#NotfallKrankenhaus? Und wieso redet keiner mit uns?

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich zu Maybrit Illner-Sendung am vergangenen Donnerstag was schreiben soll. Einerseits wurde schon auf Twitter alles gesagt, was zu sagen war, zB

Und last, but not least, ein spontaner Comic dazu von @erzählmirnix

Andererseits hat mich die Ignoranz seitens des ZDF noch Tage danach tierisch genervt, so dass mich das Thema doch nicht losgelassen hat. Darum freut es mich umso mehr, dass es bereits ein Statement auf „Junge Pflege“ gibt, dem ich mich hiermit einfach mal anschließe.

Wer sich die Sendung noch mal in Gänze antun will, kann dies hier tun

7 Kommentare zu “#NotfallKrankenhaus? Und wieso redet keiner mit uns?

  1. „Wir sprechen nicht über die Pflege, sondern über die Patienten.“

    Ja genau, wie kann denn bitteschön davon ausgehen, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat (*Ironie off*). Ernsthaft, dieser Satz strotzt nur von Ignoranz und Arroganz.

    • „Ja, Pflege ist voll wichtig und so, aber wenn wir über die Patienten reden, wollen wir von der Pflege nichts hören, darum laden wir niemanden ein. Wir reden lieber über Hygienegesetze und darüber, dass man lieber nicht in ein Krankenhaus muß, weil man sich da Keime holt. Was sollen Pflegende da schon zu sagen haben?“

      So ungefähr sah es wahrscheinlich in den Köpfen der ZDF-Redaktion aus.

  2. Mal ganz ehrlich:
    Dass der Pflegevertreter nicht eingeladen wurde, zeigt doch, wie wenig durchschlagskräftig der DBfK ist. Pflege hierzulande ist vor allem unterbezahlt! und was nix kostet, ist auch nix wert! BZW so denken die Großkopferten!

    Seit Jahrzehnten sind die Pflegekräfte der Wurmfortsatz bei den Tarifverhandlungen, das hat vor allem damit zu tun, dass Verdi sich einen feuchten Kehricht um den Pflegesektor schert. Bei den Ärzten war es doch genauso, bis sich der Marburger Bund bei Verdi verabschiedet hat und eigene Tarifverhandlungen durchgeführt hat (bei denen es gerade in den ersten Tarifrunden auch stark um die Arbeitsbedingungen ging).
    Es ist doch nicht verwunderlich, dass Cockpit nie zu Verdi ging, UFO und die Lokführer ausstiegen und zuletzt die Krankenhausärzte.
    Bei der Sitution der Pflegenden in D wird sich erst was ändern, wenn massiv Druck ausgeübt wird. Das geht nur über Tarifverhandlungen und Streik.
    Und wenn irgendwer glaubt, dass Verdi irgendwann mal was für die Pflegenden tun wird, der glaubt vermutlich noch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen.
    Der DBfK oder sonstwer sollte mal sein Herz in beide Hände nehmen, sich beim Marburger Bund erkundigen, wie man sowas macht, und dann bei Verdi aussteigen.
    Und dann rumpelts erst mal….
    Mike

    • Dass der Pflegevertreter nicht eingeladen wurde, zeigt doch, wie wenig durchschlagskräftig der DBfK ist.

      Der Pflegevertreter wurde nicht nur nicht eingeladen, sondern explizit wieder ausgeladen. Den Grund dafür hab ich bis heute nicht verstanden. Die Ansage von Illner dazu: „es gehe um Patienten und nicht um Pflege. Deshalb seien Vertreter der Pflege nicht eingeladen“ war ja mehr als nur dürftig. Andreas Westerfellhaus selbst sagt dazu in einem Interview folgendes:

      Die ZDF-Moderatorin Maybrit Illner ist mit dem Thema ihrer Talkshow-Ausgabe „Notfall Krankenhaus – Wie gut sind unsere Kliniken?“ vom 5. November ins Kreuzfeuer des Pflegepersonals geraten. Obwohl Pflege eines der Hauptthemen der Sendung war, ist ein Vertreter dieser Berufsgruppe nicht eingeladen – und der ursprünglich als Gast geplante Präsident des Deutschen Pflegerates kurzfristig sogar wieder ausgeladen worden. Das Gesundheitsportal Saluway.de befragt dazu Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates:

      Maybrit Illner hat Sie – als Vertreter der Pflege – wieder ausgeladen. Ärgert Sie das?

      Andreas Westerfellhaus: Die Redaktion hat über Wochen immer wieder bei mir angerufen und Zitate freigeben lassen bis hin zu einer festen Zusage. Acht oder neun Tage vorher habe ich die Absage bekommen. Das halte ich deshalb für schwierig, weil sich ein Eindruck verfestigt: Das Thema Pflege wird zwar bedeutsamer, aber wenn über das Thema Pflege gesprochen wird, wird kein Pflegeexperte dazu befragt. Andere – wie der geladene Bundesärztekammerpräsident Montgomery oder Bundesgesundheitsminister Gröhe können sich aber zu dem Thema Pflege nur mit einem anderen Blickwinkel äußern. Viele reden über Pflege sowie Pflegerinnen und Pfleger, die Pflege-Vertreter werden aber ignoriert. Die Moderatorin meinte dazu in der Sendung, es gehe um Patienten und nicht um Pflege. Deshalb seien Vertreter der Pflege nicht eingeladen. Pflege ist aber kein Selbstzweck, eben da geht es um Patienten.
      Durch den aus Solidarität entstandenen Shitstorm und die öffentliche Empörung ist das Thema nun unbeabsichtigt prominent platziert. Eins wurde jedenfalls deutlich: bei einem solch wichtigen Thema ist es nicht zielführend, die Pflegevertreter außen vor zu lassen.

      Was hätten Sie zum Thema Pflege ergänzen können?

      Andreas Westerfellhaus: Das Kernproblem ist, dass Ende 1990 bis etwa 2007 massiv Pflegepersonal abgebaut worden ist. Wir haben europaweit den schlechtesten Pflegeschlüssel. Ohne Pflege im Krankenhaus geht es aber nicht. Wir bräuchten viel mehr Personal, massive Investitionen in Bildung und die Prozesse sowie Rahmenbedingungen, unter denen Personal arbeitet, müssten geändert werden.
      Minister Gröhe sprach in der Sendung von zusätzlichen 500 Millionen Euro. Dies ist auch auf den verstärkten politischen Druck der Pflege zurückzuführen, so dass die Politik handeln musste. Das Geld ist ein guter Schritt, aber zunächst ein Tropfen auf den heißen Stein. Ab 2017 können wir davon 12 000 Stellen aufbauen. Um auf den Stand von 2007 zu kommen, müssten wir 50 000 Stellen aufbauen. In Zeiten von mehr Kranken und Multimorbidität wären sogar 100 000 neue Stellen notwendig. Das ist in der Sendung gar nicht zur Sprache gekommen. Die Frage ist außerdem: Wie kann man garantieren, dass das Geld auch bei der Pflege ankommt?
      Das Problem ist nicht nur das Geld. Wir finden keinen Ersatz, weil unter diesen Bedingungen niemand arbeiten möchte. Meine Berufsgruppe sagt: „Ich kann nicht mehr. Ich stehe am Rande meiner Belastbarkeit. Ich gefährde täglich Patienten – und das bei vollem Bewusstsein.“ Menschen kündigen. Aber je mehr gehen, desto mehr Arbeit müssen die anderen mitmachen. Auf das Pflegepersonal stürzt alles ein. Da passt das Bild mit den tausend Händen. In der Mitte ist das Chaos. Von strukturierter Arbeit kann nicht gesprochen werden.
      Dazu kommen Dinge, die nicht planbar sind. Die aktuelle Flüchtlingskrise stellt uns vor neue Herausforderungen: Viele drängen mit erheblichen Verletzungen und traumatischen Schäden in die Krankenhäuser. Die müssen natürlich versorgt werden.

      Wie hat Ihnen der Auftritt von Frank Ulrich Montgomery gefallen, der mit den Worten „Ich schlüpfe mal in die Rolle eines Pflegevertreters, es ist ja keiner da“ Ihre Berufsgruppe vertreten hat?

      Andreas Westerfellhaus: Ich begrüße, dass Herr Montgomery ausdrücklich auf das Defizit hingewiesen hat, dass kein Vertreter der Pflege eingeladen wurde. Natürlich kann sich ein Vertreter der Bundesärztekammer nicht in der Weise äußern wie ein Vertreter der Pflege. Wir sind in den Krankenhäusern in der Pflege in einer erheblichen Abwärtsspirale. Die Patientensicherheit wird auf Dauer gefährdet. Ich hätte hier klare Worte gefunden. Bei dem Thema „Notfall Krankenhaus“ gehört ein Vertreter der Pflege an den Tisch.

    • Der Grund, warum jemand wie Westerfellhaus ausgeladen wird, hat NIEMAND verstanden. Einen trifftigen Grund dafür konnte das ZDF nicht liefern, klar, es gibt ja auch gar keinen. Letzendlich haben sie sich nur lächerlich und unglaubwürdig gemacht, einen Pflegeexperten aus dieser wichtigen Diskussion auszuschließen. Und das ist ein Tritt in die Weichteile für alle Patienten, Pflegekräfte und all jene, die über den Personalmangel in dieser Branche aufklären wollen.

  3. Was ich dich noch fragen wollte: Ich bekomme oft zu hören, dass Privat-Patienten weniger vom Personalmangel im KH mitbekommen als Kassenpatienten, weil sie viel besser versorgt werden. Inwiefern stimmt das?

    • Das sollte jemand, der im KH arbeitet, besser beantworten können. Nach meiner Erfahrung stimmt das. Manche Ärzte (nicht alle) arbeiten deutlich spürbar nach dem 2-Klassen-Prinzip, auch wenn sie das natürlich immer abstreiten. Ich habe selbst mehrfach erlebt, dass Hausbesuche bei Privatpatienten anders bearbeitet werden, als von Kassenpatienten.

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