pflegen kann JEDER – sagen DIE DA OBEN

Der Beitrag vom Pflegewecker ist zu wertvoll und zu gut, um ihn „nur“ zu retweeten. Er nimmt sauber und fundiert das Pseudoargument „Pflegen kann doch jeder“ auseinander und deckt auf, auf welchen Ebenen diese Aussage so unglaublich herabsetzend ist. Fazit: Extrem lesenswert.

pflegewecker

.“pflegen kann JEDER“ –

ist ein Satz, der professionell Pflegenden, die es auch nur andenken aufrecht zu gehen, kurz nochmal einen Schlag auf den Kopf versetzt um sie an das Weiterkrabbeln zu erinnern. Es ist ein Satz, der das letzte nicht mehr vorhandene Selbstbewusstsein einer/s Pflegenden zerstört. Ein Satz, der das Selbstbewusstsein der Profession Pflege sowie deren Legitimation in der Gesellschaft erschüttert. Ein Satz, der sich auf Niveau der BILD-Zeitung durch seine Omnipräsenz subliminal mit der Wahrnehmung der Bevölkerung verwächst, die Meinungsbildung der Gesellschaft infiltriert und das Zusammenleben von professionell Pflegenden und dem „Rest der Gesellschaft“ somit nachhaltig prägt.

Aber es sagt doch keiner „pflegen kann JEDER“?!

Nein, das stimmt. Und das ist ja das Gemeine daran: Keiner traut sich das direkt auszusprechen. Es wird lieber in konkreten Forderungen verpackt, von denen ich ein paar wenige zitieren möchte:

2006/07: Rita Kühn (Diakonie Westfalen) sagt „[d]ie Pflege sei der nächste logische…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.554 weitere Wörter

15 Kommentare zu “pflegen kann JEDER – sagen DIE DA OBEN

  1. Wenn doch jeder pflegen kann und diese Aufgabe nur aus „Windeln wechseln“ und „füttern“ besteht, warum wird diese Aufgabe dann von den Angehörigen so oft in professionelle Hände gegeben? Aha!

    • Es ist kompletter Unsinn, dass das jeder kann. Wir haben Angehörigenkurse gemacht, trotzdem ist das ein himmelweiter Unterschied zu den Profis. Allerdings haben wir halt mehr Zeit und einen besseren Schlüssel.

    • „Wenn doch jeder pflegen kann und diese Aufgabe nur aus “Windeln wechseln” und “füttern” besteht, warum wird diese Aufgabe dann von den Angehörigen so oft in professionelle Hände gegeben?“
      Das Argument geht leider daneben. Putzen ist auch keine große Kunst, trotzdem geben es viele in professionelle Hände (keine Zeit, keine Lust etc.).

    • Putzen ist auch keine große Kunst, trotzdem geben es viele in professionelle Hände (keine Zeit, keine Lust etc.).

      Es mag ein kleiner, für dich unbedeutender Unterschied sein. Aber beim Pflegen geht es auch um Menschenleben.

  2. „Putzen ist auch keine große Kunst, trotzdem geben es viele in professionelle Hände“

    Dem würde ich widersprechen. Unsere Putzfrau putzt 3 x schneller und effektiver als ich. Und obwohl mein bester Ehemann von allen nochmal wesentlich besser putzt als ich, ist sie auch deutlich schneller als er, ebenso schneller als meine putzwütige Freundin, bei der sie auch putzt. Inofern wird die Überlegung eher sein, wie auch bei anderen Dienstleistungen: „Warum soll ich stundenlang putzen, wenn ein anderer es schneller und besser kann?“

    Und richtig Windeln wechseln bei einem erwachsenen IST eine Kunst. Das ist etwas völlig anderes als bei einem Baby, schon von Gewicht und Körpergröße her, aber auch der Bewegungsfähigkeit (die Babybeine sind enorm biegsam und beweglich, ein alter Mensch dagegen meist sehr steif und bewegungsunfähig). Ich habe zwei Kurse gemacht (Angehörigenpflege) und dennoch ist es was völlig anderes, ob ich das mache oder ein Profi. Geht schneller, ist für den Geflegten weniger mühsam, sitzt besser.

    • „Unsere Putzfrau putzt 3 x schneller und effektiver als ich.“
      Dass Profis effizienter sind, ist wohl bei so ziemlich jeder Tätigkeit so und wurde auch nirgends bestritten. Trotzdem ist es halt einfach keine Tätigkeit, für die man eine Ausbildung geschweige denn ein Studium absolvieren müsste, sondern kann von so gut wie jedem vernünftig durchgeführt werden.
      Das Argument war, dass nicht jeder Pflegen könne, weil diese Aufgabe ja sonst nicht so oft in professionelle Hände gegeben würde. Und diese Schlussfolgerung ist einfach nicht richtig, weil sich dies genauso gut durch andere Gründe wie mangelnde Zeit oder Motivation erklären lässt. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beruf mit Menschenleben zu tun hat, onyx.
      Und fussel, ein Gehalt für eine Beschäftigung bekommt man generell nur, wenn man diese auch ausübt. Dass du dir Herz-OPs locker zutraust, ist zwar schön, stellt aber leider keinen Grund für eine Gehaltserhöhung dar.
      Außerdem finde ich die pauschale Schuldzuweisung an die Politik falsch. Es ist ja nicht so, dass die eure Forderungen ablehnen, weil sie euch nicht leiden können. Vielmehr müssten diese doch wohl mit einer Erhöhung der Beträge zur Pflegeversicherung kompensiert werden, was also gerade diejenigen bezahlen dürften, die man in dieser Legislaturperiode aufgrund der kalten Progression eigentlich entlasten wollte. Im Grunde müsst ihr also weniger gegen „die da oben“ ankämpfen als vielmehr eure „Mitarbeitnehmer“ davon überzeugen, dass ihr diese Erhöhung verdient habt.
      Und mich persönlich beeindrucken logische Argumente eher als Theorien über eine „Medienverschwörung“, pauschales Politikbasching etc. So, und jetzt geh ich erstmal in Deckung.

    • @ Vinzenz

      Dass Profis effizienter sind, ist wohl bei so ziemlich jeder Tätigkeit so und wurde auch nirgends bestritten. Trotzdem ist es halt einfach keine Tätigkeit, für die man eine Ausbildung geschweige denn ein Studium absolvieren müsste, sondern kann von so gut wie jedem vernünftig durchgeführt werden.

      Das ist bei der Pflege aber nun mal anders.

      Das Argument war, dass nicht jeder Pflegen könne, weil diese Aufgabe ja sonst nicht so oft in professionelle Hände gegeben würde. Und diese Schlussfolgerung ist einfach nicht richtig, weil sich dies genauso gut durch andere Gründe wie mangelnde Zeit oder Motivation erklären lässt. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beruf mit Menschenleben zu tun hat, onyx.

      Doch, natürlich. Es ist doch ein Unterschied, ob man einfach keine Lust oder keine Zeit zum putzen hat, oder die Verantwortung für ein Menschenleben nicht mehr allein tragen kann. Keine Zeit/Lust zum pflegen geht übrigens direkt einher mit Verantwortung, schon mal daran gedacht? „Ich kann und will das nicht tun, aber der Mensch soll dennoch so gut wie möglich leben können“ ist auch eine Entscheidung, die man nicht mal eben zwischen Tür und Angel trifft.
      Man merkt, dass du noch nie eine solche Verantwortung tragen mußtest. Und ich weiß auch nicht, was der Vergleich zum putzen soll. Das einzige, was die beiden Tätigkeiten gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass man dabei nicht reich wird.

    • @ Vinzenz Warum siehst Du bei der Pflege denn keine Notwendigkeit zur Ausbildung? Einmal die Person falsch gedreht und entweder der Gepflegte oder der Pflegende hat eine durchaus ernstzunehmende Verletzung. Das falsche Medikament oder auf die falsche Art und Weise genommen kann schwerwiegende Folgen haben. Es ist ein Beruf mit hoher Verantwortung. Da benötigt man selbstverständich eine Ausbildung über richtige Pflegetechniken, Krankheiten, Medikation, Verabreichung, versch. Alterserscheinungen, Umgang mit Menschen mit Demenz … Verantwortung bedeutet normalerweise auch höhere Bezahlung. Trotzdem werden selbst die Affenpfleger im Zoo besser bezahlt (Begründung: deren hohe Verantwortung).

    • onyx, du willst also sagen, dass es niemanden (oder zumindest nur eine vernachlässigbar kleine Gruppe von Leuten) gibt, die ihre Angehörigen zwar pflegen könnten, es aber aus Zeit-, Motivations- oder auch anderen Gründen nicht selbst tun?

      „[…] ist auch eine Entscheidung, die man nicht mal eben zwischen Tür und Angel trifft.“
      Hab ich das irgendwo geschrieben?

      „Man merkt, dass du noch nie eine solche Verantwortung tragen mußtest.“
      Und außerdem hab ich keine Ahnung von nix. Super Argument…

    • onyx, du willst also sagen, …

      Was ich gesagt habe, ist, dass die Entscheidung, ob man einen Angehörigen selbst pflegt oder die Pflege in professionelle Hände abgibt, nie leicht ist. Ob da nun „nur“ Zeit- oder Lustmangel, oder mangelnde Fähigkeiten der Grund sind. Nicht mehr und nicht weniger.

      Und außerdem hab ich keine Ahnung von nix. Super Argument…

      Das hast du gesagt. Mach hier nicht einen auf Opfer und leg mir keine Worte in den Mund. Aber wenn du eine hochverantwortliche Tätigkeit wie Pflege von Menschen mit Putzen als „keine Kunst“ auf eine Stufe stellst, mußt du dir schon sagen lassen, dass du zumindest von diesem Thema wenig Ahnung hast.

    • „Warum siehst Du bei der Pflege denn keine Notwendigkeit zur Ausbildung?“
      Das habe ich nie gesagt. Dieser Satz bezog sich eindeutig auf Putzen, Margret.

      „Was ich gesagt habe, ist, dass die Entscheidung, ob man einen Angehörigen selbst pflegt oder die Pflege in professionelle Hände abgibt, nie leicht ist.“
      Das ist schön, onyx, hat aber leider überhaupt nichts mit dem zu tun, was ich geschrieben habe. Wenn du mir widersprechen willst – und das wolltest du doch mit deinem Post von 19. Juli – dann beziehe dich bitte auf meinen Punkt. Anders macht es wenig Sinn.

      „Aber wenn du eine hochverantwortliche Tätigkeit wie Pflege von Menschen mit Putzen als “keine Kunst” auf eine Stufe stellst […]“
      Ich habe gesagt, dass allein aus der Tatsache, dass viele Menschen eine Tätigkeit in andere Hände geben, nicht folgt, dass diese schwierig sein muss. Und damit ist das gesamte Argument von stephibas schlicht und ergreifend Unsinn. Ich weiss nicht, wie ich das noch irgendwie anders formulieren soll. Beim Putzen ist dieser Zusammenhang offensichtlicher, daher habe ich dies als Beispiel gewählt, und nur darauf bezieht sich mein Vergleich.

    • @ Vinzenz

      Deine ursprüngliche Aussage, die ich beanstandet habe, war: „Putzen ist auch keine große Kunst“, als Antwort auf Stephis Aussage, dass viele Menschen die Pflege ihrer Angehörigen abgeben. Was genau wolltest du denn mit „auch“ sagen?

    • „Was genau wolltest du denn mit “auch” sagen?“
      Dass diese Tätigkeit ebenso häufig ausgelagert wird, ohne dass sie eine besonders hohe Qualifikation erfordert.

    • Und genau das ist falsch und unlogisch. Pflege wird in professionelle Hände gegeben, DAMIT sie kompetent und qualifiziert ausgeübt wird.

  3. Nicht nur, dass es beim Pflegen um Menschenleben geht – es wird viel Fachwissen im medizinischen und sozialpädagogischen Bereich gefordert, dass man lernen und intus haben muss, damit man es immer sofort abrufen und anwenden kann und da ist es gut, dass es dafür Fachpersonal gibt

    Wenn es jetzt noch anständig geschätzt und entlohnt werden würde…

    Ich bin auch gebildet und hab einen IQ im Hochbegabtenbereich – dass ich keine Herz-OPs mache, liegt aber weder an zu wenig Zeit, noch an zu wenig Lust, sondern schlicht daran, dass ich keine Herzchirugin bin 😉

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