#WasAndersWäre

Wir hatten lange kein Blogstöckchen mehr. Almut Schnerring vom Blog „ich mach mir die Welt“ und Autorin des Buches „die Rosa-Hellblau-Falle“ hat eins in die Luft geworfen und ich fange mal wieder auf.

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

Ich würde in manchen Situationen von manchen Leuten weniger schräg angeschaut und müßte mich weniger rechtfertigen. Ich könnte mehr ich selbst sein und würde weniger nach optischen Maßstäben beurteilt.
Ich entspreche einfach in vielen Fragen viel zu wenig dem weiblichen Klischee, um von Traditionalisten in Ruhe gelassen zu werden. Sei es meine Art der Lebensführung, oder auch nur ganz banal mein Musikgeschmack oder meine Klamottenwahl. Es gab und gibt immer wieder Leute, die meinen, das irgendwie mit „unweiblich“ oder „nicht normal für eine Frau“ kommentieren zu müssen. Dass das nur Momentaufnahmen sind, und ich am nächsten Tag vielleicht ganz anders auftrete und wahrgenommen werde, ist dabei natürlich egal.

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

Das ist schwer zu beantworten, da ich mich weigere, davon auszugehen, dass kein Mann auf der Welt Plüschtiere sammelt, sich schminkt oder die Beine rasiert. Vielleicht können wir es auf Tampons kaufen beschränken.

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

Was ich lieber nicht tue, weil ich eine Frau bin? Da fällt mir spontan nicht viel ein.
Ok, ich würde nicht unbedingt morgens um 3 durch ein Problemviertel laufen. Das ärgert mich selbst am meisten, aber da kommt einfach ziemlich stark meine Erziehung zur Vorsicht durch. Ob das als Mann so viel anders wäre, weiß ich aber auch nicht.
Was ich auch nicht tue, ist Prahlerei mit einem promiskuitiven Lebensstil. Ich finde das öffentliche Breittreten und Prahlen mit angeblichen sexuellen Erfahrungen im Allgemeinen recht peinlich. Bei Männern genauso wie bei Frauen. Ich denke aber, dass es bei Frauen immer noch ganz anders gewertet wird. Wir sind natürlich alle unheimlich progressiv und tolerant und überhaupt, aber das Damoklesschwert der „Schlampe“ schwebt immer noch über einer Frau, die sich nicht damit zufriedengibt, ihre Sexualität passiv über sich ergehen zu lassen, sondern aktiv gestaltet.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Beeinträchtigt ist das falsche Wort. Genervt träfe es eher. Da gibt es viele Dinge. Am meisten aber nervt es, wenn unglaublich dumme Menschen immer wieder behaupten, dass Frauen ja nicht wissen, was richtige Arbeit ist und das ja auch nicht müssen, weil sie ja eh nur heiraten müssen, um gut durchs Leben zu kommen. Das ist in dieser grandiosen Beschränktheit einfach nur megafacepalmpeinlich. Ich behaupte, ich habe in meinem Leben schon wesentlich anstrengendere und wichtigere Arbeit geleistet, als solche bornierten Stammtischbrüder, die jeden Tag stundenlang auf ihrem Hintern vorm Laptop sitzen und offensichtlich sehr viel Zeit haben, ihre Misogynie ins Netz kotzen.

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

Ich mußte im Gegensatz zu meinem Bruder nicht zum Wehrdienst. Das werte ich mal als Vorteil.
Ein weiterer „Vorteil“ (wenn man das so nennen kann) ist die Erfahrung, dass man sich, wenn man gewissen radikalfeministischen Ansätzen widerspricht, bei Angriffen aus den „eigenen Reihen“ der Verteidigung der sogenannten antifeministischen „weißen Ritter“ relativ sicher sein kann. (siehe auch hier) Diesen „Vorteil“ setze ich bewußt in „“, da ich dieses Phänomen eher nervig finde (bestenfalls noch belustigend, was ich dann nur mit einem Kopfschütteln quittiere), wenn die gleichen, die mich sonst aufgrund meiner feministischen Positionen beschimpfen und beleidigen, plötzlich ihr Rittertum entdecken und meinen, einen vor dem bösen feministischen Mob verteidigen zu müssen. Hier kommt ganz klar die Absicht zum Vorschein, sich vom „frauenfeindlichen Antifeministen“ distanzieren zu wollen, weil man ja sogar mal einer Feministin zustimmt, die „ausnahmsweise mal was richtiges sagt“. Und zwar nur, weil sie mal andere Feministinnen kritisiert. Da wird dann hochgehalten, dass man ja schließlich schwer was dagegen sagen kann, „wenn die als Frau schon Feministinnen kritisiert“. Ein Tipp am Rand an die, die sich davon angesprochen fühlen mögen: Wenn dieses „Rittertum“ schon sein muß, wäre es wesentlich ehrlicher und glaubhafter, wenn es auch bei Angriffen von antifeministischer Seite käme, die wesentlich häufiger und heftiger vorkommen. Da ich dieses Verhalten für nicht besonders schätzenswert, sondern eher für opportunistisch halte, halte ich hier mein Frausein auch für keinen wirklichen Vorteil.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Hier verstehe ich die Frage nicht ganz. In meinem Alltag gibt es nur wenige Situationen, in denen das Geschlecht eines Menschen für mich eine entscheidende Rolle spielt. Wie ich mit anderen Menschen agiere, mache ich von anderen Dingen als dem Geschlecht abhängig.

Ein paar interessante Antworten wurden schon vorgelegt von
Anke Domscheit-Berg
Mama-arbeitet
Wolke Rosa
Robin

Falkschreiber

10 Kommentare zu “#WasAndersWäre

  1. „Ich würde in manchen Situationen von manchen Leuten weniger schräg angeschaut und müßte mich weniger rechtfertigen.“
    Wobei du allein für die Tatsache, dass du Plüschtiere sammelst als Mann ziemlich sicher von nicht wenigen Leuten ziemlich schräg angeschaut werden würdest oder schlimmeres.

    Was die Vorteile angeht, höchsten ein Viertel beschäftigt sich wirklich mit der Antwort auf die Frage. Der Rest ist mehr ein Rant zu einem anderen Thema.

    • Wobei du allein für die Tatsache, dass du Plüschtiere sammelst als Mann ziemlich sicher von nicht wenigen Leuten ziemlich schräg angeschaut werden würdest oder schlimmeres.

      Das mag sein. Aber für meine gesamte Art, mein Leben zu leben, müßte sich kein Mann rechtfertigen. Daneben betrachte ich eine kleine Vorliebe für süße Stofftierchen als weniger dramatisch, als eher eine kleine liebenswerte Macke.

      Was die Vorteile angeht, höchsten ein Viertel beschäftigt sich wirklich mit der Antwort auf die Frage. Der Rest ist mehr ein Rant zu einem anderen Thema.

      Dachte ich mir auch erst. Da aber aber bei bestimmten Aussagen häufig der Fokus auf das Geschlecht der betreffenden Person gelegt wird („guck mal, die als Frau sagt das auch…!“), halte ich es für einen nicht unwesentlichen Punkt.

      Du könntest die Fragen ja auch selbst mal für dich beantworten.

    • Also ich habe schon erlebt, dass Männer für weit weniger als eine Plüschtiersammlung mehr oder weniger fertig gemacht wurden.

      Habe darüber nachgedacht, aber weiß nicht ob es sich lohnt das auszuschreiben. 1. Weiß ich nicht ob es jemanden intressiert und 2. ist dies eine Veränderung die Butterflyeffekt mäßig noch mehr verändert mit unbekannten Folgen, die wieder Dinge verändern usw.
      Zum Beispiel wie ich schon bei Robin gemeint habe wahrscheinlich viel weniger oder keine Prügel in meinen Leben bezogen. Was sicherlich nicht schön war, aber mich vielleicht zu dem gemacht hat der ich Heute bin, ob zum besseren oder schlechteren kann ich nicht genau sagen.

    • Habe darüber nachgedacht, aber weiß nicht ob es sich lohnt das auszuschreiben. 1. Weiß ich nicht ob es jemanden intressiert

      Das wäre wirklich der letzte Punkt, um den ich mir Gedanken machen würde. Es erscheinen täglich so viele langweilige Texte und noch langweiligere Kommentare dazu auf zig Seiten, deren Verfasser sich einbilden, dass ihr Geschreibsel interessant wäre.
      Aber als eine Art Reflexion auf sein eigenes Leben find ich so ein Gedankenexperiment schon interessant

    • Als Gedankenexperiment habe ich es ja schon gemacht, quasi für mich selbst. Also wenn ich es niederschreibe, dann eben nur für andere. Mal schauen, vielleicht mache ich es.

  2. Pingback: 6 persönliche Fragen zum Thema Geschlechterrollen | Die Rosa-Hellblau-Falle

  3. Nur so nebenbei, weil die Trolle auf einem gewissen Trollblog zu diesem Artikel gerade wiedermal geifernd herumsabbern und sich wahrscheinlich dabei auch noch unheimlich schlau und witzig fühlen:

    Ihr Idioten seid tatsächlich einfach nur unterirdisch dumm. Und sonst nichts.

  4. Eines ist schonmal klar: der Staat hätte dich für ein Jahr einkassiert und du hättest für dieses Jahr nicht das tun können, was du möchtest — also zum Beispiel einen Beruf oder ein Studium starten oder ähnliches — sondern was der Staat möchte. Kein selbstbestimmtes Leben für dieses Jahr. Frauen kriegen hier einen „head start“ im Leben. Über diese tatsächliche Ungerechtigkeit habe ich auch noch nie eine Feministin lamentieren hören.

    Alles schon gesagt worden, ich weiss, aber noch nicht hier und von mir. Smiley.

    • Na endlich durftest du jetzt hier auch mal lamentieren. Damit ist ja dann der Tag gerettet.

  5. Pingback: #WasAndersWäre, hätte ich das Y-Chromosom - ehrlichgesagt

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