#Pflege: Schüleranleitung

Aus den konkreten Erfahrungen der letzten Tage möchte ich heute mal über ein Thema sprechen, das ich zweischneidig betrachte.

Ich freue mich grundsätzlich sehr über jeden, der sich entschließt, die Pflegeausbildung zu absolvieren. Dass wir Nachwuchs an Fachkräften brauchen, ist schließlich kein Geheimnis.

Nun hatte ich in den letzen Tagen die konkrete Aufgabe, unseren Schüler in den Aufgabenbereich der Schichtleitung einzuarbeiten. Sprich, neben der Pflege der Bewohner Medikamente vorbereiten und verabreichen, Bestellungen, Schriftkram erledigen, Arztvisiten begleiten, den Schichtablauf organisieren, etc. Er sollte das alles unter meiner Anleitung und Aufsicht erledigen. War auch alles kein größeres Problem. Mit ein bisschen Hilfe hat er das unter Berücksichtigung seiner fehlenden Erfahrung ganz gut gemacht. Hätte er sich total verrannt im Stress, hätte ich natürlich eingegriffen, aber dass er anfangs für alles etwas länger braucht, weil er alles genau nachlesen muß, ist völlig normal und das werte ich eher positiver als wenn er schlampig gearbeitet hätte, weil er schnell alles hinter sich bringen will. Am ersten Tag hab ich ihn noch in diversen Dingen unterstützt und Aufgaben abgenommen, aber später hat er das ganz gut selbst hingekriegt. Nur ans Telefon bin ich immer selbst gegangen, immer mit dem Hinweis, dass das jetzt eigentlich seine Aufgabe wäre und ich sah seinen Schweiß auf der Stirn. Aber ich wollte ihn zu Anfang noch nicht überfordern.
Insofern also alles gut und schön.

Aber jeder, der Ahnung von der Materie hat, weiß, wie selten es der Fall ist, dass Schüler und ihre Mentoren so viel Zeit haben, dass sie diverse Aufgaben gemeinsam in Ruhe durcharbeiten können. Ich erinnere mich an meine eigene Ausbildung, dass ich nicht den Luxus hatte, unter helfenden Adleraugen eine ganze Schicht zu organisieren, um den Ablauf der Schichtleitung kennenzulernen.

Heute gab es das Abschlußgespräch und er meinte, er fand das ganz toll, dass er alles mal kennenlernen konnte und ich immer unterstützend dabei war und Fragen beantworten konnte. Kleine Sticheleien meinerseits konnte ich mir dabei natürlich nicht verkneifen: „Morgen hast du Bereitschaft und musst im ganzen Haus die Diabetiker spritzen. Auf der anderen Station ist heute keine Fachkraft, da zieht heute ein neuer Bewohner ein, das musst du erledigen, der MDK kommt zur Begutachtung, Frau x und Herr y kommen aus dem Krankenhaus zurück, nachher musst du noch 5 Ärzte anrufen und Anordnungen klären und dann kollabiert auch noch jemand, dann musst du den Notarzt rufen, und alle 5 Minuten Telefon, Angehörige, die Fragen an dich haben und Pflegehelfer, die ständig zu dir kommen und deine Hilfe brauchen. Daran musst du dich gewöhnen“.
„Puh“.
„Aber mach dir keine Panik, mit der Zeit kriegst du das alles hin“

Von der WBL bekam ich das Feedback, dass ich wohl eine ganz gute fachliche Anleitung geleistet habe. Die gleiche WBL, die mir schon mehrmals die Weiterbildung zur Mentorin nahegelegt hat. Ich habe aber abgelehnt, weil ich die Verantwortung nicht tragen will, einen Schüler 3 Jahre zum Examen zu begleiten, solange nicht sichergestellt ist, dass wir die erforderliche Zeit für gemeinsame Aufgaben haben.

Mich würden mal die Alltagserfahrungen der Mentoren interessieren, die regelmäßig 3 Jahre lang Schüler unter sich haben und sie auf das Examen vorbereiten müssen. Wie funktioniert die Praxisanleitung im Alltag?

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