Wie die angeblich gesellschaftlich tolerierte Männerfeindlichkeit von Antifeministen selbst aufgewertet wird

Holla die Waldfee, heute fließen meine Gedanken aber munter drauf los.

Kinch stellt bei Christian in irgendeinem Diskussionsstrang (welcher, ist eigentlich egal, da die Themen eh immer wieder verschwimmen und zu einer Soße zusammenfließen) die Frage:

Hat jemand schon mal evaluiert, ob die ganzen Neuauflagen vom SCUM-Manifesto (Amazon Verkaufsrang jenseits der 160.000; Wahnsinn) nicht doch durch Männer verursacht werden, die Material für ihre Feindbildpflege brauchen?

Screenshot3 (2)
Leider – oder vielmehr bezeichnenderweise ist darauf niemand weiter eingegangen, aber ich finde es eine berechtigte Frage.

Die Argumentation der hohen Verkaufszahlen und Neuauflagen ist ja keine Neuerscheinung. Immer wieder werden reine Verkaufszahlen herangezogen, um einen bestimmten angeblichen Trend belegen zu wollen. Dass dies nichts aussagt, habe ich schon öfter dargelegt, aber der durch nichts belegte konstruierte Zusammenhang hält sich hartnäckig weiter.
Wenn ein Krimi zum Bestseller wird, sind dann die hohen Verkaufszahlen auch ein Beleg dafür, dass die Leser und Leserinnen von Mord und Totschlag träumen?

Ich halte die Vermutung von Kinch für sehr realistisch. Es ist kein Geheimnis, dass ein bestimmter Teil von Antifeministen danach lechzt, ein Feindbild zu konstruieren, das so nicht existiert, zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es immer wieder behauptet wird. Allein um ihre eigene Radikalität rechtfertigen zu können. Es ist nicht das erste Mal, dass Feindbildpflege soweit geht, dass das Feindbild schlicht erfunden wird. Es werden feministische Fakebeiträge erfunden (zum Teil sogar unter real existierenden Namen, die dafür mißbraucht werden – etliche feministische Bloggerinnen und Forenschreiberinnen können ein Lied davon singen), mit übertriebenem Hass geschmückt, um nachher mit dem Finger drauf zeigen zu können. Das ist alltägliche Praxis.
Genau wie die vor kurzem verlinkten Seiten „ProKastration“, „ProMisandrie“ und „ProHodenfolter“ (auf eine Verlinkung verzichte ich), um die angebliche gesellschaftlich akzeptierte Männerfeindlichkeit zu belegen. Auch hier stimme ich Kinch zu, dass das eher im Fakebereich anzusiedeln ist. Da hat jemand seinen Phantasien freien Lauf gelassen. Ich kann diese Seiten nicht ernst nehmen. Die angebliche Autorin gibt sich nicht mal Mühe, ihren Klischees der männerfeindlichen Feministin zumindest einen Hauch an Glaubwürdigkeit zu geben. Zu plump, zu schlecht, zu durchschaubar ist die Intention, Feminismus als genau das dastehen zu lassen, wie es misogyne Antifeministen gern hätten.
Ähnlich sieht es mit vielen Zitaten aus, die gern hervorgekramt werden (z.T. auch verkürzt und damit sinnentstellt), und Feministinnen als heimliches Nachtgebet untergeschoben werden. Kein Schwein kennt oder geschweige denn interessiert sich dafür, nur Antifeministen stauben sie regelmäßig ab und halten sie als aktuell und brandgefährlich hoch. Dass in ihren eigenen Reihen tatsächlich aktuell Aufforderungen laut werden, Adressen von Frauenhäusern bekannt zu geben, oder dass Frauen vergewaltigt werden sollen, wird dabei gern vernachlässigt. Und das ist aktuell und stammt nicht aus einem künstlich populär gehaltenen Schinken einer psychisch gestörten Person aus den 70ern.
Und genauso verhält es sich mMn auch mit ihrem Verkaufserfolg. Auch das wird Feministinnen in den Mund gelegt. Es würde mich aber keine Sekunde wundern, wenn die Mehrheit der Käufer Antifeministen sind und waren, die etwas brauchen, um sich erst aufzuregen und dann in ihren Blogs abzureagieren.
Ich bezweifle nicht, dass es die eine oder andere kranke Seele geben mag, die an Solanas nicht nur ihren Schreibstil bewundert und als Vorbild ernst nimmt. Aber glaubt jemand wirklich ernsthaft, dass das der gesellschaftliche Mainstream ist, der allgemein akzeptiert ist? So dumm kann doch keiner sein. Ich bin überzeugt, dass das ein Weltbild ist, dass Antifeministen selbst aufrecht erhalten, um ihre Abneigung gegen den Feminismus zu rechtfertigen.

18 Kommentare zu “Wie die angeblich gesellschaftlich tolerierte Männerfeindlichkeit von Antifeministen selbst aufgewertet wird

  1. Wenn also Femen mit abgeschnittenen Eiern posieren, sind das in Wirklichkeit Antifeministen? Und könnte eine Gruppierung, die mit abgeschnittenen Titten posiert, auch auf eine wohlwollende Berichterstattung in den Medien hoffen, von taz über Zeit bis faz? Ich behaupte: Nein. Und warum? Weil Männerhass toleriert wird. Mit Männern kann man alles machen, was sich bei jeder beliebigen anderen Gruppe, Juden, Frauen, Ausländer verbietet.

    • Wenn Femen mit abgeschnitten Ochides posiert, ist das widerwärtiger Mist! Ja, Männerfeindlich.

      Dass Femen so hochgehalten wird liegt daran ,dass die Malestreampresse nackte Titten mag.
      Femen, haha. Genauso sinvoll wie Homo-Ehe und Jahrhundertflut.

  2. „Ich halte diese Vermutung von Kinch für sehr realistisch.“

    Ich nicht.
    Die meisten „Antifeministen“ lesen übrigens meinem Eindruck nach weder feministische noch männerrechtliche Standardwerke.

    Für die von Kinch völlig an den Haaren herbeigezogene Annahme, „Antifeministen“ seien im Wesentlichen für den aktuellen Verkaufserfolg von Valerie Solanas „Scum“-Manifest verantwortlich, fehlt jedweder Beleg sowie jedwede plausible Argumentation, was denn dafür spricht.

    Ich habe leider schon mehrere radikale Feministinnen kennengelernt, die Solanas „Scum“-Manifest für ein wichtiges feministisches Werk halten – und hatte auch schon ein paar Konfikte mit solchen Leuten.
    Dass dieses Werk in manchen radikalfeministischen Kreisen gelesen wird, ist meiner Erfahrung nach nunmal Fakt. Dass es in „antifeministischen“ Kreisen viel gelesen würde, ist reine unbegründete Spekulation.
    Diejenigen Personen, die ich persönlich kenne, die Valerie Solanas „Scum“-Manifest aus einer feminismuskritischen Motivation heraus gelesen haben, haben es zudem überhaupt nicht gekauft, sondern es sich aus einer Bücherei ausgeliehen oder kopiert, um dem Verlag kein Geld in den Rachen zu werfen.

    • Ich nicht.

      Ich schon.

      Für die von Kinch völlig an den Haaren herbeigezogene Annahme, “Antifeministen” seien im Wesentlichen für den aktuellen Verkaufserfolg von Valerie Solanas “Scum”-Manifest verantwortlich, fehlt jedweder Beleg sowie jedwede plausible Argumentation, was denn dafür spricht.

      Ich finde nicht, dass es an den Haaren herbei gezogen ist.
      Antifeministen zitieren Solanas bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit als „Beleg“ für angebliche alltägliche Männerfeindlichkeit. Ich kenne keine Feministin, die sich so sehr für Solanas interessiert, wie es Antifeministen tun.

      Dass es in “antifeministischen” Kreisen viel gelesen würde, ist reine unbegründete Spekulation.

      Natürlich ist es eine Spekulation, aber eine naheliegende.
      Es ist aber nicht mehr Spekulation als die antifeministische Unterstellung, jede Feministin hätte Scum heimlich unterm Kopfkissen liegen.

    • „Ich habe leider schon mehrere radikale Feministinnen kennengelernt, die Solanas “Scum”-Manifest für ein wichtiges feministisches Werk halten – und hatte auch schon ein paar Konfikte mit solchen Leuten.“

      Radikal im Sinne von Satire. Ansonsten ist Solanas Werk völliger Schund. Wutliteratur aus der pseudofeministischen Jauchegrube. Hetze.

      Solche pseudofeministische Strömungen, die alles was nicht lupenrein und weiblich ist, ausrotten wollen, gibt es. So wie es in Deutschland auch mordende Nazis gibt. Die haben viel gemein. Eine Art Arier-Faschismus.

  3. „Es ist aber nicht mehr Spekulation als die antifeministische Unterstellung, jede Feministin hätte Scum heimlich unterm Kopfkissen liegen.“

    Solche falschen und undifferenzierten Unterstellungen werden aber dadurch begünstigt, dass es der Mainstream-Feminismus bislang nicht geschafft hat, sich klar und eindeutig von der Valerie Solanas/Kill all men-Fraktion zu distanzieren und diese Tendenz innerhalb des Feminismus zu ächten.
    Bei jeder anderen sozialen Bewegung, die es nicht fertig bringt, sich klar und unmissverständlich von ihren Verrückten und Fanatikern zu distanzieren, würden ebenfalls entsprechende Unterstellungen auftreten.

    Feministinnen müssten eben deutlich zum Ausdruck bringen, dass sie Solanas „Scum“-Manifest für antifeministisch halten. Das ist nie geschehen, wird wohl auch so schnell nicht geschehen.

    Ich habe z.B. immer wieder darauf hingewiesen, dass die widerwärtige rechte „Anti-Kulturmarxismus“-Verschwörungstheorie aus Perspektive des linken Maskulismus als anti-maskulistisch betrachtet werden muss oder dass aus Perspektive der klassischen frauenrechtlichen Tradition des libertären Sozialismus keine Männerfeindlichkeit und keine Frauenfeindlichkeit geduldet werden darf, weil beides zutiefst im Widerspruch zu den theoretischen und ethischen Grundlagen freiheitlich-sozialistischen Denkens steht.
    Die von mir vertretenen männerrechtlichen und frauenrechtlichen Strömungen und Positionen werden von mir klar gegen alle menschenfeindlichen Verrückheiten abgegrenzt.

    Der Mainstream-Feminismus tut dies nicht, hält dies nicht für nötig. Das begünstigt dann eben solche Unterstellungen. Da nützt es nicht viel, Solanas dem Gegner zuschieben zu wollen, es wäre sinnvoller bei den Radikalen in der eigenen sozialen Bewegung zu beginnen.

    • Solche falschen und undifferenzierten Unterstellungen werden aber dadurch begünstigt, dass es der Mainstream-Feminismus bislang nicht geschafft hat, sich klar und eindeutig von der Valerie Solanas/Kill all men-Fraktion zu distanzieren

      Was ist denn die „kill all men-Fraktion“? Ich habe beiläufig von Antifeministen von einem so lautenden Hashtag gehört, aber das scheint eher ein randläufiges Lüftchen gewesen zu sein, das keinerlei öffentliche Beachtung hatte und offenbar niemanden interessiert hat. Also wieder so ein Phänomen, wo Männerfeindlichkeit überwiegend von Antifeministen gepusht wird.
      Ich denke, es gibt und gab hinreichend Statements, die sich von Männervernichtungsphantasien distanzieren, und die sich auch mit der Frage beschäftigt haben, was Solanas zu ihrer Denkweise gebracht hat. Ich sehe offen gesagt auch keine Veranlassung dazu, dies für mich nochmal explizit zu tun, nur weil ein paar Antifeministen paranoide Verschwörungstheorien verbreiten.
      Wenn man in nahezu jedem Statement, wo man sich äußert, als Antwort irgendeine Solanas-Keule untergeschoben bekommt und mit ihr auf eine Stufe gestellt wird, hat man keine Lust mehr dazu. Mir ist das bei Christian oft passiert und ich lasse mich sicher nicht in so eine Ecke drängen. Ich bin doch nicht bescheuert und lasse mich bei jeder Aussage, die ich bringe, von irgendeinem Solanas-Ablenkungsmanöver beeindrucken und sage jedesmal brav nickend „jaja die Solanas war krank, aber bitte glaub mir doch, dass ich keine Schwänze abschneiden und Männer umbringen will“.
      Ich habe Scum nie gelesen, werde es auch wahrscheinlich nie tun. Was also habe ich mit ihr zu tun, von dem ich mich distanzieren müßte, um nicht als männerhassendes Monster diffamiert zu werden? Parallelen zu ihr dichten mir Antifeministen an, niemand sonst. Aber über solche billigen Stöckchen springe ich nicht.

  4. Nachtrag:

    (…) dass es der Mainstream-Feminismus bislang nicht geschafft hat, sich klar und eindeutig von der Valerie Solanas/Kill all men-Fraktion zu distanzieren (…)

    Ausnahme: Elisabeth Badinter und Julia Kristeva, die sich als zwei der bekanntesten und einflussreichsten Frauenrechtlerinnen Frankreichs glaubwürdig und deutlich von jeder Männerfeindlichkeit distanziert haben.

  5. „Ich denke, es gibt und gab hinreichend Statements, die sich von Männervernichtungsphantasien distanzieren (…)“

    Tatsächlich? Wo kann ich die denn finden?

    • Wenn du aufmerksam Diskussionen verfolgst, merkst du doch, ob jemand solche Gedanken gut findet oder nicht. Und nur weil solche Aussagen vielleicht nicht als extra Artikel bei der MM erscheinen, weil irgendwo das Wort Vergewaltigung ausgeschrieben wurde oder Transmenschen nicht genügend gewürdigt wurden, heißt das doch nicht, dass sie nicht existieren.

  6. Ich versteh den Anspruch von Ihnen nicht, Leszek, jede und jeder müsse sich von jeder erdenklichen Position aktiv distanzieren. Es ist doch Distanz genug, die Thesen Solanas oder meinetwegen der Femen nicht aufzugreifen. (Die Femen sind allerdings in meiner feministsichen Filterblase deutlich kritisiert worden.)
    Es gibt viele Bücher auf der Welt, die ich nie gelesen und von denen ich mich nie distanziert habe. Bin ich jetzt schuldig, alle Thesen in diesen Büchern zu vertreten, weil ich mich nie von ihnen distanziert habe?

    • @Joachim

      Also, wenn man bedenkt, dass unsere herzallerliebste *hust* Ober-Feministin Alice Schwarzer und ihre ebenfalls radikalen Gleichgesinnten bisher keinen Hehl daraus gemacht haben, wie bewundernswert und wegweisend sie die Hetzschrift von Solanas finden, dann bin ich der Ansicht, dass es von gemäßigt feministischer Seite auch eine klare Distanzierung geben sollte, so eine Art Gegengewicht.

    • Gibt es denn tatsächlich weltweit keine Feministin, die sich kritisch über Solanas‘ Werke geäußert hat? Das würde mich sehr wundern.
      Die Frage hier ist doch, ob es erforderlich ist, dass sich jede Feministin und jeder Feminist darüber äußert. Ich zum beispiel könnte mich von Solanas nicht distanzieren, weil ich ihre Werke nicht kenne. Ich wüsste ja gar nicht, wovon ich mich da distanzieren würde.Wer weiß, vielleicht würde ich ihr ja zustimmen, wenn ich ihr Buch lesen würde.

    • @Joachim

      Man brauch Solanas Werke nicht komplett zu kennen, um sich eine Meinung über sie zu bilden. Da reicht es schon aus, nur ein paar ihrer männerfeindlichen Zitate zu kennen, wie z. B.: „Tief in seinem Inneren weiß jeder Mann, dass er ein wertloser Misthaufen ist.“ Man muss ja auch nicht seine Nase in eine Mülltonne zu stecken, um zu wissen, dass sie stinkt, warum sollte man auch noch ihr ganzes Buch lesen?

    • Sag mal, distanzierst du dich auch jedesmal vom Bestseller „Mein Kampf“ um uns zu beweisen,. dass du keine Nazi bist? Oder erwartest du das immer nur von anderen, dass sie sich distanzieren müssen?

      „Sich Distanzieren“ müssen impliziert immer, dass zuerst eine Nähe dazu vorhanden ist, zuder eine Distanz geschaffen werden muss.
      Das ist aber schon sehr gewagt, dass Feministinnen per se Männermörder sind und die leiben Feministinnen sich schuldbewusst distanzieren müssen.

      Und Schwarzer als Oberfeministin zu bezeichnen, hahahaha. Ein Witz. Die privilegierte Herausgeberin einer Mainstreamzeitung für F-Wannebees und Bücherautorin für konservative pseudofeminine Fraueninhalte.

      Aber stell dir vor: bei aller Wut gegen ein mir bekannten Gewalttäter würde ich nie alle Männer ermorden wollen. Das wäre wahnhaft.

      Solanas Hetze für angemessen zu nehmen ist wie die kulturell tief verankerte Bibel mit all ihren Mordgelüsten und Geboten als wahr und sinnvoll anzusehen.

  7. Und Verkäufe von mein Kampf sind ein Beleg für die Förderung antisemitischen Gedankenguts durch hauptsächlich „linke Gutmenschen“, die ihr Feindbild pflegen müssen durch das Sammeln von Argumenten.

    Dieser Blog ist von einer Verblendung gekennzeichnet, die wirklich atemberaubend ist.

    Sich Feministin nennen und es nicht nötig haben, sich von die Bewegung prägenden Figuren wie Solanas, Daly, Dworkin oder MacKinnonen distanzieren zu müssen, ist wie sich Nationalsozialist nennen, aber Hitler oder auch nur Goebbels zu ignorieren.

    • Wenn du die Nazikeule wieder eingepackt hast, kannst du ja mal überlegen, ob dir noch eine konstruktive Kritik einfällt, auf die sich ernsthaft einzugehen lohnt.
      Mit diesem substanzlosen Gerede der – hach wie originell – Unterstellung der ideologischen Nähe zu Solanas kann ich nämlich nichts anfangen. Das langweilt.

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