Luxus und Reichtum, was ist das eigentlich?

Es gab in letzter Zeit einige Dinge, die mich über Begriffe wie Luxus nachdenken ließen. Zum einen die Diskussionen um den Hashtag #NudelnmitKetchup, der das Thema Armut auf den Tisch gebracht hat, zum anderen aber auch persönliche Begegnungen, die mich nachhaltig beeinflusst haben.

Ich bin weit davon entfernt, im materiellen Sinne reich zu sein. Allerdings bin ich genauso wenig arm. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Im Vergleich zu einem rolexbeschmückten benzfahrenden Bankenvorstand bin ich arm wie eine Kirchenmaus. Im Vergleich zu einer alleinerziehenden Mutter, die am Existenzminimum herumkrebst und 2 Jobs annehmen muß um über die Runden zu kommen, bin ich sicher reich. Abgesehen davon sage ich nicht, dass ich zu wenig verdiene, um leben zu können, sondern zu wenig, gemessen an dem, was ich leisten muß, aber das ist noch mal ein ganz anderes Thema.

Reichtum ist für mich nichts, was ich automatisch mit materiellen Dingen verbinde. Reich kann man nicht nur an Geld sein. Die materiell reichsten Menschen können sehr arm sein. Arm an Zeit, arm an Liebe, arm an Geist, arm an Moral, arm an Menschlichkeit, arm an Ideen, arm an Freude.

Dass ich mich nicht arm fühle, sehe ich an den oben angesprochen Dingen. Ich habe mich bei #NudelnmitKetchup nicht beteiligt, weil ich mich davon nicht betroffen fühle und weil ich gesehen habe, dass es Menschen gibt, für die es ein großes Problem ist, eine 20,- Rechnung zu bezahlen, und die ihre Lebensmittel bei der Tafel abholen. Solche Menschen haben mir gezeigt, dass es für das persönliche Glück nicht darauf ankommt, wieviel Geld auf dem Konto ist. Sondern darauf, wie man aus den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, das Beste macht. Jemand der jede Menge Geld zur Verfügung hat, damit aber ohne Sinn und Verstand rumwirft, ist in meinen Augen nicht reicher als jemand, der sein Geld ganz bewußt einteilt und selbst aus den kleinsten Mitteln noch das positivste zieht. Jemand, der sich nur mit den teuersten Markenklamotten einkleidet, ist auch nicht zwangsläufig schicker und modischer als jemand, der second hand einkauft oder sich seine Wintermützen selbst strickt. Wer sich seinen Sex nur bei teuren Edelnutten holt, ist kein besserer Liebhaber als jemand, der sich wirklich für eine bestimmte Frau interessiert. Ich will damit sagen, mit Geldscheinen zu wedeln, hat nichts mit wahrem Reichtum zu tun.

Man mag nun diese Betrachtungsweise als naiv bezeichnen. Aber meine Überzeugung ist nun mal, dass Geld definitiv nicht glücklich macht. Es beruhigt, ja. Es ist ein wohliges Ruhekissen, sich sicher sein zu können, alle Rechnungen bezahlen zu können. Aber wäre ich glücklicher, wenn ich in einem riesigen Luxus-Penthouse leben könnte? Mit einem heißen Sportflitzer? Und 3x Karibik im Jahr? Essen in den nobelsten Restaurants?
Wohl kaum.

Aber egal, wie arm oder reich ich bin. Gelegentlich ertappe ich mich bei dem Gedanken, eigentlich ganz zufrieden sein zu müssen. Immerhin bleibt mir sogar noch was über, um es auf die Seite zu legen. Aber ich sehe es nicht ein, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil es Menschen gibt, denen es finanziell wesentlich schlechter geht als mir. Denn mir wird auch nichts geschenkt. Jeder einzelne beschissene Cent auf meinem Konto ist verdammt hart erarbeitet. Und ich führe ein sparsames Leben, gönne mir nur selten teure Dinge und bin auch niemand, der jede Nacht um die Häuser zieht. Ich ziehe den Hut vor jedem, der mit wesentlich weniger zurecht kommt. Aber schlechtes Gewissen? Nein.

7 Kommentare zu “Luxus und Reichtum, was ist das eigentlich?

  1. Was habt ihr denn alle immer mit eurem „schlechten Gewissen“?
    Bei #aufschrei waren es Männer, die sich pauschal zu Tätern erklärt fühlten und sich beeilen mussten zu sagen: „Ich habe kein schlechtes Gewissen.“
    Bei #schauhin war es „Weißen“ mit deutschem Namen wichtig klarzustellen, dass sie kein schlechtes Gewissen haben müssen.
    Und nun sind es alle, die keine Existenzsorgen haben?

    Warum können wir nicht einfach mal die Erfahrungen anderer stehen lassen ohne sie gleich auf uns persönlich zu beziehen? Nein, ich habe auch kein schlechtes Gewissen, dass ich ein weißer Mann namens Schulz ohne große Geldsorgen bin. Aber ich empfinde es trotzdem als Gewinn, zu erfahren, welche Lebensrealitäten andere haben.

    • Ich sage doch nichts anderes. Dass man die Lebensrealitäten anderer Menschen mit der eigenen vergleicht, finde ich normal und bereichernd. Ich finde es auch wichtig, nicht nur seinen eigenen Mikrokosmos unter der Flagge „mir geht es so, also ist die Welt so“ zu sehen. Und dass ich mir davon kein schlechtes Gewissen mache, hab ich auch deutlich gemacht.

    • Ja, aber warum unterstellst du, dir wolle jemand ein schlechtes Gewissen machen? „Aber ich sehe es nicht ein, ein schlechtes Gewissen zu haben,“ kommt bei mir so an. Ich glaube nicht, dass das die Absicht der Menschen ist, die zu #NudelnmitKetchup twittern.

    • Nein, das war so nicht beabsichtigt, dass das so rüberkommt.
      Unabhängig von diesem Hashtag hatte ich aber schon Gespräche mit Menschen, die mir durch die Blume mitgeteilt haben, dass ich doch keinen Grund zum jammern hätte, als sie mein Einkommen erfahren haben. Im Osten Dt.s würde man nicht so viel bekommen, etc… (ausschließlich Männer übrigens, aber das nur am Rand)
      Diesen Menschen kann ich nur sagen, dass ich erstens nicht jammere und dass mir zweitens wie gesagt auch nichts in den Schoß fällt.

  2. Du machst da einen extrem groben Fehler: Klassismus hat nämlich nur in zweiter Linie etwas mit Geld zu tun. Klassismus ist die Diskriminierung von Menschen aus einer bestimmten sozialen Klasse (z.B. Arbeiterschicht). Das äußert sich z.B. in der Vorstellung, dass Arbeiterkinder dümmer sind als Akademikerkinder.
    Zwar geht eine „niedrige“ soziale Klasse oft mit finanziellen Sorgen einher, aber das ist dennoch nicht dasselbe. Möglich, dass das bei Twitter oft vermengt worden ist, auch von mir. Aber trotzdem.

    Weißt du, solche Sprüche wie „Geld macht nicht glücklich (aber es beruhigt)“ habe ich wirklich schon oft genug gehört und wäre extrem froh, wenn ich sie nie wieder hören müsste. Mir ist völlig klar, dass Geld nicht glücklich macht, aber Glück kann man nicht erreichen ohne innere Ruhe. Für den Anfang wäre ich also schon verdammt froh, Geld zu haben und beim Einschlafen nicht an meine vielen Schulden denken zu müssen.

    Wir können ewig drum streiten, was Luxus ist und was nicht. Für mich ist ein Käse von der Käsetheke schon der vollendete Luxus, für andere geht nichts unter Hummer und Kaviar. Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Es geht darum, dass in Deutschland mehr als in vielen anderen europäischen Ländern die Herkunft eines Kindes über seine berufliche Laufbahn entscheidet. Es geht darum, dass den Kindern von Hartz IV-Empfängern keinerlei Hilfestellung geboten wird. Es geht um Respekt und Anerkennung, nicht darum, ob innerer Friede jetzt nicht eigentlich doch der bessere Reichtum ist als viel Geld. Und von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen hat auch niemand geredet!

    Der Artikel beschreibt hervorragend, was ich meine: http://www.zeit.de/2013/05/Arbeiterkind-Schulsystem-Aufstieg

    Und das hat nicht vordergründig etwas mit Geld zu tun.

    • Ich denke, wir reden hier etwas aneinander vorbei. Ich habe nicht von Klassismus geredet, sondern schlicht über meine persönliche Definition von Reichtum gesprochen.

      Mir ist völlig klar, dass Geld nicht glücklich macht, aber Glück kann man nicht erreichen ohne innere Ruhe. Für den Anfang wäre ich also schon verdammt froh, Geld zu haben und beim Einschlafen nicht an meine vielen Schulden denken zu müssen.

      Was anderes hab ich eigentlich auch nicht gesagt. 😉

      Wir können ewig drum streiten, was Luxus ist und was nicht. Für mich ist ein Käse von der Käsetheke schon der vollendete Luxus, für andere geht nichts unter Hummer und Kaviar. Aber darum geht es doch überhaupt nicht.

      Ähm doch, auch darum geht es. Mir geht es um verschiedene Blickwinkel. Was für den einen tägliche Normalität ist, ist für den anderen Geburtstag, Weihnachten und Silvester zusammen. Das nicht zu ignorieren, hat auch was mit Respekt zu tun.

      Es geht um Respekt und Anerkennung, nicht darum, ob innerer Friede jetzt nicht eigentlich doch der bessere Reichtum ist als viel Geld.

      s.o.

      Und das hat nicht vordergründig etwas mit Geld zu tun.

      Sehr richtig.

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