Lesetipps

In meinem Urlaub konnte ich den unglaublichen Luxus genießen, die viele tolle Zeit mit ein paar interessanten Büchern zu vertreiben. Meine Favoriten möchte ich vorstellen.

Zunächst eine Art Buchreihe bestehend aus 3 Büchern, die jeweils eine Geschichte, und zusammen eine Gesamtgeschichte erzählen, da sie zeitlich aufeinander aufbauen, aber auch einzeln ohne den Kontext zu den jeweils beiden anderen funktionieren.

Der Autor ist Philipp Möller, ehemaliger Grundschullehrer aus Berlin, am ehesten bekannt durch die sogenannte „atheistische Buskampagne“

In seinem ersten Buch „Isch geh Schulhof“ (2012)

erzählt er von seinen Erfahrungen als Grundschullehrer an einer Berliner Schule. Was dem Titel nach klingt, als handle es sich um eine spöttische oder gar polemische Abfertigung irgendwelcher Ghetto-Kids in Kannak-Spraak, zeigt sich eher als sowohl unterhaltender, humorvoller, ehrlicher, aufklärerischer, aber auch rührender bis zT trauriger Einblick in den Schulalltag und dessen Mißstände. Angefangen bei miserablen Zuständen der Schulgebäude, über resignierte Lehrer und Schüler aus Problemfamilien mit geringer Lernkompetenz, dafür aber hoher Aggressionsbereitschaft, religiösem Fundamentalismus, Sexismus und Homophobie.
Möller macht dabei aber nicht den Fehler, von oben herab und anklagend auf die Schüler zu zeigen oder sie vorzuführen. Im Gegenteil achtet er sehr darauf, die Hintergründe zu sehen, warum die Schüler so sind, wie sie sind. Und er berichtet sympathisch ehrlich von eigenen Ängsten, dem eigenen Versagen, dem eigenen Verzweifeln, der eigenen Entwicklung. Unterm Strich eine sehr unterhaltsame, aber deutliche Kritik am deutschen Bildungsystem.
Einen Lesevortrag kann man sich hier anschauen:

„Bin isch Freak, oda was?!“ (2014)

Hier geht es um die Zeit nach seiner 2jährigen Lehrerkarriere, wo er sich nach einem teils frohen, teils wütenden, teils wehmütigen Abschied vom Schulalltag nach neuen Perspektiven umsieht, und dabei mit diversen Freaks in Berührung kommt. Ob Beamte beim Arbeitsamt, deutsche Touristen im Kroatienurlaub, dogamische Impfgegner und Homöopathieanhänger, durchgeknallte Esotheriker oder trinkfreudige und hierarchiegläubige Burschenschaftler. Möller schafft es, jedem dieser Freaks einen liebenswerten Touch zu verleihen.

„Isch hab Geisterblitz“ (2015)

hab ich als das berührendste der 3 Bücher empfunden. Hier kommt er erneut zum „Problem Schule“, und zu einem ehemaligen Schüler zurück, dessen Abschluss wie bei vielen gefährdet ist. Leistungsunwille, Aggression, Perspektivlosigkeit, kaum der deutschen Sprache mächtig und Zielscheibe für überforderte Lehrer.
Da Möller aber überzeugt ist, dass in dem Jungen mehr steckt und er ganz und gar nicht unbegabt ist, wird er sein Nachhilfelehrer. Was sich anfänglich als unlösbares Problem darstellt, bringt Möller an den Rand der Verzweiflung und er merkt, dass man dem Jungen nicht mit herkömmlichen Lehrermethoden helfen kann. Mit unkonventionellen Mitteln gewinnt er aber nach und nach das Vertrauen des Jungen und entlockt ihm Neugier, Lernwillen und Ehrgeiz und allmälig wird aus den beiden ein gutes Team. Sie lernen die Familien und die Geschichte des anderen kennen, was ich teilweise als so bedrückend und rührend empfunden habe, dass mir hier das eine oder andere Tränlein geflossen ist.

Nächster Lesetipp: Michael Schmidt-Salomon – Grenzen der Toleranz

Dieses Buch beschäftigt sich in weiten Teilen mit der Islamdebatte und deutlicher Kritik daran. Wer aber glaubt, es handelt sich um ein polemisches „Böser Islam!“ oder gar Rassismus, der irrt. Schmidt-Salomon beleuchtet sehr reflektiert und detailliert die Probleme, die „falsche Toleranz“ gegenüber nicht-tolerierbaren Haltungen mit sich bringt. Er unterscheidet dabei sehr fein zwischen Positionen, die akzeptiert werden müssen, toleriert werden müssen, und nicht toleriert werden dürfen. Die Grenzen zieht er dabei nicht willkürlich, sondern sehr gut begründet. Sehr betonen möchte ich allerdings (und das ist auch der Hauptgrund für meine Leseempfehlung), dass er sich nicht auf den Islam beschränkt, sondern die gleichen Maßstäbe bei den vermeintlichen Rettern des „christlichen Abendlandes“ anlegt. AfD, Pegida & Co nimmt er genauso ins Fadenkreuz. So fragt er zB zu Recht, warum wir eine „Islamisierung“ kritisieren, aber keine „Christianisierung“. Er plädiert für die Verteidigung unserer freiheitlichen Grundwerte Freiheit und Emanzipation des Individuums, Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte, die durch religiösen Fanatismus – egal welcher – gefährdet sind.
Ein wirklich lesenswertes Buch.

2 Kommentare zu “Lesetipps

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