Emanzipation zerstört Erotik? Nope.

Die SZ hat während ihrer Recherche-Reihe zur „Gleichberechtigung heute“ ja schon einige recht lesenwerte Artikel hervorgebracht. ZB

zur Aufgabenverteilung bei der Haus- und Familienarbeit.

zur Lebenserwartung von Männern und Frauen

über sexuelle Gewalt

ein Rant über pöbelnde Maskulisten

oder ein Videoquiz über Sexismus

Es wird natürlich auch Unsinn geschrieben, wie jüngst von Violetta Simon, die da behauptet, dass „Emanzipation die Erotik tötet“.

Untermauert mit einer Menge an bekanntem biologistischem Kram, und der unterschwelligen, oder eigentlich vielmehr sehr deutlichen Botschaft, dass Frauen häuslich, sanft und submissiv, und Männer dagegen wild, stark und dominant sein müssen, wenns im Bett laufen soll. So weit, so langweilig.

Dieses Bild, dass Sex nur dann sexy ist, wenn der starke Mammutjäger seine Beute an den Haaren ins Bett zerrt, mag ja partiell anregend sein, aber daraus die plumpe Idee zu stricken, dass gelebte Emanzipation die Erotik töten würde, und einer ja immer die Führung übernehmen müsse, erinnert eher an den Versuch, irgendwelche 50 Shades of Schwachsinn-Phantasien krampfhaft als das einzig selig machende NonplusUltra darstellen zu wollen. Und bei solchen penetranten Versuchen, wenns darum geht, eine Lebensweise als optimal zu glorifizieren, und jede andere daneben als Frustgarant zu verteufeln, sollte doch jeder Mensch mit Verstand mißtrauisch werden. Kennen wir alles schon zur Genüge von Hermann, Kelle & Konsorten. Warum soll es denn nicht möglich sein, sich vorzustellen, oder – welch rebellischer Gedanke – es sogar zu akzeptieren, dass es unzählige Facetten und Möglichkeiten gibt, Sex und Erotik im kommunikativen Austausch auszuleben? So, Augenhöhe, Gleichberechtigung, Emanzipation und so. Jeder kann machen, worauf alle Beteiligten Bock haben. So verrücktes Zeug halt. Ich finde ja nichts langweiliger und unerotischer als Menschen, die meinen, zu wissen, was andere geil oder ungeil finden müssen. Woher kommt dieser Drang danach, die Welt in schwarz und weiß einzuteilen, und praktischerweise gleich zu verurteilen, wenns nicht in den eigenen Kram passt? „Tradition“ = yay, Emanzipation = pfuibäh. Ist es irgendeine irrationale Angst vor Veränderung? Oder davor, selbst nicht in irgendeine wie auch immer gepresste Norm zu passen? Ich weiß es nicht. Und ehrlich gesagt, will ich es auch nicht wissen. Weil diese Art Denke so gar nichts mit meiner Lebensrealität zu tun hat und ich kenne auch niemanden, bei dem das signifikant anders ist. An alle Violetta Simons da draußen: Es gibt ganz andere Baustellen da draußen, an die wir ran müssen. Emanzipation als Lustkiller zu verkaufen, ist mal ein gründlich überflüssiger Backlash in die 50er. Das brauchen wir wie Fußpilz.

Daher mein Fazit: Nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation zerstören die Erotik.

Sehr schön und weit ausführlicher hat dazu Svenja Gräfen bereits treffende Worte gefunden.
http://svenjagraefen.de/liebe-violetta-simon-lassen-sie-uns-ueber-sex-reden/

38 Kommentare zu “Emanzipation zerstört Erotik? Nope.

  1. Mich würde bei den Studien, die im Artikel erwähnt wurden ja interessieren, ob man sich den Aspekt (mehr Sex bei klassischer Cis-Hetero-Rollenverteilung) genauer angesehen hat. Denn Korrelation muss nicht gleich Kausalität sein. Vielleicht spielen noch andere Aspekte rein?

    • Die zitierte Studie von Kornrich et al. „Egalitarianism, Housework, and Sexual Frequency in Marriage“ (http://www.asanet.org/journals/ASR/Feb13ASRFeature.pdf) hat natürlich nur Korrelationen gemessen. Diese (negativen) Korrelationen sind inkompatibel mit der gängigen feministischen These, egalitäre Beziehungen hätten mehr / besseren Sex, Nicht mehr, aber auch nicht weniger als diese Widerlegung leistet der Artikel.

      Man kann natürlich trotzdem nach psychologischen Wirkmechanismen fragen, die die Korrelationen erklären können. Auf der 6. Seite stellt der Text mehrere vor:

      „We note three plausible mechanisms that might link sexual frequency to gender- traditional divisions of housework: (1) gen- der-traditional divisions of labor increase sexual desire and thus sexual frequency, (2) both result from gender traditional beliefs or are ways of doing gender, and (3) gender- traditional arrangements may increase rela- tionship satisfaction, which in itself leads to greater sexual frequency.“

      Die hören sich zwar alle plausibel an, Korrelationen beweisen aber keine Kausalzusammenhänge, außerdem treten offenbar mehrere Mechanismen parallel auf und wir sind wieder bei dem alten Dilemma, daß man das Sozialverhalten von Männlein und Weiblein nicht mit simplen Theorien bzw. Wirkmechanismen erklären kann.

    • @mitm
      Hmm… Höre offen gestanden zum ersten Mal von der These, dass egalitäre Beziehungen das Sexleben bereichert. Aber gut, man lernt nie aus.

  2. „… einige recht lesenwerte Artikel hervorgebracht“

    ich widerspreche ja nur ungern, aber das kann man, wie bei allen Texten, auch deutlich anders sehen. 😉

    „Es wird natürlich auch Unsinn geschrieben, wie jüngst von Violetta Simon, die da behauptet, dass „Emanzipation die Erotik tötet“.“

    Wir können uns darauf einigen, daß die ganzen SZ-Texte alle nur Unsinn enthalten, selbst unter der Annahme, daß es keine wissenschaftlichen Publikationen sind, sondern daß sie eher zur Unterhaltung des Stammpublikums dienen. Ob man einen Text unterhaltsam und inspirierend findet, hängt natürlich von den eigenen Vorurteilen ab, z.B. den „Rant über pöbelnde Maskulisten“ von Hurtz findet nicht jeder lustig.

    Der Simon-Text ist mir auch schon aufgefallen, er erdreistet sich doch tatsächlich, dem Erwartungshorizont der Leserinnen nicht zu entsprechen und fiel bei den SZ-Fans prompt in Ungnade. Kann man sehr schön an den Kommentaren, die auf rivva gesammelt werden, ablesen: hier der Jubel über den Hurtz-Text, hier die frostigen Reaktionen auf den Text von Simon.

    Vielleicht ist der Simon-Text ja auch ein Rant? So ähnlich wie Schönheit im Auge des Betrachters liegt, liegt auch das Rantigsein (sagt man so? egal) im Auge der Betrachterin.

    Inhaltlich habe ich beim Lesen dess Simon-Texts dauernd gedacht, wieso schreibt sie solche Trivialitäten so langatmig auf, das weiß doch sowieso jeder (m, auch manche w) seit wenigstens 10 Jahren. Und daß der Text zugespitzt formuliert, ist eben dem Unterhaltungsfaktor geschuldet und gut fürs Clickbaiting.

    • @ mitm

      Wir können uns darauf einigen, daß die ganzen SZ-Texte nur Unsinn enthalten,

      Nein, können wir nicht, denn einige sind tatsächlich lesenswert.

      Der Simon-Text ist mir auch schon aufgefallen, er erdreistet sich doch tatsächlich, dem Erwartungshorizont der Leserinnen nicht zu entsprechen

      Woher kennst du den Erwartungshorizont aller Leserinnen?

      Vielleicht ist der Simon-Text ja auch ein Rant?

      Vielleicht. Aber kein Guter.

      Inhaltlich habe ich beim Lesen dess Simon-Texts dauernd gedacht, wieso schreibt sie solche Trivialitäten so langatmig auf, das weiß doch sowieso jeder (m) seit wenigstens 10 Jahren.

      Woher kennst du das Intimleben aller Männer und deren Zufriedenheit damit?

      Worüber ich mich gewundert habe, ist eher, warum Einzelfälle, über die Frau Simon berichtet als etwas bezeichnet werden, „was jeder Mann seit 10 Jahren kennt“, also zur Allgemeinheit erhoben wird, aber die Existenz frauenfeindlicher Idioten wie „Werner Stahl“, die sich nun mal zweifelsfrei im Antifeminismus tummeln, angezweifelt wird. Da ist von „Strohmännern“, „Scheinriesen“, oder gar „Erfindung“ die Rede. Ich kann dir entgegenhalten, dass solche „Werner Stahls“ so ziemlich jeder Frau und jedem Mann bekannt sind, die es wagen, sich profeministisch zu positionieren (und ich unterstelle, auch jedem Maskulisten, der nicht völlig blind durch die Welt zieht). Aber im Gegensatz zu Frau Simon ist Herr Hurtz in seinem Pöbelmasku-Artikel wenigstens so ausgewogen, die Sache nicht nur einseitig zu betrachten. Unterm Strich hast du also Recht. Der Hurtz-Text ist keine reine Schimpftirade (denn das ist ein Rant eigentlich), sondern wie du schon gesagt hast, eine „überspitzte, im Kern aber schon korrekte und im Rahmen der journalistischen Ermessensspielräume zulässige Darstellung des Themas“. Was daran jetzt Problem ist, sehe ich aber nicht. Ist es vielleicht nicht genehm, die Schattenseiten des Maskulismus zu beleuchten? Ist Maskulismuskritik etwa ganz allgemein nicht erlaubt? Ich finde diese Beobachtungen interessant und eigentlich eines eigenen Artikels würdig, denn hier geht es etwas am Thema vorbei. Mal schauen.

      Amüsiert haben mich aber die Spekulationen, wie ich wohl andere Texte bezeichnen würde. Aber lassen wir das…

      Und daß der Text zugespitzt formuliert, ist eben dem Unterhaltungsfaktor geschuldet und gut fürs Clickbaiting.

      Das scheint ja beim Pöbelmasku-Text hervorragend funktioniert zu haben, wenn man sieht, wie sich Maskulisten und Antifeministen darüber empören und so gar nicht wahrhaben wollen, dass diese „Werner Stahls“ in ihren Reihen existieren.

    • „Woher kennst du den Erwartungshorizont aller Leserinnen?“

      Gemeint sind die Leserinnen, die auf rivva negativ reagiert haben, und Du natürlich 😉

      „warum Einzelfälle, über die Frau Simon berichtet … zur Allgemeinheit erhoben wird,“

      Journalisten sehen ihre kreative Leistungen ja oft darin, aus trockenen Fakten Geschichten zu machen, die dem Publikum näher gehen als Zahlenkolonnen. Zumindest kommt das erfahrungsgemäß besser an, und es bewirkt bei den Leuten auch besser, weil es emotionalisiert.

      Bei Simon ist die Kornrich et al.-Studie das sehr trockene Faktum. Die außerdem von Simon zitierte Lori Gottlieb bzw. deren Artikel in der New York Times zitiert auch wieder Kornrich. Um diesen harten Kern herum erfindet sie Stories und Episödchen (übrigens mMn eindeutig ironisch formuliert), aber immerhin ist da ein harter Kern. Am ehesten kann man ihr vorwerfen, daß sie eigene Wirkmechanismen vorschlägt, die die Korrelationen erklären könnten, aber das ist spekulativ, s. Kommentar oben zu Mauerunkraut, und sowieso nur ein statistischer Effekt, der keinen Einzelfall erklärt.

      Beim Hurtz-Papier ist dies völlig anders. Nach meiner Erinnerung zitiert er überhaupt keine Statistik, die die Häufigkeit der Werner Stahls seriös benennen würde, ich kenne auch keine (und bezweifle, daß es eine gibt. Rosenbrock et al. sind keine seriösen Analysen). Werner Stahl ist keine Veranschaulichung trockener Fakten, er ist selber das Faktum, das sich ein Leser zusammenreimt. Die Botschaft, die beim Leser ankommt, hat keine Grundlage, insofern erfindet das Hurtz-Papier das unbewiesene Faktum, Werner Stahl sei ein typischer, repräsentativer Masku.

      „…ist Herr Hurtz in seinem Pöbelmasku-Artikel wenigstens so ausgewogen, die Sache nicht nur einseitig zu betrachten“

      Von ausgewogen kann keine Rede sein, s. hier meine quantitative Textanalyse.

      „Ist es vielleicht nicht genehm, die Schattenseiten des Maskulismus zu beleuchten? Ist Maskulismuskritik etwa ganz allgemein nicht erlaubt?“

      Nein, ist erlaubt, und Kritik finde ich sogar gut, wenn was dran ist, kann man nur besser werden. Aber eine so einseitige Darstellung sollte dann auch die Überschrift haben „Die Schattenseiten des Maskulismus“ und nicht so tun, als sei sie ausgewogen. Wenn ich einen Text a la Hurtz über den Feminismus schreiben würde, würde ich 60 % über Solanas mit eine Reihe von Zitaten aus dem SCUM-Manifest schreiben und dann am Rande noch mal 2 Klassiker zitieren, und natürlich #killallmen – das wäre komplett unseriös.

      „… so gar nicht wahrhaben wollen, dass diese „Werner Stahls“ in ihren Reihen existieren.“

      Das ist den meisten Leuten, mit denen ich in der Blase rund um genderama und alles evo. Kontakt habe, sehr genau bewußt, und man vermeidet jeden Kontakt zu den Werner Stahls. Die Existenz dieser Stahls streitet niemand ab.

      Wir hatten uns übrigens vor rund einem Jahr schon mal darüber unterhalten, ob es Sinn macht, bevorzugt auf die Extremfiguren der anderen Seite zu fokussieren – nein – das bringt nichts. U.a. die damalige Diskussion mit Dir und Margret sind ein Grund, warum mir der Hurtz-Text so sauer aufstößt.

    • @ mitm

      Gemeint sind die Leserinnen, die auf rivva negativ reagiert haben, und Du natürlich

      Wie sieht denn mein Erwartungshorizont aus?

      Bei Simon ist die Kornrich et al.-Studie das sehr trockene Faktum.

      Was Simons Umgang mit Studien angeht, wurde hier schon was Interessantes beigetragen

      Um diesen harten Kern herum erfindet sie Stories und Episödchen (übrigens mMn eindeutig ironisch formuliert),

      Ob sie erfindet oder wirklich ein paar Paare kennt, die sie beschreibt, sei dahingestellt. Abgesehen davon pauschalisiert sie unzulässig und das darf man schlecht und unseriös finden und dagegen argumentieren, wie es ja bereits andernorts ausgezeichnet getan wurde.

      Mehr zu deinem Kommentar und allgemein zum Pöbelmasku-Thema im nächsten Blogpost.

  3. M.E. liegt das Verschwinden der Erotik nicht daran, dass Männer sich am Haushalt beteiligen, sondern schlicht an zuviel Nähe über zu lange Zeit. Ein Paar, das gleichberechtigt ein eigenes Unternehmen führt kann das genauso erleben wie das Paar, das eine Familie „managt“. Wer alles zusammen macht, hat sich bald nichts mehr zu erzählen – mit Augenhöhe und so hat das m.E, gar nichts zu tun. Begehren braucht Distanz, um immer wieder neu zu entstehen.

    Auch sind wir wohl nicht unbedingt auf lebenlange monogame Beziehungen angelegt. Es ist durchaus „natürlicher“, von derselben Person nur eine gewisse Zeit lang angeturnt zu sein – Trick der Natur, um eine Schwangerschaft wahrscheinlich zu machen. Diese Hilfe verschwindet aber nach und nach – bei einigen schon nach Monaten, bei anderen nach wenigen Jahren.

    Ob jemand und WER beim Sex die Führung übernimmt, ist austauschbar und hat m.E. grad GAR NICHTS mit der Gleichberechtigung in einer Beziehung zu tun. Sex ist ja auch Spiel und was da passiert, sollte sich einzig nach den Vorlieben der Partner richten.

    • Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz hat nichts mit klassischer Rollenverteilung zu tun. Die Autorin unterlag hier wohl einfach dem Irrtum, dass das direkt miteinander verknüpft ist, und zog daraus ihre Fehlschlüsse.

  4. Etwas anderes fällt auch noch auf. Wie kommt die Autorin eigentlich überhaupt auf die Idee, klassische Familienkonstellationen und sexuelle Rollenspiele mit Emanzipation in Widerspruch zu setzen? Gibt es etwa keine emanzipierten Hausfrauen? Und gibt es keine emanzipierten Frauen, die ihre Entscheidung, sexuell das Zepter abzugeben, ganz selbstbestimmt getroffen haben?

    Ist das nicht eine recht frauenfeindliche Haltung, die üblicherweise gern dem Feminismus untergeschoben wird?

    Die Autorin macht einen ganz einfachen klassischen Fehler. Sie verwechselt Emanzipation schlicht mit Rollen- und Machtumkehr. Aber das ist sehr weit voneinander entfernt. Sie konstruiert dazu dieses umgekehrte Bild überspitzt und stellt den fürsorglichen Hausmann als sexuelle Niete dar, der eher asexuell durch das Leben stolpert und lieber die Bluse der Liebsten, als die Liebste selbst bügelt.

    Also außerdem noch ein männerfeindliches Bild obendrein.

    Man sollte sich also als Journalist/in schon mal die Mühe machen und die Grautöne des Lebens etwas gründlicher betrachten, als solche plumpen Szenarien herbeizuphantasieren und daraus ein krudes Weltbild zu basteln. Sonst kommt so ein Murx wie obiger heraus.

  5. Von Journalisten könnte man schon etwas mehr Differentziertheit erwarten. Theoretisch jedenfalls. Das ist jedenfalls… ziemlich schwach.

    Irgendwie scheinen sich eine Menge Menschen nicht vorstellen zu können, dass eine Beziehung oder auch Sex nur dann funktioniert, wenn einer dominiert und der andere sich unterordnet.

    Das Gleiche hören auch viele Homosexuelle, die bei der Frage, wer bei ihnen der Mann, bzw. die Frau ist, erschöpft die Augen verdrehen: Einer muss ja führen(davon ausgehend, natürlich der Mann). Wie soll das denn sonst klappen?

    Weil halt. Isso.

    • Ja, da gehts darum, dass haushaltspfiffige Männer besseren Sex haben. In obigem Text geht es um häufigen Sex. Dass Qualität und Quantität oft nicht das gleiche ist, ist ja bekannt. 😉

  6. @onoyx:
    „…erinnert eher an den Versuch, irgendwelche 50 Shades of Schwachsinn-Phantasien krampfhaft als das einzig selig machende NonplusUltra darstellen zu wollen.“

    Ich selbst halte auch nicht viel von 50 Shades of Grey, aber finde dennoch nicht, dass ich deshalb Fantasien anderer Menschen als Schwachsinn bezeichnen muss, nur weil sie mich persönlich nicht ansprechen.

    „Warum soll es denn nicht möglich sein, sich vorzustellen, oder – welch rebellischer Gedanke – es sogar zu akzeptieren, dass es unzählige Facetten und Möglichkeiten gibt, Sex und Erotik im kommunikativen Austausch auszuleben? So, Augenhöhe, Gleichberechtigung, Emanzipation und so. Jeder kann machen, worauf alle Beteiligten Bock haben.“

    Volle Zustimmung! Schade, dass es bei vielen Menschen leider nicht so ist.
    Jeder kann machen, worauf alle Beteiligten Bock haben enthält aber auch die antiquierte Rollenverteilung der 50er oder die devote Frau im Bett. Leider wird diese Seite in heutigen Feministischen Kreisen auch nicht immer akzeptiert. (Meine hier nicht direkt dich).

    „Daher mein Fazit: Nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation zerstören die Erotik.“

    Gutes Fazit! Fehlende Kommunikation kommt leider viel zu häufig vor heutzutage. Weil die Menschen (obwohl es unzählige Facetten gibt) einfach davon ausgehen, es gäbe eine Art Sex zu haben, die „normal“ ist und das müsste doch jedem gefallen. Und wenn zwei Menschen eine andere Ansicht haben davon, was „normal“ ist, aber nicht miteinander reden, kommt es zu Problemen und Unlust.

    Ich muss sagen, dass ich den Text in der Süddeutschen beim Lesen nicht so verstanden hatte, dass hier auf alle Personen verallgemeinert wird (also die von dir angesprochene schwarz/weiß-Sicht), sondern dass es bei immer mehr gleichberechtigter Aufteilung des Alltaglebens für einige Paare im Bett zu Problemen kommt, da sei dort am liebsten eher nicht gleichberechtigt sein möchten, aber nicht in der Lage sind, eindeutig zu unterscheiden zwischen Alltagsleben und Sex.
    Und dass es zu solchen Problemen kommen kann, kann ich durchaus nachvollziehen.
    Ich selber kommuniziere viel, was das sexuelle angeht, denke aber, dass es eben Menschen gibt, denen das nicht so leicht fällt.

    Eigentlich das wichtigste und Tollste hast du erst in einem Kommentar geschrieben:
    „Wie kommt die Autorin eigentlich überhaupt auf die Idee, klassische Familienkonstellationen und sexuelle Rollenspiele mit Emanzipation in Widerspruch zu setzen? Gibt es etwa keine emanzipierten Hausfrauen? Und gibt es keine emanzipierten Frauen, die ihre Entscheidung, sexuell das Zepter abzugeben, ganz selbstbestimmt getroffen haben?“

    Ja! Ja! Ja! Die Überschrift sollte mal wieder einfach nur reißerisch sein, denn mit Emanzipation oder nicht, hat das gar nichts zu tun!

    • @ Miria

      Ich selbst halte auch nicht viel von 50 Shades of Grey, aber finde dennoch nicht, dass ich deshalb Fantasien anderer Menschen als Schwachsinn bezeichnen muss, nur weil sie mich persönlich nicht ansprechen.

      Ich finde nicht die Phantasien Schwachsinn, sondern den Hype, der darum gemacht wird.

      Schade, dass es bei vielen Menschen leider nicht so ist.
      Jeder kann machen, worauf alle Beteiligten Bock haben enthält aber auch die antiquierte Rollenverteilung der 50er oder die devote Frau im Bett.

      Ich habe auch nichts anderes gesagt.

      Leider wird diese Seite in heutigen Feministischen Kreisen auch nicht immer akzeptiert.

      Nach meiner Beobachtung wird sie in feministischen Kreisen weit eher akzeptiert als in antifeministischen, wo Beschimpfungen und Herabsetzungen von Menschen, die sich hauptsächlich der Familie widmen, recht häufig an der Tagesordnung sind. („Unterhaltsprostituierte“, „das ist keine Arbeit“, „liegen Männern auf der Tasche“, etc)

      Ich muss sagen, dass ich den Text in der Süddeutschen beim Lesen nicht so verstanden hatte, dass hier auf alle Personen verallgemeinert wird (also die von dir angesprochene schwarz/weiß-Sicht),

      Einen Hinweis, dass die Autorin ein schwarz-weiß-Bild zeichnet, findet sich bereits direkt unter der Überschrift: „Wie viel Gleichberechtigung verträgt unser Sexleben? Keine.“ Wenn das kein schwarz-weiß-Bild ist, was ist es bitte dann?
      Desweiteren behauptet sie: „“Je weniger Unterschied zwischen den Geschlechtern, desto weniger sexuelles Begehren“. Nach dieser Logik dürfte es zwischen Homosexuellen Paaren überhaupt keine Erotik und kein Begehren geben.
      Insgesamt fehlt einfach jegliche Differenzierung.

      Eigentlich das wichtigste und Tollste hast du erst in einem Kommentar geschrieben:

      Das kam daher, dass mir das erst später richtig auffiel. Da die Abwertung von traditionell lebenden Paaren als „unemanzipiert“ gewöhnlich Feministinnen unterstellt wird, fand ich das hier im Zusammenhang recht spannend.

    • @Onyx:
      „Ich finde nicht die Phantasien Schwachsinn, sondern den Hype, der darum gemacht wird.“

      Dann sind wir uns ja einig. Aber in der Wortkombination „Schwachsinn-Fantasien“ wirkt das eindeutig anders, darum ist mir das aufgestoßen.

      „Nach meiner Beobachtung wird sie in feministischen Kreisen weit eher akzeptiert als in antifeministischen, wo Beschimpfungen und Herabsetzungen von Menschen, die sich hauptsächlich der Familie widmen, recht häufig an der Tagesordnung sind. („Unterhaltsprostituierte“, „das ist keine Arbeit“, „liegen Männern auf der Tasche“, etc)“

      Ich glaube die Radikalen in beiden Lagern nehmen sich da nicht viel…
      Mich stört es eben mehr in feministischen Kreisen, weil ich selbst auch Feministin bin und für Freiheit und Gleichberechtigung, aber natürlich dafür, dass man sich seinen Lebensstil selbst wählen kann.
      Was ich meine sind dann Worte wie „unmodern“, „abhängig“, „hörig“, „Backlash“ oder der Klassiker, den ich selbst schon mehrmals von Frauen, die sich auch als Feministinnen bezeichneten, zu hören bekam: „Du weißt eigentlich gar nicht, was du willst, sondern bist nur vom Patriarchat beeinflusst/unterdrückt!“. Natürlich nicht immer in genau diesem Wortlaut.

      Ich wollte dir das jetzt nicht zum Vorwurf machen, da ich nicht denke, dass du zu dieser Gruppe gehörst. Aber es könnte sein, dass auch die Autorin des Artikels evtl. solche Erfahrungen machen musste und daher sich mit dem Artikel (vielleicht unbewusst) dagegen wendet.

    • Mich stört es eben mehr in feministischen Kreisen, weil ich selbst auch Feministin bin

      Das habe ich schon von einigen Feministinnen gehört, kann das aber für mich nicht feststellen, weil ich mich nicht dazu bemüßigt fühle, mich für die Aussagen anderer zu rechtfertigen. Mich stört es vielmehr, wenn solche undifferenzierten Auftritte wie von Frau Simon, oder andere (bewußte?) überspitzte Falschaussagen über Feminismus bei Leuten, die sich weniger damit beschäftigen, als Tatsachen verkauft werden und ob ihrer „Witzigkeit“, ihrer „non-PC-Tabubrüchigkeit“ und ihres „Haha! Ja genau“-Effekts beklatscht werden, ohne sich um den Wahrheitsgehalt zu scheren.

      Aber es könnte sein, dass auch die Autorin des Artikels evtl. solche Erfahrungen machen musste und daher sich mit dem Artikel (vielleicht unbewusst) dagegen wendet.

      Es könnte auch sein, dass sie einfach Unsinn erzählt. Von irgendwelchen diesbezüglichen Erfahrungen liest man bei ihr nämlich nichts. Außerdem sollte sie, wenn es denn so wäre, als Wissenschaftlerin und Journalistin ja wissen, dass subjektive Erfahrungen, die als objektive Wahrheiten verkauft werden, nicht viel wert sind.

  7. Hallo onyx,

    noch mal Bitte um Entschuldigung, Dich da falsch verdächtigt zu haben. Ich hatte mich auch etwas gewundert. Immerhin gut, daß darüber gelästert habe, sonst hätten wir das Problem nicht identifiziert,

    Komisch ist die Sache trotzdem, ich hatte zwei Kommentare abgeschickt, die wurden beide normal mit einer Antwortseite beantwortet:
    https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2016/04/30/emanzipation-zerstoert-erotik-nope/#comment-15411
    und https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2016/04/30/emanzipation-zerstoert-erotik-nope/#comment-15415

    D.h. die Kommentare hatten offenbar die laufenden Nummern 15411 und 15415 bekommen. Ich habe gerade beide noch mal geschickt, Nummern jetzt 15426 und 15427.
    Hoffentlich kommt jetzt was an.

    • Keine Ahnung. Jedenfalls ist das er erste Kommentar von dir, der bei mir überhaupt ankommt.

    • Hast Du mal im Spam-Ordner nachgesehen? (wenn es bei WordPress einen gibt)

      Ich habe es noch ein paar Mal in diversen Varianten versucht und bekam bei den letzten Versuchen sogar mehrfach eine Fehlermeldung „Doppelter Kommentar wurde entdeckt. Es sieht stark danach aus, dass du das schon einmal gesagt hast!“ D.h. irgendwo hat Dein Server den früheren Versuch gespeichert.
      Scheint aber ein technisches Problem zu sein, das nur mich betrifft, ich will Dir damit den Blog nicht weiter vollspammen.

    • @ mitm
      Tatsächlich, die sind alle im Spam-Ordner gelandet, sorry. Da schaue ich selten rein, da die Kommentare, die dort automatisch landen, normalerweise tatsächlich Spam sind, und leere dort nur aus, wenn es zu voll wird.
      Ich schalte aber nicht alle frei, damit nichts doppelt und dreifach erscheint.

    • „Tatsächlich, die sind alle im Spam-Ordner gelandet, sorry.“

      Mich plagt der Verdacht, daß ich generell Minuspunkte bei wordpress habe und überall erst mal im Spam lande. Das gleiche Problem hatte ich aus man tau vor einer Woche und jetzt noch bei einem anderen Blog.

    • Sieh bitte noch mal in den Spam-Ordner … nach meinem Eindruck landen dort alle Kommentare von mir (auch bei anderen wordpress-Blogs). Vermutlich werden alle abgelehnten Kommentare als Minuspunkte gewertet, auch die gelöschten doppelt abgeschickten. Ich kann mir die Probleme, die sich seit ca. 2 Wochen habe, nicht anders erklären.

    • Immer mit der Ruhe. Ich habe weder Zeit noch Lust, stündlich meine Kommentare zu checken.
      Im Spamordner ist derzeit nichts von dir, was nicht freigeschaltet wurde (außer deine „Test“- und „letzter Versuch“-Kommentare)

  8. Diese Artikelreihe hat im Ansatz einen Denkfehler, der aber bei Themen wie Geburtenrate, Beziehungen und Sex sehr weit verbreitet ist. Bei Themen bei denen Männer und Frauen interagieren, wird der Mann einfach ausgeblendet.
    In allen drei Artikeln wird ein gemeinsames Problem nur allein aus Sicht der Frau beleuchtet. Nach der Sicht des Mannes wird gar nicht erst gefragt. Es wird einfach angenommen, dass er so „funktioniert“ wie man es eben annimmt.

    zum Beispiel:

    Das ganze Dilemma wurzelt offenbar in einem grundlegenden, aber wissenschaftlich belegten Widerspruch: Der tolerante, fürsorgliche Mann, mit dem wir zusammenleben wollen, ist nicht der Mann, mit dem wir schlafen wollen – und umgekehrt. Weder die klassische Rollenverteilung noch die Emanzipation der Frau hat etwas mit einem erfüllten Sexleben zu tun.

    oder:

    Schon tragisch. Da bemüht sich der moderne Mann seit Jahren um die Aktivierung seiner Soft Skills. Unterdrückt sein vermeintlich frauenfeindliches „Neandertaler-Ich“ zugunsten der Gleichberechtigung. Holt die Kinder von der Krippe ab. Faltet das Altpapier. Reinigt das Ceranfeld mit einem speziellen Schaber. Synchronisiert seine Bürotermine mit dem Familienkalender. Teilt sich Elternabende, Ausgeh-Abende und Hausarbeit gerecht mit seiner Frau. Nimmt sich zurück im Bett und versucht, sie nicht zu bedrängen. Achtet darauf, dass sie auf ihre Kosten kommt. Und dann bekommt er genau das aufs Brot geschmiert: zu angepasst, um anzutörnen.

    Die Möglichkeit, dass der Mann hier aktiv mitagiert kommt der Autorin gar nich in den Sinn. Frauen haben sich emanzipiert, dadurch sind die Männer „schwächer“ geworden und der Sex ist schlechter geworden.
    Dieser Quatsch wird auch in der Manosphere diskutiert. Ganze Pick-up Schulen beschäftigen sich damit, wie die unfreiwillige Verweichlichung des Mannes durch Techniken kompensiert werden kann.
    Dass Männer vielleicht freiwillig ihre Soft Skills ausgeprägt haben, weil sie glaubten auf dem Partnermarkt besser Chancen zu haben, kommt niemanden in den Sinn. Das funktioniert aber nicht und war ein Fehler, was immer häufiger von Männer erkannt wird.
    Nach der Logik der Autorin muss sich die Frau also wieder etwas zurücknehmen, damit der „handlungsunfähige“ Mann wieder zu einem begehrenswerten Mann zurückverwandelt.
    Angenommen die Ausgangsthese der Autorin stimmte und die Ursache wäre die Emanzipation, warum sollte der Mann ein Interesse haben das Rad wieder zurückzudrehen? Auch diese Frage stellt sie sich nicht.
    Was aber völlig unvorstellbar zu sein scheint, dass der Mann sich ebenfalls emanzipiert und sich selbst neu erfindet und definiert. Das ist nicht vorgesehen!
    Er bestimmt dann wie er leben möchte und welche Rolle er einnehmen möchte oder eben auch nicht.
    Ich bin gespannt in welche Richtung sich das ganze in den nächsten Jahren entwickeln werden wird.

    • Dass Männer vielleicht freiwillig ihre Soft Skills ausgeprägt haben, weil sie glaubten auf dem Partnermarkt besser Chancen zu haben, kommt niemanden in den Sinn. Das funktioniert aber nicht und war ein Fehler, was immer häufiger von Männer erkannt wird.

      Klassischer Trugschluß. Dass es so scheint, hat ganz andere Gründe. Zum Beispiel daran, dass die vielen Paare, bei denen es funktioniert, nicht lautstark auftreten und ihre Erfolglosigkeit beklagen. Wenn diese Therapeutin, oder was Frau Simon sein soll, über einzelne Paare berichtet, die zu ihr kommen und über Schwierigkeiten berichten, was beweist das denn? Nichts. Wieviele Paare stehen denen entgegen, die diese Schwierigkeiten nicht haben? Es ist schon ziemlich perfide, wie hier versucht wird, irgendwelche individuellen Probleme zur Allgemeinheit hoch zu pushen.

  9. Pingback: „#Pöbelmaskulismus“ und „Werner Stahl“ – echtes Problem oder Hetze? | Gedankensalat...

  10. Hallo, ich habe eine einfache Frage: Im Hauptartikel oben wird behauptet: „Daher mein Fazit: Nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation zerstören die Erotik.“ Heide Helga und Miria stimmen dem oben offenbar zu.

    Die Position des Wortes „daher“ im Zitat deutet an, daß hier eine Art Schlußfolgerung gezogen werden soll. Darum meine Frage: Aus welchen Aussagen des Hauptbeitrages folgt, daß nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation die Erotik zerstören?

    Falls es keine solche Aussagen im Hauptbeitrag gibt, – wie läßt sich die von mir zitierte These des Hauptbeitrags „Nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation zerstören die Erotik“ dann erfolgreich belegen?

  11. Hallo onyx,

    ich denke, daß ich den obigen Hauptbeitrag hinreichend gut verstanden habe. Und in meinem letzten Beitrag habe ich keineswegs nahegelegt, daß ich da irgendetwas nicht verstanden hätte. Insofern scheint mir Deine Gegenfrage: „Was genau hast du an dem Text nicht verstanden?“ nicht angemessen zu sein.

    Darüber hinaus denke ich, daß die abschließende Aussage des Hauptbeitrages „Nicht Emanzipation, sondern Engstirnigkeit und fehlende Kommunikation zerstören die Erotik“ durch nichts im Hauptbeitrag begründet oder gerechtfertigt wird. Gleichwohl wird durch die einleitende Wendung „Daher mein Fazit:“ genau der gegenteilige Anspruch erhoben. Dies scheint mir ein sachlicher Fehler im Hauptbeitrag zu sein.

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