Nacktheit und Sexyness als Argument

Eigentlich hatte ich nie vor, überhaupt irgendwas zu Femen zu schreiben. Dafür ist mir der Verein einfach zu egal.
Sie verkörpern nicht meinen Feminismus, sie sind mir zu krawallig und sie greifen zu Mitteln um Aufmerksamkeit zu erreichen, die ich nicht teilen kann.

Nun hat sich auf Twitter eine Diskussion zwischen einer Femenanhängerin, einer Femenkritikerin und meiner Wenigkeit ergeben, in der ich gebeten wurde, meine Sicht auf Femen ausführlicher darzulegen, da dies in 140 Zeichen gepresst in der Unübersichtlichkeit zu versinken droht

Also, wo soll ich anfangen? Zunächst mal stört mich, dass Femen-Frauen als „starke emanzipierte Kämpferinnen“ dargestellt und gelobt werden. In meinen Augen sind sie alles andere als das. Im Gegenteil. Wenn man vorgibt, das Patriarchat und dessen innewohnenden Sexismus bekämpfen zu wollen, wirkt es unglaubwürdig, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, genau diese Sexismen zu bedienen, weil man damit sagt: „Ich habe keine anderen Argumente als meine Nacktheit, nur so hört man mir zu“. Wie kann man etwas noch zusätzlich anheizen, was man eigentlich bekämpfen will? Auf mich wirkt das nicht emanzipiert, nicht stark, nicht kämpferisch.

Wer als einziges Argument nur seine Brüste präsentieren kann, hat etwas grundsätzliches nicht verstanden.
Da spielt es auch keine Rolle, ob es um Feminismus oder Antifeminismus geht. Sich mit betonter Sexyness Beachtung zu verschaffen ist in meinen Augen nicht damit vereinbar, Sexismus bekämpfen zu wollen. Im Gegenteil, es verstärkt ihn. Wenn statt Argumenten nur noch Brüste zählen, welchen Wert hat das dann? Ob das nun Femen sind, die nur mit ihrer Nacktheit argumentieren, oder Antifeministinnen, die sich betont sexy geben und damit eine „guckt mich an, im Gegensatz zu den prüden Femis bin ich attraktiv und sexy, ätsch“-Attitüde an den Tag legen, ist völlig egal. Für mich sind das Verhaltensweisen, die sich dem Sexismus unterordnen, statt ihn zu bekämpfen.

Wenn irgendwelche argumentlose und hasserfüllte Idioten meinen, herumposaunen zu müssen, wie häßlich ich oder Feministinnen allgemein ja sind, sehe ich auch keinerlei Veranlassung dazu, aller Welt das Gegenteil zu beweisen. Damit würde ich mich auf deren niedriges Niveau begeben. Davon kann man sich aber nur meilenweit distanzieren. Denn auf hirnlose antifeministische Mythen so zu reagieren, als wären sie auch nur ansatzweise diskutabel, indem man sie ernst nimmt und Bilder von sich zeigt, wie sexy man ist, räumt ihnen mehr Wert ein als sie haben.

Und sowohl Femen als auch sexy Hexy Antifeministinnen machen genau diesen Fehler. Sie unterliegen dem sexistischen Mythos, Nacktheit und sexy Auftreten seien relevante Argumente und hätten irgendeinen Wert. Verübeln kann man das allerdings auch niemandem. Wird dieser Mythos doch seit Menschengedenken genährt. Dieser Mythos, dass Frauen nur dann etwas Wert sind, wenn sie sich sexy und verfügbar präsentieren.
Aber wie kann man sich als feminsitische Organisation so emanzipiert und kämpferisch geben, wo man doch ganz simpel nur klassischen Sexismus bedient? Was ist daran emanzipiert?

Es gibt einen Gedankengang, den ich nachvollziehen kann. Sich offen zu präsentieren und damit zu sagen „Hey, das ist mein Körper, damit mache ich was ich will. Und niemand sonst hat das Recht, mir da auch nur ansatzweise reinzureden und diesen gegen meinen Willen zu benutzen“ ist grundsätzlich sehr in Ordnung. Und ich finde es sehr richtig und wichtig, auf dieses Problem, das immer noch erschreckend real ist, hinzuweisen und es anzuprangern. Aus diesem Grund finde ich auch die Slutwalks richtig. Wenn Menschen dafür protestieren, aussehen zu können wie sie wollen, auch wenn sie keinem, wie auch immer gearteten Ideal entsprechen, ohne dafür Diskriminierungen und Belästigungen erfahren zu müssen, kann man das nur unterstützen.
Femen gehen hier aber noch ein paar Schritte weiter, die ich nicht mehr verstehen kann. Abgesehen davon, dass ziemlich hemmungslos Gewalt propagiert wird (was ja allein schon ein NoGo ist), wird ja genau damit noch regelrecht kokettiert, „anders hört uns ja keiner zu“. Statt dagegen zu kämpfen, unterwerfen sie sich dem noch ganz bewußt, indem sie sexistische Klischees bestätigen.

Es gibt also eine Diskrepanz zwischen dem, was sie sagen wollen, und dem, was transportiert wird. Sie wollen sagen: „Frauenkörper sind keine Ware“. Sie transportieren aber: „Alle Macht den Titten!“. Sowas irgendwie uncool zu finden, hat schon etwas handfestere Gründe als „Neid“ oder „Spießigkeit“, wie es auf Twitter sinngemäß zu vernehmen war. (Abgesehen davon, was ist eigentlich an Spießigkeit schlimm?)

Eine Frage bleibt mir noch zu stellen. Darf man bei Femen eigentlich mitmachen, wenn man keine schönen, oder gar keine Brüste hat? Oder ist das dann Ausschlußkriterium? Alles was man sieht, sind junge attraktive Frauen. Dürfen die durchschnittlich oder weniger Attraktiven nicht mit ihrem Körper öffentlich demonstrieren? Oder werden die nur der Medienwirkung wegen nicht so hervorgehoben?

Tut mir sehr leid, aber das ist alles nicht meins.

Aber vielleicht findet sich ja auch eine Femen-Frau hierher, die mir ihre Sicht schlüssig erklären kann?

66 Kommentare zu “Nacktheit und Sexyness als Argument

  1. Darf man bei Femen eigentlich mitmachen, wenn man keine schönen, oder gar keine Brüste hat?

    Habe mal ein Interview dazu gelesen. Da hieß es auf die Frage sie hätten gerne mehr „Vielfalt“, aber es melden sich einfach keine Frauen aus der Richtung dafür. Ob das nun falsch ist oder wahr weiß ich nicht. So in etwa war jedoch die Antwort soweit ich mich erinnere.

    • Wenn es ein male Privilege gibt, den nackten Oberkörper zu zeigen, dann finde ich das Format de femen Aktionen durchaus OK. Frauen, die sich die vermeintlichen Männer Privilegien einfach nehmen, finde ich unterstütztenswert.
      Femen gibt sich aber bei vielem offen Männer feindlich. Das viel zitierte Banner istnur ein ding.

    • Ich denke nicht, dass es um die bloße Kritik eines „male Privileg“ geht. Es geht ganz klar um Machtumkehr. Das sagen sie schließlich selbst.

      Es gäbe genügend andere Baustellen, wo dieses Privileg sinnvoll zu hinterfragen wäre. Zum Beispiel beim Stillen in der Öffentlichkeit. Oder bei der Frage, warum bereits kleine Mädchen, die kaum dem Kinderwagen entwachsen sind, Bikinioberteile tragen sollen.

      In diesem Zusammenhang mit den Femen finde ich es aber nur kontraproduktiv

    • Das mit dem bikini… Meine sind ja 5 und 8. Badehose ist da absolut ausreichend. Die kleine hätte aber jetzt schon gerne einen bikini. Wegen mir hat das nächste badeteil ein Oberteil. Die grosse mag das nich.. Auch OK. Ich glaube es geht beim binkini nicht um das müssen sondern vielmehr darum, das Kinder gerne ihren erwachsenen Vorbildern nacheifern. Da finde ich Ohrringe bei kleinkindern übrigens noch krasser.

  2. Da „keine schönen Brüste“ im Auge des Betrachters liegt, ist’s wohl schwierig darauf eine Antwort zu geben. Aber ich möchte nur mal den Namen Amina in den Raum werfen, die grundsätzlich den Mythos der „nornschönen“ Femen zerstören sollte. (Auch wenn sie nicht mehr dabei ist, sie ist einfach die bekannteste)

    Ansonsten stimme ich dir absolut zu, mit dem Zusatz, dass dieses abartig-hysterische Gekreische kaum verständlich ist und somit auch keine Botschaften übermittelt werden können.

  3. Ich muss sagen, ich dachte wie Du zu Femen, bin aber seit einem Ukraine-Aufenthalt doch ein wenig anderer Meinung. oder sagen wir, ich kann femen besser verstehen. Die Ukraine ist eine ziemlich andere Welt in einiger Hinsicht. Erstens ist dort weibliche Schönheit, und zwar eine ganz bestimmte, schablonenhafte Form davon, nahezu Pflicht. Kaum eine Frau (auch ältere), die dort ohne High Heels rumläuft, doofe Kommentare über die, die es nicht tun. Blondierte Haare überall, Schlankheit ist oberstes Gebot, erst ab 60+ ist eine gewisse Fülligkeit halbwegs akzeptiert. Kinde rwerden nicht gestillt, um den Busen nicht zu ruinieren (da gibt es schon auch andere Ansichten, aber im Großen und Ganzen habe ich das so erlebt). Starke Schminke auch tagsüber ist absolut usus, ungefähr so viel, wie man bei uns abends ins Theater tragen würde, aber noch greller. Sehr kurze Kleider und Röcke, wahlweise knallenge Jeans und Oberteile. Ich erinnere mich, dass es in Polen und Ungarn kurz nach der Wende so ähnlich war, dort hat es sich aber mittlerweile gegeben.

    Gleichzeitig zu diesem schablonenhaften Frauenbild herrscht eine ganz andere Gesprächskultur. Es gilt als Schwäche v. a. für Männer, nicht kämpferisch aufzutreten. „Es wird dir nichts geschenkt“, habe ich dort oft gehört. Kompromisse oder etwas ausdiskutieren haben absolut nicht den Stellenwert wie hier.

    Die Rollen zwischen Frauen und Männern sind klar verteilt, es ist so ein girliemäßiges „Männer sind stark, Frauen sind schwach aber schön, darum kann er gut was für mich erledigen. Schwere Sachen, Koffer oder ähnliches würde dort nie eine Frau tragen, ich kann mich erinnern, dass es sogar große Verwunderung hervor rief, als ich mir selbst die Kette zugemacht habe (soll doch dein Mann tun). Männer stehen im Bus für Frauen auf, im Gegenzug muss aber schon ein Flirt drinsein (außer die Frau ist älter). Männer laufen oft sehr „arbeitermäßig“ gekleidet rum, eben gajjnz im Gegensatz zu den Frauen.

    Wenn man vor diesem Hintergrund die Aktionen von Femen ansieht, wird deren Protest etwas klarer. Sie nehmen dieses sehr schablonenhafte Bild von Weiblichkeit und treiben es mit Nacktheit auf die Spitze (im Prinzip eine Form von Sarkasmus), gleichzeitig brechen sie aber die Mann/Frau-Rollen, indem sie sehr kämpferisch auftreten, was andererseits in ihrem Umfeld aber verstanden wird, weil, wie gesagt, die Gesprächskultur eine andere ist. Eine Protestform, die mit den Versatzstücken von kultureller Norm spielt und sie zugleich aufbricht.

    Ich denke, in West-Europa stehen wir da oft etwas fassungslos davor und fragen uns „Häh? Was brezeln die sich jetzt so auf? Warum nackte Titten und blondierte Haare. Warum diskutueren die nicht? Warum sind die so aggressiv im Auftreten?“ ich denke, diese Form des Protests wird hier gar nicht verstanden, weil sie schlicht ungeeignet ist für unsere Gesellschaft. In der Ukraine funktioniert er aber durchaus. Femen ist ja auch nicht rein feministisch sondern greift viele Themen auf. ich habe doch einige Menschen getroffen, die ihnen z. B. sehr dankbar waren, weil sie sich ganz praktisch für mehr öffentliche Toiletten eingesetzt haben.

    • @ Margret
      Es stimmt, dass im osteuropäischen Raum das Frauenbild noch wesentlich sexistischer ist, als es mittlerweile hier der Fall ist. Ich habe eine Reportage gesehen, wo gezeigt wurde, dass russische Frauen sogenannte „Flirtschulen“ besuchen, wo sie lernen sollen, sich sexy zu bewegen, an der Stange zu tanzen, etc. Das ganze sah eher aus wie ein Workshop für Stripperinnen. Die Frauen dort nehmen einiges auf sich, um Männer auf sich aufmerksam zu machen. Klar, wenn das konservativ-patriarchalische Frauenbild herrscht, dass das höchste aller Lebensziele darin zu bestehen hat, jung und sexy zu sein und möglichst wohlhabend zu heiraten. Das alles darf, soll und muß kritisiert und hinterfragt werden.

      Allerdings kann ich die Philosophie dahinter nicht teilen.

      Femen vertreten die Ansicht, dass es friedlicher in der Welt laufen würde, wenn Frauen an der Macht wären. Mit anderen Worten, sie halten Frauen für das friedlichere Geschlecht. Was angesichts ihrer Aktionen schon unfreiwillig komisch wirkt. Sie haben ein Geschlechterverständnis, das von der grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter ausgeht. Aber nicht „Frauen-schwach, Männer stark“, sondern eben genau andersrum. Sie vertreten also den gleichen sexistischen Biologismus, wie der, den sie bekämpfen wollen, nur eben mit umgedrehten Vorzeichen. Für mich ist das keine Lösung eines Problems, sondern nur die Umkehr eines Problems.

  4. Einige weitere lesenswerte feministische femenkritische Artikel dazu (Danke an @marthaimthale, die einige davon beigesteuert hat):

    Pinkstinks – Das Drama am Dreamhouse


    Wir waren bunt, informativ und freundlich. Und über diesen netten Interview-Marathon hätte die Presse sicherlich auch mehr berichtet, wenn nicht nach Schulschluss eine Femen-Aktivistin aufgetaucht und alles zerschossen hätte.
    Klara Martens tauchte als Barbie auf, entblößte ihre perfekten Brüste („Life in plastic is not fantastic!“) und hielt ein brennendes Kreuz hoch. Es wirkte hysterisch, bestimmt auch nicht ungruselig für die Kinder. Sie bekam ihre Fotos, wurde abgeführt, ein Mann übernahm das brennende Kreuz von ihr und wurde von Mitarbeitern des Barbiehauses überwältigt. Dabei wurde ein ältere Frau umgestoßen sowie ein (leerer) Kinderwagen, ein Krankenwagen musste kommen. Das Resultat ist klar: „Protest am Barbiehaus, eine Verletzte“. Danke, Femen.

    Mutterseelenalleinerziehend – Femen-Destruktivismus – Von Sexisten finanzierter “Feminismus”

    “Femen kämpft gegen Kapitalismus und Sexismus”, könnte man meinen, wenn man sich oberflächlich mit ihnen beschäftigt hat. Dabei werden die Aktivistinnen bezahlt, die Geldgeber sind alle Männer und bei all ihren Aktionen bedienen sie jederzeit ihre angeblichen Gegner und verhindern das Fortschreiten sinnvoller emanzipatorischer Konzepte. Ihre Aktionen sind sämtlich aggressive Störfälle, die in den Medien den Eindruck verstärken, dass wer für Feminismus kämpft, aggressiv, herschsüchtig und hysterisch ist.

    e-vibes – Offener Brief an Femen Germany

    Wie ihr sehen auch wir, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Dem muss entgegengewirkt werden. Ziel kann dabei aber keine Machtumkehr sein, sondern ebendieses Machtverhältnis muss Gegenstand der Kritik sein.
    Auch die biologistische Sicht auf „Mann“ und „Frau“ mit naturgegebenen Eigenschaften teilen wir nicht.

    Jungle-World – Peta für Frauen

    »Wir erobern unsere Körper zurück. Es ist wie bei einer Waffe«, sagt Klara. »Sie kann in den richtigen und den falschen Händen sein. Wir nutzen unsere Körper für feministischen Widerstand.« So würden sie immer darauf achten, dass sie stark und gefährlich wirkten,…

    und die Antwort darauf auf

    Huffingtonpost – Warum die Femen-Frauen vor allem Frauen nerven…und mit Feminismus kaum etwas zu tun haben

    Wie kann man Menschen mit einem so fehlgeleiteten Verständnis von Feminismus für voll nehmen? Vladimir Putins „Daumen hoch“-Geste, als Aktivistinnen ihn und Angela Merkel auf der Hannover-Messe attackierten, beweist: Kein Mensch hat Angst vor bemalten Brüsten. Die meisten schauen zwar hin, aber sicher nicht aus Interesse dafür, was die Frauen zu sagen haben.

    Thats the Point.

    • Dazu fällt mir noch der Fall ein:

      Finde es auf traurige Weise amüsant, dass die Frauen welche dort offensichtlich die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollen nicht in der Lage sind diese überhaupt wirklich zu nutzen als Lanz versucht sie anzusprechen. Ein besseres Ergebnis kann man sich bei so einer Aktion kaum wünschen, aber nein erst einer der Kerle welcher eigentlich nur im Hintergrund sichtbar sein sollte zeigt eine souveräne Reaktion.

    • Ja warum waren die Jungs eigentlich nicht nackt? Ach so, weil die keine Brüste haben. Voll sexistisch…

      Kritik an der Fifa schön und gut, aber was hat dieser Auftritt nun genau gebracht? Außer Brüste gucken und ein paar grinsende Gesichter?

      Sorry, aber je mehr ich darüber sehe, desto weniger kann ich den Verein verstehen.

    • Nackte Brüste bei Demonstartionen ist halt = Femen und den war wohl wichtig, dass jeder dies bei der Aktion weiß. Spielt bei Liveübertragungen schließlich überhaupt keine Rolle wie man auf die Bühne rennt. Man wird im jeden Fall gezeigt und kann etwas Rufen oder ein Plakatt hochhalten.

      Geht dabei immer um „Awareness“ wobei du ja schon selbst meintest die Botschaft alleine reicht nicht, wenn sie falsch rübergebracht wird.

    • Tut mir leid, dass ich so vieles von dir unabsichtlich wiederholt habe. Habe direkt auf die Nachrichten von Truth geantwortet und nicht in den Blog selber geguckt.

    • Also das finde ich ein bisschen flach. Die Mädels haben sich selbst geärgert, dass die Jungs sich in den Vordergrund gespielt haben. Bzw. wurde nur der Mann befragt. Das war nicht so intendiert.

    • @ Truth
      Das sieht im Beitrag aber ganz anders aus. Die Jungs haben sich mit ihren Schildern im Hintergrund gehalten. Lanz hat eingegriffen, als die Security die Mädels rausbringen wollte, und hat sie zuerst angesprochen. Diese haben nicht darauf reagiert, sondern unbeirrt weiter ihre Parole gerufen, bis sie schließlich doch rausgeführt wurden, als klar wurde, dass ein Gespräch nicht möglich ist. Dann erst kam der Junge zu Wort.

    • In den Vordergrund gespielt? xD
      Lanz hat ganz eindeutig versucht sie anzusprechen. Die haben aber immer und immer wieder nur ihren Spruch wiederholt also hat er es aufgegeben. Danach hat er die Typen überhaupt erst richtig bemerkt und da sie nicht am schreien waren konnte er sie direkt fragen und hat auch direkt eine Antwort bekommen.

      Man könnte Lanz vielleicht noch vorwerfen, dass er die Frauen nicht gefragt hat, aber ob das wirklich einen Unterschied gemacht hätte wage ich zu bezweifeln. Den Jungs dagegen anzulasten sie hätten sich in den Vordergrund gespielt ist absolut lächerlich. Die sind im Hintergrund einfach durch das Bild gelaufen und den anderen Beiden schweigend gefolgt und haben lediglich regiert als sie direkt angesprochen wurden.

    • @ Resolute Nuss
      Hast halt zufällig mal die gleiche Meinung wie ich. Keine Panik, dir wachsen schon keine Brüste davon.

    • @onyx
      Ging nicht um die gleiche Meinung, sondern darum dass es mindestens unhöflich gewesen wäre wenn ich bewusst deine vorherigen Beiträge dazu ignoriert hätte.

      Deswegen die kurze Entschuldigung um zu zeigen, dass es definitiv keine Absicht war. ^^

    • Dass das nicht so gelaufen ist, wie es geplant war (und deswegen keine Rückschlüsse auf Femens Strategien zulässt) sieht man auf den ersten Blick. Eine Freundin hatte es mir erklärt, woran es gelegen hatte, genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Sie haben sich natürlich auch geärgert (klar).

      Daraus jetzt verallgemeinernd „sie können die Aufmerksamkeit generell nicht nutzen“ zu machen, ist nur gehässig und bringt die Diskussion auch nicht weiter. Femen geben mitunter auch Pressekonferenzen, bei denen sie sich erklären.

      Generell kann man mehr als Aufmerksamkeit bei der Art des Protestes aber auch nicht erwarten. Und schon das ist eine Leistung, die anderen Frauen wieder hilft. Das sind vieles Themen, die Frauen und Feministinnen schon länger anprangern und häufig auch aus akuten Anlässen. Das gezielte Weggucken, wenn es um feministische Themen geht (während Frauen gleichzeitig überall in den Medien sexistische Objekte sein „dürfen), ist ein permanentes Problem in der Gesellschaft. Frauenthemen werden gezielt und systematisch „übersehen“ und unsichtbar gemacht.

      Auf diese Weise sich den Weg zu bahnen, um zumindest das Thema ins Bewusstsein zu bringen, ist eine ziemlich kluge Idee und sich dabei der ganzen Kritik und den Angriffen auszusetzen, ziemlich mutig. Dafür muss man schon stark sein.

    • Stimmt es ist viel besser gelaufen als man es hätte erwarten können. Sie wollten für alle sichtbar ein paar Worte schreien und haben die Gelegenheit bekommen für alle sichtbar eine richtige Erklärung abzugeben.

      Habe nie behauptet, dass Femen diese allgemein nicht nutzen kann (für was genau ist eine andere Diskussion). Dieser Auftritt an sich war allerdings peinlich.

      Bei Pressekonferenzen kann man übrigends auch auswendig gelernte oder aufgeschriebe Antworten von sich geben (und um das klarzustellen damit meine ich nicht explizit die von Femen sondern alle). Ob die Leute wirklich fähig in ihrem Bereich sind sieht man erst, wenn sie mit Situationen konfrontiert werden die völlig unerwartet kommen. So etwas herbeizuführen kann Femen ja ganz gut, aber ob die selber damit umgehen können weiß ich nicht. Im genau den Fall konnte es aber der Typ definitiv besser als seine Begleiterinnen.

      Scheint subjektiv zu sein, welche Themen angeblich „übersehen“ werden. Gibt genug Maskus die das über Männerthemen genauso sagen und die haben nicht weniger recht oder unrecht. Gibt aber auch sehr viele Themen auf der Welt und fast jeder weiß natürlich welche richtig und bedeutend davon sind, aber nur relativ wenige sind bereit andere Ansichten zu akzeptieren.

      Glaube nicht, dass wir die gleiche Definition von Stärke und Klugheit haben.

    • „Ob die Leute wirklich fähig in ihrem Bereich sind sieht man erst“ Das ist einfach nur weiteres Bla. Eine Bewegung kann man nicht danach bewerten, ob mal eine Einzelperson was nicht geschafft hat. Der Rest des Beitrags ist so schwammig – Vermutung hier, Unterstellung da -> da hat jemand überhaupt keine Ahnung vom Thema – geschweige denn von Maskus.

    • Dabei fängst du selbst mit einer Unterstellung an, habe über Leute im allgemein gesprochen und nicht über das hinter dem sie stehen. Sage sogar ich wüsste nicht wie es sich bei Femen damit verhält. ^^

      Ahnungslosigkeit vorzuwerfen ist immer schön einfach oder? Ähnlich gut funktioniert es nur noch mit Behauptungen von Egoismus und Böswilligkeit um andere Meinungen abzuwerten.

      Also lasse mich an deiner „Weisheit“ teilhaben und erkläre mir die Wahrheit über das Thema und Maskus oder spare dir solche Aussagen.

    • @resolutenuß
      AAAAAAAH, das ist ja Fremdschämen deluxe, und es liegt noch nichtmal an Markus Lanz! Ernsthaft, was ist das denn bitte? Sie kriegen die Aufmerksamkeit die sie wollen und sind nicht in der Lage (oder willens) mehr als ihre stumpfe Parolenbrüllerei abzuziehen?
      Was soll das denn bitte sein? „Die Chefin hat gesagt wir sollen das und das brüllen, mehr kann ich nicht, darauf bin ich nicht vorbereitet!“
      Wie stumpf ist das denn??

    • @ Maren
      Es könnte auch an Sprachbarrieren gelegen haben. Wobei das auch ne schlechte Ausrede wäre.

  5. „Sie haben ein Geschlechterverständnis, das von der grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter ausgeht. Aber nicht “Frauen-schwach, Männer stark”, sondern eben genau andersrum“.

    Neee, das ist schon das ukrainische Rollenverständnis. Es ist, wie gesagt, dieses girliehafte „ich bin schwach (besser, ich gebe mich schwach) aber hübsch, aber ich habe dafür jede Menge tolle „weibliche Stärken“ und bin darum „eigentlich“ besser als die Männer“.

    Und wenn man sich mal die Maidan-Proteste und alles was folgte angeguckt hat, dann war da eben auf allen Seiten diese sehr kämpferische Haltung, Kein Ausdiskutieren, kein Austauschen der Meinungen, sondern sehr auf Konfrontation. Ob das besser oder schlechter ist, mag ich gar nicht so arrogant vom westeuropäischen Standpunkt beurteilen, aber für hier sicher nicht geeignet. Meine Ansicht ist auch, dass man damit schon sehr Gefahr läuft, die Fronten zu verhärten und komplexe Sachverhalte auf ein paar wenige Kampfslogans zu reduzieren. Aber ich hatte den Eindruck, dass in der Ukraine durchaus diese Art von Protest besser ankommt und verstanden wird als ein „Rumdiskutieren“.

    • @ Margret

      Meine Ansicht ist auch, dass man damit schon sehr Gefahr läuft, die Fronten zu verhärten und komplexe Sachverhalte auf ein paar wenige Kampfslogans zu reduzieren.

      Man läuft nicht nur Gefahr. Das passiert doch ständig. Wie war auf Mutterseelenalleinerziehend treffend zu lesen?

      Ihre Aktionen sind sämtlich aggressive Störfälle, die in den Medien den Eindruck verstärken, dass wer für Feminismus kämpft, aggressiv, herschsüchtig und hysterisch ist.

      Sowas ist fröhlich plätscherndes Wasser auf antifeministische Mühlen. Dann wird es so zusammengefummelt, als sei DAS nun DER Feminismus, und wer sich damit labelt, findet Femen automatisch auch ok. So funktioniert die antifeministische Denke. Auch mir wurde mal eben ideologische Nähe unterstellt, ohne den geringsten Beleg. Nur weil da irgendwo Feminismus draufsteht. Aber diese Gestalten, von denen sowas kommt, haben offenbar gar nicht den Willen, die Tatsachen etwas genauer zu hinterfragen. Dafür ist forsch behaupten und bashen zu bequem.

      Egal.

      Was ich noch sagen wollte, Femen machen sich die Taktik selbst zueigen, ihre Sachverhalte auf kurze Floskeln zu reduzieren. Irgendwo hab ich sinngemäß gelesen, die müssten das so machen, weil auf den Körpern nicht der Platz ist um komplizierte Aussagen draufzupinseln. Mir schoß kurz durch den Kopf, dass sie doch dann etwas korpulentere Leute für ihre Aktionen nehmen sollten, aber das wäre wohl unpassend gewesen…

      Aber ich hatte den Eindruck, dass in der Ukraine durchaus diese Art von Protest besser ankommt und verstanden wird als ein “Rumdiskutieren”.

      Das kann ich nicht beurteilen

    • „Sowas ist fröhlich plätscherndes Wasser auf antifeministische Mühlen. Dann wird es so zusammengefummelt, als sei DAS nun DER Feminismus…“

      Tja, dann müssten die Antifeministen sich von ihren dummer Behauptung verabschieden, dass DIE Feministinnen hässlich sind 😛 Denn eines scheint offensichtlich zu sein: Femen-Frauen müssen jung und hübsch sein. Damit diskriminieren sie indirekt einen Großteil derer Frauen, für deren Rechte sie sich angeblich einsetzen. Femen kann ich ebenfalls nicht ernst nehmen, ich sehe da nur ein halbnackter, angemalter und hysterischer Hühnerhaufen mit Fremdscham-Potenzial.

    • „Tja, dann müssten die Antifeministen sich von ihren dummer Behauptung verabschieden, dass DIE Feministinnen hässlich sind […]“
      Beeindruckend, wie man im selben Atemzug Stereotype seiner Seite weit von sich weisen und gleichzeitig die für die Gegenseite locker bedienen kann.

    • Nun, dass DIE Antifeministen alle Feministinnen für hässlich halten ist ja auch ein Stereotyp.

  6. Ich teile deine Ansichten im Prinzip ja, kann aber seither verstehen was der kulturelle Hintergrund von Femen ist.

    ich anstelle von den pinkstinks-Leuten wäre auch supersauer über die bescheuerte Aktion mit dem brennenden Kreuz gewesen … Die Frauen von femen wenden die aggressiven Methoden, die in der Ukraine ja teilweise durchaus angebracht sind (auf extreme Misstände / autoritäre Strukturen aufmerksam machen) manchmal auch witzig sind (Klokampagne) in einem kulturellen Umfeld an, das sie gar nicht versteht. Eventuell sind solche schnellen „Stand up-Aktionen“ in einem Umfeld, in dem demokratische Strukturen nur unzureichend existieren, angebracht, weil sie schnell und prägnant Statements transportieren können und Sicherheitskräfte irritieren, so dass meist erst eingegriffen wird, wenn die Aktion schon vorbei ist. Hier aber irritieren sie nur negativ und wirken absolut kontraproduktiv, wie Du ganz richtig schreibst.

    Was die Putin-Aktion betrifft, bin ich allerdings nicht deiner Ansicht. Zunächst war er nämlich durchaus fassungslos. letzten Endes musste er aber so (Daumen hoch) reagieren, um sein Gesicht zu wahren.

  7. Ach, und noch was: Ich denke, dass es durchaus so ist, dass Schönheit und Sexyness irritierend wirken können auf ein Umfeld, das Feministinnen gerne mit dem Prädikat „typisch, alles hässliche Ischen, schöne Frauen haben sowas nicht nötig“ belegt. Wenn Du dir mal anguckst, wie sich die „Woman against feminism“-Damen zu großen Teilen für die Fotos aufgebrezelt haben (tiefster Ausschnitt, enge Klamotten, stark geschminkt) dann ist genau das die Botschaft dahinter, die vielleicht mehr wirken soll als die Schilder „Antifeministinnen sind schön und sexy im Gegensatz zu Feministinnen“. Da irritiert Femen schon auch hierzulande.

    Anderes Beispiel: Ich bewege mich ja in eher konservativem Umfeld. Hier herrscht die Meinung, dass Menschen, die feministisch denken und für ein modernes Familienleben eintreten und sich für Homosexuellenrechte stark machen, ohnehin alles kinderlose Frustierte oder zumindest Alleinerziehende sein müssen. Das erfüllt das „typisch, müssen wir ohnehin nicht ernst nehmen“-Bild. Ich merke immer wieder, dass ich da sehr, sehr irritierend wirke als Mama mit mehreren Kindern, die schon jahrelang mit demselben Mann verheiratet ist und die auch nicht „ökig-alternativ“ aussieht. Es gibt durchaus Leute, die gucken mich an und man merkt, wie ihr Weltbild gerade einen ordentlichen Riß bekommt. Deshalb kann ich den Ansatz von Femen in dieser Hinsicht schon verstehen.

    • @ Margret
      Ich verstehe den Hintergrund auch. Ist ja nicht so, dass eine keine Gründe für Protest gäbe.
      Und es kann auch ein geschickter Schachzug sein, auf Attraktivität zu setzen, und damit das Weltbild simpel gestricker Gemüter zu verwirren. Es ist aber kein geschickter Schachzug, nur mit Nacktheit und Krawall zu argumentieren und auf Sexismus mit Sexismus zu antworten. Was erreicht man damit? Wer nimmt das ernst?

  8. Das Argument ist verdreht und geht nicht auf. Ich will erklären warum: Nicht Femen haben ein sexistisches System geschaffen, in welchem man mit Brüsten Aufmerksamkeit bekommt. Übrigens typisch westlich: in anderen Kulturen sind nacke Brüste eine total normal und Alltag.

    Femen reproduzieren das System nicht, sie benennen es auch nicht. Sie nutzen es nur und es funktioniert. Femen sind ein so kleiner Faktor in einem dermaßen großen sexistischen System, dass die gar nicht in der Lage sind, Sexismus zu reproduzieren.

    Nutzen und reproduzieren sind zwei verschiedene Dinge. Wenn du ein System ändern willst, musst du erstmal erkennen, wie es ist und dir das eingestehen. Sonst wird man nie etwas erreichen können. Aber da liegt in deiner Sicht schon der Fehler: Das System erkennen und nutzen. Femen sagen auch nicht, dass man nur so Aufmerksamkeit bekommt – sondern sie nutzen die Aufmerksamkeit, die Frauen in diesem sexistischen System so bekommen, um ihre Themen (Misogynie) an die Öffentlichkeit zu bringen. Aufmerksamkeit ist das Stichwort. Eine Aussage über das System, wie: das ist die einzig richtige Art zu protestieren, treffen sie dabei gar nicht. Und ja, es gab vereinzelt Femen mit anderen Staturen als jung und schlank und auch welche, mit sehr kleinen Brüsten: aber da trifft die von Frauen internalisierte Frauenverachtung selbst die Auswahl: viele Frauen mit Figuren, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, trauen sich nicht einmal ins Schwimmbad. Wer will kann selbst die Fotos von 50-jährigen Femen finden – aber dafür muss man sie auch sehen wollen 😉 Sich nackt einem Millionenpublikum zu zeigen, macht man dann noch unfreiwilliger. Es gibt gerade knapp 10 Femen in Deutschland, da sind alle dabei, die sich gemeldet haben.

    Femen kann nichts reproduzieren, Femen nutzt ein System gegen sich selbst. Dadurch dass es Femen nicht mehr gibt, bleibt das System in sich bestehen. Wenn jemand „hohl“ ist, ist es nicht die Form des Protestes, sondern höchstens das, was bei manchen Männern ausgelöst wird. Der Anblick nackter Brüste kann an sich nichts hohles sein. Es ist immer wichtig, triebhafte Reaktionen von Männern nicht als „triebhaft“ auf die Erscheinung der Frau projizieren. Für die Femen, die ich kenne, ist so ein „Auftritt“ extrem zehrend, sehr anstrengend (es ist kalt und man muss, obwohl man gerade nackt und verletzlich ist, sehr laut sein) und keine leichte und lustige Sache.

    Femen haben in vielen Fällen auf ihre Art geschafft, Aufmerksamkeit für die Themen zu bekommen, die die männerdominierte Medienlandschaft einfach ausblendet. Sie tragen nichts zum System bei, außer die bestehenden Kanäle gegen es selbst zu nutzen und dass „Wahl der Mittel“ bei Nacktheit generell etwas verwerfliches ist oder die Frau etwas böses tut, wenn irgendein Mann triebhaft reagiert, muss man mir nochmal erklären. Nacktproteste von StudentInnen waren z.B. auch früher ein beliebtes Mittel.

    Alles in allem sind das Frauen, die sehr viel auf sich nehmen, um ihren Beitrag zu leisten zu einer Veränderung des Diskurses. Wer Sexismus anprangern will, sollte sich bei den Redaktionschefs melden, die lieber nackte Frauen abdrucken als einen Artikel von einer Feministin. Die haben die Macht und die haben (wenn man sich Femens Geschichte ansieht) auch entschieden, dass es diese Form Nacktprotest gibt. Wer die manchmal extremen Formulierungen auf Webseiten oder ähnlichem zu Ernst nimmt, muss ich sagen, ist selbst Schuld. Femen sind absolut friedlich, lassen sich immer nur fallen auf Demos und extreme Formulierungen sind halt ein Teil der Strategie: Aufmerksamkeit. Es ist vollkommen klar, dass da nichts von ernst gemeint ist. Von Femen zu verlangen, mehr als einen Cliffhanger zu bilden für anschließende Gespräche, ist zu viel erwartet. Das wollten sie auch nie sein. Nacktheit ist hiereben nicht das Argument, sondern der Weg, ein sexistisches Mediensystem zu umgehen. Für Argumente hat der Femen-Protest wenig Raum. Aber sie bilden ja auch nur einen Teil des Feminismus.

    • @ Truth

      Nicht Femen haben ein sexistisches System geschaffen, in welchem man mit Brüsten Aufmerksamkeit bekommt.

      Hat auch keiner gesagt. Ich bin nur der Meinung, dass es kontraproduktiv ist, dieses kritisierte System in dieser extremen Weise provokant zu bedienen.

      Femen sagen auch nicht, dass man nur so Aufmerksamkeit bekommt

      Ähm, doch. Zitat:
      „Ohne unsere Topless-Aktionen würde sich doch überhaupt niemand für das interessieren, was wir sagen.“
      Das Problem ist dabei, es interessiert sich auch so niemand dafür was sie sagen, es interessiert sich nur jeder dafür, was sie optisch darstellen. Was ein wirkliches Problem ist, da so die Möglichkeit verschenkt wird, mit Protesten an echten Mißständen ernstgenommen zu werden.

      Das System erkennen und nutzen. Ja, aber wofür? Für die glorifizierende Darstellung von Gewaltszenen? Für die Selbstdarstellung als hysterisch kreischende Freaks? Das und nichts anderes ist die Wirkung, die sie erzielen. Ist das der Sinn?

      Wer die manchmal extremen Formulierungen auf Webseiten oder ähnlichem zu Ernst nimmt, muss ich sagen, ist selbst Schuld. Femen sind absolut friedlich, lassen sich immer nur fallen auf Demos und extreme Formulierungen sind halt ein Teil der Strategie: Aufmerksamkeit.

      Aufmerksamkeit um jeden Preis? Solche Menschen nenne ich Mediennutten. Geschlechtsunabhängig.

      Es ist vollkommen klar, dass da nichts von ernst gemeint ist.

      Ist es das?

    • Femen sind absolut friedlich,

      Das hätte ich ja fast übersehen.
      Das wirkt natürlich angesichts zahlreicher Gewaltdarstellungen und eindeutiger Aussagen auch recht zynisch. Wer mit abgeschnittenen Hoden, einer blutigen Sichel und brennenden Kreuzen posiert und das „Blut der Männer“ fließen sehen will, ist alle mögliche, aber nicht friedlich.

    • Das ist eine Provokation, die im Angesicht der Tatsache, dass Männer Frauen am Stück vergewaltigen und das selig „Freiertum“ nennen, in ihrer Wirkung immer noch ein Witz ist. Wenn die ganze andere Strategie über Awareness, Aufmerksamkeit läuft, kann man sich denken, dass das keine Ankündigung, sondern ein Teil davon ist. Es sei denn, es wäre mal irgendwas passiert. Aber wir reden ja nicht über eine mordende Frauenbande.

      Wenn das Freiern tatsächlich Angst macht (die das Glück ihres Hodens über die psychische Gesundheit der Frau stellen) und die das wirklich ernst nehmen, haben die den kleinen Zweifelmoment eher verdient (das würde mir Hoffnung machen, wenn einer von dann Angst bekommt, dass seine eigene Gewalt zurückkommt und deswegen nicht mehr zu einer Prostituierten hingeht). Ich finde, man muss da auch nicht überbehütend sein – es sei denn, da wurde mal ein Mann traumatisiert durch das Lesen eines solchen Textes und muss jetzt 3 Jahre psychiatrisch behandelt werden, was ja eher auszuschließen ist. Wenn Femen irgendwem zusetzen, dann sich selbst – wie eine Freundin sagt: sie fühlt sich immer ganz, ausgelaugt und angegriffen nach so einer Aktion.

    • Aha. Du meinst also, so ein Bild von einem Hoden oder ein kleines Witzchen über Männerblut ist nicht so schlimm wie das, was Frauen angetan wird. Du bist der Meinung, dass Männer Vergewaltiger sind und deswegen einen kleinen Denkzettel verdient haben und ruhig Angst kriegen sollen. Männer sollen sich einfach mal nicht so anstellen, weil ja keinem wirklich was getan wird. Im Gegensatz zu Frauen.

      Verstehe ich dich richtig?

      Nun ich denke, die wenigsten Männer bekommen beim Anblick von ein paar schreienden Brüsten Angst. Und die Männer, die ihr meint, die Frauen hassen und vergewaltigen, die interessiert so ein Auftritt im günstigsten Fall einen Scheiß oder sie holen sich auf die Tittenbilder einen runter, im schlimmsten wird ihr Hass noch verstärkt. Und all die anderen Männer, die sich zu Unrecht angesprochen fühlen müssen (schließlich ist nicht die Rede von „Vergewaltigerblut“, sondern von „Männerblut“) fassen sich nur kopfschüttelnd an den Kopf. Effektiv, geschweige denn lösungsorientiert ist das nun nicht gerade.

    • @onxy: Nicht zu vergessen die Gleichsetzung von Prostitution und Holocaust. Ansonsten hab ich nichts hinzuzufügen und kann dir nur voll zustimmen. Vielleicht zeigt diese Diskussion ein wenig in die Richtung, wo mein Problem mit der Rape Culture Theorie liegt.

  9. @ onyx Wobei man fairerweise sagen muss, dass A. Schewtschenko es eine Frage weiter präzisiert als „Vielleicht nicht gegen Sie, ich kenne Sie nicht. Aber gegen Putin, Lukaschenko, Typen wie Berlusconi und Platini.“

    Sehr interessant dann auch dies:

    „ZEIT ONLINE: Wären Sie eine andere Feministin, wenn Sie in Deutschland aufgewachsen wären?

    Schewtschenko: Nein, mich unterscheidet nur, dass ich mich mehr um mein Erscheinungsbild, meine Kleidung kümmere, als das deutsche Frauen tun. Das mache ich, weil es zur ukrainischen Kultur gehört. Ukrainerinnen wollen gut und sexy aussehen. Aber vergleichen Sie mich nicht mit deutschen Frauen, lieber mit anderen ukrainischen. “

    Das ist genau das, was ich oben meinte. Eine sehr ukrainische Bewegung. Das mit dem „Blut fließen“ ist ja auch etwas, was im gegenwärtigen Konflikt fast andauernd geäußert wird – bezogen auf die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen. Von unserem Standpunkt aus völlig unverständlich.

  10. „Und all die anderen Männer, die sich zu Unrecht angesprochen fühlen müssen (schließlich ist nicht die Rede von “Vergewaltigerblut”, sondern von “Männerblut”) fassen sich nur kopfschüttelnd an den Kopf.“

    Das ist das Problem. Der Erfolg von Femen ist erreicht, wenn in der Zeitung steht: Femen demonstrierten am…gegen (z.B.) Prostitution. Fertig. Dann steht in der Zeitung, dass jemand gegen das Thema protestiert hat.

    Dieser Erfolg ist dann da.

    Der Punkt, der aus diesem Absatz klar wird, ist, dass du Frauen da durch Männeraugen siehst, durch ihre sexistischen Projektionen. Männer sind nur eine Hälfte der Bevölkerung. Wenn Männer dafür sorgen, dass es gedruckt wird, ist es gedruckt und es kommt bei vielen Menschen (auch Frauen sind Menschen, auch Frauen lesen Zeitung) an. Das ist dann passiert.

    „Männer sollen sich einfach mal nicht so anstellen, weil ja keinem wirklich was getan wird“ Männer stellen sich ja auch nicht an, sondern DU schreibst über Femen wie über eine Motorrad-Gang. Solange das nicht eindeutig als Drohung interpretiert werden kann und das ist es nicht, es ist Effekthascherei, verstehe ich nicht, wie man als Feministin krampfhaft bei anderen Feministinnen alles nutzt, was man irgendwie negativ deuten kann, um es denen dann anderen anzukreiden. Vor allem wenn man dieselben Ziele hat, ist der Umgang mit Mitstreiterinnen eigentlich einer, der wohlwollend ist und in dubio pro reo, nicht: ich nehm alles, was sich bietet um dich doof zu finden.

    Verstehe ich wirklich nicht. Feminismus heißt Solidarität, nicht „ich bin besser als alle anderen Femis“.

    Als Feministin (und das ist mein letztes Wort) sollte die Sache wichtiger sein, als ob man gerade von Männern cool gefunden wird. Wenn Männer nackte Frauen nicht wegen der Nacktheit mehr ernst nehmen, ist das ein Problem männlichen Verhaltens. Die Reaktion ist nicht, sich zu fügen und zu sagen: „Oh ich darf nicht nackt protestieren, denn, oh ein Mann (!) könnte schlecht über mich denken, oder mich nicht ernst nehmen“ Zur Emanzipation gehört, Frauen als Publikum wahrzunehmen. Männer sind nicht die einzigen Addressaten da draußen und ihr teils sexistischer Maßstab ist nicht das Maß aller Dinge, dem man sich als Frau dann unterordnen muss, um okay zu sein. Ungefragt anderen Feministinnen in den Rücken zu fallen, in dem man sich über die Abgrenzung zu ihnen definiert finde ich zweifelhaft. Wer gewinnt etwas davon, oder besser: was ist dein Beitrag gegen das Prostitutionssystem, indem du nochmal in den allgemeinen Hass auf Femen miteinsteigst und damit deinen Mitstreiterinnen (!) das Leben schwer machst? Klar gibt es unterschiedliche Formen zu protestieren, aber wenn du in ein Flugzeug einsteigst, dass in den Süden will, steigst du dann aus, weil es über Südost fliegt? Wem wichtiger ist, sich von Leuten, die dieselbe Meinung haben, wegen Protestformen abzugrenzen, die niemandes Menschenrechte verletzen, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihm die eigenen Ziele nicht viel bedeuten, bzw. nicht besser zu sein als die Volksfront von Judäa in „Das Leben des Brian“, deren wichtigstes Ziel nicht die Befreiung der Juden von den Römern, sondern der Kampf gegen andere Befreiungsgruppen war.

    Femen und du brauchst nicht „ihr“ zu sagen, denn ich bin keine, aber aus Prinzip solidarisch, ist vollkommen egal, was Männer über sie denken. Ein Mann der so reagiert wie von dir beschrieben, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Wenn er nicht anders auf so eine Frau reagieren kann, ist ER der Sexist oder aber ein Honk aus dem Urwald – und das Beschämende in dieser Situation, ist auf seiner Seite zu suchen. Nicht bei ihr.

    • @ Truth

      Feminismus heißt Solidarität, nicht “ich bin besser als alle anderen Femis”.

      Warum soll ich solidarisch mit anderen Feministinnen sein, die etwas tun, was ich nicht gut finde? Solidarität nur aufgrund des Geschlechts? Warum? Wenn ich etwas falsch finde, sage ich es. Ich finde nicht falsch, was Femen kritisiert, ich finde falsch, was Femen tut.

      Als Feministin (und das ist mein letztes Wort) sollte die Sache wichtiger sein, als ob man gerade von Männern cool gefunden wird.

      LOL. Glaub mir, mich interessieren nur wenige Dinge noch weniger, als die Frage ob irgendwelche Männer mich hierfür cool finden. 😀

      Ungefragt anderen Feministinnen in den Rücken zu fallen,

      Oh, es tut mir herzlich leid, dass ich niemanden um Erlaubnis gefragt habe, bevor ich meine Meinung gesagt habe. 😦

      was ist dein Beitrag gegen das Prostitutionssystem, indem du nochmal in den allgemeinen Hass auf Femen miteinsteigst und damit deinen Mitstreiterinnen (!) das Leben schwer machst?

      Du verwechselst Hass mit Kritik. Ich hasse niemanden.
      Wem mache ich womit das Leben schwer? Und wer sind meine Mitstreiterinnen?

      Mehr sage ich zu deinem Beitrag jetzt nicht, sondern lasse ihn mal so wirken, damit sich auch die pöbelnde Antifeministenmeute, die einen wahrlich kindlichen Spaß daran hat, bei nicht genehmen Artikeln auf mich zu zeigen und mich als dumme sexfeindliche Männerhasserin zu beleidigen, daran erfreut.

    • Die Aufforderungen zur Solidarität haben mich auch oft irritiert. Habe da den Eindruck als glauben die entsprechenden Leute es gebe keine andere Möglichkeit, weil die andere Seite ebenso verbunden erscheint. Nicht überraschend, sieht man es ironischerweise sowohl bei Femis und Maskus. Für die schlimmsten davon sind Abweichler praktisch Verräter.

      Indvidualität ist halt um vieles einfacher, wenn die anderen diese genauso ausleben wie man selbst (und da Truth sich schon auf den Film bezogen hat mache ich es auch mal ;)): https://www.youtube.com/watch?v=rhJCQCk3sO0

    • *Der Erfolg von Femen ist erreicht, wenn in der Zeitung steht: Femen demonstrierten am…gegen (z.B.) Prostitution. Fertig. Dann steht in der Zeitung, dass jemand gegen das Thema protestiert hat.
      Dieser Erfolg ist dann da. *

      Das Problem ist: Das ist kein Erfolg.
      Sie machen auf ein Thema aufmerksam, sind dabei unfassbar wahllos im Thema und auch Ausführung und schieben aber letztendlich die TATSÄCHLICHE Aktion, die über ein anprangern hinausgeht anderen Keuten zu, so ähnlich wie bei Lanz.
      Nicht sie machen was, sie verlangen von anderen etwas zu tun.

      *Als Feministin (und das ist mein letztes Wort) sollte die Sache wichtiger sein, als ob man gerade von Männern cool gefunden wird. Wenn Männer nackte Frauen nicht wegen der Nacktheit mehr ernst nehmen, ist das ein Problem männlichen Verhaltens. *

      Femen schaden „DER SACHE“ mehr als sie nutzen. Im Prinzip tun sie gar nichts.

    • „Im Prinzip tun sie gar nichts.“

      Doch, sie zeigen Titten!

      Nee, ernsthaft: Wenn Femen mit ihren angemalten Brüsten schwingen und herumbrüllen, weiß man vielleicht im Groben, was sie fordern (im Prinzip könnten sie auch schreien: „Wir wollen Kuchen! Wir wollen Kuchen…!“), aber die Argumentation fehlt da völlig. Das einizige, was an diesen Aktionen im Gedächtnis der Menschen bleibt, sind hysterische Brüste, über die Sache an sich macht sich jedoch niemand irgendwelche Gedanken.

    • Das einizige, was an diesen Aktionen im Gedächtnis der Menschen bleibt, sind hysterische Brüste, über die Sache an sich macht sich jedoch niemand irgendwelche Gedanken.

      Genau das ist das Problem. Und das skurile ist, Femen meinen tatsächlich, damit Sexismus zu bekämfen.
      Ich würde zwar nicht sagen, dass sich niemand Gedanken macht, aber Femens sinnvoller Beitrag dazu ist eher überschaubar.

  11. Hab mich in meiner Masterarbeit (Böse Mädchen als postfeministische Heldinnen? – Subversive Praktiken in der visuellen Darstellung feministischer Botschaften im 21. Jh.) mit Femen und Lady Bitch Ray auseinander gesetzt.
    Erwartungsgemäß haben Femen dabei ziemlich schlecht abgeschnitten, was das subversive Potential ihrer Auftritte angeht. Auch die Tatsache, dass sie von allen Seiten diskutiert werden (und die EMMA hofiert sie ja gerade zu), spricht nicht gerade für ihre „Gefährlichkeit“ in puncto politisch wirklich Inhalte zu bieten. Bei LBR schaut die Sache schon ein bisschen anders aus.

    falls es interessiert: ganze Arbeit ist hier online: http://ema2.uni-graz.at:8090/livelinkdav2/nodes/272172/Grach_Katja%2014.04.2014.pdf

  12. Ich möchte noch was anmerken: Es ist im Prinzip auch die „Schuld“ der Medien und in letzter Instanz die der Zuschauer und Leser, dass solche Protestformen „nötig“sind, Ganz einfach deshalb, weil sie im Gegensatz zu anderen Protestformen so einen großen Erfolg haben (Erfolg gemessen am medialen Echo). Krawallmacher bekommen IMMER mehr Aufmerksamkeit als friedliche Protestler ohne große Aufreger. Alleine die Botschaft zählt nicht, es muss noch irgendein „Skandal“ hinzukommen, damit die Aktion eine Schlagzeile wert ist. Warum berichteten denn die allermeisten Medien lieber über Clara Mertens nackte Brüste und das brennende Holzkreuz statt über die Proteste von pinkstinks? Weil es da Krawall und Busenfotos gab und damit verkaufte Zeitungen, Einschaltquoten und Klicks.

    Ich habe jetzt ein paar Interviews gelesen, denen zu entnehmen war, dass Femen es in ihrer Anfangszeit mit anderen Protestformen versucht haben, völlig ignoriert wurden und erst Schlagzeilen bekamen, als sie sich nackig gemacht haben.

    Das erinnert mich fatal an die Proteste in Genua und Bonn. Ich war damals in Bonn dabei (Weltklimagipfel), die Demo war riesig, bunt, fröhlich und friedlich. Resultat: Wir bekamen meistenteils Artikel auf S. 3 und einmal eine kurze Sequenz in der Tagesschau. In Genua (G8) ging es zeitgleich von allen Seiten her blutig zu. Resultat: Jeden Tag auf S.1, jeden Tag lange Beiträge in der Tagesschau. Das über mehrere Tage lang. Und zwar exakt so lange, wie Krawall war. Anschließend die (juristische) Aufarbeitung der Ereignisse hat dann wieder keinen mehr interessiert.
    Krawall gleich Aufmerksamkeit gleich Schlagzeile, diese einfache Gleichung bringt leider solche Protestformen hervor.

    Je mehr ich übrigens darüber nachdenke, desto weniger stören mich an Femen die (perfekten) nackten Brüste oder das Gebrüll. Was stört, sind bescheuerte Aktionen wie ein brennendes Holzkreuz (was genau sollte das eigentlich bedeuten?) vorm Barbiehaus und männerfeindliche Parolen oder Symbole.

    @ truth

    Ich glaube dir, dass die extremen Aussagen nicht ernst gemeint sind. Aber vermutlich sind das viele der extremen Aussagen von Antifemnisten auch nicht, die z. B.onyx hier bedrohen und beschimpfen. Trotzdem ist das nicht hinzunehmen.

    Inhaltlich teile ich ja durchaus Ziele von Femen (Nein, nicht das Matriarchat ;-)) z. B. die Proteste gegen die Verschleppung ukrainischer Frauen in Bordelle in Westeuropa, die Degradierung von Frauen zu Ware, die Proteste gegen Putins Quasi-Diktatur und seine homophoben Gesetze … Ich habe auch kein Problem mit nacken, bemalten Frauen, die wütend schreien (außer sie stehen mit brennenden Holzkreuzen vor einer, zugegebenermaßen doofen, Kinderattraktion) – wär nicht meins, aber warum nicht? Aber diese extremistischen, radikalen Auswüchse, die stören mich. Ich will kein Matriarchat nur Gleichberechtigung, ich will kein Blut fließen sehen, weder männliches noch weibliches und keine (angedrohte) Gewalt gegen jemanden weil er das falsche Geschlecht hat. Ich habe durchaus den Eindruck, dass diese Form von Protest einem anderen kulturellen Hintergrund geschuldet ist, Trotzdem kann ich dem nicht zustimmen. Ich unterstütze nicht jede radikale Position, nur deshalb weil sie von einer anderen Femninistin geäußert wird. Denn genau das stört mich bei Antifeministen. Da wird (zumindest in bestimmten Ecken dieser Szene) jeder radikalen, frauenhassenden Position eine Plattform gegeben, weil man ja „solidarisch“ sein will und „irgendwie hat er ja schon recht“. Warum sollten wir umgekehrt jeder radikalen Position zustimmen, wenn wir sie gar nicht teilen?.

    • @ Margret

      Es ist im Prinzip auch die “Schuld” der Medien und in letzter Instanz die der Zuschauer und Leser, dass solche Protestformen “nötig”sind, Ganz einfach deshalb, weil sie im Gegensatz zu anderen Protestformen so einen großen Erfolg haben (Erfolg gemessen am medialen Echo). Krawallmacher bekommen IMMER mehr Aufmerksamkeit als friedliche Protestler ohne große Aufreger. Alleine die Botschaft zählt nicht, es muss noch irgendein “Skandal” hinzukommen, damit die Aktion eine Schlagzeile wert ist. Warum berichteten denn die allermeisten Medien lieber über Clara Mertens nackte Brüste und das brennende Holzkreuz statt über die Proteste von pinkstinks? Weil es da Krawall und Busenfotos gab und damit verkaufte Zeitungen, Einschaltquoten und Klicks.

      Ja das ist in der Tat ein Problem. Letztlich ist es der Sensationsgier der Menschheit geschuldet, dass Menschen glauben, nur mit fragwürdigen Mitteln auf sich aufmerksam machen zu können. Aber es gibt einfach Grenzen.
      Mich stört die Haltung „Wir haben nichts außer Brüste, Geschrei und Aggression, um wahrgenommen zu werden“, die ja in diversen Interviews immer wieder durchschimmert und auf der offiziellen HP sowieso klar deutlich wird. Und das soll der „neue moderne Feminismus“ sein? Nee, echt nicht. Das KANN doch nur nach hinten losgehen. Die Medien stürzen sich drauf, Femen haben ihre Aufmerksamkeit, und was steht letztlich in den Zeitungen? Genau das: „Brüste, Geschrei, Gewalt: Feminsimus ist hysterisch und gewaltbereit“. Als wäre Femen eine riesengroße einflußreiche mörderische Terrororganisation und stünde damit sinnbildlich für Feminismus allgemein. Danke, Femen. Das brauch ich nicht. Dahinter kann ich nicht stehen.

    • Ich glaube dir, dass die extremen Aussagen nicht ernst gemeint sind.

      Dann frage ich mich, warum Femen die Chancen, die ihnen mit Interviews angeboten werden nicht nutzen, um ihre Positionen argumentativ zu untermauern. Wie @Resolute Nuss schon sagte, so eine Möglichkeit würde sich jeder wünschen, der mit so extremen Protesten Aufmerksamkeit erreichen will. Dass ihm Fragen gestellt werden, und ihm zugehört wird. Aber Femen ignorieren das entweder oder geben Antworten, die alle Vorurteile nur bestätigen. Das kann ich nicht verstehen.

    • Onyx, die Argumente werden im laufenden Diskurs von Radikalfeministinnen geliefert. Was Prostitution angeht, werden dir 5 Radfems dieselbe Argumentation runterleiern. Das sind Themen, die Femen nicht alleine anstoßen und sie arbeiten ja auch mit anderen Feministinnen zusammen – Aufmerksamkeit schaffen kann man nur, wenn man weiß, da sind andere und man selbst, die ständig Gespräche anregen. Wenn du dir die Twitter-Accounts der aktuellen Femen wie z.B. von Klara anschaust, wirst du da sehr viel Inhalt finden. Aber man muss ihn sehen wollen..

    • @ Truth
      Ich sehe durchaus Inhalte. Fragt sich nur, welche davon sinnvoll sind. „Kill Putin“ oder „das Blut der Männer wird fließen“ zähle ich nicht dazu.
      Es wäre irgendwie hilfreicher, wenn man sich auf diskutablere Inhalte beschränken würde, meinst du nicht?

    • Wie gesagt, ich bin mir ziemlich sicher, dass das dem kulturellen Hintergrund der Femenfrauen geschuldet ist. Eine andere Gesprächskultur, wesentlich kämpferischer, weniger an demokratische Debatten gewöhnt. Keine Ahnung, wie wir drauf wären, wenn wir in einem autoritären System groß geworden wären.

      Dass ein Teil der Ukrainer (und beileibe nicht nur Femen) Putin hasst, ist nun nicht ganz unverständlich. Ohnmächtige Wut trifft es da vielleicht am besten. Fühle ich ihm gegenüber durchaus auch. Ich glaube nach wie vor, dass er etwas mit dem Tod der von mir sehr verehrten Anna Politkowskaja zu tun hat. Die dutzenden unaufgeklärten politischen Morde an Journalisten und Oppositionellen lassen einen wütend und hilflos zurück.

    • Was die männerfeindlichen Sachen angeht, gebe ich dir recht. Auch was Aktionen angeht, die erschreckend (z. B. für Kinder) sind und keinen Zusammenhang zur Sache.

      Putin ist eine andere Sache. Er ist ein Tyrann, der über Leichen geht. Wenn man selbst einem nahestehende Menschen verloren hat oder mehrere Menschen kennt, denen das so ging, denkt man wahrscheinlich anders, sprich in Richtung Trynnanmord. Das ist keine femenspezifische Sache, sondern eine (West-)Ukrainische. Ich bin wirklich froh, dass ich hier lebe und die Repressalien eines solchen Systems nicht aushalten muss. Dass man gegen Putin Mordgedanken entwickeln kann, kann ich mir vorstellen. Er hat die junge Demokratie in den ehemaligen Staaten der UDSSR völlig zugrunde gerichtet, regiert selbstherrlich und mit härtester Hand. Das Verhalten der russischen Regierung bzw. deren Anweisungen Im Fall aller bisherigen Geiselnahmen waren brutal und haben zum Tod zahlreicher Geiseln geführt. Warum wurde Anna Politkowskaja an Putins Geburtstag ermordet? Warum ist Russland eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit?

    • @ Onyx Wieso eigentlich ist der Hass vieler Ukrainer (und auch Russen) auf Putin für dich so unverständlich? Dass in der gegenwärtigen Situation der / die ein oder andere von Tyrannenmord träumt, finde ich nun nichtmal so verwerflich. Wie soll man mit jemandem umgehen, der seinen Weg mit Leichen pflastert? Wie soll man ihn aufhalten? Tyrannenmord ist ein uraltes moralisches Dilemma. Faktisch hat so und so keiner der Betroffenen die Möglichkeit, Putin auch nur im Geringsten gefährlich zu werden. Aber dass man Wut und Hass artikuliert, finde ich unter diesen Umständen absolut legitim. Das betrifft nicht nur Femen. Wenn Angela Merkel heute plötzlich alle demokratischen Wahlen manipulieren lassen würde, Demos niederknüppeln, Oppositionelle brutal verfolgen, Homosexuelle kriminaliseren und in Deutschland dutzende Journalisten getötet würden, zudem in einzelnen Staaten, die sich trennen möchten, Kriege begonnen und brutale politische Morde begangen würden, hätte ich auch einen Riesenhass.

      P.S. Oben meinte ich natürlich „Repressionen“ nicht „Repressalien“. Oje.

    • Der Hass ist mir nicht unverständlich. Hey, ich bin ne gewöhnliche Femanze, nichts ist mir so verständlich wie Hass 😛 😀

      Aber mal im Ernst, nichts, wirklich NICHTS rechtfertigt Mordaufrufe. Träumen kann man wovon mal will, aber zum Mord aufrufen geht einfach nicht. Des Amtes entheben, verklagen, mit Schimpf und Schande auf ewig in den Bau schicken, all das ist nachvollziehbar. Aber Mord? Nein, tut mir leid.

  13. Schon die Fragestellung ist merkwürdig. Eine promovierte Wissenschaftlerin, die inhaltliche Beiträge schreibt, mit einer Protestorganisation zu vergleichen, die ganz allein nur Aufmerksamkeit für die laufenden Diskussionen schaffen möchte? Die Argumente für radikalfeministische Ziele musst schon im Diskurs suchen und nicht bei Femen selbst.

    Dazu kommt: Wenn man eine Pro-Porno und Pro-Prostitution und Pro-Kopftuch-Haltung hat, findet man bei Lady Bitch Rays Inhalte natürlich „gefährlicher“ (wo da in Pornculture die Gefahr sein soll, wenn man mit dem Strom schwimmt, verstehe ich nicht) und interpretiert das auch so – das ist kein Kunststück.

    Aber auch allein der Gedanke, Femen „einzuschätzen“, indem man eine völlig andere Art des Protests daneben stellt und sagt, das wäre vergleichbar, weil sie das Kriterium „böse“ teilen, was natürlich zur Abwertung führen soll – passt finde ich überhaupt nicht – vorne und hinten nicht.

    • Liebe Truth, in der Arbeit ging es überhaupt nicht darum Protestformen zu vergleichen, sondern subversive Praktiken in der visuellen Darstellung, und ob das Politische denn überhaupt aufgehen kann, wenn mensch so aufs Visuelle geht. Und LBR und Femen tun das ja bewusst. –
      Ich bin den Weg über die Kultur- und Religionsgeschichte gegangen und hab mir „böse Frauen“ angeschaut, weil ich wissen wollte, wo die Wurzeln der „bösen Mädchen“ liegen, die eben auch im Feminismus ihr Unwesen treiben. Ein Knackpunkt sind dabei die Riot Grrrls. Sie werden immer als Paradebeispiel für subversive Praxis hochgelobt. Leider haben die Mainstream-Medien was ganz andres draus fabriziert. Sie hatten den Nachteil, dass sich bei ihnen ja vor allem Performance, Optik, Musikgenre, Texte usw. gegenseitig gebrochen haben, was in einem Zeitungsfoto nicht rüberkommt. Da bleibt leicht mal nur die Slut mit dem kurzen Röckchen haften, wenn der Inhalt unterschlagen wird.
      Ich wollte wissen, ob dieser subversive Anspruch, den ja LBR und Femen beide verlautbaren überhaupt eingelöst werden kann mit ihren Bildproduktionen. Dazu hab ich mir exemplarisch welche rausgesucht, die sehr präsent sind und noch am ehesten irritierend und mit der dokumentarischen Methode analysiert.
      Außerdem hab ich mir noch angeschaut, in wiefern dieselben Strategien der Medien, die auch schon bei den Riot Grrrls verwendet worden sind, auch bei LBR und Femen in der Berichterstattung eingesetzt werden, um die „feministische Gefahr“ zu untergraben. Dabei hab ich mir Zeitungen mit unterschiedlichen Zielpublikum als auch die feministischen Zeitschriften angesehen (Missy, anschläge, Emma). In puncto gefährlich ging’s vor allem darum, welche Strategien Mainstreammedien da fahren und wie auch mit welchen verbalen Auswüchsen reagiert wird. Wenn es zu harmlos ist, braucht’s auch keinen shitstorm.

      Aber du kannst dir ja mal das Inhaltsverzeichnis durchlesen und schauen, ob die Fragestellung für dich dann nachvollziehbarer ist.

      Vergleichbar sind bei beiden auf jeden Fall die Konzentration auf weibliche Geschlechtsmerkmale in ihrer CI, die Selbstermächtigung über den Körper, der Versuch auf visueller Ebene zu provozieren und die inflationäre Verwendung ihres Materials. Femen überschwemmen uns mit Brüsten, bis diese – lt. Interview – nichts mehr Sexuelles an sich haben und der Körper dann quasi wieder ihnen gehört. LBR lässt niemanden entkommen, ohne via Kostüm oder sprachliche Bilder nen Vagina-Stempel zu hinterlassen – solang, bis möglicherweise der Phallus nicht mehr mit dem Penis gleichgesetzt wird. Dazu gibt es in der Analyse ein paar interessante Bilder.

  14. Wenn du die beiden auf mediale Wirkungen und Reaktionen untersucht hast und die Interpretation von verwendeten Symbolen – dann ist dein Thema ja auch ein anderes, als ob Femen als Protestform „gut“ ist oder nicht. Das ist mal eine andere Perspektive auf das Thema.

    Femen nutzen meiner Meinung nach Brüste, weil sie damit aus der Objektifizierung wieder eine Selbstermächtigung machen. Nicht, weil es nicht mehr sexuell ist, sondern weil sie selbst darüber entschieden haben, was mit ihrem nackten Anblick passiert. Wenn eine Femen abgelichtet wird, heißt das, dass die Objektifizierung nackter junger Frauen nicht mehr greift, weil der betreffende Mann (oder die betreffende Frau für eine Männerwelt) unfreiwillig die Botschaft mitverbreitet.

  15. Eine Femen-Aussteigerin packt aus

    Femen bedient Männerphantasien

    Femen beweist wieder einmal, dass es häufig vor allem die Frauen nach oben schaffen, die die knallharten Prinzipien der Männerwelt kopieren. Ob sie nun fremde Brüste betatschen oder die eigenen schwenken – es geht immer noch darum, in der Männerwelt zu bestehen. Kann man sie damit wirklich überwinden?

    Schon im vergangenen Jahr enthüllte ein Dokumentarfilm, dass Femen von dem Macho Viktor Swjatski geführt wurde, der die Aktivistinnen nach ihrer Brustform auswählte und eigentlich auch nur Frauen aufreißen wollte. Angeblich haben die Frauen ihn dann rausgeworfen. Oder auch nicht. Querelen in und um Femen gibt es jedenfalls etliche.

    Eins jedenfalls ist klar: So revolutionär sich Femen auch gebärdet – letzten Endes beflügeln die Organisation nun mal klassische Männerphantasien von der wilden Frau im sexy Körper. Wenn die Aktivistinnen dabei noch nicht einmal Spaß haben, sollen sie doch einfach ihre Brüste wieder einpacken und ihr Ding machen.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s