Ehe für alle – Niederlage für Familienfeinde

Vorab:

Es gibt aber Menschen, die das anders sehen, man glaubt es kaum. Von fundamentalistischen Religiösen und Antifeministen hört man häufiger die Behauptung, dass Feminismus, Gender Mainstreaming und Homosexualität, sowie der liberale Umgang damit Familien zerstören, Ehen entwerten, Kinder „frühsexualisieren“ würde… etc.

Dabei hilft mal ein genauerer Blick auf bestimmte Argumentationsstrukturen, um zu erkennen, von wem die Ablehnung zur Familie in Wirklichkeit ausgeht. Es kursieren „Heiratswarnungen“. Von Antifeministen. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, warum man auf keinen Fall Kinder in diese Welt setzen sollte. Von Antifeministen. Glücklichen (Ehe-)Männern wird das sogenannte „Amiga-Syndrom“ vorgehalten. Von Antifeministen. (Zur Erklärung: Amiga= „Aber meine ist ganz anders“. Soll heißen, sie lieben einen Menschen, der zu einer allgemein wenig geschätzten Gruppe gehört (hier: Frauen), und sie verteidigen diesen Menschen, weil er „ja ganz anders ist“.) Das ist besonders hinterhältig. Ein Syndrom bezeichnet ein Merkmal eines Krankheitsbildes. D.h., diese Männer werden gleichzeitig pathologisiert.

Ein Großteil der antifeministischen Szene lebt von der Idee, in diesem „femiverseuchten Drecksstaat“ bloß nicht zu heiraten oder gar Kinder zeugen zu wollen. Man wird ja von Frauen ohnehin nur ausgenutzt und abgezockt. Oder so. Na bitte, dann sollen sie es lassen. Es gibt Menschen, deren Gene möchte ich auch nicht weit verstreut wissen.

Das bekannte antifeministische wgvdl-Forum gestaltet sogar auf seiner Homepage „die 3 Stadien eines Mannes“ mit einer Analogie aus dem Tierreich, in der ein brüllender Löwe, der gerade eine Löwin besteigt, sinnbildlich für einen ledigen jungen Mann steht. Einen verheirateten Mann dagegen symbolisiert ein Löwe, der zusammengekauert in einer Ecke hockt, angebrüllt von einer Löwin. Und vom geschiedenen Mann ist letztlich nur noch ein Löwenfell als Bettvorleger übrig. Ja, in dieser Opferrolle gefallen sie sich. Deren Mantra lautet: Ein freies Leben kann man nur führen, so lange man sich nicht unter die Zwänge einer Familie begibt.
Die klassische Ehe wird hier also von Antifeministen auf denkbar höhnische Weise abgewertet. Wem aber verbietet man die Ehe mit genau der Begründung, Ehe zu entwerten? Diesen fanatischen Hasspredigern? Nein. Homosexuellen Paaren, die sich lieben. Finde den Fehler…

Aber ist es angesichts dessen nicht als absoluter Hohn zu betrachten, dass diese Leute heiraten und Familien gründen dürfen, Homosexuelle Paare, die sich nichts sehnlicher wünschen, aber nicht?

Eine ablehnende Haltung zur Familie und Kindern kommt tendenziell nicht von Feministinnen oder Homosexuellen. Das kommt aus einer ganz anderen Richtung.

Diesem Gedankengang in einem Tweet zusammengefasst:

folgte erwartetermaßen eine Flut von klassisch antifeministischen Rechtfertigungen, warum es für Männer so schwer und riskant ist, eine Familie zu gründen. Quintessenz: „Man hat ja als Mann ohnehin keine Chance gegen die Entscheidungsmacht der Frau. Mann ist hier dem Willen der Frau völlig ausgeliefert.“ Natürlich, sich ne Lümmeltüte überzuziehen, ist ja auch zu viel verlangt, nech?

Es wurden auch Dinge eingeschoben, dass man als Mann völlig hilflos daneben steht, wenn ER eine Familie will, aber SIE nicht.
Dass wir eine rechtliche Schieflage ggü liebenden Vätern haben, ist ein ernstes Problem, das aber mit obiger Aussage eigentlich nichts zu tun hat, da es da explizit um Leute geht, die KEINE Familie wollen, und das auch lautstark propagieren. Und da sind entgegen den feindseligen Klischees Feministinnen, Homosexuellen und Transgender-Menschen gegenüber eher Antifeministen eben ziemlich weit vorn. Aber nur Erstgenannten wird so ein Unfug wie „Familienzerstörung“ vorgeworfen. Ein logischer Totalfehlschluss, angesichts der Tatsache, dass gerade die jetzt die #EhefürAlle fordern. Warum sollte man das tun, wenn man Familien zerstören will?

PS. Ja der Titel ist angelehnt an die Äußerung des Vatikans, der da allen Ernstes sagte, die „Öffnung der Homo-Ehe sei eine Niederlage für die Menschheit“

Zitat: „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“

Was für eine menschenverachtende unchristlliche Scheiße. So weit ich verstanden habe, beruhen christliche Prinzipien doch auf dem Grundsatz der Nächstenliebe, oder nicht? Was für eine verfickte Nächstenliebe soll das sein, liebenden Menschen Rechte auf Ehe und Familie abzusprechen, nur weil sie das „falsche“ Geschlecht lieben?! Was übrigens ein derber Verstoß gegen das deutsche Grundgesetz ist, in dem es doch lautet „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“

Weils so schön ist (weniger der Sound, der ist mir zu plastikpoppig, aber der Text triffts einfach), das nochmal:

23 Kommentare zu “Ehe für alle – Niederlage für Familienfeinde

  1. „Es wurden auch Dinge eingeschoben, dass man als Mann völlig hilflos daneben steht, wenn ER eine Familie will, aber SIE nicht.“

    So ganz richtig ist das sicherlich nicht. Natürlich kann ein Mann eine Frau nicht dazu zwingen, ein gemeinsames Kind auszutragen, während sie, wenn sie denn so skrupellos sind, einfach die Pille weglassen könnte. Was natürlich eine ziemlich miese Tour ist.

    Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist es für einem Mann möglich, seine Familienplanung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, und könnte daher seine jetzige Lebenspartnerin durch eine jüngere Frau ersetzen, wenn er es will. Es gibt genug Männer, die selbst ihre Freundin bzw. Frauen so lange hinhalten, bis es zu spät ist.

    • „Auf der anderen Seite ist es für einem Mann möglich, seine Familienplanung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, und könnte daher seine jetzige Lebenspartnerin durch eine jüngere Frau ersetzen, wenn er es will.“

      Weil das auch so einfach ist und die 30jährigen Frauen bei den 50jährigen Männern quasi Schlange stehen.

      „Es gibt genug Männer, die selbst ihre Freundin bzw. Frauen so lange hinhalten, bis es zu spät ist.“

      Wo ist da jetzt der Vorteil? Die hingehaltene Frau könnte den Mann ja genauso auswechseln gegen einen zeugungswilligeren. Oder eben doch mal die Pille „vergessen“. Was wirklich ne miese Nummer ist.

  2. „Weil das auch so einfach ist und die 30jährigen Frauen bei den 50jährigen Männern quasi Schlange stehen.“

    Bei manchen 50-jährigen Männern schon, wenn sie diverse Qualitäten mitbringen.

    „Die hingehaltene Frau könnte den Mann ja genauso auswechseln gegen einen zeugungswilligeren.“

    Genau, weil Männer bei diesen Frauen quasi Schlange stehen und es kaum erwarten können, ihnen die Frucht ihrer Lenden zu schenken, was?

    „Oder eben doch mal die Pille “vergessen”.“

    Schon mal überlegt, dass viele Frauen nicht darauf aus sind, das Vertrauen ihres Mannes zu missbrauchen und heimlich die Pille wegzulassen?

    • „Weil das auch so einfach ist und die 30jährigen Frauen bei den 50jährigen Männern quasi Schlange stehen.“
      Nein. Aber die 38+ Frauen bemerken, dass ein gutsituierter sympathischer 50+ jähriger eine gute Alternative zu einem schlechtsituierten sympathiscen 38+ Mann ist, vor allem wenn man perspektivisch denkt.
      Und die stehen dann bei Onlinebörsen jedenfalls, dann doch an.

  3. Bei manchen 50-jährigen Männern schon, wenn sie diverse Qualitäten mitbringen.

    Welche Qualitäten wären denn das, die Mann da so mitbringen müsste?

    Genau, weil Männer bei diesen Frauen quasi Schlange stehen und es kaum erwarten können, ihnen die Frucht ihrer Lenden zu schenken, was?

    Zugegeben, so dick gestreut sind die nicht. Bei mir lief es allerdings andersrum. Ich hätte mir schon Kinder gewünscht, nur meine Ex wollte eben nicht. Weil Feministin und Kinder einen ja am Karrieremachen und der Selbstverwirklichung hindern und so. War aber nur einer der Gründe. Wenn also bei uns einer gegen Familienplanung war, dann sie.

    Aber während Männer, die keine Kinder haben wollen, ja die fiesen Egoisten sind, die keine Verantwortung übernehmen wollen und die Frauen einfach in ihrem Kinderwunsch hängen lassen, hat meine Ex und jede andere Frau, die keine Kinder haben will, sicher das volle Recht, ihr Leben so zu planen, wie sie es eben für richtig hält. Double Standard, ick hör dir trapsen.

    Schon mal überlegt, dass viele Frauen nicht darauf aus sind, das Vertrauen ihres Mannes zu missbrauchen und heimlich die Pille wegzulassen?

    „Viele“ sind ein bisschen zu wenig, wenn die, mit der ich es zu tun habe, keine Skrupel hat.
    Angenommen es gäbe eine Pille für den Mann. Wieviele Frauen würden sich darauf verlassen, wenn er sagt, er verhütet, sie bräuchte sich nicht drum zu kümmern? So ziemlich jede Frau, mit der ich mich bisher darüber unterhalten habe, hat gesagt, darauf würde sie sich niemals verlassen und natürlich trotzdem selbst verhüten. Warum also sollten Männer nicht das gleiche Recht auf Skepsis haben? Aber Frauen sind ja per se vertrauenswürdig, während man sich auf Männer nie verlassen kann. Ja nee, is klar.

    • „Weil Feministin und Kinder einen ja am Karrieremachen und der Selbstverwirklichung hindern und so. War aber nur einer der Gründe. Wenn also bei uns einer gegen Familienplanung war, dann sie.“

      Hast Du ihr denn in diesem Fall angeboten, deinerseits zu Hause bei den Kindern zu bleiben?

      „Aber während Männer, die keine Kinder haben wollen, ja die fiesen Egoisten sind, die keine Verantwortung übernehmen wollen“

      Sagt wer? Es geht lediglich darum, dass es andauernd „den Frauen“, speziell „den Karrierefrauen“ angelastet wird, dass „die Deutschen“ angeblich aussterben, obwohl Männer sogar deutlich häufiger keinen Kinderwunsch haben als Frauen.

      „Angenommen es gäbe eine Pille für den Mann. Wieviele Frauen würden sich darauf verlassen, wenn er sagt, er verhütet, sie bräuchte sich nicht drum zu kümmern? So ziemlich jede Frau, mit der ich mich bisher darüber unterhalten habe, hat gesagt, darauf würde sie sich niemals verlassen und natürlich trotzdem selbst verhüten. Warum also sollten Männer nicht das gleiche Recht auf Skepsis haben? Aber Frauen sind ja per se vertrauenswürdig, während man sich auf Männer nie verlassen kann. Ja nee, is klar.“

      Was willst Du uns mit diesen Ausführungen nun genau mitteilen? Dass Männer, die keine Kondome benutzen einfach doof sind? Findest Du das nicht ein wenig hart?

    • „Welche Qualitäten wären denn das, die Mann da so mitbringen müsste?“

      Atrraktives Äußeres, interessanter Charakter, Erfolg im Beruf… je nachdem, was frau mag.

      „Wenn also bei uns einer gegen Familienplanung war, dann sie.“

      Sei doch froh, dass du dich in dieser femiverseuchten, männerhassenden Gesellschaft nicht fortpflanzen musstest.

      „Double Standard, ick hör dir trapsen.“

      Ja, Doppelmoral kenne ich. Die spüre ich fast jedesmal, wenn ich jemanden erzähle, dass ich – jetzt 30 Jahre alt – noch kein Kind möchte und gar nicht heiraten will. Damit bin ich mit meinem Freund glücklicherweise absolut konform. Aber wird ER mit blöden Sprüchen, schiefen Blicken und Unverständnus konfrontiert? Nein, nur ich, und mittlerweise ist das richtig lästig. Also hör mir auf auf Double Standards…

      „So ziemlich jede Frau, mit der ich mich bisher darüber unterhalten habe, hat gesagt, darauf würde sie sich niemals verlassen und natürlich trotzdem selbst verhüten.“

      Wenn eine Frau, dessen Partner die Pille für den Mann nimmt, sich dafür entscheiden würde, trotzdem selbst die Pille zu nehmen, um auf Nummer sicher zu gehen, dann ist es ihre Sache. Willst du es ihnen verbieten?

      „Aber Frauen sind ja per se vertrauenswürdig, während man sich auf Männer nie verlassen kann.“

      Jaja, jetzt komm mal wieder runter. Du fühlst schon richtig geil in deinerm Opfer-Status, was? Du mit deinen: „Die Frauen dürfen dies und das… und Männer dürfen hingegen nie… buhuhu….“ Als wäre Dopppelmoral etwas, was nur Männer benachteiligt.

    • Das sind keine rationalen Argumente gegen die Ehe für alle, sondern nur das übliche Geschwätz, das immer kommt.
      „Geschwister!! Biologische Kinder!!“ Hätte nur noch gefehlt, dass er mit Minderjährigen oder Tieren ankommt.
      Nichts davon begründet rational, warum eine Ehe nur heterosexuellen Paaren vorbehalten sein sollte, und nicht auch Homosexuelle heiraten dürfen

    • Das ist eben nicht nur das übliche Dammbruch-Geschwätz. Hast Du das wirklich gelesen? Ich zitiere mal:

      Der Autor Tony Allwright gebraucht das Dammbruchargument – allerdings auf der Grundlage eines weitaus stärkeren Arguments: Die Notwendigkeit eines objektiven Kriteriums für die Qualifikation für einen Ehevertrag. Am Dammbruchargument kann man leicht zweifeln und rütteln – das zweite Argument muss man beantworten können.

      und

      Allwright schreibt zusammengefasst: Wenn Homosexuelle die steuerlichen Vorteile von heterosexuellen Ehepaaren auch nutzen könnten, dann gäbe es keinen objektiven Grund mehr, warum nicht auch andere Arten von Menschen, die zusammenleben, diese Vorteile nutzen können sollten. Der einzige Unterschied zwischen homosexuellen Eheleuten und etwa zwei zusammen lebenden Schwestern wäre der Sex. Und es gibt keinen Grund, warum Sex steuerlich relevant sein sollte.

      Die Frage ist doch: Nach welchem Kriterium soll man eigentlich die Grenzen festlegen, welche Lebensgemeinschaften eine Ehe eingehen und damit steuerlich bevorzugt werden dürfen und welche nicht. Sex? Naja, das kann wirklich kein Kriterium sein. Liebe? Ist auch irgendwie ein schwaches Argument. Da stellt sich eben doch sofort die Frage nach inzestuösen Beziehungen. Und warum nur zwei Menschen, wo sich doch polygame Gemeinschaften doch auch lieben? Ist das dann nicht wieder eine Diskriminierung diesen Gemeinschaften gegenüber?
      Kinder und Tiere hat der Feuerbringer wohl bewusst eben nicht genannt, weil ihm sicher klar ist, dass hier das notwendige Kriterium der Einstimmungsfähigkeit fehlt.

      M.E. kann man das Dilemma nur dadurch lösen, indem man auf die Bereitschaft der Eheleute abzielt, sich auf Dauer gegenseitige Unterstützung zuzusichern und diesbezüglich bestimmte Pflichten zu übernehmen, die Unverheiratete nicht haben.

      Ich habe das beim Feuerbringer auch so kommentiert. Bis vor einigen Jahren galt z.B. für den Fall der Arbeitslosigkeit eines der Partner noch, dass der andere Partner für dessen Unterhalt aufkommen musste. Dies gilt inzwischen auch für unverheiratete Partner, was ganz normale WGs aus einem Mann und einer Frau in Beweisnot brachte, wenn einer der beiden zum Sozialfall wurde. Wenn jetzt allerdings eine Homo-Ehe eingeführt wird, bedeutet das dann auch für unverheiratete homosexuelle Partner eine Unterhaltspflicht? Und was für Beweispflichten kommen auf ganz normale Männer- oder Frauen-WGs zu?

      Nur damit das klar ist, ich habe im Grunde überhaupt nichts gegen eine Homo-Ehe. Die Frage ist nur, welche Rechte sich daraus ableiten, und mit welcher Begründung diese gewährt werden. Vor allem bei der Frage der Fremdadoption habe ich Bauchschmerzen, während ich die Stiefadoption absolut befürworte, also wenn einer der Partner leibliches Elternteil des Kindes aus einer früheren Beziehung ist. Aber Fremdadoption? Stellt Euch mal vor, zwei Pädophile heiraten, obwohl sie gar nicht schwul sind, und adoptieren dann ein wildfremdes Mädchen von irgendwo her. Herzlichen Glückwunsch, ihr toleranten Menschen.

    • @ aranxo

      Aber Fremdadoption? Stellt Euch mal vor, zwei Pädophile heiraten, obwohl sie gar nicht schwul sind, und adoptieren dann ein wildfremdes Mädchen von irgendwo her. Herzlichen Glückwunsch, ihr toleranten Menschen.

      Glückwunsch. Das Ding mit dem pädophilen Mißbrauch durfte ja nicht fehlen.
      Das kann natürlich bei heterosexuellen Paaren überhaupt nie passieren. Weder bei wildfremden adoptierten, geschweige denn, bei leiblichen Kindern. Das kommt nur vor, wenn sich 2 Männer zusammentun und ein Mädchen adoptieren. Weil halt.

    • @ aranxo Der Autor nimmt selbst gar keine eindeutige Position ein und stellt zudem fest „Der Autor scheint die steuerrechtliche Relevanz vor allem durch die gemeinsamen biologischen Kinder begründet zu sehen, die bei einer Ehe häufig involviert sind. Daraus schließt er konsequent, dass auch kinderlose heterosexuelle Ehepaare diese Vorteile nicht genießen dürfen sollten.“

      Und das wäre tatsächlich etwas völlig anderes als die gegenwärtige Situation. Das Kriterium wären dann gemeinsame Kinder, was eine Ehe auch für heterosexuelle Paare ohne Kinder ausschließen würde und insofern gerecht wäre (anders als die gegenwärtige Regelung, die eine Ehe zwischen Mann und Frau auch ohne Kinder zulässt).

      Prinzipiell ist die zivile Ehe wie sie derzeit existiert aber ein standardisierter Vertrag, der Rechte und Pflichten sehr genau festlegt und Nicht-Verwandte mit denen man eine Liebesbeziehung pflegt letzten Endes in den Stand eines engen Verwandten erhebt ohne dafür Kinder vorauszusetzen. Es ist ein Vertrag der gegenseitigen Verantwortlichkeit zwischen den Eheleuten einserseits und den Eheleuten und dem Staat andererseits. Das kann man durchaus beibehalten (finde ich sinnvoll), nur gibt es keine Begründung dafür, diese dann nicht ebenfalls homosexuellen Liebespaaren zu öffnen. Der Staat hätte im Falle sozialer Not eines der Partner sogar deutliche Vorteile im Sinne der gegenseitigen Verantwortichkeit (diesen netten Vorteil hat man sich mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft auch gleich gesichert ohne aber die gleichen Rechte zu geben).

    • Ergänzung „ein standardisierter Vertrag, der Rechte und Pflichten sehr genau festlegt und Nicht-Verwandte mit denen man eine Liebesbeziehung pflegt letzten Endes in den Stand eines engen Verwandten erhebt, genauer gesagt in den rechtlichen Stand eines Verwandten ersten Grades“.

    • „Der einzige Unterschied zwischen homosexuellen Eheleuten und etwa zwei zusammen lebenden Schwestern wäre der Sex.“

      Und? Der einzige Unterschied zwischen einem heterosexuellen Ehepaar und zusammenlebenden Geschwistern (Bruder und Schwester) ist ebenfalls der Sex (diese Konstellation, verwitwete Geschwister leben zusammen, ist gar nicht unüblich). Warum dürfen die denn bitte nicht schon jetzt heiraten, die Ehe zwischen gegengeschlechtlichen Partnern ist doch erlaubt? Merkst Du es? Die Ehe zwischen Geschwistern verbietet hierzulande das bestehende Inzestverbot. Im Kontext von Homosexualität hat diese Argumentation nichts verloren.

      Insofern wäre die einzige höchst wackelige Begründung die Ehe nur für Heterosexuelle zu erhalten, die potentielle Möglichkeit, gemeinsam leibliche Kinder bekommen zu können. Das aber bedeutet, wie der Autor bereits schreibt, man dürfte eine Ehe generell erst ab dem ersten gemeinsamen Kind eingehen. Und der Status adoptierter Kinder wäre dann völlig ungeklärt (da es ja dann nur noch um leibliche Kindschaft gehen kann).

    • @Onyx

      „Das kommt nur vor, wenn sich 2 Männer zusammentun und ein Mädchen adoptieren.“

      Und dann beschweren Antifeministen sich, dass Männer schnell unter Generallverdacht kommen, wenn es um sexuellen Missbrauch an Kinder geht. Aber nein, dass kann man ja dann wieder Feministinnen in die Schuhe schieben. Jawohl!

    • „interessanter Charakter“
      Den möchtest Du nicht als Lebenspartner – wahrscheinlich meinst Du „interessanter Mensch“, im Sinne von: jemand mit Zielen, Interessen und Sinnerfüllung. Das steht aber einem „interessanten Charakter“ diametral entgegen.

  4. Es gibt schon rationale Argumente, nur die wollt ihr nicht hören und bezeichnet sie als „homophob“…

  5. Wenn jemand der Meinung ist, seine anständige Heteroehe/Beziehung würde ausgehöhlt und entwertet werden, wenn gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten können, dann wohl nur, wenn sie, vielleicht auch nur unbewusst, denken, diese Beziehungen seien schlechter und weniger wert. Etwas Wertvolles kann nur durch etwas Minderwertiges entwertet werden.

    Es ist kein Problem, wenn ein Mann seine Frau/Freundin vorstellt, vom Jahrestag erzählt oder von der geplanten Hochzeit, von den gemeinsamen Kindern oder den Wunsch nach Kindern(das ja meistens ohne Sex nicht auskommt, außer, dass Paar muss auf Samenspenden oder Adoptionen zurückgreifen), es ist kein Thema, dass er seine Frau oder Freundin vorstellt, Händchen mit ihr hält, ihr einen Kuss gibt, und Fotos von ihr und/oder den Kindern in der Brieftasche hat oder sich auf den Schreibtisch im Büro stellt.

    Aber wehe, dass macht ein Mann mit seinen Partner oder eine Frau mit ihrer Gefährtin – das ist dann ganz plötzlich total intim und voll privat. Jungs werden gefragt, ob sie eine Freundin haben und Mädchen, ob sie einen Freund haben – ganz selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass der Gegenüber hetero ist, solange er/sie nichts anderes verlauten lässt. Die Gesellschaft ist immer noch stark heteronormativ geprägt – ala: ich hab nichts gegen die, aber muss das denn in der Öffentlichkeit sein – können die das nicht zu Hause machen, etc… Homos dürfen nur ganz privat homosexuell sein und bloß nicht damit die heterosexuelle Mehrheit belästigen, die sich von einer Minderheit erstaunlich bedroht fühlt und meint, ihr würde was weggenommen werden, wenn der schwule Nachbar seinen langjährigen Freund heiratet.

    Es wird immer gejammert, die Homosexuellen wollen alles gleich machen – nein, wollen sie nicht. Die Gleichmacher sind die, die meinen, eine Familie ist nur eine Familie, wenn sie aus Vater, Mutter und Kinder besteht und alles, was davon irgendwie abweicht, das Familiensein abspricht. Alleinerziehende, Kinder, die von Großeltern, Tanten oder Onkels oder älteren Geschwistern erzogen werden oder die im Heim ein glückliches Zuhause finden.

    Und was diese Demo für alle angeht – was sagt sie aus? Wir, das sind alle – ihr seid die Anderen, ihr gehört nicht dazu.

    • Ich stimme Dir im wesentlichen zu. Es ist absoluter Nonsens, wenn man behauptet, eine Hetero-Ehe würde durch die Möglichkeit einer Homo-Ehe entwertet. Da wird ja nun wirklich niemandem etwas weggenommen.

      Ich habe auch überhaupt nichts dagegen, wenn schwule oder lesbische Paare in der Öffentlichkeit Verhalten an den Tag legen, das für Heteros selbstverständlich ist. Klar bin ich da manchmal noch ein wenig irritiert, wenn ich das sehe, aber mir ist auch bewusst, dass ich kein Recht habe, das zu verdammen (das sowieso nicht), oder es mir aus meinem Blickfeld zu wünschen. Es gibt keinen Grund, warum Schwule und Lesben ihr Glück und ihre Liebe nicht wie alle anderen auch in der Öffentlichkeit ausleben dürften.

      Das hat allerdings mit der Homo-Ehe nicht viel zu tun. Da geht es darum, aufgrund welcher Kriterien der Staat bestimmten Lebensgemeinschaften umfangreiche Rechte zugestehen soll und welchen anderen nicht. Bisher war das Kriterium klar, ein Mann, eine Frau, die beiden können theoretisch leibliche Kinder bekommen, deswegen gibt es eine Förderung. Es ist schon klar, dass dieses Kriterium auf wackeligen Füßen steht. Was ist, wenn einer der beiden zeugungsunfähig ist? Warum sollten Frauen über 55 überhaupt noch heiraten dürfen? Aber seis drum, es war eben bisher so.

      Aber welches Kriterium soll zukünftig gelten? Ich habe dazu in dem anderen Kommentar von vorhin einiges gesagt. Ich würde dafür plädieren, dass da, wo Kinder sind, staatlich gefördert wird, und da wo nicht, eben nicht. Oder wo Rechte erhalten werden, auch entsprechende Pflichten verlangt werden können, die eben Unverheirateten nicht auferlegt werden.

  6. „Aber wehe, dass macht ein Mann mit seinen Partner oder eine Frau mit ihrer Gefährtin – das ist dann ganz plötzlich total intim und voll privat.“

    Genau das kotzt mich ja immer an. Wenn es um homosexuellen Beziehungen geht, wird der Gesellschaft die Hand vor den Augen gehalten, als wäre es etwas unanständiges, etwas pornografisches. Deswegen glauben auch viele Leute, dass die Aufklärung der Kinder über homosexuelle Liebe gleichzusetzen ist mit der sexuellen Aufklärung, die ja erst viel später kommt.

    Es gibt Hetero-Paare, die nur aus Berechnung heiraten, während homosexuelle Paare, die sich aufruichtig lieben, die Ehe verwehrt wird. Hauptsache, der äußere Schein wird gewahrt, da hat die bigotte Kirche schon immer gerne mitgemacht. Was eine Heuchelei!

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