Warum schreiben Menschen private Sexblogs?

So richtig werde ich ja nie kapieren, warum Menschen ihre angeblichen oder tatsächlichen Sexerlebnisse veröffentlichen. Warum macht man das? Ist das Sexleben in Wirklichkeit so langweilig, dass man sich diesen Kick geben muß? Das wäre meine einzige logische Erklärung. Welchen Sinn soll das sonst haben? Langweiligen Menschen mit noch langweiligerem oder gar nicht vorhandenem Sexleben, die das dann lesen, die nicht vorhandene Phantasie zu beflügeln? Warum dreht man dann nicht gleich Pornos und stellt die online? Der Weg dahin ist kurz und wäre konsequent.
Es gibt ja eine Binsenweisheit: Wer ständig über Sex redet, hat meistens gar keinen. Daran muß ich dann immer denken, wenn ich über sowas stolpere. Wer wirklich ein erfülltes und befriedigendes Sexleben hat, welches Interesse sollte daran bestehen, das der Öffentlichkeit mitzuteilen, außer dem, sich ein bisschen interessanter darzustellen, als man ist?
Man möge es mir bitte erklären.

28 Kommentare zu “Warum schreiben Menschen private Sexblogs?

  1. Warum schreiben Menschen Tagebuch? Warum schreiben Menschen überhaupt einen Blog? Ist das echte Leben in Wirklichkeit etwa so langweilig, dass man sich diesen Kick geben muss?

    Sich interessanter darzustellen als man ist, könnte ja nur funktionieren, wenn die Leser überhaupt wüssten, wer man ist. Sind solche Blogs nicht eigentlich eher anonym bzw. nicht mit der realen Identität verknüpft?

    • Warum schreiben Menschen überhaupt einen Blog? Ist das echte Leben in Wirklichkeit etwa so langweilig, dass man sich diesen Kick geben muss?

      Auf manche trifft das sicher zu.

    • @Onyx: Du schreibst auch einen Blog. Vielleicht liegt die Motivation derjenigen, die einen Sexblog schreiben ja ähnlich gelagert wie die deine für den Blog?
      Was ist es denn? Aufmerksamkeit? Geltungsdrang?

      Meine persönliche Motivation für meine blog ist beispielsweise, dass ich beim Schreiben meine Gedanken besser ordnen kann und so zu neuen Erkenntnissen komme. Warum ich das öffentlich statt in einem privaten Tagebuch mache: Durch Kommentare bekomme ich interessante Anregungen und Sichtweisen. So kann ich Dinge überdenken oder andere Menschen teilweise auch besser verstehen.
      Auf meinem Blog geht es allerdings um alles mögliche, ja manchmal auch um Sex. Ich verstehe schlicht nicht, warum dieses Thema anders als andere Themen so tabuisiert werden sollte?
      Wie auch Aurelie schreibt, gibt es Blogs zu zig verschiedenen Themen, warum da nicht auch Sex?
      Was ist die Motivation eines Blogs zum Thema Katzen, Nähen oder Kochen?
      Vielleicht ist es einfach ein Thema, was die Person interessiert, beschäftigt, was der Person Spaß macht.

    • Du schreibst auch einen Blog

      Weder schreibe ich Sexgeschichten, noch poste ich Pornobilder.

      Ich verstehe schlicht nicht, warum dieses Thema anders als andere Themen so tabuisiert werden sollte?

      Ich tabuisiere nichts. Von mir aus kann jeder soviel ficki-ficki-Phantasien ins Netz stellen, wie er will. Ich sehe nur keinen Sinn darin, sein Sexleben zu veröffentlichen.

    • @Onyx:
      „Weder schreibe ich Sexgeschichten, noch poste ich Pornobilder.“

      Habe ich dir auch nicht unterstellt. Meine Vermutung ging lediglich in die Richtung, dass die Motivation für einen solchen Blog wie du ihn hast vielleicht ähnlich ist wie die Motivation anderer für einen Sexblog.

      „Ich tabuisiere nichts. Von mir aus kann jeder soviel ficki-ficki-Phantasien ins Netz stellen, wie er will. Ich sehe nur keinen Sinn darin, sein Sexleben zu veröffentlichen.“

      Ok, dann sagen wir statt „tabuisieren“ einfach unterscheiden. Warum siehst du einen Sinn darin, Geschichten über Katzen, Backanleitungen oder irgendwelche anderen Themen, die einen interessieren zu veröffentlichen, aber nicht darin, Sexgeschichten zu veröffentlichen?

    • Habe ich dir auch nicht unterstellt. Meine Vermutung ging lediglich in die Richtung, dass die Motivation für einen solchen Blog wie du ihn hast vielleicht ähnlich ist wie die Motivation anderer für einen Sexblog.

      Das vermute ich weniger.

      Warum siehst du einen Sinn darin, Geschichten über Katzen, Backanleitungen oder irgendwelche anderen Themen, die einen interessieren zu veröffentlichen, aber nicht darin, Sexgeschichten zu veröffentlichen?

      Weil ich wie schon mehrfach gesagt, eher davon ausgehe, dass es ein reines Aufmerksamkeitsding ist. Backanleitungen oder irgendwelche Themen, die zu Diskussionen einladen, haben einen gewissen Sinn, den ich nachvollziehen kann. Als alter Katzenfan kann ich auch nachvollziehen, wenn man über seine Haustiere schreibt. Wäre ich ein Fan von Modellbau, Tauchen oder mittelalterlicher Schiffahrt, fände ich auch solche Hobbyblogs super. Aber irgendwelche Fickstorys zu erzählen hat für mich immer ein unsympathisches „guckt mal alle her, wie geil ich bin“-Geschmäckle.

    • @Onyx:
      „Weil ich wie schon mehrfach gesagt, eher davon ausgehe, dass es ein reines Aufmerksamkeitsding ist.“

      Du hast immernoch nicht die Frage beantwortet, warum du diese Unterscheidung machst! Du sagst, du gehst davon aus, es wäre ein reines Aufmerksamkeitsding, aber du lieferst nicht einen einzigen Grund für diese Unterscheidung.
      Warum kann Sex nicht genauso eine schöne, interessante Beschäftigung sein, über die man sich austauscht?

    • Ich habe es schon mehrfach begründet. Weil Sex nun mal ein Garant für Aufmerksamkeit ist. Das ist bei anderen Themen, sofern es keine sensiblen polarisierenden Streitthemen sind, nicht so. Du kannst mir doch nicht erzählen dass du so naiv bist, dass dir das nicht auch klar wäre. Ich kann ja auch nichts dafür, dass Menschen so voyeuristisch sind.

    • @ Miria Ich finde das insofern interessant, als Du zum Thema „Starren“ ja schriebst, dass Du generell nichts von wilden Knutschereien in der Öffentlichkeit hältst. Solche Blogs sind aber doch eigentlich dasselbe in grün (also virtuell).

  2. Ich verkneife mir mal ein schnippisches „warum nicht?“ und versuche, getragen von einem kleinen Anfall von „immer auf das Beste im Menschen hoffen“, eine Antwort.

    Vielleicht schreiben die einfach aus den gleichen Gründen, aus denen andere über Gartenpflege oder Katzen oder Designermöbel schreiben: Weil es Teil ihres Lebens ist und ihnen Freude macht. Weil es schön ist, freudige Erlebnisse durch Niederschrift in der Erinnerung zu festigen. Weil man Schönes gerne teilt, auch wenn es „privat“ ist. Vielleicht auch, um andere neidisch zu machen, aber vielleicht ja auch, weil man denkt, dass andere was lernen können, wenn man sie teilhaben lässt. Vor allem aber vielleicht, weil Sex nichts ist, das man schamhaft behandeln müsste. Vielleicht sogar, weil man der Meinung ist, dass man zu einer Enttabuisierung betragen kann, von der unsere Gesellschaft auch einige Jahre nach 1968 noch immer profitieren könnte.

    Aber vielleicht sind die Blogs, über die du da gelegentlich stolperst, ja wirklich einfach nur komisch. Dazu müsste ich sie kennen.

    (Offenlegungen: Ich betreibe selber keinen Sex-Blog, der einzige mir bekannte Blog, in dem u.a. auch sexuelle Erlebnisse in erstaunlicher Frequenz erwähnt werden, ist diesbezüglich weder besonders spannend noch irgendwie nervig, und mit den Folgen der Tabuisierung privater Liebesangelegenheiten habe ich als schwuler Mann die entprechenden Erfahrungen.)

    • Vielleicht schreiben die einfach aus den gleichen Gründen, aus denen andere über Gartenpflege oder Katzen oder Designermöbel schreiben: Weil es Teil ihres Lebens ist und ihnen Freude macht. Weil es schön ist, freudige Erlebnisse durch Niederschrift in der Erinnerung zu festigen. Weil man Schönes gerne teilt, auch wenn es „privat“ ist. Vielleicht auch, um andere neidisch zu machen, aber vielleicht ja auch, weil man denkt, dass andere was lernen können, wenn man sie teilhaben lässt. Vor allem aber vielleicht, weil Sex nichts ist, das man schamhaft behandeln müsste. Vielleicht sogar, weil man der Meinung ist, dass man zu einer Enttabuisierung betragen kann, von der unsere Gesellschaft auch einige Jahre nach 1968 noch immer profitieren könnte.

      Das mag alles sein, aber dennoch stellt sich mir immer die Frage, warum man so intime Dinge der Öffentlichkeit preisgibt. Sex ist immer ein Thema, das Aufmerksamkeit verspricht. Es ist eine fremde Intimität, zu der man normalerweise keinen Zutritt bekommt (mal von den frei zugänglichen einschlägigen Angeboten im Netz abgesehen). Darum ist auch genau das meine Vermutung. Man will Aufmerksamkeit. Für mich hat das nichts mit Scham oder Enttabuisierung zu tun. Seit jeder Mensch anonym seine abstrusen Gedanken zur Schau stellen kann, ist es mit der Scham ohnehin vorbei.

      Aber vielleicht sind die Blogs, über die du da gelegentlich stolperst, ja wirklich einfach nur komisch. Dazu müsste ich sie kennen.

      Ich will natürlich nicht per Verlinkung groß Werbung dafür machen, aber in der Tat sind die Storys (oder Märchen), die mir über den Weg fallen, nach meiner Meinung eher 3. klassige Möchtegernpornos, die im Wesentlichen nicht mehr als
      „Er hat meine Titten geknetet, dann hat er mich gefickt, dann bin ich gekommen“
      oder „Ich hab ihr den Arsch versohlt, dann hat sie an meinem Schwanz gelutscht und ich hab ihr voll ins Maul gespritzt“
      beinhalten.
      Was bei mir weniger Spaß, geschweige denn Erregung, als eher Kopfschütteln und die Frage „was zum Geier soll der langeilige Scheiß?“ hervorruft. Und dann klicke ich halt weg.

      (Natürlich wird das jetzt wieder bei dem einen oder anderen betonköpfigen Vollidioten den Beißreflex „typisch, sexfeindliche Feministin, jetzt will sie auch noch Sexgeschichten verbieten lassen!!! Aufstampf“ hervorrufen. Aber soviel Engstirnigkeit ist ja nicht mein Problem.)

    • „Für mich hat das nichts mit Scham oder Enttabuisierung zu tun.“

      Ich kann und will auch sicher nicht behaupten, dass das das vornehmliche Ziel aller dieser Blogs sei. Aber vielleicht ist ja es ein unbeabsichtigter Nebeneffekt. Ich versuche hier nur, neben den eher banalen Gründen (macht Spaß, interessiert manche Leute halt einfach usw.) die Frage um einen politischen Aspekt zu ergänzen, der ja vielleicht doch drinsteckt (auch wenn du das eher skeptisch siehst).

      „Seit jeder Mensch anonym seine abstrusen Gedanken zur Schau stellen kann, ist es mit der Scham ohnehin vorbei.“

      Hier ist meine Wahrnehmung eine deutlich andere. Sicherlich gibt es viele Einzelsituationen (wie z.B. die von dir zitierten Blogs), in denen wir kaum oder gar keine Rücksichtnahme auf traditionelle Schamgrenzen erkennen können. Das heißt aber doch lange noch nicht, dass sämtliche Tabus überall und vollständig verschwunden seien.

      Ich kann jetzt nicht mit irgendwelchen tollen Studien daherkommen oder so. Aber die Frage, wie Sexuelles in den Medien / der Öffentlichkeit diskutiert wird, beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Und wenn man vielleicht vermuten könnte, dass gerade jemand, der sich wie ich vor allem in schwulen bzw. queeren Diskussionen bewegt, doch eigentlich viele sehr offene, liberale, lustfreundliche Debatten über Sexualität erleben sollte, so ist meine Erfahrung doch eine ganz andere: Ich beobachte nach wie vor das ganze Spektrum von Scham, Verklemmtheit, irrationalen Ängsten und Projektionen bis hin zu latenter oder ganz offener Sexualfeindlichkeit. Oft staune ich selber, wie unverhohlen und selbstverständlich immer noch zwischen „guter“ und „schlechter“ Sexualität unterschieden wird („slut shaming“ beispielsweise ist auch hier in diesem Forum sicher ein Begriff, oder?).

      Ich glaube, kurz gesagt, nicht eine Sekunde lang, dass wir in einer sexuell wirklich liberalen Gesellschaft leben.

      So. Nun gibt es coole, wirklich liberale Leute wie dich (ich hoffe, das Wort „liberal“ beleidigt dich nicht). Die lesen Sex-Blogs und sind gelangweilt, weil sie keine Tabus im Kopf haben und Sex für eine recht gewöhnliche Sache halten, die zwar schön ist, aber, sofern man selbst unbeteiligt ist, auch wieder nicht soo spannend, dass man das lesen möchte.

      Dann gibt es aber auch die Menschen, die immer noch verinnerlicht haben, dass Sex irgendwie pfuibäh und schambehaftet ist. Wenn so jemand zufällig in einen Sex-Blog stolpert, könnte es doch sein, dass er*sie ins Staunen kommt und so Sachen denkt wie „Wow, da traut sich jemand was, das ich mich nicht trauen würde / von dem ich immer dachte, dass könne man niemals öffentlich sagen / das ich so zum ersten Mal von jemand anderem mitbekomme usw.“ Könnte doch ein kleiner Trofen auf einen großen Schamstein sein, oder? Es könnte dazu beitragen, dass mehr Leute begreifen und auch konkret erleben, dass Sexualität eben nicht nur im Verborgenen der Privatsphäre besprochen werden kann, sondern auch hier und da zu einem Thema werden kann, über das man einfach so redet, wie man über alles andere auch redet.

      Damit will ich sicher nicht sagen, dass JEDE Art, über Sexualität zu sprechen, automatisch im Sinne des eben Gesagten emanzipatorisch wirken müsse. Aber im Besten Fall KÖNNTE sie es. Und da würde ich Sex-Blogs zumindest nicht generell ausschließen.

    • „Seit jeder Mensch anonym seine abstrusen Gedanken zur Schau stellen kann, ist es mit der Scham ohnehin vorbei.“
      Hier ist meine Wahrnehmung eine deutlich andere. Sicherlich gibt es viele Einzelsituationen (wie z.B. die von dir zitierten Blogs), in denen wir kaum oder gar keine Rücksichtnahme auf traditionelle Schamgrenzen erkennen können. Das heißt aber doch lange noch nicht, dass sämtliche Tabus überall und vollständig verschwunden seien.

      Das war auch weniger konkret auf sexuelle Inhalte bezogen, sondern auf das online-Auftreten allgemein.

      Ansonsten danke ich dir für deinen interessanten Input, der für mich gut nachvollziehbar ist. Tatsächlich halte ich es auch für nicht unwahrscheinlich, dass eher Menschen, die glauben, dass es sich bei sexuellen Inhalten um ein besonders tabubrüchiges und „schmutziges“ Thema handelt, besonders darauf anspringen und diejenigen, für die es gerade kein Tabuthema ist, auch keinen besonderen Reiz darin sehen, fremden Leuten ins Schlafzimmer zu schauen. Ich mag das nicht jedem wahllos unterstellen, halte es aber für einen durchaus logischen Schluß.

      Damit will ich sicher nicht sagen, dass JEDE Art, über Sexualität zu sprechen, automatisch im Sinne des eben Gesagten emanzipatorisch wirken müsse. Aber im Besten Fall KÖNNTE sie es. Und da würde ich Sex-Blogs zumindest nicht generell ausschließen.

      Ich möchte hier nicht die Termini „über Sexualität sprechen“ und „Sexblogs schreiben“ vermischen. Das halte ich für 2 völlig verschiedene Dinge. Ersteres halte ich für einen großen emanzipatorischen Fortschritt und sehr wichtig im Sinne der Aufklärung, zweiteres eher für ein – nennen wir es mal individuelles Hobby, aus welchen Gründen auch immer.

  3. Menschen schreiben über das, was sie beschäftigt. Mode, Gesellschaft, Computerspiele, Politik, Rezepte, Wissenschaft und eben auch Sex. Ein normaler Teil des Lebens. Natürlich trifft nicht alles den persönlichen Geschmack (geht mir ja auch so). Erotische Literatur hat eine lange Tradition. Es scheint die Menschen wohl zu interessieren. Und wenn Exhibitionist/-in (Autor/-in) und Voyeur/-in (Leser/-in) aufeinander treffen und Freude an den Geschichten finden – warum nicht?

    • Erotische Literatur hat eine lange Tradition.

      Das stimmt. Aber „erotische Literatur“ und „platte Pornomärchen“ sind nun mal zwei verschiedene Dinge. Aber mich interessiert eignetlich nur die Motivation, warum man sein angebliches oder tatsächliches Intimleben vor der Welt ausbreitet. Hattest du nicht auch mal so einen Blog? Was war deine Motivation dafür? (Allerdings meine ich mich auch zu erinnern, dass deine Texte wesentlich niveauvoller waren, als das, was mir andernorts in letzter Zeit aufgefallen ist.)

    • Erotik muss ja nicht immer niveauvoll sein, um Menschen anzumachen. Jede/-r hat andere Vorlieben: Von Anaïs Nin über Shades of Grey bis hin zu Sexblogs.
      Ich glaube, dass jeder Bloggern und jede Bloggerin eine gewisse Tendenz zur Selbstdarstellung hat. Man möchte gehört werden. Man hat der Welt etwas zu sagen. Ein urmenschliches Bedürfnis wie ich finde.
      Sex ist Teil meines Lebens. Ich habe ihn gerne, rede und schreibe gerne darüber. So wie andere Bilder von ihrem (belanglosen) Essen bei Instagram hochladen. Das ist das Internet.

    • Ich glaube, dass jeder Bloggern und jede Bloggerin eine gewisse Tendenz zur Selbstdarstellung hat.

      Mag sein. Je nach Intensität und Quantität, wie ein Blog gefüttert wird, kann man da durchaus eine Tendenz sehen.

      Sex ist Teil meines Lebens. Ich habe ihn gerne, rede und schreibe gerne darüber. So wie andere Bilder von ihrem (belanglosen) Essen bei Instagram hochladen. Das ist das Internet.

      Natürlich. Aber ist es nicht ein Unterschied, ob ich mein Butterbrot fotografiere oder meine Geschlechtsteile, oder ob ich über allgemeine gesellschaftliche Themen spreche?

    • Für mich persönlich ist da eine Grenze erreicht. Andere ziehen diese Grenze wiederum anders. (Eine meiner Freundinnen findet saunieren bspw. geradezu obszön.) Was du oder ich als intim definieren, muss ja nicht für alle gelten. Du findest Sexblogs intim und vielleicht sogar überflüssig. Okay. Andere schreiben und lesen sie wiederum sehr gerne.

    • Ja gut, das ist ja nicht die Frage. Ist schon klar, dass andere das ganz anders sehen mögen. Die Frage war auch nicht, warum Menschen sexuelle Inhalte konsumieren. Die Frage war die nach der Motivation, warum man es anbietet, ob nicht ein gesteigerter Geltungsdrang dahinterliegen könnte, sich und seine Gedanken auf eine Art zu präsentieren, die man bewußt kalkuliert, um stärker beachtet zu werden. Eben weil Sex immer ein Anziehungspunkt ist.

    • Naja, warum wird man Pornodarsteller? Warum wird man Schauspieler? Warum lädt man halbnackte Fitness-Videos bei Youtube hoch? Wenn du das eine (Sexblogs) verwerflich findest (weil Geltungsdrang), musst du tausend andere Dinge auch verwerflich finden. Dann stünde gefühlt die Hälfte der Menschheit unter Generalverdacht.
      Natürlich kann man über Sexgeschichten sehr viel anonyme männliche Aufmerksamkeit generieren. Ich bin mir dieses Mechanismus‘ durchaus bewusst und er war einer der Gründe, warum es meinen Blog nicht mehr gibt. Wenn du jedoch die Produzenten sexueller Inhalte verurteilst, musst du 1) auch die Konsumenten jeglicher Art verurteilen und 2) wird immer die Frage bleiben, wo die Grenze zu ziehen ist.

    • Naja, warum wird man Pornodarsteller? Warum wird man Schauspieler? Warum lädt man halbnackte Fitness-Videos bei Youtube hoch? Wenn du das eine (Sexblogs) verwerflich findest (weil Geltungsdrang), musst du tausend andere Dinge auch verwerflich finden.

      Ich finde auch viele andere Dinge verwerflich, aber das hab ich ja mit keinem Wort über Sexblogs gesagt. Ich habe nur gefragt, warum Menschen das machen.

      Wenn du jedoch die Produzenten sexueller Inhalte verurteilst, musst du 1) auch die Konsumenten jeglicher Art verurteilen

      Das tue ich sicher nicht. Zu einem gewissen Anteil schon, aber das ist ein sehr viel komplexeres Thema, als dass ich es auf diesen einen Satz runterbrechen, geschweige denn mit „jeglicher Art“ umschreiben würde.

      und 2) wird immer die Frage bleiben, wo die Grenze zu ziehen ist.

      Die Grenze ist immer dort zu ziehen, wo Menschen zu Schaden kommen. Wenn Menschen einen Sexblog schreiben und plötzlich perverse Mails von Idioten bekommen und deren Würde verletzt wird oder sonstige Schäden entstehen, ist eine Grenze erreicht. Aber da muß halt jeder selbst wissen, ob er das ignoriert, weil Aufmerksamkeit wichtiger ist, oder ob man da eingreift.

    • Die Frage, warum jemand das macht, habe ich ja oben schon versucht zu beantworten: Selbstdarstellung und Aufmerksamkeit. (Die beiden Triebfedern sehr vieler menschlicher Handlungen.) Wie du das bewertest, bleibt dir überlassen. Ich bewerte es zumindest nicht als negativ.

  4. Ich verstehe es auch nicht. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich allgemein das Mitteilungsbedürfnis mancher Leute nicht verstehe. Derer, die jeden Tag mindestens ein Selfie hochladen, die ihr Mittagessen posten (und dann nicht mal ein Rezept dazu bereitstellen 👿 ) und jede Stunde eine neue Statusmeldung. „War gerade am Klo.“ oder „Sitze mit Tante Brigitte im Garten.“
    Ich finde es nicht „verwerflich“, kann es aber wie gesagt nicht verstehen. Überhaupt wenn dann auch noch die Gefahr besteht, dass die Identität rauskommt, und dann die Chefin, der Nachbar, Kommilitonen, etc. lesen können, auf welcher Veranstaltung ich gestern war, wofür ich mein Geld ausgebe und eben worauf ich im Bett stehe.
    Aber es steht jedem frei, sein Leben im Internet auszubreiten.

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