#Fettlogik – Die erste Zeit danach

Vor einiger Zeit, nachdem ich Nadjas Buch „Fettlogik überwinden“ gelesen hatte, begann ich sofort danach, meine Ernährung umzustellen. Nicht weil ich auf eine Modelfigur abziele, sondern weil ich etwas für mein Wohlbefinden und meine Gesundheit tun will.

Ich hatte das Gefühl, dass mir dieses Buch eine regelrechte „Erleuchtung“ gab (klingt bescheuert, ich weiß). Alles, was ich bisher abgewunken habe, klang plötzlich so logisch und nachvollziehbar. Ich hab mich in vielen Dingen wiedergefunden und hatte etliche Aha-Effekte. Und direkt am nächsten Tag begann ich konsequent, meine Erkenntnisse umzusetzen. Ich hatte nicht vor, meinen Kalorienkonsum radikal runterzufahren, weil ich mir sicher war, dass ich das nicht schaffe. Ich bin eine Naschkatze und ich genieße für mein Leben gern.
Aber ich begann, mich bewußter mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen. Dazu gehörte in erster Linie erstmal das Ermitteln meines Tagesbedarfes, denn ohne diese Grundlage bleibt alles, was man macht, nur ein Pi x Daumen-Schätzwert, bei dem man sich gern massiv irrt. Als nächstes war für mich eine weitere wichtige Grundlage, mich selbstkritisch zu beobachten, genau darauf zu achten, wann, warum, was, und natürlich wieviel ich esse. Also den Ist-Zustand realistisch festzustellen und mir bewußt zu machen. Und schnell war klar: Vieles, was unnötig und überflüssig ist, passiert aus reiner Gewohnheit. Also hieß es, Gewohnheiten und Bequemlichkeiten zu hinterfragen und abzustellen. Zum Beispiel einfach irgendwas essen, damit man was gegessen hat. Oder leckere Mahlzeiten bis zum letzten Krümel aufzuessen, obwohl man längst satt ist. Oder etwas wegessen, nur um es nicht wegwerfen zu müssen. Oder schnell ne TK-Pizza in den Ofen oder ein Fertiggericht in die Mikrowelle, weil es soviel bequemer ist, als frisches Gemüse zu schnibbeln. Oder abends vor der Glotze nebenbei was knabbern. Oder die berühmte „Nervennahrung“, wenn man gestresst ist. Oder oder oder…

Und so begann ich, bewußt meinen Zucker- und Fettkonsum gezielt zu reduzieren. Das hieß konkret unter anderem:

-Die Kalorienbomben zwischendurch (Chips, Schokolade etc) wurden gestrichen
-Kräuterbutter, Sahne, etc womit ich immer gern Gemüse und Soßen verfeinert habe, wurden gestrichen und durch frische Kräuter ersetzt
-Wenns was Süßes sein muß, dann fettarmer Joghurt oder Obst
-Salatdressing wird nur noch selbst gemacht – ohne Öl
-Öl wurde überhaupt auf ein Minimum reduziert
-Frisches Gemüse steht auf dem täglichen Plan
-Regelmäßiger Sport ebenso
-Und so einfach wie genial: aufhören zu essen, wenn ich satt bin

Das klingt nach großem Verzicht und Spaßfreiheit. Spaßfreiheit ist es nicht. Verzicht ist es, wenn man gern schlemmt. Und das ist alles tatsächlich nicht immer ganz einfach. Leute, die sagen, es sei überhaupt kein Problem, mal eben abzunehmen, unterschätzen die Macht des Appetits und aller kulinarischen Versuchungen, die uns ständig begegnen. Leicht ist es auf gar keinen Fall. Denn auch wenn man ein System kapiert hat, ist es nicht immer so einfach, von alten, bequemen, leckeren Gewohnheiten wegzukommen. Aber keiner hat gesagt, dass das Leben leicht ist, oder? Allerdings gibt es viele leckere und gesunde Alternativen, die einem den Weg etwas ebnen.

Ich habs durchgezogen. Erstmal 2 Wochen lang. Ich war guten Mutes, dass sich inzwischen ein Erfolg einstellen müßte.

Und was hat sich in der Zeit getan? Genau gar nichts. Dabei heißt es doch immer, gerade in der ersten Zeit verändert sich der Körper besonders schnell. Eines Morgens war mal 1 kg runter, aber das war am nächsten Tag wieder drauf, also konnte das kein Fett gewesen sein. Ich las von etlichen anderen begeisterten Lesern des Buches, wie erfolgreich sie mittlerweile bei ihren Plänen sind, nur bei mir sollte das nicht funktionieren? Ich war mega-frustriert, war schon kurz davor, wieder aufzugeben. Ich dachte, ich bin einfach zu blöd und undiszipiliniert und habe irgendwelche versteckten Kalorienfallen nicht gecheckt.

Das einzige, was mich in ersten Tagen aufrecht gehalten hat, war die Gewissheit, dass ich meinem Körper was Gutes tue, auch wenn noch kein sichtbarer Erfolg zu verzeichnen war. Die Erkenntnis, dass es eigentlich nur eine simple mathematische und physikalische Logik ist, dass man Fett verliert, wenn man weniger isst, als man verbraucht, hat mich einfach motiviert.

Ich habe Anfangs wirklich jeden Bissen notiert, aber nach einer Weile haben sich bestimmte Lieblingsmahlzeiten herauskristallisiert, die ich gerne immer wiederholt habe, und deren Kalorienzahlen (bzw WW-Punkte) ich einfach irgendwann wußte und daher auch im Kopf hatte, wieviel noch in den Tagesplan passt. Wurde also langsam nachlässig mit dem Zählen, war mir aber immer sicher, dass ich nicht mehr esse, als in den ersten Tagen, als ich noch penibel drauf geachtet habe. Ich war sicher, dass die o.g. Veränderungen, wenn ich sie nur konsequent durchhalte doch reichen müßten, ohne diese lästige Zählerei. Ja, ich bin noch immer kein Freund des Kalorien-Zählens. Ich finde es nach wie vor umständlich und lästig. Aber ich hielt mich für diszipliniert genug, um abschätzen zu können, dass das, was ich zu mir nehme, unter meinem Tagesbedarf liegen muß. Und ich kam damit erstaunlich gut aus. Wenn ich an die vielen – mir jetzt bewußten – „ach hätte ich jetzt Lust auf…, aber ich hab eigentlich keinen Hunger. Ich lasse es“- Momente denke, in denen ich früher schwach geworden bin, wird mir klar, wieviel unnötiges Zeug ich in mich reingefuttert habe, ohne nachzudenken. Das habe ich abgestellt und ich staunte selbst über meine Disziplin und war unheimlich stolz drauf.

Und dennoch sind die erhofften Erfolge ausgeblieben. Ich dachte immer wieder: „Wie zur Hölle kann DAS sein? Ich esse weniger und anders, einfach viel bewußter als früher, ich treibe Sport. Wie kann es sein, dass sich das nicht bemerkbar macht?“ Ich begann also wieder, mich intensiv selbst zu beobachten und checkte irgendwann: Es sind die Nächte. Wenn ich abends lange wachliege oder nachts wach werde, bekomme ich oft Appetit. Und geistesabwesend wie ich dann bin, realisiere ich nicht so bewußt wie am Tag, ob der Snack jetzt wirklich sein muß oder nicht, sondern tapse einfach in die Küche. Früher gab es dann spontan Schokolade. Die habe ich jetzt nicht mehr im Haus, aber dafür Joghurt oder Käse. 1 Scheibe hier, ein Becherchen da. Es sind keine Fressorgien, bei denen ich mal eben 500 oder mehr kcal zusätzlich in mich reinfuttere, aber es sind eben die gern vergessenen Kleinigkeiten, die man unter den Tisch fallen lässt. „Ach komm, die eine Scheibe Käse, die kann es doch nicht ausmachen“. Mein Kaloriendefizit war also schlicht nicht so groß wie ich dachte, um nach so kurzer Zeit schon spürbar zu werden.

Es tat sehr gut, zu erkennen, welche Fehler ich trotz aller Erkenntnisse immer noch mache. Klingt paradox, aber es ist einfach so, dass sich fiese kleine Gewohnheiten am leichtesten überwinden lassen, wenn man selbst drauf kommt.

Dessen nun bewußt hab ich einfach noch genauer darauf geachtet, was und wieviel davon ich esse. Begann wieder meine Mahlzeiten etwas gewissenhafter zu verschriftlichen, damit ich einen besseren Überblick habe.

Die für mich erstaunlichste Erkenntnis aus dieser Zeit war mein Durchhaltevermögen, das ich wesentlich geringer eingeschätzt habe. In meiner Twitterbio steht, ich bin ein Schokojunkie. Nun bin ich auf kalten Entzug gegangen und stelle überrascht fest, dass ich sehr gut auf Schokolade verzichten kann, ohne etwas zu vermissen. Beim Einkaufen braucht es etwas Disziplin, an den Regalen vorbeizulaufen. Aber es geht. Und ich habe Möglichkeiten für mich entdeckt, um Appetitattacken, die natürlich nicht von einem auf den nächsten Tag weg sind, nicht nachzugeben. Ablenkung ist zB immer eine Möglichkeit. Oder schlicht mehr trinken. Und wenns nur stilles Wasser ist. Auch das dämpft mein Verlangen.

Ich beherzige also meine mir selbst aufgestellten Regeln und komme damit besser zurecht, als ich es je gedacht hätte.

Und meine stolze Bilanz nach nun mittlerweile 1 Monat: etwa 3,5 kg runter. 😀

„Etwa“, weil ich keine supergenaue Digitalwaage habe, sondern eine ganz altmodische, die mir meine Mutter geschenkt hat (die mich genau wie mein Vater übrigens großartig unterstützt und ermutigt

3,5 kg sind nicht viel, aber ich merke, dass ich auf einem guten und gesunden Weg bin. Das regelmäßige Laufen macht mittlerweile Spaß, was anfangs noch eine Überwindung war. Meine Kondition ist längst noch nicht an dem Punkt, dass ich mich eine Sportskanone nennen könnte, aber hey, jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, oder? Und ich weiß jetzt, dass ich die nötige Disziplin aufbringen kann. Denn ich weiß, wofür ich es tue. Für mich, mein Wohlbefinden und meine Gesundheit.

7 Kommentare zu “#Fettlogik – Die erste Zeit danach

  1. Habe es zwar nie genauer überprüft, aber angeblich sind Digitalwaagen nicht selten sogar ungenauer als die altmodischen Dinger. Sie erzeugen nur die Illusion von Genauigkeit, in dem sie „moderner“ wirken. Die Nachkommastellen lassen es eindeutig aussehen, in Wirklichkeit kann es aber sogar Abweichungen im Kilobereich geben. Die elektirischen Widerstände welche genutzt werden verändern sich eben nicht nur durch Druck, was kurzfristig und langfristig zu Fehlangaben führen könnte.

  2. Digitalwaagen kannst du vergessen, was die Genauigkeit angeht! Ich hab jetzt die Dritte und auch auf sie muss ich ca. 7 mal rauf treten, bis sich ein Gewicht „stabilisiert“ – immer am selben Ort, versteht sich. Auch die Kommentare auf Amazon zeigen deutlich, dass dieses Dilemma ALLEN Digitalwaagen eigen ist!

    Danke für den Bericht! Mir ging es so, dass ich in den ersten 2 Wochen mit genauem Aufschreiben durchaus Gewicht verlor – als ich dann ins Schätzen überging, verlangsamte sich das bzw, hörte auch mal ganz auf. Das liegt daran, dass ich von meinen „optimierten Mahlzeiten“ (nix Pizza, Pasta, Brötchen, Stückchen…) durchaus MEHR esse, also näher dran bin am Tagesbedarf als zu Beginn.
    Alles in allem hab ich so in vier Wochen vier Kilo verloren – und stagniere momentan so ein bisschen, weil ich mehr esse. Macht aber nichts, da ich nicht zunehme und sowieso finde, dass 4 Kilo/Monat eine ganze Menge sind. Schließlich soll die Haut mitgehen und gesünder esse ich auf jeden Fall!

    • @ ClaudiaBerlin

      Macht aber nichts, da ich nicht zunehme und sowieso finde, dass 4 Kilo/Monat eine ganze Menge sind. Schließlich soll die Haut mitgehen und gesünder esse ich auf jeden Fall!

      Ja, ich auch. Und ich weiß auch nicht, wie ich dazu komme, meine -3,5 kg als wenig zu betrachten. Liegt wohl an meiner Macke, mich selbst mit wesentlich kritischeren Augen zu betrachten. Ist doch ganz ordentlich. Und ich bin hochmotiviert, genauso weiterzumachen. Diese Motivation ist übrigens auch ein hervorragender Appetitdämpfer, stelle ich immer öfter fest. Ich WILL einfach gar nicht mehr so viel essen.

  3. Wenn ich einen Tipp geben darf: Geh nicht nur laufen. Ausdauersport verbrennt nicht viel Kalorien. Mach einen Tag Krafttraining, am nächsten Tag geh laufen. Das Krafttraining verbrennt erst mal nicht so viel, wie das Lauftraining. Allerdings gibt es hier einen Nachbrenneffekt, der 2 bis 3 Tage lang anhält, dadurch hast du in summe wesentlich mehr Kalorien verbrannt. Läufst du dazu noch in dieser Nachbrennphase, wird es richtig gut. Ausserdem steigt so der Grundumsatz schneller an.

    Falls du Krafttraining anfängst, mach am besten Körpergewichtsübungen. Sind natürlicher und die Isolierst nicht einen Muskel wie beim Hanteltraining. Was wiederum den Kalorienverbrauch erhöht.

  4. Nächster Zwischenstand nach ca 7 Wochen: -5 kg. Meinen Gürtel kann ich mittlerweile ein Loch enger schnallen.

    An manchen Tagen nehme ich nicht viel mehr als 500 kcal zu mir, weil nicht nur der Hunger, sondern auch der Appetit fehlt. Ich dachte erst, „scheiße, wenn du jetzt nicht mal was richtiges isst, haust du dir heute Abend alles rein.“ Ist aber nicht so. Einfach kaum Bedarf nach großen Mahlzeiten. Dafür Wasser bei jeder Gelegenheit

    Fühle ich im Moment aber alles andere als fit und wohl. Das Wetter schlägt mir auf den Kreislauf und ich fühle mich eher schwerfällig, als würde ich 10 kg mehr mit mir rumschleppen. Schmerzende geschwollene Füße, Kopfschmerzen, allgemeine Müdigkeit. An Sport ist grad nicht zu denken… meh.

    Aber ich bleib dran. Es ist ein guter Weg.

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