft, als Dienstleistung, die ich an einem anderen Körper verrichte. Verrichte, allein das Wort! Wie fühlt sich das an? Ist Prostitution inzwischen ein ganz normaler Beruf, wie Einzelhandelskauffrau oder Rechtsanwaltsgehilfin?

Betroffene Frauen aus der Branche haben darum gekämpft, aus der Illegalität herauszukommen. Sie dürfen heute ihren Lohn einklagen und sind krankenversichert, was für sie real eine Verbesserung ihrer Lebensumstände darstellt. Zumindest einige sind heute nicht mehr so schutzlos der Straße ausgeliefert, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Ja es gibt diese Frauen, die sagen, sie machen das freiwillig und sie verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Sie haben es als ihr Recht proklamiert, ihren Körper legal verkaufen zu dürfen. Ein normales Dienstleistungsgewerbe zu sein und nicht mehr in der Schmuddelecke der Gesellschaft zu stehen. Es wurde als Recht der Frau erkämpft. Wie viel von der eigenen Seele verkauft man dabei wohl mit?

Prostitution hat die Mitte der Gesellschaft nicht erreicht

Wahrscheinlich ist es die einzige Ansicht, die ich mit Alice Schwarzerteile, dass die Legalisierung der Prostitution keine Befreiung der Frau darstellt. Dass es keine Errungenschaft ist, dass wir Frauen uns selbst als Ware anbieten. Trotz Seitensprungagenturen und steigender Untreue betrachtet die Mehrheit sexuelle Treue doch immer noch als wesentlichen Faktor einer Beziehung. Weil wir Einzigartigkeit wollen, nicht Beliebigkeit. Weil wir die Sexualität des Partners nicht teilen wollen, sondern Exklusivrechte beanspruchen. Weil es für die meisten eben doch nicht dauerhaft trennbar ist, Liebe und Sexualität. Weil es eben doch nicht so einfach ist, die eigene Seele und Intimsphäre beliebig zur Verfügung zu stellen.

In der Mehrheit unserer Gesellschaft ist der Gang zur Prostituierten nach wie vor verpönt. Sie ist das Gegenteil von Einzigartigkeit. Sie ist Beliebigkeit, sie ist kurzer Spaß gegen Geld. Es gehört nicht gerade zum guten Ton, vom Bordell-Besuch am letzten Wochenende zu berichten oder über die Qualitäten des Call-Girls von letzter Nacht zu fachsimpeln. Obwohl es also das älteste Gewerbe der Welt ist, hat es niemals die Normalität der Gesellschaft erreicht.

Nein, ich will mich nicht daran gewöhnen, dass Prostitution angeblich ein normaler Beruf wie jeder andere sei. Nicht, weil ich die Frauen verurteile, die ihm nachgehen, sondern weil ich es als Armutszeugnis für unsere Gesellschaft empfinde. Weil es erschreckend ist, dass Frauen heute noch mitten in Deutschland offensichtlich glauben, mit nichts anderem ihren Lebensunterhalt verdienen zu können als mit ihrem Körper. Wir sind eines der reichsten Länder der Erde, unsere Mädchen sind heute besser ausgebildet als je zuvor. Wir wollen sie in den Führungsetagen sehen und nicht in den dunklen Gassen und Saunaclubs unserer Großstädte.

Die Frage nach der Freiwilligkeit der Prostitution erinnert ein bisschen an die Debatte um ein Kopftuch-Verbot. Auch dort haben wir die Frauen, die nach eigener Aussage ganz bewusst und stolz dasselbe tragen. Für die es eine Beschneidung ihrer Rechte bedeuten würde, sollte man ihnen das Tragen des Tuches verbieten. Gleichzeitig ist es für sehr viele ein Symbol der Unterdrückung. Es verfestigt die Ansicht, dass Frauen minderwertig sind und dem Mann untertan. Dass er bestimmen darf, was sie tut.

Einfach abgehakt durch die Legalisierung?

Die rechtliche Anerkennung von Prostitution verfestigt analog die Ansicht, dass der Körper einer Frau nichts weiter als eine Ware ist. Das dieser zu haben ist, wenn nur der Preis stimmt. Dass Sexualität auch nichts weiter als eine Ware ist, die losgelöst von Gefühlen jederzeit und überall konsumiert werden kann wie ein Eisbecher, bei dem ich nur ab und zu die Geschmacksrichtung ändere. Und wie einfach ist es doch für uns als Gesellschaft, die Sache damit abzuhaken. Denn wenn man Prostitution einfach nur legalisiert, wo ist dann noch das Problem? Wer kümmert sich dann noch um die Frage, wie man eventuell andere Perspektiven auftut im Leben dieser Frauen, die nicht die Preisgabe der eigenen Sexualität und der eigenen Intimität abverlangen?

Die Tatsache, dass die meisten Prostituierten in unserem Land aus osteuropäischen Ländern, aus Thailand oder aus afrikanischen Staaten kommen, spricht Bände. Geben wir diesen Frauen auch eine reale andere Chance, in unserem Land ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Oder kümmert uns ihre Zwangslage einfach nicht genug? Haben wir unsere Schuldigkeit getan, indem wir ihre Arbeitsplätze heute sauberer und sicherer gestaltet haben und sie bei Verdi einen eigenen Arbeitskreis „Besondere Dienstleistungen“ besitzen?

Hinzu kommen in heutiger Zeit noch ganz andere Formen der Prostitution, die sich weltweit langsam aber sicher ausbreiten. Die Wissenschaft macht es möglich. War es bislang nur die Sexualität der Frau, die zum Kauf anstand, so ist es heute auch noch zusätzlich ihre Fruchtbarkeit, die gegen Zahlung zu haben ist. In Osteuropa verkaufen Frauen ihre Eizellen für die Forschung und an kinderlose Paare. Sie unterziehen sich dafür körperlich anstrengenden und gefährlichen Hormonbehandlungen. In Deutschland ist das verboten. Noch jedenfalls. Bei manchen endet es tödlich. Sie kassieren dafür mehr Geld, als sie in einem normalen Job in einem halben Jahr verdienen können. Ihre finanzielle Not treibt sie dazu, ihre Gesundheit und ihr Leben zu riskieren. Ist das noch Freiwilligkeit? Ist es in Ordnung, dass wir ihren Körper nutzen, weil sie ja dafür bezahlt werden?

Wir stehlen uns aus der Verantwortung

In Indien und auch anderen Ländern existiert ein blühender Markt für Leihmutterschaft. Auch das ist in Deutschland verboten. Noch jedenfalls. Es gibt zahlreiche Agenturen, die damit werben, das Geschäftliche abwickeln und damit gut verdienen. Eine moderne Form der Zuhälterei. Auch hier sind es die armen Frauen, die ihren Körper für Geld zur Verfügung stellen, um Kinder zu gebären, die dann in den reichen Westen abgegeben werden. Sie bringen damit ihre anderen Kinder und ihre Familien zu Hause durch. Ist es Freiwilligkeit, dass sie ihren Körper hergeben, nur weil sie dafür bezahlt werden? Ist es einfach nur ein Geschäft, ein Kind auszutragen?

Wir stehlen uns aus der Verantwortung, wenn wir das alles nur unter dem Hinweis der Freiwilligkeit abhaken. Wer keine Wahl hat, handelt nicht frei.

Bravo, Frau Kelle! Ich kann jeden einzelnen Satz unterschreiben. Auch wenn sonst viel Unsinn von ihr kommt. DAMIT hat sie mal voll ins Schwarze getroffen.

23 Kommentare zu “„Wer keine Wahl hat, handelt nicht frei“ – Birgit Kelle und die Prostitution

  1. War ja klar, dass Spekulations-Christian wieder seine üblichen Unterstellungen parat hat, ohne die er einfach nicht leben kann.

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    Es ist so lächerlich. Wird er diesen Reflex, andere für „sexfeindlich“ zu halten, weil sie eine andere Haltung zur Prostitution haben, je überwinden? Es hat ja schon fast was von Pawlow. Kaum erhebt sich eine kritische Stimme zu einem Thema zur Sexualität, ist es für ihn „SEXFEINDLICH!!!einself“. Weil, Kritik an Prostitution ist ja gleichbedeutend mit Kritik an Sex. Nee, is klar.

    Vermutlich würde er davon nicht mal abrücken können, selbst wenn ich viele private Geschichten aus meinem Intimleben verbloggen würde, wie andere es tun. Einfach nur verbohrt und verblendet durch und durch.

    Und um den Bogen zu meiner Kritik an Kelle zu spannen, erfindet er einfach irgendeine ideologische Parallele: „das macht man nicht“, um das Weltbild zu erhalten. Meine Güte, wie panne.

    Er sollte seinen Blog umbenennen. „Alles Spekulation“ würde es besser treffen.

    • Ich frage mich ja, ob es für ihn genauso ’sexfeindlich‘ wäre, wenn stattdessen Prostitution von Männern thematisiert wäre. Oder steht es außer Frage, dass sich auch Männer aus einer Notlage heraus prostituieren, dass sie das alles freiwillig machen weil sie viel Sex bekommen und dafür auch noch bezahlt werden?

      Aber selbstverständlich wollen die bösen Feministinnen den armen Männern bloß den Spaß am käuflichen Sex verderben, natürlich…*facepalm*

    • Ach es ist einfach nur albern und hochgradig dämlich. Auf der einen Seite steht der Vorwurf, man hätte gar keine eigene Meinung, was natürlich schon Unsinn ist. Aber wenn man sich positioniert, ist es dann die falsche Meinung und man bekommt irgendeinen bekloppten Stempel. Muß schlimm sein, wenn man dieses Schubladendenken und Spekulationen über andere Menschen zum Leben braucht. Noch dazu, wenn es so an der Realität vorbei geht.

      Kelle spricht mit ihrem Artikel viele wichtige und richtige Punkte an, die ich im Einzelnen gar nicht zitieren möchte, weil quasi der ganze Text daraus besteht. Die aber in einem sexistischen Weltbild, in dem Frauen nur was taugen, solange sie sich allzeit willig präsentieren und vor der großen dominanten Männlichkeit in Ehrfurcht erzittern, natürlich nicht so bequem sind. Da kommt so eine Sexfeindlichkeitskeule natürlich gerade recht. So dumm sie auch ist. Ich meine, was ist das für ein Denken? Bezahlten Sex kritisieren = Sex generell ablehnen? Hallo Logik? Wo bist du?

    • @Grace

      „Ich frage mich ja, ob es für ihn genauso ‘sexfeindlich’ wäre, wenn stattdessen Prostitution von Männern thematisiert wäre.“

      Wie gesagt, sexnegativ wäre das bessere Wort gewesen. Aber klar kann sich auch ein Mann entscheiden Prostituierter zu werden. Man sollte das nicht von vorneherein stigmatisieren. Er wird aber dann wohl eher im HomosexuellenBereich arbeiten, der Gigolo-Bereich für Frauen ist denke ich nicht so groß.

    • Du meinst also konsequenterweise, dass Männer, die Prostitution kritisch sehen, auch irgendein Problem mit Sexualität an sich haben?

    • @onyx

      Sexnegativ und sexpositiv sind Bezeichnungen, die nicht auf die eigene Sexualität gerichtet sind, sondern für Strömungen innerhalb einer Debatte. Für eine sexnegative Feministin sind bei Fragen der Sexualität Machtverhältnisse und potentielle Unterdrückung sehr wichtig, für eine sexpositive Feministin ist dieser Zusammenhang weit weniger wichtig, wichtig ist, was die Person will und der Mensch wird – tata! – individueller gesehen, dass heißt einer Prostituierten wird auch zugestanden, dass sie sich nicht nur in diese Unterdrückungsverhältnisse einordnet, sondern selbstbestimmt mit ihrer Sexualität umgeht, was auch bedeuten kann, sich für Sexarbeit zu entscheiden.

    • Hier schwimmst du aber ganz schön herum, würfelst Dinge durcheinander und unterstellst gleich noch ein paar Unwahrheiten. Also alles wie immer.

      Du unterstellst mir, dass ich Männer als Unterdrücker betrachte, Frauen nicht zugestehe, was sie wollen und freiwillige Prostituierte ebenfalls nicht akzeptiere. Das sind Lügen. Einfach nur Lügen. Du bist ein Lügner.

    • @onyx

      Kelle schreibt ja:

      Ware, die zur Schau gestellt wird, beleuchtet in Rot und Pink. Fehlte nur noch das Preisschild. (…)

      Gleichzeitig ist es für sehr viele ein Symbol der Unterdrückung. Es verfestigt die Ansicht, dass Frauen minderwertig sind und dem Mann untertan. Dass er bestimmen darf, was sie tut.(…)Wie viel von der eigenen Seele verkauft man dabei wohl mit?(…)
      wer kümmert sich dann noch um die Frage, wie man eventuell andere Perspektiven auftut im Leben dieser Frauen, die nicht die Preisgabe der eigenen Sexualität und der eigenen Intimität abverlangen?

      Sie meint also, dass die Frauen dort wie waren präsentiert werden (nicht: Sich selbst präsentieren). Sie nimmt Bezug auf die direkte Unterdrückung und Machtverhältnisse. Sie sagt, dass der Freier bestimmt was sie tut und sie ihre Seele verkauft. Sie geht davon aus, dass man mit dem Job die eigene Sexualität und Intimität preisgibt.

      Das ist doch wohl die Beschreibung von Frauen, die zur Ware gemacht werden, ihre Seele verkaufen, also unterdrückt werden oder nicht? Und inwiefern akzeptierst du damit tatsächlich Prostitution bei einigen Frauen als freie Entscheidung, die nicht in Machtverhältnisse eingebunden ist?
      Als ich in einer damaligen Diskussion Sina, eine feministische Prostituierte, verlinkt habe, hast du den Link gelöscht, weil du – sinngemäß – so einen Schmutz nicht auf deiner Seite haben wolltest.

      Das geht doch wohl genau in diese Richtung.

      Aber vielleicht kannst du ja mal darstellen, inwiefern Prostituion keine Unterdrückung der Frau ist und inwiefern du freiwillig Prostituion akzeptierst.

    • Aber vielleicht kannst du ja mal darstellen, inwiefern Prostituion keine Unterdrückung der Frau ist und inwiefern du freiwillig Prostituion akzeptierst.

      Nö. Nicht schon wieder. Ich muß mich nicht rechtfertigen.

      Du könntest im Gegenzug ja mal erklären, welche Kritik du selbst gelten lässt. Oder ist für dich alles eitel Sonnenschein, wenn im Fernsehen ein paar exotische Schönheiten mit einem Glas Prosecco tapfer in die Kamera lächeln und „ich nix gezwungen, gern machen alles freiwillig, gut Geld“ stottern? (Nein das ist nicht rassistisch, ich habe so eine Reportage mal gesehen, wo es exakt diese Szene gab. Ob die Dame sich wirklich im Wortlaut so geäußert hat, weiß ich nicht mehr, aber an das wenig glaubhafte Bekenntnis der Freiwilligkeit im gebrochenen Deutsch kann ich mich gut erinnern) Findest du es ok, dass sich Menschen aus Geldnot prostituieren? Dass sie vielleicht scheinbar freiwillig Praktiken anbieten oder tolerieren, nur weil es dafür mehr Geld gibt? Die sie aber eigentlich ablehnen/zu intim/eklig/schmerzhaft/erniedrigend finden etc? Wenn aus Konkurrenzdruck ein Dumping-Effekt einsetzt? Findest du es ok, dass so viele Frauen als Prostituierte arbeiten, die kaum 3 Worte deutsch verstehen?

    • Ok, alles klar. Das Ausschweigen, wenn es konkret wird, ist Statement genug. Keine weiteren Fragen. Diskussion beendet.

    • @Onyx

      Ich wollte eigentlich auch sexnegativer Feminsmus schreiben, in Abgrenzung zum sexpositiven Feminismus.

      Dass du nicht dem sexpositiven Feminismus zuzuordnen bist erscheint mir dann allerdings sehr offensichtlich.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars#Prostitution_debate

      The sex-positive perspective sees prostitutes as active agents in their lives and work and embraces more open views of sexuality and pleasure. It argues that women have power within the sexual experience of prostitution because they control the services and fees. They are seen as sexually liberated and may enjoy their work. Although there is not an easy way to quantify how much control and enjoyment any prostitute has over her work, sex-positive feminists also emphasize that, from a humanist perspective, individuals should have the right to choose their work, including the choice of prostitution.[33] They argue that sex work is not inherently exploitive or degrading and that there is much variation in the situation of sex workers. Most sex-positive feminists do recognize that women working as prostitutes face difficult realities of violence and possible criminal implications. This group often supports sex worker rights projects and the decriminalization of prostitution, which would allow prostitutes to organize and give them greater protection of health and safety. Decriminalization would allow sex work to be regulated, giving women more protection

    • Ich wollte eigentlich auch sexnegativer Feminsmus schreiben

      Na das ist ja auch was totaaal anderes. Wenn ich bei dir nur „negativ“ und nicht „feindlich“ bin, macht mich das ja richtig glücklich…

      Deine scheint-mir-Argumente sind alles andere als überzeugend. Hälst du es wirklich für logisch, von einer prostitutionskritischen Haltung auf eine generelle negative Haltung zur Sexualität zu schließen? Das ist einfach nur weltfremd, aber nicht verwunderlich, wenn man nicht in der Lage ist, einen Blick übre den eigenen Tellerrand zu werfen und außerhalb von Schubladen zu denken. Die Welt ist größer als dein Mikrokosmos, es ist ein sinnloses Bemühen, alles auf Biegen und Brechen dort hineinpressen zu wollen.
      Du solltest mal versuchen, Menschen individueller zu betrachten. Du wirst dich wundern, welche Vielfalt dir begegnet. Oder brauchst du tatsächlich dein konkretes Schubladensystem, weil dich Vielfalt, Individualität und jegliches Abweichen von einem strikten System komplett überfordert?

    • @onyx

      Es mag dich hart treffen, aber deine Haltung ist nicht sonderlich individuell, sondern stimmt mit der im sexnegativen Feminismus überein.

      Hier mal der Text aus der Wikipedia:

      Anti-prostitution feminists identify prostitution as harmful to those who are directly involved in it: it spreads sexually transmitted diseases and threatens health[citation needed] and it involves violence towards prostitutes either by pimps or clients. According to a 2003 study: “violence is the norm for women in prostitution”.[29] These feminists also argue that women as a group are oppressed and harmed by prostitution even when they are not directly involved in it. Objectifying women through prostitution sends the message that men can buy a woman’s body. Scott Anderson explains, “prostitution plays a key role in sustaining the social inequality of women. It does so by defining women in general as sexual objects, available to any man who desires them”.[30] Similarly, prostitution legitimizes men’s demand for sex through the presence of coercion and rape of prostituted women. The nature of prostitution gives men power and control in the sexual ‘relationship’. Some anti-prostitution feminists argue further that prostitution is an issue that must be contextualized within a patriarchal and capitalist society. Although reasons for becoming a prostituted female are complex, many women are motivated by economic necessity. One woman pointed out that “hooking is the only job for which women as a group are paid more than men”[31] but despite this, most of the money prostitutes make is used and controlled by pimps.[32] Women who are struggling with poverty may turn to prostitution as a way to provide for themselves or their families, a last resort when they have few other opportunities. The social context of patriarchy gives women fewer opportunities and leaves them more likely to be in a position of economic need; given these circumstances they ‘choose’ to participate in prostitution because it is one of the seemingly few options available.[30]

      Im übrigen scheinst du die Prostituierten, wenn du Frau Kelle in allem zustimmst, auch nicht sehr individuell zu sehen. dabei hatte sich ich meine Sina hier ja schon einmal in einer früheren Debatte selbst gemeldet und ihre Sicht dargestellt.

    • Lächerlich. Es „trifft mich nicht hart“. Es ist mir egal, wie du mich bezeichnest. Du lebst ja ohnehin nur in deiner kleinen Welt, die nichts mit meiner Realität zu tun hat. Deine Scheuklappen sind nur so offensichtlich und du bemerkst deine Denkfehler nicht.

      Beantworte doch mal meine Frage.

      Hälst du es wirklich für logisch, von einer prostitutionskritischen Haltung auf eine generelle negative Haltung zur Sexualität zu schließen?

      Und versuche ausnahmsweise mal nicht, irgendwelche Fremdartikel zu zitieren oder dich auf andere Kommentatoren zu berufen, sondern bemühe mal deine eigenen Gedanken.

    • @onyx

      Ich hatte die Frage eigentlich oben bereits beantwortet.

      Nein, jemand mit einer prostitutionskritischen Haltung kann in seiner sonstigen Sexualität sehr frei sein.

      Um so eher er Sexualität in ein solches Unterordnungs- und Machtverhältnis einordnet, um so geringer sind aus meiner Sicht aber die Chancen dafür.

    • Wenn ich mich recht entsinne, wird keiner Prostituierten das Recht abgesprochen, ihrer Tätigkeit nachzugehen. Aber die Problematik des Sexgewerbes zu thematisieren ist deiner Meinung nach ’sexnegativ‘? Wir befürworten eine selbstbestimmte Sexualität, der auch Prostituierten zugestanden wird. Wenn diese Selbstbestimmung aber nicht gegeben ist und man dies problematisiert, ist das doch das genaue Gegenteil von sexnegativ, findest du nicht?

    • @ Christian

      „Im übrigen scheinst du die Prostituierten, wenn du Frau Kelle in allem zustimmst, auch nicht sehr individuell zu sehen. dabei hatte sich ich meine Sina hier ja schon einmal in einer früheren Debatte selbst gemeldet und ihre Sicht dargestellt.“

      Sina gehört zu denjenigen Escorts (!), die anerkennen, dass sie a) innerhalb des sogenannten Gewerbes zu den Priviligierteren gehört (nicht auf den Verdienst, somit auch nicht auf jeden Einzelnen Kunden angewiesen) & b) nicht so tut, als wäre Alles Eitel Sonnenschein. Sie glorifiziert Nichts. Sie kam, wenn ich es richtig zusammenpuzzle, dazu, Sex für Geld anzubieten, weil sie promiskuitiv und in einer offenen Beziehung lebte. Als sexuell freizügige Frau, die offen damit umgeht, scheint vielerorts die Frage aufzukommen, warum sie sich so „billig“ – also umsonst – „hergibt“. Das ist doch „dumm“ :/

      Wie genau der Fall bei Ariane (der Betreiberin des Blogs „Nuttenrepublik“) lag, weiß ich nicht. Auch sie ist studiert und gehört m.W.n. zu den internetweit aktivsten Kämpferinnen für die Rechte von Prostituierten. Vor Kurzem las ich in etwa (finde den Link in meinem großen Chaos gerad leider nicht), dass sie sich selbst eigentlich als eine schlechte Sprecherin für Prostituierte betrachtet, da sie dennoch leider (fast – meine Ergänzung, weil s.o.) alle gängigen Klischees erfülle (z. B. Drogenkonsum).

      Und dann möchte ich noch auf diesen Blog verweisen: http://magdalenas-lichter.blogspot.de/
      Lies Dich mal da durch, wenn Du das aushälst.

      Das sind drei individuelle Fälle der Minderheit der deutschsprachigen „Sexworker“.

      Auch Martin Auers Hörbuch „Hurentaxi“ möchte ich Dir ans Herz legen.

      Klischees sind Klischees, weil an ihnen oft was dran ist, würde Roslin wohl schreiben.

      Und wo es scheinbar nicht so ist, wie bei Sasha Grey, liest mann dann Sätze wie:

      „Mein Plan war, die männlichen Darsteller zu verunsichern, ihre Maskulinität klein zu reden während der Aufnahmen.“

      http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ex-pornostar-sasha-grey-ich-wollte-die-maenner-verunsichern-a-791470.html

      (Der Plan ist wohl eher nicht aufgegangen…)

      Erstes Ziel muss sein, „Sexworker“ als normale (nicht irgendwie „andersartige“) Frauen mit individueller Biographie betrachten zu können, die quasi zwangsläufig aufgrund ihres „Broterwerbs“ prekär leben. Ihre „Entscheidung“ für die Kommerzialisierung ihrer Sexualität erfolgt nicht im Luftleeren Raum – so wenig wie die der Freier/Konsumenten.

      Die größte Herausforderung ist m.M.n., Letztere (endlich) in den Fokus zu nehmen. Was bei umgekehrten Rollen, also wenn Mann dient und Frau sich bedienen lässt, seltsamerweise^^ ja auch zu erstaunlichsten Erkenntnissen führt…

      Ein Satz zur Kelle noch: ich halte es für denkbar, dass sich ihre konsequent-ablehnende Position auch aus der Tatsache ihrer Herkunft (Rumänien) speist. So wie mir halt eben, aufgrund meiner lehrenden Tätigkeit, die Haare zu Berge stehen (müssen), wenn ich mir vorstelle, ich solle eines Tages womöglich meinen Schülerinnen Prostitution als „Beruf wie jeder andere“ verkaufen. Hanebüchen!!!

  2. Onyx: „Hälst du es wirklich für logisch, von einer prostitutionskritischen Haltung auf eine generelle negative Haltung zur Sexualität zu schließen?“

    Anmerkung/Ergänzung: Die Frage sollte vielleicht eher lauten, ob sich von einer kritischen Haltung direkt auf eine positive Haltung gegenüber eines allgemeinen Verbotes schließen lässt. Ich helfe: Nein, kann man nicht! Das ist Schwachsinn!

    Ich bin nicht dafür, Prostitution wieder zu verbieten, aber ich kann dennoch einige eindeutige Fehler und Misstände im momentan herrschendem System anprangern! Den Unterschied zu verstehen sollte eigentlich nicht so schwer sein!
    Auch ist das weder „sexfeindlich“ noch „sexnegativ“. Im Gegenteil. Gegen den Ausverkauf des weiblichen (oder auch männlichen, wie gesagt, es gibt auch genügend Stricher) Körpers als billige Sexware ohne Rechte zu sein, ist sogar außerordentlich sexpositiv! So etwas schönes, intimes und wichtiges sollte nicht zu Ramsch verkommen und/oder mit Zwang in Verbindung stehen!

    Aber einem Menschen einen differenzierten Blick zu unterstellen, ist natürlich auch schon voll schwer. Erinnert mich an diesen einen Typen, der mir, nachdem ich schrieb „Ich bin kein großer Fan von Pornos“ direkt unterstellte, ich wollte Pornos verbieten. Klar! Eigentlich will ich sogar Sex generell verbieten! Weil!

    Zum Text: Würde ich so auch größtenteils unterschreiben, nur dieser Hinweis auf „das älteste Gewerbe der Welt“ ist scheiße. Das lese ich immer wieder und manche ziehen diesen Satz sogar als ernsthafte Begründung für ein laxes Prostitutionsgesetz heran, als wäre das eine feststehende Wahrheit oder richtige Quelle.
    Ist es nicht, es ist einfach nur völliger Blödsinn. Als hätte es in der Anfangszeit der Menschheit nicht wichtigere Dinge oder „Gewerbe“ gegeben!

    • Gegen den Ausverkauf des weiblichen (oder auch männlichen, wie gesagt, es gibt auch genügend Stricher) Körpers als billige Sexware ohne Rechte zu sein, ist sogar außerordentlich sexpositiv! So etwas schönes, intimes und wichtiges sollte nicht zu Ramsch verkommen und/oder mit Zwang in Verbindung stehen!

      Wunderbar ausgedrückt! Ausdrucken, einrahmen, an die Wand hängen!

  3. Meine Haltung zu diesem Thema ist geschlechtsübergreifend, klassenkämpferisch und auf die Verbesserung der konkreten Lebenssituation von Sexarbeitern beiderlei Geschlechts ausgerichtet (was natürlich auch Unterstützungsmöglichkeiten hinsichtlich eines gewünschten Ausstiegs aus dieser Arbeit beinhaltet).

    Der folgende Artikel aus einer freiheitlich-sozialistischen Zeitung, den ich auch schon bei Christian verlinkt habe, entspricht weitgehend meinem Bezug auf das Thema:

    http://www.direkteaktion.org/215/das-syndikat-der-sexarbeiterInnen

    Interessant fand ich auch dieses Interview mit einer Mitarbeiterin von Hydra, einer Selbsthilfe- und Interessenorganisation für weibliche Sexarbeiterinnen:

    http://www.direkteaktion.org/203/hydra-sexarbeit-interview

    (Onyx, sollten dir die Links nicht gefallen, musst du sie selbstverständlich nicht freischalten. Ich hatte nur den Eindruck, dass sie als Diskussionsbeiträge interessant sein könnten.)

    • @Leszek
      Nicht Pro Prostitution, aber Pro Prostituierte. Das gefällt mir.
      Ich denke auch, dass man die Strukturen in dem Gewerbe kritisch sehen kann, ohne die Frauen die den Job machen abzuwerten. Und ohne „sexnegativ“ zu sein. 🙂

      Meine Meinung ist, dass du, um tatsächlich den Job ohne Schaden machen zu können, Alternativen brauchst. Sprich, ich denke dass Frauen es als Nebenjob ohne Probleme machen können, als einzige Erwerbsmöglichkeit kann es häßlich werden.
      Schon alleine weil dein Marktwert mit zunehmenden Alter dramatisch sinken wird. Ohne Alternativen bist du sicherlich bald in der Situation, dass du alles machen musst, egal wie zuwider es dir ist, weil deine Miete ja bezahlt werden muss.

  4. Ich habe das Gefühl, dass von Frau Kelle viele Dinge vermischt werden, die man eigentlich trennen sollte.
    Ich sehe ein Problem damit, wenn Prostitution, der Verkauf von Eizellen und Leihmutterschaft in einen Topf geworfen werden. Der Verkauf von Eizellen beispielsweise ist weitaus gefährlicher für das Leben einer Frau als die Prostitution selbst. (Was das psychische angeht möchte ich jetzt nicht beurteilen, da das wohl individuell sehr unterschiedlich sein wird).

    Ich finde es wichtig, dass Missstände angeprangert werden, aber auch schade, dass hier die Frauen von Frau Kelle als Objekte und nicht mehr als Subjekte betrachtet werden.
    Wenn sie davon schreibt, wie sie präsentiert werden. Sie findet es schade, dass Frauen glauben, mit nichts anderem ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Woher weiß sie denn über die Beweggründe dieser Frauen, vielleicht wollen diese Frauen sich liebe prostituieren als Toilletten putzen? Wenn ich das richtig verstehe, so hatte Frau Kelle selbst niemals wirklich Kontakt zu Prostituierten oder hat irgendeinen Bezug dazu.
    Dadurch entstehen durch Medien gebildete Meinungen. Auch dass viele Prostituierte aus Osteuropa kommen, muss nicht heißen, dass sie das nicht freiwillig machen oder keine andere Chance hätten. Es kommen auch viele Männer aus Osteuropa zum Spargelstechen, gezwungen werden sie dazu dennoch nicht.
    Was natürlich nicht heißt, dass es keine Zwangsprostitution gibt. Und gegen echte Zwangsprostitution soltle man auch vorgehen. Und Zuhälterei ist glücklicherweise immernoch strafbar in Deutschland!

    Warum einer Frau nicht glauben, dass sie freiwillig hier ist und sich prostituiert, nur weil sie kein einwandfreies deutsch spricht? Wer kein Deutsch kann, ist noch lange nicht dumm und kann auch andere Sachen nicht einschätzen.

    Ich hoffe, dass das jetzt nicht alles irgendwie zu durcheinander ist…

    Liebe Grüße,
    Miria

    Ps. Ich glaube auch nicht, dass sich hier jemand für ein Verbot der Prostitution ausspricht und das finde ich gut 🙂

    • Warum einer Frau nicht glauben, dass sie freiwillig hier ist und sich prostituiert, nur weil sie kein einwandfreies deutsch spricht?

      Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass sie überhaupt ihre Rechte kennt, geschweige denn, diese gegebenenfalls auch einklagen kann, für nicht sehr hoch, wenn sie nicht mal die Sprache beherrscht. In der Landessprache kommunizieren zu können, um das Rechtssystem verstehen zu können, ist wohl absolute Voraussetzung für Freiwilligkeit.

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