Warum ich Schutzräume habe

Ich lese in letzter Zeit häufiger kritische Artikel zum Thema „Filterbubbles“, also Schutzräume, in denen man sich relativ frei mit Gleichgesinnten bewegen kann. Oft mit spöttischem oder hämischem Unterton, man wolle sich nur in seine eigene Welt zurückziehen und bloooß keine anderen Meinungen zulassen, man könnte sich ja mit Argumenten konfrontiert sehen, denen man nichts entgegenzusetzen hat.
Dazu hab ich folgendes zu sagen. Auch ich habe hier meine „Filterbubbles“. Ich habe einige meiner Artikel unter Passwort gesetzt, das nur wenige MitleserInnen haben. Das hat aber auch seine Gründe. Die eigentlich keinen was angehen. Dort werden z.T. sehr persönliche Inhalte besprochen, die ich nicht der breiten Öffentlichkeit präsentieren möchte, sondern nur Menschen, denen ich ein gewisses Vertrauen entgegenbringe. Und auch manche Mitlesenden teilen sich dort z.T. sehr privat und persönlich mit. Diese sind bei weitem nicht immer einer Meinung mit mir, haben aber soviel Anstand und Respekt, dass man sich in Ruhe miteinander unterhalten kann. Es herrscht also ein gegenseitiges Vertrauen, welches ich sehr schätze. Ich denke, jede der hier in diesen geschützten Bereichen mitlesenden Userinnen wird mir das bestätigen. Und nur darum geht es. Ich sehe daran nichts negatives. Es ist ein gewisser Schutzmechanismus, der der Erfahrung folgte, dass man gewisse Inhalte einfach nicht öffentlich zur Diskussion stellen und besprechen kann, ohne von Menschen angegriffen zu werden, denen jegliche Empathie zu fehlen scheint und sich überall in unpassender Weise reindrängen müssen. Besonders, wenn es Inhalte sind, die mein persönliches Leben betreffen, sehe ich es nicht ein, mich dem auszusetzen.

Das kann man jetzt lächerlich finden und sich damit brüsten, wie tolerant und offen man selbst mit anderen Meinungen umgeht. Nur hat das eine hier nichts mit dem anderen zu tun. Es geht nicht um andere Meinungen, sondern um einen gewissen Schutz meiner Privatsphäre und Anfeindungen, die ich mir schlicht nicht bieten lassen möchte. Punkt.

14 Kommentare zu “Warum ich Schutzräume habe

  1. Ich sehe gar nicht, was man daran kritisieren soll. Ist es nicht gerade die Stärke des Netzes, dass wir uns unsere Gesprächkreise unabhängig von räumlichen Beschränkungen aussuchen können. Natürlich haben wir alle Filterblasen. Wir hätten auch gar nicht die Zeit, das ganze Internet zu lesen. Und natürlich muss sich niemand gefallen lassen, zu jedem Thema von beliebigen fremden kritisiert zu werden.
    Ehrlich gesagt enttäuscht es mich manchmal, wenn ich eine spannende Überschrift in deinem Blog sehe und den Beitrag dazu nicht lesen kann. Aber mit Enttäuschungen leben zu können, ist Teil des Lebens. Es gibt kein Recht alles von jedem zu erfahren und kritisieren zu dürfen.

    • Und natürlich muss sich niemand gefallen lassen, zu jedem Thema von beliebigen fremden kritisiert zu werden.

      Das Standardargument lautet hier. Wer sich öffentlich äußert, muß damit rechnen. Generell stimmt das auch. Aber wie gesagt meine ich ja hier keine Kritik. Zu sachlicher Kritik, mit der man auch was anfangen kann, sind nach meiner Erfahrung ohnehin die wenigsten „Kritiker“ in der Lage, wenn sie hier kommentieren.
      Ich meine hier aber was anderes. Ich rede von unangemessenem Einmischen in meine Privatsphäre, in meine Emotionalität. Es gibt ja selbsternannte Menschenkenner, die mir in dieser Hinsicht jegliche Fähigkeiten absprechen. Die schließe ich hier ganz bewußt aus.

      Zu deiner Beruhigung: Du gehörst nicht dazu 😉

    • Ich weiß nicht. Meine persönlichen Gefühle hat niemand zu kritisieren, Auch nicht, wenn ich sie öffentlich mitteile. Auch nicht, wenn es sachlich geschieht.
      Und natürlich gehöre ich auch zu denen, die du ausschließt. Nur finde ich es, wie gesagt, verständlich. Wenn du dich in einer Kneipe mit Freunden triffst, bin ich ja auch nicht dabei.

    • Und natürlich gehöre ich auch zu denen, die du ausschließt.

      Ja, natürlich schließe ich die restlichen 6.999.999.995 Menschen auf der Erde aus. Aber 6.999.999.970 davon interessiert das nicht die Bohne und das ist auch gut so. Die anderen kann ich immer noch dazu einladen, wenn sie es wünschen und das ok für mich ist.

  2. Es ist ja auch Fakt, das Fremde, die einen sogar nur lesen und nicht mal flüchtig kennen, einen viel besser einschätzen können als man sich selbst… Sarkasmus bei Seite.

    Ich finde es auch total ok, dass du passwortgeschützte Texte hast. Das da wieder Leute jammern ist ja klar. Man kann es niemandem recht machen, der es sich nicht recht machen lassen will (geschweige denn, dass man das müsste oder auch nur wollen sollte).
    Die Leute meckern, dass man ja bei öffentliche Texten mit allem zu rechnen hat (was eine sehr traurige Gesellschaft impliziert).
    Und sie jammern, wenn man sich den Safe Space nimmt, damit man eben nicht mit allem rechnen muss.
    „Es gibt kein Recht alles von jedem zu erfahren und kritisieren zu dürfen.“
    Den Satz find ich gut!

    Liebe Grüße!

  3. Private Dinge nicht jedem zu zeigen ist für mich persönlich keine Filterbubble. Auch nicht mit wem ich befreundet bin oder welche Dinge ich gerne lese.
    Eine Filterbubble ist für mich, wenn man nicht in der Lage ist andere Ansichten und Meinungen unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen und erst NACHDEM man die Argumente gehört hat zu entscheiden ob man das in sein Weltbild integriert oder nicht. Es gibt Menschen, die hören bei gewissen Schlüsselwörtern auf zu lesen – was grundsätzlich OK ist, ich höre z.b. auf bei „Deutsche Front“ oder ähnlichem das Gegenüber ernst zu nehmen. Aber manche zelebrieren das derart, dass es gar keine andere Meinung mehr in ihre „Bubble“ schafft ohne direkt als „kommt vom Feind“ abgetan zu werden.
    Ich selbst habe schon unzählige Male in Dingen meine Meinung geändert weil die „Gegenseite“ Fakten gebracht hat, die mich überzeugt haben. Bei manchen Leuten scheint hingegen eine richtige Panik vorzuherrschen dass ihr Weltbild durch Fakten angekatzt werden könnte. Bsp: „Alle Pädos gehören kastriert!!!!“ – „Faktisch sind die meisten Menschen, die sexuelle Gewalt an Kindern ausüben nicht pädophil und nicht jeder Pädophile begeht Straftaten – hier ist eine Studie dazu.“ – „Bist wohl auch so ein Pädoschwein!!!!“ DAS ist für mich eine Filterbubble. Keine Filterbubble wäre für mich „Ich habe deine Studie gelesen aber mich hat sie nicht überzeugt weil die Stichprobe nur 10 Menschen umfasst“

    • Für manche ist es schon eine verachtenswerte Filterbubble, wenn man keine Lust hat, sich mit inhaltsleerem Getrolle auseinanderzusetzen.
      Es ist mE ein schwammiger Begriff, der negativ konnotiert ist und inflationär immer dann aus dem Hut gezogen wird, wenn das Gegenüber unverschämterweise bei seiner Meinung bleibt. Ist mir auch schon vorgeworfen worden. Ohne nähere Begründung natürlich. Deswegen ist das für mich nichts, was ich mit konstruktiver Kritik verbinde.

  4. Ich glaube, die Kritik an Filterbubbles ist zumeist nicht so gemeint, dass es nicht ok sein soll, sich seine Schutzräume zu nehmen. Ich habe nur manchmal den Eindruck, dass es gewisse Menschen gibt, die ihr gesamtes Leben in einer Art Filterbubble verbringen. Das heißt, sich nur noch mit Leuten umgeben, die ähnliche Einstellungen, Meinungen und Lebensweisen haben und dann geschockt sind, wenn andere Menschen Dinge nunmal anders sehen.

    Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass du dazu gehörst. Im Gegenteil, ich habe hier durchaus auch schon vernünftig mit dir diskutieren können, obwohl du bei einigen Themen anderer Meinung bist.

    Sich für private Themen einen geschützten Raum zu erschaffen, ist doch völlig verständlich. Auch wenn ich es schade finde, da nicht lesen zu können. Ich würde das gerne, da ich deine Gedanken immer sehr interessant finde und dadurch auch häufig eigene neue Ideen habe 🙂 Aber falls du nicht das nötige Vertrauen hast, muss ich das natürlich akzeptieren.

    Das Argument bezüglich der öffentlichen Meinung zieht hier ja einfach nicht, da du gerade durch diesen Schutzmechanismus eben das Thema nicht öffentlich besprichst. 😉

    Liebe Grüße,
    Miria

    • “ ist doch völlig verständlich. Auch wenn ich es schade finde, da nicht lesen zu können. Ich würde das gerne, da ich deine Gedanken immer sehr interessant finde und dadurch auch häufig eigene neue Ideen habe “

      Ha, das ist es, was ich oben so ungeschickt auszudrücken versuchte.

  5. Sorry, aber es ist mir schleierhaft, wie du sogenannte Filterbubbles und Schutzräume (wie deine passwortgeschützten Artikel) in einen Topf werfen kannst.

    Dir ist schon klar, was mit Filterbubble gemeint ist? Der Begriff zielt doch eher darauf ab, dass Menschen eine Entscheidung treffen, welche Informationsquellen sie an sich ran lassen, welche Blogs sie lesen, welchen Twitterern sie folgen usw. Es geht hier eher nicht um das technische Einsperren von Informationen, ob nun durch Paywalls, Einladungssysteme oder passwortgeschützte Bereiche. Du dehnst den Begriff Filterbubble sehr weit aus, um deine kleinen geschützten Blogartikelchen mit einem tollen neuartigen Wort aufzuladen.

    Niemand braucht sich für deine gesperrten Artikelchen zu interessieren, da kannst du noch so viel von Bubbles blubbern. Kann es sein, dass du Neugierde für deine geschützten Artikel wecken möchtest?

    • Oh verdammt, du hast mich voll durchschaut! *rollingeyes*

      Ja sicher, ich will dringend die Lesermasse auf meine geschützten Artikel neugierig machen. Wie sinnvoll. Weil ich sie völlig grundlos geschlossen halte und eigentlich lieber viel mehr Leser dazu hätte. Wie logisch.

      Übrigens, so klein sind die gar nicht. Und auch nicht gerade schlecht besucht. Aber das kannst du ja nicht wissen. 🙂

    • Das ist immerhin beruhigend, das diese Filterbubbles, die du unterhältst, nicht so arg klein sind. Denn die Bezeichnung Filterbubble legt ja nahe, dass die entsprechenden Personen die Welt nur innerhalb dieser Bubble wahrnehmen. Es muss ein erhebendes Gefühl für dich sein, da du ja über den Bubbles drüberstehst. Dieses Gefühl möchtest du gerne mitteilen.

      Es ist zugegebnermaßen schwer zu durchschauen, was dein Artikel soll, aber vielleicht ist es mir ja jetzt gelungen. 😕 ❓ 💡 🙄

    • Eher nicht, aber du kannst beruhigt sein. „Was ein Artikel soll“ kannst du ruhigen Gewissens denen überlassen, die ihn geschrieben haben. Ich habe nicht vor, extra für dich die Erklärbärin zu spielen.

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