Der #Pflegestreik. Mein Alltag und meine Lieblingstweets

Der #Pflegestreik auf Twitter hat mich in den letzten Tagen massiv berührt und die vielen Tweets dazu sind hauptsächlich in zwei große Aussagen unterteilt. Erstens das inhaltliche Problem des Pflegenotstandes und die Betonung der großen Verantwortung und der harten Arbeit, die wir Pflegekräfte jeden Tag leisten. Und zweitens die Ignoranz, die alle großen Medien dazu an den Tag legen. Der Pflegestreik scheint einfach kein Thema zu sein, mit dem man sich auseinandersetzen will. Keine Berichterstattung in den Nachrichten, bis auf wenige Ausnahmen auf einigen Seiten und persönlichen Artikel auf diversen Blogs kaum Artikel in Online-Medien. In den großen Medien wie der Zeit, Welt, FAZ, TAZ etc oder im TV kein Wort dazu. Im Gegensatz zu den Streiks bei der Deutschen Bahn, der Post, den Piloten oder in Kitas hat der Pflegestreik keine Relevanz. Berichtet wird nur über Skandale und Skandälchen, wenn in irgendeinem Krankenhaus oder Pflegeheim was dramatisches passiert ist und man sich über unmögliche Zustände beklagt. Die Ursachen dafür sind aber keine Beachtung wert. Darüber gibt es auf Twitter die berechtigte Empörung.

Und eins meiner Lieblingsstatements von mir dazu:

Wann reagieren die Medien endlich darauf? Und vor allem, wann reagiert die Politik? Wenns mal wieder Todesfälle gibt aufgrund mangelnder Hygiene, Unterernährung oder Gewalt? Oder wenn mal wieder irgendein Jürgen seinen Teller fotografiert und auf einmal alle empört so tun, als sei das was neues und besonderes?

Mein Wunsch wäre es, dass Menschen, die so gar keine Ahnung vom Berufsbild haben, mal direkt involviert werden und sich mal ein paar Dienste lang anschauen, wie der Alltag aussieht.

Mein Alltag einer Frühschicht sieht in Kurzfassung etwa so aus:

6.00 bin auf der Station, ziehe mich um, trinke einen Kaffee. Der offizielle Dienstbeginn ist erst eine halbe Stunde später, aber diese halbe Stunde mit meinem Kaffee wird für die nächsten Stunden die einzige Pause sein, in der ich mal in Ruhe länger als 5 Minuten sitzen kann.

Dann werden Medikamente für die Bewohner vorbereitet. Tabletten gemörsert, Tropfen gestellt, Spritzen aufgezogen. Für 37 demenzkranke Menschen

Oft klingeln dann schon die Ersten, weil sie mal müssen, oder sie stehen alleine auf und gehen orientierungslos umher, obwohl sie stark sturzgefährdet sind und eigentlich bei jedem Gang begleitet werden müssen.

Dann gehts in die Grundpflege. Erstmal die Bettlägerigen schnell umlagern.
Auf die Klingel gehen. „Was gibts? Sie wollen aufstehen? Ok, ich komme gleich zu Ihnen.“
Wunden versorgen.
Bewohner waschen, anziehen. In die Rollstühle setzen.
Infusionen anlegen.
Blutdruck und Zuckerwerte messen.
Auf die Klingel gehen. „Was gibts? Sie haben Hunger? Ja, es gibt jetzt Frühstück“
Essen reichen. Das heißt meistens Milchsuppe und passiertes Essen, das sich nicht wesentlich von dem unterscheidet, was oben genannter „Jürgen“ gepostet hat.
Medikamente verabreichen, oft in Pudding vermischt, weil viele das bittere Zeug wieder ausspucken und in Panik geraten weil sie glauben, dass man sie vergiften will.
Auf die Klingel gehen. „Was gibts? Ach so, nur ein Versehen, Sie haben nur mit den Knöpfen gespielt, ok“
Zimmer aufräumen, Betten beziehen.
Bürokram
Medikamente für die Folgeschicht stellen.
Zwischendurch Toilettengänge, Inko-Wechsel, lagern, Zwischenmahlzeiten und Getränke reichen. Für ein nettes Wort oder allgemein etwas Zuwendung muß man sich nebenbei Zeit nehmen. Für 37 demenzkranke Menschen, die alle die gleichen Ansprüche haben. Wenn ich Glück habe, sind ehrenamtliche Mitarbeiter oder Alltagsbegleiter im Dienst, die sich Zeit dafür nehmen.

Manchmal läuft das reibungslos, ohne das ich zwischendurch noch ständig ans Telefon muß oder ein Notfall kommt.

Was immer wieder dazwischenkommt:

Stürze und andere Unfälle
Arztvisiten
Neuaufnahmen
Angehörige mit einem Anliegen
Sterbefälle
Unruhezustände unter den Bewohnern, die sich oft wie ein Schneeballsystem ausbreiten.

All das ist nicht mehr zu schaffen, sobald sich jemand krank meldet. Dann beschränkt sich die Pflege auf das nötigste, wie Wundversorgung, Medikamentengabe, Inko-Wechsel und Essen reichen. Betten frisch machen? Haut der Bewohner eincremen? Duschen oder Haare waschen? Undenkbar. Manchmal muß ich bestimmte Arbeit auf Kollegen übertragen, was ich sehr ungern mache, da die selbst mit ihren Aufgaben genug zu tun haben. Aber wenn ein Notfall eintritt, muß der für mich Priorität haben. Außerdem muß ich die Pflegedokumentationen täglich auf dem aktuellen Stand halten, mit Ärzten kommunizieren, wenn sich am Gesundheitszustand, am Wohlbefinden oder am Verhalten der Bewohner etwas ändert, was wir ohne eine ärztliche Verordnung nicht beeinflussen können. Außerdem kann jeden Tag eine Kontrolle vor der Tür stehen und wehe, dann ist irgendwas nicht dokumentiert oder es fehlt eine Unterschrift, dann ist der Teufel los.

Jeder Mitarbeiter auf der Station ist je nach Besetzung für 7-10 Bewohner zuständig. Das klingt erstmal nicht viel, wenn man weiß, dass es da auch ganz andere Zahlen gibt, wo auf eine Pflegekraft schon mal 10 – 15 Bewohner oder Patienten kommen. Rein rechnerisch hat man bei 7 Bewohnern für jeden Einzelnen in seinem Dienst 60 Minuten Zeit. Für Waschen, Pflege, Toilette, medizinische Behandlung, Prophylaxen, Lagerung, Essen, Zuwendung, Beschäftigung. 60 Minuten. Von 7 Stunden. Das heißt, in den restlichen 6 Stunden kann er nur darauf hoffen, dass Angehörige ihn mal besuchen oder sich jemand anders um ihn kümmert. Und das ist nur der Frühdienst. In den anderen Diensten sieht es noch düsterer aus, da im Spät- und erst recht im Nachtdienst noch weniger Personal da ist.

Nach dem derzeitigen Katalog zu den Pflegestufen hat ein Mensch mit Pflegestufe 3 am Tag Anspruch auf 5 Stunden Hilfe bei der Grundpflege, also Körperpflege, Toilette, Essen und Kleiden. Bei den Pflegestufen 1 und 2 sind es 90 Minuten bzw 3 Stunden. Medizinische Versorgung oder Demenzbetreuung ist dabei gar nicht berücksichtigt. Wenn man bedenkt, dass ein demenzkranker Mensch wesentlich mehr Hilfe und Betreuung braucht als ein geistig Gesunder, muß man nicht als Fachkundiger tief im Thema drin sein, um zu verstehen, dass diese Rechnung mit dem derzeitigen Personalschlüssel niemals aufgehen kann.

Was wir also brauchen, ist ein strukturelles Umdenken, was uns Pflege wert ist, sowie eine rigorose Pflegestufenreform, bei der das Thema Demenz stärker berücksichtigt wird. Wenn Pflege menschenwürdig sein soll. Denn irgendwann wird es uns alle betreffen.

24 Kommentare zu “Der #Pflegestreik. Mein Alltag und meine Lieblingstweets

  1. Ich bin seit knapp einem Jahr eine ausgebildete Pflegehilfskraft, hab also die einjährige Ausbildung in der Altenpflege gemacht. Eigentlich war es mein Ziel, zu examinieren, aber momentan bin ich an einem Punkt, wo ich ernsthaft überlege, es sein zu lassen. Ich bin zur Zeit einfach erschöpft, und jetzt, an meinem freiem Wochenende, kann ich mich auch nicht entspannen, weil jederzeit damit rechne, einen Anruf zu erhalten mit der Frage ob ich einspringen kann. Von 10 freien Tagen im letzten Monat ist mir die Hälfte gestrichen worden. Das ist psychischer Druck und auf Dauer bestimmt alles andere als gesund. Ich glaube momentan,. dass ich den Beruf höchstens noch zehn Jahre ausüben und mir dann was anderes suchen werden. Dabei mag ich den Beruf in der Pflege eigentlich sehr, sehr gerne, sonst hätte ich ihn nicht ergriffen.

    Auf unserem Wohnbereich aber herrscht momentan Chaos und Stress, weil Kollegen Urlaub haben oder krank geschrieben sind. Ich fühle mich wirklich wie am Fließband und unter Strom. Ich kann mich nicht für zehn Minuten zu einer depressiven Bewohnerin setzen und mich mit ihr unterhalten, obwohl genau das ihr so oft gut tut, weil häufig einfach die Zeit fehlt. Ich würde auch gerne häufiger die Bewohner duschen, aber eigentlich reicht es immer nur für eine Ganzwaschung. Es ist ein fieses Gefühl, den alten Menschen nicht gerecht zu werden. Sie sitzen alle am Tisch im Tagesraum und warten nur darauf, wann es wieder Essenszeit gibt, damit sie was zu tun haben. Auch schlimm ist diese ganze Bürokratie, die Dokumentation nimmt sehr oft mehr Zeit in Anspruch als die Pflege an sich. Das ist menschenunwürdig!

    Ich verstehe auch nicht, warum der aktuelle Pflegestreik so totgeschwiegen wird, während sich alle über die Streiks bei den Lokführern, den Erziehern und bei der Post den Mund zereißen. Dabei geht es bei uns Pflegekräfte um viel mehr als um das Gehalt. Denn: Jeder Mensch ist ein potenzieller Pflegefall. Aber die Menschen da oben, die die Macht machen, etwas zu verändern, sind so gut versichert, dass sie einen Pflegenotstand gar nicht merken würden, würden sie irgendwann zu Pflegefälle werden.

  2. Gerade hat mich eine Kollegin angerufen und mich gefragt, ob ich heute für einen halben Spätdienst einspringen kann, da sich eine Kollegin für heute krank gemeldet hat. Ist ja nicht so, als ob ich es nicht geahnt hätte….

    • Was du beschreibt, kennen wir alle zur Genüge. Es ist Alltag. Zum Einspringen werde ich weniger genötigt, weil ich als Vollzeitkraft ohnehin schon jeden Tag da bin. Gefragt werde ich nur, wenn wirklich gar nichts mehr geht, und dann ist die Entscheidung aber um so schwerer, weil ich natürlich genau weiß, wie es ist, wenn man auf die Hilfsbereitschaft der Kollegen angewiesen ist, weil auch keine Hilfe von Zeitarbeitsfirmen mehr bestellt wird, weil die zu teuer sind.

      Deine Überlegungen zur Ausbildung kann ich nachvollziehen, fänds aber super, wenn du es trotzdem machen würdest. Man muß sich nur bewußt machen, welche Verantwortung man dann trägt, weil man dann andere (= mehr) Aufgaben hat.

      Mir fällt auf, dass der Pflegestreik, wenn überhaupt, nur in kleinen Lokalblättern, wie hier oder hier thematisiert wird. In den großen Medien findet man dazu nach wie vor nichts. Der erste und bisher einzige Beitrag dazu im TV kam im Morgenmagazin, nicht etwa zur Primetime in den Abendnachrichten. Zum Bahnstreik gab es sogar extra eingeschobene Sondersendungen

      Warum ist das Thema Pflege so uninteressant, solange man nicht selbst betroffen ist? Der Bedarf kann schneller und plötzlicher kommen als es sich so mancher vorstellen kann.

    • Natürlich möchte ich mich auf der einen Seite gerne beruflich weiterbilden und mehr Verantwortung übernehmen, und ich möchte auch gerne Behandlungspflege machen. Aber auf der anderen Seite frage ich mich, ob es sich überhaupt lohnt, wenn ich jetzt schon überlege, in einigen Jahren das Handtuch zu werfen und mich andersweitig umzusehen. Momentan sieht es einfach nur so aus, als ob es immer schlimmer wird in der Pflege. Und wenn ich haufenweise Schreibkram machen wollte, wie es examinierte Pflegekräfte immer häufiger tun müssen, dann hätte ich wie mein Freund auch ein Bürojob suchen können. Er ist zwar nur Quereinsteiger in diesem Job (eigentlich ist er gelernter Handwerker), verdient aber netto an die 40 Prozent mehr als ich, hat an allen Wochenenden sowie Feiertage frei und eine Klimanlage in der Nähe seinen Schreibtisches.

      Was mir auch aufgefallen ist, dass es durch den Pflegenotstand häufig Konflikte zwischen Seniorenheimen und den Krankenhäusern gibt. Wenn ein Bewohner einige Zeit im Krankenhaus war und er wiederkommt, sind wir von der PDL aus dazu verpflichtet, diesen Bewohner möglich zeitnah am ganzen Körper nach möglichen Wunggeschwüren zu untersuchen, weil offensichtlich den Krankenpflegern für eine gewissenhafte Dekubitus-Prophylaxe die Zeit fehlt. Erst neulich kam Bewohner, der wegen einer Operation im Krankenhaus war, mit einem Debuitus Grad 2 am Steißbein wieder. Und letzten Monat ist an einem Vormittag eine langjährige Bewohnerin während eines Krankenhauseaufenhaltes verstorben, aber erst abends, kurz vor Ende der Spätschicht, sind wir darüber telefonisch in Kenntnis gesetzt worden. Das ist viel zu spät in Anbetracht dessen, dass wir sowas wie eine zweite Familie für die Bewonherin waren. Das wäre bestimmt nicht passiert, wären auch die Krankenhäuser besser belegt und organisiert.

  3. Ein Bahnstreik ist in den Medien präsenter, weil er mehr Leute direkt betrifft. Das mag man unfair finden, allerdings ist die Priorisierung von Nachrichten insgesamt sehr subjektiv. Deswegen also von einer Verschwörung oder einem „Medienboykott“ auszugehen halte ich für Verblendung.

    • allerdings ist die Priorisierung von Nachrichten insgesamt sehr subjektiv

      Dann zeig mal irgendein bundesweit verbreitetes Medium, dass von dem Thema bislang überhaupt Notiz genommen hat (außer dem Morgenmagazin mit seinen 5 Minütchen)

      Die Ignoranz ist kein subjektives Empfinden. Sie ist Tatsache.

    • Ich glaube du hast mich falsch verstanden. Ich meine, dass die Frage, wie wichtig eine Nachricht ist und wie viel Aufmerksamkeit sie demenstprechend in den Medien bekommen sollte, subjektiv ist. Für einen Autofahrer ist der Bahnstreik deutlich uninteressanter als für einen Bahnpendler.
      Der Begriff Medienboykott beinhaltet außerdem einen Vorsatz, so als würden Journalisten absichtlich dieses Thema verschweigen, um euch bewusst zu schaden.

    • Warum es bewußt verschwiegen wird, ist ja die große Frage. Dass es aber verschwiegen wird, ist klar. An „wußten wir nix von“ kann es ja nicht liegen. „Kein Interesse“ wäre eine armselige Begründung und eine Schande.

  4. Ich pflege seit vielen Jahren (eigentlich seit meiner Jugendzeit) Angehörige mit und habe riesengroße Hochachtung für Menschen, die das beruflich machen. Gleichzeitig ist mir überhaupt gar nicht klar, wie man das überhaupt schaffen kann, 20 und mehr Menschen gleichzeitig zu pflegen. Wir brauchen für 1 bis 2 Menschen schon 3 Leute und 2 Springer für die Rundumpflege und die Leute waren alle nur gegen Ende zu bettlägrig (allerdings teils schwer dement). Insofern ist mir völlig klar, dass man eine menschenwürdige Pflege mit den Schlüsseln in den Pflegeheimen gar nicht schaffen KANN. Geht einfach nicht. Der Fehler liegt im System, das ist glasklar. Und mein Eindruck ist doch ganz schwer, dass sehr viele Menschen die Tatsache, dass sie im Alter wahrscheinlich Pflege brauchen werden ebenso verdrängen wie das Thema Tod und sie sich deswegen lieber nicht mit dem thema Pflegenotstand auseinandersetzen.

  5. Nachtrag: Wer beantwortet in einem Pflegeheim einem schwer dementen Menschen 200 x am Tag die Frage „Wo bin ich?“ „Wie geht es bloß weiter?“ Vermutlich keiner. Geht einfach nicht. Im Prinzip müsste der Pflegeschlüssel 1 zu 3 sein oder besser noch 1 zu 2. Und im Idealfall 1 zu 1. Wir haben teils 2 zu 1 und kommen trotzdem teilweise an die Grenzen, aber gut, wir haben keine wirkliche Ausbildung.

    • Wer beantwortet in einem Pflegeheim einem schwer dementen Menschen 200 x am Tag die Frage “Wo bin ich?” “Wie geht es bloß weiter?”

      Wir 🙂 Und wir haben nicht nur einen, der 200x am Tag die gleiche Frage stellt. Man entwickelt mit der Zeit eine gute Portion Galgenhumor, um gelassen zu bleiben und jedesmal mit der gleichen Freundlichkeit zu antworten.

  6. Die Menschen, die direkt unter dem Mangel an Pflegepersonal leiden, haben keine Lobby hinter sich stehen, die sich für sie einsetzt. Und da es hier um Menschenleben geht, kann man nicht einfach sagen: „So, wir legen jetzt alle die Arbeit nieder, damit die endlich mal merken, was los ist!“

    Meine Schwägerin ist Altenpflegerin – was die mir das schon für Storys erzählt hat…

    Als ich im Rahmen meiner Ausbildung 5 Wochen im betreuten Wohnen für Senioren gearbeitet habe, ist mir ganz flau geworden, wie wenig Zeit wirklich bleibt, um sich menschlich um die Leute zu kümmern, das Personal war froh, mich zu haben, denn dadurch haben viele ältere Leute doch mal ein bisschen mehr persönliche Zuwendung bekommen können.

    Aber das sehen Viele einfach nicht – und das wird sich furchtbar bitter rächen und dann ist das Gejaule los

  7. Ich hab den bis heute nicht. Aber hier hat das Heim mit externem Pflegepersonal wahrscheinlich Vorteile, denn bei Angehörigen macht das echt rasend. Habt ihr echt die Zeit, so Fragen 200 x zu beantworten und das bei 30 Bewohnern? V. a. reicht hier eine kurze Antwort nicht aus, es muss immer alles 10 Minuten erklärt werden. Gibt ihr wohl Sicherheit.

    • Habt ihr echt die Zeit, so Fragen 200 x zu beantworten

      Kommt auf die Fragen an, die die Leute haben. Manche kommen alle 2 Minuten an, weil sie ihre Zimmernummer vergessen haben, wann es Mittagessen gibt oder wo die Toilette ist. Andere kommen alle 2 Minuten an, weil sie Angst haben oder ihre Eltern vermissen. Denen muß man natürlich anders begegnen.

  8. Es geht mit der Pflege bergab und in 20-25 Jahren, wenn die Baby-Boomer pflegebedürftig werden, bricht der Damm völlig.

    Diese Generation weiß das und rechnet nicht damit gepflegt zu werden. Insofern geht dann nicht plötzlich ein „Gejaule“ los, man ist es sich bereits jetzt bewusst.

    Und die jüngere Generation weiß es zwar noch nicht sicher, aber bei Blick auf die Geburtenraten ist klar, dass es noch weiter bergab geht.

    Ich (22) rechne weder mit Rente noch mit Pflege und ich glaube auch nicht, dass ein Umdenken die Lage ändert.

    • @ Daniel, ich weiß nicht, ob man das so pessimistisch sehen kann. Warum denkst Du, dass ein Umdenken, also z. B. die Erhöhung des Pfelgeschlüssels, die Lage nicht ändern kann?

    • Auch wenn der Pflegeschlüssel erhöht wird, muß es erstmal genug Leute geben, die es machen können und wollen.

    • Wenn ein sogenanntes Umdenken stattfindet und ergo die Regierung oder die Nachfrageseite des Marktes viel Geld in die Hand nimmt, lässt sich für die nächsten 20 Jahre sicher viel machen. Ist ja auch ein selbstverstärkender Kreislauf: Weil sowenig Personal angestellt ist, wird der Job noch stressiger und ermüdend und somit unattraktiver, wodurch das Angebot an Pflegekräften weiter sinkt (allein schon durch Burnout)

      Was ich damit meine, dass sich die Lage nicht ändert ist eben, dass der Damm brechen wird und kein Geld der Welt, selbst wenn vorhanden, mehr Pflegekräfte herbeischaffen würde, da diese schlicht nicht nicht geboren wurden. Das ist so ähnlich wie aktuell in manchen Teilen der Industrie. Firmen bieten den Gewinn des gesamten Projektes als Gehalt, denoch findet sich niemand der es macht, weil niemand da ist, der es kann.

      Und die Baby Boomer Generation ist sich dessen sehr bewusst, z.B. im Bekanntenkreis meiner Eltern ist das ein großes Problem und letzlich resignieren sie. Diese Resignation sehe ich mit als Grund, warum das Thema „Pflegestreik“ von dieser Generation (die ja auch in den Entscheidergremien der Medienhäuser sitzt und auch so sehr präsent ist (allein durch die schiere Anzahl an Personen)) als irrelevant eingestuft wird.

    • @Daniel

      „…dass der Damm brechen wird und kein Geld der Welt, selbst wenn vorhanden, mehr Pflegekräfte herbeischaffen würde, da diese schlicht nicht nicht geboren wurden. “

      Das ist allerdings sehr problematisch, wenn man bedenkt, dass der Mensch immer älter wird. Es heisst, dass im Jahr 2050 jeder dritte Mensch über 65 Jahre alt sein wird. Das ist in der Tat erschreckend.

      „Wenn ein sogenanntes Umdenken stattfindet und ergo die Regierung oder die Nachfrageseite des Marktes viel Geld in die Hand nimmt, lässt sich für die nächsten 20 Jahre sicher viel machen.“

      Das wäre ja schon mal ein Anfang, aber ich glaube, bis endlich mal was passiert, wird es (fast) zu spät sein. Ich bin da zugegebenermaßen nicht so optimistisch wie alle anderen, die „charité“ sind. Und das Hauptproblem sehe ich darin, dass Pflegekräfte nicht in dem Ausmaß streiken können wie andere Berufsgruppen, die ihre Arbeit einfach liegen lasen können. Bei uns hängen Menschenleben davon ab, und das ist eben die Zwickmühle.

    • @ Daniel So gemein das klingt: Für reiche Staaten wie Deutschland nun mal einer ist, sehe ich da kein so großes Problem. Schon jetzt ist ja ein nicht unerheblicher Teil der Pfleger aus Osteuropa und teilwlweise auch Asien. Wenn man den Pflegeschlüssel erhöhen würde (und besser bezahlen) sowie die Einwanderungsbedingungen in diesen Fällen verbessern, hätten wir, da bin ich recht sicher, keinerlei Mangel an Pflegern mehr. Problematisch allerdings ist es für deren Herkunftsländer. In Polen herrscht mittlerweile nicht mehr nur Ärztemangel sondern offenbar auch Pflegekraftmangel.

  9. Mich würde mal interssieren, wie das so ist: Wenn sich jemand krank meldet, kommt gar kein Ersatz? Habe ich das oben richtig gelesen? Niemand springt ein? Und wenn sich zwei oder drei krankmelden?

    Da traut man sich wahrscheinlich gar nicht mehr krank zu sein.

    • Kommt drauf an. Wenn der Ausfall rechtzeitig gemeldet wird, kann Ersatz noch irgendwie organisiert werden. Kommt er sehr spontan, oder mehrere gleichzeitig, muß man improvisieren.

  10. Mal wieder ein paar ausgewählte Tweets:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s