Homophobie und Manipulation bei #idpet

Der Wirbel um die homophobe Petition nimmt ja kein Ende. Unter #idpet kann auf Twitter jeder nachlesen, welches Gedankengut sich unter dieser Petition sammelt. (Besser vorher nichts essen)

Nachdem man sich auf den üblichen „konservativen“ Plattformen darüber freut, wieviele Unterstützer #idpet nicht nur in BaWü findet, wurde heute eine Tatsache bekannt, die uns einmal mehr die Untauglichkeit von Online-Umfragen vor Augen führt.

Nele Tabler hat auf ihrem Blog veröffentlicht, dass auch in ihrem Namen unterschrieben wurde. Wer Nele kennt, weiß, dass das nur ein Fake sein kann. Aber nicht nur das. Es gab auch Unterschriften, die eigentlich keine sind („Fake Unterzeichner“), aber sofort als gültige Stimme mitgezählt wurden. Aber dazu soll sich jeder sein eigenes Bild machen und einfach ihren Artikel lesen.

Es ist ja kein Geheimnis, dass online-Umfragen sehr leicht manipuliert werden können und daher den Mausklick schlicht nicht wert sind. Teilweise werden Leute aufgefordert, mehrfach abzustimmen und es gibt sogar Anleitungen, wie das funktioniert. Es ist also ein Kinderspiel, solche Umfragen zu fälschen und nach seinem Gusto zu verdrehen.

Wiedermal ein Fall von Datenmißbrauch, könnte man einfach sagen. Ja, schlimm genug. Dazu kommt hier, dass der Petition mit Hilfe einer hohen Anzahl an Unterschriften ein weit höheres Gewicht gegeben werden soll, als sie tatsächlich hat.

Für mich fügt sich hier wiedermal (wenig überraschend) ein Bild zusammen, das das konservative Lager der Hüter der Moral, der Sitte und der Norm, der Verfechter des Schutzes der Kinder vor schädlichen Einflüssen in einer Doppelmoral glänzen lässt, die mich anwidert. Im Sinne der spießbürgerlichen Engstirnigkeit und Homophobie wird gelogen, gefälscht und manipuliert. Und unter dieser ekelhaften verlogenen Doppelmoral sollen Kinder erzogen werden? Scheißegal, Hauptsache, sie werden nicht von der Homo-Lobby verseucht? Oder was genau ist die Intention derer, die unter falschem Namen eine Unterschrift unter eine Petition setzen, die Homosexuelle als krank, nicht normal und schädlich für Kinder diffamiert? Die eine lächerliche Paranoia verbreitet, Heterosexuelle sollten „umerzogen“ werden oder ähnliches?

Ein „Argument“ will ich aber mal konkret herausgreifen. Einfach weil man es immer wieder hört und man nicht oft genug darauf hinweisen kann, wie dämlich das ist.

„Die Homos sollen im Schlafzimmer machen was sie wollen, aber die Normalen nicht in der Öffentlichkeit belästigen“

Das ist aus mehreren Gründen großer Humbug. Erstmal verdient sich niemand einen Keks, wenn er anderen Leuten zugesteht, in deren Schlafzimmern machen zu können was sie wollen, solange alle dort Beteiligten Spaß dran haben.
Aber wer will Homosexuellen verbieten, ihre Zuneigung auch außerhalb ihres Schlafzimmers zu bekunden? Händchen halten, küssen, tanzen, einfach all das, was für Heterosexuelle tägliche Selbstverständlichkeit ist? Andere gehen ihren Mitmenschen ständig mit ihren Geschichten auf den Zeiger, wie viele HBs sie wieder flachgelegt haben, prahlen herum und fachsimpeln über Titten und Ärsche. Warum gehört sowas in die Öffentlichkeit, ein sich küssendes homosexuelles Paar aber nicht?

Weil das eine normal ist und das andere nicht? Aha.

Eben.

Nie. Niemals werde ich so einen menschenverachtenen Müll unterstützen. Sollte also mein Name oder mein Pseudo (man weiß ja nicht. Wenn selbst „Fake Unterzeichner“ als Unterschrift gilt, werden sicher Pseudonyme auch angenommen) dort erscheinen, kann jeder davon ausgehen, dass dies ebenfalls gefälscht ist.

7 Kommentare zu “Homophobie und Manipulation bei #idpet

    • Aber aber! Das sind doch keine Hasser. Die wollen halt nur nichts von den ganzen Perversen hören oder sehen, sondern unbehelligt in ihrer kleinen heilen Welt leben, ohne die alles zerstörende und kinderverseuchende Homo-Invasion. Oder so.

    • Dann hoffe ich mal, dass Homeschooling in Deutschland in ein paar Jahren legalisiert wird. Dann kann ich meine zukünftigen Kinder vor Heteropropaganda schützen, sowas finde ich nämlich wirklich schädlich für Kinderohren und -augen 😛

    • Sicher wird die Mehrheit der Unterschriften echt sein. Schlimm genug. Aber dass Identitäten gefälscht, Daten fremder Personen mißbraucht werden oder nur Phantasienamen erfunden werden, um eine homophobe Ideologie noch breitenwirksamer dastehen zu lassen, finde ich nicht weniger schlimm. Und das ausgerechnet von Leuten, die gern mit Anstand-, Sitte- und Moralargumenten um die Ecke kommen.
      Deswegen halte ich auch von Gegenpetitionen nicht viel. Ich kann zwar theoretisch mit meiner echten Unterschrift ruhigen Gewissens ein Zeichen setzen. Aber der Mißbrauchsfaktor ist im Internet einfach so groß, dass ein Wahlergebnis hier komplett verfälscht wird und die Aussagekraft damit ziemlich gegen Null tendiert.
      Ist unsere Gesellschaft nun wirklich so homophob, wie es #idpet suggeriert? Oder ist das nur das Ergebnis von ein paar besonders fleißigen Fakern?

  1. Pingback: Der #Aufschrei um das #Aufschrei-Buch | Gedankensalat...

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