Ich will nicht als „Schwester“ geliebt werden! – ein kurzer Rant

Sagt mal, ihr Leute bei der Huffington Post, habt ihr eigentlich den Arsch offen?!

In einer Zeit, wo bundesweit Pflegekräfte ihre letzten Energien bündeln, um für Selbstverständlichkeiten zu kämpfen, die ihnen gesetzeswidrig verwehrt bleiben, fällt euch nichts anderes ein, als hanebüchenen Mist wie folgenden zu veröffentlichen?

https://www.huffingtonpost.de/2015/09/16/20-gruende-warum-man-eine-krankenschwester-lieben-muss_n_8144578.html

„Ihnen bleibt wenig Zeit pro Patient und da sollen sie waschen, pflegen, ratschen und dokumentieren“

Ihr sublimiert all das, was wir täglich leisten, oder zu leisten versuchen, unter „lobenswerten Heldentaten“. Ungeachtet dessen, dass das oft nur passiert, schlicht weil Gesetze gebrochen werden?

„Krankenschwestern haben eine ganz eigene Vorstellungen von Mode

Während der Arbeit tragen sie Uniform, die nicht selten unfreiwillig aufgepeppt ist. Hier niest einer, da übergibt sich ein anderer. Und als Krankenschwester steht man irgendwie immer in der ersten Reihe. Aber was solls, in der Umkleidekabine sind noch saubere T-Shirts in ihrer Größe.“

Ihr findet es witzig, es als „Modegag“ zu bezeichnen, dass unsere Arbeitskluft täglich mit zT infektiösen Ausscheidungen verunreinigt wird?

„Krankenschwestern sind Allround-Talente

Sie werden immer angepiept. Sie kommen zum Haare kämmen, schminken, Uhr richten, Klamotten aussuchen, Fernsehprogramm umschalten, Schuhe anziehen… Aber es macht ja auch Spaß, wenn man sieht, wie glücklich Patienten danach sind.“

Ihr glaubt, es macht uns Spaß, wenn wir für Nichtigkeiten wie TV-Programme umschalten von wichtigeren Tätigkeiten, die Leben retten könnten, abgelenkt werden?

„Zuerst wird der Patient versorgt, dann hat man Zeit sich um die eigenen Blasen, wunden Knie oder um den schmerzenden Rücken zu kümmern.“

Ihr lobt unseren angeblichen Altruismus, dass wir zuerst an andere denken, unsere Gesundheit ruinieren und „für nichts arbeiten“, ohne ein Wort darüber zu verlieren, wie scheiße das eigentlich ist?

„„Ärzte sind das Hirn der Klinik, Krankenschwestern das Herz: Wenn das Hirn einen Fehler macht wird es das Herz wieder richten, macht das Herz einen Fehler macht keiner es wieder gut. – Stolz eine Krankenschwester zu sein““

Ihr findet es originell, abwertende Klischees zu bedienen, Pflegekräfte hätten kein Hirn, sondern wären nur fürs Herz zuständig?

„„Eine Krankenschwester zu sein bedeutet all deine Tränen zurückzuhalten und anzufangen anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“ – muss ja nicht jeder wissen, dass im Nachbarzimmer gerade jemand gestorben ist.“

Ihr findet es toll, dass Pflegekräfte emotional komplett abstumpfen?

„Auch wenn sie lieber „Frau Meier“ wären, im Krankenhaus sind sie „Schwester Anna“. Das wird eine ganz schön große Familie bei so vielen Geschwistern.“

Ihr findet es liebenswert, dass uns die Professionalität aberkannt, und einen Nonnenstatus aufgedrückt wird, weil wir von allen – auch von euch – nur „Schwester“ genannt werden?

All das sind Gründe, uns zu „lieben“? Ein bisschen „das könnte ich nicht, aber irgendwer muß es ja machen“-Heititei, damit wir weiter schön blöd, stumm und willig die ganze Scheiße mitmachen?

Von ahnungslosen und sexistischen Arschlöchern will ich nicht geliebt werden!

„Und warum machen sie das? Weil es glücklich macht, wenn der Patient bei der Entlassung „danke“ sagt.“

Mich würde es glücklich machen, wenn ihr vor dem Schreiben nachdenken und euch informieren würdet. Bitte. Danke. Gerne.

*Mittelfinger und ab*

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