When my World is going down…

Wahnsinn. Da verfolgt man mal ein paar Tage die Blogosphäre nicht großartig, da stürzen hier komplette Weltbilder ein.

Worum gehts?

Seit Jahren ist es meine Überzeugung, dass es aufgrund der vielfältigen frauen- und männerrechtlichen Strömungen zwangsläufig gewisse Überschneidungen zwischen beiden Parteien geben muß. Das gebietet einfach die simple Logik. Dass ein Traditionalist es nicht begrüßt, wenn sich Frauen gegen das klassische Familienmodell entscheiden und lieber alternative Lebensmodelle anstreben, ist logisch. Auch ein Mann, der gern seine Kinder betreuen würde, wird nichts mit einer Frau anfangen können, die das eher als ihre Aufgabe sieht und von einem Mann andere Qualitäten erwartet als hauswirtschaftliche.

Schon oft habe ich betont, dass viele feministische Standpunkte auch Männerinteressen berücksichtigen. Die Reaktionen darauf waren absehbar und regelmäßig die gleichen. Verständnislose und (gespielt?) unwissende Fragen, was der Feminismus denn für Männer tun würde. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Feminismus, wie ich ihn verstehe und lebe, möchte weg von beengenden männlichen und weiblichen Rollenkorsetts und Stereotypen, in der davon abweichende Haltungen als Exoten betrachtet werden. Feminismus, wie ich ihn verstehe und lebe, möchte weg von der „Du willst es doch auch!“-Kultur, hin zu einer „Willst du auch?“-Kultur. Feminismus, wie ich ihn verstehe und lebe, geht von gegenseitigem Respekt aus.

Es ist nur logisch, dass kein Weg daran vorbeiführt, beiderseitige Interessen zu beachten, wenn man nicht frustriert dem Geschlechterkampf erliegen will. Denn nur so funktioniert dieser gegenseitige Respekt, den wir ja alle wollen. (Unterstelle ich einfach mal)

Wenn sich allerdings manche Antifeministen den Nice Guy auf die Fahne schreiben und ganz arg stolz betonen, welche modernen Positionen sie ja vertreten, zum Beispiel, wie scheiße sie Vergewaltigungen finden, frage ich mich: Was erwarten sie für so eine Aussage? Dass sie von Feministinnen für ihre progressive und besonders frauenfreundliche Haltung gefeiert werden? Man verdient sich keine Medaille, wenn man sich gegen sexuelle Gewalt ausspricht. Sonst könnte man nämlich genauso jeden als progressiven Menschenrechtskämpfer feiern, der sich gegen Sklaverei ausspricht. Das sind Selbstverständlichkeiten, die vorausgesetzt werden dürfen.

Oder ein Vater, der in der Presse einen 3seitigen Bericht bekommt und dafür bewundert wird, wie toll er mit seinen Kindern zurechtkommt und Wäsche waschen kann, die man auch danach noch tragen kann. Supi. Was will er dafür? Applaus, weil er die Waschmaschine bedienen kann, obwohl er ein Mann ist? Warum werden Heldentaten aus Dingen gemacht, die von anderen als Selbstverständlichkeit erwartet wird? Das ist genauso sexistisch wie die Lobeshymne auf Frauen, die es „trotz ihres Frauseins“ in Führungsetagen geschafft haben. Es impliziert eine generelle Absprechung bestimmter Fähigkeiten aufgrund des Geschlechts, wenn genau diese Fähigkeiten dann besonders hervorgehoben werden, wenn sie denn „ausnahmsweise“ mal auftreten.

Was ich sagen will, wenn jemand eine Position vertritt, die man nach dem Klischee eher bei „den anderen“ verortet, hat der- oder diejenige nicht gleich komplett die Seiten gewechselt. Birgit Kelle hat bei mir auch keinen Bonus gewonnen, nur weil sie mal was Kluges über Prostitution gesagt hat. Ihre generelle Haltung besonders zur #Aufschrei-Diskussion finde ich nach wie vor sehr kritikwürdig. Einzelne Aussagen können den Horizont und den Blickwinkel erweitern, krempeln aber nicht gleich den ganzen Menschen um. Einzelne Überschneidungen mit anderen Ideologien beweisen nur, dass Menschen eben nicht in enge Schubladen passen.

Genau wie eine Feministin noch lange nicht zur Antifeministin wird, wenn sie findet, dass ein Kind beide Elternteile braucht, und damit eine eindeutige väterrechtliche Position einnimmt. Oder, wenn sie findet, dass es keine Schande ist, dass Jungen und Männer auch mal Gefühle zeigen und weinen und damit das Stereotyp des harten Mannes kritisiert. Oder dass Beschneidungen von kleinen Jungs Körperverletzung ist, wie Robin hier ausführlich dargelegt hat.

Diesen letzten Punkt fand ich interessant. Besonders die Reaktionen darauf. Es war faszinierend, zu sehen, wie Antifeministen vor Begeisterung im Dreieck springen und manche Robin darauf sogar „die Feministin“ abgesprochen haben. Wie kommt das?
Normalerweise wird ja nach jedem kleinen Strohhalm gesucht, den man kritisieren kann, um sich daran aufzuhängen. Aber wenn man dann ums Verrecken nichts findet, wo man widersprechen könnte, werden Zweifel laut. Zweifel an der veräußerten Identität der Autorin. „Das KANN gar keine Feministin sein!“
Klar, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Weil es einfach nicht sein kann, dass das politische Feindbild was äußert, dem man zustimmen muß. Sobald man zustimmen muß, MUSS es einfach jemand „von uns“ sein, und nicht „von denen“. Weil, DIE haben nicht Recht. Grundsätzlich nicht. Nie. Einzugestehen, dass „die anderen“ nicht so feindselig sind, wie man immer geglaubt hat, würde bedeuten, dass die eigene Welt untergeht. Darum muß einfach ein neues Label für den anderen her, damit die eigene Welt stehenbleiben kann, in der das alte Label nach wie vor scheiße ist.
Das gleiche Phänomen gab es übrigens schon häufiger. Eva Hermann sei hier nur genannt, die von der hochverehrten Antifeministin mal eben zur Feministin wurde, als ihre ehemaligen Verehrer die Bedeutung ihrer Haltung endlich komplett begriffen haben. Bei Kristina Schröder war es ähnlich.

Dabei ist es wie gesagt bei weitem keine Ausnahme, dass Feministinnen auch Positionen aus dem männerrechtlichen Lager vertreten, im Gegenteil.

Sei es, wie oben schon kurz angedeutet, bei der Kritik an geschlechterstereotypen Verhaltensnormen, mit denen auch Jungen schon indoktriniert werden, wenn die Eltern ihnen z.B. das Weinen regelrecht verbieten („Ein Indianer kennt keinen Schmerz, stell dich nicht an wie ein Mädchen!“). Das ist sogar in doppelter Hinsicht schädlich für den Jungen. Gefühle zu zeigen, wird als Weiblichkeit etikettiert und diese gleichzeitig subtil als negativ dargestellt. „Sich anstellen“ gilt als hysterisch und überempfindlich. „Du Mädchen“ gilt in Jungenkreisen unter anderem als Schimpfwort. Genau wie „Schwuchtel“. Nur wer hart und cool ist, wird akzeptiert. Wieviele Femninistinnen kritisieren diese gesellschaftlichen Normen?
Oder sei es bei der Kritik am klassischen Alleinernährermodell, das Frauen dazu zwingt, in finanzieller Abhängigkeit zu leben, und Männern es verwehrt, aktiv am Familienleben teilhaben zu können. Wie viele Antifeministen gibt es, die den Zustand beklagen, wenn Männer nur zahlender Vater sind, aber von ihren Kindern nicht wirklich was haben, weil sie rund um die Uhr erwerbstätig sind? Und wie viele Feministinnen plädieren dafür, genau dieses alte Bild aufzubrechen?
Oder sei es bei der Kritik an sogenannten Präventivmaßnahmen, die Frauen einhalten sollten, um kein Opfer sexueller Gewalt zu werden, weil diese die Opferrolle von Frauen und die Täterrolle von Männern manifestieren. Die Aufforderung, man müsse sich eben züchtiger kleiden, „die Bluse zumachen“ impliziert nichts anderes als die biologistische Unterstellung, dass Männer eben potentielle Triebtäter seien, die sich beim Anblick von ein paar Titten nicht halten können, „weil Männer eben so sind“. Wie viele Antifeministen beklagen dieses angebliche feministische Dogma? Und wie viele Feministinnen kämpfen dafür, dass Frauen keine Angst vor Übergriffen haben müssen, egal wie sie gekleidet sind? Weil sie wissen, dass man von Männern auch reflektiertes Handeln erwarten kann, und eben NICHT von einer monströsen triebgesteuerten Hormonversklavung ausgehen.

Warum gibt es hier so wenig Annäherung, wo doch die Interessen eigentlich die gleichen sind? Ich vermute, weil es hier zu viele Rosinen gibt, die man sich dabei rauspicken kann, um seine Ideologie doch noch zu bestätigen. Ein gefühlsbetonter Mann wird dann schnell zum Weichei und zum Pudel, der sich von Frauen zuviel gefallen lässt. Eine berufstätige Frau zur unweiblichen unattraktiven Karriereschnalle, die sich nicht gemäß ihrer Natur verhält. Und eine unauffällig gekleidete Frau zur hässlichen Emanze, die sich in ihrer Opferrolle suhlt und alle Männer hasst.

Es kommt hier einfach das sehr eng gestrickte Bild von Feministinnen zum Vorschein, dass diese grundsätzlich Männer hassen und sich für keinerlei Männerbelange interessieren. Ist die Vorstellung, dass das eben nicht so ist, wirklich so übermenschlich schwer?
Mir scheint es, als sei es eine unüberwindbare Herausforderung, auch mal außerhalb seiner Schubladen zu denken. Wenn jemand in einer Schublade steckt und eine Position vertritt, die dort nicht reinpasst, ist es dann etwa sinnvoll, denjenigen einfach in eine andere Schublade zu stecken? Oder wäre es nicht klüger, seine Schubladen zu überdenken? Ich muß mir diesen Schuh zugegebenermaßen auch gelegentlich anziehen, wenn ich merke, wie es mich für den Bruchteil einer Sekunde irritiert, wenn ich Aussagen von Feministinnen bescheuert finde oder Maskulisten zustimme. Aber auf die Idee eines kompletten Label-Wechsels bin ich noch nicht gekommen. Vielleicht, weil ich realistisch genug bin, um zu wissen, dass kein Mensch immer mit allem Recht hat oder andere immer mit allem Unrecht haben.

35 Kommentare zu “When my World is going down…

  1. Toll geschrieben! Stimme deinem Text genauso zu. Auch mir ist schon aufgefallen, dass es da einige Dinge gibt, die doch eigentlich zwei Seiten der selben Medaille sind. Warum also immer gegeneinander statt in wenigen Themen vielleicht auch mal zusammen arbeiten?!

  2. Wundervolle Zusammenfassung! Besonders der Punkt mit der angeblich kaum zu zügelnden Triebhaftigkeit der Männer ist einfach inhärent sexistisch. Ich verstehe nicht, warum manche Männerrechtler das einfach nicht sehen. Darüber habe ich mich zufällig eben mit meinem Mitbewohner unterhalten und er sah das genauso!

    Die ganzen ungläubigen Kommentare zu meinem Feminismus, der ja keiner sein kann, wenn mich auch die Belange von Männern interessieren, haben mich auch ziemlich irritiert, am Schluss aber belustigt. Das mit Abstand Schönste war aber doch dies hier:

    „Solange sie nicht mit solchen Texten das Ziel verfolgt, die Männerrechtlerszene feministisch zu unterwandern, ist der Text wirklich sehr gut.“

    (leider nicht als Kommentar bei mir).

    Solange einzelne Männer damit beschäftigt sind, ihre Paranoia auf diese Weise zu pflegen, so lange werden sie auch nicht erkennen, dass Überschneidungen wirklich existieren.

    • Die ganzen ungläubigen Kommentare zu meinem Feminismus, der ja keiner sein kann, wenn mich auch die Belange von Männern interessieren, haben mich auch ziemlich irritiert, am Schluss aber belustigt. Das mit Abstand Schönste war aber doch dies hier:

      “Solange sie nicht mit solchen Texten das Ziel verfolgt, die Männerrechtlerszene feministisch zu unterwandern, ist der Text wirklich sehr gut.”

      Hey, aber die Idee ist doch großartig!
      Mit ein bisschen Wimperklimper so tun, als sei man voll männerfreundlich, damit von Antifeministen akzeptiert wird, und dann ZACK! – schnappt die Falle zu! Hähä! Genialer Plan… 😀

      (special Anmerkung für Paranoiker: Dieser Kommentar kann Spuren von Ironie enthalten.)

  3. Sobald eine Feministin maskulistische Standpunkte vetritt, zum Beispiel Robins rigorose Ablehung gegenüber Jungenbeschnedung, dann ist gar keine Feministin mehr. Und wenn sich eine Antifeministin wie Frau Herman plötzlich negativ über Männer äußert und sie unter Generalverdacht der Pädophilie stellt, dann ist sie plötzlich eine Feministin. Sowas geht schneller als man gucken kann.

    Lustig finde ich, dass Basti mir unterstellt, eine Feministin zu sein, weil ich ihm ständig widerspreche anstatt seinen Standpunkt zu teilen. Aber als ich ihn mit meinen maskulistischen Positionen konfrontiert habe und ihn gefragt habe, dass ich demnach für ihn eine Humanistin sein müsste, bekam ich keine Antwort von ihm.

    • Um solchen Vögeln zu widersprechen, braucht es nur gesunden Menschenverstand. Wenn das automatisch mit Feminismus in Verbindung gebracht wird… cool. Betrachte es doch als Kompliment. 😉

  4. warum eigentlich kein Lob für Sachen, die Selbstverständlichkeiten darlegen, gerade wenn sie nur Selbstverständlichkeiten sein sollte, aber eben noch nicht sind?

    Und im Netzfeminismus kenne ich keine so deutliche Ablehnung männlicher Beschneidung, aber durchaus positive Anmerkungen dazu, etwa von Schrupp und auch von Voss, wenn ich es gerade richtig in Erinnerung habe.

    Da kann man das durchaus loben und positiv erwähnen. Gerade auch weil es eben auch einen Dialog ermöglicht. Zeigen, dass man diese Zeichen aufgenommen hat und honoriert bekräftigt aus meiner Sicht so etwas.

    Ich würde es zB auch positiv finden, wenn zB die Mädchenmannschaft den Artikel von Robin verlinkt.

    • Und im Netzfeminismus kenne ich keine so deutliche Ablehnung männlicher Beschneidung

      Was nicht heißt, dass es die nicht gibt. Nur treten die nicht so deutlich in Erscheinung, wenn diejenigen z.B. kein eigenes Blog haben, sondern sich „nur“ in Kommentaren entsprechend äußern.

    • Die überwältigende Mehrheit wird sich auch kaum dafür interessieren und der Rest schreibt dann „Male Tears“ drauf. Eigentlich muss man da wohl eher von Zustimmung sprechen; es gab ja auch noch die Wizoreks und Schramms, die Gewalt an Männern eher erheiternd als bedauernswert finden. Und das sind im Gegensatz zu Maskulisten ja keine „kleinen“ Fische.

    • Die überwältigende Mehrheit wird sich auch kaum dafür interessieren

      Dann starte deine eigene Kampagne gegen männliche Beschneidung. Schreibe Leserbriefe, Blogartikel, wende dich an die großen Medien, melde dich zu Wort, how ever.
      Wenn du der Meinung bist, dass ein Thema unterrepräsentiert ist, dann präsentiere es, statt nur darüber zu klagen, dass es angeblich keinen interessiert.

  5. Das Schöne ist das frau auch mal ihre Meinung ändern darf und kann. Frau Luise Pusch zum Beispiel hat sich gegen die Beschneidung ausgesprochen, nachdem sie sich intensiver damit beschäftigt hat. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/die-beschneidung-der-kaiserschnitt-schneiden-tut-weh/ Das angeblich so selten die Rollenklischees des Mannes ( und daraus für beide Geschlechter sich ergebende Nachteile) vom Feminismus kritisiert werden, ist Quatsch. Genau darum geht es doch. Z.B. weniger Gemackere und mansplaining, mehr Elternzeit und gerechte Verteilung der Ernährersituation (keine Abhängigkeit). ‚Den Ernährer‘ gibt es eh längst nicht mehr und das Eingeständnis das sexuelle Gewalttaten hauptsächlich von Männern begangen werden, ist vielleicht hart, wenn man zu dem Geschlecht gehört, aber noch lange keine Vorverurteilung aller Männer. Es geht meiner Meinung nach um 2 grundverschiedene Bereiche. 1. Soziale Gerechtigkeit ( Lohn, Elternzeit, Karrierechancen…) und wie das erreicht werden kann, das alles ist verhandelbar. 2. Um das grundlegende Menschenrecht auf Unversehrtheit ( Gegen street harrassement, r*ape culture, Feminzid etc. ) das ist nicht verhandelbar und sollte Label-unabhängig (Männerechtler, Feministin) von allen gewünscht sein. Daher sind die Maskus, die das Problem an sich verneinen, ‚leider‘ raus.

    • Es ist schön, dass sie sich gegen die männliche Beschneidung positioniert, aber der Beitrag gefällt mir trotzdem überhaupt nicht. Wie kann man nur solche Scheuklappen tragen. Und wenn der einzige Grund, weshalb sie gegen Beschneidung ist darin besteht, dass die Wirksamkeit einer Beschneidung bei der Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs wohl doch nicht gegeben ist, dann hat sie echt überhaupt nichts verstanden.

    • Gut, die Extremen der anderen sind natürlich raus. Ganz klar. Die, der eigenen Reihen hingegen bekommen einen Schutzraum.

    • “ r*ape culture“

      Sowas als ein Beispiel, ist mit ein Grund warum ich Antifeminist bin. Diese ständigen Erfindungen und Behauptungen sind aus meiner Sicht ein Hauptproblem des Feminismus. Ein weiterer Grund ist, daß fast keine Feminist.I.n diesen Auswüchsen ernsthaft widerspricht.
      Glauben Feministen wirklich wir lebten in einer „r*ape culture“? Und dann ist das nicht verhandelbar? Dann bin ich wohl ein böser Mensch, weil ich das für gefährliches und dummes Zeug halte.

    • Das ständige Leugnen von gewissen Denkstrukturen ist auch ein Grund, warum ich mich feministisch positioniere. Mir wäre es auch lieber, wenn Vergewaltigungsmythen (–> Förderung von Rape Culture-Denken) nur Erfindungen wären. Leider sind sie es nicht. Es ist täglicher Usus und offenbar so stark einzementiert, dass es nicht mal mehr auffällt.
      vergewaltigungsmythen

    • @ onyx
      Wie gesagt, daß ist mit ein Grund warum ich mich als Antifeministen sehe. Diese Denkstrukturen sind eben nicht unsere Kultur. Bei solchem Gedankengut, wie „r*pe culture“ ist Antifeminismus sehr notwendig.

    • Dass ich da gänzlich anderer Meinung bin, wird dich nicht überraschen. Und jede Diskussion zu dem Thema gibt mir da leider Recht.

  6. Ach, wir haben keine Rape Culture?
    Unterhalte dich mal mit den Damen und Herren von Weißen Ring – dann darfst du dir mal zu Gemüte führen, was sich Opfer von Übergriffen anhören und gefallen lassen müssen.

    Von Anwälten müssen sie sich über bevorzugte Stellungen ausfragen lassen, Vorlieben und Praktiken, die sie nicht mögen, über das Ausleben ihrer Sexualität, über „falsche Signale“, wie tief denn genau der Penis eingedrungen ist, warum sie sich rasieren, wenn sie doch Single sind, wie viele Sexualpartner sie haben, hatten, wie sie es mit der Treue halten … etc…

    Diese Fragen dienen nicht der Wahrheitsfindung, sie bedienen das Denken, dass bestimmte Menschen nicht vergewaltigt werden können und eine Vergewaltigung keine ist, wenn das Opfer das falsche Sexualleben hat oder weiß der Geier was.

    Du kannst die Augen zukneifen und dir auch die Ohren zuhalten und laut „Lalalalalaaaa, ich kann nichts hören“ singen.

    Aber das Problem ist, da beißt die Maus keinen Faden ab. Geht schon los, wenn dem Angegriffen die Schuld für Belästigungen gegeben wird – die Tat wird entschuldigt und bagatelisiert, der Täter verteidigt – weil es den Menschen einfach besser geht, wenn sie sich weiterhin einreden können, sie selbst seien völlig sicher(denn sie haben alles unter Kontrolle) und man könne jemanden die Tatbereitschaft ansehen.

    • Ich halte den Begriff „Rape Culture“ für nach wie vor falsch. Klar gibt es noch einige Probleme wie Victim-Blaming, zu milde Strafen für viele Täter, das Bloßstellen des Opfers vor Gericht. Aber es ändert nichts daran, dass Vergewaltigung in unserer Gesellschaft sehr geächtet wird. Nicht umsonst stehen inhaftierte Vergewaltiger in den Gefängnishiarchien ganz weit unten, um mal ein Beispiel zu nennen.

    • @Stephi
      Das Problem beginnt schon früher. Bis eine sexuelle Straftat überhaupt als solche anerkannt wird, müssen sich Opfer dermaßen viele Demütigungen über sich ergehen lassen, dass viele irgendwann aufgeben oder eben gar nicht erst Anzeige erstatten. Wenn selbst Juristen einräumen, ihrer Tochter im Fall des Falles von einer Anzeige abzuraten, KANN nur ganz gewaltig einiges schief laufen

    • In Prinzip ist Vergewaltigung geächtet – aber die Maßstäbe, was ein echtes Opfer ist, sind so hoch, dass viele Übergriffe in deren Augen ja gar keine „richtigen“ Vergewaltigungen sind und der Täter kein „echter“ Täter.

  7. Ich bin grundsätzlich ein großer Freund des absurden Theaters und habe als solcher deinen Text mit enormen Genuss gelesen.

    Und wie bei jedem guten Stück kommt auch bei dir die Pointe ganz am Schluss:

    > Es kommt hier einfach das sehr eng gestrickte Bild von Feministinnen zum
    > Vorschein, dass diese grundsätzlich Männer hassen und sich für keinerlei
    > Männerbelange interessieren.

    Üblicherweise hat eine Diskussion mit Feministinnen starke Ähnlichkeit mit dem Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln. „Es gibt viele verschiedene Feminismen“ oder „Das ist nicht mein Feminismus“ sind da gerne verwendete Volten. Kaum hat man sich daran gewöhnt heißt es, man definiere den Feminismus zu eng. Wie heißt es doch so schön: If you can not convince them, confuse them.

    Ich mache es mir inzwischen ganz einfach: Wer etwas schreibt wie

    > Bis eine sexuelle Straftat überhaupt als solche anerkannt wird, müssen sich
    > Opfer dermaßen viele Demütigungen über sich ergehen lassen, dass viele
    > irgendwann aufgeben oder eben gar nicht erst Anzeige erstatten.

    ist Feminist und als solcher Feind des Rechtsstaates.

    Als nachgewiesenes Opfer einer Falschbeschuldigung (Ich war zur angeblichen Tatzeit etwas mehr als ein Drittel des Erdumfanges vom angeblichen Tatort entfernt auf Dienstreise) weiß ich nämlich aus erster Hand, welche Demütigungen angebliche Opfer auf sich nehmen müssen: Gar keine.

    Für sie gibt es extra Polizeidienststellen mit extra ausgebildetem Personal das anstandslos (pun intented) auch die offensichtlichsten Lügen zu Protokoll nimmt und aus dem »Beschuldigten« noch während der Aufnahme der Anzeige den »Verdächtigen« macht. Legt der »Verdächtige« dann seinen Pass mit Ein- und Ausreisedatum, Flugtickets und Hotelrechnungen vor, so reicht das keinesfalls um sein Alibi glaubhaft zu machen. Nein, *selbstverständlich* muss noch die halbe Firma von den direkten Kollegen über die Personalabteilung bis zur Lohnbuchhaltung befragt werden. Wenn man ihm schon strafrechtlich nichts anhängen kann, dann will man doch wenigstens seinen Ruf vernichten. Verdient hat er’s ja, denn irgendwas muss gewesen sein – Eine Frau macht doch sonst so etwas nicht.
    Die juristische Verfolgung der offensichtlichen Falschbeschuldigung scheitert dann ebenso selbstverständlich an mangelndem öffentlichen Interesse.

    Das einzige, was mich im Nachhinein immer noch erstaunt, ist von wie vielen Kollegen man nachher Sätze hört wie z.B. „Na, du armes Schwein, hat’s dich also auch erwischt?“.

    > Wenn selbst Juristen einräumen, ihrer Tochter im Fall des Falles von
    > einer Anzeige abzuraten, KANN nur ganz gewaltig einiges schief laufen

    Ja. Schief gelaufen ist, dass es inzwischen soviele falschbeschuldigte Männer gibt, dass der Vorwurf einer sexuellen Straftat inzwischen jede Glaubwürdigkeit verloren hat.

    • Ach so, Opfer müssen also keine Demütigungen über sich ergehen lassen? Interessant… Ich sollte wirklich mal meine Halluzinationen im Griff kriegen, neuerdings höre ich schon, wie Anzeigestellerinen sich nach ihren sexuellen Vorlieben und den Gründen für das getragene Outfit stellen lassen müssen. Oder wie Bekannte fragen, warum sie überhaupt mitgegangen sei, ihn in die Wohnung gelassen habe und andere Nettigkeiten über ihr Sexualleben(sie könne ja gar nicht Nicht-Wollen) und er sei doch so ein netter Typ(würde man doch merken, wenn der so einer wäre) und er hätte das ja gar nicht nötig…

      Da wird die Aufmachung kommentiert und bewertet(so wie die ja aussehe)

      Das du zu Unrecht beschuldigst wurdest, ist scheiße, schlicht und ergreifend scheiße.

      Falschbeschuldigungen gibt es in jeden Bereich, alle Strafen wurden schon x-Mal vorgetäuscht – sogar Mord.

      Viele Verfahren werden tatsächlich eingestellt, aus Mangel an Beweisen – in dubio poreo nennt man das, deswegen werden viele nicht wegen Falschbeschuldigung verklagt, weil man ja schließlich gar nicht sicher weiß, ob sie gelogen hat.

      Ich war zweimal auf der Polizeiwache und im Krankenhaus – und ich wurde gedemütigt, bis ich mich vor Ekel und Scham übergeben musste und ich ein Beruhigungsmittel bekommen habe, weil ich so unter Stress stand und mich so aufgeregt habe über die widerlichen Bemerkungen, dass ich fast durchgeknallt bin

      Was dir passiert ist, ist schrecklich, ob du das mir glaubst, ist deine Sache

      Das ist aber kein Grund, mir und anderen Betroffnen meine Erfahrungen abzusprechen und so zu tun, als wäre es normaler Umgang mit Anzeigestellern, sie nach bevorzugten Sexualpraktiken und Stellungen und der Anzahl von Partnern und Dergleichen zu befragen. Auch Fragen nach sexueller Erregung und eventuellen Probleme mit Feuchtwerden oder Gründen für Unterwäsche und Rasuren gehören sicher nicht in eine Befragung und haben so ziemlich nichts damit zu tun, ob eine Tat stattgefunden hat oder nicht.

      Oder wenn man gefragt wird, warum man denn überhaupt flirte oder sich so und so anziehe, wenn man keinen Sex haben will und ob man denn wirklich nicht gewollt habe oder ob man das immer so macht und jetzt nur Anzeige macht, weil der Sex schlecht war.

      Keine Demütigungen also? Interessant, sondern was?
      Vergewaltigungsopfer hatten es immer schwer – die Frau musste mindestens Mitschuld am Verbrechen sein und war genauso gebrandmarkt, wie der tatsächliche Täter.

      Ich wurde zweimal schwer angegriffen, mit Vollendung der Tat – und dennoch, dennoch sehe ich nicht Männer als meine Feinde an, dennoch denke ich nicht, dass sie alle so sind, dennoch denke ich nicht, dass Männer nicht auch zu Unrecht beschuldigt werden/wurden und sie selber auch Opfer von diesen Übergriffen sind.

      Du und Ich – merks du die Differenzen?

  8. Es kommt hier einfach das sehr eng gestrickte Bild von Feministinnen zum Vorschein, dass diese grundsätzlich Männer hassen und sich für keinerlei Männerbelange interessieren. Ist die Vorstellung, dass das eben nicht so ist, wirklich so übermenschlich schwer?

    Schau dir doch mal an, wie Alice Schwarzer Herrn Kachelmann vorverurteilt und zwanghaft für die Klägerin Partei ergriffen hat. Der ganz normale Feminismus macht durchaus den Eindruck, daß dessen Protagonistinnen Männer hassen. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Rape Society, der Mann als potentieller Vergewaltiger, der Mann ist am Klimawandel schuld, häusliche Gewalt geht fast nur von Männern aus. Die Liste ist grenzenlos. Männer werden im ganz normalen Feminismus zwanghaft dämonisiert.

    • Der Glaube, Frauen seien zu schwach, um Gewalt auszuüben und Männer zu stark, um Gewaltopfer zu sein, kam nicht aus den Feminismushimmel.
      Geht eine Frau mit einen Mann mit und ihr passiert etwas, hätte sie ja wissen müssen, sie ist ja eine Frau und er ein Mann und sie als Vaginaträgerin hätte das doch ahnen müssen – und die Gleichen regen sich auf, wenn eine Frau sich von Männern distanziert und sie sich deshalb alle gleich verurteilt fühlen O.o

      Schwarzer steht übrigens nicht für alle Feministen, ich meine ja bloß…

  9. Zuerst möchte ich dir mitteilen, dass du in ziemlich genau vier Jahren die einzige Frau gewesen bist, die meine Schilderung nicht in Zweifel (oder in den Dreck) gezogen hat.
    Ich bin sehr positiv überrascht, dass das doch nochmal passiert ist.

    > Ich war zweimal auf der Polizeiwache und im Krankenhaus –
    > und ich wurde gedemütigt, …

    Mein Mitgefühl hast du. Ich weiß, wie es ist, bloßgestellt zu werden, schief angesehen zu werden und Objekt des Misstrauens und des Tratsches zu sein.
    Ich hatte ja wenigstens noch den schwachen Trost, dass mit den allermeisten Falschbeschuldigten genau so bescheiden umgegangen wird wie mit mir.
    Dir dagegen muss doch die Galle hochkommen, wenn du die Behandlung, die dir widerfahren ist, mit der Behandlung vergleichst, die Kachelmanns „Opfer“ oder mein „Opfer“ genossen haben.

    > Das ist aber kein Grund, mir und anderen Betroffnen meine
    > Erfahrungen abzusprechen

    Ich spreche dir nicht deine Erfahrungen ab. Punkt.
    Ich stelle lediglich fest, dass weder Claudia D. noch Heidi K. noch meine Ex-„Freundin“ Erfahrungen, wie du schilderst, gemacht haben und dass deine Erfahrungen gegen eine ganze Reihe von Dienstanweisungen für Polizisten verstoßen.
    Um es klar zu sagen: Ich habe das nicht geschrieben habe, um „durch die kalte Küche“ doch Zweifel an deinen Schilderungen zu säen. Auch in meinem Fall wurde gegen etliche Dienstanweisungen verstoßen.

    > Viele Verfahren werden tatsächlich eingestellt, aus Mangel an Beweisen

    Es gibt juristisch nur zwei Möglichkeiten, warum ein Ermittlungsverfahren eingestellt werden KANN: wegen geringer Schuld (§153 StPO) oder mangels hinreichendem Tatverdacht (§170 StPO). »Mangels hinreichendem Tatverdacht« geht von „Die Angelegenheit ist frei erfunden“ bis „Die Angelegenheit ist verjährt“.
    In meinen Fall war die Sache unzweifelhaft frei erfunden und es bestand trotzdem kein öffentliches Interesse an der Verfolgung der Falschbeschuldigung. Ebenso wenig wie bei Kachelmann.

    > … deswegen werden viele nicht wegen Falschbeschuldigung verklagt, weil man ja schließlich gar nicht sicher weiß, ob sie gelogen hat.

    Das Hauptproblem dürfte eher sein, §145d StGB nur eine Falschbeschuldigung „wider besseres Wissen“ unter Strafe stellt und man im Bereich des Sexualstrafrechts zum Beweis des „besseren Wissens“ wohl einen staatlich anerkannten Gedankenleser brauchen würde. Ganz konkret braucht eine Falschbeschuldigerin nur zu sagen: „Ich war mir ganz sicher Herrn X. erkannt zu haben, aber da habe ich mich wohl geirrt.“ und aus der Anklage ist alle Luft raus.

    • Und du gehörst zu den wenigen Menschen, die meine Schilderungen geglaubt haben. Überraschung.

      Bei Kachelmann war es nicht so eindeutig, wie bei dir – sowohl bei der Klägerin als auch beim Angeklagten bestanden Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage.
      Was habt ihr eigentlich immer alle mit dem Kachelmann? Einer, der hinterher noch begriffe wie „Opferabo“ heraushaut und so tut, als würden sich schaarenweise Frauen zusammenrotten, um Männer der Vergewaltigungen zu bezichtigten. Und ich habe genug Zeitungsberichte gelesen, die absolut nicht astrein waren.

      Opfer erfahren Demütigungen, ich bin kein Einzelfall, du auch nicht. Ich spreche von echten Opfern, nicht von welchen, die so tun, als ob. Ich kenne sehr viele Betroffene und ich war mehrmals dabei, als sie eine Anzeige aufgeben wollten(mehere von ihnen haben dies übrigens abgebrochen und haben nie wieder einen Fuss hineingesetzt).
      Ich weiß, was vor Gericht mit ihnen gemacht wird, wie da das gesamte Intimleben auf den Tisch gepackt, zerpflückt und bewertet wird. Wie eine Frau unglaubwürdig wird, weil sie eine offene Sexualität lebt. Weil sie gerne flirtet.

      Dass das, was dir passiert ist, scheiße war, steht fest, Punkt.
      Und ich kenne auch andere, denen das Gleiche passiert ist, wie dir.

      So wie ich echte Täter kenne, die frei herausspazieren und mir quasi gestanden haben, die Tat begangen zu haben. So wie ich Menschen kenne, die, obwohl sie nur wegen Formfehler freigesprochen wurden, jubelnd begrüßt wurden, während die Klägerin mit Hohn und Spott bedacht wurde.

      Vollpfosten gibt es auf beiden Seiten, vieles ist auf menschliches Versagen zurückzuführen, auf Klischees und Vorurteile.

      Das aber als staatsgemacht und als Waffe der Feminsten zu sehen, halte ich im besten Fall für paranoid, im schlimmsten für bösartige Unterstellung.

    • > Bei Kachelmann war es nicht so eindeutig, wie bei dir …

      Für mich, naturgemäß voreingenommen, war es eindeutig genug. Der Punkt bei dem es bei mir „Knack“ gemacht hat, war die angebliche Tatwaffe ohne verwertbare genetische Spuren und der Zeitpunkt zu dem das bekannt wurde: Mitten im Prozess. Obwohl die StA _vor_ der Verhaftung von K. wissen musste, dass das Messer kein verwertbarer Beweis ist.

      > Ich spreche von echten Opfern, nicht von welchen, die so tun, als ob.

      Ob jemand ein echtes Opfer ist, kann die Staatsgewalt zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung nicht wissen. Deswegen gibt es entsprechende Dienstanweisungen die klar besagen, dass der Anzeigeerstatterin keine Zweifel signalisiert werden dürfen und sie sensibel zu behandeln ist.
      Mein persönlicher Rat wäre also ein freundliches Gespräch mit dem nächsten oder übernächsten Vorgesetzen, in dem frau ihre Erlebnisse mit der Staatsgewalt schildert und für die betreffenden Beamten eine Fortbildungsmaßnahme anregt.
      Etwas ähnliches habe ich unternommen und die damals zuständige Staatsanwältin bearbeitet inzwischen Wirtschaftsstrafsachen.
      Ganz informell, keine Dienstaufsichtsbeschwerde oder ähnliches. Du weißt doch: Formlos, fristlos, sinnlos.

      > Ich weiß, was vor Gericht mit ihnen gemacht wird …

      Du machst es mir nicht einfach 🙂 Ich will deine Erfahrungen weder bestreiten noch entwerten aber ich muss trotzdem feststellen, dass deine Erfahrungen sich weder mit meinen Erfahrungen noch mit den veröffentlichten Berichten über solche Prozesse decken.
      Es wäre also fair, wenn du mir soweit zustimmst, dass nicht in allen Fällen Opfer Demütigungen ertragen müssen.

      > Das aber als staatsgemacht …

      Ja, in dieser Schärfe müsste ich dir zustimmen. Was mit Kachelmann, Türk, Arnold, Strauss-Kahn oder hier (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18818089.html) gemacht wurde, widerspricht sicher dem Geist der Gesetze. Aber ebenso sicher widerspricht es nicht den Buchstaben der Gesetze.

      > … und als Waffe der Feminsten zu sehen,

      „Waffe“ ist ein großes Wort. Können wir uns nicht einfach darauf verständigen, dass die Lage Frauen Macht gibt und Macht schon so manchen Charakter verdorben hat?

      > ich im besten Fall für paranoid …

      Dann nenne mich eben paranoid. Denn, nach gemachten Erfahrungen lasse ich noch genau zwei Sorten Frauen in meine Wohnung: Einmal pro Jahr die Frau, die die Heizung abliest (und währenddessen bleibt die Wohnungstür weit geöffnet) und Damen, die auf Vorkasse in bar bestehen.
      Ja, ich weiß, ich bin ein schlechter Mensch und ein ganz böser Frauenfeind. Das haben mir Robin Urban und marenleinchen schon oft genug gesagt. Aber weil ich nun mal ein miserabler Gedankenleser bin, sehe ich keine andere Möglichkeit ein weiteres solches Erlebnis zu vermeiden. Und ich will ein weiteres solches Erlebnis um nahezu jeden Preis vermeiden – vor allem weil meine Söhne inzwischen alt genug sind, um zu verstehen was da abgeht.

    • Natürlich müssen nicht alle Opfer Demütigungen ertragen – hab ich auch nie behauptet.

      Nach meinen gemachten Erfahrungen habe ich Menschen gar nicht mehr in meine Nähe gelassen, sogar eigne Familienmitglieder nicht.

      Ich wurde gezwungen, in jeden Mann einen Täter zu sehen – denn als ich es nicht tat, drehte man mir daraus einen Strick, schließlich hätte ich es ja wissen müssen. Ich als Frau und er halt ein Mann…

      Und als ich danach tatsächlich Angst vor jeden Mann hatte, da wurde ich beschuldigt, alle Männer in Sippenhaft zu nehmen.

      Auch Täter haben damit schon Macht erhalten, wo sie freigesprochen werden, weil die Abwehr des Opfers angeblich deutlich genug war oder wo sie ja hätte weglaufen können und daher könne er nicht wissen, dass sie nicht wolle.

      Und das, obwohl sie lautstark weinte.
      Und eine andere am Betteln war.
      Und eine andere kurz vor der Tat von der Gewalttätigkeit und ihres Gegenübers erfuhr und er ihr den Weg versperrte, sie aber laut Gericht hätte ausweichen können.
      Da erlebte ich schon, wie Beschuldigte freigesprochen wurden, weil die Frau aufgrund ihrer sexuellen Vorlieben unglaubwürdig war. Da wurde ihr Alkoholkonsum gegen sie verwendet, während seiner(er war nedriger als ihrer, nicht mal 0,3) quasi als Entschuldigunge für sein „Fehlverhalten“ vorgetragen wurde.

      Ich halte dich keineswegs für einen schlechten Menschen, dazu habe ich ja auch momentan noch keinen Anlass und den will ich auch gar nicht haben. Ich spreche dir auch nicht deine schlimmen Erfahrungen ab und es wäre auch durchaus sinnvoll, wenn du deinen Jungs nicht beibringst, in jeder Frau eine Falschbeschuldigerin zu sehen. So wie ich meinen Kindern, so ich welche habe, ihnen beibringen werde, den Feind im Menschen nicht zu suchen.

      Es ist ja schließlich nicht so, als würden Frauen scharenweise bei nichts ahnenden Männern eintreten und sie dann hinterher als Vergewaltiger bezeichnen. Weil das ja auch so lustig ist, sich spannende Gewaltgeschichten auszudenken, über intimste Details ausgequetscht zu werden. Kein Wunder, dass da so ein beliebtes Hobby ist. Verzeih meinen Sarkasmus

      Glaub mir, wenn du selber vergewaltigt wirst und du dann so wie ich behandelt wirst, dann wirst du keine Kraft haben, keinen Mut und keinen Willen, noch jemanden von deinen Erlebten zu erzählen. Vor Scham wirst du bitter darüber schweigen. Verraten und zum zweiten Mal vergewaltigt wirst du dich fühlen

      Die Demütigungen erlebte ich nicht alleine bei der Polizei, sondern auch im Krankenhaus und durch Menschen aus meinen Umfeld, eignen Verwandten, Lehrern… Fortbildungsmaßnahme für die wäre auch ganz nett

      Hoffen wir einfach beide, dass es für dich aufwärts geht, für mich geht es das schon, auch wenn dunkle Erinnerungen bleiben werden. Denn du weißt ja, wer den Schaden hat…

    • > Natürlich müssen nicht alle Opfer Demütigungen ertragen

      Fair enough.

      > Ich als Frau und er halt ein Mann

      Ein Tipp: Eine Vergewaltigung ist psychologisch gesehen in den meisten Fällen keine sexuelle Handlung im eigentlichen Sinne sondern eine Machtausübung mit sexuellen Mitteln. Ich habe dazu schon mal etwas hier: http://allesevolution.wordpress.com/2013/04/04/7-probleme-mit-der-rape-culture-theorie/#comment-69581 etwas geschrieben.

      > Und das, obwohl sie lautstark weinte.
      > Und eine andere am Betteln war.

      Glaube mir, Männer, die so gestört sind, dass sie eine solche Situation genießen, sind sehr selten. Die unvermeidlichen 3 Promille Bodensatz, die es immer gibt. Ein normaler Mann wird lange bevor die Frau sich so benimmt aufhören.

      > Weil das ja auch so lustig ist, sich spannende Gewaltgeschichten
      > auszudenken, über intimste Details ausgequetscht zu werden.

      Nein, das natürlich nicht. Aber es ist ein praktisches Mittel der Rache für eine Kränkung, sei sie echt oder nur vermeintlich.

      > Verzeih meinen Sarkasmus

      Geschenkt 😉

      > Vor Scham wirst du bitter darüber schweigen.

      Ich akzeptiere deinen Scham aber ich verstehe ihn nicht. Wofür solltest du dich schämen? Du hast nichts falsch gemacht. Die Entscheidung liegt immer beim Täter. Wenn du an dem Tag nach Tokio geflogen wärest, dann hätte er eben eine andere Frau vergewaltigt.

      Ich schäme mich weder dafür dass eine Frau mich falsch beschuldigt hat noch dafür, dass eine …äh… übereifrige Staatsanwältin meinen Ruf in den Dreck gezogen hat. Ich habe nichts Unrechtes getan. Mein Fehler war ausschließlich, dass ich zu verliebt war, um sehen zu können, wem ich da Zutritt zu meinem Leben gebe.

      > Verraten und zum zweiten Mal vergewaltigt wirst du dich fühlen

      Ich möchte dir empfehlen, nicht so zu fühlen. Mache dir bewusst, dass du nichts Falsches gemacht hast. Der Täter hat entschieden, die Vergewaltigung zu begehen, nicht du. Die Leute im Krankenhaus sind hart gekochte Zyniker – das müssen sie sein, sonst würden sie in kurzer Zeit ausbrennen angesichts des Leides dass sie den ganzen Tag sehen. Und was immer du sonst als Preis für die Anzeige zahlen musstest: Deine Anzeige hat (statistisch gesehen) neun anderen Frauen eine Vergewaltigung erspart. Dem gegenüber zählen die Plumpheiten dummer Menschen doch so gut wie nichts.

      > Fortbildungsmaßnahme für die wäre auch ganz nett

      Ich bin geschätzt ca. doppelt so alt wie du und wenn ich eines gelernt habe, dann, dass die meisten Menschen vollkommen resistent gegen Fortbildung sind. Learn to deal with it. Verzeih‘ meinen Sarkasmus 😉

      > Hoffen wir einfach beide, dass es für dich aufwärts geht

      Danke für deine guten Wünsche. Aber es besteht kein Grund zur Sorge: Ich habe ein gutes Leben – zwei wohlgeratene Söhne (altermäß unausstehlich :-)), keine Geldprobleme, einen sicheren Job und meine Söhne versorgen mich so ausreichend mit Liebeskummer aus zweiter Hand, dass ich eigene Beziehungsprobleme gar nicht vermisse.

      > für mich geht es das schon, auch wenn dunkle Erinnerungen bleiben werden.

      Sage dir immer, dass deine Erfahrungen dich zu dem Menschen machen, der du heute bist. Auch und gerade die schlechten Erfahrungen.

      > Denn du weißt ja, wer den Schaden hat…

      … an dem perlt der Spott ab, wie Regen am Friesennerz.

      Ich wünsche dir alles Gute und: Vielen Dank für das freundliche Gespräch.

  10. Aber keine Bange doch, ich weiß sehr wohl, dass die meisten Taten absolut keinen tatsächjlichen sexuellen Motiven wie Sexualsadismus entspringt.

    Nur wird mir als Frau auferlegt, einen Mann als Täter zu sehen, denn tue ich das nicht und begebe mich in „riskante“ Situationen, muss ich mir Vorwürfe anhören, warum ich das denn nicht habe kommen sehen und wieso ich damit nicht gerechnet habe. Zutiefst männerfeindlich. Und opferfeindlich obendrein, es ist nicht meine Aufgabe, Taten vorherzusehen.

    Tatsächlich gibt es wenige Sexualsadisten, aber die meisten Taten geschehen aus Wut – und Rachesituationen heraus, der Täter ist wütend auf die Frau oder will sich rächen für vermeintliche oder tatsächlich erlittene Demütigung. Sehr viele dieser Täter fühlen sich utnerdrückt und machtlos und benutzen dies als Wiederherstellungsmittel ihrer Macht.

    Dieser Täter hatte mich schon vorher verfolgt, er wusste, wer ich war und wusste, wo ich wohnte, er hat mich genau abgepasst. Er hatte es auf mich abgesehen. Ich war offensichtlich die lebende Darstellung einer anderen Person, von der sich vielleicht verraten, gekränkt oder erniedrigt gefühlt hat.

    Dass ich nicht falsch gemacht habe, weiß ich, das habe ich auch nie in Betracht gezogen. Aber dennoch ist es eine ekelerregendes Gefühl, sich vor den anderen Menschen entblößen zu müssen, nachdem ein Mensch einen so etwas angetan und damit ins Innerstes getroffen hat. Und ich kenne sehr viele Opfer, dem vom Umfeld eben diese Scham so stark eingeredet wurde, dass sie nie Anzeige erstellt haben, nie den Täter vor Gericht gebracht haben. Denn hast du ein Umfeld, dass denkt, ein Opfer müsse ja was falsch gemacht haben, sonst wäre das ja nicht passiert und weil man sich ja dann sicherer fühlt, schließlich muss man sich dieser Logik zufolge nur besser verhalten. Dann passiert nichts.

    Du empfiehlst mir, mich nicht zu fühlen, wie man sich eben fühlt, wenn man solche widerlichen Grobheiten von seinen Mitmenschen(und auch von denen, die man kennt und denen man das ja nicht zugetraut hätte)zu hören bekommt? Wie soll ich mich denn fühlen, wenn mein Sexualleben, meine intimsten Dinge zerlegt und bewertet und kommentiert und die Tat beschönigt wird? Diese Sachen musste ich mir viele Male im eignen Umfeld anhören und ich hoffe, die Betreffenden wissen, wie toll sie damit Täter unterstützen. der wird sich freuen, denn sollte er weitere Opfer haben, werden die dank dieser Menschen wahrscheinlich nie reden. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte es auch nie getan.

    Er wird nicht verurteilt und läuft übrigens immer noch frei herum. Die Anzeige nützt mir nichts und schützt weder mich noch andere Menschen. Und das waren keine Plumpheiten. Das ist System. Victim Blaming gibt es in verschiedenen Bereichen des Strafbuches, aber egal ob es sich um Vergewaltigungen, Körperverletzungen etc handelt, es läuft immer darauf hinaus, das Opfer zum Täter und den Täter zum Opfer zu machen. Durch Klischees und Stereotypen haben viele Leute eben eine Klischeetat und einen Klischeetäter vor Augen. Und da herrscht eben die Meinung, manche Leute wären in keinen Fall Vergewaltiger und manche Menschen könnten nicht vergewaltigt werden.

    Und der Spott perlt an mir nicht ab, ich bin ein Mensch, ich atme und habe Temperatur, ich lebe also. Denn so habe ich den Spott jedes Mal aufs Neue. Und ich werde nicht müde, die Stacheln auszufahren und gelegentlich abbrechen zu lassen, damit sie den bösartigen Zynikern im Fleische stecken bleiben.

    Na dann *Hut abnehm und Verbeugung andeut* netten Tag noch

  11. Bitte gestatte mir einen doch deutlich zu langen Nachtrag:

    > Wie soll ich mich denn fühlen, wenn mein Sexualleben,
    > meine intimsten Dinge zerlegt und bewertet und kommentiert
    > und die Tat beschönigt wird?

    In solchen Situationen fühle ich mich »umgeben von Idioten«. Es klingt arrogant, macht aber den Umgang mit ca. 99% der Menschen deutlich erträglicher.

    > Und der Spott perlt an mir nicht ab, ich bin ein Mensch,
    > ich atme und habe Temperatur, ich lebe also.

    Ein anderer kann nur versuchen dich zu verspotten, es ist ausschließlich deine Entscheidung, ob du dich verspottet fühlst.
    Wenn DU dich wegen etwas, dass ein Anderer sagt, verspottet fühlst (oder beleidigt, herabgesetzt usw.), dann erweist DU diesem Anderen zu viel der Ehre. Denn mit diesem Gefühl erkennst DU diesen Elefanten im Porzellan-Laden deiner Seele als Ebenbürtigen an.
    Ich fahre ganz gut damit, Menschen, die sich wiederholt derart trampelig verhalten, eben nicht als Ebenbürtige zu betrachten.
    Arrogant? Mag sein, aber … siehe oben 😉

    > Und da herrscht eben die Meinung …

    Zum Wert einer Meinung zitiere ich immer wieder gerne Dirty Harry: „Well, opinions are like assholes. Everybody has one.“ 😉 Arrogant? Siehe oben 😉

    > … manche Menschen könnten nicht vergewaltigt werden.

    In dieser Meinung steckt eine explizite Abwertung Deiner Person. Du machst dir doch hoffentlich nicht diese Abwertung zu eigen indem du sie ernst nimmst?

    > … damit sie den bösartigen Zynikern im Fleische stecken bleiben.

    Wenn du solchen Typen Kontra gibst, freuen die sich doch höchstens darüber, dass ihre Attacken Wirkung zeigen. Freundlich lächelnd ignorieren. DAS ist exakt, was sie verdient haben und DAS trifft sie wirklich.

    > … damit ins Innerstes getroffen hat.

    Ich kann nur hoffen dass du den folgenden Satz nicht als herumtrampeln im Porzellan-Laden deiner Seele verstehst, denn er ist wirklich nicht so gemeint.
    Mein Reaktion wäre: Er hat nicht mein Innerstes getroffen. Er hat mir nur die Verletzlichkeit meines Körpers, meine Angst vor Schmerzen und meine Angst vor dem Sterben gezeigt. Nichts, was nicht jeder bessere Autounfall mir auch gezeigt hätte.

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