Mediennutten – Bekanntheit und Aufmerksamkeit um jeden Preis

Wenn man 10 Bloggern die Frage stellt, warum sie bloggen, wird man wahrscheinlich 10 Antworten bekommen. Intention und Art und Weise des Bloggens sind so verschieden wie die Menschen selbst. Ob privat oder kommerziell, Sach- und Themenblogs oder virtuelle Tagebücher, Informationsquelle oder Diskussionsangebot, mit Kommentaren oder ohne.
Im ursprünglichen Sinn war ein Blog früher mal tatsächlich nicht viel mehr als ein Tagebuch, wo von persönlichen Erlebnissen, Eindrücken, Erfahrungen berichtet wurde. Nun genügt das vielen Bloggern aber oft nicht. Es sollen Meinungen ausgetauscht werden, Diskussionen geführt werden. Alles normal in unserer digitalen Informationsgesellschaft. Damit das möglich ist, muß die Bekanntheit des eigenen Blogs gesteigert werden. Das bringt Ansehen, naja wie auch immer man das betrachtet. Die effektivste Möglichkeit ist hier natürlich sensible Themen aufzugreifen, die jeden ansprechen oder schlicht provokant und streitlustig aufzutreten. Oder aber, Besucher zuzulassen, die das für einen selbst übernehmen. Da Menschen nun mal mit einer gewissen Sensationsgier ausgestattet sind, geht die Gleichung meistens auch auf. Je mehr „passiert“, desto mehr Zaungäste werden davon angezogen. Sieht man an jedem Unfall auf der Straße. An den Nachrichten oder der Zeitung. Ohne Schlagzeile keine Zuschauer, keine Käufer, keine Bekanntheit.

Alles keine Neuheiten. Also warum erzähle ich das, was hat das mit mir zu tun?

Nun, ich schreibe diesen Blog seit etwa 2,5 Jahren. Es war nie mein Bestreben, eine große Sache daraus zu machen. Ich habe es als eine Möglichkeit betrachtet, meinen Gedanken Raum zu geben. Nicht mehr und nicht weniger. Dass sich im Lauf der Zeit eine kleine, aber zuverlässige Stammleserschaft entwickelt hat, die langsam, aber stetig wächst, freut mich natürlich, ist aber nie der Grund gewesen, überhaupt anzufangen.

Nun mögen das manche belächeln, sich darüber lustig machen, dass andere eine geringere Popularität haben. Dass die täglichen Besucherzahlen niedriger sind. Dass weniger Leute kommentieren. Denen sei gesagt, dass mir sowas scheißegal ist. Und ich frage mich schon, wie abhängig man sich von seinem virtuellen Ansehen machen kann. Wieviel Wichtigkeit man diesem Ansehen geben kann. Ist das nicht ein bisschen lächerlich?

Heute habe ich folgenden Kommentar gefunden

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Hier hat der gute Nick mal gar nicht unrecht und ich danke ihm herzlich für diese offene Klarstellung. Er hat das hübsch formuliert. 🙂
Ich verkaufe mein Gewissen tatsächlich nicht zugunsten höherer Bekanntheit. Wollte ich das, würde ich hier ganz andere Seiten aufziehen.
Es wäre ein Leichtes, die Statistik zu pushen. Reißerische Titel, provokanter Schreibstil, andere (gar keine) Moderation. Und zack, wär es erledigt. Einzelne Artikel, in denen ich schon eine deutlichere Sprache verwendet habe als in anderen, haben gezeigt, wie schnell Besucher davon angezogen werden. Aber das ist nun mal nicht mein genereller Anspruch.

Wenn ich andere Blogs lese, finde ich es sympatisch, wenn man aus dem Bauch heraus schreibt, aus dem Leben gegriffen, mit Emotionen und einer persönlichen Note gespickt. Das macht einen Blog lebendig. Ich mag keine Texte, die am Leben vorbei geschrieben sind. Und ich mag keine Texte, die mit viel Polemik und Provokationen den Anschein einer Eloquenz liefern, letztlich aber nichts sagen. Solche Texte erhöhen aus o.g. Gründen vielleicht den Traffic, aber wirklich lebendig nenne ich das nicht. Und sympatisch schon gar nicht. Im Gegenteil, solche Mediennutten, die nur dafür schreiben, damit sie was geschrieben haben, über das geredet wird, und die selbst den widerlichsten Trollen Unterschlupf geben, weil die wieder neue Zaungäste anziehen, finde ich abstoßend. Da bleibe ich doch lieber bei meiner kleinen bescheidenen Statistik, schreibe das, was ich auch sagen will, lasse Spam und Trolle draußen und bleib mir selbst treu. Eine Ausnahme sei mir aber zugestanden. Kommentare der besonderen Art, Hate Speech gegen meine Person, wird auch weiterhin archiviert, und nicht einfach gelöscht werden.

Manchmal erreicht mich der Kritikpunkt, ich ließe keine Kritik zu und deswegen kämen keine Diskussionen zustande. Dazu habe ich schon mal gesagt und wiederhole es meinetwegen noch mal. Dass hier im Blog relativ wenig Kritik steht, liegt nicht daran, dass ich nichts freischalte, sondern daran, dass wenig kommt, was diskussionswert ist. Ganz einfach. Wenn die Kritik einzig darin besteht, dass ich dumm, borniert oder männerhassend sei oder ich nur mal wieder richtig genagelt werden müsse, nehme ich mir die Freiheit, das nicht als Kritik ernstzunehmen.
Irgendein ganz Schlauer schrieb mal über mich, „außerhalb meiner Filterbubble sei ich verloren“. Lustig, sowas von Leuten zu lesen, die es kaum beurteilen können. Die nicht wissen, was ich täglich lösche, um die Seite sauber und spamfrei zu halten. Die sich vielleicht auch nicht vorstellen können, dass es ein Leben außerhalb dieser Kiste hier gibt und „verloren“ eher diejenigen sind, die ihr Lebensglück und ihr Ego von ein paar Klicks abhängig machen.

7 Kommentare zu “Mediennutten – Bekanntheit und Aufmerksamkeit um jeden Preis

  1. Es gibt ja auch noch den Fall, indem man was zu sagen hat und die Leute es lesen wollen. Und eine offene Kommentarpolitik zu haben kann auch Gründe abseits der Generierung von Zugriffszahlen haben.

    Interessant aber, dass du die Bezeichnung Mediennutten verwendest. Ist das nicht eine Abwertung nicht frei handelnder Frauen?

    • Nein.
      Entweder stellst du dich absichtlich blöd und stellst Suggestivfragen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, oder du kennst den Begriff nicht. Er ist gebräuchlich für Menschen, die um jeden Preis Aufmerksamkeit wollen, im Mittelpunkt und im Gespräch sein wollen. Auch zum Preis totaler Peinlichkeit und Niveaulosigkeit.

    • Und ein gebräuchlicher Begriff kann nicht abwertend sein?

      Doch. Aber nicht in dem Kontext, den du hier konstruierst.

  2. Ich finde einen Schreibstil auf jeden Fall sehr sympatisch und deine Kriterien für einen guten Blog eben so. Und ich finde Moderation wichtig, da durch die internetgegebene Anonymität die Hemmschwelle für Scheißdreck sinkt. Ohne Moderation wird das nichts.

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