„Demo für Alle“: Wo sich Homophobie und der Klu Klux Klan die Hand reichen

Offiziell wollen sie ja nur unsere Kinder schützen, die Gegner des Bildungsplans 2015. Vor Frühsexualisierung, vor der bösen Gender-Gehirnwäsche, vor der großen Verschwulung und Verlesbung unserer guten christlichen abendländischen Kultur. Vor was auch immer.

Was aber passiert da eigentlich wirklich?

Bloggerin Nele Tabler war inkognito auf einer dieser ach so kinderfreundlichen Demos dabei. Ihre Eindrücke schildert sie hier.

Ein paar Kostproben gefällig?

„Sind Sie für oder gegen die Sauerei?“ Eine ältere Frau beäugt die Liebste misstrauisch von der Seite.

Homosexuelle zwangsweise gesundbeten zu wollen, war da noch eine der harmloseren Äußerungen. Als der Redner von Sex-Führerschein spricht, will ein Mensch neben mir „alle Schwuchteln einschließlich Kretschmann kastrieren“. Je länger die Veranstaltung dauert, desto aggressiver wird die Stimmung und das Vokabular militärischer. Es geht nicht um eine politische oder vielleicht auch religiöse Auseinandersetzung, sondern um einen Überlebenskampf. „Wir oder die Perversen, für beide ist auf diesem Planeten kein Platz“, sagt eine Frau mit Glaubenszwiebel und Gesundheitsschuhen und wie zur Bestätigung werden ein paar Meter weiter riesige Deutschlandfahnen geschwenkt.

Eine Schauspieltruppe performt am Straßenrand: als 50er-Jahre-Familie, Nazis in Uniformen und in Klu-Klux-Klan-Roben. „Seht her, das seid ihr“, rufen sie. „Was für Kasper“, höre ich hinter mir und dann: „Wenn wir das doch wirklich wären und das Regenbogengesindel vergasen könnten!“

Zur Erklärung noch mal für alle, die die Horrorvision nicht ertragen können, dass Kinder zwangssexualisiert werden, indem die praktische Demonstration diverser Sexualpraktiken als fester verpflichtebder Bestandteil des Lehrplans anschaulich in den Unterricht integriert wird, dem sei noch mal das Interview mit Tuider ans Herz gelegt, in dem sie erklärt, worum es es wirklich gehen soll:

Ab welchem Alter sollte man überhaupt beginnen, Kinder mit Themen wie Sex und Homosexualität zu konfrontieren?

Elisabeth Tuider: Als Soziologin muss ich Ihnen sagen, dass Kinder ja in dieser Welt leben: Conchita Wurst gewinnt den Eurovision-Song-Contest, Berlin hat einen schwulen Bürgermeister und die Sängerin Cher hat einen transsexuellen Sohn. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt existiert, sie ist auch im Leben von Kindern und Jugendlichen präsent. Die Sexualpädagogik konfrontiert Kinder und Jugendliche in diesem Sinne nicht, sondern Sexualpädagogik ermöglicht es, über Themen, die in ihrem Leben und in ihrem Alltag präsent sind, zu sprechen.

In Ihrem Buch gibt es zum Teil sehr detailreiche Aufgabenstellungen, in denen es um Analverkehr, Sexspielzeuge und die Einrichtung eines Bordells geht. Was soll die Auseinandersetzung auf dieser Ebene bringen?

Tuider: Sexualpädagogik möchte einen Raum schaffen, in dem unterschiedliche Fragen, Unsicherheiten und auch Ängste, die Sexualität, Beziehung und Liebe betreffen, von den Jugendlichen gestellt und besprochen werden können. Dabei geht man von den jeweiligen Themen der Jugendlichen aus. Wenn es keine Themen wie „sexuelle Praktiken“ oder „Analverkehr“ in der Gruppe gibt, ist eine solche Inhalte aufgreifende Übung schlicht nicht anwendbar. Unser Buch ist kein Lehrplan. Jede der 70 vorgeschlagenen Methoden muss der jeweiligen Jugendgruppe angepasst werden.

Wollen sich 12- oder 13-Jährige so detailreich mit dem Thema auseinandersetzen? In dem Alter beginnt das Interesse an Sexualität erst zaghaft.

Tuider: Gerade die sexualpädagogische Praxis zeigt, dass einige Kinder und Jugendliche Fragen zu Themen wie sexuelle Praktiken, Sexspielzeug oder BDSM (zum Beispiel Sadomasochismus und Fesseln) haben. Studien zufolge haben bei unter 14-Jährigen 70 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen schon Pornografie kennengelernt. Solche Erfahrungen werfen bei den Jugendlichen Fragen auf. Manche Jugendliche bringen solche Themen nicht mit und, wie gesagt, werden dann entsprechende Aufgabenstellungen nicht angewendet.

Verwirrt und verstört die Thematisierung aller denkbaren Sexualpraktiken Jugendliche nicht eher?

Tuider: Vielfalt, auch sexuelle Diversität findet sich in allen Lebensbereichen: in Politik, Medien, Kunst. Sie ist, wie gesagt, im Alltag von Jugendlichen präsent und wird nicht erst von der Sexualpädagogik zu denJugendlichen gebracht. Gerade die sexualpädagogische Praxis zeigt, dass sexualpädagogisch Tätige oftmals die ersten Personen sind, mit denen sich Jugendliche trauen, ihre Fragen und Irritationen zu besprechen.

Wenn ich Jugendlichen beibringe, dass alles „normal“ ist, wächst dann nicht die Gefahr, dass sie bei den ersten sexuellen Kontakten auch glauben, für alles offen sein zu müssen?

Tuider: Sexualpädagogik zielt auf die Auseinandersetzung mit und die Positionierung in der Verschiedenartigkeit gegenwärtiger Lebens-, Liebes- und Sexualitätsentwürfe. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen sowie mit den Grenzen der anderen. Sexualpädagogik zielt auf die Selbstbestimmung eines jeden Menschen. Nach wie vor ist heute gerade nicht „alles normal“. Diskriminierung von Transsexuellen, also Menschen, die nicht in das Mann-Frau-Schema passen, oder von Homosexuellen sind nicht passé. Der Sexualpädagogik geht es darum, Jugendlichen, die in ihren Liebes- und Lebensweisen nicht der gesellschaftlichen Dominanzkultur entsprechen, Anerkennung und Unterstützung zu geben. Und allen Menschen die Kompetenz zu geben, anderes anzuerkennen, auch wenn es nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

Quelle

Ich gehe aber davon aus, dass die homophoben Betonköpfe das eh nicht weiter interessiert. Sie werden weiter unter dem Deckmantel des Kinderschutzes und der Christlichkeit ihre Feindseligkeiten unters Volk verbreiten.

Und ich hoffe, alle, die an den Demos beteiligt sind, ob als Demonstrant, als Redner oder als Organisator, sind mächtig stolz auf sich, zu welchen Geisteskindern sie sich gesellen und welches Publikum sie bedienen. /zyn

21 Kommentare zu “„Demo für Alle“: Wo sich Homophobie und der Klu Klux Klan die Hand reichen

  1. Für mich wäre es interessant zu wissen, wie groß tatsächlich der Anteil der homophoben Schwachköpfe unter den Demonstranten war. Ein paar Idioten hat man überall.
    Ich frage mich das, da ich ähnliche Berichte von beispielsweise Frei.Wild Konzerten kenne im Bezug auf Neonazis. Dort werden dann die zwei Naziidioten zitiert, die es irgendwie durch die Kontrollen geschafft haben uns es wird so getan als so das die Mehrheit der Fans.

    • Das müßtest du schon Nele selbst fragen. Sie war live dabei.

      Allerdings – ich zitiere mich mal selbst – „Wenn man sich die homophobe hetzerische Online-Petition zum Bildungsplan 2015 anschaut, sieht man auch, aus welchen Ecken genau die Unterstützer dieser Hetze kommen. Das geht unter anderem von religiösen Fundamentalisten und Verschwörungstheoretikern, bis hin zu rechtspopulistischer Propaganda.“

      Man kann da sehr wohl eine gewisse Tendenz erkennen. Dass das nur wenige Einzelmeinungen sein sollen, glaube ich keine Sekunde.
      Natürlich werden da auch gutgläubige, konservative Christen dabei sein, die sich einfach Sorgen machen. Da ist es aber um so perfider, mit solcher Propaganda bewußt Stimmung zu machen und auf Bauernfang zu gehen, wie auch hier erklärt wird:

      „Die Initiatoren spielen bewusst mit den Ängsten von Eltern, um ihrer Ideologie zu entsprechen und ihre Anhänger anzuheizen“, erklärte ein Sprecher. Der Wert von Ehe und Familie sei einer der Grundpfeiler des Bildungsplans. Der Sprecher forderte die Bildungsplan-Gegner auf, sich mit dem tatsächlichen Vorhaben zu beschäftigen und die Erarbeitung der Bildungspläne durch Pädagogen im Internet nachzuvollziehen. „Wer sich anschaut, was wir tatsächlich vorhaben, wird die Behauptungen der Demo-Organisatoren schnell als lächerlich entlarven“, sagte der Sprecher. Der Prozess der Erarbeitung des Bildungsplans sei noch nie so offen erfolgt wie jetzt im Internet.

      „Unser Ziel ist, dass die Schule zu einem von Vorurteilen und Diskriminierungen freien Raum wird“, sagte der Sprecher.

      (Hervorhebung von mir)

  2. Vorschlag: Man biete diese Kurse auf freiwilliger Basis an, anstatt die Eltern mit Erzwingungshaft zu erpressen, wenn sie ihre Kinder dem Zugriff der „Sextanten“, wie sie von den Kindern genannt werden, entziehen wollen.

    • Ja, gute Idee. Dann Sexualkunde gleich generell auf freiwilliger Basis. Gibt ja genügend Eltern, die das nicht wollen. Sportunterricht natürlich auch, gibt ja viele Eltern, die finden das nicht so gut, v. a. den Schwimmunterricht für ihre Mädchen. Sozialkunde natürlich auch, weil da lernt man was über verschiedene Staatsformen. Nicht zu vergessen, ganz schlimm, der Biologieunterricht. Da werden Kreationisten extrem diskriminiert, weil ihre Kinder zwangsweise mit anderen Erkenntnissen konfrontiert werden. Selbiges gilt auch für Chemie. Physik und Mathe? Nur bis zur 7. Klasse so circa, danach könnte das für die Kinder aus besagtem Personenkreis auch gefährlich werden. Astronomie müsste auf jeden Fall aus dem Lehrplan gestrichen werden. Am besten, wir stellen den Schulbesuch gleich generell frei. Das greift am allerwenigsten in das Selbstbestimmungsrecht der Eltern ein.

  3. Unter dem Deckmantel des Werbens für Toleranz, wogegen kein vernünftiger Mensch was hat, ist man sexuell übergriffig auf Kinder. Ein Dirndl-Satz löst einen bundesweiten Aufschrei aus, aber wenn Kinder in Kindergarten und Schule frühsexualisiert und genötigt werden, ist es auf einmal aus feministischer Sicht in Ordnung.

    Letztlich erweist man Homosexuellen damit einen Bärendienst, denn die Kinder lernen, dass die Vorurteile stimmen: Homos = Pervers = übergriffig. Sie fühlen sich unangenehm berührt und verbinden das mit den sexuellen Minderheiten. Kontraproduktiver kann man nicht um Toleranz werben.

    „Besuch der Sextante – Ein Erfahrungsbericht“
    http://bazonline.ch/basel/land/Der-Besuch-der-Sextante-D/story/21578252

    • @ knok
      Oje, in so wenigen Zeilen so viele Fehler, da muß man ja beim Urschleim anfangen… *rollingeyes*

      Unter dem Deckmantel des Werbens für Toleranz, wogegen kein vernünftiger Mensch was hat, ist man sexuell übergriffig auf Kinder.

      Ne ziemlich abenteuerliche Behauptung, die Tuider ziemlich klar widerlegt hat. Lesen hilft.

      Ein Dirndl-Satz löst einen bundesweiten Aufschrei aus,

      Falsch. Die zeitliche Nähe des Brüderle-Vorfalls und des #Aufschreis war Zufall. Ist auch schon mehrfach erklärt worden.

      aber wenn Kinder in Kindergarten und Schule frühsexualisiert und genötigt werden,

      Völliger Unsinn. Vom Wiederholen werden Lügen nicht wahrer.

  4. “ Ein Dirndl-Satz löst einen bundesweiten Aufschrei aus, aber wenn Kinder in Kindergarten und Schule frühsexualisiert und genötigt werden, ist es auf einmal aus feministischer Sicht in Ordnung.“

    Kinder werden nicht im Unterricht frühsexualisiert, die so kritisierten Vorschläge sind lediglich eine Reaktion auf Vorhandenes. Kämpfst Du dann mit selbiger Verve auch gegen frei verfügbare Pornos im Internet, sexualisierte Plakate, die Bravo, nackte Brüste in Zeitungen und Zeitschriften und sexuelle Anzüglichkeiten in den Medien? Nein? Dann ist es höchst bigott, gegen den Bildungsplan vorzugehen. Denn, ich wiederhole mich, nicht dort findet die sog. „Frühsexualisierung“ statt.

  5. Kinder sollen lernen, dass es auch andere Formen des Liebens und des eignen Empfindens gibt, dass manche Männer mit anderen Männern zusammen sind, manche Frauen mit Frauen etc, dass daran nichts Schlimmes und Ekliges ist – aber da wird sofort gejault, als ginge es darum, Gruppensex und Masturbation in der Schule zu veranstalten.

    Als ich in der Schule war, wurde uns von keinen Lehrer etwas über Nicht-Heterosexualität beigebracht – das einzige „Wissen“ waren dumme Sprüche, Halbwahrheiten und Unkenntnis. Schwul/Schwuchtel/Lebse etc wurden und werden noch immer ausgesprochen oft und gerne(auch schon von Grundschülern) als Schimpfworte benutzt. Und hätten meine Eltern mich nicht darüber aufgeklärt und ich wäre nicht von Natur aus ein stets neugieriger, alles hinterfragender Mensch – wer weiß, dann wäre ich vielleicht so geworden, wie die Eltern meiner Mitschüler, von denen viele ihr Halbwissen hatten.

    Ich wäre froh gewesen, wenn unsere Lehrer dem Einhalt geboten hätte und das klappt sehr gut durch Wissen und Lernen und dem Vermitteln von Toleranz und Respekt. Es wird so getan, als sollten die Kinder umerzogen werden – das sollen sie – sie sollen nicht genauso homophob und engstirnig werden/sein, wie ihre Eltern/ihr Umfeld. Dem muss entgegen gewirkt werden – die Folgen sind zu schrecklich, um da Russisch Roulette spielen zu können und auf gut Glück zu vertrauen.

    Sie sollen nicht homosexuell werden – aber es tut ihnen sicher nicht weh, mal die ihnen zugedachte Rolle zu hinterfragen und sich selber so zu nehmen, wie sie sind. Und sich in ihren Körper mit ihren Bedürnissen wohl zu fühlen und sich nicht zu verstecken und zu schämen. Wenn ihre Eltern sie selber aufgeklärt hätten, dann wäre der Bildungsplan ja nicht von Nöten. Aber viele Eltern haben hier versagt und es kann nicht sein, dass die nächste Generation Unwissender herangezogen wird.

    • @fussel: „Kinder sollen lernen, dass es auch andere Formen des Liebens und des eignen Empfindens gibt […]“
      Muss man denn Liebe und Empfinden in der Schule lernen? Ist Liebe überhaupt erlernbar? Und wie lernt man denn *eigenes* Empfinden von anderen?

      „Es wird so getan, als sollten die Kinder umerzogen werden – das sollen sie – sie sollen nicht genauso homophob und engstirnig werden/sein, wie ihre Eltern/ihr Umfeld.“
      Das sind mal klare Worte. Damit wäre zumindest mal der Wunsch nach staatlicher Umerziehung bestätigt.
      Allerdings stellen sich mir drei Fragen:
      1. Ist unsere Gesellschaft tatsächlich so homophob und engstirnig wie behauptet?
      2. Ist die vorgeschlagene Maßnahme angemessen, also effektiv und verhältnismäßig?
      3. Ist diese staatliche Umerziehung ein Eingriff in das Erziehungsrecht der Eltern, siehe GG Art. 6 Abs. 1?

    • “Es wird so getan, als sollten die Kinder umerzogen werden – das sollen sie – sie sollen nicht genauso homophob und engstirnig werden/sein, wie ihre Eltern/ihr Umfeld.”
      Das sind mal klare Worte. Damit wäre zumindest mal der Wunsch nach staatlicher Umerziehung bestätigt.

      Ist dieses Falschverstehen jetzt Absicht?
      Bildungsplangegner behaupten mit ihrem Gerede der Umerziehung ja lediglich, dass Kinder angeblich moralisch verdorben werden, dass sie homosexuell gemacht werden sollen, dass jeder mit jedem vögeln soll und dass uns allen überhaupt Sodom und Gomorra droht. Dieser angebliche Wunsch, den du hier bestätigt zu sehen meinst, ist und war natürlich völliger Humbug.

      Dass @oheinfussel hier was ganz anderes aussagt, ist eigentlich klar ersichtlich.

    • Der Teil nach der ersten Gedankenpause lese ich als eine Bejahrung („Ja, das sollen sie“). Das bezieht sich eindeutig auf den vorherigen Teil, also auf die Umerziehung der Kinder. Der Schluss nach der zweiten Gedankenpause ist die Begründung, warum sie umerzogen werden sollen, nämlich damit sie nicht „genauso homophob und engstirnig werden/[sind], wie ihre Eltern/ihr Umfeld“.
      Wie interpretierst du denn den Satz?

    • Der Teil nach der ersten Gedankenpause lese ich als eine Bejahrung (“Ja, das sollen sie”). Das bezieht sich eindeutig auf den vorherigen Teil, also auf die Umerziehung der Kinder.

      Aber nicht in der Form, die du da reinzulesen meinst. Nicht Umerziehung in eine moralische Verkommenheit – so wie es ja der paranoide Tenor der BP-Gegner ist. So interpretiere ich nämlich deine Aussage, dass dieser angebliche Wunsch bestätigt sei. Sondern eben eine aufklärerische Umerziehung im Sinne von weg von einer homo- und transphoben Denke, hin zu einer aufgeklärten und respektvollen Denke. Wobei „Erziehung“ in dem Zusammenhang einfach ein bescheuerter Ausdruck ist.

    • Grandios onyx. Mir erstmal mit Pauken und Trompeten absichtliches Falschverstehen vorwerfen und dann selbst ganz tief in die Kiste mit vorgefertigten Meinungen greifen. Ich habe nichts von moralisch verdorben geschrieben, sondern lediglich allgemein von staatlicher Umerziehung, einem Begriff, den fussel selbst eingeführt hat. Wer unterstellt hier also wem falsche Behauptungen?
      Das Problem mit der moralischen Verkommenheit ist, dass dieser Begriff abhängig von der Perspektive ist. Aus Sicht von religiösen und konservativen Leuten seid ihr die moralisch verkommenen. Moral ist eben subjektiv und keine feste Bezugsgröße. Daher werde ich automatisch kritisch, wenn jemand meint, die einzig richtige moralische Position zu vertreten, und dahingehend dann Kinder umerziehen will. Das tun Salafisten mit der selben Begründung ebenso.
      Ich habe weder Angst homosexuell zu werden noch vor zu viel Sex (wenn überhaupt, dann vor zu wenig). Ich stelle stattdessen sachlich die Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit dieser Politik in Frage. Aber das kann wohl nicht sein. Nein, jeder, der an der Glaubenslehre und moralischen Reinheit des Bildungsplans zweifelt, muss ein Fanatiker und Hassprediger sein. Eine andere Erklärung, gar berechtigte Kritik, scheint bei euch nicht in Betracht zu kommen. Und damit argumentiert ihr nicht besser als die religiösen Fanatiker, die ihr zu bekämpfen vorgebt. Leider.

    • Grandios onyx

      Danke. Ich find mich auch toll.

      Mir erstmal mit Pauken und Trompeten absichtliches Falschverstehen vorwerfen

      Das war kein Vorwurf. Das war eine Frage.

      Ich habe nichts von moralisch verdorben geschrieben, sondern lediglich allgemein von staatlicher Umerziehung, einem Begriff, den fussel selbst eingeführt hat.

      Äh nein. Hast du nicht gemerkt, dass @oheinfussel selbst auch nur die Rhetorik bemüht hat, die BP-Gegner verwenden? Der Vorwurf der Umerziehung wurde bereits in den ersten empörten Kritiken laut, als der BP vorgestellt wurde.

      Aber das kann wohl nicht sein. Nein, jeder, der an der Glaubenslehre und moralischen Reinheit des Bildungsplans zweifelt, muss ein Fanatiker und Hassprediger sein. Eine andere Erklärung, gar berechtigte Kritik, scheint bei euch nicht in Betracht zu kommen. Und damit argumentiert ihr nicht besser als die religiösen Fanatiker, die ihr zu bekämpfen vorgebt. Leider.

      Das wird mir jetzt zu blöd. Deine haltlose Polemik kannst du stecken lassen.

  6. Wenn du mich unbedingt falsch verstehen willst, dann kannst es auch einfach sagen.

    Es geht nicht darum Liebe zu erlernen – sondern darum, dass es noch sehr viel mehr gibt, als die Mann/Frau – Kombi und das nicht weniger wert ist. Es nervt mich, dass so Viele beim Thema Homosexualität immer sofort an Sex und alle möglichen ganz furchtbar schrecklichen(über die man aber bestens informiert ist) Sexpraktiken denkt. Homosexuell zu sein, heißt, dass man Personen des gleichen Geschlechts emotional und sexuell anziehend findet und nicht nur, dass Schwule jeden Penisträger nur als Begattungschance sehen.

    Und mit eignen Empfinden meinte ich, dass Kinder ruhig erfahren sollen, dass es zwischen Schwarz und Weiß auch eine Menge Grauzonen gibt – zum Beispiel: Dass man Gefühle für Menschen des gleichen Geschlechts haben kann und das weder schlimm, noch igitt, noch unnormal oder dergleichen ist. Wenn ein Junge jetzt merkt, dass er sich in seinen biologisch männlichen Körper einfach nicht wohl fühlt und diesen männlichen Körper für sich ablehnt, dann sollte er darüber reden können und vor allen Dingen keine Angst davor haben, sich schämen, ekeln oder sonstwas.

    Ich finde durchaus, dass ich nachvollziehbare Sätze geschrieben habe und da onyx mich problemlos versteht, sehe ich, dass es auch nachvollziehbar ist. Ich habe durch meine Ausbildung etc eine Menge Kontakt zu Menschen aller Altersstufen und stelle fest, dass sehr Wenige in ihren Elternhaus tatsächlich darüber aufgeklärt werden. Was sie wissen, sind vor allen Dingen, dass man andere mit den Worten „schwul“, „Lesbe“ etc sehr gut beleidigen kann. Es taugen nur Dinge als Beleidigung, wenn sie in einen negativen Kontext stehen. Und wenn im Hinterkopf, wenn auch unbewusst, nicht-hetero = schlecht, schmutzig, eklig, krank, unnormal etc verbunden wird, dann dürfte es sich leicht erklären, warum Nicht-Heteros eine so viel höhere Suizidgefährdung ist und warum so viele unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen etc leiden.

    @ onyx

    Genauso habe ich es gemeint. Erziehung ist wirklich irgendwie unpassend in diesen Zusammenhang – eine Idee für ein passenderes Wort?

  7. Für Vinzenz ist ‚Umerziehung‘ offenbar nur von gut zu schlecht möglich, doch es geht genauso auch umgekehrt.

    Natürlich findet in der Schule eine Umerziehung statt – wenn die Schule ihre Aufgabe ordentlich erledigt.
    Denn dort werden Kinder vom ‚kindischen Geist‘, der jede Erklärung hinnimmt, nichts hinterfragt und kein Wissen besitzt, um die Aussagen anderer einordnen und bewerten zu können, bestenfalls zu einem aufgeklärten Menschen, dem man eben nicht einfach so sagen kann „das ist so-und-so“.

    Und wenn die Schüler dann auch noch lernen, sich selbst auch noch zu hinterfragen, ist doch schon eine gute Grundlage gelegt!

    Insoweit Sexualkunde wie oben beschrieben darin besteht, Kindern beizubringen, über Sexualität offen reden zu können, würde man damit Kinderschändern den Boden unter den Füßen wegziehen, denn ein Kind, das offen über Sex reden kann, kann zumindest mit größerer Wahrscheinlichkeit auch sagen “Jemand macht Sex mit mir und ich mag das nicht.”

  8. @onyx: „Das war kein Vorwurf. Das war eine Frage.“
    Sie klang für mich eher rhetorisch.

    „Hast du nicht gemerkt, dass @oheinfussel selbst auch nur die Rhetorik bemüht hat, die BP-Gegner verwenden?“
    Das mag sein. Ich wollte auch nie behaupten, dass fussel den Begriff erfunden hätte. Aber sie hat ihn selbst in ihrem Beitrag verwendet und ihre Position damit beschrieben. Was soll also verwerflich daran sein, wenn ich den Begriff aufgreife?

    „Das wird mir jetzt zu blöd.“
    Gut, das war etwas zu dick aufgetragen. Aber es stört mich, immer wieder in die selbe Schublade gesteckt zu werden. Ich habe nicht annährend etwas von unmoralisch oder Sodom geschrieben, bekomme es aber ständig von anderen um die Ohren gehauen.

    @fussel: „Es nervt mich, dass so Viele beim Thema Homosexualität immer sofort an Sex und alle möglichen ganz furchtbar schrecklichen(über die man aber bestens informiert ist) Sexpraktiken denkt.“
    Die Sexpraktiken bringt doch die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ ins Spiel. Und der Widerspruch, den du da erkannt zu haben glaubst, ist keiner. Selbstverständlich bin ich über Sexualpraktiken bestens informiert. Ich hab ja auch überhaupt kein Problem damit, wenn jemand z.B. auf Fesselspielchen steht, aber das soll er doch bitte privat machen, bei sich zuhause. Was hat das in Schule oder Uni verloren?

    „Dass man Gefühle für Menschen des gleichen Geschlechts haben kann und das weder schlimm, noch igitt, noch unnormal oder dergleichen ist.“
    Ich wüsste nicht, wo in der Schule das Gegenteil gelehrt wird. Aber das ist doch keine ausreichende Begründung dafür, das im Lehrplan zum Thema zu machen. Die von Feministinnen so verhasste Hetero-Kleinfamilie ist auch nicht Teil des Lehrplans. Da gibt es keine Unterrichtsstunden zu, wo Kindern das explizit beigebracht wird (und es würde mich mal interessieren, wie die werten Damen hier dazu stehen würden, wenn das so wäre). Trotzdem ist doch klar, dass das „weder schlimm, noch igitt, noch unnormal oder dergleichen“ ist.

    @earonn: „Für Vinzenz ist ‘Umerziehung’ offenbar nur von gut zu schlecht möglich […]“
    Natürlich nicht. Und weil meine Vergleiche hier immer so gut ankommen, versuche ich mal einen weiteren: Das ist ein bischen mit der Überwachung, die durchaus positiv, manchmal sogar nötig sein kann, um Kriminelle zu finden, Menschenleben zu retten etc pp. Dennoch ist es ein staatlicher Eingriff, dem ich prinzipiell erstmal zurückhaltend gegenüber stehe. Denn wenn Überwachung zu weit geht, gefährden wir damit unsere freie Gesellschaft. Mit staatlicher Erziehung ist es ähnlich. Es gibt einen Grund, warum das Grundgesetz die Erziehung der Kinder als das „natürliche Recht“ der Eltern bezeichnet. Gesetzliche Eingriffe müssen da wohlbegründet sein. Ein einfaches „Wir sind die Guten(TM)“ (Antje Schrupp), reicht hier bei weitem nicht.

    Wenn man fussel zuhört, könnte man meinen, die Gesellschaft wäre ja so furchtbar, alles homophobe Menschenhasser, sodass diese Umerziehung dringenst nötig ist. Ich stelle das in Frage. Meiner Meinung nach ist das völlig übertrieben. Das kann auch damit zusammenhängen, dass unsere Medien das viel zu negativ darstellen.
    Zum Beispiel der Spiegel-Online Artikel über Tim Cooks Outing mit der Schlagzeile, Schwule seien in der US-Wirtschaft zwar toleriert, „aber nicht akzeptiert“ [1]. Im Artikel wird dann behauptet, die Nachricht hätte gemischte Reaktionen hervorgerufen. Allerdings findet sich dafür kein einziger negativer Beitrag von einer namhaften Person. Stattdessen haben u.a. Microsoft-Chef Satya Nadella, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Google-Manager Sundar Pichai und Ex-Präsident Bill Clinton Cook ausdrücklich zu seinem Schritt gratuliert [2]. Und selbst von der Tea Party Ikone Ted Cruz gibt es keine negative Reaktion, sondern lediglich „Das sind seine persönlichen Überlegungen“ und „Ich liebe mein iPhone“. In diesem Kontext wirkt die Schlagzeile für mich deplaziert und der homophobe Vorwurf übertrieben.

    [1] http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tim-cook-coming-out-von-apple-chef-bricht-tabu-in-us-wirtschaft-a-1000277.html
    [2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/IT-Chefs-loben-Tim-Cooks-Coming-out-2439660.html

    • @ Vinzenz

      Das mag sein. Ich wollte auch nie behaupten, dass fussel den Begriff erfunden hätte. Aber sie hat ihn selbst in ihrem Beitrag verwendet und ihre Position damit beschrieben. Was soll also verwerflich daran sein, wenn ich den Begriff aufgreife?

      Wie gesagt, ich fand es aus dem Kontext heraus recht eindeutig, dass sie ihn anders gemeint hat.

      Gut, das war etwas zu dick aufgetragen. Aber es stört mich, immer wieder in die selbe Schublade gesteckt zu werden. Ich habe nicht annährend etwas von unmoralisch oder Sodom geschrieben, bekomme es aber ständig von anderen um die Ohren gehauen.

      Geht mir regelmäßig genauso. Mir wird auch immer wieder der größte Blödsinn unterstellt und vorgeworfen, da reagiert man einfach irgendwann nicht mehr freundlich, sondern greift sich nur noch an den Kopf und streckt den Mittelfinger aus. Insofern verstehe ich dich schon. Dir wollte ich auch sicher nichts dergleichen vorwerfen, und es tut mir leid, wenn das so ankam. Ich wüßte allerdings auch nicht, dass ich dich jemals einen Hassprediger genannt hätte.

      Wenn man fussel zuhört, könnte man meinen, die Gesellschaft wäre ja so furchtbar, alles homophobe Menschenhasser, sodass diese Umerziehung dringenst nötig ist. Ich stelle das in Frage. Meiner Meinung nach ist das völlig übertrieben. Das kann auch damit zusammenhängen, dass unsere Medien das viel zu negativ darstellen.

      Wenn man die homofeindliche Propaganda der Bildungsplangegner wahrnimmt, ist für mich sehr deutlich, dass da nichts übertrieben ist. Wie dieser unfassbar schlechte, engstirnige, fehlinformierte oder bewußt manipulative Vortrag von Prof. Wolfgang Leisenberg, der wirklich nichts auslässt, was an Unterstellungen, Lügen und sinnentstellenden verkürzten Zitaten in der einschlägigen Presse verbreitet wurde.

      Mein persönlicher Höhe-, bzw Tiefpunkt des Vortrages, als Leisenberg einige Fragen aus dem „Hetersexuellen Fragebogen“ der GEW zitiert, die, wie ja mittlerweile jeder begriffen haben dürfte, eine Spiegelung der homophoben Fragen ist, denen Homosexuelle ausgesetzt sind. Leisenberg aber vermittelt, dass diese „heterophoben“ Fragen total ernst gemeint sind und lässt seine Zuhörer über den eigentlichen Hintergrund dieser Fragen im Unklaren, (oder kennt ihn selbst nicht mal, ich weiß nicht was schlimmer ist). Ein Problem, an dem auch Matthias Matussek schon Anfang des Jahres gescheitert ist. Man sollte doch meinen, dass ein Professor in der Lage ist, für seine Vorträge etwas gewissenhafter zu recherchieren…

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