Die Anderen.

Muschimieze hat die Silvesternacht in Köln und die Folgen darauf in paar sehr lesenswerte Zeilen gepackt

MUSCHIMIEZE

Männlichkeitskultur. So nennen sie es, „das Fremde“, das sich langsam, aber unausweichlich, auf völlig überfüllten Booten über das Mittelmeer in unser schönes Deutschland einschleppt und sich nun in unsere Gesellschaft zu fressen scheint, wie eine plötzliche Krankheit oder ein lästiger Parasit.

Die Silvesternacht in Köln sitzt dem gegenwärtigen Diskurs in den Knochen. Eine junge Frau, unter dem Pseudonym „Anja Meier“, rekonstruiert bei „Hart aber fair“ die Ereignisse der Nacht: Sie war eine jener Frauen, die von einer großen Gruppe Männer umzingelt, angefasst und anzüglich beschimpft, ausgelacht und bedrängt worden ist. Es gehen Anzeigen wegen Diebstahl, Körperverletzung und Vergewaltigung ein. Die Bilanz einer beschämenden Nacht: Mehr als 650 Anzeigen meldete die Kölner Staatsanwaltschaft bezüglich jener Übergriffe, die die Boulevardpresse medienwirksam als „Schande von Köln“ oder besonders reißerisch als „Sex-Mob“ bezeichnete. Dass das, was da in dieser Nacht in Köln passiert ist, nichts mit „Sex“ zu tun hat, sondern, wie bei jeder…

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68 Kommentare zu “Die Anderen.

  1. Also wieder das übliche:

    Der böse weisse Mann ist letztlich schuld 🙂

    Und weiter gehts in der Zwischenzeit mit der Vergewaltigung von Frauen und sogar Kindern durch sog. Flüchtlinge.

    Alles Einzelfälle natürlich.

    Das ist Terror, nichts weiter. Wer hat diese Verbrecher hier reingelassen.

    Das sind keine Flüchtlinge. Echte Flüchtlinge wären froh und dankbar und das Letzte was denen einfallen würde: Einheimische Frauen zu belästigen.

    Merkel und ihre linksgruenen Helfershelfer haben es geschafft Deutschland innerhalb von 6 Monaten in einen Slum zu verwandeln.

    Danke Frau Merkel

    • Der böse weisse Mann ist letztlich schuld

      Ich weiß nicht, wo du das herausgelesen haben willst. Allein dieser eine Satz beweist, dass du den ganzen Beitrag überhaupt nicht verstanden hast. Vielleicht liest du ihn einfach noch mal und versuchst zu erkennen, dass dort nirgends eine Schuld auf Männer geschoben wird, sondern auf ein Rechtssystem, in dem derartige Übergriffe (eben auch von „Weißen“!) weitgehend straffrei bleiben, weil schlicht die rechtliche Grundlage für Verurteilungen fehlt.

      Und nur als Tipp. Diesen Rassismus, Flüchtlinge mal eben alle als Verbrecher zu bezeichnen, dulde ich hier nicht.

  2. Ich geb auch mal wieder meinen Senf dazu 🙂
    1. Der Begriff „weitgehend Straffrei“ für sexuelle Vergehen, die nicht durch den § 177 StGB abgedeckt werden, ist schon ein bissle kess. Das OLG Karlsruhe hat bereits den Versuch (sic!) der Berührung von weiblichen Genitalien als Beleidigung gewertet hat und 6 Monate verhängt (Az – 1 Ss 13/02 – , 6. 06. 2002) Die Unterstellung, dass z.B. die überfallartige absichtliche Grabscherei strafrechtlich nicht belangt wird, schlicht inkorrekt. (wird so in dem Spiegelartikel unterstellt, auf den Muschimieze sich bezieht.) Sie wird nur nicht von Amts wegen verfolgt, sondern auf Antrag.
    2. Ich halte den Strafrahmen vor allem für die „tätliche Beleidigung“ für zu gering. man sollte ihn nach oben anheben, gerade um derartige Fälle besser ahnden zu können. (Bzw siehe Pt 4)
    3. Wenn ein paar Hanseln eine Frau einkesseln und sie dann sexuell berühnren, dann gehört das imho sehr wohl zur „sexuellen Nötigung“ (Denn es wurde die hilflose Lage objektiv herbeigeführt und Gewalt angewendet) = 2 Jahre Mindeststrafe wg Gruppe.
    4. Es wäre sinnvoll, einen Straftatsbestand des „Sexuellen Übergriffes“ einzuführen, als Zwischenglied zwischen der „Beleidigung“ und der „Sexuellen Nötigung“.

    Aber wie heisst es so schön: beim Gericht gibts ein Urteil, nicht notwendigerweise Gerechtigkeit. (Wobei: wenn man einer Frau in das Höschen langt, dann wird das bereits als sexuelle Nötigung gesehen. Siehe den Fall im Schwimmbad Ramersdorf)

    Ich finde es auch intressant, dass die nunmehr angedachten Strafrechtsverschärfungen die Verbrechen nur teilweise abdecken, aufgrund derer sie nun eingeführt werden. Erinnert mich an diverse Waffenrechtsverschärfungen, wo die Waffen verboten wurden, die gar nicht bei den entsprechenden Verbrechen verwendet wurden…
    Wir müssen was tun… am besten verschärfen wir irgendwas….
    Das ist mal wieder mit viel blindem Aktionismus gestrickt. Man kommt sich vor wie in Absurdistan.
    Anstelle dass man einfach mal den Rechtsrahmen ausschöpft.

    Das Problem liegt darin, dass diese Arschkrampen glauben, dass sie damit durchkommen. Woanders kommen sie anscheinend damit durch…Z.B. ist in Ägypten anscheinend sexuelle Belästigung buchstäblich an der Tagesordnung. (Soviel zum Thema „Verschleierung“, ihr Vollpfosten vom Muslimstern oder was auch immer). Dieser Zahn muss (!!!) ihnen schnellstens gezogen werden, auch um die Mehrzahl der Flüchtlinge zu schützen, die sich gesetzestreu verhalten.
    Ein Kernproblem ist hierbei, dass die Polizei beim Personal in den letzten Jahren systematisch kaputtgespart wurde.

    • @ Mike

      1. Der Begriff “weitgehend Straffrei” für sexuelle Vergehen, die nicht durch den § 177 StGB abgedeckt werden, ist schon ein bissle kess. Das OLG Karlsruhe hat bereits den Versuch (sic!) der Berührung von weiblichen Genitalien als Beleidigung gewertet hat und 6 Monate verhängt (Az – 1 Ss 13/02 – , 6. 06. 2002) Die Unterstellung, dass z.B. die überfallartige absichtliche Grabscherei strafrechtlich nicht belangt wird, schlicht inkorrekt.

      Eben. Warum nur „Beleidigung“, wenn überhaupt? Mir fällt dabei immer der Fall aus Graz ein, wo einer Frau an den Hintern gegrabscht wurde und das darauf folgende Verfahren mit der Begründung, „es sei keine sexuelle Belästigung, weil es keine geschlechtliche Handlung sei“, eingestellt wurde. Zitat damals:
      „Eine geschlechtliche Handlung an einer Person nimmt vor, wer diese (sei es über der Kleidung) intensiv im Bereich des Geschlechtsorgans oder der (weiblichen) Brust (vom Opfer sinnfällig als Eingriff in die sexuelle Integrität empfunden und vom Ausprägungsstadium unabhängig) berührt oder wer sein Geschlechtsteil derart mit dem Körper des Opfers kontaktiert. Der immer wieder kolportierte seitliche Griff an die Gesäßbacke einer Person fällt jedenfalls nicht darunter.[…] „Der Hintern ist kein Geschlechtsorgan, daher liegt der Tatbestand der sexuellen Belästigung hier nicht vor.“ Das Fassen auf den Po sei allenfalls eine Anstandsverletzung, für die die Polizei als Verwaltungsstrafbehörde eine Strafe verhängen könne.“

      Ich habe in dem Artikel begründet, warum ich das für absolut falsch und unlogisch halte.

      4. Es wäre sinnvoll, einen Straftatsbestand des “Sexuellen Übergriffes” einzuführen, als Zwischenglied zwischen der “Beleidigung” und der “Sexuellen Nötigung”.

      Da bin ich ganz bei dir.

      Dieser Zahn muss (!!!) ihnen schnellstens gezogen werden, auch um die Mehrzahl der Flüchtlinge zu schützen, die sich gesetzestreu verhalten.

      Auch da stimme ich dir zu. Wobei der Schutz in erster Linie natürlich den Betroffenen gelten muß.

    • Meine Güte, die Ösis mal wieder *Augenverdreh*
      Natürlich ist die Begründung blödsinnig!

      Hierzulande in Germanistan 🙂 wird eben bislang alles unterhalb der Schwelle „Sexuelle Nötigung“ unter „Beleidigung“ subsummiert. (Bewusstes Hintergrabschen wäre hierzulande übrigens Tätliche Beleidigung, Bis zu zwei Jahre oder Geldstrafe) Imho ist diese Zusammenfassung unbefriedigend.

      Und natürlich muss gerade den Betroffenen Personen geholfen werden, das ist implizit 🙂 (Das sollte man nicht eigens betonen müssen, oder….)

      Aber die Reaktionen der SJWs auf die Ereignisse in Köln waren die moralische Bankrotterklärung. Opfer deswegen angehen und angreifen, weil sie die Ereignisse aus ihrer Sicht beschrieben haben…
      http://www.swr.de/landesschau-rp/nach-silvester-uebergriffen-in-koeln-online-hetze-gegen-selina/-/id=122144/did=16735818/nid=122144/1w1qteu/index.html
      Oder die Aussage von Augstein…

      Da zweifelt man echt an seinem Verstand oder das ist blos ein Fehler in der Matrix, in der wir leben…

      LG
      Mike

    • Meine Güte, die Ösis mal wieder

      Ja genau. Unsere direkten Nachbarn. Mitten im modernen aufgeklärten Mitteleuropa.

      Und natürlich muss gerade den Betroffenen Personen geholfen werden, das ist implizit 🙂 (Das sollte man nicht eigens betonen müssen, oder….)

      Ganz offensichtlich muß man das.

    • @ Onyx
      Ich lebe im Freistaat Bayern…
      jenseits von Freilassing beginnt der Balkan 🙂
      Aber ich bin in der Hinsicht voreingenommen!

      Nix für ungut
      Mike

    • @ Mike Zu 1. und 2.) Nein, das stimmt nicht. Jegliche „überfallsartige“ und darum also gewaltfreie sexuelle Handlung ist juristisch äußerst schwer zu belangen, da einer Nötigung Gewalt, Drohung mit Gewalt oder die juristisch sehr eng gefasste Ausnutzung einer schutzlosen Lage zugrunde liegen muss. Man kann sich mühsam einen Straftatbestand über die Beleidigung zurechtbasteln, aber die ist auch nur dann gegeben, wenn der Täter auch eine ehrverletzende Absicht mit seiner Handlung verbunden hat und die Person in ihrer Würde herabsetzen wollte. Das aber lässt sich schwer nachweisen, wenn er beispielsweise bahauptet, es hätte schlicht „nicht widerstehen“ können. Ähnlich verhält es sich mit „Spannerfotos“. Das bloße Anfertigen solcher Fotos im öffentlichen Raum ist letzten Endes nicht strafbar (Unter den Rock, in den Ausschnitt fotografieren z. B.)

    • @ Gleichheitunddifferenz
      Ich habe ja schon ausgeführt, dass das heraufbeschworene sexuelle Armagheddon nicht real ist Aber ich halte die gegenwärtige Rechtslage im Bereich der Sexuellen Belästigung unterhalb der Sexuellen Nötigung für unbefriedigend.

      Unter anderem auch deswegen, weil im Arbeitsrecht viel stärkere Sanktionen wg sexueller Belästigung möglich sind wie im Strafrecht. Hier besteht ein echter Wiederspruch. man macht etwas, was strafrechtlich (noch) nicht strafbar ist, kann aber arbeitsrechtlich schwer sanktioniert werden. Hier wird imho eine Art arbeitsrechtliches Ersatzstrafrecht geschaffen. (der „Busengrabscher-Fall“ der so viel Aufsehen erregt hat, kann eben nicht als Freibrief aufgefasst werden, Urteil lesen, es handelt sich um einen sehr speziellen Fall)

      Aber für die Kölner Übergriffe = bandenmäßig begangene sexuelle Belästigung und Nötigung) kann man nur schwer auf „spontane“ Ereignisse verweisen. Die Schilderungen der Betroffenen zeigen dies deutlich. So wurden die Übergriffe trotz Gegenwehr nicht beendet. Zugleich scheinen die Gerichte in solchen Fällen den Rechtsrahmen relativ weit zu fassen. (siehe auch oben angegebenes Urteil aus Karlsruhe)

      Und bei den Spanneraufnahmen habe ich auch geglaubt, mich tritt ein Pferd. In dem Fall sollte dringend eine Gesetzesänderung her, denn gerade in solchen Fällen kann man ja nicht behaupten, dass solche Aufnahmen versehentlich oder spontan entstehen. (das sieht man schon, ob die Dame dem Fotografen, der gerade am Boden liegend den Kölner Dom fotografiert, zufällig ins Bild gelaufen ist…)

      LG
      Mike

  3. Onyx, Ist es für dich denkbar dass die Rechtslage was sexuelle Vergehen angeht wesentlich komplexer ist als „Hat auf den Hintern gefasst, muss eingesperrt werden“? Fischer hat hierzu einiges geschrieben.

    Es lässt sich in unserem Strafrechtssystem nicht sinnvoll und widerspruchsfrei konstruieren, dass jedes Handeln „gegen den Willen“ einer Person“ genauso behandelt werden müsse wie das „Erzwingen“ einer Handlung mit Gewalt oder Drohung. Das Gesetz versteht unter „sexueller Nötigung/Vergewaltigung“ nicht, dass eine Person eine sexuelle Handlung zwar innerlich ablehnt, sich den Wünschen einer anderen Person aber trotzdem fügt, obwohl diese keinerlei (!) Zwang anwendet und das auch nicht will.

    Motive für ein solches passives „Sich-Fügen“ gibt es sehr viele und sehr unterschiedliche: Konfliktscheue, allgemeine Angst vor Streit, Hoffnung auf Vorteile in beruflicher, finanzieller oder sonstiger Hinsicht, Mitleid, Unentschlossenheit, Gewöhnung, Ambivalenz. Das Leben hält unendlich viele Situationen bereit, in denen Personen „eigentlich“ gegen ihren Willen etwas tun oder unterlassen, ohne dass dies jeweils als „Nötigung“, als Zwangshandlung angesehen werden kann. Ich erwähne: Arbeit! Steuerzahlen! Rasenmähen! Rechts Fahren!

    Die von den Opferverbänden angesprochenen Fälle betreffen durchweg Konstellationen, die sich nicht als „Nötigungen“ im Sinne eines klassischen „Erzwingens“ darstellen. Erzwingen einer Handlung oder Duldung ist seiner Natur nach nämlich zwei-aktig: Erst kommt die Zwangshandlung, dann das dadurch (!) erzwungene Verhalten des Opfers.

    Anders beim „Handeln gegen den Willen“: Wenn in meinem Büro jemand gegen meinen Willen die Heizung aufdreht oder das Fenster aufreißt, werde ich nicht „genötigt“, das zu dulden! Auf die Sexualität übertragen: Jemanden anzufassen, ist keine Zwangshandlung, mit welcher das „Dulden“ dieser Handlung selbst „erzwungen“ wird.

    Es ist mir klar, dass dies für Laien auf den ersten Blick schwierig und kleinteilig erscheint. Aber denken Sie an die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Sitzblockade: Einfach nur an einem bestimmten Ort zu sein, ist keine „gewaltsame“ Nötigung einer anderen Person, an diesem Ort nicht zu sein.

    Die Ausführungen von Fischer zum Sexualstrafrecht sind in Gänze lesenswert.
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/sexuelle-gewalt-sexualstrafrecht/komplettansicht
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/sexuelle-gewalt-sexualstrafrecht-schutzluecke/komplettansicht

    • Onyx, Ist es für dich denkbar dass die Rechtslage was sexuelle Vergehen angeht wesentlich komplexer ist als “Hat auf den Hintern gefasst, muss eingesperrt werden”?

      Es ist vor allem komplexer als „du hast nur einen harmlosen Flirt falsch verstanden“ oder „das war keine sexuelle Handlung“ oder ähnliches.
      Und warum denkst du, dass das meine Forderung ist? Die Forderung lautet ja erstmal nur, dass sexuelle Übergriffe überhaupt erstmal als Straftatbestand der sexuellen Vergehen anerkannt werden.

    • Fischers Auffassung ist prinzipiell sehr von der Angst gesteuert, es könne nun plötzlich ein zufälliger Griff ans Knie oder eine Berührung des Beins juristisch belangt werden (nebenbei findet er, siehe sein Artikel dazu, selbst die Übergriffe in Köln die Aufregung nicht wert).
      Er vertritt als einer von eher wenigen Juristen die Auffassung, eine Schutzlücke existiere nicht, wobei er in den von dir verlinkten Artikeln und im Kommentarbereich dann doch zugibt, dass kein Straftatbestand vergleichbar mit Diebstahl bzw, schwerem Diebstahl (überfallsartig) existiert, sondern lediglich ein dem Raub vergleichbarer. Prinzipiell muss m. M. nach die Frage sein, ob der Beschuldigte erkennen konnte, dass die- oder derjenige nicht mit den Handlungen einverstanden war. Bei absoluter Inaktivität und z. B. auch Weinen, ist das m. M. nach gegeben. Man kann auch keinen 100 €-Schein vom Tisch nehmen, ohne sich vergewissert zu haben, dass der andere ihn tatsächlich verschenken möchte. Sitzt der andere nur da und schaut zu (aus welchen Gründen auch immer), kann man dennoch nicht davon ausgehen, dass es sich um eine Schenkung handelt.

    • Fischers Auffassung ist prinzipiell sehr von der Angst gesteuert, es könne nun plötzlich ein zufälliger Griff ans Knie oder eine Berührung des Beins juristisch belangt werden

      Ist diese Angst denn aus deiner Sicht begründet? Wie würdest du das Gesetz formulieren, sodass solche Fälle nicht darunter fallen, die „richtigen“ jedoch schon?

      nebenbei findet er, siehe sein Artikel dazu, selbst die Übergriffe in Köln die Aufregung nicht wert

      Das konnte ich aus dem Artikel nicht heruslesen. Hier ein kleiner Auszug:

      Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt. Es soll nicht verharmlost werden, was geschehen ist oder sein soll. Gewalterfahrung, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein ist eine menschenunwürdige, verstörende Erfahrung, gegen die nicht nur unser zivilisatorischer Anspruch, sondern auch unser Strafgesetzbuch gewisse Vorkehrungen getroffen haben. Das gilt auch für sexuelle Gewalt. Daher, sehr geehrte Rechtspolitiker, weise ich vorsorglich (aber vermutlich vergeblich) darauf hin, dass seit etwa 140 Jahren die gemeinschaftliche Körperverletzung mit Freiheitsstrafe bis 10 Jahre, sexuelle Nötigung mit Freiheitsstrafe bis 15 Jahre, Raub mit Freiheitsstrafe bis 15 Jahre bedroht sind. Es wäre daher nicht nützlich, wenn Sie sich nun einen Tatbestand der „organisierten Belästigung durch unorganisierte Gruppen von Teilen“ ausdenken. Wir haben das schon. Sie, liebe Abgeordnete, haben all dem schon in den letzten 15 Jahren dreimal zugestimmt.

      Prinzipiell muss m. M. nach die Frage sein, ob der Beschuldigte erkennen konnte, dass die- oder derjenige nicht mit den Handlungen einverstanden war.

      Einverstanden. Ich gebe zu dass ich kein Experte des Sexualstrafrechts bin, aber so wie ich es verstehe haben wir genau diese Situation: Wenn erkennbar ist, dass gegen den Willen des Opfer Handlungen vollzogen wurden, ist es strafbar. Der Punkt ist nun gerade, dass der entgegenstehende Wille eben erkennbar sein muss. Eine innerliche Ablehung reicht dafür ausdrücklich nicht.

      Man kann auch keinen 100 €-Schein vom Tisch nehmen, ohne sich vergewissert zu haben, dass der andere ihn tatsächlich verschenken möchte. Sitzt der andere nur da und schaut zu (aus welchen Gründen auch immer), kann man dennoch nicht davon ausgehen, dass es sich um eine Schenkung handelt.

      Richtig, davon kann man nicht ausgehen. Man kann jedoch begründet (!) davon ausgehen, dass der andere, wenn er nur dasitzt (aus welchen Gründen auch immer) nichts dagegen hat (!!) wenn man den Schein nimmt. Kein entgegenstehender Wille erkennbar => kein Tatbestand => keine Tat.
      Du hast die Reihenfolgen vertauscht. Was du sagst ist „Solange ich nicht sicher weiß, dass er den Schein verschenken will, darf ich ihn nicht nehmen“. Das Gesetz sagt „Ich darf den Schein immer (!) nehmen, aber wenn ein entgegenstehender Wille des Besitzers erkennbar ist, mache ich mich strafbar.“

    • Wenn erkennbar ist, dass gegen den Willen des Opfer Handlungen vollzogen wurden, ist es strafbar. Der Punkt ist nun gerade, dass der entgegenstehende Wille eben erkennbar sein muss. Eine innerliche Ablehung reicht dafür ausdrücklich nicht.

      Was ist an einem deutlichen Nein, einem Wegdrehen, Hand wegschieben, am Weinen oder sonstigen Ablehnungen nicht als Unwille erkennbar? Wie kann es denn sein, dass man selbst erst gewalttätig werden muß, damit eine Ablehnung als solche juristisch erkennbar ist? Was ja zynischerweise dann auch noch von der übergriffen Person als Körperverletzung angezeigt werden kann. Siehe zB http://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/oktoberfest–wie-sich-ein-polizeibericht-anhoert–wenn-deutsche-maenner-frauen-bedraengen-6641130.html

    • @Onyx:
      Du hast völlig recht, es ist komplexer, und diese Komplexität wirkt in beide (!!!) Richtungen. Wenn es schwierig ist festzustellen „Das war keine sexuelle Handlung“, dann folgt daraus dass es auch schwierig ist festzustellen „Das war eine sexuelle Handlung“.
      Deine joviale Forderung, es wäre „nur (!) nötig sexuelle Übergriffe überhaupt erstmal als Straftatbestand der sexuellen Vergehen anzuerkennen“ wirkt vor diesem Hintergrund etwas… betriebsblind. Wie soll dass denn möglich sein, wenn du vorher selber sagst dass es sehr komplex ist festzustellen was überhaupt ein sexueller Übergriff ist?

    • @ pingpong

      Wie soll dass denn möglich sein, wenn du vorher selber sagst dass es sehr komplex ist festzustellen was überhaupt ein sexueller Übergriff ist?

      Das unberechtigte Begrabschen von Intimbereich bzw Geschlechtsteilen fällt doch eindeutig darunter, meinst du nicht? Genau das ist aber bisher nicht der Fall.

      Hier ein Text dazu aus dem letzten Sommer:
      „Der Justizminister hat jetzt einen Gesetzentwurf erarbeitet, der der taz vorliegt. Er hat 19 Seiten und wurde vorige Woche an die anderen Ministerien zur Ressort-Abstimmung geschickt. Kern des Entwurfs ist ein neuer Paragraf 179 im Strafgesetzbuch, der die Überschrift „Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände“ tragen soll. Neben der Ausnutzung der Angst des Opfers soll dort auch der überraschende sexuelle Angriff unter Strafe gestellt werden.

      Seit den 1990er Jahren ist das Grunddelikt des Sexualstrafrechts die sexuelle Nötigung (Paragraf 177). Als „Vergewaltigung“ wird diese bezeichnet, wenn der Täter dabei in den Körper des (weiblichen oder männlichen) Opfers eindringt. Nach derzeitigem Recht gilt ein Geschlechtsverkehr nur in drei Konstellationen als Vergewaltigung: wenn er entweder mit Gewalt oder mit bestimmten Drohungen erzwungen wird oder wenn der Täter eine schutzlose Lage ausnutzt. Es genügt also nicht, dass eine Frau eindeutig Nein sagt und der Mann dann trotzdem in sie eindringt.

      Zahlreiche Handlungen, die Frauen als Verletzung ihrer sexuellen Selbstbestimmung ansehen, sind deshalb im Sexualstrafrecht nicht erfasst. So verneint die Rechtsprechung eine „sexuelle Nötigung“, wenn der Täter die Frau so schnell packt, dass sie gar keinen entgegenstehenden Willen fassen oder gar äußern kann. Teilweise werden solche überraschenden Griffe an die Brust oder zwischen die Beine dann als Beleidigung (mit niedrigem Strafrahmen) bestraft, weil sie eine „entwürdigende Herabsetzung“ beinhalten. Das ist aber schon lange umstritten, weil es ja nicht um die Ehre, sondern die sexuelle Selbstbestimmung geht.

      Auch bei Drohungen des Täters, die nicht auf eine „Gefahr für Leib und Leben“ abzielen, versagt das Sexualstrafrecht. Der Gesetzentwurf nennt nun den beispielhaften Fall, dass ein Täter droht, „mit seinem Auto in ihr Wohnzimmer reinzufahren und die Wohnung kurz und klein zu schlagen“.

      Keine Vergewaltigung ist bisher auch, wenn der Täter einer Frau mit unklarem Aufenthaltsstatus droht, er werde beim Ausländeramt ihre Abschiebung veranlassen. Solche Taten können bisher nur als einfache Nötigung (mit niedrigem Strafrahmen) bestraft werden.
      Andere Konstellationen können bisher gar nicht bestraft werden. So erkennt die Rechtsprechung nur dann das Ausnutzen einer „schutzlosen Lage“ an, wenn die Lage objektiv schutzlos ist. Das sei aber zum Beispiel nicht der Fall, wenn andere Menschen in Hörweite sind und durch Rufe alarmiert werden könnten. Es genügt bisher also nicht, dass die Frau davon ausgeht, sie sei in einer schutzlosen Lage, weil sie von den potenziellen Helfern nichts weiß oder in der Bedrängnis nicht an sie denkt.

      Auch wenn die Frau Angst vor der Gewalt des Mannes hat, dieser in der konkreten Situation aber weder Gewalt anwendet noch Gewalt androht, kann sich der Mann bisher straflos über die erkennbare Ablehnung der Frau hinwegsetzen. Typischer Fall ist eine Beziehung, in der ein allgemeines Klima der Gewalt herrschte, das auch jenseits konkreter Akte des Mannes wirkt.

      Missbrauch von schwachen Lagen

      Künftig sollen alle diese Konstellationen im Sexualstrafrecht erfasst werden. Maas will sie allerdings nicht unter „sexueller Nötigung“ in Paragraf 177 regeln, sondern in Paragraf 179. Es gehe in diesen Fällen nämlich weniger darum, den Willen der Frau zu brechen (wie bei der Gewaltanwendung und der Drohung mit Gewalt), sondern um den Missbrauch ihrer schwachen Lage.

      Bisher hatte Paragraf 179 die Überschrift „sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen“. Der Missbrauch von Kranken, Behinderten und Drogenabhängigen soll auch weiterhin ein Unterfall dieser Vorschrift sein. Er soll aber durch zwei weitere Tatformen ergänzt werden, bei denen ebenfalls „besondere Umstände“ ausgenutzt werden, etwa wenn jemand „aufgrund der überraschenden Begehung der Tat zum Widerstand unfähig ist“.

      Kern der neuen Strafvorschrift soll es aber sein, wenn der Täter eine Situation ausnutzt, in der das Opfer im Fall seines Widerstandes „ein empfindliches Übel befürchtet“. Hierzu soll künftig zum Beispiel das Ausnutzen der (tatsächlich oder vermeintlich) schutzlosen Lage gehören. Auch die Drohung mit Abschiebung, Sachbeschädigung oder sonstigen erheblichen Nachteilen würde hier erfasst. Vor allem aber geht es hier um Fälle, bei denen das Opfer latent Angst vor der Gewalt des Täters hat und der Täter diese Angst ausnutzt, um den Willen des Opfers zu übergehen.“

    • Das unberechtigte Begrabschen von Intimbereich bzw Geschlechtsteilen fällt doch eindeutig [unter „sexueller Übergiff“], meinst du nicht? Genau das ist aber bisher nicht der Fall.

      Belege bitte. Fischer dazu:

      Ein anderer Fall: Ein Volleyballtrainer bedrängt eine Spielerin in der Umkleidekabine und berührt sie an der Brust. Sie sagt, dass sie dies nicht wolle. Er antwortet, dann dürfe sie an bevorstehenden Turnieren – die ihr sehr wichtig sind – nicht teilnehmen. Sie lässt daraufhin seine Grabschereien über sich ergehen.

      Dieser Sachverhalt erfüllt, soweit ich es sehe, den Tatbestand einer Nötigung in einem besonders schweren Fall (§ 240 Abs. 4 StGB) und ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht. Das Gutachten aber führt den Fall als Beispiel für eine „Strafbarkeitslücke“ an. Eine solche besteht indes nicht. Wie und von wem der Fall entschieden wurde, erfährt der Leser nicht. Hätte ein Gericht oder eine Staatsanwaltschaft den Sachverhalt als „nicht strafbar“ angesehen, so wäre das eine offensichtliche Fehlentscheidung, nicht aber eine „Lücke“ im Gesetz.

      […]
      Der Betrachter kann die Voraussetzungen für die Annahme eines Verbrechensvorsatzes nicht danach bestimmen, ob ihm im Einzelfall das Geschehen als moralische „Sauerei“ erscheint. Es gibt einen „bedingten Vorsatz“. Es gibt auch ein „bedingtes Einverständnis“. Es kann auf vielen Gründen beruhen: ehrenhaften und unehrenhaften, verständlichen und unverständlichen. Nicht jeder junge Mensch ist ein studierter Psychologe. Erstaunlich viele Menschen haben eine grauenhaft sprachlose, gefühllose, gegenüberlose Vorstellung von Sexualität.

      Das schwierigste, aber entscheidende Problem, das die immerguten Vertreter eines konsequent opferorientierten Strafrechts nicht verstehen wollen und die verdrehten Vertreter eines überkommen männlich definierten Sexualstrafrechts nicht verstehen können, ist dies: Wir können mit dem Strafrechts alles regeln. Wir können die Freiheitsspielräume der Menschen so klein machen, dass sie wie die Ratten in der Falle quietschen. Wir können den Feminismus verordnen oder den Ganzkörperschleier, oder wir können jede Andeutung der Freiheit in irgendwelchen Tatbeständen begraben.

      Es geht aber nicht nur um „Schutz“, sondern auch um Freiheit, auch um Selbstverantwortung.

      Aus dem Text den du zitiert hast:

      Es genügt also nicht, dass eine Frau eindeutig Nein sagt und der Mann dann trotzdem in sie eindringt.

      Yes means yes, no means sometimes yes, no means no – das hatten wir schon ausführlich diskutiert.

      Auch bei Drohungen des Täters, die nicht auf eine „Gefahr für Leib und Leben“ abzielen, versagt das Sexualstrafrecht. Der Gesetzentwurf nennt nun den beispielhaften Fall, dass ein Täter droht, „mit seinem Auto in ihr Wohnzimmer reinzufahren und die Wohnung kurz und klein zu schlagen“.

      Wenn bereits die Drohung, eine Spielerin dürfe nicht am Volleyballspiel teilnehmen (s. Fischer oben) als schwere Nötigung zählt, was ist dann erst diese Drohlung? Insofern sehe ich nicht wo das Gesetz hier „versagt“.

      Andere Konstellationen können bisher gar nicht bestraft werden. So erkennt die Rechtsprechung nur dann das Ausnutzen einer „schutzlosen Lage“ an, wenn die Lage objektiv schutzlos ist.

      Das ist das mindeste was ich von einem Rechtsstaat erwarte: Dass er eine schutzlose Lage nur dann als solche bewertet, wenn sie es objektiv ist. Was wäre denn nach deiner Ansicht die Alternative? Die Lage nicht objektiv bewerten, sondern nach…?

      Zum Missbrauch hat fischer m.M.n. die wichtigen Dinge bereits erläutert:

      Hier, bei den „Missbrauchs“-Tatbeständen, geht es nicht um die Frage „freiwillig oder gegen den Willen“, sondern um die Frage: Könnte das mögliche Einverständnis überhaupt wirksam sein, oder hat der Täter die besondere Schwäche-Situation der geschützten Person ausgenutzt? Wenn das der Fall ist, kommt es auf ein Einverständnis gar nicht mehr an.

      Für die Gruppe der erwachsenen, geistig und körperlich nicht gehandicapten Personen mit der Fähigkeit, selbstbestimmte Willensentscheidungen zu treffen, existiert solch eine besondere Schutznorm nicht – weder im Bereich der Sexualität noch in sonstigen Lebensbereichen. Das Gesetz geht – zum Glück – davon aus, dass diese Personen ihre Handlungsfreiheit in der Regel selbst schützen können (und daher auch müssen).

    • Belege bitte.

      Das wurde und wird doch schon breit durchgekaut.
      http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sexualstrafrecht-betatschen-ist-nicht-immer-strafbar-14007043.html
      http://www.legal-gender-studies.de/sexuelle-uebergriffe-im-oeffentlichen-raum-rechtslage-und-reformbedarf
      https://anwaltauskunft.de/magazin/gesellschaft/strafrecht-polizei/1418/angriffe-auf-frauen-was-ist-sexuelle-noetigung/

      Yes means yes, no means sometimes yes, no means no – das hatten wir schon ausführlich diskutiert.

      Ein großes Thema, ja. Obwohl, eigentlich nicht. Ein deutliches Nein hat gefälligst akzeptiert zu werden. Ich weiß gar nicht, was es da groß zu diskutieren gibt. (Allerdings wüßte ich auch nicht dass ich das mit dir schon mal diskutiert hätte.)

      Das ist das mindeste was ich von einem Rechtsstaat erwarte: Dass er eine schutzlose Lage nur dann als solche bewertet, wenn sie es objektiv ist. Was wäre denn nach deiner Ansicht die Alternative? Die Lage nicht objektiv bewerten, sondern nach…?

      Das Problem wird doch im Text unmittelbar darauf angesprochen. Mußt nur weiterlesen:

      „Andere Konstellationen können bisher gar nicht bestraft werden. So erkennt die Rechtsprechung nur dann das Ausnutzen einer „schutzlosen Lage“ an, wenn die Lage objektiv schutzlos ist. Das sei aber zum Beispiel nicht der Fall, wenn andere Menschen in Hörweite sind und durch Rufe alarmiert werden könnten. Es genügt bisher also nicht, dass die Frau davon ausgeht, sie sei in einer schutzlosen Lage, weil sie von den potenziellen Helfern nichts weiß oder in der Bedrängnis nicht an sie denkt.

      Auch wenn die Frau Angst vor der Gewalt des Mannes hat, dieser in der konkreten Situation aber weder Gewalt anwendet noch Gewalt androht, kann sich der Mann bisher straflos über die erkennbare Ablehnung der Frau hinwegsetzen.

    • Sorry, überlesen.

      „Ist diese Angst denn aus deiner Sicht begründet?“

      Nein. Richter sind keine Idioten, zumindest im allgemeinen nicht, und jeder wüsste, dass er sich mit so etwas lächerlich macht.

      „Wie würdest du das Gesetz formulieren, sodass solche Fälle nicht darunter fallen, die “richtigen” jedoch schon?“

      Eine sexuelle Belästigung begeht, wer einen Menschen

      (1) absichtlich und gegen dessen Willen intim, also im Bereich von Schritt, Gesäß oder Brüsten, berührt.

      (2) in sexueller Absicht beharrlich verfolgt (hier folgen Ausführungen ähnlich dem Stalking-Gesetz).

      „Das konnte ich aus dem Artikel nicht heruslesen.“

      Bundesrichter Fischer „Aber es kann nicht schaden, so etwas auch einmal vor einem Ereignis zu sagen, das seit vielen Jahrzehnten wiederkehrend eine abstoßende Welle von sexualisierter Gewalt, Belästigung, Körperverletzung und Eigentumskriminalität über unser Land schwappen lässt, losgetreten von Kartellen zur Herstellung von Rauschmitteln (sogenannten Brauereien) und unter Leitung ehrenwerter Gesellschaften (sogenannter „Narren“), in denen Horden männlicher Alkoholiker jenseits der 60 das Sagen haben, die zur Anheizung ihrer sexuellen Fantasien 16-jährige halbnackte Mädchen stundenlang Tänze aufführen lassen, welche ihren Höhepunkt in dumpf-rhythmischem Hochreißen eines Beins unter Entblößung von Schamregion und Gesäß finden. Die organisierten Frauenerniedriger nennen diese abstoßenden Rituale „Prunksitzung“. Sie tragen superlustige rote Hüte und besprechen, bevor das Marcumar sie übermannt, bei dieser Gelegenheit gleich noch die Auftragsvergabe für die U-Bahn. Unten sitzen die Oberbürgermeisterinnen und Familienministerinnen und schreien: alaaf! (…) Wir haben in diesem Land übrigens auch einen Sexmob. Er beherrscht weite Teile unserer Lebenswirklichkeit. Seine mächtigsten Organisatoren wohnen in sogenannten Redaktionen von Deutschlands allerbeliebtesten Massenblättern und Fernsehsendern. Eine Woche „Frau“ in den Mehrheitsmedien: Wer da als Nordafrikaner nicht verrückt wird, kann kein Muslim sein.“
      http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/sexmob-koeln-kriminalitaet-strafrecht-fischer-im-recht/seite-4

      „so wie ich es verstehe haben wir genau diese Situation: Wenn erkennbar ist, dass gegen den Willen des Opfer Handlungen vollzogen wurden, ist es strafbar.“

      Nein. Das Opfer muss gezwungen oder bedroht werden und zwar erheblich oder sich objektiv in einer hilf- und schutzlosen Lage befinden. Hätte es, rein theoretisch, schreien können und es bestand die Möglichkeit, dass ein Nachbar das hätte hören können, ist eine solche im Prinzip schon nicht mehr gegeben. Das bloße Vorgehen gegen den erkennbaren Willen des Opfers reicht eben nicht aus.

      „Richtig, davon kann man nicht ausgehen. Man kann jedoch begründet (!) davon ausgehen, dass der andere, wenn er nur dasitzt (aus welchen Gründen auch immer) nichts dagegen hat (!!) wenn man den Schein nimmt. Kein entgegenstehender Wille erkennbar => kein Tatbestand => keine Tat.“

      Nein, das ist nicht richtig. Nur bei erfolgter Zustimmung ist es keine Tat.

      Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. § 242 StGB

      „Du hast die Reihenfolgen vertauscht. Was du sagst ist “Solange ich nicht sicher weiß, dass er den Schein verschenken will, darf ich ihn nicht nehmen”.“

      Das ist auch richtig. Ich darf mir den Schein erst nach erfolgter Zustimmung aneignen. Erst wenn die Zustimmung erfolgt ist, ist der Gegenstand kein fremder Besitz mehr. Selbstverständlich wird ein Richter nachfragen, warum nicht widersprochen wurde, aber letzten Endes zählt die Zustimmung.

      „Das Gesetz sagt “Ich darf den Schein immer (!) nehmen, aber wenn ein entgegenstehender Wille des Besitzers erkennbar ist, mache ich mich strafbar.”

      Nein.
      Wenn es um den Diebstahl geht.

      Wenn es um sexuelle Nötigung geht, sagt das Gesetz bisher: Einverständnis ist nicht von Bedeutung. Von Bedeutung ist lediglich die Anwendung oder Drohung von / mit Gewalt (Gefahr für Leib und Leben) oder das Ausnutzen einer schutzlosen Lage.

    • Ach ja, bevor das Geschrei nun losgeht (damit meine ich nicht dich, pingpong) „Waaaaaaah, jetzt darf ich meine Freundin nicht mal mehr an den Hintern fassen, ohne verklagt zu werden“ (man sollte generell mal seine Beziehung überdenken, wenn man davon ausgeht, die Freundin säße morgen schon bei der Polizei, aber das nur nebenbei). Man beachte das kleine Wörtchen „absichtlich“ (kann gerne auch anders aber sinngemäß formuliert werden). Das bedingt einen Vorsatz. Und der besteht nicht, wenn man sich in einer sexuellen Beziehung befindet und folglich vom Einverständnis des anderen ausgeht.

    • @onyx:
      Du behauptest:

      Das unberechtigte Begrabschen von Intimbereich bzw Geschlechtsteilen fällt doch eindeutig [unter “sexueller Übergiff”], meinst du nicht? Genau das ist aber bisher nicht der Fall.

      Auf meine Frage nach Belegen für dein Behauptung, unberechtigtes begrapschen im Intimbereich wäre bisher nicht strafbar, führst du 3 Links an. Aus dem ersten:

      Auch wenn die sexuelle Natur eines „Betatschens“ offensichtlich ist, handelt es sich nicht zwangsläufig um ein strafbares Sexualdelikt. So wird etwa der Griff an die Brust einer Frau oder das Gesäß nicht als erheblich genug eingestuft, wenn das Opfer bekleidet war. [Hervorhebung von mir]

      Der zweite Link (legalgenderstudies) enthält leider wenig verwertbares Material sowie einige glatte Falschaussagen.
      Aus dem dritten Link:

      Erheblich ist eine sexuelle Handlung dann, wenn ein Täter beispielsweise die bedeckten Genitalien des Opfers berührt. Für Berührungen außerhalb des genitalen Bereichs kommt es auf die Art und Intensität des Verhaltens an. „Deshalb ist ein kurzes ‚Begrapschen‘ zumindest rechtlich gesehen nicht immer eine sexuelle Nötigung, es kann aber etwa eine Beleidigung darstellen“, sagt der Strafrechtsexperte Uwe Freyschmidt.[Hervorhebung von mir]

      Ich sehe hier keinen Beleg für deine Behauptung „unberechtigtes begrapschen im Intimbereich wäre bisher nicht strafbar“. Lt. zweien der Artikel ist das Gegenteil der Fall: Unberechtigtes begrapschen im Intimbereich ist entweder direkt als Sexualdelikt strafbar (bei Erheblichkeit), wenn Erheblichkeit nicht gegeben ist, ist es als Beleidigung strafbar.

      Weiters zitierst du aus einem verlinkten Text:

      Es genügt bisher also nicht, dass die Frau davon ausgeht, sie sei in einer schutzlosen Lage, weil sie von den potenziellen Helfern nichts weiß oder in der Bedrängnis nicht an sie denkt.

      Ich halte es für vernünftig, dass das Strafrecht sich an objektiven (!) Gegebenheiten orientiert. Ein Strafrecht welches sich an „gefühlten Wahrheiten“ orientiert macht mir Angst.
      Weiters:

      Auch wenn die Frau Angst vor der Gewalt des Mannes hat, dieser in der konkreten Situation aber weder Gewalt anwendet noch Gewalt androht, kann sich der Mann bisher straflos über die erkennbare Ablehnung der Frau hinwegsetzen.

      Dies ist lt. Fischer einfach falsch. Aus seiner Kolumne:

      So schrieb eine FAZ-Autorin vor einiger Zeit Folgendes zum Sexualstrafrecht:

      „Wer keinen Geschlechtsverkehr möchte, muss sich aktiv dagegen zur Wehr setzen. Das ist geltende Rechtslage. (…). Erforderlich ist nach der Rechtsprechung, dass das Opfer gerade im Hinblick auf seine Schutzlosigkeit auf Widerstand verzichtet. Aufgrund von körperlicher Unterlegenheit (…) auf Abwehr zu verzichten, reicht nicht aus.“

      Diese Behauptung ist, wir müssen es leider so deutlich sagen, das glatte Gegenteil der Wahrheit. In der Grundsatzentscheidung des 2. Strafsenats aus dem Jahr 2006 (BGHSt 50, S. 359, 362), dem sich alle anderen Senate angeschlossen haben, heißt es:

      „Der Tatbestand (des § 177 Abs. 1 Nr. 3 in Verbindung mit Abs. 2 Nr. 1 StGB) setzt (nur) voraus, dass das Opfer „aus Furcht vor möglichen Einwirkungen des Täters auf (…) Widerstand verzichtet“; „Schutzlosigkeit“ setzt voraus, „dass das Opfer möglichen Gewalteinwirkungen des Täters weder erfolgreich körperlichen Widerstand entgegensetzen noch Hilfe Dritter erlangen könnte“.

      Mit anderen Worten: „Aufgrund von körperlicher Unterlegenheit auf Abwehr zu verzichten“, reicht nicht nur aus, sondern ist sogar exakt das, was die Rechtsprechung als den Regelfall einer Vergewaltigung ansieht (und mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu 15 Jahren bestraft).

      @GuD: tut mir leid, ich sehe noch immer nicht wo Fischer findet, die Ereignisse von Köln wären „die Aufregung nicht wert“.
      Fischer findet:
      *) was geschehen ist, soll nicht verharmlost werden.
      *) Gewalterfahrungen (auch sexuelle), Ausgliefertsein etc. sind verstörende Erfahrungen, gegen die wir mit gutem Grund (straf)rechtliche Vorkehrungen getroffen haben.
      *) Diese Vorkehrungen umfassen seit langer Zeit auch solche Vorfälle wie Köln, daher wäre es sinnvoll, wenn man bestehende Gesetze (!) anwenden würde.

      Nein. Das Opfer muss gezwungen oder bedroht werden […] Das bloße Vorgehen gegen den erkennbaren Willen des Opfers reicht eben nicht aus.

      Du wiederholst hier die Voraussetzung der Nötigung, welche selbstverständlich strafbar ist. Du kannst aber gerne erklären, wie ein vorgehen gegen den Willen des Opfers möglich ist, ohne Zwang oder Drohung oder Gewalt anzuwenden. Das Strafrecht sagt genau dasselbe:

      Wer mit Gewalt oder durch Drohung mit (sofortiger) Gewalt gegen die Person erzwingt, dass eine Person sexuelle Handlungen hinnimmt oder ausführt, wird wegen „sexueller Nötigung“ bestraft.

      Zu deiner Ausführung „Hätte es [das Opfer], rein theoretisch, schreien können und es bestand die Möglichkeit […]“: Du schreibst oben folgenden denkwürdigen Satz, der hierauf gut passt:

      Nein. Richter sind keine Idioten, zumindest im allgemeinen nicht, und jeder wüsste, dass er sich mit so etwas lächerlich macht.

      Weiter:

      Nein, das ist nicht richtig. Nur bei erfolgter Zustimmung ist es keine Tat.

      Ich darf mir den Schein erst nach erfolgter Zustimmung aneignen. […] aber letzten Endes zählt die Zustimmung.

      Bitte erkläre etwas genauer, wie du das meinst. Abgesehen von den leichten semantischen Unterschieden zwischen „Zustimmung“ und „abwesender entgegenstehender Wille“ scheint mir du wiederholst hier dasselbe was ich vertrete. Ich sage „Wenn es keinen entgegenstehenden Willen gibt, ist es keine Tat“. Du sagst „letzten Endes zählt die Zustimmung“, mit anderen Worten, ob es einen entgegenstehenden Willen gibt oder nicht. Inwiefern passt das nicht zusammen, sodass du darauf mit „Nein“ antwortest?

      Im weiteren können wir uns dann der Frage zuwenden auf die ich vorhin schon explizit hingewiesen habe, und die du in deiner Antwort wieder vermischt. Wenn du sagst „Ich darf mir den Schein erst nach erfolgter [!] Zustimmung aneignen“, dann enthält das eine zeitliche Komponente. Zuerst die Zustimmung, dann das aneignen. Das passt allerdings nicht mit deinem nächsten Satz zusammen, wonach es „letzten Endes auf die Zustimmung ankommt.“ Wohlgemerkt ohne zeitliche Komponente.

    • @GuD: Es fällt mir schwer zu glauben, dass du ein Strafrechtssystem (!) befürwortest, in dem es dem Individuum nicht möglich ist objektiv (!) nachzuvollziehen ob es sich strafbar macht oder nicht. Denn genau dieser Fall tritt ein, wenn der Griff an den Hintern der Freundin eine Klage zur Folge hat abhängig nur davon ob die Freundin zu Gericht geht oder nicht. Gerne auch mit zeitlicher Verzögerung, z.b. wenn sie nach 2 wochen draufkommt dass sie das „eigentlich nicht wollte“. Das öffnet Willkür Tür und Tor. Deinen Versuch, dies lächerlich zu machen und auf die individuelle Ebene der Beziehung zu heben („Beziehung überdenken wenn man davon ausgeht…“) finde ich äußerst unpassend.

      Das bedingt einen Vorsatz. Und der besteht nicht, wenn man sich in einer sexuellen Beziehung befindet und folglich vom Einverständnis des anderen ausgeht.
      Ich hoffe dir ist klar, das du hier fast 1:1 die Argumentation derer wiedergibst, die der Meinung waren „Vergewaltigung in der Ehe ist keine Straftat, weil man ja vom Einverständnis ausgehen kann“… Finde ich ziemlich bizarr und hätte ich nicht von dir erwartet.

    • „ch hoffe dir ist klar, das du hier fast 1:1 die Argumentation derer wiedergibst, die der Meinung waren “Vergewaltigung in der Ehe ist keine Straftat, weil man ja vom Einverständnis ausgehen kann”… Finde ich ziemlich bizarr und hätte ich nicht von dir erwartet.“

      Lass bitte dieses alberne „hätte ich von dir nicht erwartet“, das wirkt echt, als würde meine Großmutter sagen „Aber Kind, dass DU einen kurzen Rock trägst, hätte ich ja nie erwartet, ich bin ja SO enttäuscht von dir.“ Albern. Dass es zwischen einem Griff an den Po und einer Vergewaltigung noch deutliche Unterschiede gibt, solltest Du wissen (muss ich jetzt schreiben „das hätte ich von dir nicht erwartet?“).

      Der Griff an den Po erfolgt üblicherweise spontan, also „überfallsartig“. Befindet man sich in einer sexuellen Beziehung, geht man davon aus, dass der andere nichts dagegen hat. Es fehlen also der Vorsatz UND die Gewaltanwendung bzw. der Zwang. Weswegen er mit einer Vergewaltigung kaum vergleichbar ist ^^. Bei einer fremden Person kann man aber kaum von deren Einverständnis ausgehen. Oder siehst Du das anders (hätte ich von dir nicht erwartet ^^)? Etwas anderes wäre es, wenn die Person bereits deutlich gemacht hat, dass sie nicht möchte.

      Bundesrichter Fischer weiß recht genau, wann eine Vergewaltigung eine Vergewaltigung ist, er redet nur um den heißen Brei herum. Nämlich bei Anwendung von Gewalt (Zwang), Drohung mit Gewalt oder bei der sehr eng gefassten Ausnutzung einer hilflosen Lage. Wenn dagegen das Opfer sich nicht wehrt, weil es Angst hat und dem Täter diese Angst schlicht egal ist, er z. B. Weinen und Zittern großzügig „übersieht“, geht er derzeit mit großer Wahrscheinlichkeit straffrei davon. Mein Vorschlag ist, einen weiteren Straftatbestand zu schaffen, der diesem Umstand Rechnung trägt. Also quasi tatsächlich ein Äquivalent zum Diebstahl (Vergewaltigung wäre dann Raub). und der muss dann, wie im Diebstahl auch, danach fragen, ob der Beschuldigte vom Einverständnis ausgehen konnte. Ein besonderer Fall wäre dabei der „überfallsartige GV“, der, wie der „Handtaschenraub“ irgendwo dazwischen steht. Das wäre dann auch der einzige Fall, in dem eine bereits bestehende sexuelle Beziehung eine Rolle spielen könnte.

      Die von mir verlinkten Texte hast Du offenbar nur selektiv gelesen. Natürlich KANN ein Griff an den Po oder die Brust irgendwie, irgendwo diffus als Beleidigung gewertet werden. KANN. Wenn der Richter will und eine ehrverletzende Absicht nachweisen kann. Das steht aber auf wackeligen Füßen. Und genau da liegt das Problem.

    • “Der Griff an den Po erfolgt üblicherweise spontan […]”
      Außer in den Fällen, wo er nicht spontan erfolgt.

      “[…] geht man davon aus, dass der andere nichts dagegen hat.”
      Ausgenommen die Fälle, wo der andere doch etwas dagegen hat.

      Auf diesen Umstand wollte ich hinweisen, als ich gesagt habe du verwendest fast diesselbe Argumentation wie die Leute die der Meinung waren innerhalb der Ehe wäre keine Vergewaltigung möglich, weil man ja vom Einverständnis des Partners ausgehen kann. Dummerweise gab/gibt es aber Fälle, wo der Partner doch nicht einverstanden war. Was dann?
      Die allgemeine Gültigkeit (umfasst sowohl den Normalfall als auch (zu erwartende) Ausnahmen) des Rechts ist eine Errungenschaft. Ein Rechtssystem, welches nur den Normalfall umfasst und Ausnahmen ausblendet (erkennbar an deinen Einschränkungen “üblicherweise”, “geht man davon aus”, etc) wäre ein Rückschritt.

      “Wenn dagegen das Opfer sich nicht wehrt, weil es Angst hat und dem Täter diese Angst schlicht egal ist, er z. B. Weinen und Zittern großzügig „übersieht“, geht er derzeit mit großer Wahrscheinlichkeit straffrei davon.”
      Ich weiß leider nicht warum du hier falsche Tatsachen verbreitest. Was genau verstehst du an der folgenden Ausführung nicht?
      “„Aufgrund von körperlicher Unterlegenheit bzw. Angst auf Abwehr zu verzichten“, reicht nicht nur aus, sondern ist sogar exakt das, was die Rechtsprechung als den Regelfall einer Vergewaltigung ansieht.”

      “Die von mir verlinkten Texte hast Du offenbar nur selektiv gelesen. Natürlich KANN ein Griff an den Po oder die Brust irgendwie […]”
      Was im Widerspruch zu Onyx ursprünglicher Aussage steht. Sie behauptet, derzeit wäre das nicht der Fall, d.h. sie behauptet “KANN NICHT”. Im Original, Zitat “Das unberechtigte Begrabschen von Intimbereich bzw Geschlechtsteilen fällt doch eindeutig darunter [unter “sexueller Übergriff”], meinst du nicht? Genau das ist aber bisher nicht der Fall.”
      Ich warte gerne bis ihr beide euch geeinigt habt. Dann würde mich interessieren mit welcher Begründung du mir unterstellst die Texte selektiv gelesen zu haben.

      “KANN. Wenn der Richter will und eine ehrverletzende Absicht nachweisen kann. Das steht aber auf wackeligen Füßen. Und genau da liegt das Problem.”
      Das ist kein Problem, das ist die normale Vorgangsweise die ich von einem zivilisierten Rechtsstaat erwarte: Unschuldig bis zum Beweis der Schuld, auch ehrverletzend ist ein Verhalten nicht dadurch dass du oder ich es so empfinden, sondern dadurch dass es “nachgewiesen werden kann”. Und zwar nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien. Inwiefern hier der Wille des Richters hineinspielt kann ich momentan nicht erkennen, das müsstest du noch etwas genauer ausführen…

  4. „Vielleicht liest du ihn einfach noch mal und versuchst zu erkennen, dass dort nirgends eine Schuld auf Männer geschoben wird, sondern auf ein Rechtssystem, in dem derartige Übergriffe (eben auch von “Weißen”!) weitgehend straffrei bleiben, weil schlicht die rechtliche Grundlage für Verurteilungen fehlt.“

    „Mir fällt dabei immer der Fall aus Graz ein, wo einer Frau an den Hintern gegrabscht wurde und das darauf folgende Verfahren mit der Begründung, “es sei keine sexuelle Belästigung, weil es keine geschlechtliche Handlung sei”, eingestellt wurde.“

    Es gibt zwei Punkte, die mich an dieser Diskussion aufregen.

    1) Was mich wundert ist, dass nach Deiner Definition nur Frauen belästigt werden können. Von Männern ist im gleichem Atemzug nie die Rede. Dann werde ich zukünftig reihenweise Frauen anzeigen, weil sie mir auf den Hintern klatschen. Männer können laut Gesetz auch nicht von Frauen vergewaltigt werden. Ich bin gespannt, was da ein „Nein heißt Nein“ ändern wird.

    2) Das ganze hat eben ein „Geschmäckle“ und zwar:

    http://www.dernewsticker.de/news.php?title=Verurteilungsquote+bei+Vergewaltigung+auf+Tiefstwert&id=315843&i=jtilpp

    „Nur noch 7,7 Prozent aller angezeigten Vergewaltigungen enden mit der Bestrafung des Täters“

    Diese Formulierung allein schon….. Hier wird der Beschuldigte mit dem Täter gleichgesetzt. Ich müsste suchen, aber in sehr ähnlicherweise wurde in den letzten Jahren medial deckenflächend argumentiert. Wofür eigentlich noch eine Gerichtsverhandlung??? Eine Vergewaltigung scheint das einzige Delikt zu sein, bei dem für viele Menschen ein freigesprochener Beschuldigte und Täter das gleiche ist.

    Man kann gerne über eine Verschärfung des Sexualstrafrechts diskutieren, wenn gleichzeitig eine Falschbeschuldigung schärfer bestraft wird.

    • Was mich wundert ist, dass nach Deiner Definition nur Frauen belästigt werden können.

      Welche Definition von mir soll das denn sein? Wo sage ich sowas?

      Männer können laut Gesetz auch nicht von Frauen vergewaltigt werden.

      Dann frage ich mich, worüber du dich dann überhaupt aufregst. Erst behauptest du, dass ich männliche Opfer per se ausklammere und im nächsten Satz sagst du selbst, dass es gar keine männlichen Opfer gibt.

      Außerdem ist es nicht wahr, was du sagst. §177 ist komplett geschlechtsneutral. Von Männern oder Frauen steht da kein Wort.

      Man kann gerne über eine Verschärfung des Sexualstrafrechts diskutieren, wenn gleichzeitig eine Falschbeschuldigung schärfer bestraft wird.

      Du meinst, so wie hier?
      http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/erfundener-vergewaltigungsfall-in-berlin-mahlsdorf-luegengeschichte-versetzt-netz-in-aufruhr/12844170.html

    • „Männer können laut Gesetz auch nicht von Frauen vergewaltigt werden.“

      Das ist absoluter Nonsens. Selbstverständlich können Männer auch laut Gesetz Vergewaltigungsopfer sein, auch durch weibliche Täter, da eine Vergewaltigung über ein Eindringen in den Körper des Opfers oder des Täters definiert wird. Wie um aller Welt kommst Du auf den Unsinn (der leider immer wieder von antifeministischer Seite so verbreitet wird)?

  5. „Der böse weisse Mann ist letztlich schuld

    Ich weiß nicht, wo du das herausgelesen haben willst. Allein dieser eine Satz beweist, dass du den ganzen Beitrag überhaupt nicht verstanden hast.“

    @thorsten Das scheinst Du wirklich nicht verstanden zu haben. Es käme einigen recht, wenn daran der böse weisse Mann schuld wäre, aber ist er nicht.
    Der böse weisse Mann bleibt aber weiterhin das Feinbild jeder feministischer Strömung.
    Es wird einfach relativiert. Der böse weisse Mann hat eine Grundschuld, in diesem einen Fall mal ausnahmweise nicht. Wenn sich Köln mehrfach wiederholen sollte, bin ich auf die weitere Argumentation gespannt.
    Ich bin dann auch gespannt wie der böse weisse Mann sich dann verhalten wird, wenn alles was er jetzt gerade macht falsch ist. Wahrscheinlich wird er gar nichts machen.

    • Das Kernproblem bei *der XXX ist schuld* liegt darin, dass damit stets eine Gruppen- und Kollektivschuld unterstellt wird. Derartige Auffassungen sind zutiefst antiliberal und antirechtstaatlich. Denn „Schuld“ ist immer etwas persönliches. Und niemand kann ehrlichen Gewissens behaupten, dass diese Arschkrampen in Köln und anderswo nicht wussten, dass sie etwas Falsches tun. (Abgesehen von Leuten, die über das Gehirn eines Seesterns verfügen).

    • @ Mike

      Das Kernproblem bei *der XXX ist schuld* liegt darin, dass damit stets eine Gruppen- und Kollektivschuld unterstellt wird

      Stimmt. In der Schuldfrage dominiert aber eigentlich nur der Tenor „Merkel!“, „die Linksgrünen!“, „die Migranten!“

      Denn “Schuld” ist immer etwas persönliches

      Jein. Schuld ist natürlich immer derjenige, der etwas Unrechtes tut. Wenn wir aber Schuld nach der Frage „wie ist sowas möglich?“ werten, muß man sie auch eindeutig in einem System suchen, das Schuldige schützt. Und das ist hier nun mal der Fall.

  6. &177 verschärft: Gut es ändert sich nichts!
    Wem ist geholfen, wenn es die Beweislast gleich bleibt? Ein „nein“ muss beweisen werden!

  7. So sehr ich Herrn Fischer schätze, hier irrt er m.M. nach.

    Aus einem Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft von 2012:“Das Ausüben des Geschlechtsverkehrs gegen den Willen des anderen ist grob anstößig und geschmacklos, aber ohne den Einsatz eines qualifizierten Nötigungsmittels nicht strafbar.“
    Es muss Gewalt angewendet werden und das Opfer muss sich wehren und zwar so, dass der Täter unmissverständlich merkt: „Die will ja gar nicht.“

    Im Falle eines erzwungenen Oralverkehrs ist dem offensichtlich nicht so. Aus der Begründung einer Staatsanwaltschaft warum dieser Fall erst gar nicht vor Gericht geht: „Zwar hat er sich zuvor auf Sie gesetzt, so dass Sie nach Ihren Angaben aus dieser Lage sich aufgrund seines Körpergewichtes nicht befreien konnten, jedoch stellt dieses Auf-Sie-Raufsetzen keine Gewalt zur Durchsetzung der sexuellen Handlung dar. Der Beschuldigte musste diese Position einnehmen, um den Oralverkehr durchführen zu können, so dass diese auch als Teil der sexuellen Handlung anzusehen ist.“

    Mir egal ob, der Täter weißer Biodeutscher, Maghrebiner oder islamischer oder christlicher syrischer oder irakischer Flüchtling, Migrant oder Asylbewerber war.
    So etwas gehört bestraft und das geht offenkundig nach geltendem Recht nicht.

    Der böse weiße Mann regt sich über Handlungen von Flüchtlingen auf, bei denen nun mal kaum eine Aussicht auf Bestrafung besteht. Solange diese Handlungen von weißen Männern begangen werden und Frauen sich beklagen, dass diese nicht bestraft würden, hat sich der böse, weiße Mann nicht beschwert, außer über die sich beklagenden Frauen.

    Es gibt viele Begriffe, mit denen ein solches Verhalten zu bezeichnen ist. „Böser, weißer Mann“ ist da noch harmlos.

    • Doch doch, das geht schon. Staatsanwaltschaft ist nicht gleich Staatsanwaltschaft, und es gibt immer noch das Rechtsmittel der Klageerzwingung bzw.der Beschwerde… (Aus der Begründung geht hervor, dass das Verfahren wg § 171 StPO eingestellt wurde). Über die Klageerzwingung entscheidet dann das OLG. Da sitzen Richter, die meistens etwas mehr Ahnung vom Recht haben…. Insbes. § 177 (1) 3 StGB. Die Begründung ist insbesondere beim Oralverkehr hahnebüchend.
      (denn für Oralverkehr muss man sich nicht zwingend auf jemanden draufsetzen, Erfahrungswert)

      Es gibt leider Richter und Staatsanwälte, die komplette, misogyne Vollpfosten sind.

  8. Ich glaube die Demütigung, eine solche Klage abgewiesen zu bekommen, reicht den meisten Frauen und vielen fehlt danach die Kraft und die Zuversicht, weitere Schritte einzuleiten. Völlig verständlich.

    Solche Verfügungen und Urteile sind übrigens keine Seltenheit. Einstellungen und Freisprüche finden häufig statt, weil es an der nötigen Gegenwehr der Frau gefehlt hat. Otto-Normal-Verbraucher glaubt, es reicht aus, wenn die Frau Nein sagt oder irgendwie zum Ausdruck bringt, dass sie nicht will. Wenn der Mann, dann einfach die Frau an die Wand drängt zu Boden drückt, den Mund zuhält, an den Armen festhält, sich zwischen Frau und Tür stellt, die Frau sich versucht, wegzudrehen, ihn wegzudrücken … dann denkt jeder normale Mensch, das würde für eine Verurteilung ausreichen. Tut es aber nicht. Widerstand alleine reicht eben nicht aus. Der Widerstand muss auch noch mit Gewalt gebrochen werden. Eine Frau muss also riskieren, einen gebrochenen Kiefer, eine kaputte Nase, gebrochene Rippen oder ähnliches haben, um hinterher Erfolg zu haben bei einer Klage.

    Der Widerstand muss auch klar als solcher erkennbar sein, sonst könnte der Mann ja seine Gewalt nicht angewendet haben, um den Widerstand zu brechen (fehlender Vorsatz!): „Sie habe sich zwar gegen seine Handlungen gewehrt; die Gegenwehr sei jedoch nicht so stark gewesen, weil sie sich in einem Schockzustand befunden habe. Dieser Schilderung kann nicht mit der erforderlichen Sicherheit entnommen werden, dass der Beschuldigte vorsätzlich Gewalt zur Überwindung des Widerstandes Ihrer Mandantin einsetzte. Denn es ist jedenfalls nicht feststellbar, dass er eine Gegenwehr von Frau X durch den von ihm eingesetzten körperlichen Zwang brechen wollte.“ Es wird also überhaupt nicht in Abrede gestellt, dass Gewalt ausgeübt wurde – nur wird bezweifelt, dass die Gewalt dazu diente, eine Gegenwehr zu brechen! Deutschland, Deine Juristen!

    Auch Gewalt, die vorher eingesetzt wurde, zählt nicht. Du kannst eine Frau verprügeln oder ihr Prügel androhen usw. Solange das ohne sexuelle Handlungen geschieht, kannst Du sie hinter vergewaltigen (wenn Du vorher „gut“ warst, wird sie es über sich ergehen lassen), ohne dafür belangt zu werden (allenfalls für die Schläge vorher). Zwar musste die Frau davon ausgehen, dass ihr Gewalt angetan wird, würde sie sich wehren. Aber beim Sex selbst musste der Mann eben keine Gewalt anwenden, also geschah es einvernehmlich.

    Das sind alles keine Einzelfälle und die Begründungen lesen sich alle gleich haarsträubend, stehen jedoch alle im Einklang mit § 177 StGB.

    • Es gibt hier einen starken Gegensatz zwischen der Formulierung des Gesetzes. (In dem klar steht, dass eine auswegslose Lage ausreicht) und der Rechtsauffassung diverser Richter/Staatsanwälten (das Beweisproblem mal aussen vor gelassen).
      Es ist natürlich so, wie Du oben schreibst… den Betroffenen reichts dann meistens.
      Leider landen solche Fälle viel zu selten vor dem Beschwerdegericht.

      Landgerichte sprechen ja nicht selten hahnebüchende Urteile, die dann beim OLG durchfallen, dies ist nicht auf Sexualdelikte beschränkt.

      LG
      Mike

  9. Nein, so stark ist der Gegensatz nicht. Im Gesetz steht etwas von schutzloser Lage. Und der BGH hat eindeutig geklärt, dass die schutzlose Lage in Form eines „objektiven Tatbestandes“ vorliegen muss, indem zweifelsfrei klar ist, dass das Opfer nicht flüchten und auch keine Hilfe von anderen Personen erwarten kann. Folge: eine nachts in einem fast leeren Parkhaus im hintersten Winkel in eine Ecke gedrängte Frau befindet sich objektiv nicht in einer solchen. Sie kann theoretisch weglaufen, da Parkhäuser i.d.R. von innen verlassen werden können, sie kann laut um Hilfe rufen, es könnten ja theoretisch doch irgendwo, irgendwann noch mal Leute vorbeikommen.
    Ein Opfer, das davon ausgeht, dass eine Haustür abgeschlossen ist, das aber nicht beweisen kann, befindet sich nicht in einer „objektiv“ schutzlosen Lage. Die Tür könnte ja zu öffnen sein und damit hätte es ja weg- und rauslaufen können.

    Und selbst wenn eine solche schutzlose Lage objektiv vorliegt und das Gericht durchaus anerkennt, dass das Opfer deshalb auf vehemente Gegenwehr verzichtet hat, muss dem Täter nachgewiesen werden, dass er selbst die schutzlose Lage als solche erkannte und vor allem, dass ihm bewusst gewesen ist, dass das Opfer selbst das auch weiß, denn sonst: hat er sie ja nicht ausgenutzt, um Sex mit dem Opfer zu haben – also auch keine Vergewaltigung.

    Alles mit der Rechtsprechung des BGH zu vereinbaren. Genau deshalb wird ja seit langem eine Reform des entsprechenden § gefordert.

  10. Postskriptum:
    Eins halte ich für evident: Die Vorfälle auf der Domplatte und anderswo in der Silvesternacht sind klar durch bestehende Gesetze abgedeckt, und dürfen vor allem nicht verharmlost werden (Ich reg mich heute noch über die SJWs auf, die von „ein bissle Gegrabble“ geredet haben…)

    Die Schutzlücken im Gesetz betreffen vor allem, aber nicht ausschlieslich Vergehen im persönlichen Nahbereich, sowie eher „niederschwellige“ Vergehen. (Unter den Rock fotografieren ist ekelhaft, aber ganz ehrlich: es gibt noch schlimmeres)

    Ich befürchte, dass jetzt (mal wieder) in blindem Aktionismus ein Gesetz durchgepeitscht wird, welches zwar tolle Formulierungen enthält, aber relativ nutzlos ist.
    Notwendig wäre meineserachtens:
    – Gespannere unter Strafe stellen.
    – Ein eigenes Gesetz zur Sexuellen Belästigung, diese gehört aus der Beleidigung herausgenommen und präzisiert.
    – Herreinnahme der psychischen Gewalt und psychischen Unterdrucksetzung in den § 177. Bislang wird „Gewalt“ offenbar gerne als „Physische Gewalt“ interpretiert.

    Intressant auch, dass diese Schutzlücken nie die öffentliche Aufmerksamkeit genossen wie andere feministische Anliegen. Hätte man dazu eine Kampange gestartet wie für gewisse andere Anliegen, hätte man bereits jetzt viel erreichen können.
    Aber das ist eine andere Geschichte.

    LG
    Mike

    • @ Mike

      Die Vorfälle auf der Domplatte und anderswo in der Silvesternacht sind klar durch bestehende Gesetze abgedeckt, und dürfen vor allem nicht verharmlost werden

      Nicht nur die Vorfälle in Köln dürfen nicht verharmlost werden. Das gilt für jegliche Übergiffe und Gewalttaten.

      (Ich reg mich heute noch über die SJWs auf, die von “ein bissle Gegrabble” geredet haben…)

      Wer außer Augstein hat das noch gemacht? (Ist das überhaupt ein sogenannter „SJW“?)

      (Unter den Rock fotografieren ist ekelhaft, aber ganz ehrlich: es gibt noch schlimmeres)

      Öhm, wie war das eben noch mit dem Verharmlosen? Wie war das mit der Empörung über die Oktoberfestvergleiche? Solche Taten sind ein empfindlicher und demütigender Eingriff in die Intimsphäre. „Es gibt schlimmeres“ ist da wirklich nicht angebracht.

      Notwendig wäre meineserachtens:
      – Gespannere unter Strafe stellen.

      Zählen heimliche Intimaufnahmen nicht dazu? Ob jemand mit Kamera im Gebüsch am Strand oder am Fenster hockt oder unter den Rock fotografiert, wo ist da der Unterschied?

      – Ein eigenes Gesetz zur Sexuellen Belästigung, diese gehört aus der Beleidigung herausgenommen und präzisiert.

      Zustimmung

      – Herreinnahme der psychischen Gewalt und psychischen Unterdrucksetzung in den § 177. Bislang wird “Gewalt” offenbar gerne als “Physische Gewalt” interpretiert.

      Zustimmung

    • Onyx, ich glaube, hier liegt ein kleines Mißverständnis vor:
      Gespannere (Und damit sind AUSDRÜCKLICH auch Aufnahmen umterm Rock gemeint) gehört unter Strafe gestellt.
      Aber ich behaupte immer noch, dass es Schlimmeres gibt, so wie ein Satz Ohrfeigen nicht ganz so schlimm ist wie ein paar Messerstiche in den Unterbauch.
      (das eine ist Körperverletzung, das andere zum. gefährliche Körperverletzung, wenn nicht Mordversuch)
      Jetzt klarer?

      Die Relativierungen „ist doch alles gar nicht so schlimm “ wurden mehrfach auf Twitter gebracht, als Antwort auf Interviews von belästigten Frauen, die ihre Peiniger beschrieben haben. Z.T wurde sie auch des Rassismus beschuldigt.
      (Hab ich irgendwo hier verlinkt.)
      Seitdem herrscht an der Front auch wieder peinlich berührtes Schweigen.

      LG
      Mike

    • @ Mike

      Die Relativierungen “ist doch alles gar nicht so schlimm ” wurden mehrfach auf Twitter gebracht, als Antwort auf Interviews von belästigten Frauen, die ihre Peiniger beschrieben haben. Z.T wurde sie auch des Rassismus beschuldigt.
      (Hab ich irgendwo hier verlinkt.)

      Du meinst den Bericht vom SWR? Da steht dass die Dame beschimpft, diffamiert und bedroht wurde. Von wem das ausging, dazu steht nichts. (Außer in einer kurzen Videosequenz, in der ein Facebook-Nutzer namens „Guerilla Minds“ als Urheber des verfälschten Videos erscheint) Aber nichts von irgendwelchen Relativierungen. Welche „SJW“ meinst du also?

      Seitdem herrscht an der Front auch wieder peinlich berührtes Schweigen.

      Nein, das Thema ist genauso aktuell, wie es immer war. Das einzig Bemerkenswerte sind die ganzen plötzlich wie Pilze aus dem Boden geschossenen „Frauenbeschützer“, die sich noch bis vor wenigen Wochen einen Scheißdreck drum geschert, oder sogar aktiv gegen feministisches Engagement getrollt haben.

    • Was das Stopfen der Lücken angeht, sind wir einer Meinung.
      Was die Vorfälle auf der Domplatte angeht nicht. Der § 177 greift hier nicht. Meines Wissens sind nur 2-3 Fälle von Vergewaltigung angezeigt worden. In einem Fall berichtete eine Frau, dass sie plötzlich zwei Finger in sich spürte. Nach geltendem Recht und aktueller Rechtsprechung ist dies keine Vergewaltigung. Die Frau müsste, selbst wenn sie den Täter eindeutig identifizieren könnte, nachweisen, dass dies gegen ihren ausdrücklichen und erklärten Willen geschah, dass dem Täter bewusst war, dass sie es nicht wollte, dass sie aktiv, deutlich erkennbaren Widerstand geleistet hat, dass er bewusst Gewalt angewendet hat (das Eindringen als solches gilt nicht als Gewaltakt!) um ihren ihm als solchen auch erkennbaren Widerstand zu brechen oder sie zu diesem Zweck an Leib und Leben bedroht hat, dass ihre Lage objektiv schutzlos war (sie konnte doch flüchten, überall waren Polizisten in Sichtweite, die nach Aussage vieler Zeugen nicht eingegriffen haben) usw. Jeder gute Anwalt zerpflückt eine solche Anklage bis nichts mehr übrig bleibt.

      Der Rest ist (neben den Diebstahlsdelikten) vor dem Gesetz und der deutschen Strafjustiz tatsächlich „ein bissle Gegrabble“. Merke: „(…) jedoch wird von dem Gesetzgeber erwartet, dass das Opfer dem Täter einen Widerstand entgegensetzt, den dieser mit den genannten Nötigungsmitteln brechen muss.“ Und: „Das Ausüben des Geschlechtsverkehrs gegen den Willen des anderen ist grob anstößig und geschmacklos, aber ohne den Einsatz eines qualifizierten Nötigungsmittels nicht strafbar.“ Ein bisschen an den Hintern oder die Brüste grabschen erst recht nicht!

      „Intressant auch, dass diese Schutzlücken nie die öffentliche Aufmerksamkeit genossen wie andere feministische Anliegen. Hätte man dazu eine Kampange gestartet wie für gewisse andere Anliegen, hätte man bereits jetzt viel erreichen können.“ Die Kampagnen gab und gibt es!

      Solange sie sich jedoch auf die alltäglichen Übergriffe überwiegend deutscher Männer bezogen, erfuhren sie heftigen Gegenwind, nicht zuletzt offensichtlich von Männern, die sich ihr regelmäßiges Grabschen – sorry: ihre missglückten und missverständlichen Annäherungs- bzw. Kontaktanbahnungsversuche – nicht vermiesen und verbieten lassen wollen.

    • @ Brendan

      “Intressant auch, dass diese Schutzlücken nie die öffentliche Aufmerksamkeit genossen wie andere feministische Anliegen. Hätte man dazu eine Kampange gestartet wie für gewisse andere Anliegen, hätte man bereits jetzt viel erreichen können.” Die Kampagnen gab und gibt es!

      Solange sie sich jedoch auf die alltäglichen Übergriffe überwiegend deutscher Männer bezogen, erfuhren sie heftigen Gegenwind, nicht zuletzt offensichtlich von Männern, die sich ihr regelmäßiges Grabschen – sorry: ihre missglückten und missverständlichen Annäherungs- bzw. Kontaktanbahnungsversuche – nicht vermiesen und verbieten lassen wollen.

      Genau das. Das ist der große Kern der gesamten Kritik. Wie oft und wie lange schon ist das Thema der sexuellen Belästigung im feministischen Fokus? Und wie oft erfahren diese Frauen Spott, Beleidigungen, Diffamierungen und Bedrohungen? Und jetzt wollen auf einmal alle die Frauen, die vor wenigen Wochen noch als hysterische Zicken verlacht und als Lügnerinnen diffamiert wurden, vor den grabschenden Migranten beschützen. Auf einmal werden lautstark Kampagnen und Stellungnahmen von Feministinnen gefordert, obwohl es das alles schon seit Ewigkeiten gibt. Schon vergessen, wie der #Aufschrei allseits verunglimpft und getrollt wurde? Jetzt das gleiche mit #ausnahmslos. Das hat schon irgendwie alles ein deutliches Geschmäckle.

  11. Interessant ist, dass viele derjenigen, die sich mit Schaum vor dem Mund nach Köln plötzlich um die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen kümmern, dies nur solange tun, solange das Thema der Verschärfung des Strafrechts nicht zur Sprache kommt. Dann würden nämlich auf einmal Themen vermischt, die nichts miteinander zu tun hätten.

    Ich glaube ja mittlerweile, dass das Focus Titelbild von einem sehr schlauen Menschen der Redaktion untergejubelt wurde, die bis heute nicht versteht, was sie da eigentlich abgebildet hat. Das Bild der nackten Frau mit den schwarzen Handabdrücken auf ihrem Körper, ist ein perfektes Symbol für den offenen Rassismus in der ganzen Debatte. Sexuelle Belästigung wird nur dann zu einem großen Thema und öffentlich sichtbar, wenn sie dunkelhäutige Ausländer begehen. Die Hände von weißen, deutschen Männeŕn würde man nämlich nicht sehen – und eine Sichtbarmachung ist auch gar nicht erwünscht. Würde einen ja beim Grabschen stören.

  12. „Interessant ist, dass viele derjenigen, die sich mit Schaum vor dem Mund nach Köln plötzlich um die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen kümmern, dies nur solange tun, solange das Thema der Verschärfung des Strafrechts nicht zur Sprache kommt.“

    Ja, ist mir gerade auch wieder unangenehm aufgefallen. Alles, außer Köln, ist auch weiterhin „nicht schlimm“, muss man „locker sehen“, sind „Komplimente“. Dennoch nervt mich auch, wie bei nicht so wenigen linken feministisch orientierten Personen plötzlich alles „minderschwer“ war, was mit Köln und Hamburg zu tun hatte. Verharmlosung ist beides.

    • „Dennoch nervt mich auch, wie bei nicht so wenigen linken feministisch orientierten Personen plötzlich alles “minderschwer” war, was mit Köln und Hamburg zu tun hatte.“

      Da muss ich Margret recht geben, den Eindruck bekomme ich nämlich auch. Die Angriffe auf die Frauen in Köln waren in erster Linie sexistisch motiviert, eine männliche Machtdemonstration, und doch höre ich von feministischer Seite lediglich, dass sie für die Flüchtlinge in die Bresche springen mit der lautsstarken Betonung, man solle ja nicht alle über einen Kamm scheren. Das ist sehr wohl richtig als auch wichtig, aber wo bleibt die Kritik an diese Geschehnisse in der Sylvester-Nacht an sich? Es ist nunmal eine Tatsache, dass in arabischen und afrikanischen Ländern noch immer Kulturen herrschen, in denen Frauen keine Gleichberechtigung kennen und schnell zu Freiwild werden, wenn sie sich nicht an ihre „gottgegebenen“ Regeln halten. Ich will nicht wie Birgit Kelle klingen, ich mag diese Frau nicht, aber ich frage mich ebenfalls, wo hier der feministische Aufschrei bleibt. Ich finde es auch scheiße, wenn die sexuellen Übergriffe z. B. auf den Oktoberfest unter dem Teppich gekehrt werden, aber das selbe gilt auch für die Ereignisse in Köln. Wenn nicht sogar noch mehr…

    • @ Stephi

      Die Angriffe auf die Frauen in Köln waren in erster Linie sexistisch motiviert, eine männliche Machtdemonstration, und doch höre ich von feministischer Seite lediglich, dass sie für die Flüchtlinge in die Bresche springen mit der lautsstarken Betonung, man solle ja nicht alle über einen Kamm scheren. Das ist sehr wohl richtig als auch wichtig, aber wo bleibt die Kritik an diese Geschehnisse in der Sylvester-Nacht an sich?

      Ich nehme das anders wahr. Die Kritik ist doch recht deutlich. Nur besteht der Fokus darin, erneut jegliche sexuelle Übergriffe in die Kritik zu stellen, und nicht nur auf den Zug zu springen, sich jetzt besonders auf Flüchtlinge einzuschießen, so wie es ja allgemein jetzt der Tenor ist.
      Die allermeisten der Menschen, die jetzt in unser Land kommen, benehmen sich anständig und sind dankbar, dass sie hier Zuflucht gefunden haben. Nur weil ein kleiner Teil von ihnen auf unsere Gesetze und unsere Kultur scheißt, ist das kein Grund, in rassistische Hetze zu verfallen. Was wir brauchen, sind keine geschlossenen Grenzen, sondern eine vernünftige Integrationspolitik. Dazu gehört natürlich unter anderem auch das gesellschaftliche Frauenbild. Aber was das angeht, hätte auch ein gewisser Teil der Deutschen noch einiges zu lernen. Insofern ist das kein reines Flüchtlingsproblem, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

  13. Es ist halt schon so, dass eine bekannte US-amerikanische Studie ergeben hat, dass in vielen westafrikanischen und arabischen Ländern teilweise unter einem Viertel der Menschen der Aussage zustimmt, Frauen und Männer sollten gleiche Rechte haben bzw. eine Mehrzahl der Aussage zustimmt, Frauen sollten ihren Männern gehorchen (ein interessanter Artikel auf Englisch dazu hier http://www.spiegel.de/international/germany/sexism-and-islam-debated-in-germany-after-cologne-attacks-a-1073751.html) .

    „The Pew Research Center in Washington surveyed 38,000 Muslims between 2008 and 2012. More than half — and a whopping 87 percent in the Middle East and North Africa — held the view that a woman should always obey her husband. In fact, only a quarter of those questioned in the Middle East and North Africa felt that daughters and sons should inherit equal shares of their parents‘ money, and only a third said that women have the right to get divorced.“

    Und Aktionen wie die Verweigerung mancher Väter auf unserer Schule, mit weiblichen Lehrern ein Elterngespräch zu führen, finde ich schon ziemlich kacke, um das noch freundlich auszudrücken. So etwas möchte ich einfach nicht, das kann ich in keinster Weise und auch nur im Ansatz unterstützen, im gegenteil, so eeine Einstellung finde ich bekämpfenswert. und schon 3x aus feministischer Sicht.

    Und ich finde, das sind dann durchaus Probleme, denen man sich stellen muss und vor denen man nicht die Augen verschließen darf.

    Dass Menschen aus dem strikt konservativen Spektrum (also auch die allermeisten Antifeministen) sich eigentlich einen feuchten Kehricht um Opfer sexueller Übergriffe scheren und nur ihre Agenda durchdrücken wollen, ist eh klar. Ich erwarte da schon keine ernstgemeinten Aussagen mehr zu dem Thema. Es wird sich aufgeregt, wenn die Tätergruppe „die richtige“ ist und wenn nicht, wird wieder kräftig verharmlost. Finde ich widerlich, aber was soll man machen?

    Umso schlimmer finde ich aber, wenn sich Menschen aus dem linken Meinungsspektrum ebenfalls nur dann um die Opfer scheren, wenn die Tätergruppe „die richtige“ ist.

    • @ Margret

      Es ist halt schon so, dass eine bekannte US-amerikanische Studie ergeben hat, dass in vielen westafrikanischen und arabischen Ländern teilweise unter einem Viertel der Menschen der Aussage zustimmt, Frauen und Männer sollten gleiche Rechte haben bzw. eine Mehrzahl der Aussage zustimmt, Frauen sollten ihren Männern gehorchen

      Ist das nicht unter Christen das gleiche Problem? Die Bibel ist voll mit Frauenverachtung. Das soll in keinster Weise frauenverachtende Tendenzen im Islam entschuldigen, ich will nur betonen, dass das keine spezifische Eigenart des Islam ist, sondern es immer davon abhängt, wie Glaube individuell gelebt wird. Du bist doch auch Katholikin und stimmst sicher nicht zu, dass es ok ist, Homosexuelle zu töten, oder Töchter zu vergewaltigen. Es gibt aber eine Menge Christen, die zumindest der Meinung sind, dass Homosexuelle nicht die gleichen Rechte haben dürfen und irgendwie krank sind. Ich sage nur „Demo für alle“, wo unter dem Deckmantel des „Familienschutzes“ mehr als fragwürdige Ansichten verbreitet und hofiert werden und wo sich auch die AfD bekanntermaßen sehr wohl fühlt.
      Da ist zB mein tunesischer Nachbar, der mit einer Deutschen verheiratet ist, deutlich weiter und mir wesentlich sympatischer.

      Und Aktionen wie die Verweigerung mancher Väter auf unserer Schule, mit weiblichen Lehrern ein Elterngespräch zu führen, finde ich schon ziemlich kacke, um das noch freundlich auszudrücken. So etwas möchte ich einfach nicht, das kann ich in keinster Weise und auch nur im Ansatz unterstützen, im gegenteil, so eeine Einstellung finde ich bekämpfenswert. und schon 3x aus feministischer Sicht.

      Und ich finde, das sind dann durchaus Probleme, denen man sich stellen muss und vor denen man nicht die Augen verschließen darf.

      Da stimme ich dir zu. Das meine ich mit vernünftiger Integrationspolitik. Wir haben eine Religionsfreiheit und jeder darf dem Glauben anhängen, wie er will. Das muß aber innerhalb der bestehenden Gesetze passieren und darf nicht in Diskriminierungen enden. Und die beginnt dort, wo andere Menschen als weniger Wert betrachtet werden.

      Dass Menschen aus dem strikt konservativen Spektrum (also auch die allermeisten Antifeministen) sich eigentlich einen feuchten Kehricht um Opfer sexueller Übergriffe scheren und nur ihre Agenda durchdrücken wollen, ist eh klar.

      Das betrifft ja leider nicht nur Antifeministen, sondern auch zum Großteil Anhänger der neuen oder alten Rechten (wobei es da ja auch nicht wenige Überschneidungen gibt).

      Ich erwarte da schon keine ernstgemeinten Aussagen mehr zu dem Thema

      Das geht mir schon sehr sehr lange so. Eigentlich von Anbeginn, seit überhaupt über sexuelle Gewalt diskutiert wird.

      Umso schlimmer finde ich aber, wenn sich Menschen aus dem linken Meinungsspektrum ebenfalls nur dann um die Opfer scheren, wenn die Tätergruppe “die richtige” ist.

      Hier möchte ich nur auf meine Antwort an Stephi verweisen. Ich habe keine Aussage aus der linken Ecke vernommen, die die Übergriffe von Migranten in irgendeiner Form entschuldigt haben. Da einzige, was betont wird, ist die Kritik an sexistischer und rassistischer Gewalt im Allgemeinen und eben genau nicht nur dann, wenn es grad in den Kram passt

  14. Es sagt hier auch keiner, dass die sexuellen Angriffe in der Silvester-Nacht von linker bzw. feministischer Seite entschuldigt wird, sondern nur, dass die Ereignisse dort eben von jener Seite irgendwie unter dem Teppich fallen gelassen wird, und zwar aus Gründen, die ich bereits genannt habe. Und ja, auch in der Bibel liest man viel menschen- und frauenverachtender Mist, aber in den christlichen Gesellschaften hat im Laufe der Zeit weitgehends eine Säkularisierung stattgefunden, ein Prozess, den in den muslischen geprägten Ländern bisher nicht gegeben hat. Daran ändert auch die Tatsache nicht, dass die meisten Flüchtlinge dankbar und anständig sind, oder sich die meisten Muslime gut integrieren können. Aber gerade für den Feminismus, die für Rechte und Schutz für Frauen stehen, muss es möglich sein, sich mit Hilfe seriöser Quellen – dazu würde ich Hamed Abdel-Samad zählen – mit islamkritischen Themen zu beschäftigen, ohne Angst zu haben, den Rechtspopulisten damit in die Hände zu spielen.

  15. Es stimmt, in der katholischen Kirche gibt es noch viel Homophobie. Die aber zumeist unterschwellig stattfindet, im Sinne von „ich habe ja nichts gegen die, aber eine Familie ist das nicht (und eventuell könnten sie die Kinder auch noch „anstecken“, das sind dann die härteren Fälle). Und auch der Wortlaut des neuen Katechismus ist ehrlich gesagt beleidigend, auf eine subtile Art, die mich persönlich gerade darum so richtig wütend macht. Noch schlimmer ist es sogar noch bei vielen evangelikalen Gruppierungen, da triffst Du oft auch die „Homosexuelle sind Sünder“-Fraktion, das auf so eine lächend kackfreundliche, doppelzüngige, latent aggressive Art und Weise „Ja, die sind Sünder, Gott liebt auch die Sünder, aber wenn sie nicht umkehren, ist ihnen die Hölle sicher. Nein, das ist nicht feindlich, das ist die Wahrheit. Bist Du keine Christin?“. Aktive Aufrufe zur Gewalt bzw. tatsächliche Gewalt gibt es glücklicherweise nicht mehr (zumindest mir nicht bekannt). Und das ist im Islam leider derzeit immer wieder der Fall. Direkte Gefahr an Leib und Leben drohen LGBT von christlicher Seite eher nicht. Trotzdem hast Du natürlich recht, die Situation ist immer noch ziemlich furchtbar. Aber leider im Islam noch furchtbarer.

    Ich finde tatsächlich (siehe Augstein), dass von linker und feministischer Seite die Vorfälle verharmlost werden, gerade durch die starke Betonung der Angst, es könne nun rassistisch verwendet werden. Mitgefühl für die Opfer gab es eben gerade nicht. V. a. Augstein hat sich so grandios daneben benommen u. a. mit seiner „man könnte meinen, Sie wären gefressen worden“-Bemerkung, ich konnte das zunächst gar nicht glauben, dass eine derartige Verharmlosung solcher Vorfälle von linker Seite kommt. Auch in diesem Fall „http://www.queer.de/detail.php?article_id=25377“ konnte man wieder in diversen Kommentaren lesen, wie übertrieben die Aufregung um „sowas“ wäre. Und damit ist man auf dann der Stufe der „wenn die Trulla nicht 5 x nein sagt und um sich schlägt und außerdem hat sie hinterher noch gearbeitet , also kann es so schlimm ja nicht gewesen sein“-Fraktion angelangt.

    • Ich finde tatsächlich (siehe Augstein), dass von linker und feministischer Seite die Vorfälle verharmlost werden, gerade durch die starke Betonung der Angst, es könne nun rassistisch verwendet werden.

      Aber genau das passiert doch auch ganz massiv. Dagegen zu argumentieren, und sich ausdrücklich gegen Rassismus auszusprechen (und das ist für mich eine absolut notwendige logische Folge), hat doch nichts mit Verharmlosung zu tun, im Gegenteil. (Augstein mal ausgenommen, seine Äußerungen sind einfach nur daneben)

    • Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Tagen twitter nicht mehr verfolgt habe, aber in den ersten Tagen danach habe ich kein Wort des Bedauerns für die Opfer gelesen, sondern nur Relativierungen wie „kommt aber doch woanders auch vor“ und viel in Richtung „Rassismus“. Ich halte es nicht prinzipiell für falsch, festzustellen, dass es dieses Problem eben nicht nur seit Silvester gibt, aber ich finde, erstmal den Opfern sein Mitgefühl auszudrücken, wäre die einzig richtige Reaktion. Und dann feszustellen, dass so ein Verhalten einfach immer unduldbar ist. Ich sehe da bei diesem massenweisen Einkreisen und Nötigen samt schwerem Diebstahl/ Raub auch tatsächlich eine neue Dimension (wobei auch eine neue Dimension nur die Steigerung von bereits bekanntem Verhalten, nur eben nicht in diesem Ausmaß, ist).

    • @ Margret

      Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du immer so das fehlende Mitgefühl und das Bedauern für die Betroffenen betonst. Ist doch klar, dass jeder normale Mensch mit den Betroffenen mitfühlt und die Taten verachtet, oder? Die einzigen, denen ich aber ihre vorgetragene Betroffenheit nicht glaube, sind 2 Parteien. Antifeministen und Rassisten. Einfach aus dem schon mehrfach erwähnten Grund, weil das Personengruppen sind, die sich vorher noch nie mit Solidarität mit von sexueller Gewalt betroffenen Frauen bemerkbar gemacht haben (eher im Gegenteil).
      Wichtig ist jetzt, dafür zu sorgen, dass das in Zukunft nicht mehr passieren kann und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

    • „Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du immer so das fehlende Mitgefühl und das Bedauern für die Betroffenen betonst.“

      Weil eben das nicht zu tun, so ist, als würdest Du einem Freund, der gerade überfallen wurde, erzählen, er solle jetzt bloß nicht pauschalisieren oder die falschen Schlüsse ziehen, statt ihm zu helfen, ihn in den Arm zu nehmen und ihn erzählen zu lassen. Arschiges Verhalten halt.

      „Ist doch klar, dass jeder normale Mensch mit den Betroffenen mitfühlt und die Taten verachtet, oder?“

      Leider ist das nicht ganz so klar. Und wenn man es nicht ausdrückt, erst recht nicht. Es gibt leider genügend Menschen, die solche Taten nicht verachten oder entschuldigen. Und was mich schon immer gestört hat, ist in solchen Fällen die starke Fixierung auf den Täter. Das sehe ich hier, von allen Seiten, wieder mal gegeben. Nur enttäuscht es mich bei feministischen/linken Personen mehr als bei rechtskonservativen.

      „Die einzigen, denen ich aber ihre vorgetragene Betroffenheit nicht glaube, sind 2 Parteien. Antifeministen und Rassisten.“

      Stimme ich dir zu.

    • Weil eben das nicht zu tun, so ist, als würdest Du einem Freund, der gerade überfallen wurde, erzählen, er solle jetzt bloß nicht pauschalisieren oder die falschen Schlüsse ziehen, statt ihm zu helfen, ihn in den Arm zu nehmen und ihn erzählen zu lassen. Arschiges Verhalten halt.

      Gut, bei nahestehenden Menschen ist es klar, dass man sich intensiv um sie kümmern muß, wenn es ihnen schlecht geht. Aber wie willst du das bei Fremden machen?

      Leider ist das nicht ganz so klar.

      Für mich schon. Als damals der Aufschrei aufkam, fand ich die feministische Solidarität schon sehr erleichternd. Allein schon aus der Gewissheit, dass man weder allein, noch verrückt ist.

      Und was mich schon immer gestört hat, ist in solchen Fällen die starke Fixierung auf den Täter. Das sehe ich hier, von allen Seiten, wieder mal gegeben.

      Weil es diesmal ein rassistisches Ausmaß angenommen hat, dem man entschieden entgegen treten muß. Es braucht halt ein sensibles Gleichgewicht zwischen Opferschutz und einer Gegenstimme zum rassistischen Mob, der alle Flüchtlinge unter Generalverdacht stellt.

      Nur enttäuscht es mich bei feministischen/linken Personen mehr als bei rechtskonservativen.

      Verstehe ich. Aus den eigenen Reihen erwartet man mehr Unterstützung als von Leuten, mit denen man nichts zu tun hat, oder haben will. Aber ich sehe halt gerade bei den Rechtskonservativen auch keine wirkliche Unterstützung. Es ist mehr ein „vor den eigenen Karren spannen“ und ein Mißbrauch für die eigene Ideologie. Und das finde ich noch schlimmer, als die Position, konsequent sowohl das eine (Rassismus), als auch das andere (Sexismus) zu bekämpfen.

    • „Gut, bei nahestehenden Menschen ist es klar, dass man sich intensiv um sie kümmern muß, wenn es ihnen schlecht geht. Aber wie willst du das bei Fremden machen?“

      Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen damit, weiß ich, dass es schon viel hilft, erstmal ganz deutlich zu sagen, dass der Vorfall schlimm war und nicht zu entschuldigen ist. Was gar nicht hilft, ist, etwas der Art abzusondern „Ach geh, die wollten halt ihren Spaß, ist ja nicht so schlimm, nicht so ernstnehmen“. Und das hat z. B. Augstein letzten Endes getan (und hab ich original so gehört, als es mich betraf). Und wenn mir jemand gesagt hätte „ach geh, aber andere machen das doch auch“ (die Posts so aus dem linken-feministischen Umfeld) hätte ich mich verarscht gefühlt und nicht ernstgenommen.

    • Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen damit, weiß ich, dass es schon viel hilft, erstmal ganz deutlich zu sagen, dass der Vorfall schlimm war und nicht zu entschuldigen ist.

      Das war doch auch deutlicher Tenor. Auch wenn er nicht von allen Seiten glaubwürdig war.

      Was gar nicht hilft, ist, etwas der Art abzusondern “Ach geh, die wollten halt ihren Spaß, ist ja nicht so schlimm, nicht so ernstnehmen”.

      Abgesehen von ein paar Verwirrten hat das doch auch niemand getan.

      Ich glaube, du nimmst die Oktoberfestvergleiche etwas zu negativ, bzw werte ich sie einfach anders. Aber das hatten wir alles schon, und wir drehen uns hier glaube ich etwas im Kreis.

    • Die Oktoberfestvergleiche finde ich gar nicht mal so schlimm, weil es dort meiner Erfahrung nach wirklich zu vielen Übergriffen kommt, allerdings nicht in dieser Dimension wie in Köln (wobei die Zahlen tatsächlich schwer übertrieben wurden). Ich meine eher sowas hier „Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird“ (u. a. von Anne Wizorek). Ich finde diese andauernde Betonung der Angst vor Instrumentalisierung unangebracht und richtiggehend antifeministisch, weil es letzten Endes die Opfer verhöhnt.

    • Ich meine eher sowas hier “Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird” (u. a. von Anne Wizorek). Ich finde diese andauernde Betonung der Angst vor Instrumentalisierung unangebracht und richtiggehend antifeministisch, weil es letzten Endes die Opfer verhöhnt.

      Das mußt du jetzt erklären. Was ist an dieser Aussage falsch und antifeministisch? Inwiefern werden Opfer verhöhnt, wenn davor gewarnt wird, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu hetzen? Ich sehe darin weder eine Verharmlosung der Taten, noch eine Verschiebung der Schuldfrage oder eine ähnliche typisch antifeministische Rhetorik. Ich würde deinen Einwand verstehen, wenn tatsächlich gar keine Instrumentalisierung stattfinden würde, und nur eine unnötige Panik geschürt würde. Die Realität ist aber leider eine andere. Opferverhöhnung wäre es, wenn die Taten vor lauter übertriebenem Verständnis mit anderen Kulturen mit anderem Frauenbild heruntergespielt würden. Das tut Anne Wizorek aber mit keinem einzigen Wort. Oder hast du da andere Infos?

    • „Was ist an dieser Aussage falsch und antifeministisch? Inwiefern werden Opfer verhöhnt, wenn davor gewarnt wird, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu hetzen?“

      Ich denke, sie hat in diesem Zusammenhang einfach nichts verloren. Es soll um Opferschutz gehen, gut. Dann verstehe ich die andauernde Betonung der Gefahr einer Instrumentalisierung nicht. Im Prinzip „(be)nutzen“ beide Seiten die Opfer von Silvester. Und genau das finde ich unmöglich.

    • Ich muss das präzisieren, so wie oben war es unklar. Was mich wirklich wahnsinnig wütend macht, ist, dass von feministischer/linker Seite die Übergriffe erst, und dann zögernd, thematisiert wurden, als die Rechtskonservativen das Thema bereits gekapert hatten. Und dass sich mir im Verlaufe der Diskussion der Eindruck aufgedrängt hat, man hätte es gar nicht thematisiert, hätte die rechtskonservative Seite nicht so einen „Wirbel“ gemacht. Und selbst jetzt, nachdem man es, vor sich her getrieben von rechtskonservativer Seite, endlich thematisiert hat, muss man andauernd vor Instrumentalisierung warnen. Ganz ehrlich, denkst Du, das Thema wäre von feministischer-linker Seite ansonsten überhaupt aufgegriffen worden? Es macht mich, ich wiederhole mich, wahnsinnig wütend, dass erst Rechtskonservative kommen müssen, damit Linke und Feministen auf so extreme Übergriffe aufmerksam werden. Wie kann das sein? Damit ist man nicht mehr besser als die rechtskonservative Seite. Falscher Täter, totgeschwiegen.

  16. Puh, wie kam ich jetzt auf Homophobie, keine Ahnung … vermutlich durch eine aktuelle Diskussion. Also das traditionelle Familienmodel wird in der katholischen Kirche und auch bei vielen evangelikalen (noch schlimmer sogar) sehr hochgehalten. Allerdings erfolgt daraus bei den meisten zumindest explizit keine Empfehlung an Frauen sich unterzuordnen, das wird mittlerweile sogar sehr abgelehnt, zumindest in der katholischen Kirche. Bei einigen evangelikalen, sektenähnlichen Gruppierungen gibt es das aber, ja. Aber zumindest in Deutschland vertreten das sicher nicht über 50% der Christen sondern vermutlich 5%. In der orthodoxen Kirche und überhaupt im osteuropäischen Raum ist das aber noch verbreiteter. ich sehe es generell als Problem, dass wir solche Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau und Anerkennung von LGBT-Lebensstilen immer wieder aufs neue verteidigen müssen. Und wenn eine Vielzahl der Flüchtlinge tatsächlich Vorstellungen von der Minderwertigkeit der Frau oder homophobe und antisemitische Meinungen (Antisemitismus ist z. B. bei Syrern sehr verbreitet) vertreten, sehe ich das schon als großes Problem.

    • Das ist auch der Grund, warum ich der katholischen Kirche mittlerweile sehr ablehnend gegenüberstehe. Ich würde auch gerne austreten, habe allerdings die Befürchtung, dass sich das negativ auf meine Laubahn in der Altenpflege auswirkt, da viele soziale Einrichtungen von der Kirche mitgetragen wird. Ich habe aber kein Problem, in einer kirchlichen Einrichtung zuarbeiten, ich tue das ja nicht für den Herrngott, sondern für mich und die Menschen, die ich pflege. Aber ich habe mal für einige Monate im ambulanten Pflegedienst gearbeitet und dort eine sehr nette Kollegin kennengelernt, die seit einigen Jahren in einer lesbischen Beziehung lebt. Ihr ist aber nicht möglich, ihre Lebensgefährtin zu heiraten, weil sie dann nicht mehr für diesen Pflegedienst arbeiten dürfte, weil es sich um eine katholische Einrichtung handelt. Das ist doch schrecklich! Was hat das eigene Liebesleben mit der Qualität als Pflegerin zu tun? Gar nichts, aber die katholische Kirche übt noch eine große Macht aus und meint, sie dürfe bei anderen Menschen in die Schlafzimmer gucken und sie dann verurteilen. Die Kirche war schon immer bigott, die Gebote „Liebe deine Nächsten“ und „In Augen Gottes sind alle gleich“ zählt nur für die Menschen, die sich so verhalten, wie es sich die Kirche vorstellt.

    • Meinst du meine Kollegin? Ich hatte sie damals gefragt, ich erinnere mich aber nicht mehr genau daran, was sie geantwortet hatte.

    • „Ihr ist aber nicht möglich, ihre Lebensgefährtin zu heiraten, weil sie dann nicht mehr für diesen Pflegedienst arbeiten dürfte. “

      Die Macht der katholischen Kirche müsste in solchen Fällen dringend staatlicherseits gebrochen werden. Allerdings denken wirklich nur noch eher wenige Katholiken so und es kommt auch auf den jeweiligen AG an, ob er das „duldet“ oder nicht. Ich habe mal in einem sehr katholischen Unternehmen gearbeitet, wir hatten bekennende Schwule und Lesben, auch verheiratet (also eingetragene Lebenspartnerschaft), war alles kein Problem, es kommt auf den jweiligen Chef an (das ist aber Teil des Problems, diese Abhängigkeit).

      Deine Kollegin kann übrigens heiraten und eine eventuelle Kündigung nicht akzeptieren http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/gericht-verhindert-kuendigung-einer-erzieherin-wegen-lebenspartnerschaft-elternzeit-kirche/ . Ist aber halt die Frage, ob man sich den Stress antun will, das ist total verständlich.

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