„Männer, stellt euch nicht an, ihr seid doch mitgemeint!“

Zu dieser lustigen „Herr Professorin“-Diskussion um die Uni Leipzig und ihr generisches Femininum wollte ich mich eigentlich nicht äußern, weil das für mich irgendwie ein Randthema ist, das meine Haltung zum Feminismus nicht sonderlich tangiert.
Es ist ja ganz nett, ab und zu mal darauf hinzuweisen, dass es durchaus berechtigte Kritik daran gibt, wenn Frauen beim generischen Maskulinum „mitgemeint“ sind, also sprachlich gesehen irgendwie nur eine Nebenform des Standards Mann sind.
Allerdings halte ich mich da selbst auch oft nicht dran, weil es mir auch stellenweise am Hintern vorbeigeht. Es ist aber keineswegs meine Überzeugung, dass das gen.Mask. das einzig Wahre ist, sondern schlicht reine Bequemlichkeit. Es gibt andere Themen im Feminismus, die Aufmerksamkeit und eine ernste Debatte wert sind.

Was mich jetzt aber an der Diskussion um die Leipziger Uni amüsiert, sind die Reaktionen auf die Entscheidung des Senats, in der Verfassung ausschließlich die weibliche Form aller Personen und Amtsbezeichnungen zu verwenden. Begründung: Man wolle die Studentinnen sichtbarer machen, die immerhin 60% der Studienplätze einnehmen.
Da ist von „Gender-Irrsinn“ die Rede oder gar von „Diskriminierung der männlichen Studenten“ oder auch von der eigenwilligen Interpretation der meisten Mainstream-Medien, Männer weiblich ansprechen zu müssen.
Besonders lustig fand ich den „Protest“ des Dekans der Juristenfakultät Leipzig, der sich mannhaft-trotzig dem Gender-Wahn widersetzt, indem er droht: „Da machen wir nicht mit!!einself“

Liebe Studieninteressierte, sehr geehrte Eltern, meine Damen und Herren,
der Senat der Universität Leipzig hat beschlossen, Amtsbezeichnungen in Zukunft ausschließlich in der femininen Form zu verwenden. Die öffentliche Kritik daran ist inhaltlich berechtigt.
Wir missbilligen den Beschluss des Senats. Wir werden ihm nicht folgen. Kein männlicher Student der Juristenfakultät Leipzig muss damit rechnen, als „Studentin“ angesprochen zu werden.
Die Juristenfakultät unterstützt alle sinnvollen Maßnahmen der Gleichstellung. Mehr als die Hälfte unserer Studenten sind Frauen, die ebenso wie unsere männlichen Studierenden mit hervorragenden Studienleistungen überzeugen. Wir werden Sie auch weiterhin mit guten Lehrangeboten bis hin zur Examensvorbereitung unterstützen. Darauf kommt es uns an. Dafür stehen wir!
Der Akademische Senat der Universität Leipzig wird aufgefordert, zu ernsthafter Sacharbeit zurück zu kehren.
Prof. Dr. Christian Berger
Dekan der Juristenfakultät

Warum diese Hysterie völlig übertrieben ist, erklärt Bildblog

Ein Shitstorm ist für die, die drinstehen, keine angenehme Sache. Doch wenn sie zu Unrecht drinstehen, wird es besonders beschissen.

Die Uni Leipzig muss sich derzeit viele Vorwürfe gefallen lassen. Der Stammtisch ist entsetzt, die Feuilleton-Chefs genauso, die sozialen Netwerke schreien auf. Und das alles wegen einer ziemlich banalen Entscheidung.

Rektorin, Dozentinnen, Wissenschaftlerinnen — da, wo früher in der Grundordnung der Universität Leipzig die sogenannte Schrägstrich-Variante genutzt wurde, also etwa Professor/Professorin, steht künftig ausschließlich die weibliche Personenbezeichnung. Eine Fußnote ergänzt, dass diese feminine Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt.

Bevor es jetzt zu Missverständnissen kommt, wollen wir das mal kurz erklären.

Der erweiterte Senat der Uni Leipzig hat in seiner Sitzung unter anderem über die Grundordnung, also die Verfassung der Hochschule diskutiert. Dabei ging es auch um die Frage, wie man die Personen bezeichnen soll, die in diesem Dokument vorkommen.

Bisher hatte die Uni die Schrägstrich-Variante genutzt. Das sah dann so aus:

Die Vertreter/innen der Gruppe der Hochschullehrer/innen, der Gruppe der akademischen Mitarbeiter/innen und der Gruppe der sonstigen Mitarbeiter/innen im Fakultätsrat, die Dekane/Dekaninnen, Prodekane/Prodekaninnen und Studiendekane/Studiendekaninnen sowie die Gleichstellungsbeauftragten werden für eine dreijährige Amtszeit gewählt.

Statt „Vertreter/innen“ könnte die Uni auch „Vertreter_innen“ schreiben. Oder „VertreterInnen“. Oder „Vertreter/Vertreterinnen“. Oder „Vertreterinnen und Vertreter“. Sie könnte auch — wie es bisher jahrzehntelang üblich war — einfach nur „Vertreter“ schreiben und in einer Fußnote klären, dass damit auch Frauen gemeint sind.

Sie könnte aber auch — und damit kommen wir zur neuen Variante an der Uni Leipzig — einfach nur „Vertreterinnen“ schreiben und in einer Fußnote klären, dass Männer damit auch gemeint sind.

In der Grundordnung – und zwar nur in diesem Dokument – sollen künftig also ausschließlich weibliche Personenbezeichnungen benutzt werden. Dies sei eine „spontane Entscheidung ohne politische Ziele“ gewesen, sagte der Professor, der die Variante vorgeschlagen hatte.

So viel zum Kern der Geschichte.

Genau. Nicht in Essen, nicht in Leipzig, nicht in Sonstwo. „Herr Professorin“ gibt es nicht und wird es auch nicht geben! Ein für allemal: Diese Ansprache ist nichts weiter als eine Erfindung von „Spiegel Online“.

Dennoch entwickelte sich vergangene Woche eine hitzige Debatte, die zu großen Teilen auf diesem Trugschluss basierte. Viele Kommentatoren ereiferten sich über die (nie dagewesenen!) Pläne, „alle Fachkräfte nur noch als Frauen“ anzusprechen, in sozialen Netzwerken forderten Tausende den Rücktritt der Uni-Rektorin.

Selbst der Dekan der Juristenfakultät ließ in einer Erklärung (PDF) verkünden:

Wir missbilligen den Beschluss des Senats. Wir werden ihm nicht folgen. Kein männlicher Student der Juristenfakultät Leipzig muss damit rechnen, als „Studentin“ angesprochen zu werden.

Ähm, ja.

Natürlich darf man die Entscheidung der Uni kritisieren. Aber dann sollte man doch bitteschön bei den Fakten bleiben.

Die Uni sah sich jedenfalls gezwungen, eine Richtigstellung zu veröffentlichen. Darin heißt es, bei der „umfangreichen Berichterstattung zur neuen Grundordnung der Universität“ sei „ein klares Missverständnis zu Tage getreten“. Die Rektorin schreibt:

„Da wird von vielen ein Missverständnis gesät, als ob die neue Grundordnung so furchtbar viel verändern würde. Zur Klarstellung möchte ich sagen, dass diese Neuerung auf den Alltag an der Universität und auf den universitären Sprachgebrauch keinerlei Auswirkungen haben wird.“

Doch das Märchen vom deutschen „Herrn Professorin“ wird inzwischen sogar schon im Ausland erzählt.

Richtig aus der Seele gesprochen hat mir aber der „Triebtäter“ (hihi)


In der modernen Studentenmetropole Leipzig hat man sich an der ansässigen Universität nun zu einem aufsehenerregenden Schritt entschlossen, der schon durch die Reaktionen, die er erzeugt, äußerst erhellend ist: Man geht wieder zur generischen Form über, statt explizit beide Geschlechtsformen zu nutzen, man tut also, was all die Postgender-Machos seit Jahren wünschen.

Allerdings geht man nicht zum generischen Maskulinum über, sondern zum Femininum: Man meint in Zukunft also auch die Professoren, wenn man schlicht “Professorinnen” sagt. Das klingt aufgeklärt, gleichberechtigt und trotzdem irgendwie “Post-Gender” – kurz, die eierlegende Wollmilchsau unter den Synthesen.

Dennoch passt es den Männern natürlich wieder nicht: Plötzlich als Frauen angesprochen zu werden, so Post-Gender sind sie dann doch nicht, “geht gar nicht”.

Da sag ich nur Touché. Es ist alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt.

5 Kommentare zu “„Männer, stellt euch nicht an, ihr seid doch mitgemeint!“

  1. Ja die künstliche Empörung vielerorts entlarvt so manchen. Persönlich habe ich schon mal die Erfahrung gemacht, dass man mich äußerst blöd angeguckt und teilweise angefeindet äh „korrigiert“ hat, als ich (als Frau) von mir als Sportler (sic!) gesprochen habe. Generisches Maskulinum eben – dachte ich. Aber nix da – ich dürfe doch nicht von mir in der männlichen Form reden, ich sei doch eine Sportlerin! Ob ich am Ende Probleme mit meiner Weiblichkeit habe?

    Öh ja, manchmal fällt mir nichts mehr ein. Für mich ist es nur selbstverständlich, dass sich das gen. maskulinum auf beide Geschlechter bezieht. Ebenso verwende ich diese Form zu 90% für mich selbst. Ich bin eben ein Sportler, Student, Nerd, Zocker etc.. Das gen. maskulinum wäre an sich schon ok, wenn viele insgeheim/unterbewusst es nicht doch ausschließlich auf Männer beziehen würden. Für manche geht aber die Welt unter, wenn frau „männliche“ Bezeichnungen für sich benutzt (oder wie auch immer meine Kritiker von oben das dann sehen). Teilweise kenne ich es auch so, dass „Sportlerin“ als Abwertung verstanden wird bzw. eben nicht so gut wie „Sportler“. Da steckt dann aber ganz simpel die entsprechende Grundhaltung hinter. Diese Leute sind vernachlässigbar.

    Wenn es für alle ganz normal geworden ist, dass auch Astronauten weiblich sein können (als Beispiel), dann gibt es mit dem generischen Maskulinum kein Problem mehr. Es ist kein sprachliches Problem meiner Meinung nach, sondern ein „Kopfproblem“/charakterliches Problem der einzelnen Menschen.

    • Der Asphyxia hat’s auf den Punkt gebracht. Er ist eben Sportler, auch als Frau.
      Ich aber, so als Mann, finds seltsam, dass er sich Frau nennt.

      Warum führen wir eigentlich auch Anreden wie Herr oder Frau? Auch unsinniges Gendern!

  2. @GwenDragon:
    Warum findest du es seltsam, dass ich mich „Frau“ nenne? Das ist die korrekte Bezeichnung für mein biologisches Geschlecht. Ich weiß nicht recht, ob du das mit dem generischen Maskulinum im Kontext meines ersten Beitrages richtig verstanden hast. Gegen Anreden wie „Herr“ oder „Frau“ bin ich übrigens nicht. Mir scheint du sortierst mich in eine falsche Ecke ein.

  3. Pingback: Elisabeth Badinter | Gedankensalat...

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